Autor/in: Faber

Soziale Gerontologie Seite 5

Angst haben, hoffentlich hat er nicht zu viele Schmerzen. Emotionale Intelligenz würde bedeuten, die eigene Unsicherheit und die Ängste des alten Menschen zu registrieren und vorsichtig, aber bestimmt zu handeln.

Sie sollten die Grundzüge der emotionalen Intelligenz beschreiben können.

15. Persönlichkeit
Unter Persönlichkeit könnte man das Wesen eines Menschen verstehen. Das Besondere an ihm, das ihn von anderen unterscheidet.
In der Psychologie gibt es durchaus unterschiedliche Definitionen und Ansätze zur Persönlichkeit (wie dies für oft der Fall ist und was damit zusammenhängt, dass psychologische Beschreibungsbegriffe nicht objektiv sind, sondern auf Definitionen und Vereinbarungen beruhen).
Nach Thomae ist:
Die Persönlichkeit der individuelle Aspekt des Menschseins.
Gegenstand der Persönlichkeitstheorie von Hans Thomae ist der Mensch in seiner Lebensgeschichte. Dies entspricht in etwa der obigen Definition.
Eine weitere Definition nach Eysenck lautet:

Persönlichkeit ist die mehr oder weniger feste und überdauernde Organisation des Charakters, des Temperaments, des Intellekts und der Physis des Menschen; diese Organisation determiniert seine einzigartige Anpassung an die Umwelt.

Bestandteile der Persönlichkeit wären somit:
Der Charakter
das Temperament
der Intellekt
die Physis
Nach Guilford gilt:

Die Persönlichkeit eines Individuums ist seine einzigartige Struktur von Persönlichkeitszügen.

Dabei bleibt zu klären, was man unter Persönlichkeitszügen zu verstehen hat.
Vergleicht man verschiedenen Persönlichkeitstheorien und Definitionen, so lassen sich diese in zwei Gruppen einteilen.
Die einen beschreiben Persönlichkeit auf der Verhaltensebene, als Bereitschaft einer Person in einer bestimmten Art zu reagieren. Sie sehen Persönlichkeit als veränderbar, als erlernbar an. Eine Auffassung, die vor allem von Amerikanern vertreten wird.
Die anderen beschreiben Persönlichkeit als hinter dem Verhalten zu suchende Einzigartigkeit von Menschen. Eine Haltung, die im europäischen Raum verbreitet ist und auf philosophische Ansätze zurückgeht. Persönlichkeit wird als Wesen angesehen.
In ihrem Lehrbuch ist ein ‚Blickwinkelmodell‘ der Persönlichkeit beschrieben (S.108/109).
Demnach besteht der Mensch aus unterschiedlichsten Anteile. Eine reine Aufzählung dieser Anteile macht aber noch nicht den Menschen aus.
Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Eigenschaften
Ein Gedanke, der sich auf Ansätze der Gestaltpsychologie zurückführen läßt.
Bestandteil des Menschen oder Dimensionen unter denen man einen Menschen sehen kann sind nach diesem Modell:

  1. Morphologische Merkmale wie Körpergröße, Gewicht, Haarfarbe..
  2. Physiologische Merkmale wie Blutdruck, Stoffwechsel…..
  3. Motive, Bedürfnisse, Interessen, Einstellungen
  4. Fähigkeiten
  5. Emotionalität, Temperamente.

Dabei wird die Einteilung etwas anders gewichtet als im Buch. Impulsivität und Emotionalität sind unter dem Bereich der Fähigkeiten erfaßt. Meiner Meinung nach stellen sie einen eigenen Bereich dar.
In allen genannten Bereichen kann es im Alter zu Veränderungen kommen.
Die Persönlichkeit eines Menschen scheint sich in den einzelnen Bereichen mit dem Alter zu verändern. Dennoch bleibt er die gleiche Person. Nur in wenigen  Fällen, Erkrankungen wird man von Persönlichkeitsveränderungen sprechen.
Dies kann zum Beispiel bei psychiatrischen Erkrankungen oder bei Abbauprozessen der Fall sein. Ansonsten wird man zwar Veränderungen in einigen Bereichen wie Emotionalität, Interessen oder Fähigkeiten bemerken, den Menschen in seiner Gesamtpersönlichkeit aber wiedererkennen. Bei allen Veränderungen bleiben wir doch im Alter die gleiche Person.
Die Veränderungen sind im Lehrbuch zum Teil auf Seite 108 bis 124 beschrieben. Im Skript wurden sie bereits teilweise in früheren Abschnitten dargestellt, sie werden im folgenden nochmals teilweise unter dem Aspekt der Alterstheorien betrachtet.

Sie sollten beschreiben können, was man unter Persönlichkeit versteht.

