Autor/in: Aart Rietdjk

Qualitätsmanagement Handbuch Seite 8

Hinweis:

  • Durch Prostatavergrößerung kann es zu einer Verengung der Harnröhre kommen. Bei Schmerzen und / oder Widerstand ist der Arzt zu verständigen und der Vorgang abzubrechen
  • Assistenz einer 2. Pflegeperson in Anspruch nehmen
  • Nach einem Katheterwechsel bei der gleichen Größe bleiben
  • No-Touch-Methode: Besser 2 sterile Pinzetten verwenden, statt 3 sterilen Handschuhen
  • Auf Paraphimose achten (ödematöse Schwellung hinter dem Eichelkranz)

Qualitätssicherung:

  • Eine einheitliche Vorgehensweise wird gewährleistet. Risiken und der daraus resultierende Einsatz von Prophylaxen werden erkannt, durchgeführt und dokumentiert
  • Die Pflegediagnose weist auf diese Prophylaxen hin und beschreibt deren Kennzeichen

Pflegediagnose, siehe III / 2 Zystitisprophylaxe

Pflegediagnose III / 3

Zystitisprophylaxe bei transurethralen Kathetern

Definition: Zystitisprophylaxe dient der Verhinderung einer Harnblasenentzündung, welche durch aufsteigende Erreger (Escherichia coli, Enterokokken, Viren) oder mechanische Reize bei liegenden Blasenverweilkathetern entstehen

Info:

Auftritt von Harnwegsinfektionen:

  • Bei transurethralen Dauerkathetern 50 % nach 7 Tagen
  • 95 % nach 12 Tagen
  • Bei suprapubischen Kathetern: 10 % nach 15 Tagen
  • 15 % nach 25 Tagen

Kennzeichen:

  • Schmerzhafter Harndrang
  • Tenesmen (schmerzhafte Krämpfe der Blasenmuskulatur)
  • Dysurie-Brennen beim Wasserlassen
  • Fieber

Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:

  • Flüssigkeitszufuhr
  • Ablagerungen am Kathetersystem
  • Verunreinigungen
  • Intimpflege, vor allem nach Defäkation
  • Harnröhrenschleimhautsekret, welches durch Fremdkörperreizung entsteht
  • Reflux von abgeleitetem Urin Stehender Urin
  • Aufsteigende Keime zwischen Harnröhre und Katheterwand – sog. Flüssigkeitsschiene
  • Geöffnetes System, z.B. beim Beutelwechsel (Keimeintritt)
  • Zytostatikatherapie

Geschlecht

  • bei Frauen, aufgrund der anatomischen Lage der Harnblase, häufiger
  • Östrogenspiegel (niedriger Östrogenspiegel, z.B. bei älteren Kunden verursacht eine Atrophie der Ureteraschleimhaut, wodurch Keime leichter in die Blase aufsteigen können)

Risikogruppen:

  • Kunden mit mangelnder oder geschwächter Abwehrlage
  • Kunden mit Blasenverweilkathetern
  • Bettlägerige / lnkontinente Kunden

Evaluation erfolgt:

  • Täglich, bei liegenden Verweilkathetern, über Haut- / Wundzustand, Urinbeschaffenheit – Geruch, Farbe
  • Bei jeder Veränderung

Individuelle Besonderheiten:

Standard III / 5.1

Indirekte Pflege

Notfall-Interventionen Seite 1

Problem:

  • Nicht rechtzeitig erkannte und / oder bemerkte Notfallsituationen können zu Schädigungen, unter Umständen zu irreversiblen Schäden führen
  • Falsche, oder nur teilweise richtige Maßnahmen können eine Verschlechterung des Zustandes und ebenfalls irreversible Schäden hervorrufen

Symptomatik:

  • Die häufigsten Notfälle im häuslichen Bereich sind: Unfälle aller Art, Herz und Kreislaufkollaps, zerebrale Krampfanfälle, akute Luftnot, akute Schmerzzustände und Hypoglykämie;
  • Sofortiges fachlich kompetentes Handeln ist nötig

Hinweis: Invasive Maßnahmen und Medikamentengabe sind ärztliche Tätigkeiten Delegation ist im Notfall möglich!!

