Autor/in: Cordula

Pflege bei Diabetes mellitus Seite 3

Süßungsmittel

•  Absolutes Zuckerverbot war über Jahrzehnte ein Dogma der Ernährungstherapie bei Diabetes. Erlaubt waren nur Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe

•  Nach heutigem Kenntnisstand verschlechtern geringe Zuckermengen bis etwa 10 g täglich (entsprechend 2 gestrichenen Teelöffeln) den Blutzuckerspiegel nicht, falls der Zucker im Rahmen von Mahlzeiten verzehrt und durch eine entsprechende Insulindosis abgedeckt wird. Süßstoffe sind für Diabetiker ebenso erlaubt wie für Nicht-Diabetiker.

•  Zuckeraustauschstoffe, die vor allem von Typ-2-Diabetikern teils reichlich verzehrt werden, verlieren bei diesem Prinzip an Bedeutung. Tabu bleiben aber zuckerhaltige Getränke. Sie dürfen nur bei Hypoglykämie gegeben werden.

•  Unabhängig vom Zuckerverbot gilt für Diabetiker (wie für Nicht-Diabetiker), dass Zucker und Zuckeraustauschstoffe „leere“ Kalorien ohne Nährstoffe darstellen. Beide sollten daher eher als Gewürz und nicht als Nahrungsmittel betrachtet werden.

Süßstoffe wie Saccharin, Cyclamat und Aspartam enthalten keine Kalorien und müssen nicht berechnet werden.

Zuckeraustauschstoffe enthalten Kalorien und Kohlenhydrate und müssen daher wie andere kohlenhydrathaltige Lebensmittel im Ernährungsplan berücksichtigt werden. Bei empfindlichen Patienten oder übermäßigem Verzehr können sie zu Blähungen und Durchfall führen. Sorbit, Fructose und Xylit sind im Handel z.B. als Fructosan®, Laevoral®, Diabetiker-Süße ® und Sionon ® erhältlich

Weitere „Diabetiker-Lebensmittel“, etwa Spezialbrote oder Spezialpuddingpulver, sind in der Regel überflüssig und überteuert. Besser ist es, bei den „normalen“ Lebensmitteln auf die Inhaltsstoffe auf der Verpackung zu achten. Je weiter vorne ein Inhaltsstoff in der Liste steht, desto mehr von ihm ist in dem Produkt enthalten.

Getränke

  • Diabetiker sollen reichlich trinken
  • Ideal geeignet sind z.B. (Kräuter-)Tee, Mineralwässer oder ungesüßter Kaffee
  • Bedingt geeignet sind Fruchtsäfte, da hier Kalorien- und Kohlenhydratgehalt zu berücksichtigen sind
  • Alkohol kann auch bei Diabetes in Maßen genossen werden, wobei Getränke mit wenig Restsüße zu empfehlen sind (trockene Weine, trockener Sekt). Ungeeignet sind alle Akoholika mit einem hohen Zuckeranteil (z.B. Liköre, Dessertweine, süßer Sekt).   Zu beachten ist, dass Alkohol bei der Therapie mit oralen Antidiabetika oder Insulin zu einer Hypoglykämie führen kann, da er die Glukoneogenese in der Leber hemmt.

