Autor/in: Anna Stelzer

Diabetes mellitus Seite 4

  • Fußinspektion
  • Auch die Frage nach dem Risikofaktor Rauchen gehört zur Überwachung des möglichen Risikos von Spätfolgen.
  • Halbjährliche Augenspiegelungen, wenn der Diabetes mellitus schon länger als 10 Jahre besteht.

Jährlich:

  • Augenärztliche Kontrolle, also Spiegelung des Augenhintergrundes
  • Nierenfunktionstest: dabei wird der Blutdruck, die Ausscheidung von Eiweiß im Harn (Mikroalbuminurie) und das Kreatinin gemessen und ein Urinstatus durchgeführt.
  • Untersuchung des peripheren Nervensystems, also der Nerven in Armen und Beinen inklusive eines Stimmgabeltests.
  • Untersuchung der Gefäße (Gefäßstatus) einschließlich einer Doppler-Untersuchung (eine Form des Ultraschalls)
  • Ruhe-EKG, ggf. Belastungs-EKG und Herz-Echo
  • Blutfette (Lipid Status): Cholesterin (HDL und LDL) und Triglyzeride; die Zielwerte werden je nach individuellem Therapieziel festgelegt.

Die Entwicklung von diabetischen Folgeschäden kann verhindert bzw. verzögert werden durch eine umfassende Selbstkontrolle und gute ärztliche Vorsorgeuntersuchungen.


9.1. Der Gesundheitspass – Diabetes

Diabetes Buch

In diesen Pass werden alle wichtigen Informationen und Ergebnisse über durchgeführte Untersuchungen eingetragen. So ist der Diabetiker und auch der Arzt jederzeit auf dem aktuellen Wissensstand und auch darüber informiert, welche Untersuchungen wieder notwendig sind. So ist auch der Informationsfluss zwischen verschiedenen Ärzten garantiert.

Jeder Diabetiker sollte einen solchen Pass besitzen und mit sich führen.

Viele Kliniken und Ärzte geben Diabetikern den Pass – meist gegen eine geringe Gebühr – während einer Schulung. In einigen Bundesländern zahlen ihn die Krankenkassen. Auch der Deutsche Diabetiker-Bund ist seit 1989 an der Verbreitung beteiligt

10. Leben mit Diabetes mellitus

Die Diagnose Diabetes mellitus stellt zunächst für die Betreffenden und deren Angehörigen einen tiefen Einschnitt in das bisher gewohnte Leben dar. Doch mit der richtigen „Einstellung“ durch den behandelnden Arzt und einem Diabetes Team können Diabetiker heutzutage ein weitgehend normales Leben führen. Je mehr Verantwortung sie übernehmen, desto größer wird ihre Freiheit in allen Aspekten der Lebensführung.

10.1. Alltag

Im Alltag ist die Körperpflege besonders wichtig, da sich schlecht durchblutete Körperregionen (z. B.. Füße) schnell entzünden können und es zu Amputationen kommen kann.

Menschen ohne Diabetes können oft nur schwer ermessen, was es bedeutet, täglich die Verantwortung für die eigene Diabetesbehandlung zu übernehmen. Das Gespräch mit anderen Diabetikern, aber auch Personen, die mit Diabetes konfrontiert worden sind, kann daher sehr wertvoll sein. Hier bieten vor allem Selbsthilfegruppen wertvolle Begegnungsmöglichkeiten.

10.2.Beruf und Arbeitsplatz

Diabetiker ohne schwerwiegende andere Krankheiten oder schwere Diabetes-Komplikationen können alle Berufe und Tätigkeiten ausüben, zu denen sie nach Neigung, Begabung, praktischen Fähigkeiten und Ausbildung geeignet erscheinen.

