Autor/in: Ulrich Scharte

Typische Klausurfragen und Antworten in der Kranken- und Altenpflege Seite 3

– Erbrechen –

34. Was ist Erbrechen und wozu dient es?

  • Erbrechen ist ein wichtiger Schutzreflex des menschlichen Körpers, bei dem der Magen- bzw. Darminhalt durch den Mund und / oder Nase ausgeschieden wird.
  • Erbrechen dient zur Entfernung (Elimination) von Gift u. Fremdstoffen aus dem Körper

35. Wo liegt das menschliche Brechzentrum?

  • Im verlängerten Rückenmark (Medula oblongata)
  • Es erhält Informationen aus z.B.
    –   Gleichgewichtsorgan
    –   Höheren Hirnzentren
    –   Verdauungstrakt (Speiseröhre / Magen / Darm)

36. Wie kündigt sich Brechreiz / Erbrechen an? (Beispiele)

  • Bradykardie
  • Blässe
  • Übelkeit
  • Würgereiz
  • Schweissausbruch
  • Unruhigkeit

37.   Was sind typische Ursachen (Beispiele)?

  • Kinetosen,   d.h. Alle Krankheiten die durch Bewegung ausgelöst werden
  • Überdehnung des Magens durch zuviel Nahrung
  • Vergiftungen unterschiedlicher Art
  • Speiseröhren- Magen- u. Darmerkrankungen (z.B. Magenschleimhautreizungen)
  • Darmverschluß (Ileus) oder Verendungen im Darm
  • Störungen im ZNS

38. Was ist eine Miserere und welchen Grund hat sie?

  • Erbrechen von Kot bei Darmverschluß (Ileus)

39. Was ist eine Hämatemesis?

Bluterbrechen bei einer frischen Blutung in Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm. z.B.   bei Magengeschwüren oder Krampfadern in der Speiseröhre, schweren Lebererkrankungen. Verbleibt das Blut dabei einige Zeit im Magen, färbt sich das Hämoglobin durch die Salzsäure schwarz (Hämatin), sodass das Erbrochene kaffeesatzartig aussieht.

40. Was sind / können Folgen von Erbrechen sein (Beispiele)?

  • Grosser Flüssigkeitsverlust und in Folge eine Dehyderation / Exsikkose
  • Elektrolytverschiebung (z.b. akuter Kalium, Natriummangel)
  • Aspiration (Anatmung) des Erbrochenen
  • Erschöpfung
  • Kreislaufzusammenbruch
  • Verätzung der Speiseröhre und des Magens bei Vergiftungen
  • Tod durch Ersticken

41. Welche Beobachtungen sind bei Erbrechen wichtig und zu dokumentieren

  • Art und Weise des Erbrechens (Explosionsartig, spastisch, schwallartig)
  • Farbe (Lichtgelb, gelbgrün, hellrot, dunkel- bis schwarzrot, kotartig)
  • Menge   (mehrere Kleine-, Kleine-, Große Menge)
  • Geruch (Leicht sauer, stark sauer bis faulig stinkend, fäkulanter = kotartiger Geruch)
  • Beimengungen   (Unverdautes, Schleim, Blut, Fäkalteile)
  • Zeitpunkt und Häufigkeit   Abhängig von Nahrungsaufnahme   Sofort nach Schluckakt, Unmittelbar und bis zu 30 Minuten später, Abhängig von Medikamenten, Nüchtern, Nachts, Ohne Zusammenhang
  • Mit Bauchschmerzen zusammenhängend
  • Begleiterscheinungen   Erhöhte Temperatur, Schwindel, Gewichtsverlust, Dehydration

– Enterale Ernährung –

42. Was ist eine Bolusaplikation?

Über die Ernährungssonde werden zu üblichen Tageszeiten mit mit einer großen Blasenspritze größere auf den Patienten abgestimmte Nahrungsmengen langsam verabreicht. Die Menge fließt nur durch Schwerkraft bestimmt in die Sonde und somit in den Magen ein. Dauer nur kurz.