Ernährungsberatung

  • Der Kostplan muss sich in erster Linie dem Patienten anpassen und nicht umgekehrt.
  • mit dem Patienten zusammen einen Kostplan zu erarbeiten, den er selbst mit trägt und den er einhalten kann.
  • Erster Schritt hierzu ist die gezielte und präzise Ernährungsanamnese. Die Ernährungsanamnese erfragt:
  • Mahlzeitenrhythmus, -häufigkeit, -regelmäßigkeit und -zusammenstellung
  • Beruflichen Tagesablauf, z.B. feste Arbeitspausen, Schichtdienst, Arbeit und Essen außer Haus
  • Individuelle Geschmacksvorlieben
  • „Naschereien zwischendurch“, z.B. Obst, Joghurt, Süßigkeiten, Salzgebäck
  • Getränke, z.B. Limonaden, Milch, Alkoholika
  • Freizeitaktivitäten, z.B. Sport, Gartenarbeit, Vereine, Stammtisch, Einladungen, Essen gehen.
  • Erstellung eines Kostplans mit je nach Behandlungsform unterschiedlichen Schwerpunkten:
  • Die übergewichtigen Typ-2-Diabetiker, also ca. 80 % der Patienten, brauchen sich mit dem Zählen von Broteinheiten nicht zu belasten. Sie müssen vielmehr bezüglich einer Reduktionsdiät und langfristigen Ernährungsumstellung beraten werden
  • Insulin spritzende Diabetiker mit konventioneller Insulintherapie müssen über Kohlenhydratmengen und Broteinheiten Bescheid wissen. Für diese meist älteren Patienten empfiehlt sich auch die Erstellung konkreter Tageskostpläne, um eine gleichmäßige Verteilung der Kohlenhydrate über den Tag sicherzustellen. Außerdem sollten die Patienten wissen, welche Nahrungsmittel sie gegeneinander austauschen können
  • Patienten mit einer intensivierten konventionellen Insulintherapie können über Zahl und Zeitpunkt der Mahlzeiten weitgehend frei entscheiden. Voraussetzungen sind eine Blutzuckerselbstkontrolle sowie Übung im Schätzen von Kohlenhydratmengen und Berechnen der notwendigen Insulindosis. Für diese Patienten sind Kostpläne eine Hilfestellung für den Anfang, von denen sie mit zunehmender Erfahrung abweichen können und dürfen.

Pflege des Patienten mit Diabetes mellitus

Sich bewegen

•  In der Regel ist die Mobilität der Diabetiker erst beim Eintreten von Spätkomplikationen eingeschränkt. Bis dahin steht bei vielen Patienten die Frage im Vordergrund, ob und welcher Sport erlaubt ist und welche Konsequenzen der Sport für die Arzneimittel und das Essen hat.

•  Jeder Diabetiker sollte regelmäßig Sport treiben.

•  Geeignete Sportarten: Radfahren, Laufen, Spazieren gehen und auch viele Mannschaftssportarten.

•  Ungeeignete Sportarten: Sportarten, die in Einsamkeit ausgeübt werden (etwa Kletterpartien ohne Begleitung), nicht unterbrochen werden können, z.B. tagelanges Segeln, oder mit einer hohen Selbstgefährdung einhergehen wie Fallschirmspringen, wegen der immer bestehenden Hypoglykämiegefahr

•  Bewegung wirkt blutzuckersenkend. Eine allgemeingültige Antwort, ab wann eine Änderung der Insulindosis oder der Ernährung erforderlich ist, gibt es leider nicht:

  • Je höher die körperliche Anstrengung ist, desto stärker sinkt der Blutzucker
  • Je ballaststoffreicher die zuvor gegessene Nahrung war, desto eher bleibt der Blutzucker (einigermaßen) konstant.

•  Insbesondere Typ-1-Diabetiker sind aber beim Sport hypoglykämiegefährdet.

•  Nur durch häufige Blutzuckerselbstkontrollen vor, während und nach der körperlichen Belastung (Sport wirkt bis zu 24 Stunden „nach“) kann der Diabetiker herausfinden, wie sein Blutzucker beeinflusst wird, und sich entsprechend darauf einstellen.

•  Als Richtlinien können gelten:

•  Vor kurzzeitigen Belastungen ist meist eine erhöhte Kohlenhydratzufuhr sinnvoll

•  Bei einem Training über vier Stunden ist in der Regel eine Reduktion des Insulins empfehlenswert, z.B. nur die Hälfte des Verzögerungsinsulins spritzen

•  Bei ganztägigen Belastungen kommen die meisten Diabetiker mit einer Kombination aus beidem am besten zurecht.

