Autor/in: Faber

Soziale Gerontologie Seite 4

Intrinsische und extrinsische Motivation

Unter intrinsischer Motivation versteht man die Eigenmotivation.

Ich tue etwas aus meinem eigenen Interesse heraus. Dabei kann es sich um ein angeborenes Bedürfnis oder um ein in erworbenes, entwickeltes Bedürfnis handeln.
Ich strenge mich an, weil ich Hunger habe und etwas zu essen finden will.
Ich strenge mich an, weil ich die Anerkennung meines Vaters suche.
Jedesmal handele ich aus einem innerem Antrieb heraus. Beim ersten Beispiel handelt es sich dabei um die Befriedigung eines angeborenen Bedürfnisses. Beim zweiten Beispiel um die Befriedigung eines erworbenen Bedürfnisses,

Unter extrinsischer Motivation versteht man eine Motivation durch äußere Anreize.

Ich tue etwas, weil ich etwas Bestimmtes erreichen möchte.

  1. Anerkennung,
  2. Belohnung.

Ich lerne, nicht aus Interesse am Stoff, sondern weil ich das Examen bestehen möchte oder ein Lob durch den Lehrer erhalten will.

Wird ein Verhalten intrinsisch gesteuert, so ist es stabiler; die Motivation ist größer.

Eine etwas schematischere Betrachtungsweise der Frage ‚was man unter Motivation versteht‘ bedient sich des Modells des Regelkreises.
Man vergleicht den Ist Zustand mit einem bestimmten Sollzustand und versucht dann durch eine Handlung eine Angleichung des Ist Zustandes an den Soll Zustand vorzunehmen .
So ähnlich wie die Temperaturregelung bei der Heizung.
Beispiel:
Man möchte Anerkennung durch die Mitschüler. Stellt fest, dass man eher gemieden wird und überlegt sich, wie man die Anerkennung der anderen erreichen kann. Hat man eine Idee, zum Beispiel alle zum Essen einzuladen, so setzt man diese um, um das angestrebte Ziel zu erreichen Hinterher überprüft man, inwieweit dies gelungen ist. Der jetzige Istzustand mit dem Sollzustand übereinstimmtGrafik

Die Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens:
Beim Säugling dürften die biologischen Grundbedürfnisse im Vordergrund stehen.

  1. Hunger
  2. Durst
  3. Wärme
  4. Schmerzfreiheit
  5. Zuwendung
  6. Oder allgemein: das Erreichen von Wohlbefinden

Während der Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter kommen weitere Interessen hinzu. Beziehungsweise vorhandene Bedürfnisse, Interessen werden ausdifferenziert.

  1. Vorliebe für Spaghetti
  2. Micky Mouse Filme
  3. Anerkennung durch Gleichaltrige
  4. Markenklamotten
  5. Sportliche Erfolge
  6. Lob durch den Vater
  7. Selbstbestätigung
  8. Beruflicher Erfolg

In der Liste sind sehr spezifische Wünsche, Interessen mit eher grundlegenderen Bedürfnissen gemischt, die als Antrieb, Motiv für ein bestimmtes Verhalten dienen.
Im Alter sind die Interessen aufgrund von Abbau und Einschränkungen möglicherweise wieder reduzierter. Im Vordergrund könnten stehen:

  1. Erhalt der eigenen Selbständigkeit
  2. Vermeidung von Überforderungssituationen
  3. Erhalten des eigenen Selbstbildes
  4. Gesundheit
  5. Vermeiden eines Umzugs ins Altersheim

Eine wichtige Aufgabe im Alter ist die Pflege und Erhaltung von Interessen. Menschen, die keine Motivation mehr besitzen, bauen schneller ab.
Motive können bewußt oder unbewußt sein:
Jemandem kann es wichtig sein, die Anerkennung einer bestimmten Person zu erhalten, ohne dass ihm dies als Grund für sein Verhalten bewußt sein muss.
Er könnte sagen, dass er den Englischkurs besucht, weil er die Sprache liebt und es könnte sein, dass das Hauptmotiv die Anerkennung durch den Chef ist.

Leistungsmotivation
Ein recht gut erforschtes Motiv ist die Leistungsmotivation. Ob jemand leistungsmotiviert ist oder nicht hängt naturgemäß sehr mit seinen bisherigen Lebenserfahrungen zusammen.
Hat man gelernt,

  1. dass Leistung zählt.
  2. dass Leistung belohnt wird.
  3. dass Leistung zum Erfolg führt.
  4. Dass man angestrebte Ziele erreichen kann

Oder, dass

  1. Leistung unwichtig ist,
  2. Leistung sich nicht lohnt,
  3. man die angestrebten Ziele nicht erreicht.

Der Antrieb zur Leistung kann sowohl aus der Hoffnung, Erfolg zu haben als auch aus der Angst vor Mißerfolg resultieren.
Ein mittlerer Grad an Leistungsmotivation erscheint für einen zu erwartenden Erfolg besonders günstig. Zu wenig Motivation schadet hier ebenso wie eine Übermotivation.
ZUM NACHDENKEN.
wie kann man bei alten Menschen Interessen fördern, aufrecht erhalten oder wieder erwecken?
Aufgabe: Wie kann man die Arbeitsmotivation in der Pflege fördern?
Auf welche Motive sollte man in der Altenpflege bauen ?