16. Altern

Was ist Alter, wann ist man alt?, wann beginnt das Altern
Scheinbar einfache Fragen, aber nicht so ohne weiteres zu beantworten.
Der Alterungsprozeß findet das ganze Leben über statt. Ständig sterben Zellen ab und werden (teilweise) durch andere ersetzt. Altern beginnt mit der Zeugung. Dennoch ist es sinnvoll verschiedene Lebensphasen zu unterscheiden. Nur zu sagen, dann beginnt das Alter, dies ist sicherlich schwierig.
Wir finden unterschiedliche Altersbestimmungen
Das psychologische Alter         man ist so alt, wie man sich fühlt
Das soziologische Alter            man ist so alt, wie man eingeschätzt wird
Das biologische Alter               man ist so alt, wie die Abbauprozesse im Körper fortgeschritten                                              sind.
Das kalendarische Alter
Der Begriff der differentiellen Gerontologie nimmt auf den Aspekt des unterschiedlichen Alters Bezug. Altern verläuft unterschiedlich.

  • Verschiedene Menschen werden unterschiedlich alt. Der Alterungsprozeß verläuft bei verschiedenen Menschen unterschiedlich.
  • Die gleiche Person altert in verschiedenen Bereichen unterschiedlich schnell. So kann ein Abbauprozeß in einem Bereich mit der Erweiterung von Kompetenzen in anderen Bereichen einhergehen. Möglicherweise ist die körperliche Bewegungsfähigkeit schon ziemliche eingeschränkt, während das Wissen erweitert wird und die soziale Kommuniaktionsfähigkeit noch gut funktioniert.

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16.2. Altern: Rückzugsgefecht oder Entwicklungsaufgabe

Wenn Entwicklung auf die gesamte Lebensspanne bezogen wird, so stellt sich die Frage, welche ‚Entwicklungsaufgaben‘ im Alter anstehen, was Entwicklung im Alter bedeutet.

Oder ob Altern nicht doch lediglich Abbau und Rückzug bedeutet.

Rückzug scheint relativ klar zu sein. Im Alter kann es unter verschiedenen Aspekten zum Rückzug kommen.
Sozialer Bereich:

  1. fehlende Beweglichkeit (Führerschein, Auto, körperliche Einschränkungen, Kompliziertheit öffentlicher Verkehrssysteme, Abhängigkeiten)
  2. Veränderungen im sozialen Milieu
  3. Sterben von Altersgenossen
  4. veränderte Interessen der Jüngeren.

Beruflicher Bereich.

  1. Hier fallen durch die Pensionierung wichtige Rollenbezüge und Aufgaben weg

gesellschaftlicher Bereich.

  1. Wie sehr wird das, was die Alten wissen noch abgerufen, positiv anerkannt in einer Gesellschaft in der das Neue zählt.
  2. Werte in unserer Gesellschaft sind nicht mehr Erfahrungswerte, sondern Lernfähigkeit, Anpassung und Flexibilität. Dies gilt sowohl für den beruflichen als auch für den privaten Bereich.
  3. Wie gefragt sind die Erzählungen der Großeltern in Zeiten der Videospiele, Playstation und Computer tatsächlich?

Alter als Entwicklungsaufgabe
Unter Entwicklungsaufgaben versteht man Veränderungs- oder Wendepunkte, die eine Neuorientierung bzw. Weiterentwicklung im Leben erforderlich machen.
Beispiele:

  1. Kindergartenbesuch,
  2. Einschulung, Schulwechsel,
  3. Umzüge,
  4. erste Partnerschaften, Ehe,
  5. Elternschaft,
  6. Auszug der Kinder,
  7. Trennungen,
  8. berufliche Veränderungen, Stellenwechsel, Kündigungen,
  9. Pensionierung,
  10. Alter,
  11. Tod von Angehörigen, Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod

Entwicklungsaufgaben sind demnach die Bewältigung und positive Gestaltung eines neuen Lebensabschnitts. Wie dies gelingt hängt von der Persönlichkeit, dem Gesundheitszustand, dem sozialen Umfeld und den vorhandenen Ressourcen (materiell, nicht materiell) ab.
Entwicklungsaufgaben im Alter

  1. Erschließung neuer Lebensbereiche, Lernwelten, Seniorenuniversität, VHS……..
  2. Ausbau bestehender und Aufbau neuer Hobbys
  3. Ehrenamt
  4. freiwillige Jobs
  5. Engagement in der Familie (Großelternschaft); wie sehr ist dies erwünscht?
  6. Neugestaltung der Partnerschaft
  7. Auseinandersetzung und Akzeptanz der eigenen Schwächen
  8. Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod
  9. Abschied nehmen.

Inwieweit eine positive Gestaltung des Alters gelingt ist abhängig von der Annahme und der Bewältigung der mit dem Altern verbundenen Probleme und der Entwicklung neuer Lebensperspektiven. Gerade die Gruppe der sogenannten ‚jungen Alten‘, die körperlich noch fit, geistig mobil und aufgeschlossen sind, haben die Möglichkeiten zur positiven Altersgestaltung.
Zum ‚Altersbild‘ in der Gesellschaft gehört zunehmend auch die Aktivität der alten Menschen wie die Pflege von Hobbies und Interessen, Reisen und Bildung. Dadurch verändert sich das Bild des alten Menschen in der Gesellschaft.
Über diesem Bild der ‚neuen Alten‘ darf man aber nicht die andere schwierige Seite des Alterns vergessen und Leid und Krankheit als die schwierige Seite des Alters verdrängen.
Das Bild der ‚neuen Alten‘ stellt einen Teilaspekt dar und darf nicht zum verpflichtenden Leitbild werden.

