Autor/in: Cordula

Pflege bei Diabetes mellitus Seite 2

Hypoglykämischer Schock

 

Hypoglykämie

  • Blutzucker unter 50 mg/dl
  • Beim hypoglykämischen Schock (Unterzuckerungsschock) liegen zusätzlich Schocksymptome vor (BZ in der Regel < 40 mg/dl) und der Patient ist meist handlungsunfähig.

Krankheitsentstehung

  • Arzneimittelüberdosierung (Insulin, Sulfonylharnstoffe)
  • zu später oder/und zu geringer Aufnahme von Kohlenhydraten
  • Alkoholgenusses
  • schwerer körperliche Anstrengungen
  • Ernährungsfehler
  • andere Grunderkrankungen (z. B.: Insulin produzierender Tumor, schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen oder eine Alkoholvergiftung)

Symptome

  • Gegenregulation des Körpers auf BZ sinkt: » Adrenalin, Glucagon, Cortison steigt
  • Beginn: plötzlich, innerhalb weniger Minuten
  • Heißhunger
  • unruhig und zittrig
  • Haut: blass, kalt und schweißig
  • psychische Störungen: Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit sowie neurologische Ausfälle, die dem klinischen Bild eines Schlaganfalls ähneln können., Sehstörungen, Apathie, Erregtheit (Aggressivität, Wut)
  • Schwäche, Müdigkeit, Zittern (Tremor), Angst
  • Gähnen, Kribbeln
  • Konzentrationsschwäche
  • Normale Atmung
  • Tachykardie
  • Farbensehen
  • Durch die Medikation mit b-Blockern oder eine diabetische Neuropathie kann die Symptomatik so verschleiert werden, dass der Patient die Vorboten einer Hypoglykämie nicht bemerkt und scheinbar unvermittelt ins Koma gerät. Andererseits können Hypoglykämien ganz langsam entstehen und sich (zunächst) lediglich durch Verhaltensauffälligkeiten wie aggressives oder enthemmtes Verhalten zeigen.
Hyperglykämisches Koma Hypoglykämischer Schock
Beginn Langsam über Tage Rasch (Minuten)
Bedürfnis Starker Durst Heißhunger
Muskulatur Hypoton Hyperton, Tremor
Haut Feucht Trocken
Atmung Vertieft bei Ketoazidose Normal
Augäpfel Weich, eingefallen Normal
Symptome Fieber, Bauchschmerz Zerebrale Krampfanfälle

Diagnostik und Differentialdiagnose

  • Die Diagnosestellung ist sofort durch einen BZ-Stix sofort möglich.

Behandlungsstrategie

  • Würfel- oder Traubenzucker oder zuckerhaltige Getränke wie Apfelsaft
  • Ist der Patient nicht mehr ansprechbar, können Angehörige noch außerhalb der Klinik eine Glukagon-Fertigampulle i.m. spritzen, die aber nicht bei alkoholbedingten Hypoglykämien wirkt.
  • intravenösen Gabe von Glukose 10 % – 40 %.
  • Die weitere Behandlungsstrategie hängt davon ab, wie schnell der Patient aufklart und welche Ursache der Hypoglykämie zugrunde lag. Da die Hypoglykämien durch orale Antidiabetika oft länger andauern, muss der Patient in diesem Fall über 24 – 48 Stunden beobachtet werden und entsprechend der BZ-Werte Glukoseinfusionen erhalten. Immer ist eine Überprüfung der Medikation erforderlich.

Pflege

Patienten sorgfältig überwachen: Puls und RR alle halbe Stunde kontrollieren, Bewusstsein beobachten, BZ in den ersten 24 Stunden alle zwei Stunden bestimmen.

Vorsicht

  • Bei Bewusstlosigkeit unbekannter Ursache stets BZ-Stix durchführen
  • Bei unklarem Koma nie Insulin, sondern Glukose geben und Wirkung abwarten. Bei einer Hyperglykämie schaden die 10 g Zucker auch nicht mehr, aber Insulin bei Hypoglykämie kann tödlich sein
  • Bei Hypoglykämien während einer (Kombinations-)Therapie mit Acarbose (z.B. Glucobay®) stets reine Glukose (Traubenzucker, Monosaccharid) geben. Würfelzucker (Disaccharid) und in Schokolade enthaltener Zucker werden nicht resorbiert und sind daher unwirksam.

