Autor/in: Sabrina Luipold

Kommunikation in der Pflege Seite 2

KOMMUNIKATION AUF DREI EBENEN

Für einen adäquaten Umgangston spielen die drei Ebenen, auf denen wir kommunizieren, eine wichtige Rolle. Durch den richtigen Umgangston zwischen Pflegekräften und Bewohnern wird die Professionalität der Pflege deutlich.

Kindliche Ebene → sieht den Gesprächspartner hierarchisch über sich stehend

Elternebene → sieht den Gesprächspartner hierarchisch unter sich stehend

Erwachsenenebene → Gesprächspartner stehen hierarchisch gleich


+ Indoktrination = Psychisches Mittel, nutzende Beeinflussung von Einzelnen und Gruppen mit der Hinsicht auf Bildung einer eigenen Meinung

ERWACHSENEN EBENE

Dies ist die Ebene, die die Qualität des Umgangstons ausmacht. Der alte Mensch steht hierarchisch gleich mit dem Bewohner. Das Personal muss lernen, bewusst auf der erwachsenen Ebene zu kommunizieren.

Typische Gesten dafür sind eine offene, klare Körperhaltung und weitgehendes fehlen der Mimik und Gestik, ansonsten wird sofort wieder das Verhalten des anderen gewertet.

Auf der Erwachsenen Ebene bleibt man vernünftig, sachlich und vor allem neutral. Man beobachtet die Geschehnisse objektiv, sammelt Informationen, hört zu und zieht seine Schlüsse daraus. Typische Eigenschaften dafür sind Nüchternheit, Gefühls-kontrollierend und Sachlichkeit. Auf diese Weise wird die Selbstoffenbarung, die Beziehung und der Appell vollständig außer Acht gelassen. Es wird rein auf der Sachebene kommuniziert.

Diese Art der professionellen Kommunikation muss jede Pflegekraft beherrschen, denn nur so kann der Bewohner seinen eigenen Willen behalten.

Typische Aussagen:

W-Fragen

Klare, sachliche Sprache

KINDLICHE EBENE

Die kindliche Ebene wird vom Pflegepersonal am wenigsten angewandt. Meist kommunizieren Bewohner im Kind-Ich. Dies ist grundlegend falsch, da der Bewohner keineswegs unter dem Pflegepersonal steht. Man muss differenzieren, ob dieses Verhalten vom Krankheitsbild des Bewohners herrührt oder ob er es vom Pflegepersonal „anerzogen“ bekommen hat. Auf die kindliche Ebene zu gehen, kann eine rein taktische Handlung sein, denn Bewohner, die sich kindlich benehmen, bekommen regelmäßig mehr Aufmerksamkeit des Pflegepersonals.

In der Kind-Ebene ist die Person angepasst und spontan, alle Gesten werden verwendet. Das Verhalten ist typisch kindlich: lachen, weinen, sich ärgern, egoistisch, erfinderisch, tyrannisiert, tanzt usw. Typische Eigenschaften sind Spontanität und Hemmungslosigkeit.

Wenn Bewohner unzufrieden sind, kann es passieren, dass sie mit ihren Getränkebechern um sich schmeißen, ständig den Klingelruf betätigen ohne triftigen Grund oder sogar das Essen verweigern. Dann muss man auf der erwachsenen Ebene schlichten und den Bewohner beruhigen.

Typische Aussagen:

Tut mir leid …

Ich weiß ja …

Irrsinnig

Toll

Juhu

ELTERN EBENE

Dies ist die Ebene, die beim Pflegepersonal fälschlicherweise am meisten Anwendung findet. Die Elternebene ist so ziemlich die schlechteste Art, mit Bewohnern umzugehen. Durch ein solches Verhalten wird der Bewohner bevormundet und es wird dadurch versucht ihn zu erziehen. Dadurch wird sein eigener Wille unterdrückt.

Man nimmt die Elternrolle ein. Typische Gesten dafür sind erhobener Zeigefinger, Kopf schütteln, aber auch liebevolle Gebärden wie auf die Schulter klopfen.