Ziel:

  • Vermeidung körperlicher Dauerschäden in lebensbedrohlichen Situationen, Aufrechterhaltung der Atemfunktion bis zum Eintreffen des Notarztes
  • Vermeidung eines psychischen Traumas
  • Hilfestellungen spezifisch bei folgenden Situationen:

Herz-Kreislauf-Stillstand:

Mögliche Ursachen:

  • Herzinfarkt starker Blutverlust, 0 2-Mangel;

Symptome:

  • Zyanose (blaue Lippen), Schnappatmung oder aussetzende / keine Atmung, Bewusstlosigkeit; lichtstarre Pupillen, kein Puls, Pulsarrhythmien

Maßnahmen:

  • Atmung aufrecht erhalten: Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase-Beatmung, zur äußeren Herzmassage Brust frei machen harte Unterlage schaffen, 2 x Atemspende, 15 x Herzkompression

Koma bei Altersdiabetes:

Mögliche Ursachen:

  • Hyperglykämie (BZ-Werte über 500) oder Hypoglykämie (unter 50) -Koma

Symptome:

  • Coma Diabetikum = Hyperosmolares Koma: ausgeprägtes Durstgefühl, Polyurie, Übelkeit; Erbrechen, erhöhte Blutzuckerwerte, Exsikkose, flacher Puls, Azetongeruch, Bewusstseinseintrübung, Letalität möglich

Hypoglykämisches Koma:

Syptome:

  • Unruhe, Zittern, Blässe, Heißhunger, schweißige, feuchte Haut, langsamer Puls, niedriger Blutzucker, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit

Maßnahmen:

  • Coma Diabetikum: stabile Seitenlage, Insulin und ggf. Glucoseinfusion nach ärztlicher Anordnung, BZ-Kontrolle

Hypoglykämisches Koma:

  • stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, bei Bewusstsein Traubenzuckerlösung trinken lassen oder ein Stück Zucker / Traubenzucker im Mund zergehen lassen. lassen. Ärztlicher Anordnung, BZ-Kontrollen
  • Merke: Bei Unklarheit ob Hyper- oder Hypoglykämie zunächst von Hypoglykämie ausgehen, eine geringe weitere Erhöhung des BZ-Wertes ist tolerierbar, eine weitere Senkung bei hypoglykämischem Koma kann zur Letalität (Tod) führen

Aspiration:

Mögliche Ursachen:

  • Speisereste, feste Gegenstände, Sondenkost, sehr zäher Schleim

Symptome:

  • starke Hustenanfälle, Würgen, Zyanose, Dyspnoe, Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), Glottisödem (Kehlkopfschwellung), Todesangst und Ersticken

Maßnahmen:

  • Bei bettlägerigen Kunden: Kopftieflagerung, Oberkörper seitlich aus dem Bett hängen lassen
  • Im Sitzen: Kopf nach vorne beugen und Druck auf das Brustbein ausüben
  • Im Stehen: Oberkörper nach vorne beugen, Heimlich-Handgriff ausüben (von unten mit beiden Armen unterhalb des Brustbein-Schwertfortsatzes fassen und mit beiden geballten Fäusten wiederholend Druck in Richtung Zwerchfell ausüben)
  • Im Liegen: Mit gespreizten Beinen auf den Knien über den Kunden beugen, ebenfalls Heimlich- Handgriff mit übereinander gelegten Händen in Richtung Zwerchfell drücken

Standard III / 5.2

Indirekte Pflege

Notfall-Interventionen Seite 2

Epileptische Anfälle:

Mögliche Ursachen:

  • Hirntumore, Schädelhirntraumen-offen-gedeckt, subdurable oder infrazerebrale Hämatome (auch nach Stürzen), Gefäßmissbildungen, entzündliche Prozesse, Hypoxie

Symptome:

  • Krampfanfall, Zungenbiss möglich, Bewusstlosigkeit, Schaumbildung vor dem Mund, während des Anfalls Harn- und Stuhlkontinenz nicht möglich, Zyanose, keine Pupillenreaktion;

Maßnahmen:

  • Mundkeil einbringen, Atemwege freihalten, Sauerstoffapplikation wenn möglich, Gefahrenquellen aus dem Weg räumen, stabile Seitenlage, nach Beruhigung des Krampfes, psychische Betreuung – Erinnerungslücken – Amnesie – möglich, intravenöse Gabe von Diazepam, bei bekannter Epilepsie auch rektale Applikation möglich. Beachte Hinweis Standard III 5/1

Sturzverletzungen:

Mögliche Ursachen:

  • Hypotonie, Hypertonie, schlechtes Sehvermögen, Desorientiertheit, Verwirrtheit, allgemeine Gangunsicherheit, Grunderkrankungen (Demenz, M. Parkinson, Medikamentenbeeinflussung, Alkoholabusus, fehlende oder ungenügende Gehhilfen, Gleichgewichtsstörungen, Schwäche, Fieber, bei Inkontinenz: Ausrutschen im eigenen Harn, etc.)