Patientenberatung

alle Diabetiker müssen über die Symptome einer Hypoglykämie Bescheid wissen und immer Traubenzucker bei sich haben.

Spätkomplikationen des Diabetes mellitus

 

diabetisches Spätsyndrom

  • Langzeitschäden infolge des erhöhten Blutzuckerspiegels
  • Bei einem schlecht eingestellten Diabetiker treten die ersten Spätkomplikationen schon nach 5 – 10 Jahren auf. Gute Stoffwechselführung vermag Manifestation und Voranschreiten der Spätkomplikationen wesentlich zu verzögern.

Diabetische Makroangiopathie und Mikroangiopathie

•  Makroangiopathie Erkrankung der großen Blutgefäße : Arteriosklerose. KHK, Herzinfarkt („stummer Verlauf“ möglich), Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), möglich: arteriosklerotische Nierenschädigung

•  Mikroangiopathie Erkrankung der kleinen Blutgefäße: diabetesspezifische Gefäßschädigung, befällt insbesondere die Nieren und die Augen.

Diabetische Spätschäden

  • Todesursache bei Diabetikern ist in 50 % ein Herzinfarkt bei koronarer Herzkrankheit
  • in 30 % ein Schlaganfall
  • in 12 % Nierenversagen durch diabetische Nephropathie.

Diabetische Nierenschäden

•  diabetische Nephropathie (Nierenschädigung): Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson, bei der sich die glomerulären Kapillarwände verdicken und sich – evtl. als Ausdruck von Reparationsvorgängen – Knötchen in den Glomeruli bilden.

•  Frühsymptom : Mikroalbuminurie, d.h. eine gesteigerte Albuminausscheidung über die Nieren (Ausscheidung 30 – 300 mg/24 Std.), wobei heute spezielle Urinteststreifen (z.B. Micral-Test ® S) eine Screening-Untersuchung auch durch den Patienten selbst ohne großen Aufwand ermöglichen.

•  Die Nierenfunktionsstörung nimmt langsam zu, und im Endstadium ist der Patient dialysepflichtig.

Augenkomplikationen

•  diabetischen Retinopathie durch die Mikroangiopathie am Auge » Netzhautschäden durch Einblutungen, Gefäßwucherungen und Netzhautablösung.

•  häufigsten Erblindungsursachen bei Erwachsenen

•  Auch Katarakt (Linsentrübung) und Glaukom (Erhöhung des Augeninnendrucks) können als Folge eines Diabetes mellitus am Auge auftreten.

Diabetische Polyneuropathie

= nicht-verletzungsbedingte Erkrankung mehrerer peripherer Nerven

•  wahrscheinlich bedingt durch eine direkte Schädigung der Nervenfasern durch Stoffwechselprodukte der Hyperglykämie kombiniert mit einer Schädigung der winzig kleinen Blutgefäße, welche die Nerven versorgen.

•  periphere Polyneuropathie (Schädigung der peripheren Nerven): Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Lähmungen. Besonders typisch sind schmerzhafte Missempfindungen der distalen Unterschenkel und der Füße (burning feet).

•  autonome Polyneuropathie, d.h. eine Mitbeteiligung des vegetativen (autonomen) Nervensystems. Hauptsymptome sind Herzrhythmusstörungen, Blutdruckregulationsstörungen mit Schwindel und Übelkeit, Völlegefühl durch eine Magenentleerungsstörung und Durchfall oder Obstipation durch Beeinträchtigung der Darmperistaltik. Störungen der Blasenentleerung sowie Impotenz, die bereits bei jungen Männern auftreten kann. Sind sympathische Bahnen betroffen, spürt der Patient die Warnsymptome einer Hypoglykämie nicht mehr, weil die Gegenregulation und damit die Warnsymptome auch über den Sympathikus vermittelt werden.

