Autor/in: Cordula

Pflege bei Nieren Erkrankungen Seite 4

9. NIERENINSUFFIZIENZ
Def.: progrediente irreversible Abnahme der glomerulären Filtrationsrate durch Verlust funktionsfähiger Nephrone auf dem Boden unterschiedlicher Nierenerkrankugen

URSACHEN:

  • diabetische Nephropathie
  • chronische Glomerulonephritis
  • chron. Pyelonephritis
  • Polyzystische Nephropathie
  • Analgetikanephropathie
  • vaskuläre Nephropathie (atheromatös/Hypertensiv)

STADIEN:
1. Stadium der vollen Kompensation
2. Stadium der kompensierten Retention

  • beginnende Niereninsuffizienz (Kreatinin > 3mg/dl)
  • fortgeschrittene Niereninsuffizienz (Kreatinin 3-6 mg/dl)

Urämie bei fortgeschrittenem Parenchymuntergang,
Azotämie = Anstieg von Kreatinin + Harnstoff im Blut bei klinischer Symptomfreiheit
Anstieg von Kalium und Phosphat im Blut, metabol. Azidose
3. Präterminale Niereneinsuffizienz / dekompensierte Retention (Kreatinin < 7mg/dl)
4. Terminale Niereninsuffizienz (Kreatinin > 10 mg/dl, Urämie)

Urämie entsteht durch:

  • Ausfall der exkretorischen Nierenfunktion:
    Abnahme von GFR (Glomeruläre Filtrationsrate) -> Anstieg von harnpflichtigen Substanzen sowie der tubulären Leistungen -> Retention von Wasser, Natrium, Kalium, sauren Valenzen, Phosphat und Kumulaion hypothetischer Urämietoxine
  • Störung der inkretorischen Nierenfuktion:
    Verminderte Erythopoetinsynthese sowie verminderte Bildung von 1,25-(OH)2-D3 (-> sekundärer Hyperparathyreoidismus)

KLINIK:

  • Herz-Kreislaufsystem: Hypertonie, Herzinsuffizienz, Perikarditis, periphere Ödeme
  • Lunge: „fluid lung“ (Schmetterlingsform der Lungen durch Überwässerung), Pleuritis, Lungenödem, Pneumonie
  • Blutbildendes System: Anämie, hämorrhagische Diethese, Leukozytose
  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Gastritis, Blutungen
  • ZNS: Kopfschmerzen, Übererregbarkeit des neuromuskulären Systems, Wesensveränderungen, Somnolenz, Koma
  • Peripheres NS: Polyneuropahtien (Erkrankung vieler Nerven, Sensibilitätsstörungen, Lähmungen etc.)
  • Elyt- und Wasserhaushalt: Hypo- oder Hyperkaliämie, Hypokalziämie, Hyperphosphatämie, Hypermagnesiämie, Hyponatriämie, Überwässerung
  • Säure-Basen-Haushalt: renale Azidose
  • Knochen: Osteomalazie (Knochenerweichung aufgrund des Kalziummangels) und Ostitis Fibrosa
  • Endokrines System: Hypogonadismus (Defizit der sekretorischen Aktivität der Eierstöcke/der Hoden), Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen)
    – Haut: blass, trocken, schuppig, Juckreiz, Café-au-lait- Farbe

DIAGNOSTIK:

  • häufig lange symptomarm, dann schneller Übergang in die terminale Niereninsuffizienz
  • Abgrenzung zur akuten Niereninsufffizienz
  • Anamnese
  • Sonographie
  • Blut: Harnstoff, Kreatinin, Elyte, pH
  • Urin: Eiweiße, Sediment, bakteriologische Untersuchung

THERAPIE:
1. Behandlung der Grundkrankheit
2. Diät: Kochsalzrestriktion bei Ödemen, Reduktion der tierischen Eiweßzufuhr auf ca. 0,6 – 0,8g/kg/Tag (ist jedoch umstritten) ;an Laborwerten orientiert (K+, Phosphat)
3. Dosisreduktion renal eliminierter Medikamente (z.B.: Herzglykoside)
4. Anpassung der Trinkmenge
5. Medi´s:
Säuren-Basenhaushalt: Natriumhydrogencarbonat
Anämie: EPO Erythropoetin
Hyperphoyphatämie: Calziumcarbonat/ – acetat oder andere Phosphatbinder

