Pflege bei Alzheimer-Demenz in der ambulanten Pflege
von Karin Kyczia
Abschlußarbeit Fachweiterbildung Geronto-Psychiatrie
1. Einleitung
1.1. Begründung der Auswahl
1.2. Ziel der Arbeit
2. Allgemeines und Theorie zum Krankheitsbild
2.1. Allgemeine Definition
2.2. Theorien zur Verursachung
2.3. Symptombeschreibung/Verhaltensbeschreibung
2.4. Therapieplanung allgemein
2.5. Medikamentöse Behandlung
3. Fallbeschreibung des erkrankten Menschen
3.1. Vorgeschichte
3.2. Information/Biographiearbeit
3.2.1. Tabellarischer Lebenslauf
3.2.2. Biographie
3.2.3. Zusammenfassung
3.3. Symptom- und Verhaltensbeschreibung
3.4. Therapeutische Ansätze
4. Pflegeplanung
4.1. ATL Vitale Funktionen aufrechterhalten
4.2. ATL Sich situativ anpassen können
4.3. ATL Für Sicherheit
sorgen können
4.4. ATL Sich bewegen können
4.5. ATL Sich sauberhalten
und kleiden können
4.6. ATL Essen und trinken
können
4.7. ATL Ausscheiden können
4.8. ATL Sich beschäftigen
können
4.9. ATL Kommunizieren können
4.10. ATL Ruhen und schlafen
können
4.11. ATL Soziale Bereiche
des Lebens sichern können
5. Schlußfolgerungen
6. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Begründung der Auswahl
In der ambulanten Pflege sind Patienten mit Demenzen nicht so häufig
wie im stationären Bereich. Daß ich bei Frau P. in der Pflege
eingesetzt wurde, war eher zufällig. Das allgemeine Verhalten und
die auffälligen Rituale, die das Leben bestimmten, haben mich neugierig
gemacht, herauszufinden, was sich hinter dem oft nicht zu verstehenden
Tun und Äußerungen verbirgt.
1.2. Ziel der Arbeit
Ich möchte mit dieser Arbeit auch meinen Kolleginnen helfen, Frau
P. besser zu verstehen. Hilfreich wird bestimmt das Hintergrund-wissen
durch die Biographie sein.
2. Allgemeines und theoretisches zum Krankheitsbild
2.1. Allgemeine Definition
"Zu den degenerativen Demenzformen zählt die große Gruppe des
Alzheimer-Typ (DAT). Die DAT ist morphologisch gekennzeichnet durch eine bevorzugte
Atrophie bestimmter Teile der Großhirnrinde und Ablagerungen (Plaque) von
pathologischem Eiweiß, dem sogenannten Amyloid (glasig-homogene Substanz,
vorwiegend aus fibrillaren Proteinen bestehend).
Die Alzheimer Krankheit ist eine ursächlich bisher nicht
geklärte Krankheit, die mit einem langsamen Nachlassen der
geistigen Leistungsfähigkeit einhergeht. Man könnte
sie vereinfacht als unaufhaltsam zunehmendes Hirnversagen bezeichnen,
das aber nicht die für Atmung oder Kreislauf zuständigen
Teile des Gehirns, sondern die geistigen Funktionen betrifft.
Alzheimer-Krankheit ist immer nur eine Verdachtsdiagnose, die
nach dem Tode pathologisch sicher nachgewiesen werden kann. Die
Krankheit führt zu zunehmenden Störungen von Gedächtnis,
Orientierung, Erkennen und Denken. In ihrer Gesamtheit werden
diese Störungen als Demenz bezeichnet.
Etwa 60 % aller Demenz-Formen treffen auf den Alzheimer-Typ zu. Über
100% der Erkrankung beginnen jenseits des 50. Lebensjahres, mit zunehmenden
Alters nimmt die Häufigkeit immer mehr zu.
Über den Alzheimer-Typ wurde erstmals beim ersten Ärztetreffen der
Psychiatrie am 3.11 und 4.11.1906 von dem Nervenarzt und Neuro-Pathologen Alois
Alzheimer berichtet.
2.2. Theorien zur Verursachung
- Genetische Faktoren (Erbanlagen) nur in seltenen Fällen mit familiärer
Häufung der Krankheit .
- Krankheitserreger/virusähnliche Strukturen, sind in der Lage,
die Chromosomen (Erbinformationen) zu verändern.
- Körpereigene- oder Umweltgifte (Toxine) z.B. erhöhte und
nachgewiesene Aluminiumwerte und Lösungsmittel im Körper.
- Auto-Immunprozesse, von Zellen gebildete Eiweißkörper werden
vom Abwehrsystem als Fremdkörper eingestuft.
- Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen, eingeschränkte
Sauerstoffaufnahme aus dem Blut in die Nervenzellen/Zuckerstoffwechsel.
- Vererbung der Krankheitsanlage. Viele Krankheitsfälle treten sporadisch
ohne erbliche Belastung auf. Bei jedem dritten Kranken ist mindestens
ein Krankheitsfall in der Familie. Bei 5% der Erkrankten besteht eine
klare Häufung der Vererbung innerhalb der Familie. Das Risiko für
Kinder ist gleich hoch wie für die Geschwister des Erkrankten.