Diabetischer Fuß

•  Zusammenspiel von Makro- und Mikroangiopathie, Neuropathie und erhöhter Infektneigung des Diabetikers

•  Druckstellen (Zehen, Fersen) oder kleine Wunden führen unbehandelt durch Infektion und Durchblutungsstörungen rasch zu einer diabetischen Gangrän (Gangrän). Tiefe Geschwüre und Knochenbeteiligung sind häufig

•  Typisch ist das Mal perforans, ein wie ausgestanzt wirkendes Ulkus am Fuß, das vor allem in mechanisch belasteten Fußregionen (Vorfuß) entsteht

•  In Frühstadien ist eine konservative Behandlung der Läsionen zusammen mit einer Druckentlastung fast immer erfolgreich. In Spätstadien können Operationen oder sogar Amputationen notwendig werden.

Therapien bei Diabetes mellitus

Insulin-Therapie

Indikationen

  • Für alle Typ-1-Diabetiker, immer erforderlich
  • Ein Teil der Typ-2-Diabetiker, wenn Diät und orale antidiabetische Medikation nicht oder nicht mehr ausreichen
  • Vorsicht ist bei adipösen Patienten geboten, da Insulin den Appetit steigert und eine Gewichtsabnahme erschwert.
  • Weitere Indikationen der Insulinbehandlung sind das diabetische Koma und (größere) Operationen bei Diabetikern.

Insulinarten

Insulin Wirk-eintritt Wirk-maximum Wirk-dauer Sonstiges
Analoginsulin •  Insulinlispro Enthält kurz wirkende Insuline 10 Min 30-90 Min 3 Std Spritz-Essabstand: unnötig
Normal (Alt)-Insulin •  Insulin Actrapid •  H-Insulin Einziges Insulin, das sowohl s.c. i.m. und i.v. gespritzt werden darf 15-30 Min 2 Std 4-6 Std
Verzögerungsinsulin Depotinsuline •  Depot-Insulin •  Insulin Monotard HM •  Insuman Basal •  NPH: heißt neutrales Protamin Hagedom •  Enthält Substanzen (Surfen, Zink) die Insulin binden und langsam ans Blut abgegeben Die Verzögerung kann je nach Dosierung unterschiedlich sein Spritz-Essabstand: bedeutungslos
Intermediärinsuline: mittelllang wirkend 1-2 Std 4-10 Std 12-24 Std
Langzeitinsuline 1-4 Std 24 Std
Kombinations insulin •  Depot-H-Insulin •  Insulin Actraphane •  Enthält Normalinsulin und Verzögerungsinsulin in unterschiedlichen Mischverhältnissen •  Hauptanwendungsgebiete: konventionelle Insulintherapie 15-30 Min 2-6 Std 10-12 Std

Insulindosierung

  • Alle Insuline werden nach internationalen Einheiten, kurz I.E., dosiert
  • In Deutschland sind z.Zt. Insuline für Einmalspritzen in den Konzentrationen 40 I.E./ml und 100 I.E./ml im Handel.

Insulinlagerung

  • Der Insulinvorrat wird bei einer Temperatur von +2 – +8 ºC aufgehoben
  • Tiefgefrieren verträgt das Insulin ebenso wenig wie Hitze, z.B. im Handschuhfach des Autos, weil es dann ausflockt und unwirksam wird.
  • Haltbarkeitsdatum auf der Flasche zu beachten
  • Das Fläschchen, das der Patient gerade benutzt, kann aber 3 – 4 Wochen bei Zimmertemperatur gelagert werden (Anbruchdatum auf die Flasche schreiben)
  • Einmal in Gebrauch befindliche Pens dürfen wegen der Gefahr der Luftblasenbildung nicht im Kühlschrank aufgehoben werden

Therapieschemata der Insulintherapie

•  Bei der Insulintherapie gibt es drei verschiedene Therapieschemata:

  • konventionelle Insulintherapie
  • intensivierte konventionelle Insulintherapie
  • Insulinpumpentherapie