Sie sollten die verschiedenen ‚Arten des Alterns‘, die möglichen Einflussfaktoren und die Entwicklungsaufgaben im Alter kurz darstellen können. Ebenso sollten Sie den Begriff der Entwicklungsaufgabe definieren können.

16.3 Alterstheorien

Alterstheorien versuchen zu erklären und zu beschreiben, was Altern bedeutet und was altersangemessen ist. Dabei gehen Wert- und Normvorstellungen in die Theorien mit ein

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16.3.1. Biologische Alterstheorien
Der Schwerpunkt liegt auf den biologischen Veränderungen im Alter, wie sie im Lehrbuch auf den Seiten 108 bis 112 beschrieben werden .
Das körperliche Erscheinungsbild verändert sich:
Morphologie:
Das Haar wird dünner und weniger
Die Haut wird schlaffer, das Bindegewebe verändert sich
Alterspigmentierung
Die Muskulatur wird schlaffer
Man schrumpft
Die Gelenke werden steif
Physiologie, Körperfunktionen
Schlafprobleme, Veränderung des Schlaf, Wachrhythmus
Verdauungsprobleme
Hoher Blutdruck
Zucker
Sinnesorgane
Die Sinnesorgane sind von Veränderungen betroffen.
Altersweitsichtigkeit
Starerkrankungen
Schwerhörigkeit
Nachlassen des Geruchs und Geschmackssinnes
Veränderungen der Organe
Blasenfunktion
Leber
Verdauungsorgane
Herz, Kreislaufsystem
Arterienverkalkung
Zusammenfassung:
Es kommt mit zunehmendem Alter zu zahlreichen biologischen Veränderungen (meist Einschränkungen), die jedoch nicht allein vom Alter abhängig sind. Gesundheit, Krankheiten, Verschleiß, Ernährung und frühere Lebensweise spielen hierbei eine wichtige Rolle.



Trotz dieser Veränderungen bleibt die Person die Gleiche und wird sich in der Regel auch so empfinden und von anderen so wahrgenommen werden.
Dennoch können diese Veränderungen zu einer Persönlichkeitskrise führen, wenn diese mit dem Selbstbild, wie man sich sieht oder gerne sehen würde, nicht vereinbar sind.
16.3.2. Defizitmodell

Altern wird als ein Prozeß des Verlustes und des Abbaus emotionaler und intellektueller Fähigkeiten angesehen.

Altern wird hier im wesentlichen als Verlust und Verschlechterung verstanden. Demnach müsste man Altern insgesamt als etwas Negatives, Schlechtes begreifen.
Man kann nicht mehr so wie früher – gehört nicht mehr richtig dazu. Ist Schrott oder altes Eisen. Eine sicherlich sehr einseitige Sichtweise.
Natürlich lassen einige Fähigkeiten und Fertigkeiten nach – andere dagegen kaum oder nicht.
Beschrieben wurde dies unter anderem für die Bereiche Intelligenz mit der Unterscheidung der flüssigen und kristallisierten Intelligenz.
Während es bzgl. der flüssigen Intelligenz (Kombinationsfähigkeit, Wendigkeit) zu Abbauprozessen kommen dürfte, gilt dies nicht für die kristallisierte Intelligenz (Erfahrungswissen).
Weiterhin spielt der Geschwindigkeitsfaktor eine größere Rolle.
Der Bereich Gedächtnis ist ebenfalls differenziert zu sehen. Während es im Bereich des Kurzzeitgedächtnis und den Übergang vom Kurzzeit ins Langzeitgedächtnis zu Veränderungen kommt, bleibt das Langzeitgedächtnis erhalten.
Zu den Besonderheiten des Lernens wurde an anderer Stelle des Skriptes bereits einiges vermerkt. Bei Gesundheit und entsprechender Übung ist Lernen bis ins hohe Alter möglich.
Zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit kommt es sicherlich in vielen körperlichen Bereichen wie der Sinneswahrnehmung oder der körperlichen Kraft.
Erhebliche Zweifel habe ich an einem Abbau emotionaler Fähigkeiten im Alter.
Kommt es zu einer emotionalen Verflachung. Verringerung der Fähigkeit, Freude oder Trauer zu zeigen, so hat dies eher etwas mit Krankheitsprozessen oder sozialer Situation zu tun. Wenn ich keine Anregungen erhalte, so stumpfe ich ab. Alte Menschen empfinden genauso wie jüngere
Das Defizitmodell ist in seiner Pauschalität zurückzuweisen.
Es hat aber über weite Bereiche den Umgang mit alten Menschen in unserer Gesellschaft geprägt.
16.3.3. Aktivitätstheorie
Als zentraler Leitsatz gilt