Wegen der Gefahr von Bewusstlosigkeit durch Unterzuckerung sind folgende Tätigkeiten problematisch, da auch andere in so einem Fall gefährdet werden können:

  • Berufliche Personenbeförderung (Taxi, Bus, Zug, Flugzeug)
  • Verantwortliche Überwachungsfunktion (z. B. Straßen-, Bahn-, Luftverkehr)
  • Berufsmäßiger Waffengebrauch (z. B. Polizei, Militär)
  • Arbeiten mit Absturzgefahr (z. B. Dachdecker, Maurer)

10.3. Sozialversicherung und Behinderung

Personen mit Diabetes können beim Versorgungsamt einen Antrag auf Anerkennung als Schwerbehinderte stellen. Der Grad der Behinderung wird nach folgenden Bewertungskriterien eingestuft:

Störung, Behandlungsweise, Einstellbarkeit

Grad

Der Diabetes mellitus ist allein durch Diät einstellbar,
oder durch Diät und Kohlenhydrat Resorption verzögerer,
oder durch Biguanide (d.h. orale Antidiabetika, die allein nicht zur Hypoglykämie führen) ausreichend einstellbar

10 %

und Sulfonylharnstoffe (auch bei zusätzlicher Gabe anderer oraler Antidiabetika) ausreichend einstellbar

20 %

und orale Diabethikum und ergänzende Insulininjektionen ausreichend einstellbar

30 %

Der Diabetes mellitus ist durch alleinige Insulinbehandlung gut einstellbar

40 %

schwer einstellbar auch bei gelegentlichen ausgeprägten Hypoglykämien

50 %

Schwerbehinderte mit einer Einstufung über 50 % (in besonderen Fällen auch ab 30 %)

. unterliegen einem besonderen Kündigungsschutz

. erhalten eine vorgezogene Altersrente

. erhalten jährlich 5 Tage Zusatzurlaub

. erhalten zusätzlich Steuerfreibeträge

10.4. Führerschein

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass Diabetiker nicht mehr Unfälle haben, als Nichtdiabetiker.

10.5. Freizeit und Sport

Die Ausübung eines Sportes ist fast immer mit gesteigerter Muskelarbeit verbunden, was den Energiebedarf deutlich anhebt. Für sportliche Aktivitäten gilt deshalb die Empfehlung, dass der zusätzliche Energiebedarf vorher, gelegentlich auch während des Sports, durch eine zusätzliche Nahrungsaufnahme ausgeglichen wird. Der erhöhte Energiebedarf kann durch Obst, Fruchtsäfte, Gummibärchen oder durch kleinere Insulineinheiten ausgeglichen werden.

Wichtig ist außerdem: immer Traubenzucker für den Fall einer Hypoglykämie dabei haben. Wenn Ausdauersport betrieben wird, dann sollte die Basalrate reduziert werden.

Werden diese Aspekte berücksichtigt, so braucht auch der insulinpflichtige Diabetiker keine Angst vor Sport bzw. körperlicher Aktivität zu haben.

10.6. Partnerschaft, Verhütung, Schwangerschaft

Nicht diabetische Partner sollten bereit sein, die Einschränkungen zu teilen, die für den Alltag ihres Partners gelten (Selbstkontrolle, Diät) Sie sollten lernen, Insulin zu spritzen bzw. auf eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) richtig zu reagieren, ggf. auch Glucagon spritzen zu können.

Der Diabetes mellitus kann zu Schäden am Nervensystem (Neuropathie) und den großen und kleinen Gefäßen (Mikro- und Makroangiopathie) führen.
Treten diese Veränderungen im Bereich des Beckens und der Geschlechtsorgane auf, können Störungen der Sexualfunktion die Folge sein. Wenn schwerwiegende Folgeschäden oder Komplikationen durch den Diabetes bestehen, wird sich dies natürlich auch auf die sexuelle Lust und Aktivität auswirken.
Eine verstärkte Neigung zu Stoffwechselentgleisungen, insbesondere eine Neigung zu Unterzuckerungen bei sexueller Aktivität können den Diabetiker und damit auch den Partner stark beeinträchtigen. Prinzipiell ist der sexuelle Akt wie eine sportliche Aktivität anzusehen. Im Bedarfsfall sollten vorher zusätzliche Kohlenhydrate eingenommen werden.
Es handelt sich immer um ein partnerschaftliches Problem, sodass Diagnostik und Behandlung möglichst den Partner einbeziehen sollten.