Sich waschen und kleiden

•  Diabetiker sind stark infektionsgefährdet. Sorgfältige Körperpflege und das Beachten der Hygienemaßnahmen kann Candidosen (Hefepilzinfektionen) und bakteriellen Hautinfektionen vorbeugen.

•  Die Kleidung sollte atmungsaktiv sein und nicht zu eng am Körper anliegen, damit sich keine unbelüfteten und feuchten Kammern bilden können (Hautpilz wird durch Feuchtigkeit begünstigt).

•  Zum Waschen sind rückfettende Seifen geeignet, wobei nicht jeden Tag der ganze Körper eingeseift werden muss. Dies trocknet die Haut nur unnötig aus (Hautrisse sind Infektionspforten). Die Haut sollte gut abgetrocknet (auch in Hautfalten) und danach eingecremt werden.

Fußpflege des Diabetikers

•  Die Füße täglich mit körperwarmem Wasser (Thermometer benutzen) und einer rückfettenden Seife waschen. Die Dauer des Bades sollte drei Minuten nicht überschreiten. Danach die Füße und besonders die Zehenzwischenräume gut abtrocknen. Bei trockener, rissiger Haut die Füße (aber nicht die Zehenzwischenräume) mit einer reinen Fettcreme eincremen

•  Beim täglichen Fußreinigen die Füße, vor allem Zehen und Ferse, genau auf Druckstellen, Hornhaut, Blasen, Rötungen und Verletzungen inspizieren, da diese eine ärztliche Kontrolle erfordern. Zum Betrachten der Fußsohle leistet ein kleiner Spiegel oft große Hilfe. Evtl. muss auch ein Angehöriger die Fußinspektion übernehmen

•  Die Zehennägel gerade feilen! und nur mit einer kleinen Abrundung an den Ecken feilen. Hühneraugen und Hornhaut nur mit einem Bimsstein entfernen. Bei eingewachsenen Nägeln muss ein medizinischer Fußpfleger die Fußpflege übernehmen

•  Auch kleinste Verletzungen an den Füßen desinfizieren und (ärztlich) beobachten (lassen), da Entzündungen und Nekrosen drohen

•  Möglichst nicht barfuß gehen, um Verletzungen vorzubeugen

•  Wegen der häufigen Sensibilitätsstörungen bei kalten Füßen keine Wärmflaschen und kein Heizkissen benutzen (Verbrennungsgefahr). Besser ist z.B. das Tragen von dicken Wollsocken

•  Schuhe regelmäßig auf Falten in der Einlegesohle, eingetretene Nägel oder erhabene Nähte kontrollieren, damit diese nicht unbemerkt zu Druckstellen und in der Folge zu ernsten Schäden am Fuß führen. Manchmal sind sogar speziell angepasste Schuhe zur Druckentlastung erforderlich

•  Regelmässige Fußgymnastik

Körpertemperatur regulieren

•  Hat ein Diabetiker Fieber, muss die Ursache schnell geklärt werden, weil es – insbesondere bei Typ-1-Diabetikern – rasch zu einer hyperglykämischen Stoffwechselentgleisung kommen kann.

•  Vorsicht: Diabetiker mit fieberhaftem Infekt

•  Bei älteren, vor allem alleinstehenden Diabetikern kann bei fieberhaften Infekten wegen der Gefahr einer Stoffwechselentgleisung eine Krankenhauseinweisung erforderlich sein. In der ambulanten Pflege sollte bei Diabetikern mit scheinbar „harmlosen“ Infekten stets der Blutzucker gemessen und der Besuch des Hausarztes angefordert werden.

Essen und trinken

Siehe Diabetiker Diät

Ausscheiden

•  Diese ATL spielt eine große Rolle bei der Diagnose eines Diabetes mellitus, da dieser sich häufig zuerst durch eine erhöhte Urin- und Trinkmenge äußert. Später sind eine erhöhte Urinmenge und starker Durst immer als Hinweis auf hohe Blutzuckerspiegel zu werten.

