Autor/in: Katy Paas

2 Erfahrungsbericht Praktische Ausbildung Seite 2

3.3.1 Vorgehen und benötigte Materialien beim PEG   Verbandswechsel

Der Verbandswechsel einer PEG Sonde soll in der Regel etwa 1- 3-mal wöchentlich durchgeführt werden, bei eventuell vorliegenden Entzündungen auch öfter.
Bei Frau H. wird der Verband nach dem Standart des Hauses alle 2 Tage erneuert. In der Regel wird der Verband nach der morgendlichen Grundpflege erneuert.
Frau H. wird darüber informiert und alle benötigten Materialien vorbereitet. Nachdem ich einige Male beim Verbandswechsel zugesehen habe, fragte ich die Fachkraft, welche an diesem Tag mit mir gemeinsam im Zimmer anwesend war, ob ich den Verbandswechsel durchführen darf. Sie bejahte und ich bereitete meine benötigten Materialien vor:

  • Händedesinfektionsmittel
  • Hautdesinfektionsmittel (Octenisept)
  • unsterile Einmalhandschuhe (4 Stk.)
  • sterile Schlitzkompressen, Tupfer und Kompressen
  • Stretchpflaster
  • Schere
  • Abwurf/ Müllbeutel

Nach der Vorbereitung der Materialien und der erfolgten Information über den Verbandswechsel an Frau H. ging ich wie folgt vor:
Ich desinfizierte meine Hände (Einwirkzeit beachten!), zog mir die Einmalhandschuhe an und entfernte den alten Verband. Diesen entsorgte ich gleich im Abwurf. Danach lockerte ich die Halteplatte der PEG Sonde und zog sie etwa 5 cm zurück. Die alten Handschuhe zog ich aus, verwarf sie und desinfizierte mir die Hände gründlich.
Mit dem Hautdesinfektionsmittel besprühte ich die Halteplatte, Sonde und den Wundbereich. Die Tupfer tränkte ich auch mit Octenisept. Während ich mir die neuen Handschuhe anzog, konnte das Desinfektionsmittel wirken. Mit den getränkten Tupfern reinigte ich die PEG Austrittstelle von innen nach außen, also von der Wunde weg. Die Tupfer wurden von mir verworfen und mit neuen in Desinfektionsmittel getränkten Tupfern reinigte ich die Halteplatte. Nachdem ich auch diese Tupfer entsorgt hatte, sprühte ich die Wunde, Halteplatte und Sonde nochmals mit Desinfektionsmittel ein. Nachdem das Desinfektionsmittel gut getrocknet war, bewegte ich die Sonde etwas hin und her. Dadurch soll verhindert werden, dass die Sonde in die Magenschleimhaut einwächst. Die Sonde ließ sich problemlos hin und her bewegen und so konnte ich sie wieder bis zum Widerstand der inneren Halteplatte herausziehen. Ich öffnete die Verpackung mit den sterilen Schlitzkompressen nahm vorsichtig eine Kompresse heraus und legte diese zwischen Haut und Halteplatte. Die Halteplatte konnte nun wieder zurückgeschoben und fixiert werden. Die Fachkraft wies mich darauf hin, dass ich zwischen der Halteplatte und der Schlitzkompresse etwa einen Zentimeter Platz lassen sollte. Auf meine Frage nach dem Sinn, erklärte sie mir, dass so eventuelle Entzündungen oder Druckstellen verhindert werden könnten. Mit einer weiteren Mullkompresse deckte ich die Halteplatte ab und fixierte das Ganze großflächig mit vorher zugeschnittenem Stretchpflaster.
Ich zog mir die Handschuhe aus, desinfizierte meine Hände und dokumentierte den Verbandswechsel und die dabei gemachten Wundbeobachtungen. Nach dem ich mich bei der Fachkraft erkundigt hatte, ob die gemachten Angaben richtig ausgefüllt waren, unterschrieb ich noch die Dokumentation und bat die Fachkraft das gleiche zu tun.