Wer rastet der rostet

Dabei wird Lebensfreude im Zusammenhang mit der sozialen Aktivität gesehen.
Hauptsache      aktiv, dann geht es mir gut.
Soziale Rollen (Beruf, Familienvater…), Aktivitäten, Sozialkontakte, die wegfallen, müssen durch andere Aktivitäten, Aufgaben ersetzt werden.
Gefahren:
wer nicht rastet, der erschöpft sich.
Künstlichkeit und Unangemessenheit, indem man Aktivität, um jeden Preis anstrebt
Weglaufen vor sich selbst. Man möchte nicht akzeptieren, dass man alt geworden ist. Will sich in jedem Fall modern kleiden, weiter Sport mit Leistungsanspruch betreiben. Überall mitreden können. Dies ist alles in gewissem Grad o.k. kann aber zu Überforderung und Auffälligkeiten führen.
Nicht Aktivität um der Aktivität willen
Diese Aspekte werden in der Aktivitätstheorie nicht ausreichend berücksichtigt.
Mögliche Aktivitätsfelder:
Sonderaktivitätsmöglichkeiten für Ältere wie Seniorenclubs, Altenstube,          Altersuniversitäten
gesellschaftliche Teilhabe im allgemeinen (graue Panther, Sportvereine)
Und Aktivitätsangebote sollen an den Interessen und Erfahrungen der alten Menschen anknüpfen

16.3.4. Disengagementtheorie
Leitgedanke ist:
Der wohlverdiente Lebensabend
Dazu passt das in älteren Bilderbüchern gezeigte Bild des im Lehnsessel sitzenden  Großvaters mit seiner Pfeife
Es wird der verdiente des Rückzuges von den Anstrengungen des (Berufs) Lebens gesehen
Natürlich ist es sinnvoll, dass man im Alter bestimmte Verantwortungen abgeben kann: Nur wer zuviel abgibt, für den bleibt nichts übrig.
Gefahren:
Vorwand zum Ausschluß älterer Menschen
Verlust von Lebenssinn und Lebensperspektiven
man rostet
Sinnvoll scheint eine angemessene Mischung aus Rückzug und Aktivität. Man braucht Aktivität und Pausen und jeder in einer individuell anderen Mischung.
16.3.5. Kontinuitätstheorie
Leitsatz:
Hauptsache ich kann ich selbst bleiben
Zufriedenheit und gelungenes Alter wird dabei über die Möglichkeit definiert, das eigene Leben mit seinen Bezügen als Kontinuität zu erfahren.
Man bleibt der gleiche Mensch, kann seinen Interessen weiter nachgehen, hat eine in etwa konstante Umgebung, Möbel…..
Brüche führen zu Krisen.
Gefahr:
Generalisierung von Veränderungen als etwas Negativem
Veränderungen können sinnvoll sein, wenn
Sie selbst gewählt sind;
gut vorbereitet sind
Und manchmal sind sie einfach notwendig.
Auch wenn es Veränderungen gibt, erlebe ich mich normalerweise als derselbe Mensch. Sind die Veränderungen aber sehr radikal, so sehe ich mich selbst in Frage gestellt.
16.3.6. Kognitive Alterstheorie
Oder Theorie der kognitiven Repräsentanz
Wie man alt wird hängt nicht (nur) von den objektiven Gegebenheiten ab, sondern vor allem von deren Bewertung.
Beispiel: Deute ich den Umzug der Kinder als Rückzug und Abwendung, so werde ich völlig anders reagieren, als wenn ich diesen als beruflich bedingt wahrnehme.
Eine pessimistische Sichtweise wird zu einer völlig anderen Bewertung und Reaktion führen  als eine optimistische Sichtweise.
Hier klingt der Satz: ‚Man ist so alt, wie man sich fühlt.‘an.
16.3.7. Kompetenztheorien:
Im Mittelpunkt steht die Auffassung, dass es für alte Menschen (für andere auch) zentral wichtig ist, sich als kompetent zu erleben, noch Kompetenzen zu besitzen.
Soziale Kompetenz
In Ergänzung zu den Alterstheorien soll kurz der Begriff der sozialen Kompetenz besprochen werden. Unter sozialer Kompetenz verstehe ich hierbei die ‚Fähigkeit am sozialen Leben‘ teilzunehmen. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Eine andere Definition lautet:
Soziale Kompetenz als die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen, die zur Aufrechterhaltung eines selbständigen, selbstverantwortlichen und sinnerfülltem Lebens in einer bestimmten Umwelt notwendig sind. (Kruse)

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Was bedeutet dies nun im Einzelnen?
Die soziale Kompetenz hängt ab von:

  • Der sozialen Umwelt
  • Der sozialen Anerkennung
  • Der Infrastruktur
  • Der räumlichen Umwelt
  • Den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten/der eigenen Person

Beispiele zur sozialen Umwelt:

  • Vorhandensein von Bezugspersonen wie Kinder, Ehepartner, Nachbarn, Freunde
  • Einbettung in soziale Bezüge wie Nachbarschaft, Vereine, Clubs, Seniorentreffs

Soziale Anerkennung:

  • Hier gilt ganz einfach, dass eine positive soziale Anerkennung überlebensnotwendig ist.