43. Was sind die Ziele der enteralen Ernährung (Beispiele)?

  • Beseitigung von Ernährungsdefiziten / Mangelzuständen
  • Erhaltung eines ausreichenden Ernährungszustandes

44. Was ist eine Schwerkraftaplikation?

Es wird die Nahrung über eine einfaches Schlauchsystem ohne Ernährungspumpe verabreicht. Der Behälter mit der Ernährung muss dazu höher als der Schlauchauslass bzw. das Sonde liegen. Die Menge und Einflussgewindigkeit wird über einen einfachen mechanischen Regler eingestellt. Der Oberkörper des Patienten sollte dabi etwas höher gelagert sein (Refluxminderung)

45. Was die allgemeinen Indikationen für eine enterale Ernährung?

– Patienten, die nicht essen, nicht essen wollen oder dürfen. z.B. bei Schluckstörungen, Koma, Bewusstlosigkeit, Schlaganfall, Speiseröhrenkrebs, Verletzung im Mund- oder Rachenraum, Mangelernährung, Speiseröhren-Op’s, Verweigerung der Nahrungsaufnahme z.B. bei Demenz.

46. Was sind typische Kontraindikationen (Beispiele)?

  • Ileus (Darmverschluß)
  • Peretonitis (Bauchfellentzündung)
  • Gastrointetinale Blutungen
  • Schwere und akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

47. Wann werden Ernährungspumpen eingesetzt?

Wenn die Nahrung nach z.B. Magen-Op’s nur über eine duodenale Sonde direkt in den Darm zugeführt wird. z.B. bei entferntem Magen, Magenkrebs, Magen-OP’s. Oder z.B. Speziele Nahrung muss kontinuierlich zugeführt werden.


48. Welche Komplikationen können auftreten?

Bei zu schneller Verabreichung: Störung im Magen-Darmbereich mit Erbrechen und Durchfällen. Abdominale Schmerzen und Aspiration bei falscher Lage des Patienten

49. Was ist bei Komplikationen zu machen?

  • Abbruch der Nahrungszufuhr
  • Prüfung generell:   Richtige Nahrung; Richtiger Sondentyp; Richtiger Patient; Richtige Menge; Richtige Temperatur; Richtiger Zeitpunkt
  • Einzelportion zu gross, oder Zuflussrate falsch eingestellt.
  • Rücksprache mit Arzt und Kontrolle der Arztanordnung
  • Vitalzeichenkontrolle zum Ausschluss z.B. einer Diarrhoe
  • Sorgfältige Krankenbeobachtung (BZ-Tagesprofil, Flüssigkeitsbilanz, Ödeme usw.)
  • Sorgfältige und sachlich präzise Dokumentation
  • Sondenlage prüfen
  • Mögliche Reizungen aussschließen
  • Sonden können zu Reizungen, und zu Druckgeschwüren führen. d.H. Prüfen, ob korrekt gelegt und gepflegt.

50. Was muss generell bei enteraler Ernährung beachtet werden?

  • Information und Beobachtung des Patienten
  • Ordnungsgemäße Lage und Zustand der Ernährungssonde
  • Beachtung des gültigen Pflegestandards
  • Im Raum befindliche Angehörige / Besucher usw. bitten kurz den Raum zu verlassen.
  • Patient aufsetzen (Oberkörper hoch ca. 30 – 40°)
  • Bewusstlose und bei kontinuierlicher Ernährung ca. 30° Oberkörper-Hochlagerung
  • Nicht Bewustseinsgetrübte bitten sich aufzusetzen und eine für die Nahrungsaufnahme bequeme Lage einzunehmen
  • Einmalhandschuhe anziehen, und nötige Hygiene beachten.
  • Nahrungsart bereitstellen und wenn nötig lt. Vorgabe anwärmen (ca. 30°C)
  • steriles Überleitungsmaterial bereitlegen (Alle 24h müssen bei kontinuierlicher enteraler Ernährung die Zuführungsschläuche / das System gewechselt werden.
  • Tee, Wasser oder zugelassene Spülflüssigkeit bei Verstopfung der Sonde bereitstellen (Nach jeder Sondennahrung System spülen)
  • Die Art der Sondenkost hängt von der Lage der Sonde und der Grunderkrankung des Patienten ab und wird vom Arzt angeordnet.
  • Der Arzt legt auch die Nährstoff-, Energie- und Flüssigkeitsmenge fest und ordnet an, ob eine Ernährungspumpe zur kontinuierlichen Verabreichung verwendet werden oder ob der Patient mehrere Sondenmahlzeiten täglich erhalten soll.
  • In allen Fällen ist Flüssigkeitsergänzung durch ungezuckerten Tee oder Wasser erforderlich.
  • Selbstgefertigte Sondenkost, d.h. Pürierte, mit Flüssigkeit verdünnte Vollkost, ist heute wegen der Gefahr bakterieller Verunreinigungen nicht mehr zu empfehlen.
  • Nach der Nahrungsverabreichung den Patienten mindestens noch 30 Minuten in der für die Nahrungsaufnahme nötigen Körperlage belassen. Patienten mit Lähmungen in dieser Zeit nicht unbeaufsichtigt lassen.
  • Material entsorgen
  • Medikamente nach Vorgabe vor oder nach der Nahrungsverabreichung geben. Hier sind die Vergabezeiten zu beachten.
  • Für Sondenernährung zugelassene Medikamente über die Sonde z.B. in Form einer Infusion oder bei Tropfen verdünnt mit Wasser verabreichen oder Tabletten in einem Mörser zerkleinern und mit stillem Wasser vermischt über die Sonde verabreichten.
  • Retardtabletten oder Magensaftressistente Medikamente dürfen nicht zerkleinert / gemörsert werden. Andere Aplikationsform wählen.
  • Jegliche Medikamente nur nach ärztlicher Anweisung verabreichen.