3.3.2 Mein Vorgehen bei der Bolusgabe

Wie ich eingangs schon geschrieben habe, erhält Frau H. alle 2- 2,5 Stunden eine Bolusgabe von ca. 200 ml Fresubin original Fibre und etwa 60 – 80 ml H2O, wobei die Wassergabe dem Spülen der Sonde dient.   Auf keinen Fall dürfen zum Spülen der Sonde säurehaltige Flüssigkeiten wie Früchtetees oder Fruchtsäfte verwendet werden.
Um ein Verstopfen der Sonde zu vermeiden, muss diese regelmäßig gespült werden. Zeitpunkte zum Spülen der Sonde sind:

  • Vor und nach jeder Nahrungszufuhr
  • Nach Aspiration von Mageninhalt
  • Vor, zwischen und nach jeder Medikamentenapplikation
  • Bei längerer Unterbrechung der Sondenernährung (Tage o.
  • Wochen) mindestens einmal täglich die Sonde spülen.

Die Sondennahrung, die Frau H. erhält, ist eine ballaststoffreiche Standardsondennahrung. Sie ist geeignet für Patienten mit:

  • mittlerem Energiebedarf
  • normaler Verdauungsleistung
  • normaler Stoffwechsellage

Sie ist isokalorisch, enthält Ballaststoffe und ein ausgewogenes Fettsäuremuster, verfügt über eine physiologische Osmolarität und kann problemlos auch über dünnlumige Sonden appliziert werden.
„Bei der Bolusgabe wird eine größere Menge an Nahrung in kurzer Zeit verabreicht. Es kann mit einer Blasenspritze oder aber auch durch eine Ernährungspumpe oder Schwerkraftinfusion erfolgen. Gefahren bei der Bolusgabe sind vor allem Unverträglichkeiten, Erbrechen und Reflux sowie Aspiration durch zu große Mengen in zu kurzer Zeit.
Wenn die Nahrung unsachgemäß über einen Spritzenzylinder gegeben wird, sind Hygieneprobleme eine weitere Gefahr.“ (aus: Thiemes Altenpflege)

Die Bolusgabe führte ich nur unter Aufsicht und Anleitung einer Fachkraft durch.
Für die Bolusgabe bei Frau H. bereite ich folgende Materialien vor:

  • Fresubin original fibre (Flasche)
  • Ballonspritze ( 100 ml)
  • Händedesinfektionsmittel (Sterilium)
  • stilles Wasser

Nach der Vorbereitung informiere ich die Bewohnerin über die bevorstehende Nahrungsgabe und bringe sie in eine Oberkörperhochlage, die mindestens 30° betragen sollte, um einen Rückfluss von Mageninhalt und somit eine Aspiration zu vermeiden.
Ich desinfiziere meine Hände und aspiriere mit der Spritze um zu prüfen, ob noch Nahrungsreste im Magen sind. Nach der Aspiration spüle ich die Sonde kurz mit etwas Wasser durch. Wenn bei der Aspiration Nahrungsreste in der Spritze sind, werde ich keine weitere Nahrung verabreichen, da der Magen noch mit der Verdauung der vorhergegangenen Nahrungsgabe beschäftigt ist.
Habe ich aber keinen Mageninhalt aspiriert, kann ich  nach dem Spülen der Sonde mit der Bolusgabe beginnen.
Ich klemme die Sonde ab und setze die Spritze ohne Kolben auf. Danach fülle ich die Sonde mit max. 100 ml Fresubin, öffne die Sonde und lasse die Nahrung ohne Druck in den Magen einlaufen. Bevor der Zylinder leer gelaufen ist, fülle ich nochmals eine kleine Menge Nahrung nach. Während die Nahrung vom Magen aufgenommen wird, beobachte ich die Reaktionen und die Mimik von Frau H. Wenn sie irgendwelche Zeichen des Missfallens zeigt oder äußert oder sich der Pegel des Fresubin im Spritzenzylinder über einige Zeit nicht mehr ändert, breche ich die Nahrungsgabe ab.
Hat der Magen die 200 ml Fresubin problemlos aufgenommen, spüle ich die Sonde nochmals mit eine geringen Menge Wasser nach. Dabei achte ich darauf dass möglichst keine Luft in den Magen gelangt. Nach dem Spülen der Sonde, aber noch vor dem Leerlaufen des Spritzenzylinders, klemme ich die Sonde wieder ab. Frau H. verbleibt noch mindestens 30 Minuten in Oberkörperhochlage, um eine Aspiration zu verhindern. Ich räume die von mir gebrauchten Sachen weg und dokumentiere die Nahrungsgabe auf dem Einfuhrbogen mit Menge und Uhrzeit.