Beispiele zur sozialen , räumlichen und infrastrukturellen Umwelt

  • Vorhandensein öffentlicher Nahverkehrsmittel
  • Barrierefreiheit
  • Altersgerechte Wohnungen
  • Einkaufsmöglichkeiten
  • (Treppen)lift

Eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten/eigene Persönlichkeit.

  • Lebensgeschichte, Interessen, Interessenvielfalt, Hobbys
  • Aktivität vs. Passivität
  • soziale Aufgeschlossenheit vs. Rückzug
  • Individualität vs. Sozialiät
  • körperliche Mobilität, sensorische und motorische Einschränkungen
  • Selbstbewußtsein vs. Selbstzweifel, Optimismus vs. Pessimismus
  • Erfahrung eigener Kompetenz vs. Inkompetenz
  • Konzentrierung auf Beruf vs. Interessenvielfalt
  • Gedächtnistraining, lebenslanges Lernen u.a.
  • körperliches und seelisches Wohlbefinden
  • körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • Selbständigkeit im Alltag
  • Offenheit für neue Erfahrungen und Anregungen
  • Fähigkeit zur Aufrechterhaltung und Gründung tragfähiger sozialer Beziehungen
  • Fähigkeiten zum reflektierten Umgang mit Belastungen und Konflikten.
  • Fähigkeit zur psychischen Verarbeitung bleibender Einschränkungen und Verluste
  • Fähigkeit zur Kompensation bleibender Einschränkungen und Verluste.

Soziale Kompetenz zeigt sich somit immer in einer Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und Umwelt.
Das Kompetenzmodell geht grundsätzlich davon aus, dass im Alter soziale Kompetenzen vorhanden sind. Diese sind in einigen Bereichen eingeschränkt in anderen nicht. Zusätzlich können neue Kompetenzen erworben werden. (Altersstudium, Ehrenamt) Die Kompetenzen bilden ein individuell verschiedenes Muster.
Kompetenzförderung kann zum einen beim Individuum erfolgen, zum anderen durch Bereitstellung geeigneter Strukturen in der personalen und dinglichen Umwelt.
Soziale Netzwerke
Ein mit der sozialen Kompetenz eng verbundener Begriff ist der Begriff des sozialen Netzwerkes.
Soziale Netzwerke im Leben eines Menschen:

  • Familiales Netzwerk
  • Gleichaltrigengruppe
  • Kollegen
  • Nachbarschaft
  • Freunde, Bekannte
  • Vereine
  • Professionelle Netzwerke   Ärzte, Pfleger, Altenclub

Im Leben eines Menschen erweitern sich die sozialen Netzwerke zunächst, um im Alter wieder abzunehmen. Das erste soziale Netzwerk ist die Familie, dann kommen Krabbelgruppe, Kindergarten, Schule, Arbeit und andere dazu. Einige wie Krabbelgruppe, Kindergarten oder Schule fallen wieder weg.
Im Alter besteht das Risiko eines verstärkten Verlustes sozialer Netzwerke, die dann ersetzt werden müssen.

Sie sollten die verschiedenen Alterstheorien kennen und in ihren Grundsätzen darstellen können.

17. Familie und Alter

Was versteht man unter einer Familie

Familie hat verschiedene Formen:

Großfamilie  (klassisch?)
Kleinfamilie (klassisch-modern)
patchwork Familie

Die Großfamilie ist durch das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach gekennzeichnet. Mindestens: Großelter, Eltern und Kinder. Tanten und Onkel können dazu kommen.

Die Kleinfamilie ist die typische Familie mit Eltern und einem oder zwei Kindern, wie sie sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts etablierte. Eine Familienform, die im engeren Rahmen keinen  Platz für die Großelterngeneration aufwies, die im Rahmen der Großfamilie einen festen Ort und häufig eine feste Funktion inne hatte.

Kam es zunächst zu einer Auflösung der Großfamilie zugunsten der Kleinfamilie und damit zu einer stärkeren Ausprägung der Generationengrenzen, so hat mittlerweile eine Erosion der Kleinfamilie stattgefunden.

Dies bedingt durch einen Anstieg der Ehescheidungen (jede dritte Ehe ist betroffen), zusammenleben unverheirateter Paare mit und ohne Kinder, die Verbreitung von patchwork oder zusammengesetzten Familien.