Unabhängig von der Art der Insulintherapie gilt:

  • 1 I.E. Normalinsulin senkt den BZ um ungefähr 30 mg/dl (tageszeitliche Schwankungen, erhöhte Insulinempfindlichkeit durch körperliche Aktivität)
  • Bei besonderen Belastungen, z.B. neue Arbeitsstelle, Sporturlaub, Operation, ist eine Neuanpassung der Insulindosis erforderlich
  • Alle Lösungen, die Verzögerungsinsuline enthalten, müssen vor dem Aufziehen bzw. Spritzen durchmischt werden (Flaschen rollen, Pen kippen, ungefähr 20-mal).

Durch die Entwicklung neuer Insuline und Hilfsmittel (z.B. zur Blutzuckermessung oder Insulininjektion) ist die Insulintherapie wesentlich individueller als früher. Die folgenden Ausführungen können daher nur Anhaltspunkte geben. Ausgehend von Erfahrungswerten werden die meisten Diabetiker mit der Zeit selbst herausfinden, wie sie ihren Stoffwechsel optimal einstellen und mit welchen Hilfsmitteln sie am besten zurechtkommen.

Konventionelle Insulintherapie   (CT)

•  Injektion von Mischinsulin

•  vor dem Frühstück zwei Drittel und vor dem Abendessen ein Drittel der Gesamtdosis gespritzt

•  Vorteil: nur zwei Injektionen am Tag nötig sind

•  Nachteil:

  • völlige Anpassung des Tages- und Essensablauf an das Wirkprofil des Insulins; Auslassen von Mahlzeiten bei Appetitlosigkeit oder Mahlzeitenverschiebungen, etwa bei Einladungen, sind wegen der Hypoglykämiegefahr kaum möglich
  • Blutzuckereinstellung meist nicht befriedigend

•  » Anwendung hauptsächlich bei insulinbedürftigen Typ-2-Diabetikern.

Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)

Basis-Bolus-Konzept

•  Zur Deckung des Basalbedarfs wird einmal täglich abends (falls nötig, morgens und abends) ein Langzeitinsulin (40 % – 50 % des Gesamttagesbedarfs = Basalrate ) gespritzt

•  Zusätzlich ist zu den Hauptmahlzeiten – also dreimal täglich – die Gabe eine kurz wirksamen Insulins (= Bolus) erforderlich, dessen Menge sich nach dem unmittelbar davor bestimmten Blutzuckerwert und dem Broteinheiten-Gehalt der Mahlzeit richtet. Pro Broteinheit sind dabei morgens mehr Insulineinheiten erforderlich als mittags und abends. Vor den Zwischenmahlzeiten ist im allgemeinen keine Insulininjektion erforderlich

Vorteil:

  • gute Stoffwechsellage
  • tageszeitliche Flexibilität

Nachteil:

•  Notwendig ist, dass der Patient vor jeder Mahlzeit den Blutzucker messen und entsprechend Insulin spritzen muss. Zehn Nadelstiche pro Tag kommen da leicht zusammen.

•  Die Berechnung der jeweils notwendigen Insulindosis und die Korrektur von Blutzuckerschwankungen können nur von gut geschulten Patienten geleistet werden.

Insulinpumpentherapie (CSII = kontinuierliche subkutane Insulininfusion)

•  Bei schwer einstellbaren Diabetikern oder bei einer geplanten Schwangerschaft kann eine Insulinpumpentherapie sinnvoll sein).

•  Imitiert die Pankreas (1 IE/h wird abgegeben)

•  Die Insulinpumpentherapie ähnelt sehr der intensivierten konventionellen Insulintherapie, da auch hier das Basis-Bolus-Prinzip angewandt wird. Der Katheter liegt meist subkutan, selten intraperitoneal, die Pumpe selbst außerhalb des Körpers. Den ganzen Tag über wird eine fest einprogrammierte Basalrate von kurz wirksamem Insulin freigesetzt, die stündlich abgestuft vorgewählt werden kann. Zusätzlich ruft der Patient auf Knopfdruck vor Mahlzeiten einen Bolus ab, den er wie bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie abhängig vom zuvor bestimmten Blutzuckerwert selbst aktuell berechnet.