Abb.1 Häufigkeit von Demenzen Abb.2 Demenz-Ursachen
Sehr wahrscheinlich ist, daß eine Kombination mehrerer
oder aller Einflüsse die DAT verursachen. Veränderte
Erbanlagen und durch evt. Umwelteinflüsse könnten gemeinsam
zu den Krankheitszeichen führen.
Abb.3 Erkrankungsrisiko für Angehörige
2.3. Symptombeschreibung/Verhaltensbeschreibung.
Je früher die Krankheit beginnt, desto ausgeprägter ist das
Beschwerdebild. Meist stehen Störungen des Gedächnisses am
Beginn; Krankheitszeichen wie z.B. Aphasie, Nachlassen der Merkfähigkeit
und Orientierungsstörungen. Die Phase der leichten Störungen
ermöglicht ein normal-soziales Leben für die Dauer von ca.
2 - 3 Jahren .
Durch die Gedächtnisstörungen wird ein selbständiges
Leben sehr in Frage gestellt. Die Betroffenen sind nachts unruhig,
laufen ziellos in der Wohnung umher, verirren sich außer
Haus. Tagsüber sind sie oft ruhe-los, suchen nicht vorhandene
Gegenstände.
Nun werden die Erkrankten zunehmend antriebslos, zeigen wenig
Interesse am Umfeld, lesen, Fernsehen und Therapien interessieren
sie nicht mehr. Oft wird Körperpflege und Kleidung vernachlässigt,
auch wenn sie früher sehr ordentliche Menschen waren. Die
Sprachfindung ist verlangsamt. Die Bewegungen werden langsamer,
meist kleine, unsichere Schritte. Sie suchen überall Halt.
Kranke werden oft ein gereiztes oder aggressives Verhalten zeigen.
Bei noch weiter fortgeschrittenem Krankheitsverlauf sind auch
einfache Verrichtungen nicht mehr möglich. Ohne Hilfe bleiben
die Kranken im Bett liegen, können sich nicht mehr ankleiden,
zur Toilette gehen oder die Mahlzeiten einnehmen. Der Tag-Nacht-Rhythmus
ist gestört, Urin - und Stuhlinkontinenz tritt ein.
Im Endstadium sind die Erkrankten bettlägerig, meist ohne
irgendwelche Reaktionen auf die Umwelt. Oft sterben die Erkrankten
an Pneumonie sowie an anderen Komplikationen z.B. Decubitus Grad
1-3, Harnwegsentzündungen u.s.w.
Bei Beginn der DAT vor dem 65. Lebensjahr beträgt die mittlere
Dauer des Krankheitsverlaufes rund 8 - 10 Jahre, bei einem Beginn
zwischen 65 - 80 Jahren rund 6 - 8 Jahren.
2.4 Therapieplanung / Allgemein.
- ROT (Realitäts-Orientierungs-Training) z.B. Zimmer und Türen
und wichtige häusliche Dinge mit Schildern kennzeichnen, jahreszeitliche
Gestaltung der Wohnung, Wochentag, Monat aufzeigen. Die Pflegekraft hat
ein Namensschild.
- Milieutherapie
Das Umfeld nach Möglichkeit biographieorientiert gestalten. Mit
eigenen Möbeln Atmosphäre schaffen, auch durch Ruhe, Musik
und Regelmäßigkeiten.
- Revitalisierungstraining /Therapie
Demente in ihrer Bewegung/Unruhe lassen, durch Spaziergänge, Gymnastik
u.s.w. zu steuern versuchen.
- Musik - und Rhythmiktherapie
Pat. die Möglichkeit des Zuhörens ermöglichen. Vertraute
Melodien oder Tänze mit der Pat. wieder neu entdecken. Zum Mitsingen
auffordern. Musikinstrumente anbieten.
- Therapeutische Kraft der Märchen durch das Langzeitgedächnis
meist noch greifbar, gibt Selbstvertrauen.
- Basale Stimulation
Anregung der Sinne, sehen , hören, tasten, riechen. Biographische
Vorarbeit ist wichtig, um Vorlieben und Abneigungen herauszufinden wie
Farben, Musik u.s.w..
- Kunsttherapie
mit Ergotherapeuten, Kunsttherapeuten
- Sonas = sich wohlfühlenZusammenschluß mehrerer Therapieformen, wird seit 1980 angewandt:
Massage, Musikrhythmen, Stimulationen u.s.w.
- Validation
Eine Umgehensweise "Wertschätzung", die die Gefühle
und Antriebe des Dementen in den Mittelpunkt stellt. Die Wahrnehmungswelt
und Wirklichkeitssicht der Dementen steht zentral. Man versucht sich
in die "Zeit- und Erlebnisebene" des Kranken einzufühlen.
- "Snoezelen"
Hat mit dementen Menschen großen Erfolg. Seit 1997 eine anerkannte
Methode in der Gerontopsychiatrie.
Snoezelen soll die Sinne stimulieren, anregen und aktivieren, bietet
die Gelegenheit zur Entspannung, frei von Druck, Mißerfolg und
bedrohlicher Aktivität z.B. durch Meditationsmusik, Aromalampen,
Massageöle, angenehme Beleuchtung.
2.5. Medikamentöse Behandlung
Die Alzheimer-Krankheit ist nicht heilbar, es gibt jedoch eine Reihe
von mehr oder weniger wirksamen Medikamenten. Sie können Begleiterscheinungen
lindern, Krankheitszeichen abschwächen und den geistigen Abbau
hinauszögern. Es stehen Medikamente gegen begleitende Störungen
zur Verfügung!