Die heutigen Methoden der Schwangerschaftsverhütung ermöglichen jeder Diabetikerin, sich grundsätzlich für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Welche Methoden zu empfehlen sind, hängt immer von den individuellen Voraussetzungen ab. Die größte Sicherheit bieten hormonelle Verhütungsmittel oder Spiralen. Hormonelle Verhütungsmittel erfordern jedoch eine Erhöhung der Insulindosis.

Eine Schwangerschaft einer Diabetikerin kann genauso normal verlaufen wie die einer Stoffwechsel gesunden Frau, wenn konsequent zwei Ziele verfolgt werden:

Optimale mittlere Blutzuckerwerte während der ganzen Schwangerschaft (Bei zu viel Zucker wird das Kind zu groß und zu schwer)

Regelmäßige Untersuchungen der Kindesentwicklung während der ganzen Schwangerschaft. Gute Überwachung der Herztätigkeit des Kindes gegen Ende der Schwangerschaft und intensive Überwachung der Wehentätigkeit zur Zeit der Geburt.

10.7. Diabetiker und Krankenhausaufenthalt

Es empfiehlt sich für den Diabetiker seine eigenen häuslichen Selbstkontrollen, Aufzeichnungen, sowie falls vorhandenen den Diabetiker-Ausweis, mit den regelmäßig eingetragenen ärztlichen Befunden mit ins Krankenhaus zu nehmen.

Außerdem sollte er sein Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Insulinpen usw. mitnehmen, damit ist er, falls es möglich ist, im Krankenhaus seine Diabetesbehandlung wie gewohnt selbst durchzuführen.

Im Falle einer Operation sollten die Ärzte allerdings Erfahrung im Umgang mit Problemen der Stoffwechselführung haben. In der Regel sollte ein Internist als Konziliar Arzt, also als beratender Arzt, die Diabetes Überwachung übernehmen. Diese Voraussetzungen sind vor allem in größeren Krankenhäusern gegeben.

11. Diabetes und Kosten im Gesundheitswesen

Jedes Jahr erkranken 350.000 Bundesbürger an Diabetes, ausgelöst vor allem durch Überernährung und Fettsucht. Die Kosten einer oft verspäteten Behandlung drohen das Gesundheitswesen vollends zu ruinieren

Rund 350.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu am sogenannten Altersdiabetes. Der Begriff selbst schönt die Lage, denn die Betroffenen werden immer jünger. 30 oder 40 Jahre alt zu sein und Altersdiabetiker – das ist keine Seltenheit mehr. Der Trend ist alarmierend. Vor allem Kinder und Jugendliche sind betroffen, wenn sie in ihrer Freizeit Stunde um Stunde im Internet surfen oder vor dem Fernsehgerät sitzen. Kids, die sich zudem von Fast Food ernähren, sind die potenziellen Altersdiabetiker der Zukunft, Insulinresistenz, übergewichtig, mit Bluthochdruck und bereits beginnenden Gefäßschädigungen. Acht Prozent der deutschen Kinder sind adipös, also fettsüchtig. 20 Prozent sind übergewichtig, nicht durch den Kinderspeck, der irgendwann dahin schmilzt, sondern dauerhaft. In der nächsten Altersstufe, bei den Jugendlichen, sind es 30 Prozent. Damit ist auch hier der erste große Schritt hin zum Diabetes getan

Der Altersdiabetes hat zunehmend leichteres Spiel, denn zwei Drittel der Deutschen gelten heute bereits als übergewichtig und haben einen gestörten Fettstoffwechsel

Die Diabetes-Häufigkeit in Deutschland darf man getrost eine Lawine nennen, die, wenn auch nicht allein, dabei ist, das gesamte Gesundheitssystem unter sich zu begraben. Weltweit gab es 1985 ungefähr 30 Millionen Diabetiker. Nach knapp 20 Jahren ist diese Zahl um über das Sechsfache auf 194 Millionen Menschen gestiegen und wird, so die Prognosen, in weiteren 20 Jahren auf 330 Millionen Menschen anwachsen. Das sind mehr Menschen, als auf dem europäischen Kontinent leben.