In der Elternebene verhält sich die Person kritisch und schützend zugleich. Markante Verhaltensmuster wie Kontrolle, Zurechtweisung, Moralisierung, ausspielen der Macht, sind zu erkennen. Auf der schützenden Seite stehen Verhaltensmuster, wie in den Arm nehmen, trösten, streicheln usw. im Vordergrund. Eigenschaften sind Kritik, Strenge und Nachsichtigkeit wiederum aber auch Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Verständnis.

Man stellt sich hierarchisch über einen Bewohner der größtenteils um Jahre älter ist als man selbst, das ist schon eine Unverschämtheit an sich. Man befiehlt den alten Menschen, was sie zu tun oder zu lassen haben, man fällt alle Entscheidungen für sie, wenn man auf der Elternebene kommuniziert.

Typische Aussagen:

Halt! Stopp! Du Armer!

Nein! Falsch! Kopf hoch!

Man sollte … Süße Oma …

Immer alle Arten von Kosenamen, z. B. Müllerle

Eine Bewohnerin, die verlangsamt in ihrer Bewegung ist, benötigt, eine halbe Stunde, um ihre Mahlzeit einzunehmen. Eine Pflegekraft nimmt ihr den Löffel aus der Hand und sagt: „Sie können das doch nicht allein. Sie arme, ich helfe ihnen:“

Durch solch eine Handlung der Pflegefachkraft wird das Selbstwertgefühl der alten Dame enorm gemindert. Die Abhängigkeit der Bewohner wird in den Vordergrund gestellt. Die Kommunikation auf dieser falschen Ebene hat für die Bewohner fatale Folgen, es kann bis hin zu einer schweren Depression kommen. Wenn man im Eltern ich kommuniziert, wird das gegenüber sich sofort auf die Kind-Ebene begeben (siehe Darstellung).

Bewusste KommunikationUnbewusste + bewusste Kommunikation 
Erwachsenen IchKind ichEltern ich
Kommuniziert offenKommuniziert gehemmtKommuniziert dominierend
Emphatische, akzeptierende HaltungVon eigene Gefühlen durch unsicher geprägte HaltungVon eigenen Gefühlen, durch Dominanz geprägte Haltung
Reflektieren könnenProjizieren eigener Vorstellungen 
Eigene StandpunkteKeine/wenige eigene StandpunkteIndoktrination von Standpunkten
Anthropologisches WissenWenig anthropologisches Wissen 
Autonomie, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, WillensfreiheitKeine/wenig AutonomieÜbersteigerte Autonomie

+ Indoktrination = Psychisches Mittel, nutzende Beeinflussung von Einzelnen und Gruppen mit der Hinsicht auf Bildung einer eigenen Meinung

STÖRUNGEN DER KOMMUNIKATION

Nicht ernst Nehmen

Ablehnung, Desinteresse oder „ins Leere laufen lassen“ machen eine einwandfreie Verständigung sehr schwierig oder gar nicht möglich

Aussagen:

Ja, ja …

Ach, du redest sowieso nur Müll….

Einseitiges Senden und Hören

man hört nur auf einem der vier Ohren oder sendet ausschließlich eine Nachricht auf einem bestimmten Kanal. Dies ist eine Störung, da der Gesprächspartner nicht unbedingt auf dem Ohr der gesendeten Nachricht hört.

Fantasien

Die eigene Interpretation einer Nachricht kann als Fantasie bezeichnet werden. Sie kann richtig oder falsch sein. Wenn sie falsch ist, nennt man sie eine Unterstellung, die zu erheblichen Belastung werden kann.

Verdeckte Botschaften

Manche Menschen meiden das offene Gespräch und geben die Verantwortung weiter an andere. Sie drücken sich nicht klar und deutlich aus. Bei der Dienstübergabe: „Ich habe nächste Woche einen Termin um 14 Uhr, es wäre besser, wenn ich da freihätte.“ Solche Botschaften wirken sehr verwirrend, man weiß nicht, ob die Person frei benötigt oder auch später anfangen kann. Eine solche Situation löst beim Gegenüber eher Aggressionen aus.

