Autor/in: Andi

Allgemeine Arzneimittellehre Seite 2

Resorption

Resorption ist die Aufnahme eines Stoffes über Haut oder Schleimhaut in den Blutkreislauf. Bei geringer Resorption (= Arzneistoff verbleibt an Ort und Stelle) habe ich eine lokale Wirkung . Bei einer guten Resorption (= Aufnahme ins Blut) habe ich eine systemische Wirkung (auf den ganzen Körper).

Resorption ist abhängig von folgenden Faktoren:

1. Arzneistoff

2. Verarbeitung des Arzneistoffs

3. Von der Arzneiform.

4. Vom Applikationsort.

5. Anwesenheit von Nahrung (bei oraler Applikation).

6. Durchfall

7. Anwesenheit anderer Medikamente.

8. Alter

¨   Arzneistoff

¨   Verarbeitung des Arzneistoffs

»   Magensaftresistenter Überzug verhindert die Auflösung im Magen   ®   Resorption erst

im Dünndarm. Begründung : Magenschleimhautschädigender Arzneistoff löst Übelkeit

aus   ®   Arzneistoff würde durch Magensaft zerstört werden   ®   Arzneistoff soll erst

im Darm wirken (z.B. Abführmittel). Arzneiform darf nicht geteilt werden.

»   Retardformen (verzögerte Wirkstofffreigabe)

Vorteile : °   einmalige Einnahme/Tag

°   gleichmäßige Wirkstoffzufuhr

»   Zusatz von Verzögerungsstoffen für Injektionslösungen, z.B. Depot-Insulin.

¨   von der Arzneiform           »   flüssig = schnelle Resorption

»   Zusatz von Alkohol = bessere und schnellere Resorption

(durchblutungsfördernd)

¨   vom Applikationsort         »   s.c. oder i.v. Injektion

»   TTS-Pflaster an gut durchbluteten Hautstellen.

¨   abhängig von der Anwesenheit von Nahrung (bei oraler Applikation)

»   Mit Nahrung   =   langsame und unvollständige Resorption

¨   Durchfall   »   geringe Resorption (schneller Magen-/Darm-Durchgang)

¨   von Anwesenheit anderer Medikamente

»   Gleichzeitige Einnahme von Kohletabletten oder Antacida (z.B. Rennie) verhindern

die Resorption.

¨   vom Alter

»   Verzögerte Resorption durch verlangsamte Organtätigkeit

Distribution (Verteilung) des Arzneistoffes

Bestimmte Mindestmenge muss eingenommen werden, um eine Wirkung zu erzielen   »   Minimale effektive Konzentration   = MEC

Initialdosis   »            Erste Dosis erhöht, um möglichst schnell MEC im Blut zu erreichen.

Erhaltungsdosis   »    Arzneistoff-Menge, die Arzneistoff-Konzentration aufrechterhält.

Höchstmenge des Arzneistoff   »   Darüber entstehen toxische Erscheinungen,

Vergiftungserscheinungen.

Therapeutische Breite   »   Abstand zwischen MEC und Höchstmenge.

Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite   »   „Gefährlichere“ Medikamente

(z.B. Marcumar®)

Arzneimittel mit großer therapeutischer Breite   »   „Ungefährlichere Medikamente“

Elimination (= Ausscheidung eines Wirkstoffes)

•  Biliäre Ausscheidung (= mit dem Stuhl).

•  Renale Ausscheidung (= mit dem Urin).

•  Dermatogene oder cutane Ausscheidung (= über die Haut).

•  Pulmonale Ausscheidung (= mit der Ausatemluft).

Injektions- und Infusionslösungen

Bestehen aus

•  Lösung oder

•  Suspension oder

•  ölige Lösung

Anforderungen

•  steril = keimfrei

•  pyrogenfrei = frei von fiebererregenden Stoffen

•  frei von Schwebstoffen

•  isohydrisch = gleicher pH-Wert wie das Blut.

•  isotonisch = gleicher osmotischer Druck wie das Blut.

Applikationsort

·   Infusion   »            Zuführung größerer Flüssigkeitsmengen, meist i.v., selten s.c.

Aufbewahrung : In Plastik- oder Glasflaschen zu 250 ml, 500 ml

oder 1000 ml.

·   Injektion   »           Aufbewahrung : Brechampullen, Stechampullen (verschlossen mit

einem Gummipfropfen), Trockenampulle (instabiler Arzneistoff).

Halbwertzeit (HWZ) (= Ist das Tempo, in dem ein Arzneistoff zur Hälfte unwirksam bzw. ausgeschieden wird.)