Pharma-Info: Laxantien

Was sind Laxantien? 

Abführmittel / Arzneimittel zur Beschleunigung des Nahrungstransports im Darm

dienen zur Beschleunigung und Verbesserung der Darmentleerung z.B. bei Obstipation.

Quelle: Pflege heute, 2. Auflage   Verlag: Urban & Fischer, 2002

Geriatrie, 3. Auflage   Verlag: Kohlhammer

51. Wann sind Laxantien wichtig

Notwendig sind Laxantien nur in wenigen Fällen, etwa bei Patienten, die während der Defäkation nicht pressen dürfen (z.B. nach einem Herzinfarkt) oder zur Darmreinigung vor diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen. Auf keinen Fall dürfen Laxantien bei unklaren Bauchschmerzen, Ileus oder Akutem Abdomen gegeben werden.

52. Was sind Quellmittel?

Sind Füllmittel, Ballaststoffe , nicht komplett resorbierbare Substanzen, die im Darm aufquellen, so die Darmwand dehnen und reflektorisch zu einer Anregung der Darmperistaltik führen. Die wichtigsten Vertreter sind Agar-Agar, Weizenkleie und Leinsamen (z.B. Linusit®). Vielfach wird auch Lactulose (z.B. Bifiteral®) dazu gezählt. Quellmittel müssen immer mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden, da sie sonst im Darm verkleben und in Extremfällen zu einem mechanischen Ileus führen können.

53. Was sind Gleitmittel? 

Wirken durch ihren „Schmiereffekt“. Sie werden selten eingesetzt. Paraffinöl (z.B. Sanato-Lax® und in Agarol®) wird oral verabreicht. Glyzerinpräparate als Zäpfchen oder Klysma   (z.B. Glycilax®) erleichtern die Stuhlentleerung bei hartem Stuhl im Rektum.

54 Was sind Osmotische Abführmittel?

Enthalten Sulfationen (z.B. „Glaubersalz“, „Bittersalz“), Mannit oder Sorbit. Diese nur schwer resorbierbaren Substanzen halten osmotisch Wasser im Darm zurück und steigern wie die Quellmittel die Darmperistaltik. Auch sie müssen bei oraler Gabe mit reichlich Flüssigkeit gegeben werden. Präparate zur rektalen Anwendung sind z.B. Practo-Clyss® oder 1 x Klysma salinisch®.

55. Was sind schleimhautreizende Laxantien?

Hemmen über eine Irritation der Darmschleimhaut die Resorption von Natrium und Flüssigkeit und fördern gleichzeitig die Absonderung anderer Elektrolyte wie Kalium und Kalzium in den Darm. Am bekanntesten sind Anthrachinone, die etwa in Aloe (z.B. in Rheogen®) und Sennesblättern (z.B. Bekunis®, Alasenn®, Agiolax®) enthalten sind, sowie Rizinusöl , Bisacodyl (z.B. Dulcolax®) und Natriumpicosulfat (z.B. Laxoberal®). Bei Dauereinnahme drohen schwer wiegende Nebenwirkungen wie Hypokaliämie mit Verstärkung der Obstipation , Osteoporose durch Kalziummangel, Darmatrophie,

Melanosis coli (Schwarzpigmentierung der Dickdarmschleimhaut) und Leberschäden.