Diabetes-Patienten kosten jährlich 30 Milliarden Euro.

Ein gut eingestellter Diabetiker des Typs 2 kostet die Krankenkassen heute rund 700 Euro jährlich. Ist sein Diabetes aber „verwildert“, wie es die Ärzte nennen, vernachlässigt der Patient oder der Arzt also den Diabetes über einen längeren Zeitraum, dann steigt die aufzuwendende Summe auf das Zehnfache. Ähnlich sind auch die Zahlen für den Diabetiker des Typs 1, der zum Erhalt seines Lebens regelmäßig Insulin braucht. Dies kostet pro Patient rund 2.000 Euro, eine Summe, die bei Vernachlässigung der Behandlung am Ende leicht auf das Vierfache steigen kann. Die direkten Kosten für die Folgeerkrankungen sind es, die den größten Teil der Mittel verschlingen. Von 10 bis 15 Milliarden Euro ist die Rede, doch exakte und verlässliche Zahlen existieren auch hier nicht. Nur so viel steht fest: Rechnet man in die Summe die indirekten volkswirtschaftlichen Kosten aus Infarkten, Dialysen, Erblindungen, Nervenschäden und Amputationen hinein, verdoppelten sich die Kosten noch einmal.

Fazit

Es ist unerlässlich, dass besonders Ärzte für das Thema Diabetes und seine Folgeschäden sensibilisiert werden. Auch sollten Diabetiker umfassend über ihre Krankheit aufgeklärt werden, nicht nur wegen der Kosten für Spätkomplikationen, sondern vor allem deswegen, dass es erst gar nicht zu Folgeschäden kommen muss.

Das Verbesserungspotenzial ist groß, trotz hoher Behandlungskosten ist ein Großteil der Diabetiker schlecht versorgt. Mehr als die Hälfte aller Typ-2-Diabetiker leidet unter Spätschäden.

Deshalb ist in Deutschland ein engmaschiges Diabetes-Netzwerk verschiedener Berufsgruppen im Aufbau, um so die Rundum Behandlung der Diabetiker zu gewährleisten!

Diabetes Netzwerk Schau Tafel

Dieses Netzwerk wurde bereits vor ca. 10 Jahren gegründet, doch es wird noch einige Jahre dauern, bis die Versorgung aller Diabetiker in solch einem lückenlosen Modell möglich sein wird.

12. Spezielle Pflegemaßnahmen bei Diabetes mellitus nach dem Pflegemodell „Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens“ (AEDL)

12.1. Kommunizieren

Der Erkrankte braucht einen Ansprechpartner, mit dem er sich außerhalb der Arztpraxis über seine Erkrankung unterhalten kann. Das können Angehörige, aber auch Pflegepersonen sein. Chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus können im Laufe der Zeit tief in das Lebensgefühl eingreifen und es kann zu einem Burn-out des Diabetikers kommen. Den Ansprechpartnern fällt dann die Aufgabe zu, den Patienten wieder zu motivieren und ihm zu signalisieren, was er bisher schon erreicht hat.

Bei Unterhaltungen mit dem Diabetiker kann man auch auf seinen Bewusstseinszustand schließen und es lassen sich Hyper- oder Hypoglykämien bereits im Vorfeld erkennen. Auch bei Äußerungen über Schmerzen oder Kribbelgefühlen in den Extremitäten muss das Pflegepersonal sehr hellhörig sein, das kann ein erster Hinweis auf Neuropathie sein.