Medikamente mit kurzer HWZ müssen häufiger gegeben werden als Medikamente mit langer HWZ.

Kumulation (= Anhäufung eines Arzneistoffs im Körper)

•  Durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr.

•  Nieren- und Leberinsuffizienz.

•  Verlangsamter Stoffwechsel.

Einnahme richtig, aber Ausscheidung zu gering   »   Folge: toxische Wirkung

Überdosierung   (= Zufuhr des Arzneistoffes zu hoch)

•  Fehler des Pflegepersonals.

•  Mangelnde Compliance (= Mitarbeit des Patienten, z.B. Vergesslichkeit).

Umgang mit Arzneimitteln

Aufbrauchfristen

¨   Tabletten und Kapseln (trockene Lagerung)                             ca. 3 Jahre

¨   konservierte Nasentropfen                                                         ca. 3 Monate

¨   Ohrentropfen                                                                               ca. 6 Monate

¨   konservierte Augentropfen                                                         ca. 4 – 6 Wochen

¨   unkonservierte Augentropfen                                                     ca. 24 Stunden

¨   wasserhaltige Augensalben                                                        ca. 4 Wochen

¨   wasserfreie Augensalben                                                            ca. 6 Monate

¨   konservierte Cremes und Salben in Tuben                                ca. 1 Jahr

¨   Cremes und Salben in Kruken                                                    ca. 3 Monate

¨   konservierte Injektionslösungen                                                ca. 36 Stunden

¨   unkonservierte Injektionslösungen                                            ca. 24 Stunden

¨   Insulin                                                                                          ca. 4 Wochen

Lagerung von Arzneimitteln

Arzneimittel müssen für Unbefugte unzugänglich aufbewahrt werden (nach Arzneimittelgesetz = AmG).

Betäubungsmittel sind in einem gesonderten, verschlossenen Schrank (Fach) zu lagern (nach Betäubungsmittelgesetz = BtmG).

Warum?   »   Unbefugter Zugriff von Kindern, Verwirrten oder Depressiven.

Unverschlossen   »   Infusionslösungen und Tees

Zu- und Abgänge werden in einer Karteikarte vermerkt, die alle 6 Monate vom Gesundheitsamt überprüft werden.

Ordnungsprinzipien in Arzneischränken

•  Jeder Bewohner hat sein eigenes Fach (größere Heime = alphabetisch).

•  Neue Packungen nach hinten, alte zuerst verbrauchen   »   first in – first out

•  Nach Stärke sortieren, links beginnend, z.B. 2 mg, 5 mg, 10 mg.

•  In Originalgefäßen bzw. Originalverpackungen aufbewahren.

•  Beipackzettel verwahren.

•  Verfalldatum abgelaufen   »   zurück an die Apotheke.

•  Rechtzeitige Neubestellung.

•  Evtl. Trennung innerlich – äußerlich.

Sauberkeit

•  Originalgefäße verschließen.

•  Regelmäßige Desinfektion der Schränke

•  Auf Veränderungen wie Verfärbungen, Ausflockungen, Geruch sowie Verfall oder Nichtgebrauch achten und aussortieren.

Trennung

1. feuergefährliche Stoffe

»   Ether, Ethanol, Aceton, Benzin in verschlossenen Gefäßen, nicht in der Nähe von

Heizquellen oder offenen Flammen.

2. Kühlschrank (in die Tür oder Gemüsefach, 2 – 8°C)

•  angebrochenes Insulin

•  angebrochene Injektionslösungen

•  einige Zäpfchen

•  zubereitete Säfte

•  wasserhaltige Cremes

3. unter 20°C

•  Zäpfchen

•  Ätherische Öle

•  Fette

•  Salben

•  Evtl. Aerosole

4. trocken

•  Pulver

•  Puder

•  Tabletten

•  Brausetabletten

5. lichtgeschützt

•  Tinkturen

•  Extrakte

6. Besonderheiten

¨   Insuline unter Umständen auch außerhalb des Kühlschranks (Pen außerhalb!).

¨   Fettemulsionen zu Injektionszwecken nicht in den Kühlschrank   »   Entmischung   =

Gefahr einer Fettembolie.

Verteilung von Arzneimitteln

Verabreichung nur nach ärztlicher Verordnung!!!   Wichtig: Beachtung der 5 „R“-Regel.

1. Ist es die richtige Person ?

Richtiges Medikamententablett, Übereinstimmung des Namens mit der Verordnung.