  • Konsequente Antibiose bei Pyelonephritis
  • Beseitigung von Harnwegsobstruktion bzw. eines Refluxes
  • Weglassen von Analgetika
  • Immunsuppressive Therapie bei Glomerulonephritiden oder Kollagenosen
  • Konsequente antihypertensive Behandlung
  • Narmnahe BZ-Einstellung bei Diabetes mellitus
  • Korrektur von Wasser-, Elyt- und Säure-Basen-Haushalt, regelmäßige Elyt sowie Gewichtskontrollen, Messung des Urinvolumens
  • Bei Hyperkäliämie: kaliumarme Diät, ggf orale Ionenaustauscher (z.B.: Resonium), keine kaliumsparenden Diuretika!!
  • Behandlung der renalen Anämie: Erythropoetin
  • Prophylaxe und Behandlung der renalen Osteopathie (Verminderung der Phosphatabsorption durch verminderte Zufuhr sowie Gabe von Phosphatbindern)
  • Rechtzeitiges Abbrechen der konservativen Therapie und Einleitung einer Dialysebehandlung durch rechtzeitiges Anlegen einer Cimino-Fistel oder eines Peritonealdialysekatheters
  • Impfung gegen Hep B

10. DIALYSE
Dialyse kommt aus dem Griechischen und bedeutet ‚Auflösung‘
Naturwissenschaftler verstehen unter der Dialyse ein Verfahren zur Trennung osmotisch wirksamer Teilchen an einer semipermeablen Membran. Sie benützen es beispielsweise zur Trennung von Proteinen und Salzen. In der Medizin findet die Dialyse vor allem als Blutreinigungsverfahren Anwendung.
In Deutschland leiden etwa 60.000 Menschen an terminalem Nierenversagen (Bericht 1999, QuaSi-Niere gGmbH). Die Anzahl der Patienten, die jährlich neu an chronischem Nierenversagen erkranken, liegt bei etwa 12.000 (Bericht 1999, QuaSi-Niere gGmbH). 24% aller Patienten mit terminalem Nierenversagen sind Diabetiker (Bericht 1999, QuaSi-Niere gGmbH). Der starke Anstieg von übergewichtigen Personen gerade im Kindesalter könnte langfristig zu einer erhöhten Inzidenz von Typ-II-Diabetes und damit zu einem erhöhten Anstieg des terminalen Nierenversagens in Deutschland beitragen. Die generell erhöhte Lebenserwartung in Deutschland könnte diesen Trend ebenfalls verstärken.
Patienten mit terminalem Nierenversagen sind nicht in der Lage, ohne medizinische Hilfe zu überleben. Ihr Blut würde innerhalb kürzester Zeit durch Salze, Giftstoffe und Stoffwechselabfallprodukte, die bei gesunden Menschen über die Niere entsorgt werden, vergiftet. Deshalb muss der Organismus dieser Patienten mit Hilfe einer Dialyse, auch „Blutwäsche“ genannt, entgiftet werden.

Hierfür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung

HÄMODIALYSE (BLUTWÄSCHE)
Die Hämodialyse ist eine bestimmte Art der künstlichen Blutwäsche. Sie dient dazu, schädliche Stoffe aus dem Körper zu entfernen. Intakte Nieren filtern giftige (toxische) Stoffwechselprodukte (harnpflichtige Substanzen) aus dem Blut und scheiden sie mit dem Urin aus.
Bei einer schweren Funktionseinschränkung oder einem Funktionsverlust der Nieren muss das Blut mit Hilfe von künstlichen Filtermembranen von schädlichen Stoffen befreit werden. Bei der Hämodialyse wird ein Gerät mit einem Membranfilter außerhalb des Körpers verwendet (künstliche Niere). Diese Blutreinigung ist lebensnotwendig. Eine andere Art der Blutwäsche ist die Peritonealdialyse, bei der das Bauchfell als Membran dient (Bauchfelldialyse). 1999 waren in Deutschland etwa 60.000 Patienten dialysepflichtig.
Die Hämodialyse findet in den meisten Fällen in einem Dialysezentrum unter der Aufsicht von besonders geschultem Pflegepersonal und einem Ärzteteam statt. Der Patient muss sich allerdings einem festen Behandlungsplan anpassen und meist dreimal pro Woche für jeweils vier bis fünf Stunden ins Behandlungszentrum kommen. Die Hämodialyse ist somit zeitaufwändig – mit allen Einschränkungen, die sich daraus für eine Berufstätigkeit und eine normale Lebensführung ergeben