- Bei Unruhe- oder Erregungszuständen
Am Anfang der Behandlung werden in der Regel Benzodiazepine wie z.B.
Diazepam, später Neuroleptika z.B. Haloperidol, Eunerpan, Dipiperon,
Atosil angewandt.
Auf Barbiturate z.B. Neodorm sollte verzichtet werden, da sie stark sedierend
sind.
- Bei Depressionen wird zur Zeit erfolgreich mit Antidepressiva wie z.B.
Laroxil und Saroten gearbeitet. Sie können aber durch ihre Wirkweise
zur Verstärkung der Demenz und zum Delir führen.
- Bei Schlafstörungen werden wegen ihrer geringen Nebenwirkungen
sehr erfolgreich Medikament wie z.B. Truxal und Eunerpan eingesetzt.
- Medikamentöse Behandlungsversuche.
a.) Zur Verbesserung der Hirndurchblutung unternimmt man medikamentöse
Behandlungsversuche mit sogenannten Vasodilatantien wie z.B. Trental
oder Dusodril.
b.) Außerdem versucht man mit Nootropika wie z. B. mit Piracetam
und Encephabol den Gehirnstoffwechsel anzuregen und hofft somit die Hirnleistung
zu steigern.
c.) Um die cholinerge Erregungsübertragung zu steigern, werden versuchsweise
Medikamente eingesetzt wie z.B. Physostigmin. Dieses Medikament hat Hemmstoffe
aus der Reihe der Cholinesterase, die den Überträgerstoff Acetylcholin
aufspalten und die Nervenenden zur vermehrten Arbeit anregen sollen.
3. Fallbeschreibung des erkrankten Menschen.
3.1. Vorgeschichte
Ich habe Frau Agnes P. 1998 im Rahmen meiner Tätigkeit in der ambulanten
Pflege kennengelernt. Frau P. war gerade aus dem ZKH - Ost entlassen
worden und mit ihren neuem Zuhause im Betreuten Wohnen noch nicht vertraut.
Ihre Tochter Doris war in den ersten Tagen nur für Ihre Mutter da
und konnte somit mir und meinen Kolleginnen einiges Hintergrundwissen
vermitteln. Im Rahmen meiner Weiterbildung erschien mit Frau P. gut für
die Biographiearbeit geeignet, um herauszufinden, warum Frau P. in manchen
Dingen sehr bestimmt war und auch für sich Rituale einführte.
Nach den Erstellen der Biographie wurde mir das Verhalten von Frau P.
viel deutlicher und klarer.
Aufgrunddessen wählte ich Frau P. auch für die Abschlußarbeit,
um ein noch besseres Verständnis für ihre Erkrankung zu bekommen
und das daraus resultierende Verhalten tolerieren zu können.
3.2. Information / Biographiearbeit.
3.2.1. Lebenslauf Frau Agnes P.
07.01.1921 Geburt in Osnabrück, Vater war beim Militär,
Oberfeldwebel. Mutter war Hausfrau.
1925 Umzug nach Berlin.
1927 Einschulung.
01.06.1930 Geburt von Bruder Alfred.
1935 Umzug nach Göppingen.
1938 Umzug nach Bremen.
1939 Abschluß der mittleren Reife, Ausbildung Büro, Verlo-bung
mit Paul F.
1942 Verlobung wird gelöst, Vater zieht in den Krieg.
1943 Frau P. tritt dem BDM bei, wird bei der Flak eingesetzt (Schreibstube).
1944 Bruder Alfred stirbt bei einem Luftangriff auf dem Weg zum Bunker.
1945 Vater fällt in den letzten Kriegstagen in Rußland.
1946 Frau P. unterrichtet in Bremen-Lesum bei den Amerikanern Deutsch
und Stenographie.
1948 Frau P. lernt ihren Ehemann Hans P. kennen, er ist 35 Jahre alt.
09.03.1950 Eheschließung mit Hans P.
14.05.1951 Geburt der Tochter Doris.
01.08.1952 Geburt von Sohn Rolf.
20.12.1953 Geburt von Sohn Wolfgang.
1961 Gründet mit dem Ehemann ein Geschäft.
1963 Die Mutter von Frau P. stirbt mit 82 Jahren.
1975 Sohn Wolfgang zieht nach Berlin und heiratet
1976 Marlies, es kommen 1976 und 1980 die Söhne Stefan und Andre'
zur Welt.
1976 Sohn Rolf heiratet Sabine und zieht nach Zürich, 1979 kommen
die Zwillinge Patrick und Daniel, 1981 die Tochter Jennifer zur Welt.
1979 Frau P. wird geschieden, behält das Geschäft.
1981 Frau P. übergibt das Geschäft der ledigen Tochter Doris,
arbeitet aber noch zeitweise mit.
1986 Frau P. geht in Rente.
1997 Frau P. wird mit der Diagnose: senile Demenz, kurz-
fristig im ZKH - Ost behandelt, sie war sehr aggressiv, ließ keine
Pflege zu.
1998 Durch gute medikamentöse Einstellung und mit Hilfe der
Tochter ist es möglich, Frau P. in einer Einrichtung des betreuten
Wohnens unterzubringen. Sie wird morgens und abends ambulant versorgt,
tagsüber kümmert sich die Tochter, im Wechsel mit einer guten
Bekannten von von Frau P. um sie.