Vorteile : siehe ICT

Nachteile:

  • Gefühl der Verstümmelung
  • Betreuung nur in speziellen Zentren

Ausblick

•  Inhalierbare Insuline sollen die Applikation des künstlich zugeführten Insulins angenehmer machen und bereits in wenigen Jahren zur Verfügung stehen

•  Ebenfalls in der Entwicklung befindet sich das künstliche endokrine Pankreas (kurz KEP), im Gegensatz zur Insulinpumpe (offenes System) ein geschlossenes System, in dem die (automatische) Insulinabgabe vom zuvor gemessenen Blutzucker abhängt. Tragbare Geräte dieser Art sind im Versuchsstadium

•  Die exogene Insulingabe letztendlich ablösen sollen hingegen die Pankreas- und die Inselzelltransplantation. Bei dialysepflichtigen Typ-1-Diabetikern wurden bereits Pankreas und Niere transplantiert. Alleinige Pankreastransplantationen werden jedoch zurzeit wegen der Risiken der auf Dauer erforderlichen Immunsuppression abgelehnt. Erfolg versprechender erscheint angesichts neuerer Schemata zur Immunsuppression die Inselzelltransplantation, bei der isolierte Inselzellen in die Pfortader injiziert werden und die derzeit Gegenstand einer Multicenter-Studie ist. Derzeitiges Optimum ist die intensivierte Insulintherapie oder die Insulinpumpentherapie.

Durchführung der Insulininjektion

•  subkutan

•  Injektionsstellen systematisch wechseln, um Veränderungen des Unterhautfettgewebes zu verhindern (kosmetisch störend, sondern verändern auch die Insulinresorption)

•  Hautdesinfektion im Krankenhaus, nicht aber zu Hause nötig.

•  mehrfaches Kippen (Pen) oder Rollen (Flaschen, Ampullen) durchmischen. Nicht schütteln, da dies zur Schaumbildung und Schädigung des Insulins führen würde

Wirkbeginn und -dauer des Insulins

  • In den Bauch gespritztes Insulin wird schneller resorbiert als das in den Oberschenkel gespritzte.
  • Nach Reiben der Injektionsstelle, Wärme (warmes Baden, Saunabesuch) oder Muskelarbeit tritt die Insulinwirkung schneller ein
  • Je höher die Insulindosis (bei gleichem Präparat), desto länger wirkt das Insulin (nicht bei kurz wirksamen Insulin-Analoga).

Häufige Probleme bei der Blutzucker-Einstellung und deren mögliche Ursachen

BZ zu hoch

BZ zu tief

Nüchtern: Abendliches Insulin zu wenig oder Injektionszeitpunkt zu früh am Abend, Spätmahlzeit oder Abendbrot zu reichlich, nächtliche Hypoglykämie (Somogyi-Effekt, durch 3-Uhr-BZ auszuschließen) Nüchtern: Verzögerungsinsulin am Abend zu hoch. Spätmahlzeit zu gering, Alkoholgenuss, Sport
Morgendlicher Postpranial-BZ: Spritz-Ess-Abstand zu kurz, zu viel BE für die gespritzen Insulineinheiten, BE-Zusammensetzung ungünstig (leicht resorbierbare Kohlenhydrate) Morgendlicher Postpranial-BZ: Frühstück zu gering, Insulin am Morgen zu hoch dosiert, Alkoholgenuss, Sport
Vor dem Abendbrot: Mittags- oder Nachmittagsmahlzeit zu reichlich, morgendliches Verzögerungsinsulin zu gering, Normalinsulin zum Mittag zu gering Nachmittags: Basalrate zu hoch, Normalinsulin am Mittag zu hoch, Mittags- und/oder Nachmittagsmahlzeit zu gering, Alkoholgenuss, Sport
Vor dem Schlafengehen: Abendbrot zu reichlich, Zusammensetzung ungünstig, Normalinsulin zum Abendbrot zu gering, Spritz-Ess-Abstand zu kurz Vor dem Schlafengehen: Abendbrot zu gering, Normalinsulin zum Abendbrot zu hoch, Alkoholgenuss, Sport
Nachts: Spätmahlzeit zu reichlich, Basalrate zu gering Nachts: Spätmahlzeit zu gering, Basalrate zu hoch, Alkoholgenuss, Sport
BZ-Niveau insgesamt zu hoch: Unerkannter Infekt, zusätzliche Medikation, Änderung der Essgewohnheiten, weniger körperliche Aktivität, Änderung des Injektionsortes