Zum Thema Motivation finden Sie Ergänzungen in Ihrem Lehrbuch S.52-58

11. Intelligenz
Definition
Eine gängige Definition von Intelligenz lautet:

Intelligenz als Fähigkeit, Schwierigkeiten in neuen Situationen zu überwinden

Frage: Handelt es sich um eine einzige Eigenschaft?
Hiervon ging man zunächst aus (Spearman)
Oder
Handelt es sich um eine Summe unterschiedlicher Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse.
Eine Auffassung zu der man heute neigt.
Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Intelligenz ausmachen wird durchaus unterschiedlich gesehen:
Vielleicht erinnern Sie sich noch an die vorgestellten Intelligenztests:
Einige konzentrieren sich auf ‚logisch – mathematisches Denken.
Andere enthalten unterschiedlichste Aufgabengruppen:

  1. Mathematische – logische Aufgabe (So müssen z.B. Muster oder Zahlenreihen vervollständigt werden).
  2. Erfassen von Wahrnehmungsfaktoren. (Erkennen unvollständiger Bilder, Nachlegen von Mustern, Puzzles)
  3. Räumliche Wahrnehmung
  4. Gedächtnisleistung, Merkfähigkeit (Nachsprechen von Zahlenreihen, Nachvollziehen von Handbewegungen, Wiedererkennen von Bildern )
  5. sprachgebundene Aufgaben  (Wortschatz, Inhaltserfassung)
  6. Konzentration
  7. Rechnerisches Denken
  8. Wissen

Einige Intelligenztests geben Zeitbegrenzungen vor, andere verzichten hierauf, bei wieder anderen erfolgt eine Zeitbegrenzung nur bei einem Teil der Aufgaben.
Sie sehen die Bandbreite ist groß.
Zwischenfrage: Mit welchen Test kommen Senioren, Seniorinnen vermutlich besser zurecht?

Intelligenztests:
Ergänzung zum Thema Tests:
(vgl. Skript S.17)
Der erste Intelligenztest stammt aus dem Jahre 1905 und wurde von einem gewissen Herrn Binet entwickelt.
mit dem Ziel Schulerfolg vorherzusagen
Zahllose weitere Intelligenztests sind diesem gefolgt.
Hatte man ursprüngliche versucht ein bestimmtes Intelligenzalter herauszufinden, das mit dem Lebensalter verglichen wurde, so setzte sich später der Begriff des Intelligenzquotienten durch.
Der Wert einer ‚durchschnittlichen Intelligenz‘ liegt hierbei bei einem IQ von 100.
Der mittlere Bereich liegt zwischen einem IQ von 85 und 115. In diesen Bereich fallen zwei Drittel der getesteten Personen.
Ein sechstel liegt darüber und ein sechstel liegt darunter.
Aber Vorsicht:
Dies hängt mit der Konstruktion der Tests zusammen. Diese sind bewußt so konstruiert, dass die meisten Menschen ein mittleres Ergebnis und wenige ein sehr schlechtes oder sehr gutes Ergebnis erzielen.
Die Intelligenz sollte sich genauso verteilen wie die Größe von Menschen und somit der Gaußchen Normalverteilung folgen.
Dies wird so vorgegeben!
Hinzu kommen:
unterschiedliche Konzepte verschiedener Intelligenztests. Nicht jeder Test misst das   gleiche.

und Messfehler
Deshalb gilt:
Vorsicht: Man sollte die Intelligenz eines Menschen nicht allein aufgrund eines Testergebnisses beurteilen.