3.2.2. Biographie von Frau Agnes P.
Frau Agnes P. wurde am 07.01.1921 in Osnabrück geboren.
Der Vater war Oberfeldwebel beim Militär, die Mutter war
Hausfrau. Frau P. schildert ihren Vater als sehr streng, selten
erfuhr sie von ihm die gewünschte Liebe und Anerkennung, "ich
konnte ihm nichts recht machen". Weil der Vater beruflich
oft in andere Stützpunkte versetzt wurde zog die Familie
oft um. 1925 nach Berlin, wo Frau P. 1927 in die Schule kam.
Sie lernte gerne, aber ein Lob für gute Leistungen kam nur
von der Mutter. Frau P. bewunderte ihren Vater sehr, aber das
Verhältnis zu ihm wurde durch ständigen Leistungsdruck
sehr negativ beeinflußt, Lob gab es selten!
Als am 01.06.1930 ihr Bruder Alfred geboren wurde verschlechtere
sich das Verhältnis zum Vater noch, Alfred war Vaters Liebling
!
1935 zog die Familie nach Göppingen. Frau P. hatte Schwierigkeiten
sich einzuleben, neue Freunde fand sie nicht. Der Vater forderte
gute Zensuren, hielt ihr immer wieder andere als Vorbilder vor.
1938,als Frau P. gerade Fuß gefaßt hatte, mußte
die Familie wieder umziehen, diesmal nach Bremen, wo sie 1939
die Schule mit dem Abschluß der mittleren Reife beendete.
Sie bedauerte sehr, daß sie kein Abitur machen konnte und
fühlte sich oft anderen Menschen mit Abitur unterlegen.
"Vater hatte recht, ich war ein Versager!"
Sie bekam ein Anstellung im Büro, wo sie auch Schreibmaschine und
Stenographie lernte. Der Lohn war gering, aber
"endlich wurde ich anerkannt!"
In diesem Jahr lernte sie auch Paul F. kennen und lieben. Sie
verlobten sich und die Verbindung hielt 2 Jahre. 1942 wird die
Verlobung gelöst, da es große unterschiedliche politische
Ansichten gab.
Der Vater war zu diesem Zeitpunkt schon an der Front. Feldpostbriefe
und Urlaub sind selten. Die Kriegsjahre sind hart. 1943 tritt Frau P.
dem BDM bei und wird bei der Flak in der Schreibstube eingesetzt.
"Wir Mädels hatten eine gute Kameradschaft miteinander."
1944 ist ein dunkles Jahr, der geliebte Bruder Alfred stirbt
bei einem Luftangriff, sie waren auf dem Weg zum Bunker. Der
Vater wird verwundet und kommt ins Lazarett. Mutter und Tochter
sind sehr verzweifelt ! 1945 fällt der Vater in den letzten
Kriegstagen in Rußland.
"Wir kennen sein Grab nicht."
1946 nach dem Krieg, fand Frau P. Arbeit in Bremen - Lesum bei
den Amerikanern. Sie gab Deutschunterricht und lehrte Stenographie.
Hier lernt sie auch Hans P. kennen, er unterrichtet ebenfalls
dort. Hans ist 35 Jahre alt und wirbt um sie. Sie verstehen sich
gut und heiraten am 09.03.1950 . Am 14.5.1951 kommt ihr Wunschkind
Doris zur Welt
"Unser Sonnenschein."
Nach der Geburt von Sohn Rolf am 01.08.1952 beginnt die Ehe zu bröckeln.
Sie streiten sich oft. Aber die Geburt von Sohn Wolfgang am 20.12.1953
kann die Ehe retten!
"Wir fingen nochmal von vorne an!"
1961 eröffneten die beiden ein Geschäft für Kurzwaren.
Der Mann macht die Buchhaltung und sie arbeitet im Laden.
"Ich war in allem sehr akkurat und gewissenhaft!"
Die kleine Familie war gut versorgt, die Kinder machten ihr viel Freude.
1963 stirbt die Mutter von Frau P. Sie war lange krank gewesen
und wohnte seit 1 Jahr bei der Tochter im Haus, wo sie von Frau
P. neben Geschäft und Familie versorgt wurde.
"Das war eine schwere Zeit!"
1975 zieht ihr Sohn Wolfgang nach Berlin, lernt dort seine Frau Marlies
kennen und heiratet 1976, da Sohn Stefan "unterwegs" war. Der
Kontakt zur Mutter ist sehr angespannt, sie mag ihre Schwiegertochter
nicht sehr!
1977 feiert Sohn Rolf Hochzeit. Seine Frau Sabine und Frau P.
verstehen sich gut.
" Ich habe mit Sabine noch eine Tochter bekommen."
Das junge Ehepaar zieht zu ihrem Kummer nach Zürich, wo Rolf eine
gute Anstellung bekommen hat. 1979 wird Frau P. erneut Oma, die "Züricher
Zwillinge" Patrick und Daniel sind da !
Die Ehe mit Hans wird für Frau P. zur Qual, der Ehemann
hat eine Freundin. Wieder wird viel gestritten.
"Ich habe vor Zorn und Wut oft geweint."
Die Ehe wird Ende 1979 geschieden ! Finanziell einigt man sich gütlich.
