Autor/in: Anonym

Diabetes mellitus Seite 2

Diabetes Therapie

Unser BZ-Spiegel schwankt ja nach Zufuhr von KH mit der Nahrung, die übrigen Nahrungsbestandteile EW oder Fett verändern den BZ dagegen nicht. Daher ist eine entsprechende Diät die Basis der Diabetes-Therapie, unabhängig davon, um welchen Diabetes-Typ es sich handelt. Da der Typ-1-Diabetes kein Insulin produzieren kann, muss bei ihm in jedem Fall zusätzlich zur Diät eine Insulintherapie durchgeführt werden. Bei Typ-2-Diabetes werden ggf. orale Antidiabetika eingesetzt. Da Bewegung die Insulintherapie verbessert, ist auch sie ein wichtiger Therapiebaustein.

Ernährung bei Diabetes

Ein Diabetiker, der mittels einer intensivierten Insulintherapie behandelt wird, muss zur Berechnung der pro Mahlzeit nötigen Insulindosis die genaue Menge an KH wissen, die er isst. Er berechnet daher seine KH in Broteinheiten (BE). Dabei entsprechen 12 g KH einer BE. Mittels Austauschtabellen kann die Menge der BE berechnet werden. Die Ernährung bei intensiviert eingestellten dabei ist relativ frei, während man bei der konventionellen Insulintherapie tägl. 5-7Mahlzeiten zu sich nehmen sollte, um die BZ-Schwankungen möglichst gering zu halten.
Besonders bei älteren Diabetikern ist die genaue KH Berechnung in der Nahrung nicht nötig, denn hier sind die Therapie ziele andere, und oft sind alte Menschen mit diesen Berechnungen auch überfordert, daher gelten hier die Regeln einer gesunden, zuckerlosen Ernährung, sollten wie beim Gesunden möglichst KH-reich und dafür fettarm und eher Eiweiß arm sein.  5-7 Mahlzeiten sind für die BZ Regulierung gut, überfordern alte Menschen häufig. Die Ernährung sollte daher individuell angepasst und mit dem Klienten oder den Angehörigen besprochen werden.


Zusätzlich sind folgende Regeln wichtig:

– Die meisten Typ-2 Diabetes erkrankten sind übergewichtig, daher ist eine Gewichtsnormalisierung eine der wichtigsten Maßnahmen, denn dadurch lässt sich fast immer eine Besserung oder gar Normalisierung der BZ-Werte erreichen

  • ballaststoffreiche KH, z. B.: in Vollkornnudeln, vermindern die BZ-Schwankungen
  • Fett verschlechtert zusätzlich die Insulinwirkung und sollte daher gemieden oder in Form ungesättigter Fettsäuren (z. B.: Olivenöl) verwendet werden
  • auf den normalen Haushaltszucker muss verzichtet werden, stattdessen können Zuckeraustauschstoffe, z. B., ca.: Fruktose oder Süßstoffe verwendet werden
  • auch Diabetes-Produkte enthalten oft Fett und Zucker, besser ist es gelegentlich kleine Mengen „echter“ Schokolade als häufig Diabetes-Schokolade zu essen
  • Alkohol, nur in geringen Mengen; er kann zu Hypoglykämie führen;
  • wenn möglich, Trinkmenge tägl. 1-1,5l, hauptsächlich kalorienarme Getränke wie Mineralwasser, Tee, Süßstofflimonaden;

Grundlagen der Insulintherapie/Profile

Insulintherapie

Täglich werden im Körper.a 40-50 Einheiten Insulin gebildet. Auch, wenn nichts gegessen wird, benötigen die Organe Energie, deshalb wird nachts oder zwischen den Mahlzeiten Glukose aus dem Leberspeicher freigesetzt. Damit dieser Zucker auch außerhalb der Mahlzeiten in die Zellen gelangen kann, wird ein Teil des Insulins gleichmäßig über den Tag verteilt gebildet(→Basalsekretion). Je nach KH-Zufuhr wird zusätzlich zu jeder Mahlzeit Insulin ausgeschüttet. Um diese physiologischen Schwankungen nachahmen zu können, werden in der Insulintherapie verschiedene Insulinsorten mit unterschiedlichem Wirkprofil eingesetzt. Welches Insulin verwendet werden, richtet sich nach der gewählten Insulintherapie.