Killer Phrasen

sind versteckte Botschaften, die Energie abschneiden sollen, wie z. B. „das haben wir noch nie so gemacht“, „da könnte ja jeder kommen“, „immer langsam mit den jungen Hunden“, usw.

Du Botschaften

übernimmt nicht die Verantwortung der eigenen Gefühle, sondern schiebt sie ab auf den Gesprächspartner. Dieser kann sich nicht auf die Gefühle des Anderen einlassen. Die Du Botschaft dient in erster Linie der Verteidigung. „Du bist immer so streitsüchtig!“

Doublebind (=Beziehungsfalle)

Eine Situation, aus der man nicht herauskommt. Es wird einem auf der verbalen Ebene etwas anderes vermittelt als auf der nonverbalen. Beim Versuch, solche Widersprüche aufzuklären, wird die andere Person verwirrt und so die Wahrnehmung gestört. Aus dieser Falle kommt man nur heraus, wenn man die Wahrnehmung oder die Forderung der anderen, stärkeren Person akzeptiert. Diese Beziehungsfalle stört die eigene Wahrnehmung und soll verantwortlich sein für die Entstehung einer Schizophrenie. Als Druckmittel wird der Liebesentzug genommen.

Paradoxie

eine in sich widersprüchliche Handlungsaufforderung „ein wenig schwanger“, „es soll ihnen hier bei uns doch Freude machen“, „mit ohne Soße“

Weitere Kommunikationsstörungen sind die Sprachstörungen, auf die ich später noch eingehen werde.

LÖSUNGEN

Eigene Ängste und Gefühle akzeptieren
ohne diese Akzeptanz kann man nicht frei kommunizieren
Andere akzeptieren
dies mag schwierig sein, doch es kann gelingen. Es darf nicht sein, dass wir Personen verändern wollen, sie „erziehen“ wollen.
Konflikte und Krisen akzeptieren

– Konflikte und Krisen bedeuten nicht gleich das Ende von allem, sondern es sind diejenigen, die einen im Leben schlauer machen.

Metakommunikation

bedeutet, dass man sich die Probleme von einem anderen Blickwinkel anschaut, um auf eine befriedigende Lösung des Problems zu kommen

Positives Zuhören

die Atmosphäre bei einem Gespräch ist wichtig. Offen für ein Gespräch sein und aktiv zuhören.

Eigene Anteile hinterfragen

wenn sich zwei streiten, ist nie einer allein schuld. Vielleicht gibt es unbegründete Faktoren, die zu einem Konflikt geführt haben.

Ich Botschaften

nicht jeder Satz, der mit ich beginnt, ist auch eine Ich-Botschaft. „Ich weiß, wie dumm du bist“, sagt etwas über den anderen aus. Eine Ich-Botschaft drückt etwas über mich aus „Es war mir schon immer klar, wie schwierig das sein wird“

Respektvolle Anrede

gerade in der Pflege ist es so extrem wie in keinem Beruf. Kollegen und Kolleginnen in jedem Alter werden mit „Du“ angeredet. Es mag sein, dass diese Anrede unter dem Personal noch akzeptiert werden kann. Jedoch sollte eine Pflegekraft nie einen Bewohner mit „Du“ oder mit dem Vornamen oder Kosenamen anreden. Als würdevolle Anrede gilt es immer das „Sie“ und den entsprechenden Nachnamen zu wählen.

APHASIE (= Sprech- und Sprachstörungen)

Zentrale Sprachstörung (nach abgeschlossener Sprachentwicklung) bei intakten Sprechorganen. Eine der häufigsten Werkzeugstörungen. Das Sprachverständnis und die Fähigkeit des Lesens und Schreibens sind meist mitbetroffen. Dadurch wird der Betroffene unfähig, Handlungsaufforderungen nachzukommen. Die Mimik und die Gestik können jedoch weiterhin voll funktionsfähig sein. Ursachen für eine Aphasie können ein Schlaganfall sein, ein Schlaganfall, ein Tumor der linken Gehirnhälfte oder ein Schädel-Hirn Trauma.