Wie funktioniert die Hämodialyse?
Bei der Hämodialyse wird das Blut über eine künstliche Membran außerhalb des Körpers geschickt, um es von Schadstoffen zu befreien. Diese Membran funktioniert wie ein Filter, ist also nur für einen Teil der Substanzen durchlässig. Sind auf der einen Seite der Membran Stoffe in höherer Konzentration vorhanden als auf der anderen Seite, dann wandern diese Stoffe durch die Membran bis es zu einem Ausgleich der Stoffkonzentration kommt (Osmose).
Bei der Hämodialyse macht man sich das physikalische Prinzip der Osmose zunutze. Das Blut besitzt eine andere Konzentration an harnpflichtigen Substanzen und Blutsalzen als die Flüssigkeit im Dialysator (Dialysat). Daher wandern diese Substanzen aus dem Blut in das Dialysat.
Umgekehrt lässt sich das Patientenblut durch eine bestimmte Zusammensetzung des Dialysats mit entsprechenden Stoffen anreichern. Aus dem Blut werden also schädliche Stoffe entfernt und erwünschte Stoffe hinzugefügt.


Wann wird die Hämodialyse eingesetzt?

  • Für einige Tage bei akutem Nierenversagen oder bei Vergiftungen
  • Dauerhafte Therapie bei chronischem Nierenversagen (chronische Niereninsuffizienz) im fortgeschrittenen Stadium

Wie läuft eine Hämodialyse ab?
In den meisten Fällen wird das Blut über einen Gefäßzugang am Unterarm aus dem Körper geleitet. Damit ausreichend Blut für die Hämodialyse zur Verfügung steht, legt ein Chirurg eine Verbindung (Shunt) zwischen Arterie und Vene. Diese Verbindung erleichtert das häufige Anschließen an die Dialyse-Maschine. Durch Schlauchsysteme gelangt das Blut in das Dialysegerät. Harnpflichtige Stoffe und überschüssiges Körperwasser werden dem Blut entnommen und die Blutsalze (Elektrolyte) ausgeglichen. Anschließend gelangt das Blut über den Shunt wieder in den Körper.
Eine Hämodialyse wird normalerweise dreimal pro Woche durchgeführt und dauert jeweils etwa vier bis fünf Stunden. In den meisten Fällen erfolgt die Dialyse in Dialysezentren. Nach einem speziellen Training können die Patienten die Hämodialyse auch zu Hause durchführen. Voraussetzung für die Heimdialyse ist, dass ein Arzt kontinuierlich erreichbar ist.

Was müssen hämodialysepflichtige Patienten beachten?
Da die Hämodialyse nicht kontinuierlich stattfindet, sammeln sich regelmäßig Wasser und Giftstoffe im Blut an. Viele Stoffe, die man mit dem Essen und Trinken in den Körper aufnimmt, werden somit nicht ausgeschieden und müssen durch die Dialysebehandlung entfernt werden. Daher muss ein Hämodialyse-Patient eine Diät einhalten.