Orale medikamentöse Therapie des Diabetes mellitus

bei den Typ-2-Diabetikern angezeigt, bei denen mit Diät, Bewegung und Gewichtsabnahme keine befriedigende Stoffwechseleinstellung erzielt werden kann

Hemmstoffe der Kohlenhydratresorption/Glukosidase-Inhibatoren

•  Wirkung: „glätten“ die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten, Verhinderung der Aufspaltung von Zweifachzuckern im Dünndarm

•  Sie können bei Typ I und Typ II eingesetzt werden

•  Hauptvertreter sind Enzymhemmer (z.B. Acarbose, etwa in Glucobay®), die ganz zu Beginn einer Mahlzeit eingenommen werden müssen.

•  Nebenwirkungen: Blähungen und Völlegefühl (Folge der nicht resorbierten Kohlenhydrate im Dickdarm)

•  Vorteil: bei alleiniger Gabe keine Hypoglykämien möglich

Biguanide

•  Indiaktion: besondere bei stark adipösen Patienten unter 65 Jahren angezeigt, da sie die Gewichtsreduktion erleichtern

•  In Deutschland sind nur Metformin (z.B. Glucophage®) und nur in Kombination mit Sulfonylharnstoffen zugelassen, da es in der Vergangenheit unter Biguanidtherapie zu lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisungen in Form einer Laktatazidose (metabolische Azidose durch erhöhten Milchsäurespiegel im Blut) gekommen ist.

•  Vorteil : keine Hypoglykämien (da die Insulinsekretion nicht gesteigert wird, Metformin hemmt den Appetit » erwünschte Gewichtsreduktion

•  Nebenwirkungen : Magen-Darm-Beschwerden und Blutbildveränderungen.

Sulfonylharnstoffe

•  Beispiele: Glibornurid (etwa in Glutril®), Gliquidon (etwa in Glurenorm®) oder das stark wirksame Glibenclamid (etwa in Euglucon®), Glimepirid (Amaryl®), bis auf Amaryl alle Kreatininabhängig ?

•  stimulieren die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse und wirken so blutzuckersenkend.

•  Einnahme: eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen. Wenn auch die Hypoglykämiegefahr nicht so hoch ist wie bei der Insulintherapie, so kann es doch zu ernsten und lang andauernden Hypoglykämien kommen.

•  Nebenwirkungen : Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen) und allergische Hautreaktionen.

•  Kombination mit Insulin möglich und wird häufig beim fortgeschrittenen Typ-2-Diabetes praktiziert

•  In Deutschland werden Sulfonylharnstoffe meist zu früh im Krankheitsverlauf verordnet und ersetzen dann häufig die Diät. Dadurch ist die Gewichtsreduktion erschwert, und die Stoffwechselstörungen des Diabetikers nehmen eher noch zu.

Weitere orale Antidiabetika

In den letzten Jahren wurden zwei neue Substanzgruppen entwickelt, deren endgültiger Stellenwert aufgrund der ausstehenden Langzeiterfahrungen noch nicht abgeschätzt werden kann

Prandiale Glukoseregulatoren :

  • steigern die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse in Abhängigkeit vom Blutglukosespiegel.
  • Substanz Repaglinid (NovoNorm®)
  • Einnahme: zu Beginn einer Mahlzeit e (die maximale Wirkung ist nach 45 Minuten erreicht).
  • Da die Wirkung auch schnell wieder nachlässt, ist die Hypoglykämiegefahr geringer als bei Sulfonylharnstoffen. Prandiale Glukoseregulatoren sollen die Flexibilität des Typ-2-Diabetikers bei der Nahrungsaufnahme erhöhen. Eine Kombination z.B. mit Metformin ist möglich, nicht jedoch mit Sulfonylharnstoffen.