Hier stellt sich erneut die Frage, wo die älteren Menschen ihren Platz finden. Auch ist die Zuordnung von Großeltern zu Kindern in zusammengesetzten Familien möglicherweise schwierig zu beantworten. Die Enkelkinder haben neben den ‚eigentlichen‘ Großeltern qausi weitere Bezugspersonen mit einem Großeltern ähnlichen Status; dies sind die Eltern der neuen Partner der Eltern. Gleichzeitig können die Kontakte zu den Eltern des getrennt lebenden Elternteils in den Hintergrund geraten. Und möglicherweise durch Kontakte zu den Eltern eines neuen Partners ersetzt werden.
Bei alleinerziehenden kommt es häufig zu einer Ausgrenzung eines Großelternteiles. Die Eltern des ‚abgetrennten‘ Elternteils.

Es bleibt zu fragen und zu diskutieren, wie sich diese Veränderungen auf die Rolle und das Selbstverstängnis von Großeltern auswirken.
Dies auch auf dem Hintergrund der Abnahme der Anzahl der Enkelkinder generell.

Veränderungen der Familienstrukturen und familiären Rollen

  • Abnahme der Kinderzahlen; Verkleinerung der Familien
  • Trend von der Mehrgenerationen zur Klein und zusammengesetzten Familie.
  • Zunahme des Anteils von Alleinerziehenden.
  • Zunahme nichtverheirateter Eltern
  • Vermehrte Berufstätigkeit der Frauen
  • Fehlen von Geschwistern
  • Reduktion der Anzahl von Onkeln und Tanten
  • Verkleinerung der Familie; der Familienclan tritt in den Hintergrund
  • Reduktion der innerfamiliären Kontakt und Betreuungspersonen und eine Zunahme außerfamilialer Bezüge.
  • Viele ältere Menschen werden nicht mehr Großeltern, da ihre Kinder kinderlos bleiben.
  • Phänomen `Hotel Mama`. Junge Erwachsene bleiben wieder länger in der Herkunftsfamilie
  • Sie sind aber im Unterschied zur früheren Großfamilie nicht länger in die Erwerbsstruktur und insgesamt weniger in die Struktur der Familie eingebettet. Sondern führen ein weitgehendes eigenständiges Leben unter Nutzung der familialen Ressourcen.
  • Stärkere räumliche Mobilität mit der Folge einer Aufsplitterung von familialen Bezügen.
  • Verlängerung gemeinsamer Lebenszeiten durch die gestiegene Lebenserwartung.
  • Verlängerung der Nachkinderphase durch die gestiegene Lebenserwartung.
  • Pluralisierung der Lebensformen älterer Menschen
  • Häufigere Wiederverheiratung oder neue Partnerschaften im Alter.

Von der Groß- über die Kleinfamilie zu der Vielfalt moderner Familien.

Die Großfamilie war neben dem Zusammenleben unter einem Dach häufig geprägt durch eine Produktionseinheit, sei es im Rahmen eines Handwerkbetriebes oder einer Landwirtschaft.
Heiraten wurden häufig aus ökonomischen Überlegungen heraus vollzogen. In der Realität wurde dieses Zusammenleben durch die begrenzte Lebenserwartung der älteren Menschen begrenzt. Hinzu kam, dass viele Familienmitglieder, die vom häuslichen Betrieb nicht ernährt werden konnten, die Familie verliessen, auf Wanderschaft gingen, in Klöster eintraten, Soldaten wurden, sich als Taglöhner verdingten…..Und auch die Alten wurden häufig in der Familie auf das Abstellgleis geschoben. (Austragsstuben in Bayern). Kinder liefen im wesentlichen mit. Sie waren Arbeitskräfte. Eine spezifische Erziehung erfolgte nicht.

Bereits mit der Industrialisierung kam es zu einer stärkeren Veränderung der Großfamilien. Der gemeinsame Produktionszusammenhang wurde aufgelöst. Die Strukturen innerhalb der Familien veränderten sich. Wobei auch dann noch aus ökonomischen Gründen die älteren Menschen häufig mit im Haushalt lebten.

Innerhalb der Kleinfamilie herrschte lange Zeit noch ein klar hierarchisches Ehemodell, das auch gesetzlich so abgesichert war. Der Mann hatte das sagen, galt als Familienvorstand und konnte beispeilsweise entscheiden, ob die Frau arbeiten durfte oder nicht. Auch waren seine Entscheidungen bezüglich der Kinder bindend. Männer waren als Erwerbstätige für die Ernährung der Familie zuständig. Haushalt und Kindererziehung lagen eindeutig bei den Frauen.
Mit der Zeit kam es zu einer zunehmenden Veränderung des Rollenverständnisses in der Familie und entsprechenden gesetzlichen und gesellschaftlichen Änderungen. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen.

Eine traditonellere Rollenverteilung ergibt sich meist, wenn Kinder vorhanden sind. Dann werden

auch ursprünglich vereinbarte partnerschaftliche Modelle häufig zu Gunsten der Berufstätigkeit des Mannes über Bord geworfen. Die Frau auf Haushalt und Kinder reduziert oder in eine Doppelfunktion Haushalt, Berufstätigkeit (meist teilzeit) gedrängt.