Werkzeugstörung = zentralnervöse bedingte Störung sog. „höherer“ Hirnleistung (z. B. komplexer Handlungen oder Gedankengänge), wobei die Sinnesorgane und die ausführenden Organe intakt sind.

Motorische Aphasie (Broca-Aphasie)

Das Sprachverständnis ist im Wesentlichen erhalten, gesprochenes kann also verstanden werden. Der Betroffene kann sich aber nur gebrochen und im Telegrammstil ausdrücken. Oft zeigt sich in seinem Gesicht, wie stark er um seine Worte „ringen“ muss.

Sensorische Aphasie (Wernicke-Aphasie)

Das Sprachverständnis ist gestört, der Betroffene kann jedoch flüssig sprechen. Größtenteils jedoch sind die Wörter sinnlos aneinandergereiht und ergeben keinen Sinn. Der Kranke erkennt diesen Fehler selbst nicht und wird daher aggressiv, wenn ihn niemand versteht.

Amnestische Aphasie

Amnesie = Erinnerungslücke

Dies sind schwere Wortfindungsstörungen bei nur leicht gestörtem Sprachverständnis und flüssigem Sprechen. Ihm fällt das eigentliche Wort nicht ein und so umschreibt er es. „Die gelbe lange Frucht, die auch die Affen essen“ wäre unter anderem eine Umschreibung für Banane.

Globale Aphasie

Sprachverständnis und Sprachvermögen sind gestört. Die Betroffenen sprechen oft nur einzelne Wörter, die sie evtl. immer wiederholen.

Aphasien sind nicht wieder zu heilen, da ein Teil des Gehirns daran beteiligt ist. Mit frühzeitiger Logopädie jedoch lässt sich einiges wiederherstellen. Das Pflegepersonal muss viel Verständnis und Geduld für die Betroffenen haben, um ihnen die Situation so erträglich wie möglich zu machen.

 MOTORISCHE APHASIE
Ort der Schädigung im ZNSBroca-Sprachzentrum im Stirnlappen
Sprache:
– Sprachproduktion
Stark vermindert
– SprachmelodieErheblich beeinträchtigt
– Sprachanstrengunggroß
– Satzbaukurze Sätze, Telegrammstil, evtl. einzelne Worte
– Laute und WorteV.a. Lautvertauschung
LesenErheblich beeinträchtigt
  
 SENSORISCHE APHASIE
Ort der Schädigung im ZNSWernicke Sprachzentrum im Schläfenlappen
Sprache:
– Sprachproduktion
Meist gesteigert
– SprachmelodieUnverändert
– SprachanstrengungGering (müheloses Sprechen)
– SatzbauDurcheinander
– Laute und WorteBildung neuer Laute, Silben und Worte z. B. durch Umstellung oder Wiederholung, Wortvertauschung
LesenErheblich beeinträchtigt
 Erheblich beeinträchtigt
 Amnestische APHASIE
Ort der Schädigung im ZNSScheitel- und Schläfenlappen
Sprache:
– Sprachproduktion
Wenig oder gar nicht verändert
– Sprachmelodieunverändert
– SprachanstrengungWortfindungsstörungen, sonst nicht verändert
– SatzbauSatzunterbrechung oder -abbruch durch Suche nach Wörtern, viele Floskeln und Füllwörter
– Laute und WorteSuchen von Worten, Umschreiben des nicht gefundenen Begriffs
LesenWenig oder nicht beeinträchtigt
 beeinträchtigt
 GLOBALE APHASIE
Ort der Schädigung im ZNSDiffuse Störungen
Sprache:
– Sprachproduktion
Stark vermindert
– SprachmelodieErheblich beeinträchtigt
– SprachanstrengungGroß
– SatzbauSprechen nur einzelner Worte
– Laute und WorteStereotypie
LesenPraktisch nicht möglich
 Praktisch nicht möglich

Diese Tabelle ist bezogen auf die dominante Hemisphäre, bei ca. 90 % die linke Körperseite

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