Schwieriger gestaltet sich die Pflege im kommunikativen Bereich, wenn der Diabetiker nicht mehr in der Lage ist, sich verbal mitzuteilen, z. B.. bei Demenzerkrankungen. Hier muss der Pflegende ein großes Maß an Einfühlungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe zeigen und die Mimik und Gestik des Diabetikers genau zu beurteilen.

12.2. sich bewegen

Wegen der oft verschlechterten Durchblutung ist besonders auf Dekubitus-Prophylaxe zu achten. Der Diabetiker ist im Bereich der Füße sehr gefährdet, aus diesem Grund sollte er bequem sitzende Schuhe tragen, keine einengenden Socken oder Strümpfe (Kompressionsstrümpfe bilden hierbei jedoch eine Ausnahme, da die Thromboseprophylaxe eine höhere Priorität hat) Schuhe sollten am besten beim orthopädischen Schuhmacher gekauft werden. Vor allem ist darauf zu achten, dass der Diabetiker nicht barfuss oder nur mit Socken herumläuft, da das Tast- und Schmerzempfinden herabgesetzt ist, sodass schon auf dem Boden herumliegende Gegenstände wie z. B.. Holzsplitter Ursache für ein diabetisches Gangrän sein können, weil der Patient möglicherweise gar nicht merkt, dass er sich verletzt hat. Also immer darauf achten, dass im häuslichen Bereich Hausschuhe getragen werden.

Auch das Beobachten hinsichtlich des Ganges eines Diabetikers ist essenziell, da Gangunsicherheiten auf eine Hypoglykämie deuten können.

Durch vermindertes Schmerzempfinden und Durchblutungsstörungen kommt es zu unphysiologischen Belastungen des Fußes an typischen Stellen wie Fußballen, Ferse und in der Folge zu überschießender Hornhautbildung und Ulzera› tägliche Fußgymnastik und regelmäßige Bewegung fördern die Durchblutung.

12.3. vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

Unter diesen Bereich fallen vor allem Krankenbeobachtungen, aber auch die Gabe von Medikamenten. Regelmäßige Kontrolle und Dokumentation aller Vitalwerte wie RR, Puls, BZ, Temperatur, Gewicht sind wichtig und notwendig.

Da Diabetiker sehr Infekt anfällig sind, fällt dem zu Pflegenden die Aufgabe zu, die Atmung, Temperaturregulation und die Kreislaufsituation des Betroffenen zu beobachten und zu dokumentieren und bei Auffälligkeiten ggf. den Arzt zu informieren.

Mögliche Stoffwechselentgleisungen kann man daran erkennen, dass ein Diabetiker ständig müde, nur schwer weckbar ist, auch Übelkeit und Erbrechen weisen darauf hin.

Klagt ein Diabetiker über nächtliches Schwitzen, weist das auf eine mögliche nächtliche Hypoglykämie hin.

Kalte, blasse (blaue) Extremitäten (Nase, Finger, Zehen, Ohrläppchen) geben einen möglichen Hinweis auf periphere Durchblutungsstörungen. Siehe AEDL, sich bewegen, sich pflegen.

12.4. sich pflegen

Darunter fällt außer der normalen und individuellen Körperpflege die besondere Hautpflege und Hautbeobachtung bei Diabetikern.

Vor allem die Einstichstellen der Insulininjektionen sollen in regelmäßigen Abständen gewechselt werden, um Hautschäden zu vermeiden.

Auch das regelmäßige Wechseln Nadeln an Pens trägt dazu, bei Hautveränderungen zu vermeiden.