Lebenssituation älterer Menschen

Ältere Menschen leben häufig von den Kindern und Enkelkindern getrennt in Ein oder Zweipersonenhaushalten. Häufig lebt jedoch auch ein älterer Mensch mit einem Kind in einem Haushalt oder ein Kind lebt mit oder ohne Familie in der Nähe. Es kommt nicht zwangsläufig zur Vereinzelung.

Ältere Menschen unterstützen die Familien ihrer Kinder häufig materiell und durch persönlichen Einsatz z.B. bei der Kinderbetreuung.
Umgekehrt werden die meisten pflegebedürftigen Menschen innerhalb der Familie betreut. Meist durch die Töchter oder Schwiegertöchter häufig mit Unterstützung sozialer Dienste.

Gleichwohl kommt es generell zu einer Ausdünnung des familialen Hilfenetzes z.B. auf der gleichen Generationsebene.

Leben mehrere Generationen unter einem Dach, so vermischen sich die Rollen. Es gibt zwei Väter oder zwei Mütter. Mehrere Söhne oder Töchter. Familiäre Unterstützung kann in erzieherische Einmischung münden. Rollenkonflikte können auftreten. Generationengrenzen  können verschwinden, zu durchlässig werden oder es können umgekehrt zu starre Grenzen aufgebaut werden. Die Beziehungen werden komplexer und komplizierter.

Familie als Unterstützungssystem und Kontrollorgan

Ein enges Familiensysem hat zwei Seiten:

  • es bietet Unterstützung
  • es übt Kontrolle aus.

Dies ist häufig für Frauen, die mit ihren Müttern, Schwiegermüttern  und der eigenen Familie zusammenleben, schwierig. Hier entstehen Konkurrenz und Abgrenzungsprobleme. Vor allem wenn ein Zusammenleben mit Schwiegereltern statt findet und sich der Mann noch sehr stark seiner Herkunftsfamilie zugehörig fühlt. Sich nicht abgelöst hat. Aber auch für den Mann mag es schwierig sein, seine Rolle zu definieren.
Gleichzeitig sind die Großeltern ebenfalls in einer Doppelrolle, meinen es häufig gut und fühlen sich zurückgestossen, wenn ihre Hilfe nicht entsprechend gewürdigt wird.
Andererseits kann ein solches Zusammenleben auch eine Bereicherung für alle Beteiligten darstellen. Wichtig ist, dass die Rollen und Erwartungen geklärt sind oder geklärt werden.

18. Einsamkeit und Alleinsein
Einsamkeit und Alter sind nicht identisch. Während allein sein eine ‚objektive‘ Beschreibungsebene darstellt, handelt es sich bei Einsamkeit um ein Gefühl.
Man kann sich unter sehr vielen Menschen einsam fühlen oder alleine nicht einsam, die anderen nicht vermissen.
Eine Rolle hierbei spielt. Ob das Alleinsein selbst gewählt wurde oder nicht. Kommt diese Situation durch Verlust von Bezugspersonen und Mobilität zustande und ist nicht gewollt, so ist der Umgang hiermit sicherlich problematischer.
Das Individuum erlebt sich dann als von außen gesteuert, nicht als Herr der Situation.
19. Wohnen im Alter
Eine Frage, die sich jeder stellen sollte, ist, wie möchte ich im Alter wohnen.
Dabei sind verschiedene Modelle denkbar.

  • Heim oder Familie?
  • Betreutes Wohnen
  • Tagespflege

Fragen, die man sich stellen kann sind:

  • Was bedeutet Leben in der Familie für einen selbst, für die Angehörigen?
  • Wie kann man Entlastung schaffen?
  • Was bedeutet leben im Heim?
  • Was bedeutet Umzug ins Heim?

Im Lehrbuch S. 153/154  finden Sie zwei Überblicke über die Gründe für einen Wechsel ins Heim.
Die von mir vorgestellte Übersicht stammte aus dem Lehrbuch ‚Psychologisches Grundwissen für Altenpflegeberufe.
Gründe:
Gesundheitszustand               36,5,%
Wohnungsprobleme               33,2%
Versorgung                            13,2%
Wunsch der Verwandten        3,1%
Einsamkeit                             3,1%
Wunsch nach Alleinsein         2,3%
stets Wunsch gewesen                        2,1%
wirtschaftliche Gründe          1,0%
sonstige Gründe                     2,1%
keine Angaben                       3,3%
Wenn Sie die Aussagen der verschiedenen Umfragen vergleichen, finden Sie durchaus Unterschiede.
Generell gelten jedoch Gesundheit, Versorgung und Wohnung als Hauptgründe für einen Umzug ins Heim.
Die eigene Wohnung, Möbel u.a. sind Ausdruck der eigenen Identität, Kontinuität, Erinnerung und Lebensbezüge.
Die eigene Wohnung ist Teil der eigenen Identität und wird deshalb auch nur ungern aufgegeben.
Nach dem Motto:
‚einen alten Baum verpflanzt man nicht‘.
Eine Möglichkeit, die eigenen vier Wände zu erhalten sind Wohnraumanpassungen und ambulante Hilfdienste.
Muss ein Umzug ins Heim erfolgen, so sollte auf die Erhaltung der privaten Athmosphäre geachtet werden. Die Mitnahme eigener Möbel stellt hierbei eine Hilfe dar.
Eine wichtige Frage lautet:
Wie muss ein Heim aussehen, um möglichst optimal zu sein, dem Einzelnen, seine Identität zu lassen.
Ergänzend finden Sie einen Text ‚Betreuungswunsch‘ in  ihrem Lehrbuch  Wirsching S.159/160