Behandlungsziele für eine gute BZ-Therapie geltende Richtwerte:

  • Nüchtern- und BZ-Zielwert vor der Mahlzeit zwischen 90 und 120 mg/dl
  • 1,5-2Std. Nach der Mahlzeit < 160 mg/dl, besser noch 130 mg/dl
  • Urin Glukose frei, Azeton negativ
  • Unterzuckerfreiheit; BZ>60 mg/dl
  • Normalisierung von Körpergewicht und Blutfetten
  • HbA1c unter 6 % (= Hämoglobin, das Zucker ablagert, Wert informiert über Zuckereinheiten der letzten 1-3 Monaten)

Bauchspeicheldrüsensekretion beim Gesunden

hat zwei Anteile: die Basalrate und den Bolus
1. Basalinsulinproduktion ist eine Mahlzeit unabhängig Dauer-Insulinabgabe. Das Basalinsulin dient dazu, den BZ unter Alltagsbedingungen(z. B.: Tagesrhythmus, normale körperliche Belastung) Mahlzeiten unabhängig im Normbereich zu halten. Es dient nicht dazu, schlechte BZ-Werte zu korrigieren.

Methoden:
  • mittels kontinuierlicher Zufuhr schnell wirkendem Insulin durch eine Pumpe beim Typ-1-Diabetes im Unterhautfettgewebe
  • mittels Injektionen von lang wirkendem Insulin vom NPH-Typ, als Zeit verzögertes Insulin oder als Langzeit-Analog-Insulin Lantus in eine „langsame“ Spritzstelle beim Typ-2-Diabetes

Basalrate mit Verzögerungsinsulin vom NPH-Typ

  • morgendliche und spätabendliche Injektion vor dem Zubettgehen
  • auch morgens, mittags und abends möglich
  • Spätinjektionen nicht vor 21 Uhr, da bei früherer Insulingabe die maximale BZ-senkende Wirkung dann eintritt, wenn der Körper sehr Insulin empfindlich ist (zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens→nächtliche Unterzuckerung)

Basalrate mit dem Langzeit-Analog-Insulin(Lantus)

  • soll nach Angabe des Herstellers 24 Std. wirken
  • Erfahrungen zeigen, dass es nicht immer gleichmäßig 24Std. Wirkt, Lücken müssen mit Kurzzeit Insulinen oder NPH-Insuline abgedeckt werden
    Basalinsulinanteil
    wird mit Formel errechnet

2. Bolus= Mahlzeiten abhängige Insulingabe im „Schuss“
Die Bolusgabe:
– schnell wirkendes Insulin dient bei der ICT zur Abdeckung von KH als Mahlzeit Insulin zum anderen der Korrektur erhöhter BZ-Werte als Korrekturinsulin
geeignet sind: Normalinsulin und Kurzzeit-Analog-Insulin; diese werden mittels Spritze oder Pen je nach aktuellem BZ-Wert mit einem gewissen SEA vor den Mahlzeiten in eine „schnelle“ Spritzstelle injiziert

BE-Fafktor
man berechnet die Menge des Mahlzeiten-Insulins unter Zuhilfenahme sog.“BE-Faktoren“=Menge an schnell wirkendem Insulin, das benötigt wird, um eine BE abzudecken
Bolusgaben Einheiten pro BE
morgens: 1,5-3 I.E./BE
mittags:    0,5-1,5I. E. / BE
abends:    1-2,5I. E./BE

Korrekturinsulin

  • 40er-Regel besagt, dass oberhalb von 120 mg/dl für jeweils 40 mg/dl BZ-Erhöhung jeweils 1 Einheit Kurzzeitinsulin zur BZ-Korrektur gegeben wird; bis160mg/dl=1 I.E.  Bis200mg/dl=2 I.E.
  • Bei einer Stoffwechselerkrankung mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen kann eine Verdopplung der so errechneten Korrekturgaben notwendig sein
  • bei Aceton im Urin++oder+++sind freie Fettsäuren im Blut, die zu einer relativen Insulinunempfindlichkeit führen, dies erfordert ein mehr an Korrekturinsulin
  • besteht Stoffwechselentgleisung, mit Azetonnachweis im Urin sind rasche Korrekturen notwendig
  • Abstand zwischen 2 BZ-Korrekturen: mit Normalinsulin4-5Std.; mit Humalog/NovoRapid 2-3Std.