Insulinsensitizer :

  • sollen die Gewebe für die Insulinwirkung empfindlicher machen, d.h. die Insulinresistenz des Typ-2-Diabetikers bessern. Der Fettstoffwechsel soll ebenfalls positiv beeinflusst werden.
  • Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Leberschäden, eine Anämie und Ödeme – vor allem der Beine – gegenüber
  • In Deutschland sind als erste Glitazone, wie die Substanzgruppe genannt wird, Rosiglitazon (Avandia®) und Pioglitazon (Actos®) für die Kombinationstherapie mit Sulfonylharnstoffen oder Biguanid bei nicht ausreichender Wirkung derselben zugelassen worden.

Diät bei Diabetes mellitus

Kohlenhydrate und Broteinheiten

•  Grundsäule jeder Diabetesbehandlung ist das Einhalten einer Diät

•  Blutzuckerwirksame Bestandteile der Nahrung sind in erster Linie die Kohlenhydrate

•  Beim Diabetiker muss der Kohlenhydratanteil der Nahrung und die Kohlenhydratverteilung über den Tag der noch vorhandenen körpereigenen Insulinsekretion bzw. der Insulinzufuhr von außen angepasst werden.

•  Die Diät bei Diabetes mellitus entspricht im Wesentlichen einer gesunden Vollwertkost , wie auch für Gesunde

•  Diät muss den Kalorien- und Nährstoffbedarf des Patienten decken, abhängig wie beim Gesunden von Geschlecht, Alter, Beruf und Freizeitgewohnheiten

•  gebräuchliche Maß für die Kohlenhydratmenge ist die Broteinheit (kurz BE, neuerdings auch Kohlenhydrateinheit, kurz KE).

  • 1 Broteinheit = 12 g verdaulichen Kohlenhydraten
  • Von diesen starren Zahlenwerten ist man mittlerweile abgekommen. Der Kohlenhydratanteil eines Nahrungsmittels ist nämlich nicht konstant, sondern schwankt z.B. je nach Wuchsbedingungen der Pflanzen um ca. 25 %. Daher ist es sinnvoller, die Broteinheit als Schätzwert für eine Kohlenhydratportion von 10 – 12 g zu definieren. Überhaupt ist das Wissen um die genauen Kohlenhydratmengen nur für Insulin spritzende Diabetiker zur Berechnung der Insulindosis erforderlich.

•  Bei den übergewichtigen Typ-2-Diabetikern, die den Großteil der deutschen Diabetikern ausmachen, steht der Energie- und damit Kaloriengehalt der Nahrung im Vordergrund.

•  Da der Kohlenhydratgehalt der Nahrungsmittel sehr unterschiedlich ist, muss der Patient wissen, wie viel Lebensmittel in g einer BE entspricht und wie schwer die Portion in seiner Hand ist (Diätwaage (10 g genau)

•  Nicht nur die Menge, sondern auch die Art der Kohlenhydrate ist entscheidend. Monosaccharide (Einfachzucker, z.B. Trauben- und Fruchtzucker) und Disaccharide (Zweifachzucker, z.B. Rüben- und Milchzucker) führen zu einem raschen Blutzuckeranstieg und sind damit für den Diabetiker ungünstig. Polysaccharide (Vielfachzucker, z.B. Stärke) steigern den Blutzucker langsam, aber länger dauernd und sind vom Diabetiker daher zu bevorzugen.

•  Dritte Einflussgröße neben Menge und Art der Kohlenhydrate ist ihre zeitliche Verteilung über den Tag. Für Patienten mit einer konventionellen Insulintherapie ist eine relativ regelmäßige Verteilung der Kohlenhydrate über den Tag in sechs Mahlzeiten am günstigsten, um Blutzuckerspitzen, aber auch unerwünscht niedrige Werte zu vermeiden.

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