20. Suizid:
Alte Menschen sind besonders suizidgefährdet.
Risikofaktoren sind:

  • Isolation
  • Einsamkeit
  • Körperlicher Verfall
  • Erkrankungen
  • Psychische und emotionale Probleme
  • Sinnkrisen
  • Ängste

26. Sucht:
Sucht ist eine weitere Reaktionsmöglichkeit auf die oben genannten Problem.
Hauptsuchtmittel sind hierbei Tabletten und Alkohol aufgrund der leichten Verfügbarkeit.
Inwieweit Sucht entsteht, hängt mit dem bisherigen Lebensweg und möglichen Alternativen zusammen. Das Suchtmittel steht dabei immer für etwas anderes, was nicht mehr vorhanden ist wie:

  • Sinnhaftigkeit
  • Beziehungen
  • Kontakte
  • Anerkennung
  • Perspektiven

Je nach Situation stellt sich die Frage nach Therapiemöglichkeit und Sinn von Therapien. Die Tablettenabhängigkeit wird teilweise durch die gängige Verschreibungspraxis erleichtert.
21. Alter und Sexualität
Sexualität im Alter gilt als Tabuthema. Es tauchen Fragen auf wie:

  • Ist Sexualität im Alter noch angebracht? Wie geht das zusammen?
  • Sollten bestimmte Formen der Sexualität noch erlaubt sein – andere nicht.
  • Wenn nein, ab welchem Alter nicht mehr?
  • Was sollte im Alter noch erlaubt sein und was nicht?

Sexualität umfasst mehr als Intimverkehr. Hierzu gehören Zärtlichkeiten, Liebesfähigkeit, erotisches Empfinden. Sexualität und Liebe können auch getrennt erfahren werden, werden aber doch häufig zusammen erlebt. Sexualität ist meist mit einer emotionalen Nähe verbunden.
Inwieweit jemand im Alter ‚liebesfähig‘ bleibt, wie er mit seiner Sexualität umgeht hängt entscheidend davon ab, welche Rolle Sexualität und Liebe in seinem bisherigen Leben gespielt haben.

Sexuelle Empfindungsfähigkeit verschwindet nicht mit den Wechseljahren. Die Hormonumstellungen führen zwar insgesamt zu körperlichen Veränderungen, deren offensichtlichste das Ausbleiben der Menstruation ist. Sie führen aber nicht zu einem Verlust der sexuellen Bedürfnisse.
Ähnliches gilt für die verringerte Produktion von Sexualhormonen bei Männern. Die Zeugungsfähigkeit bleibt bis ins höhere Alter erhalten. Aber selbst deren Verschwinden ist nicht identisch mit einem Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit.
Natürlich verändert sich Sexualität im Alter – aber sie verschwindet nicht einfach. Veränderungen ergeben sich hinsichtlich einer verringerten anfänglichen sexuellen Erregungsfähigkeit, einem möglicherweise geringer Ausprägung der Orgasmusfähigkeit und einem schnelleren Abflauen der Erregung.
Es scheint keinen Altersabfall der erotischen und sexuellen Bedürfnisse zumindestens bei der Gruppe der unter 75 jährigen zu geben. Danach ja, wobei dies mit den zunehmenden körperlichen Einschränkungen zusammenhängt.
Sexuelle Aktivitäten lassen nach in Abhängigkeit von Gesundheit, Partnerschaft, bisherigen Sexualgewohnheiten, Umgebung (Partner, in; moralische Reaktionen der Umwelt, Lebenssituation.
Ein weiterhin erfülltes Sexualleben kann ein wichtiges Signal für ein ungebrochenes Selbstbe-wußtsein sein. Fällt dieser Bereich weg, so entfällt ein wichtiger Lebensbereich. Wie schon weiter oben erwähnt wird Sexualität hier in einem umfassenden Sinn verstanden.
Der Verlust des Ehepartners ist eine zentrale Ursache für die Aufgabe sexueller Aktivitäten. Der Aufbau neuer Partnerschaften ist im Alter schwieriger und häufig weniger sozial akkzeptiert.
Dies gilt in verstärktem Maße für verwitwete Frauen. Zum einen sind weniger Witwer verfügbar, zum anderen ist hier die soziale Toleranz geringer. Einem Witwer wird eher zugestanden, dass er eine Frau braucht, die ihn versorgt. Auch entspricht es weniger dem gängigen Rollenbild, dass die Frau die aktive Rolle spielt.


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