Frau P. behält das Geschäft, welches sie aus gesundheitlichen
Gründen 1981 der ledigen Tochter Doris übergibt. Da ihr die
Berufstätigkeit fehlt, arbeitet sie noch Stundenweise mit. In dieser
Zeit wurde Frau P. noch 2 x Großmutter, in Berlin wird 1980 André geboren.
"Nur ein Anruf und keine Einladung zur Taufe, das kommt nur von Marlies."
Frau P. fühlt sich sehr verletzt und abgeschoben. Als 1981 Enkelin
Jennifer geboren wird, fährt Frau P. nach Zürich, es ist ihr
erster Urlaub !
Das Heranwachsen der Enkel kann sie nur auf Fotos verfolgen. Es kommen
wenige Anrufe und wenige Briefe aus Berlin. Telefonieren ist sehr teuer
und das Schreiben fällt ihr immer schwerer.
Nach Zürich bleibt ein herzlicher telefonischer Kontakt bestehen.
Frau P. sammelt jedes Foto und jeden Brief der Kinder. Es bereitet Frau
P. großen Kummer, daß beide Jungens und die Familien weit
weg sind.
"Ich brauch die beiden doch auch!"
1981 geht Frau P. in Rente, ihre einzige Freundin Martha hat wenig Zeit,
da sie sich um ihr Enkelkind kümmert. Aber beide Freundinnen besuchen
mit Vorliebe Konzerte der Volksmusik, wenn es ihre Zeit erlaubt. Neue
Freundschaften sind selten, da Frau P. sehr fordernd ist. Die Bekanntschaften
zerbrechen schnell wieder. Die Liebe und Anerkennung die sie von ihrem
Vater nicht bekam, zieht sich wie ein roter
Faden, durch ihr Leben. Bedingt dadurch, klammerte sie sich an andere
und war sehr fordernd in den Beziehungen und versuchte Menschen an sich
zu binden. Viele Bekanntschaften hielten dem nicht stand. Sie wurde zu
einer einsamen Frau, die sich von allem zurückzog.
Der Gesundheitszustand von Frau P. verschlechterte sich, das
Laufen fällt ihr schwer, sie vergißt oft etwas. Darauf
reagiert sie gereizt, und ihren Unmut läßt sie an
der Tochter aus.
Sie wird 1997 mit der Diagnose: Senile Demenz im ZKH - Ost behandelt.
Die Tochter war täglich bei Fr. P. und berichtet von den Schwierigkeiten.
Sie war anderen Patienten gegenüber verbal sehr aggressiv. Pflege
ließ sie nicht zu und lehnte jede Zuwendung ab ! "Die Fliege
an der Wand störte". Es wurden mehrere Medikamente verordnet
und wieder abgesetzt. Bis sie medikamentös gut eingestellt war dauert
eine Zeit. Dann wurde sie etwas umgänglich suchte die Nähe
des Personals und freute sich, wenn Doris oder Martha sie besuchten Nach
längerem Abwägen, auch mit der Tochter, entschieden sich die Ärzte
dahingehend, Frau P. versuchsweise in einer Einrichtung des betreuten
Wohnens unterzubringen. Unter Mithilfe von Tochter Doris und der Freundin
Martha ist das auch gut möglich. Frau P. wird morgens und abends
ambulant versorgt. Zwischenzeitlich sind beide Frauen stundenweise da,
am späten Vormittag um das Mittagessen zu richten und am Nachmittag
zum Klönen oder bei schönem Wetter auch kleine Spaziergänge
zu machen, oder zum Einkaufen zu gehen. Längeres Laufen fällt
Frau P. schwer, sie hat aber einen Rollator und einen Rollstuhl zur Verfügung,
je nachdem wie ihre Tagesform ist. Nach der morgendlichen Betreuung,
sie legt großen Wert auf ihre äußere Erscheinung, schaut
sie sich gerne ihre Fotoalben an, blättert in der Zeitung und hört
ihre geliebte Volksmusik . Andenken und Erinnerungsstücke haben
ihren festen Platz in der Wohnung "Jedes an seinen Platz" und
werden von ihr selber liebevoll gepflegt. Ein von ihr sehr geliebtes
Ritual sind die regelmäßigen sonntäglichen Anrufe der
Enkel, besonders von Jennifer, die ihr Liebling ist. Diese kleinen Freuden
und die rührende Sorge von Tochter Doris ermöglichen Frau P.
ein relativ zufriedenes Leben. Sie ist im Gedankengang zwar sehr verlangsamt
und wird zunehmend vergeßlicher, aber auf Nachfragen kommen auch
Erinnerungen an viele Begebenheiten ihres Lebens zurück.
3.2.3. Zusammenfassung
Die Erstellung der Biographie war nur möglich, weil die
Tochter von Frau P. im Zeitraum von 08.04.1999 - 14.04.1999 ständig
bei den Gesprächen dabei war.
Sie konnte durch eigene Erzählungen die Erinnerungen von
Frau P. sehr oft wieder lebendig werden lassen. Die Vertrautheit
zwischen Mutter und Tochter waren dabei sehr hilfreich. Viele
Episoden hat Frau P. sehr anschaulich geschildert. Auch Emotionen
wie Vergnügen und Freude an gewesenem, aber auch Trauer
und Weinen über Verluste und negativen Erfahrungen in Ihrem
Leben wurde greifbar.