Allgemeines Wirkungsprofil von Insulinen
Wirkungsbeginn           →       Das erste Insulin erscheint im Blut, die Wirkung wird immer stärker
Wirkungsmaximum       →       schließlich ist, nach unterschied langer Zeit, alles Insulin im Blut, Wirkung erreicht ihren Höhepunkt
Wirkungsabschwächung/ende     →       die Wirkung wird schwächer, bis sie nicht mehr vorhanden ist

Inhaltsstoffe
– Puffersubstanzen (für pH-Wert)
– Desinfektionsmittel
– Verzögerungssubstanz bei Verzögerungsinsulin (z. B.: EV-Protamin oder Zink)

Insulinsorten:
Normal-, Altinsulin:      Beispiel:           Actrapid, Humaninsulin; Insuman,
Wirkprofil:       Wirkungsbeginn nach 15-30Min; Wirkungshöhepunkt nach 2Std.; max. Wirkungsdauer 4-6 Std.;
Indikation:        Stoffwechselentgleisungen, intensivierte Insulintherapie; Insulinpumpe;
zu beachten:     30Min vor dem Essen spritzen(SEA); genaue Dosierung(U-40 oder U-100-Insulin), sonst Gefahr der Hypoglykämie
Notiz:               sind untereinander austauschbar

Analoginsulin:               Beispiel:           Humalog, Lispro;
(dem menschlichen              Wirkprofil:       sofortiger Wirkungsbeginn; max. Dauer 2-3 Std.;
Insulin am ähnl.)           Indikation:
zu beachten:     kein SEA nötig; beschleunigte Auflösung des „Sechserpacks“(Insulinpakete)→rasche Wirkung, aber auch kürzere

man unterscheidet Kurz-Zeit- und Langzeit-Analog – Insuline!


bei Kurzzeit:
– BZ-Korrekturen sind in kürzeren Zeitintervallen möglich;
– Unterzuckerungen kommen früher vor, als bei Altinsulin
– nach 2-3 Std. keine Unterzuckerungen mehr zu erwarten
– nur als U-100-Insulin

Unit
steht für Einheit, man unterscheidet U40 und U100 Insulin. Bei U40 Insulinen sind in einem Millimeter 40 I.E. Insulin= 40 I.E. /ml
Wichtig: U100 Insulin ist stärker konzentriert! Es enthält 2 1/2-mal soviel Insulin wie U40 Insulin!

Merke:

  • Subcutan gespritztes Insulin muss in die Blutbahn aufgenommen werde
  • man unterscheidet kurz wirkendes und länger wirkendes Insulin mit Verzögerung-Stoff
  • je länger Insulin wirkt, desto größer ist die Störungsanfälligkeit
  • am häufigsten werden länger wirkende NPH-Insuline verwendet
  • alle kurz Insuline sind klar, aber nicht alles klaren Insuline sind kurz wirkend
  • alle trüben Insuline sind länger wirkend
  • das Langzeit-Analog-Insulin Lantus ist klar!

Praktisches Vorgehen bei Insulintherapie:
1. Lagerung: Der Insulinvorrat sollte unter Beachtung des Verfallsdatums im Kühlschrank gelagert werden. Pens müssen bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Der Klient muss darauf hingewiesen werden, dass Insulin bei zu starker Hitze, Kälte oder Sonneneinstrahlung (Urlaub) seine Wirkung verliert.
2. Spritztechnik: Insulin ist ein Eiweißmolekül, das bei oraler Aufnahme im Magen zerstört werden würde, es muss daher subkutan ins Fettgewebe gespritzt werden. Eine vorhergehende Desinfektion der Haut ist bei Selbstinjektion durch den Klienten nicht dringend notwendig, denn dem Insulin sind antibakterielle Zusätze beigemischt. Früher musste Insulin immer aus der Ampulle aufgezogen werden, heute gibt es sehr einfach zu handhabende Spritzhilfen, die Pens.
3. Spritzort: Insulin wird abhängig von der Injektionsstelle unterschiedlich schnell resorbiert. Daher sollten schnell wirkende Insuline (z. B.Normalinsulin) in Bauch oder Oberarme, lang wirksames Insulin(z. B.: Verzögerungsinsulin) in Oberschenkel oder Gesäß gespritzt werden. Bewegung, Wärme und Massagen können den Wirkungseintritt des Insulins deutlich beschleunigen. Die Spritzstelle sollte täglich gewechselt werden, um die Bildung von lokalen Hautveränderungen zu verhindern. Nicht gespritzt werden darf in jegliche Hautveränderung (Narbengewebe, blaue Flecken, Muttermale oder Schwangerschaftsstreifen).
4. Insulindosierung: Generell gelten folgende Richtlinien:
– eine BE erhöht den BZ-Spiegel um ca. 45 mg/dl
– eine Einheit Insulin senkt den BZ-Spiegel um ca. 30-50 mg/dl
– ja nach Insulinorte muss evtl. ein SEA eingehalten werden
– Bewegung oder Diäten senken den Insulinbedarf, die Dosis muss daran angepasst werden
– Entzündungen und Fieber steigern den Insulinbedarf-frühzeitig reagieren!