  • Der Patient darf höchstens ein Liter Flüssigkeit pro Tag aufnehmen – das entspricht einer Gewichtszunahme von höchstens einem Kilogramm pro Tag.
  • Bei einer Anhäufung von Kalium im Körper kommt es zu schweren, teils lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. Besonders viel Kalium ist in folgenden Lebensmitteln enthalten: Obst, Obstsäfte, vergorener Obstsaft wie Wein, Sekt oder Most, Schokolade, Nüsse, Marzipan, Suppen sowie im Kochwasser von Gemüse. Wenn der Patient diese Nahrungsmittel völlig oder zumindest weitgehend vermeidet, muss er in der Regel keine weiteren Diät-Einschränkungen einhalten.
  • Empfehlenswert ist eine kalorien- und vor allem eiweißreiche Ernährung.
  • Durch die eingeschränkte Phosphatausscheidung kommt es zum Stau dieses Salzes im Körper. Die Folge kann eine Überfunktion der Nebenschilddrüse sein, gefolgt von Knochenschäden und Arteriosklerose. Patienten müssen bei jeder Mahlzeit Tabletten einnehmen, die das Phosphat binden. Falls es von Seiten des Kalzium-Spiegels im Blut möglich ist, erfolgt auch die Gabe von Vitamin D.
  • Bei der Dialyse kommt es zu einem Verlust von wasserlöslichen Vitaminen, der medikamentös ausgeglichen werden muss.

Prognose
Eine Dialyse kann die Funktion der Niere nicht vollständig ersetzen. Die Hämodialyse belastet den Körper. Bei chronischen Hämodialyse-Patienten kommt es nach vielen Jahren zu Spätschäden wie Gefäßverkalkungen, Herzerkrankungen, Knochen- und Gelenkschäden. Durch eine optimale Hämodialyse-Behandlung sowie durch zusätzliche, sorgfältige Therapie von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Anämie lassen sich diese Schäden deutlich vermindern oder ihr Auftreten verzögern.
Für die Hämodialyse gilt allgemein der Grundsatz: Je länger (Stunden pro Woche) und häufiger die Patienten dialysiert werden, umso geringer sind die Spätschäden und umso länger leben die Patienten.
In Deutschland leben heute die Hälfte der Dialysepatienten länger als zehn Jahre, etwa ein Viertel der Patienten überlebt 20 und mehr Jahre. Je intensiver die Dialyse-Behandlung (Stunden pro Woche), desto länger ist die Überlebenszeit der Patienten.
Eine wichtige Rolle spielen dabei aber auch Faktoren wie das Alter der Patienten zu Beginn der Dialyse-Behandlung, die Mitarbeit und zusätzliche Krankheiten.

PERITONEALDIALYSE (BAUCHFELLDIALYSE)

Die Peritonealdialyse, auch Bauchfelldialyse genannt, ist eine Variante der künstlichen Blutwäsche. Bei gesunden Menschen filtern die Nieren Stoffe aus dem Blut, damit sie mit dem Urin ausgeschieden werden können. Wenn die Nieren nicht mehr in der Lage sind, die anfallenden Stoffwechselprodukte auszuscheiden, muss das Blut künstlich gereinigt werden.
Während bei der ‚künstlichen Niere‘ (Hämodialyse) das Blut außerhalb des Körpers mit einem speziellen Filter gereinigt wird, benutzt man bei der Peritonealdialyse das gut durchblutete Bauchfell des Patienten als körpereigene Filtermembran. Das Bauchfell kleidet die gesamte Bauchhöhle aus. Bei der Bauchfelldialyse lässt man mehrmals am Tag eine Dialyselösung in die Bauchhöhle fließen, welche die giftigen Stoffwechselprodukte aufnimmt.
Manchmal ist die Dialyse nur für eine bestimmte Zeit notwendig, manchmal auf Dauer. In jedem Fall ist die Blutreinigung lebensnotwendig. Nach Angaben des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation sind in Deutschland etwa 60.000 Patienten auf eine Dialyse angewiesen.
Die Peritonealdialyse führt der Patient alleine zu Hause durch und kann den Zeitplan nach seinen Bedürfnissen entsprechend flexibel gestalten. Bei der Peritonealdialyse sind die Patienten bezüglich der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme weniger eingeschränkt als bei der Hämodialyse. Jedoch besteht durch den permanent in der Bauchhöhle liegenden Katheter das Risiko von Infektionen an der Austrittsstelle oder in der Bauchhöhle.
Zum Erlernen der Periteonaldialyse-Behandlung sind normalerweise ein bis zwei Wochen notwendig. Die Peritoneladialyse ist ein der Hämodialyse gleichwertiges Behandlungsverfahren. Wer die entsprechenden Verhaltensregeln sorgfältig beachtet, kann ein weitgehend normales und beschwerdefreies Leben führen.