Da eine herabgesetzte Resistenz gegenüber Infektionen der Haut meist eine der Begleiterscheinungen der diabetischen Erkrankung ist, müssen alle Maßnahmen der Körperpflege (Hautpflege/Intimpflege) mit besonderer Sorgfalt und unter genauer Beobachtung der Veränderungen durchgeführt werden (dazu gehören auch das regelmäßige Wechseln der Inkontinenz Einlagen)

Besondere Beobachtung gilt dem Genitalbereich, da Diabetiker leicht zu Pilzinfektionen neigen. Auch Diabetiker, die ihre Intimpflege selbst durchführen, sollten z. B.. im Heim vom Pflegepersonal vorsichtig nach Veränderungen, wie z. B.. Juckreiz gefragt werden.
Bei der allgemeinen Körperhygiene steht die Intertrigoprophylaxe im Vordergrund

Bei der Körperpflege des Diabetikers muss besonders auf Hautschäden geachtet werden, diese müssen beobachtet und dokumentiert werden. Rote Flecken, Quaddeln, Pusteln usw. können auf Allergien auf Insulin, häufiger aber auf Insulinzusatzstoffe hinweisen.

Der Diabetiker neigt aufgrund seiner Durchblutungsstörungen zu schlechterer Wundheilung, aus Bagatellverletzungen z. B.. an den Unterschenkeln haben sich schon oft Ulcus cruris entwickelt, an solchen an Füßen ein diabetisches Gangrän.

Vor allem beim täglichen Waschen der Füße ist ein gründliches Abtrocknen zwischen den Zehen Räumen notwendig.

Die Beine und Füße eines Diabetikers können ruhig eingecremt werden, jedoch gilt hier, weniger ist oft mehr, da sich bei zu viel aufgetragener Salbe feuchte Kammern bilden können, die das Wachstum von Pilzen und Keimen begünstigen. (Diese Mittel sollten wasserarm und alkoholfrei sein, damit die Haut nicht noch zusätzlich ausgetrocknet wird)

Die Fußpflege gilt es wie bei allen anderen Patienten einer speziell ausgebildeten Fachkraft für medizinische Fußpflege zu überlassen. Siehe auch AEDL sich bewegen

12.5. essen und trinken

Da die Einhaltung der ärztlich verordneten Diät einen großen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit nimmt, müssen alle an der Therapie Beteiligten ihr besonderes Augenmerk darauf richten. Solange der alte Mensch selbst dafür die Verantwortung übernehmen kann, sollte er dabei unterstützt werden. Bei zunehmenden geistigen Veränderungen liegt die Verantwortung jedoch mehr und mehr bei den Betreuungspersonen.

Wenn ein Diabetiker Zwischenmahlzeiten benötigt, ist es Aufgabe des Pflegepersonals daran zu denken und es ihm ggf. zu reichen.

Ein besonderes Augenmerk hat der zu Pflegende auf mögliche Übelkeit und Erbrechen zu richten, da das ein Hinweis auf eine schwere Stoffwechselentgleisung sein kann.

Besonders schwierig ist es bei Diabetikern, die Insulin nehmen und Erbrechen oder Durchfall haben, hier ist auf jeden Fall Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu nehmen.

Die Diabetiker sollten in diesem Bereich bei allen Fragen rund um die Diabetes-Diät unterstützt werden. Auch muss darauf geachtet werden, dass der Diabetiker genügend Flüssigkeit zu sich nimmt.

12.6. ausscheiden

Die Ausscheidung spielt bei der Diagnose eines Diabetes Mellitus eine große Rolle, da dieser sich häufig durch eine erhöhte Urinausscheidung und Trinkmenge bemerkbar macht.

Der Diabetiker muss unbedingt über die Anzeichen einer Blasen- oder Nierenbeckenentzündung aufgeklärt sein, da diese Infekte bei Diabetikern deutlich erhöht sind.

Das Pflegepersonal muss bei pflegebedürftigen Diabetikern auf die Urin-Ausscheidungsmenge achten, ist die Urinmenge zu hoch, deutet das auf eine Hyperglykämie oder auf eine Nierenfunktionsstörung hin. Die Gefahr der Austrocknung durch zu hohen Wasserverlust des Körpers kann auch eine Thrombose begünstigen.