2. Ist es das richtige Medikament ?

°   Präparatename = Verordnungsname (oft ähnlich Namen z.B. ASS oder ACC)

°   Richtiges Medikament n passendem Umkarton?

°   Verfallsdatum abgelaufen?

°   Verfärbungen oder Ausflockungen, Geruchsveränderungen?

3. Ist es die richtige Konzentration ?

°   Stärke   =   z.B. 2 mg, 5 mg oder 10 mg; 1 % oder 10 %; mit oder ohne Zucker

°   Form   =   Einfach-, Depot- oder Retardform.

°   Menge   =   wie viel, verschiedene Ampullengrößen

4. Richtige Applikationsart bzw. Applikationsort ?

° Tropfen oder Tabletten usw.

°   rektal, parenteral, i.v. oder i.m. usw.

    unter Berücksichtigung von:

°   Bewusstlosigkeit?   »   nichts schlucken

°   Schluckbeschwerden?   »   Tropfen oder Zäpfchen

°   schneller Wirkungseintritt nötig?   »   Tropfen, Zerbeißkapseln, Brausetabletten,

Kautabletten, Injektion

°   Magenbeschwerden?   »   Zäpfchen

5. Geschieht es zum richtigen Zeitpunkt ?

(laut Verordnung oder Beipackzettel)

Beispiele:

¨   Insulin, appetitanregendes Mittel                              »   Verabreichung vor dem Essen

¨   Eisenpräparat, Enzympräparat zur Verdauung          »   während des Essens

¨   Schmerz- oder Rheumamittel, Cortison                    »   nach dem Essen

¨   Antacida                                                                 »   1 – 2 Stunden nach dem Essen

¨   Schlafmittel                                                 »   30 – 60 Minuten vor dem Einschlafen

¨   langsam wirkendes Abführmittel                              »   abends

¨   salinisches Abführmittel                                           »   morgens

¨   keine Angabe?                                                        »   nach dem Essen

¨   Antibiotika, Antiparkinsonmittel, Morphin    »   zeitgenau einnehmen

Entsorgung von Arzneimitteln

¨   Nicht benötigte Arzneimittel werden in die Apotheke zurückgeschickt, damit sie vor

Ablauf des Verfalldatums auf einer anderen Station oder Abteilung weiterverwendet

werden können.

¨   Kaputte oder verfallene Arzneimittel in Spezialbehälter aufgebwahren und an die

Apotheke zurückgeben (nicht in den Normalmüll).

¨   Sonderregelung bei Zytostatika und radioaktiven Stoffen.

Auf rechtzeitige Neubestellung achten!!!

Nebenwirkungen von Arzneimitteln

Berechnung des Nutzen-/Risiko-Verhältnisses

Nutzen   »   Wirksamkeit gegen eine Krankheit.

Risiko    »   Auftreten möglicher starker Nebenwirkungen.

Nutzen-/Risiko-Verhältnis ist abhängig von:

•  Dosis (z.B. bei Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite).

•  Alter des Patienten (z.B. bei Niereninsuffizienz).

•  Behandlungsdauer (z.B. bei Cortison).

•  Art der Erkrankung (z.B. bei Krebs).

•  Einnahme anderer Arzneimittel (Wechselwirkungen).

•  Individueller Empfindlichkeit des Patienten.

Beispiele für Nebenwirkungen:

1. Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit

Herabgesetztes Reaktions- und Konzentrationsvermögen, z.B. bei

•  Sedativa = Beruhigungsmittel

•  Hypnotika = Schlafmittel

•  Analgetika = Schmerzmittel

•  Antiallergische Arzneimittel

•  Manche Psychopharmaka

2. Arzneimittelkrankheit

Kann durch Arzneimittel entstehen und bleibt bestehen, z.B. Nierenversagen nach der langandauernden Einnahme von Schmerzmitteln.

3. Allergische Reaktionen

Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers. Auslöser in Medikamenten können sein:

•  Arzneistoff

•  Mit Arzneistoff verwandte Arzneimittel.

•  Hilfsstoffe

4. Toxische Nebenwirkungen

Sind abhängig von der Dosis (therapeutische Breite), z.B. Herzglykoside (Novodigal®, Digimerck®) oder blutgerinnungshemmende Arzneimittel (Marcumar®).

Kanzerogene Wirkung   =   krebserregende Stoffe

Teratogene Wirkung   = fruchtschädigende Stoffe, z.B. Contergan

5. Arzneimittelabhängigkeit

Sucht   =   Körperliche und seelische Abhängigkeit, oft bei starken Analgetika,

Psychopharmaka, Schlafmittel, Beruhigungsmitteln.


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