•  Bei Diabetikern und insbesondere bei einer Glukosurie ist das Risiko eines Harnwegsinfekts deutlich erhöht. Daher müssen die Patienten unbedingt über die Zeichen einer Blasenentzündung aufgeklärt werden. Im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie können Blasenentleerungsstörungen mit Restharnbildung (d.h. es verbleibt Harn nach dem Wasserlassen in der Blase) die Gefahr weiter erhöhen.

•  Oft kann dann Blasentraining weiterhelfen. Ebenfalls durch die Neuropathie bedingt, können phasenweise (nächtliche) Durchfälle im Wechsel mit einer Obstipation auftreten. Die damit verbundene unterschiedliche Nahrungsresorption erschwert die Stoffwechseleinstellung.

Ruhen und schlafen

•  Bei Patienten mit einer diabetischen Polyneuropathie können die Empfindungsstörungen nachts so stark werden, dass die Patienten die Decke als geradezu schmerzhaft schwer empfinden. Dann hilft es, einen Deckenheber, auch „Tunnel“ oder „Bahnhof“ genannt, ins Bett zu legen.

•  Diabetiker haben die gleichen Ruh- und Schlafzeiten wie Nicht-Diabetiker. Probleme bereiten aber die nächtlichen Hypoglykämien, die meist zwischen 2 und 3 Uhr nachts auftreten und auch Patienten betreffen können, die tagsüber unauffällig sind. Nächtliche Blutzuckerentgleisungen nach oben sind zwar möglich, doch ist es selten, dass ein Patient von normalen Blutzuckerwerten am Abend innerhalb von Stunden in ein ketoazidotisches Koma rutscht.

•  Schlafmittel sollten möglichst nicht gegeben werden, da sie die Symptomatik nächtlicher Stoffwechselentgleisungen verschleiern können.

•  Die Hauptsymptome nächtlicher Hypoglykämien sind Unruhe, Schwitzen sowie Auffälligkeiten in Gestik und Sprache des Patienten.

•  Nächtliche Blutzuckerkontrollen

•  Bei vielen Diabetikern sind in der Einstellungsphase nächtliche Blutzuckerkontrollen nötig, die entweder von Pflegenden oder von Laborkräften durchgeführt werden:

•  Ist der Blutzucker um 22 Uhr zu niedrig (also < 50 mg/dl), soll der Patient zwei BE Kohlenhydrate zusätzlich essen und seine übliche Insulindosis spritzen.Weitere Blutzuckerkontrollen sind dann um 24 Uhr und um 3 Uhr notwendig

•  Bei normalem 22-Uhr-Blutzucker, aber hohen morgendlichen Blutzuckerwerten sollte der Blutzucker um 3 Uhr kontrolliert werden, da ein hoher Nüchternblutzucker auch Gegenreaktion auf eine unbemerkte nächtliche Hypoglykämie sein kann (Somogyi-Effekt)

•  Zweite Möglichkeit ist das Dawn-Phänomen, bei dem der Blutzucker zwischen 3 und 7 Uhr durch Freisetzung von Glukose aus der Leber ansteigt

•  Wird bei den nächtlichen Kontrollen ein Blutzucker von unter 50 mg/dl festgestellt, soll der Patient zwei BE essen).

Sich beschäftigen und Sinn finden

•  Diabetiker können heute weitgehend wie Nicht-Diabetiker leben, d.h. berufstätig sein, eine Familie gründen, reisen und vieles andere mehr. Insbesondere insulinpflichtige Diabetiker müssen aber in Beruf und Freizeit Rücksicht auf ihre Erkrankung nehmen.