Symptome:

  • Gesichts und Kieferverletzungen, Platzwunden, Nasenbluten, Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung, V. a. Becken-, Oberschenkel- oder Schenkelhalsfraktur, V. a. Rippenfraktur, Schlüsselbeinbruch, Comotio et Contusio cerebri oder Blutungen

Maßnahmen:

  • Gesichts und Körperverletzung: stabile Seitenlage, Wundversorgung, V. a. Wirbelsäulenfraktur: Keine Lageveränderung, außer bei Aspirations- und Erstickungsgefahr, bis der Arzt eintrifft. V. a. Becken-, Oberschenkel- und Schenkelhalsfraktur: flache Lagerung auf fester Unterlage, Stellung nicht verändern, Bein nicht oder nur vorsichtig, unter Streckung bewegen. V. a. Rippenfraktur: Oberkörperhochlagerung, keine die Atmung beeinträchtigenden Analgetika verabreichen, beim Atmen und Husten manuelle Abstützhilfe leisten

Comotio:

  • In den ersten 12 Stunden engmaschige Vitalzeichenkontrolle, Pupillen und Bewusstseinskontrolle, Bettruhe, Nahrungskarenz, ebenfalls für mindestens 12 h Gefahr der Einblutung

Blutungen:

  • Bei stärkeren Blutungen oberhalb der Blutungsstelle Arterie komprimieren, Wunde steril abdecken, verbinden

Volumenmangelschock:

Mögliche Ursachen:

  • Blutverlust durch äußere oder innere Blutung, starkes Erbrechen, starke Diarrhö, Flüssigkeitsverlust, Allergie, Verbrennungen, Lungenembolie

Symptome:

  • Blässe, zittrig, kalter Schweiß, Übelkeit, Erbrechen, frieren, Tachypnoe, Tachykardie

Maßnahmen:

  • Schocklage, Kopftieflage
  • Atemwege freimachen und freihalten
  • Sauerstoff und Wärmezufuhr

Anaphylaktischer Schock:

Mögliche Ursachen:

  • Überreaktion / -empfindlichkeit auf bestimmte Allergene (häufig Penicillin)
  • Schmerzmedikamente (Acetylsalicylsäure), jodhaltige Mittel, Insektenstiche, Tierhaare und Nahrungsmittel (Zitrusfrüchte, Erdbeeren)

Symptome:

  • Hautausschlag, Hautschwellung, Hautjucken, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Hypoxie, Bronchospasmus, Hypotonie, Kreislaufstillstand

Maßnahmen:

  • Sofortiger Abbruch der Anwendung, Sauerstoff – Applikation (-4 Liter / min.) Atemspende, Reanimation
  • Insektenstiche kühlen, möglichst Eiswürfel lutschen lassen

Qualitätssicherung:

  • Ergibt sich aus dem Wissen um Symptome und Maßnahmen bei der Notfallintervention

Standard III / 6

Wundbehandlung bei nicht infizierten Wunden

Seite 1

Problem:

  • Eine Wunde ist eine flächenhafte oder begrenzte Gewebsverletzung, Durchtrennung oder -Zerstörung der Haut- bzw. Körperoberfläche und / oder der darunter liegenden Organe

Mögliche Probleme:

  • Ankleben / Lösen des Verbandes, feuchter Verband, Verschmutzung des Verbandes, Schädigung der umliegenden Hautregion, mangelhafte Ernährung der Zelle, Austrocknung der Haut, sog. Taschen und Tunnelbildung

Hinweis:

  • Jede Wunde ist mit Keimen besiedelt. Eine Wundinfektion zeigt sich durch klassische Entzündungszeichen: Rötung, Überwärmung, Schmerz, Schwellung, Funktionsstörung

Ziel:

  • Komplikationslose Wundheilung, Schutz vor eindringenden Keimen und Flüssigkeitsverlust, Gefäßneubildung, um das neue Gewebe zu ernähren und mit Sauerstoff zu versorgen, intakte Wundumgebung, Epithelisierung vom Wundrand ausgehend, Narbenbildung, guter Sekretabfluss, keine Taschen und Tunnelbildung durch keimarmes Wundmilieu, gut befestigter, vor Verschmutzung geschützter Verband

Hinweis:

  • Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Wachstum der Kapillaren, die Bildung von Granulationsgewebe und die Epithelisierung der Wunde in einem feuchten Wundmilieu schneller erfolgt, als unter Luftexposition und Krustenbildung

Vorbereitung / Material:

Achtung:

  • Lokaldesinfektionsmittel üben eine zelltoxische Wirkung auf das Granulationsgewebe aus und stören so die Wundheilung. d. h. keine prophylaktische, routinemäßige Anwendung!
  • Die Häufigkeit u. Art des Verbandwechsels und der Wundbehandlung wird vom Arzt bestimmt
  • VW immer bei durchnässten, feuchten oder losen Verbänden
  • Wunddokumentation, Verbandtablett, -wagen, Hautpflegemittel zurechtstellen
  • Kunden informieren, bequem lagern

Maßnahme:

  • Händedesinfektion durchführen
  • Vorsichtiges Entfernen des alten Verbandes mit unsterilen Handschuhen – beides abwerfen. Inspektion der Wunde: Wundsekret (Menge, Aussehen, Konsistenz, Geruch), Wundränder, Beläge, Granulation, Epithelisation

Größenbestimmung durch:

  • Abmessen mit Lineal, Vergleichsgrößen wie z.B. 10 Pfennig, 5 Mark Stück sind relativ ungenau!
  • Ausdehnung und Tiefe und momentane Heilungsphase nach Möglichkeit dokumentieren

Zur Fotodokumentation beachten:

  • Immer gleicher Abstand, Winkel, Belichtung, Lineal neben die Wunde legen, Datum und Uhrzeitanzeige der Kamera, sofort mit Namen und Geburtsdatum des Kunden versehen
  • Reinigung der Wundumgebung, Entfernung von Pflasterresten, Hautpflege der Wundumgebung (mit W / Ö-Emulsion z.B. Bepanthen Lotion), Wunde selbst nicht berühren!

Wundabdeckung:

  • Saubere Wunden müssen nicht desinfiziert oder gespült werden
  • Trockene, verschlossene Wunden brauchen keine Wundabdeckung!
  • Sezernierende Wunden im „No-Touch“ Prinzip behandeln – besser mit sterilen Pinzetten arbeiten, als die Wunde mit sterilem Handschuh berühren!
  • Hydrokolloidverbände mindestens 3 cm über Wundrand kleben
  • Trockene Wunden mit Ringerlösung anfeuchten – sie enthält Calcium und Kalium, welche für das Zellwachstum wichtig sind

Bei Hydrokolloidverbänden erst wechseln, wenn sich der Verband aufwölbt – kann bis zu 7 Tagen auf der Wunde verbleiben

Fixierung:

  • Klebefläche immer so klein wie möglich halten!
  • Ecken evtl. Abrunden, störende Haare nach steriler Abdeckung der Wundfläche entfernen
  • Verband mit Datum beschriften

Standard III / 6

Wundbehandlung bei nicht infizierten Wunden

Seite 2

Nachsorge:

  • Verbandwagen aufräumen, kontaminierte Materialien, Arbeitsfläche desinfizieren
  • Hände desinfizieren. Dokumentation – Wundbeschreibung mindestens einmal pro Woche!
  • Lagerung, ggf. lt. Lagerungsplan überprüfen
  • Unmittelbare Entsorgung von benutzten Einmalartikeln
  • Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen

Qualitätssicherung:

  • Durch Einsatz des Standards kontinuierliche, gleiche Vorgehensweise
  • Vertrauen und Sicherheit für Kunden durch fachlich kompetente und professionelle Handlungsweise. Evaluation lt. Pflegeplan
  • Linderung der Schmerzen durch gezielt eingesetzte Pflege
  • Bedürfnisorientierter Einsatz von Hilfs- und Arbeitsmitteln
  • Einsatz der Pflegediagnose zur Behandlung von Veränderungen und Erkrankungen der Mundschleimhaut

Pflegediagnosen III / 4

Gefahr / Entstehung von Wundinfektion 1

Definition:

  • Das Vorliegen eines erhöhten Risikos für das Eindringen von pathogenen Mikroorganismen in den menschlichen Körper, spezifiziert nach Ursache und Ort der Infektion, z.B. Atemwege, Harnwege, Haut

Kennzeichen bei Wunden:

Definition der Wunde:

  • Eine Wunde ist eine begrenzte oder flächenhafte Gewebsverletzung, -durchtrennung oder -zerstörung der Körperoberfläche und / oder darunter liegender Organe