Orale Antidiabetika
Beim Typ-2-Diabetes werden Tabletten eingesetzt, die ganz unterschiedlich wirken. Sie werden je nach Stoffwechsellage in einer Art „Stufentherapie“ eingesetzt: Man beginnt meist mit Metformin oder Acarbose und gibt dann zusätzliche Sulfonylharnstoffe. Wenn nötig, wird Insulin gespritzt.

Wirkstoff:                    Metformin
Präparat Beispiel:          Glucophage, Medcorit, Siofor, Diabetase etc. (Dosierung500,850, 1000 mg/Tabletten)
Wirkung:                      verzögerte Glukoseresorption im Darm, verstärkte Glukoseaufnahme in die Zellen; Erleichterung der Gewichtsreduktion; (=Verbesserung der Insulinwirkung)
Indikation:                    adipöser Typ-2-Diabetes unter 70 Jahren
NW:                            besonders bei Niereninsuffizienz Gefahr der Laktatazidose (Anreichung von Milchsäure im Blut), kann zu gastrointestinalen Beschwerden führen;
zu beachten:                 Einnahme nach den Mahlzeiten

Wirkstoff:                    Acarbose & Miglitol (Beispiel: Diastabol)
Präparat Beispiel:          Glucobay
Wirkung:                      verhindert die KH-Aufspaltung im Darm, (alpha-Glycosiden-Hemmer), deshalb geringer BZ-Anstieg nach den Mahlzeiten
Indikation:                    Typ-2-Diabetes
NW:                            häufig Blähungen>Dosis langsam erhöhen
zu beachten:                 Einnahme mit dem ersten Bissen
wirken nur dann besonders effektiv, wenn Nahrung reich an langkettigen KH ist

Wirkstoff:                    Sulfonylharnstoffe &verwandte Präparate, sog. Glinide
Präparat Beispiel:          Euglucon, Glibenclamid, Amaryl, Novonorm, Starlix
Wirkung:                      Stimulation der Insulinproduktion im Pankreas (dadurch deutliche BZ-Senkung), wirkt appetitanregend;
Indikation:                    Typ-2-Diabetes im fortgeschrittenen Krankheitsstadium
NW:                            massive, lang anhaltende Hypoglykämien(bes.in Kombination mit Alkohol oder Niereninsuffizienz.); Gefahr bei neuen Präparaten(z. B.: Amaryl) geringer, dort auch kein Einnahme-Ess-Abstand
zu beachten:                 Einnahme vor den Mahlzeiten (ca. 1/2StD)
können nur wirken bei noch intakter Pankreas

Therapieüberwachung
Um eine möglichst gute BZ-Einstellung zu erzielen und Komplikationen zu vermeiden bzw. frühzeitig zu erkennen, sind regelmäßig folgende Kontrolluntersuchungen notwendig:
– regelmäßige Zuckerbestimmung im Blut oder Urin
– Kontrolle des HbA1c-Wert (bei Diabetes. Bindet sich Glukose an Hämoglobin)
– augenärztliche Untersuchungen
– Blutdruckkontrollen (bei Hypertonie ist das Risiko der Makroangiopathie deutlich erhöht)
– Untersuchungen der Füße auf Druckstellen, Durchblutungsstörungen und Verletzungen;

Therapieziele
Beim Typ-1-Diabetes und einem jungen „Altersdiabetiker“ ist zur Verhinderung von Folgeerkrankungen eine strenge BZ-Einstellung nötig. Tritt der Diabetes allerdings erst im hohen Alter auf, ist die Gefahr der Spätschäden gering. Deshalb sind erhöhte BZ-Werte durchaus tolerabel. Bei diesen Klienten lautet das Therapieziel Symptomfreiheit, Wohlbefinden und Vermeidung von diabetesbedingten Komplikationen.

Weitere Quellen zu Diabetes Mellitus
Diabetes Mellitus

Diabetes mellitus
Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2

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