Nach Fertigstellung der Biographie wird deutlich, warum Frau
P. in vielen Sachen Rituale einführte, dadurch versucht
Sie, Sicherheit für sich zu finden.
"Jedes an seinen Platz"
Werte wie Ordnung und Sauberkeit, der ständige Leistungsdruck
und die Suche nach Anerkennung waren zu prägend.
Heute kann man die kleinen "Macken" tolerieren und in die Arbeit
an Frau P. mit einbeziehen .
3.3. Symptom - und Verhaltensbeschreibung
Bei Frau P. sind durch die Alzheimer Krankheit mehrere Beschwerden
sehr deutlich geworden.
- Gedächtnisstörungen, z.B. erinnert Sie sich nicht an Bekannte,
kann Namen nicht zuordnen.
- Orientierungsstörungen, z.B. kann Sie Personen, Zeiten, Jahr,
Ort, Raum und Situationen (wo bin ich, welcher Tag ist heute) nicht zuordnen.
- Antriebsstörungen, bei Frau P. starker Antriebsmangel. Sie verliert
schnell das Interesse an einer Tätigkeit, sie kann sich nur schwer
längere Zeit auf eine Sache konzentrieren.
- Depressionen, Frau P. hat "Angst vor dem Leben", sieht alles
negativ und ist oft verunsichert und sehr niedergeschlagen.
- Übersteuerte Bedürfnisse nach Liebe und Zuwendung (alle müssen
für mich dasein!)
3.4. Therapeutische Ansätze
Bei Frau P. hat sich das sogenannte ROT (Realitäts - Orientierungs
- Training) gut bewährt. Damit werden gedächtnisstützende
Verfahren bezeichnet, die den Alzheimer Erkrankten helfen sich
besser in ihrer Umwelt zurechtzufinden. Das häufige Wiederholen
von Informationen zum Tagesablauf (12.00 Uhr Mittag, um 18.00
Uhr kommt die Pflegerin) ist sehr hilfreich. Durch Kalender,
Fotos, Uhren und Zettel zur Erinnerung an tgl. wiederkehrende
Abläufe (z.B. Wasserhahn zudrehen) bekommt Frau P. Sicherheit.
Große Resonanz findet bei Frau P. der regelmäßige
Singkreis, da sie Musik sehr mag und sich auf die Stunde freut.
Frau P. besucht in unregelmäßigen Abständen
die Beschäftigungstherapie, geht aber, wenn es Ihr nicht
gefällt.
4. Pflegeplanung
Schwerpunkt jeder Pflegeplanung für an Alzheimer erkrankten
Patienten ist die psycho-soziale Betreuung mit dem Ziel, durch
die Wertschätzung des Patienten und eine klare Strukturierung
des Tagesablaufes und aller Aktivitäten des täglichen
Lebens die Selbständigkeit zu erhalten und zu fördern.
Darüber hinaus soll die Pflegeplanung gerade in der ambulanten
Pflege den pflegenden Angehörigen eine Hilfe sein.
4.1. ATL : Vitale Funktion aufrechterhalten
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Pat. neigt zu hypotonen Kreislaufveränderungen.
Pat. äußert müde zu sein und zu frieren, weiß das
etwas nicht in Ordnung ist. Pat. hat stabile Kreislaufverhältnisse.
Patientenbeobachtung, Komplikationen, (z. B. Blässe, Müdigkeit,
Kaltschweißigkeit, Taumeligkeit), frühzeitig erkennen. RR
+ Puls-Kontrolle. Bedarfsmedikation ab bestimmen RR - Werten, in diesem
Fall lautet die ärztliche Anordnung wie folgt: bei Werten unter
100/40 = 20 Tropfen Effortil und evt. mobilisierende Maßnahmen
wie z.B. Bewegungsübungen.
4.2. ATL : Sich situativ anpassen können. (teilweise
unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Pat. hat Schwierigkeiten, sich den klimatischen Erfordernissen entsprechend
zu kleiden. Pat. zieht an, was sie findet. Pullover über das Nachthemd
u.s.w.
Kleidung, in richtiger Reihenfolge und an bestimmter Stelle bereitgelegt,
wird richtig angezogen . Pat. fühlt sich wohl und verstanden. Gemeinsam
am Morgen mit der Pat. witterungsgerechte Kleidung auswählen. Bei
der Oberbekleidung darauf achten, daß sie von der Pat. gerne getragen
wird. Kleidung muß in der richtigen Reihenfolge bereitliegen. Immer
an dem selben Platz ! Das erleichtert der Pat. das richtige Ankleiden,
auch mit Hilfe, am Morgen. Auf passendes Schuhwerk achten (Haus- oder
Straßenschuhe) je nach Bedarf.
4.3. ATL : Für Sicherheit sorgen können
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Die Pat. bekommt Medikamente, hat ein Wissensdefizit über die Einnahme
der Tabletten.
Die Pat ist kooperativ, nimmt Medikamente unter Aufsicht ein. Positive
Einstellung der Pat. zur Medikamentenabgabe erhalten und fördern.