3.3.3 Kritische Reflexion

Als Herr Teetzen zum Praxisbesuch bei mir im Pflegeheim war, habe ich den PEG Verbandswechsel und die Bolusgabe durchgeführt. Ich habe manche Sachen richtig gemacht, aber auch einiges falsch.
Ich hatte diese Tätigkeiten durchgeführt, so wie es mir von den Fachkräften im Pflegeheim gezeigt wurde und wie es alle Pflegekräfte anwenden.
Ich desinfizierte mir zwar die Hände, bevor ich den alten Verband entfernte aber ich zog mir zum Entfernen keine Handschuhe an. Diese zog ich mir erst zum Anlegen des neuen Verbandes an. Ich dachte dabei keine Sekunde  an meine eigene Gesundheit oder an die von Frau H. Ich machte es einfach so, wie es alle anderen Pflegekräfte machen und wie ich es schon hundertmal gesehen hatte. Die Bolusgabe führte ich durch, indem ich die Nahrung mit Druck in den Magen brachte. Zwar langsam, aber immer noch zu schnell.
Herr Teetzen erklärte mir, wie ich es anders machen kann. Ich hörte ihm aufmerksam zu und setzte mich auch zu Hause noch mal hin und las mir entsprechende Literatur durch.
Als ich die Tätigkeiten im Beisein einer Fachkraft nochmals durchführte und diesmal genauso vorging, wie es mir Herr Teetzen erklärt hatte und wie ich es auch in der Fachliteratur nachgelesen hatte, sagte mir die Pflegekraft, dass das alles viel zu lange dauere. Ich fragte sie, was sie denn meine und sie sagte mir, dass die Bolusgabe ohne Druck viel zu lange dauert. Ich solle doch bitte wieder den Kolben auf die Spritze setzen und nachhelfen. Ich verweigerte dies mit der Begründung, dass sich der Magen selbst nimmt, was er braucht und das, wenn ich nachhelfe die Aspirationsgefahr steigt. Sie hörte mir zu und war für meine Argumente zugänglich. Ich habe auch gemerkt, dass Frau H. die Nahrungsgabe besser verträgt wenn ich so vorgehe, wie Herr Teetzen es mir vermittelt hat.
Seit dem Praxisbesuch versuche ich immer diese Methode anzuwenden, auch wenn es mehr Zeit kostet und mir so manchen schiefen Blick von Kollegen einbringt.
Es liegt in meinem eigenen Interesse, wenn der Betroffene nicht aspiriert bei der Nahrungsgabe und wenn er die Nahrung besser verträgt.
Frau H. wird über jede Tätigkeit, die durchgeführt wird,  unterrichtet. Da aber Kommunikation mit ihr nur beschränkt möglich ist und sie nur sehr selten auf Ansprache reagiert, kann ich in diesem Bericht nur sehr wenig über eine Interaktion mit Frau H. schreiben.
Dass ich Frau H. für diesen Bericht ausgewählt habe, kann ich damit begründen, dass ich bei ihr die Gelegenheit habe, gleich zwei behandlungspflegerische Tätigkeiten die ich durchgeführt habe, zu beschreiben. Des Weiteren hatte ich durch den Praxisbesuch von Herrn Teetzen den Vorteil, mein Vorgehen und meine Handlungen bei den von mir dabei durchgeführten Tätigkeiten zu überdenken und Neues anzuwenden.