Auch der Geruch des Urins kann auf bestimmte Stoffwechselentgleisungen hinweisen. (säuerlich› Ketoazidose)

Zu Komplikationen kann es auch bei Durchfall eines Diabetikers kommen. Bei Patienten, die z. B.. Acarbose einnehmen, kann die Dosis zu hoch sein, es muss mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden.

Durchfall und auch übermäßige Urinausscheidung können auch zu Hautschäden führen (siehe AEDL sich pflegen)

12.7. sich kleiden

Die Kleidung sollte aus Baumwolle oder Wolle sein, da diese Feuchtigkeit gut aufsaugt. Feuchtigkeit begünstigt Reizungen und Verletzungen, sowie Mazeration der Haut und bietet einen guten Nährboden für Pilze und Bakterien und fördert Infektionen.

Auch auf gutes und sicheres Schuhwerk muss geachtet werden, da Diabetiker eine verminderte Schmerzempfindlichkeit und Durchblutungsstörungen haben, müssen auch die Füße täglich auf Druckstellen und ähnliches untersucht werden.

Siehe auch AEDL, sich pflegen, für eine sichere Umgebung sorgen

12.8. ruhen und schlafen

Nächtliche Hyper- und Hypoglykämien können die Nachtruhe und das Wohlbefinden des Diabetikers empfindlich beeinträchtigen. Ein gutes Mittel, die Stoffwechsellage zu klären, sind BZ-Kontrollen vor dem Schlafengehen. In Absprache mit dem Arzt können dann die nötigen Maßnahmen getroffen werden.

Da die Resorption des Insulins an verschiedenen Körperstellen unterschiedlich schnell vor sich geht (Injektion am Bauch› schnellere Resorption, Injektion am Oberschenkel› langsamere Resorption) sollte die abendliche Injektion in den Oberschenkel erfolgen.

12.9. sich beschäftigen

Diabetiker sind in ihrer Tagesgestaltung nur leicht eingeschränkt, da sie sich an bestimmte Essenszeiten halten müssen (vor allem Typ-2 Diabetiker, die nicht auf ICT eingestellt sind). Jedoch ist es auch für Diabetiker möglich, z. B.. an einem Tagesausflug, den das Heim veranstaltet, teilzunehmen.

Auch die Teilnahme an Seniorengymnastik und ähnlichem wirkt sich vorteilhaft auf die Stoffwechselstörung aus.

12.10. sich als Mann oder Frau fühlen

Diabetiker neigen häufiger als Gesunde zu Pilzinfektionen im Intimbereich. Von vielen älteren Menschen wird das noch als Geschlechtskrankheit angesehen. Bei Diabetikern, die ihre Grundpflege noch selbst übernehmen, sollte deshalb vorsichtig nach Problemen/Veränderungen nachgefragt werden. Siehe AEDL sich pflegen

12.11. für eine sichere Umgebung sorgen

Unter diesen Bereich fallen in der Heimversorgung vor allem die ausreichende Verpflegung mit Hilfsmitteln, sowie die individuelle Anpassung der Therapie an die Bedürfnisse und Gewohnheiten des Diabetikers, sowie die Überwachung der Vitalzeichen (Puls, RR, BZ, Gewicht, Temperatur.)

Dazu zählen auch die Maßnahmen, die den Diabetikern vor Verletzungen schützen sollen, wie die Wahl des richtigen Schuhwerks, korrekte Fußpflege usw.

Der Diabetiker sollte in der Wohnung (Heim) gut sitzende, geschlossene Hausschuhe tragen, um seine Füße vor Bagatellverletzungen zu schützen.

12.12. soziale Bereiche des Lebens sichern

In diesem Bereich unterstützt man ältere Menschen darin, bestehende Beziehungen aufrechtzuerhalten. Dazu gehört für viele Heimbewohner das Kaffee trinken und ein Stück Kuchen. Auch Diabetiker sollten hiervon nicht ausgeschlossen werden, für Stoffwechsel erkrankte gibt es spezielle Diabetiker-Kuchen.