Notwendigkeit der Medikamentenabgabe wird von der Pat. akzeptiert. Medikation
lt. ärztlicher Anordnung wie folgt :
Diazepam ratiopharm 2 mg Tbl. = 1 - 1 - 1
Effortil Tropfen = 15-15-15
Bei Bedarf ab einem RR - Wert ab 100/40 mm HG 20 Tropfen extra. Der Arzt
wird dann informiert. Die Medikamente werden tgl. neu erklärt und
oral verabreicht. Beobachtungen der Wirkung und evt. auftretende Nebenwirkungen
werden dokumentiert und dem Arzt sofort mitgeteilt. Bei sonstigen Auffälligkeiten
wird der Neurologe informiert.
4.4. ATL : Sich bewegen können
(bedingt selbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Pat. ist unsicher beim Gehen, bedingt durch die hypotonen Kreislaufverhältnisse
und daraus resultierenden ängstlichem Verhalten.
Pat kann manchmal auf Nachfragen ihre Tagesform mitteilen. Frau P. fühlt
sich sicher beim Gehen und hat stabile Kreislaufverhältnisse. Die
Pat. fühlt sich angenommen und verstanden. Wenn möglich vor
Spaziergängen eine RR - Kontrolle . Anbieten und Anleitung bei den
Hilfsmitteln wie z.B. einer Gehhilfe oder einem Rollator. Pat. in ihrer
Selbständigkeit unterstützen. Auf festes Schuhwerk achten.
Positives Verstärken von Erfolgen und motivieren zu neuen Handlungen.
Bei schlechter Tagesform Ausfahren im Rollstuhl anbieten. Dann Frau P.
ermutigen ein paar Schritte mit Unterstützung der Begleitung und
der Gehhilfe zu machen.
4.5. ATL : Sich sauberhalten und kleiden können
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Aufgrund ihrer Demenz kann die Pat. die Körperpflege nicht ausreichend
durchführen. Die Vergeßlichkeit der "Abläufe" des
Waschens das nicht zuordnen können von Zahnbürste, Kamm etc.
macht die Pat. unsicher, sie fühlt sich "verloren" .
Bei genauem Einhalten des "Waschrituals" und diskreten Anweisungen
im Gebrauch von Waschlappen, Seife etc. kann sich die Pat. je nach Tagesform,
teilweise selber waschen. Die vorhanden Fähigkeiten erhalten, die
Selbständigkeit fördern und Sicherheit vermitteln. Mit Geduld
die Arbeitsabläufe beim Waschen einüben (Ritualisierung) und
einhalten, genaue Anweisungen, unter Berücksichtigung der Würde
der Pat., geben. Wichtig ist, daß alle eingesetzten Pflegekräfte
das "Ritual der Körperpflege" kennen und durchführen.
4.6. ATL : Essen und Trinken können
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Die Pat. hat vergessen wie man eine Scheibe Brot schmiert und der Umgang
mit dem Besteck ist ihr manchmal nicht mehr vertraut. Sie hat Schwierigkeiten,
die einzelnen Bewegungen der Hände aufeinander abzustimmen und kleckert
daher oft.
Die Pat. beobachtet die mitessenden Bezugspersonen genau und ahmt sie
nach. Die vorhanden Fähigkeiten erhalten und fördern.
Die Pat. fühlt sich bei der Einnahme der Mahlzeiten wohl. Die Pat.
in die Vorbereitungen und das Zubereiten der Mahlzeiten einbeziehen und
auch Lob äußern wie gut und wie nützlich sie sich macht.
Bei den Mahlzeiten für Ruhe sorgen, der Patientin Zeit lassen. Ein
demonstratives, aber nicht schulmeisterisches, Vormachen des Essens nimmt
der Pat. die Peinlichkeit zu versagen. Das Kleckern bei Tisch läßt
sich nicht vermeiden, aber eine Wachstuchdecke, die schnell gereinigt
werden kann, und Servietten mildern die beschämenden Folgen für
die Pat. sehr.
4.7 ATL : Ausscheiden können
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Die Pat. ist leicht Harninkontinent (Belastungsinkontinenz) und fühlt
sich hilflos.
Die Pat. vergißt sehr oft, die WC - Spülung zu benutzen.
Frau P. versucht, die Einlage zu erneuern .
Sie ist stuhlkontinent. Den derzeitigen Zustand erhalten. Pat. ist in
der Lebensqualität nicht beeinträchtigt und fühlt sich
verstanden. Regelmäßiger Toilettengang, immer wieder die Benutzung
der Einlagen aufzeigen und einen großen Eimer für die Entsorgung
der Einlagen bereitstellen. Da bei jeder körperlichen Belastung,
wie Aufstehen, Husten oder Bücken, ein Urinabgang erfolgt, außerdem
muß für ausreichende Intimpflege gesorgt werden. Die Pat.
braucht in ihrer Situation viel Verständnis und Zuwendung. Da sie
ihre Inkontinenz sehr belastet, ist Diskretion sehr wichtig. Ein Zettel
am Spülkasten erinnert sie daran, die WC - Spülung zu benutzen,
dadurch werden Peinlichkeiten vermieden.
4.8. ATL : Sich beschäftigen können
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Pat. kann Raum und Zeit nicht selbständig gestalten, sie sieht alles
negativ.
Kleine Aufgaben wie z.B. Staubwischen werden auf Anregung mit großer
Freude ausgeführt. Die Pat. hat das Vertrauen zu Bezugspersonen
und Pflegepersonal, sie läßt sich motivieren. Der Weg zum
Ziel wird in kleinen Schritten aufgeteilt und anerkannt, die Pat. fühlt
sich akzeptiert. Unter Berücksichtung früherer Lebensgewohnheiten,
siehe Biographie, wird Unterstützung bei der Gestaltung des Tages
gegeben, z. B. in der Beschäftigungstherapie oder im Singkreis.