•  Günstig sind Berufe mit regelmäßiger Arbeitszeit und gleichmäßiger körperlicher Belastung, z.B. Büroberufe. Bei großer Selbstdisziplin des Patienten sind auch Berufe in der Nahrungsmittelverarbeitung z.B. als Koch, Konditor oder Gastwirt geeignet. Berufe mit Nachtdienst oder Schichtdienst sind eher ungünstig, aber bei kooperativen, gut geschulten Patienten durchaus möglich. So sind z.B. unter Ärzten und Pflegenden viele insulinpflichtige Diabetiker zu finden, die dank ihres Wissens um die Erkrankung ihren Blutzuckerspiegel trotz Nachtdiensten gut eingestellt haben.

•  Berufe mit erhöhter Eigen- oder Fremdgefährdung sind für den Diabetiker ungeeignet, da eine Hypoglykämie zu schweren Unfällen führen kann. Hier sind etwa Dachdecker, Gerüstbauer, Fensterputzer, Lokomotivführer, Taxi- und Busfahrer zu nennen. Ggf. kann nach Manifestation eines Diabetes mellitus eine Umschulung erforderlich sein.

Sich als Frau oder Mann fühlen und verhalten

Gut eingestellte Diabetiker sind in ihrer Sexualität in der Regel nicht eingeschränkt. Im Rahmen der diabetischen Neuropathie neigen Männer zu Erektionsstörungen bis zur Impotenz, bei schlechter Diabeteseinstellung auch schon vor dem 20. Lebensjahr.

Schwangerschaft

Bei schwangeren Diabetikerinnen sind eine normnahe Blutzuckereinstellung und häufige ärztliche Kontrollen durch Gynäkologen und Internisten unerlässlich, um diabetesbedingte Komplikationen bei Mutter und Kind zu vermeiden. Das Kind einer Diabetikerin ist ein Risikoneugeborenes (diabetische Embryofetopathie) und muss in den ersten Tagen sorgfältig überwacht werden.

Allgemeine Lebensführung des Diabetikers und Diabetikerschulung

•  Je besser ein Diabetiker geschult ist, desto geringer sind die Einschränkungen seiner Lebensqualität. Der Inhalt der Patientenschulung hängt auch von der Lernfähigkeit des Patienten ab. Erstrebenswert ist:

•  Bei alleiniger Diättherapie: Erklärung der Krankheit, Diätetik (mit besonderer Betonung der Kohlenhydrate und der Fette), Wirkung von Alkohol, Bedeutung von Fußpflege und Körperpflege, Wichtigkeit ärztlicher Kontrollen

•  Bei oralen Antidiabetika zusätzlich: Urinzuckerselbstkontrolle, Auswirkungen von körperlicher Bewegung, Zeichen der Hypoglykämie und Selbsthilfemöglichkeiten

•  Bei Insulin-Behandlung zusätzlich: Blutzuckerselbstkontrolle, Umgang mit Insulin, Injektionsorte, Spritz-Ess-Abstand, Broteinheit als Maß für die Kohlenhydratmenge, Verhalten in besonderen Situationen (z.B. Krankheit, Reisen).

•  Viele Krankenhäuser beschäftigen heute speziell ausgebildete Pflegekräfte (Diabetesberater), die zusammen mit Diätassistenten und ärztlichem Personal die Diabetikerschulung übernehmen. Besonders intensiv ist die Schulung in Diabeteskliniken, aber auch in Schwerpunktpraxen.

Diabetikerselbstkontrolle

•  Die Diabetikerselbstkontrolle ist unerlässlicher Bestandteil der modernen Diabetestherapie.