Wie funktioniert eine Peritonealdialyse?
Bei der Hämodialyse (künstliche Niere) wird das Blut über eine Membran geschickt, um es von Schadstoffen zu befreien. Diese Membran funktioniert wie ein Filter und macht sich das Prinzip der Osmose zu Nutze: Sind auf einer Seite der Membran Stoffe stärker konzentriert vorhanden als auf der anderen Seite des Filters, dann wandern diese Stoffe durch die Membran bis es zu einem Ausgleich der unterschiedlich hohen Stoffkonzentration kommt. Bei der Peritonealdialyse wird das Bauchfell als Blutfilter eingesetzt. Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine gut durchblutete, halbdurchlässige Membran, die die Bauchhöhle auskleidet und viele Organe überzieht. Über einen Katheter wird Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle eingefüllt. In dieser Dialyseflüssigkeit ist eine andere Konzentration an Substanzen, als im Blut. Nach dem Prinzip der Osmose werden sie dem Blut entzogen und gelangen in die Bauchhöhle. Nach einigen Stunden wird die Dialyseflüssigkeit mit den Harnbestandteilen wieder aus der Bauchhöhle ausgelassen.

Wann wird die Peritonealdialyse eingesetzt?
Die Peritonealdialyse ist eine dauerhafte Therapie bei chronischem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) im fortgeschrittenen Stadium, das heißt wenn die Blutreinigung und Wasserausscheidung durch die Nieren nicht mehr ausreichend ist und dadurch die die Nierenwerte stark erhöht sind.

Wie läuft eine Peritonealdialyse ab?
Bei der Peritonealdialyse füllt der Patient selbst zwei bis drei Liter einer sterilen Dialyselösung über einen Katheter in die Bauchhöhle, die das Bauchfell (Peritoneum) damit umspült. Die Substanzen, die ausgeschieden werden sollen, wandern vom Blut durch das Peritoneum in die Dialyselösung.
Eine weitere Aufgabe der Dialyse besteht darin, dem Körper überschüssiges Wasser zu entziehen – der Fachmann spricht von Ultrafiltration. Deshalb enthalten die meisten Dialyselösungen Glukose (Zucker). Durch einen einfachen osmotischen Vorgang wandert bei der Peritonealdialyse auch Wasser in die Dialyselösung und kann so entfernt werden.
Nach etwa vier bis fünf Stunden ist die Dialyselösung, das sogenannte Dialysat, mit Giftstoffen gesättigt. Es wird aus dem Bauchraum über den Katheter abgelassen und durch frische Dialyselösung ersetzt.
Zur Durchführung der Peritonealdialyse gibt es verschiedene Möglichkeiten: Bei der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) wechseln Sie selbst etwa vier bis fünf Mal am Tag Ihre Dialyselösung. Bei der automatischen Peritonealdialyse (APD) übernimmt ein Dialysegerät (Cycler) den automatischen Beutelwechsel über Nacht – so ist der Patient tagsüber noch unabhängiger und fühlt sich kaum eingeschränkt.

Was muss bei der Peritonealdialyse beachtet werden?
Die Peritonealdialyse entspricht weitgehend der natürlichen Arbeitsweise der Niere, da sie den Körper kontinuierlich und gleichmäßig entgiftet und entwässert. Der Patient muss daher generell mit weniger Nebenwirkungen rechnen. Während der Dialyse ist der Patient mobil und unabhängig und kann seiner gewohnten Tätigkeit und seinem Beruf nachgehen.
Wer sich als Patient für die Peritonealdiayse entscheidet, sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass er dann ein hohes Maß an Eigenverantwortung trägt. Deshalb wird der Patient vor der Peritonealdialyse intensiv geschult. Er muss auf sorgfältige Hygiene achten und Dialysat und Katheteraustrittsstelle stets genau prüfen. Eine besondere Sorge der Ärzte gilt der Katheteraustrittsstelle, die sich leicht infizieren kann und zu einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) führen kann. Eine Infektion muss sofort behandelt werden.
Jeder Patient muss ein Dialyseprotokoll führen, das regelmäßig ermittelte Werte von Blutdruck, Körpergewicht und Flüssigkeitsausscheidung enthält. Alle acht bis zwölf Wochen geht der Patient für eine Kontrolle in sein Dialysezentrum. Während der Peritonealdialyse verliert der Körper Vitamine und Eiweiß und nimmt im Gegenzug Kalorien auf, da das Dialysat in der Regel Zucker enthält. Wichtig ist deshalb, auf eine ausgleichende Ernährung zu achten.