Positive Leistungen aufzeigen (z. B. Pat. singt ein Volkslied) .
Tagesrückblick mit Anerkennung des Bemühen in allen Belangen.
Die Vertraute Umgebung ist Voraussetzung für die Orientierung bei
den Aktivitäten.
4.9. ATL : Kommunizieren können
(teilweise unselbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Sie kann eigene Wünsche und Bedürfnisse nur schwer äußern,
hat ein starkes Harmoniebedürfnis (drängt sich sehr auf). Unangenehmes
wird verdrängt. Sie äußert verschlüsselte Wünsche
(z. B. frische Blumen sind sehr schön). Pat. kann Wünsche adäquat äußern,
erkennt, wie sie auf Mitmenschen wirkt. Zwanglose Gespräche - Möglichkeit
aufzeigen z.B. Aufforderung Wünsche zu äußern. Der Pat.
zuhören, ermuntern Gefühle auszusprechen. Die Wertschätzung
der Pat hat immer Vorrang. Durch herbeigeführte Kontaktaufnahme
(z.B. Singkreis) das Selbstwertgefühl und die sozialen Kontakte
behutsam fördern. Übersteuertes Harmoniebedürfnis (seid
alle für mich da) versuchen zu mindern.
4.10. ATL : Ruhen und Schlafen können
(bedingt selbständig)
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Die Pat. kann nicht durchschlafen wegen häufigem nächtlichen
Wasserlassen.
Sie benutzt nachts oft den Toilettenstuhl. Die Pat findet einen geregelten
Schlaf - Wach - Rhythmus. Benutzt regelmäßig den Toilettenstuhl
. Keine diuresefördernden Getränke wie z. B. Cola oder Hagebuttentee
nach 18.00 Uhr geben. Getränke über den Tag verteilen und gegen
Abend Trinkmenge reduzieren ( Trinkfahrplan ) . Die Pat geht vor der
Nachtruhe in Begleitung zur Toilette. Toilettenstuhl für die Nacht
ans Bett stellen. Bettschutz und Einlagen der Pat. geben, es gibt ihr
Sicherheit. Sie kann in einer Notsituation auch im Bett Wasser lassen.
Frisches Inkontinenzmaterial liegt bereit. Nachtlicht und Notruf sind
in erreichbarer Nähe.
4.11. ATL : Soziale Bereiche des Lebens sichern können
( teilweise unselbständig )
- Pflegeproblem
- Ressourcen - Pflegeziel - Pflegemaßnahmen
Soziale Kontakte sind auf die Familie, bzw. Bezugspersonen eingeschränkt.
Erkennt gute Bekannte häufig nicht wieder.
Die Pat geht auf Familie und Bezugspersonen ein. Ressourcen erhalten,
Kontakte fördern und das Selbstwertgefühl stärken. Bei
Spaziergängen oder Treffen im Haus immer auf Bekannte aufmerksam
machen und mit Namen vorstellen. Mut machen, ins Gespräch zu kommen,
auf Wünsche eingehen ( z. B. Kaufmann ) und nach Möglichkeit
realisieren. Schwächen der Pat. zulassen. Anerkennung von Bemühungen
stärken, denn sie haben positive Auswirkungen auf das Verhalten
der Pat.
5. Schlußfolgerungen
Wichtig erscheint mir, gerade bei Alzheimer - Erkrankten ein ganzheitliches
Pflegebild zu erstellen. Fallbesprechungen und Diskussionen mit noch
betroffenen Kolleginnen sind von großer Notwendigkeit . Auch die
Pflegeplanung hat einen großen Stellenwert, weil dadurch gewisse
Arbeitsabläufe (Waschritual, Kleidung in der richtigen Reihenfolge
u.s.w.) besser zu verstehen und durchzuführen sind. Um Frau P. nicht
zu verunsichern oder zu überfordern, ist es notwendig ein gutes
kollegiales miteinander zu haben.
6. Literaturverzeichnis
- Grond, Erich, Praxis der psychischen Altenpflege, Werk-Verlag
Dr.Edmund Baneschewski
- Nix, Wilfried A., Wörterbuch der klinischen Neurologie, Einhorn
Presse-Verlag
- Hirnleistungsstörungen - Demenz, Wissenschaftliche Information,
Merz-Pharma
- Krämer, Dr.med. Günter, Alzheimer Krankheit, Trias-Verlag
- Wieteck, Pia und Vellauer, Hans-Jürgen, Pflegeprobleme formulieren
- Pflegemaßnahmen planen, Druckerei + Verlag Ahrend, Baunatal
- Kirschnik, Olaf, Pflegeleitfaden für Krankenschwestern und Krankenpfleger,
Urban & Schwarzenberg
- Schäffler, Arne u.a., Pflege heute, Gustav Fischer-Verlag
Abb.1-3 entnommen aus: Krämer, Alzheimer Krankheit
Hiermit erkläre ich, daß ich die vorliegende Arbeit nur mit
den angegebenen Hilfsmitteln ohne die Hilfe Dritter angefertigt habe.
Karin Kyczia
20.02.2000
|