•  Häufige Kontrollen des Blut- oder Harnzuckerwerts dienen nicht nur der Therapiekontrolle, sondern ermöglichen dem Diabetiker in gewissem Umfang auch eigenständige Korrekturen der Behandlung. Dies erfordert aber zumindest in den Anfangsmonaten das konsequente Führen eines Diabetiker-Tagebuches, in dem alle Befunde der Selbstkontrolle sowie Besonderheiten der Lebensführung (z.B. Einladungen, Sport) und Erkrankungen (z.B. Infekte) eingetragen werden. Nur so kann der Diabetiker nachvollziehen, welche Auswirkungen z.B. ein Korrekturversuch bei Hyperglykämie gehabt hat. Das Führen des Diabetikertagebuches erlernt der Patient bereits während der Ersteinstellung. Das Tagebuch oder einen Notfall-Ausweis sollte der Diabetiker stets bei sich tragen, damit etwa bei einer Bewusstlosigkeit rasch geholfen wird.

Urinzucker-Selbstkontrolle:

  • Der Streifen-Schnelltest (Durchführung) beruht darauf, dass oberhalb eines Blutzuckers von 160 – 180 mg/dl (der sog. Nierenschwelle ) Zucker mit dem Urin ausgeschieden wird. Für die Auswertung ist wichtig zu wissen, dass die Urinzucker-Kontrolle immer ein Sammelwert für den Blutzucker seit der letzten Blasenentleerung ist. Bei Diabetikern mit Nierenschäden ist der Test nur eingeschränkt oder gar nicht verwertbar, weil sich durch die Nephropathie die Nierenschwelle geändert haben kann.

Urinazeton-Selbstkontrolle :

  • Azeton gehört zu den sog. Ketonkörpern, die bei gesteigertem Fettabbau (etwa bei Insulinmangel) vermehrt gebildet und mit dem Urin ausgeschieden werden.
  • Weitere Ursachen für eine Ketonurie sind Hunger, Fieber, lang andauerndes Erbrechen oder sehr reichliche Fettzufuhr mit der Nahrung.
  • Für den Azetonnachweis im Urin sind Teststreifen vergleichbar denjenigen für den Urinzuckernachweis im Handel.
  • Ein Azetonnachweis im Urin zusammen mit einem hohen Blutzucker ist beim Diabetiker immer ein Alarmsignal (Insulinmangel mit drohender diabetischer Ketoazidose). Führen Insulingabe und (unterstützend) reichliches Trinken nicht zu einer raschen Besserung der Stoffwechsellage, muss ein Arzt konsultiert werden.

Blutzucker-Selbstkontrolle :

  • Zur Blutzucker-Selbstkontrolle sollte der Patient saubere, warme Hände haben..

Ärztliche Kontrolluntersuchungen

  • Zur Schulung des Diabetikers gehört auch die Information über die notwendigen Kontrollen durch den Arzt, um Komplikationen der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen.
  • Auch wenn der Patient beschwerdefrei ist, sind folgende Untersuchungen erforderlich: 3- bis 4-mal jährlich werden durchgeführt:
  • Fußinspektion (Rötungen, Wunden?), Stimmgabeltest, um gestörtes Vibrationsempfinden zu erfassen
  • Harnstatus mit Uricult zum Ausschluss von Harnwegsinfekten
  • Mikroalbuminkontrolle im Urin (Streifenschnelltest zum Screening), da eine erhöhte Albuminausscheidung mit dem Urin oft erstes Zeichen einer Nephropathie ist
  • Bestimmung des HbA1 oder HbA1c zur „Blutzuckerlangzeitkontrolle“.
  • 2-mal jährlich sind notwendig:
  • Augenärztliche Untersuchung zur Früherkennung einer Retinopathie
  • Zahnärztliche Kontrolle (Parodontitis?).
  • 1-mal jährlich sind anzuraten:
  • EKG, evtl. Belastungs-EKG
  • Blutfett-Bestimmung.
  • Bei jedem Arztbesuch wird der Blutdruck gemessen und das Diabetikertagebuch mit dem Patienten besprochen. Außerdem soll der Patient den Arzt lieber einmal zu häufig als zu selten aufsuchen, etwa wenn er nicht weiß, wie er anhaltend schlechte Blutzuckerwerte korrigieren kann.

Seiten: 1 2 3

Diesen Beitrag teilen auf...

Twitter Facebook