Hinweis:   Allgemein gilt:   Abführmittel immer nur in Absprache mit dem Arzt geben! Erst wenn kein Erfolg mit natürlichen Methoden (z.B. Änderung des Ernährungsverhaltens, Mobilisation, Lernen eines regelmäßigen Stuhlrhytmus, Buttermilch mit Leinsamen, Pflaumen und anderen prophylaktischen Maßnahmen, keine Erfolg zu erzielen ist, sollten Medikamente zum Einsatz kommen! Dabei sind Medikamente mit Quell- und Gleitstoffen vorzuziehen. Es sollte auch eine schleimhautreizende Wirkung vermieden werden. Wichtig ist bei Quellstoffen immer die ausreichende Trinkmenge. Aber generell: Patienten, die wenig oder zu wenig trinken haben immer eine große Gefahr der Opstipation. Deshalb wichtig: Ausreichende Trinkmenge, die auf z.B. auch eine evtl. vorliegende Herzinsuffizienz vom Arzt abgestimmt ist. Immer alle Therapiemaßnahmen mit Arzt und Patient abstimmen. Niemals einfach voreilig oder aus Bequemlichkeit eine Laxantie verabreichen.

Sepsis

Umgangssprachlich häufig als Blutvergiftung bezeichnet, versteht man unter einer Sepsis (griechisch: Fäulnis) eine gobale Entzündung im Körper, die auf alle Organe des Körpers übergreift. Eine Sepsis verläuft unbehandelt meist tödlich. Sie ist immer ein medizinischer Notfall.

56. Wie entsteht eine Sepsis?

Jede Infektion kann sich zu einer Sepsis entwickeln. Am Anfang steht immer eine

Infektion, die auf ein Körperteil begrenzt ist: Zum Beispiel eine Lungenentzündung, eine Infektion der Harnwege oder der Geschlechtsorgane. Diese Infektion kann durch Bakterien, Pilze oder Einzeller (Beispiel Malariaerreger) ausgelöst werden. Wenn die Erreger von dem Herd aus in die Blutbahn gelangen, lösen ihre Gifte in anderen Organen des Körpers Entzündungen aus. Innerhalb weniger Stunden weisen alle lebenswichtigen Organe des Menschen Entzündungen auf und drohen zu versagen.

57. Wie erkenne ich den Beginn einer Sepsis?

Leider sind die äußeren Symptome einer frühen Sepsis recht unspezifisch:

  • Verwirrtheit
  • hohes Fieber (häufig in Schüben)
  • beschleunigte Atmung
  • beschleunigter Herzschlag
  • Schüttelfrost und niedriger Blutdruck können auf eine Sepsis hinweisen. Genauer ist die Diagnose, die der Arzt durch eine Blut- und Urinuntersuchung stellen kann. Es ist  wichtig, dass eine Sepsis so früh wie möglich behandelt wird, daher sollte bei einem Verdacht sofort ein Arzt aufgesucht werden. Eine unbehandelte Sepsis verläuft tödlich.

58. Wie kann eine Sepsis verhindert werden?

In dem bei allen Pflege und Behandlungsmaßnahmen die nötigen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Also dort wo aseptische bzw. septische Vorgehensweise vorgeschrieben ist, dieses auch so einhalten. Pflegefehler können richterlich einem ärztlichen kunstfehler gelichgesetzt werden. Durch die Gabe von Antibiotika (möglichst früh) oder indem der Herd der Infektion entfernt wird, was nicht immer möglich ist. Nicht immer kann eine Sepsis verhindert werden.

59. Wie wird eine Sepsis behandelt?

Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall und muss im Krankenhaus behandelt werden! Meist ist eine Intensiv-medizinische Behandlung notwendig. Die Ursache muss so schnell wie möglich bekämpft und unbedingt der Kreislauf stabilisiert werden.


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