Auch an Ausflügen können Diabetiker teilnehmen, siehe AEDL sich beschäftigen.

12.13., mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen

Die tägliche Auseinandersetzung mit der chronischen Erkrankung Diabetes mellitus erfordert von dem Diabetiker ein hohes Maß an Kraft und Kompromissbereitschaft. Siehe AEDL kommunizieren

Da ist es nicht verwunderlich, wenn der Diabetiker einmal an einen Punkt kommt, an dem er diese Kraft nicht mehr aufbringen kann. Dieses Burn-out, das Ausgebrannt sein erfordert vom Pflegepersonal ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Man soll sich immer vor Augen führen, dass man das Bestmögliche an Lebensqualität für seinen Bewohner möchte. Deshalb darf sich ein Diabetiker auch mal die „Freiheit“ nehmen, sich mal nicht zu messen (oder messen zu lassen), mal völlig auf seine Diät zu pfeifen. Mal ein Tag ohne Diät, hat sicher einen hohen „Erholungswert“ für einen ausgebrannten Diabetiker. Gerade für den älteren Diabetiker hat Essen eine ganz andere biografische Bedeutung als für jüngere Menschen.

13.Fazit (eigene Meinung)

Ausschlaggebend für den Erfolg aller medizinischen, pflegerischen Ansätze in der Behandlung des Diabetes mellitus ist die Compliance (Krankheitseinsicht) des Diabetikers. Darunter wird die Bereitschaft verstanden, therapeutische Anweisungen zu befolgen. Dies aber setzt bestimmte kognitive Fähigkeiten wie Beurteilungsfähigkeit, Merkfähigkeit und die Fähigkeit zu rechnen und zu planen voraus. Gerade diese Fähigkeiten aber sind es, die im Rahmen dementieller Prozesse verloren gehen.

Es bringt daher nicht viel, kognitiv eingeschränkte Menschen mit BZ-Selbst-Tests, Diätplänen und Selbstmedikation zu plagen. Es ist aber auch völlig verkehrt, bestehende Ressourcen durch Abnahme aller Entscheidungen zu deaktivieren. Die Kunst besteht darin, den schwierigen Balanceakt zwischen Bevormundung und Vernachlässigung zu ziehen. Es macht einen bedeutenden Unterschied „etwas mit mir geschehen zu lassen“ oder „etwas selbst zu tun“. Dem Bewohner sollten generell die notwendigen Maßnahmen erklärt werden (auch wenn er sie gleich wieder vergisst) und wo immer es möglich ist, den Diabetiker selbst handeln lassen.

Eine gute Blutzuckereinstellung ist auch bei älteren Menschen erforderlich, damit die Lebensqualität erhalten bleibt, ein im Alter von 60 Jahren an Altersdiabetes Erkrankter hat noch eine Lebenserwartung von mehr als 20 Jahren.

Doch hat Essen für den älteren Menschen eine ganz andere biografische Bedeutung als für die heutige Generation. Essen ist in der Regel positiv besetzt und für viele ältere Menschen ist daher durchaus vertretbar, gelegentlich mal, gerade beim Essen, über die „Stränge“ zu schlagen. Es schadet einem betagten Diabetiker daher nicht, mal ein Stück „normalen“ Kuchen zu essen, im Gegenteil, es tut seiner Psyche gut und ist für ihn ein Stück Lebensqualität. Auch sind die Folgeschäden der Krankheit aufgrund des Alters nicht mehr so gravierend, wie z. B.. bei einem in jungen Jahren erkranktem Diabetiker.

Weitere Quellen zu Diabetes mellitus
Diabetes mellitus

Diabetes mellitus
Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2

Diesen Beitrag teilen auf...

Twitter Facebook