11. LABORWERTE
Kreatinin
-> Ausscheidungsform von Kreatin, das sich als Energiereserve im Muskel befindet. Kreatinin wird über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Es hat keine besondere Bedeutung für den Körper, da es aber fast vollständig filtriert wird, wird es zur Überprüfung der Nierenfunktion verwendet (siehe Kreatinin-Clearance).
Der Kreatininspiegel im Blutserum ist abhängig von der Muskelmasse, vom Lebensalter und von der Nierenfunktion.
Allerdings steigt der Kreatininspiegel erst ab einer Funktionseinschränkung der Nieren von über 50 Prozent an. Unterhalb dieser Schwelle liegt der so genannte kreatininblinde Bereich. Dort ist die Kreatinin-Clearance aussagekräftig.
Bei akutem Nierenversagen steigt der Kreatinin-Spiegel erst nach mehreren Stunden an. Der Harnstoff-Spiegel reagiert dagegen etwas schneller.

Normwert aus Laborkunde: 0,7 – 1,2 mg/dl im Serum

Harnstoff
-> Hauptendprodukt des Eiweißstoffwechsels. Aus dem Stickstoff, der beim Eiweißabbau anfällt, wird in der Leber Ammoniak gebildet. Aus Ammoniak (NH3) und Kohlendioxyd (CO2) entsteht Harnstoff. Harnstoff wird zu 90 Prozent über die Nieren ausgeschieden, der Rest mit Schweiß und Darmsekreten.
Da Harnstoff in den Nieren aus dem Blut filtriert wird, ist er ein Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion. Allerdings kommt es erst bei einer Funktionseinschränkung von 50 bis 70 Prozent zu einem Anstieg des Harnstoffs im Blut. Außerdem ist der Harnstoffspiegel im Blut auch bei gesteigertem Eiweißabbau erhöht.

Normwert: 15 – 36 mg/dl im Serum
Laut Jakobs ab 50 kritisch

Elektrolyte Anionen

Chlorid
-> Regelung der Wasserverteilung in den Körperräumen. Es wird durch die Nahrung als Kochsalz aufgenommen. Kochsalz besteht chemisch aus Natrium und Chlorid – NaCl. Der Stoffwechsel des Chlorids ist deshalb eng mit dem des Natriums verbunden.
Ä nderungen der Chloridkonzentration im Serum gehen also meist parallel mit denen des Natriums. Isolierte Chloridabweichungen finden sich bei Störungen im Säure-Basen-Haushalt. Der Säure-Basen-Haushalt ist ein System des Organismus, um Schwankungen des pH-Wertes (z.B. durch bei Stoffwechelprozessen entstandene Säuren bzw. Basen) auszugleichen

Normwert: 98 – 107 mg/dl im Serum

Bicarbonat
Die drei Blutgaswerte Kohlendioxid (pCO2), Bicarbonat (HCO3) und Basenüberschuss (BE) werden immer gemeinsam mit dem Blut-pH-Wert und dem Blutsauerstoff in Bezug zum Säure-Basen-Haushalt des Körpers beurteilt.

Überprüfung des Säure-Basen-Haushalts mit Blutgaswerten

Kohlendioxid-Partialdruck: Gibt den Anteil von Kohlendioxid an, das im Blut gelöst ist

Bicarbonat: Ist eine so genannte Pufferbase. Diese Substanzen sind sehr wichtig, um das Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut aufrecht zu erhalten. Bicarbonat wird durch ein spezielles Enzym aus Kohlendioxid gebildet. Der Kohlendioxid-Gehalt des Blutes und der Bicarbonat-Gehalt stehen immer im Gleichgewicht.