Einteilung von Wunden:

1. nach ihrem Aussehen (Morphologie)

  • offene Wunden z.B. Schürf-, Schnittwunde – Haut oder Schleimhaut ist nicht intakt
  • geschlossene Wunden: intakte Haut- oder Schleimhaut -z.B. Hämatom

2. nach ihrer Entstehungsursache

  • äußere Einflüsse: – mechanisch durch Schnitt, Stich
  • thermisch durch Hitze, Kälte
  • chemisch durch Veratzung
  • physikalisch durch Strahlung
  • innere Einflüsse: -Durchblutungsstörung – venös – arteriell, Druck
  • Entzündung
  • Infektion: Pilz, Herpes

3. nach dem Heilungsverlauf gemäß dem Bundesgesundheitsamt

  • aseptische Wunden: durch Naht verschlossen – ohne Wundheilungsstörung
  • = Primäre Wundheilung
  • kontaminierte und potentiell kontaminierte Wunden: alle Wunden ohne Zeichen von Infektion
  • infizierte Wunden: alle Wunden mit folgenden Zeichen: Rötung, Schwellung, Schmerz, Überwärmung, Funktionseinschränkung, Fieber, Leukozytose

= Sekundäre Wundheilung

Hinweis:

Die Unterscheidung zwischen Kontamination und Infektion einer Wunde hat Auswirkungen auf die Wundheilung und die Art der durchzuführenden Wundbehandlung!

Stadieneinteilung nach Seiler:

  • Stadium A: Wunde sauber, Granulationsgewebe, keine Nekrosen
  • Stadium B: Wunde schmierig belegt, Restnekrosen, keine Infiltration des umgebenden Gewebes
  • Stadium C: Wunde wie Stadium B mit Infiltration des umgebenden Gewebes und / oder Allgemeininfektion

Dekubitusklassifikation:

Nach Daniel – modifiziert:

  • Grad 0: Wegdrückbare Hautrötung
  • Grad 1: Fixierte Hautrötung – evtl. verdicktes Unterhautgewebe
  • Grad 2: Oberflächliche Ulzeration im Dermisbereich
  • Grad 3: Ausdehnung bis in das subkutane Fettgewebe
  • Grad 4: Tiefe Ulkusläsion mit Beteiligung von Fettgewebe, Faszien und Muskulatur ohne Knochenbeteiligung
  • Grad 5: Ulzeration mit Beteiligung von Knochen, Gelenken, evtl. Einbruch in Beckenorgane

Werden diese Einteilungen kombiniert ist eine relativ genaue Beschreibung der Wunde in der Dokumentation möglich

Wundheilung:

Primäre Wundheilung:

Aseptische Wunden, durch Naht verschlossen – ohne Wundheilungsstörung

Pflegediagnosen III / 4

Gefahr / Entstehung von Wundinfektion 2

Sekundäre Wundheilung:

Die Wundheilung läuft in drei sich überlappenden, sich gegenseitig beeinflussenden Phasen ab:

1. Reinigungsphase = Exsudationsphase

Ziel:

  • Entfernung von Fremdkörpern, Geweberesten, um die Bildung von Granulationsgewebe zu ermöglichen
  • Lokale Entzündung entsteht durch die Reaktion des Gerinnungs- und lmmunsystems zur Säuberung der Wunde
  • Abschluss nach max. 3 – 5 Tagen

Merkmale / Symptome: Rötung, Schwellung, Schmerz, Hitze, Sekretion

2. Granulationsphase = Proliferationsphase

Ziel:

  • Wundverschluss, Auffüllen des Hautdefektes
  • Schutzfunktion – vor eindringenden Keimen und Flüssigkeitsverlust
  • Gefäßneubildung, um das neue Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen

• Beginnende Epithelisierung vom Wundrand ausgehend

• Kollagenbildung – zur Erhöhung der Zugfestigkeit

Merkmale / Symptome: rotes, grobkörniges Gewebe

3. Regenerationsphase = Epithelisierungsphase

Ziel:

  • Zugfestigkeit der Narbe
  • Rückbildung des Granulationsgewebes
  • Narbenbildung Ausreifen der Kollagenfasern
  • Reepithelisierung der Wundoberfläche kommt zum Abschluss
  • Wundkontraktion und damit Verkleinerung der Wundfläche Merkmale / Symptome: erst rotes, dann blasses Fleisch, kompakte, verdickte Haut

Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:

  • Ursachen der Wunde – nehmen in jedem Fall Einfluss auf die Behandlung
  • Ernährung – es ist auf die ausreichende Zufuhr von Eiweiß und Vitaminen zu achten
  • Abwehrschwäche
  • Diabetes, Hauterkrankungen
  • Dekubitus – Drucksituation – in jedem Fall Druckentlastung
  • Scherkräfte!
  • Ulcus cruris venosum – in jedem Fall Kompression
  • Bedingungen, die die Vermehrung von Krankheitserregern begünstigen, z.B. Flüssigkeits- und Sekretansammlungen, Hyperglykämie, Veränderungen des pH-Wertes der Haut
  • Therapeutische Maßnahmen, die das Eindringen von Krankheitserregern begünstigen, z.B. Inhalatoren, Sonden, Katheter, Infusionen, Injektionen, Tracheostoma
  • Veränderung der normalen Körperflora durch Gabe von Antibiotika, Virostatika, Antimykotika

Risikogruppen:

  • Abwehrgeschwächte Kunden
  • Kunden mit oben genannten Grunderkrankungen und / oder Einschränkungen
  • Ältere Kunden
  • Psychisch kranke Kunden

Evaluation erfolgt:

  • Bei jeder Veränderung, spätestens alle 7 Tage

Individuelle Besonderheiten:

Standard IV / 1

Gerontologie

Morbus Alzheimer / Demenz

Problem:

  • Degenerative Hirnschädigung mit unklarer Ursache
  • Schleichender dementieller Abbau
  • Funktionsverlust der Nervenzellen des Gehirns bis zum Absterben

Symptomatik:

  • Zunächst Gedächtnislücken, dann Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, schleichend auch Verlust des Langzeitgedächtnisses und des Urteilsvermögens
  • Zeitliche, räumliche und personelle Orientierung geht verloren

Folge:

  • Psychische und organische Auffälligkeiten:
  • Vergesslichkeit, Orientierungsstörung
  • Reizbarkeit, feindseliges Verhalten mit Zorn und Gewaltausbrüchen, auch gegenüber Vertrauenspersonen, Eigen- und / oder Fremdgefährdung
  • Motorische Unruhe – Weglauftendenz, unruhiges, zielloses Herumlaufen
  • Agnosie (Störung des Erkennens), Apraxie (Wahrnehmungsstörung in Bezug auf Handlungen und Bewegung), Euphorie, Depression
  • Umkehr Tag / Nacht-Rhythmus, Schlafstörungen

Ziel:

  • Erhaltung einer selbstbestimmten, selbstverantwortlichen Lebensführung soweit und so lange wie möglich
  • Ermöglichung und Hilfestellung zum Erhalt selbstständigen Denkens, Fühlens und Handelns
  • Kontaktfähigkeit, Aktivität erhalten, ermöglichen und fördern
  • Klare, geregelte Tagesstrukturierung

Vorbereitung / Material:

  • Räumliche Voraussetzungen schaffen (ruhige, angenehme, ungestörte Atmosphäre „Snoezelen“)
  • Optische Orientierungshilfen durch Setzung farbkräftiger Punkte
  • Therapiegruppen zur Beschäftigungs- und / oder Bewegungstherapie
  • Strukturierungsplan, der sich an Neigungen und Wünschen des Kunden orientiert und den Tagesablaufgleichbleibend beschreibt

Pflegerische Maßnahme:

  • Aktivitäten werden je nach Tagesform des Kunden durchgeführt, der Tagesablauf wird nach Möglichkeit gleichbleibend eingehalten Ruhepausen werden in ausreichender Form eingeplant
  • Kunden, Bezugspflegepersonen, Angehörige, Therapeuten bilden nach Möglichkeit ein Team
  • Bewegungsdrang, durch spezielle Angebote, entgegenkommen. Z.B. Spaziergänge ermöglichen etc., Mithilfe bei täglichen Verrichtungen wie Tisch decken, abräumen, Staub wischen – situative Orientierung üben (was müssen wir als nächstes tun?)
  • Gedächtnisfördernde Ratespiele, Kreuzworträtsel etc. Vorlieben berücksichtigen
  • Nach Möglichkeit in der Natur Wahrnehmungsfähigkeit fördern (Gerüche, Blätter fühlen, Jahreszeit erkennen, etc.)
  • Vorlesen, Erzählen / Erzählen lassen, Zuhören

Weiter lesen auf Seite 9…


Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9

Diesen Beitrag teilen auf...

Twitter Facebook Google+