4 Meine Lernerfahrungen im 2. Ausbildungsjahr

Das 2. Ausbildungsjahr war für mich bisher das interessanteste und spannendste Jahr. Allein schon dadurch, dass ich jetzt bei der Behandlungspflege mitarbeiten und dadurch meinen Horizont erweitern konnte, sind die ganze Mühe und alle Anstrengungen wert.
Ich habe Freude und Leid, Krankheit, Tod und Abschied intensiv kennen gelernt. In für mich schwierigen Situationen habe ich Unterstützung und Halt durch meine Kollegen erfahren.
In der Vorweihnachtszeit hatte ich die Gelegenheit die Arbeit der Beschäftigungstherapeutin zu unterstützen und konnte so mit einigen Bewohnern des Pflegeheims den Zirkus besuchen. Es war für uns alle sehr spannend und wir hatten viel Freude daran. Wir haben Plätzchen gebacken, gebastelt und gesungen.
In der Pflege konnte ich meine theoretischen Kenntnisse in die Praxis umsetzen. So konnte ich subkutane Injektionen (Heparin, Insulin) durchführen, Blutzucker messen, Verbände anlegen, Decubitis verbinden und ärztliche Anordnungen durchführen (Sauerstoffgabe, Verabreichen und Vorbereiten von Medikamenten).
Während meines derzeitigen Krankenhauspraktikums hatte ich unter sehr guter und sachkundiger Anleitung bisher die Möglichkeit vor Operationen Dauerkatheter zu legen und nach den Operationen Wundbeobachtungen, Verbandswechsel (mit anderen Materialien, als die die ich bisher aus dem Pflegeheim kannte) durchzuführen. Ich bekam auch die Möglichkeit Klammern, Fäden und Wunddrainagen aus Operationswunden zu entfernen. Während meines Krankenhauseinsatzes habe ich auch viele andere Medikamente und deren Wirkung kennen gelernt. Ich durfte auch Infusionen bei liegender Venenverweilkanüle anlegen und wenn die Verweilkanülen nicht mehr benötigt wurden, diese entfernen. Bei den intramuskulären Injektionen habe ich bisher immer gezögert. Ich habe mich aber für die nächste anstehende i.m. Injektion angemeldet.
Vor allen Dingen habe ich aber festgestellt, dass mir niemand hinterher rennt um mir etwas zu zeigen. Ich muss einfordern, mein Interesse an der Arbeit zeigen und mich auch manchmal überwinden. Bei allem Spaß und Interesse an der Arbeit sollte man nicht seine eigenen Grenzen auch die Wissensgrenzen kennen und akzeptieren.

Ich habe bisher immer versucht mein in der Theorie erworbenes Wissen in der Praxis umzusetzen. Mit den behandlungspflegerischen Dingen ist mir das bisher recht gut gelungen aber mit der Psychologie habe ich noch immer Schwierigkeiten. Ich werde mich weiterhin bemühen, mein bisher erworbenes psychologisches Wissen immer wieder anzuwenden. Nur so kann sich die Theorie in der Praxis manifestieren und einem die Arbeit und den Umgang mit den zu Pflegenden und deren Angehörigen erleichtern.

5 Verwendete Literatur und Quellen

  • „ Arzneimittel 2005 “                                    Thieme Verlag
  • „ Thiemes Altenpflege “                               Thieme Verlag 2005
  • „ Krankheitslehre für Altenpflegeberufe “    Thieme Verlag 2001
  • „ Pflege Konkret- Innere Medizin “               Gustav Fischer Verlag 2. Auflage 1997
  • „ Pschyrembel “                                           257. Auflage
  • eigene Nachforschungen im Internet

6 Schlussworte

Hiermit erkläre ich, dass ich diesen Bericht aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen selbständig verfasst habe.


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