Basenüberschuss: Gibt an, ob zu wenig oder zu viele Pufferbasen im Blut zirkulieren. Die Pufferung spielt bei allen Lebensvorgängen eine entscheidende Rolle, da sämtliche Stoffwechselprozesse an bestimmte, oft begrenzte pH-Bereiche gebunden sind. Pufferbasen sind negativ geladene Teilchen, so genannte Anionen, wie Biocarbonat, Hämoglobin oder Plasmaproteinat, die den pH-Wert konstant halten. Der Basenüberschuss ist ein rein rechnerischer Wert.

pCO232-46 mmHg
Basenüberschuss (BE)-2 bis +3 mmol/l
Bicarbonat21-26 mmol/l
pH-Wert7,37 – 7,45
pO271 – 104
O2 Sättigung arteriell94 – 98 %

Phosphat:
-> Baustein vieler wichtiger Moleküle im Organismus (u. a. ATP, DNS, cAMP). Phosphat ist im Säure-Basen-Haushalt die wichtigste Puffersubstanz. Das meiste Phosphat befindet sich in den Knochen als Kalziumverbindung. Der Phosphathaushalt ist eng mit dem Kalziumhaushalt verknüpft.

Normwert: 2,5 – 4,5 mg/dl im Serum
Elektrolyte Kationen

Natrium:
-> das wichtigste Kation im Raum außerhalb der Zellen, im Extrazellulärraum. Es ist dort ca. 35-mal höher konzentriert als die anderen Kationen (s.Ionenbestimmung). Ein 70 kg schwerer Erwachsener besitzt ca. 4200 mmol Natrium. Davon befinden sich nur ca. 2,5 Prozent in den Zellen. Der größte Teil des Natriums steht als Reserve zur Verfügung, wenn durch starkes Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen Natrium kurzfristig im Plasma (s. Blutuntersuchung) verloren geht.
Die tägliche Natriumaufnahme liegt in Mitteleuropa bei 160 mmol/Tag, was fünf Prozent der Natriumreserve entspricht. Natrium gelangt vorwiegend als Kochsalz in den Körper. Bei Naturvölkern liegt der Salzgebrauch um mehr als die Hälfte niedriger, dort sind auch sehr selten Bluthochdruckerkrankungen zu finden.
Natrium ist außerhalb der Zelle hoch und in der Zelle niedrig konzentriert. Dieses Konzentrationsgefälle wird unter Energieverbrauch mit einer Pumpe (Natrium-Kalium-Pumpe) in der Zellmembran aufrechterhalten. Der Natriumtransport ist eng mit dem Kaliumtransport verknüpft. Die Konzentrationsunterschiede beider Kationen über die Zellmembran sind essenziell für die Funktionsfähigkeit der Zelle und die Informationsvermittlung zwischen den Zellen.
Eine andere wichtige Funktion hat Natrium in der Volumenregulation (Osmoregulation). Der Natrium- und der Wasserhaushalt greifen komplex ineinander. Natrium bindet Wasser. Wenn viel Natrium im Blut bzw. im Extrazellulärraum ist, sammelt sich dort auch viel Wasser an, was zu Bluthochdruck führen kann. Wenn wenig Natrium im Blut bzw. im Extrazellulärraum ist, weil die Niere z. B. Natrium verliert, hat man dort auch zu wenig Flüssigkeit. Bei reinem Wasserverlust – z. B. durch Fieber – steigt relativ der Natriumgehalt im Serum. Bei Erbrechen verliert der Körper Wasser und Natrium, so dass es zu niedrigem Serumnatrium kommt. Es gibt Arten der Durchfallerkrankung, die mit Natriumverlust und solche, die mit einer Erhöhung des Natriumgehalts im Serum einhergehen, abhängig von der Ursache der Durchfallerkrankung.

Normwert: 137 – 145 mg/dl im Serum

Kalium:
-> tragende Rolle für die Funktionsfähigkeit aller Zellen im Allgemeinen und von Nerven und Muskeln im Besonderen hat.
Kalium kommt im Zellinneren in sehr hoher Konzentration vor (155 mmol), außerhalb der Zellen jedoch nur in sehr niedriger (4 mmol). Wie bei Natrium wird das Konzentrationsgefälle an der Zellwand aktiv mit Hilfe der Natrium-Kalium-Pumpe aufrechterhalten. Die daraus resultierende Spannung ermöglicht die Informationsübermittlung zwischen den Zellen des Körpers.
Kalium ist verantwortlich für den Flüssigkeitsgehalt (osmotischer Druck) in der Zelle, da es das Ion darstellt, das dort bei weitem am häufigsten vorkommt. Es spielt eine Rolle beim Eiweißaufbau und der Kohlenhydratverwertung. Kalium steuert die Reizleitung der Nerven und in Verbindung mit Kalzium die Fähigkeit zur Kontraktion nicht nur der Skelettmuskeln, sondern auch der Herz- und Gefäßmuskeln.
Anders als bei Natrium ist der Kaliumbestand des Körpers (ca. 3300 mmol) frei austauschbar. Bei Kaliumverlusten, z. B. als Folge von Durchfall, kann der Kaliumgehalt des Blutserums schnell mit Hilfe der Speicher im Zellinneren ausgeglichen werden. Eine Gefahr besteht dabei insofern, als ein relevanter Kaliummangel in den Zellen auf Grund eines lange Zeit normalen Serumkaliumspiegels nicht zu erkennen ist. Der Kaliumspiegel ist eng mit dem Säure-Basen-Haushalt verbunden, da dieser Einfluss auf die Kaliumverteilung zwischen Zellinnen- und Zellaußenraum hat.
Normwert: 3,6 – 5,0 mg/dl im Serum

Kalzium:
-> wichtigster Bestandteil von Zähnen und Knochen.
Kalzium ist in der Zelle sehr niedrig konzentriert (0,001 mmol/l). Mit einer Konzentration von 2,5 mmol/l im Raum außerhalb der Zellen besteht für Kalzium das stärkste Konzentrationsgefälle aller Ionen an der Zellwand. Es strömt daher schon bei kleinsten Änderungen in der Durchlässigkeit der Zellwand in die Zelle ein und gibt damit das Signal für wichtige und vielfältige Funktionsänderungen in der Zelle.
Kalzium regelt die Umsetzung von Nervenimpulsen in Muskeltätigkeit (elektromechanische Kopplung). Es spielt in der Blutgerinnung eine wichtige Rolle, löst die Ausschüttung von Hormonen aus und reguliert die Aktivität von Enzymen. Kalzium hat entzündungshemmende und antiallergische Effekte. Zudem besitzt es eine abdichtende Wirkung an Gefäßen.
Dieses breite Aufgabenspektrum erfordert eine aufwendige und mehrfach abgesicherte Kontrolle dieses Ions.
Hormone (Parathormon, Kalzitonin), der Säure-Basen-Haushalt, der Vitamin-D-Stoffwechsel und der Phosphatstoffwechsel haben Einfluss auf den Kalziumspiegel im Serum. Da das Serumkalzium fast zur Hälfte an Eiweiße (Proteine) gebunden und nur der ionisierte (freie) Anteil funktionell wichtig ist, haben auch Abweichungen der Eiweißkonzentration (v.a. Albumin) Auswirkungen auf den Serumkalziumspiegel.

Normwert: 4,20 – 5,10 mg/dl im Serum

Magnesium:
-> für die normale Muskelfunktion notwendig ist. Über so genannte Enzyme, das sind Stoffe, die im Körper chemische Vorgänge in Gang setzen, ist Magnesium auch an der Zuckergewinnung, an der Zellatmung und am Kalziumstoffwechsel beteiligt.

Normwert: 1,40 – 2,0 mg/dl im Serum

1. NIERENTRANSPLANTATION:
Vergabe von Organen nach Dringlichkeit + Warteliste! (Eurotransplant)

Post-OP Maßnahmen bei Nierentransplantation: Gefahr der Abstoßung -> Immunsupressiva

Abstoßungsreaktion:

  • akut (sofort post OP)
  • subakut (innerhalb der ersten 8 Wochen)
  • chronisch > 8 Wochen, langsam schleichender Verlauf

-> Testen vorher nach Oberflächenmarker und Blutgruppe


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