Flüssige und kristallisierte Intelligenz
Catell unterscheidet zwischen:
flüssiger‘ Intelligenz
und ‚kristallisierter Intelligenz‘
Die flüssige Intelligenz umfaßt:
Fähigkeit Gelerntes umzustrukturieren, umsetzen
Fähigkeiten, schnell umzuschalten,
sich auf neue Situationen einzustellen.
Wendigkeit und Kombinationsfähigkeit
logisches, schlußfolgerndes Denken
Die kristallisierte Intelligenz umfaßt:
Fähigkeiten, die auf Erfahrungswissen beruhen.
Kenntnisse, Fähigkeiten, Allgemein und Erfahrungswissen, lesen, rechnen, schreiben
Wächst mit der Erfahrung
Es herrscht die Überzeugung vor, dass bei einem Intelligenzabbau im Alter vor allem die Bereiche der flüssigen Intelligenz betroffen sind,
während Fähigkeiten aus dem Bereich der verfestigten Intelligenz erhalten bleiben oder sogar noch ausgebaut werden können.
Probleme bereiten im Alter weiterhin Aufgaben, die unter Zeitdruck gelöst werden müssen .
Intelligenz ist trainierbar.
Hier gilt der berühmte Satz:
Wer rastet, der rostet
Strenge ich meinen Verstand an, benutze ihn regelmäßig, so bleibe ich länger fit.
Stichwort: lebenslanges Lernen

 

Angeboren oder vererbt?
Vgl. Skript S.25 und folgende
Wie kommt man zu seiner Intelligenz?
Intelligenz führt man zurück auf die Faktoren:

  1. Vererbung

und

  1. Umwelt

Beide wirken in einem komplizierten Wechselspiel zusammen.
Über die Gewichtung der beiden Faktoren finden sich sehr unterschiedliche Annahmen und Aussagen.
Die Vererbung gibt den Rahmen vor, der durch Umweltfaktoren ausgefüllt werden kann.
Eine gute Förderung dient dazu, die angeborenen Möglichkeiten auszuschöpfen
Kann aber nicht die angeborenen Grenzen außer Kraft setzen.
Eine gute Förderung ist in jedem Fall sinnvoll.
Je nachdem welchen Anteil der Intelligenz man auf Umweltfaktoren (insbesondere Förderung) zurückführt, wird man für die Förderung Gelder und Ressourcen zur Verfügung stellen oder nicht.
Dies gilt entsprechen für Senioren.
Drogen, Krankheiten, Demenz, Unfälle können eine Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten bewirken.
Diese Beeinträchtigungen können reversibel oder irreversibel sein.
Starker Streß, Anspannung und Ängste verhindern, dass das vorhandene Potential abgerufen werden kann.
Lehrbuch S.114-117

12. Kreativität
Kreativität wird oft als Fähigkeit bezeichnet, ungewöhnliche (und zweckmäßige Lösungen) zu entwickeln.
Es handelt sich um divergentes Denken: Nicht eine bestimmte Lösung wird gesucht, sondern verschiedene Lösungsmöglichkeiten und eben auch ungewöhnliche.
Will man Vokabeln lernen, so könnte man statt dies stur auswendig zu lernen, ein Vokabelquartett oder ein Vokabelpokerspiel entwickeln.
Im Gegensatz hierzu wird beim logisch – schlußfolgerndem oder konvergentem Denken die einzig richtige Lösung gesucht.
Beispiel: Mathematikaufgaben
Beispiel: Was kann man mit einem Ziegelstein anfangen
bauen wäre richtig aber nicht kreativ, da nicht ungewöhnlich
als Schlafmittel verwenden, indem man ihn jemanden vor den Kopf schlägt, wäre weder intelligent noch kreativ, da zwar ungewöhnlich aber nicht zweckmäßig
ihn Pulverisieren und den Staub als Rouge verwenden wäre kreativ.
Kreativität ist u.a. bei vielen technischen Erfindungen gefragt. Man verläßt eingefahrene Wege und erfindet etwas Neues. Statt Lasten zu tragen, erfindet man das Rad.
Bezogen auf die Kunst erscheint obige Definition von Kreativität eher zu eng. Künstlerisches schaffen ist nicht immer an Maßstäben der Zweckmäßigkeit zu messen. Und im Umgangssprachlichen ist Kreativität allgemeiner mit schöpferischem Gestalten gleichgesetzt.
Inwieweit und mit welchen Ansätzen wird Kreativität im Alter gefördert?
Hierzu fallen einem Theatergruppen, bildnerisches Gestalten, Schreiben, Photowerkstätten, Erstellen einer Seniorenzeitung und vieles andere ein.
Kreativität ist stark durch die jeweilige Biographie geprägt. Sie scheint im Alter nachzulassen. Es gibt aber Ausnahmen. Viele Künstler waren bis ins hohe Alter kreativ.
Bekannte Wissenschaftler und Forscher hatten ihre intensivste Schaffensphase dagegen in jüngeren Jahren wie Albert Einstein.

13. Gedächtnis
Ob man etwas im Gedächtnis behält, hängt auch davon ab, was dort hineingelangt.
Dies ist abhängig von der

  1. Wahrnehmung        was ich nicht sehe, höre, rieche usw. gelangt auch nicht in das                                     Gedächtnis.
  2. Interesse, Motivation
  3. Anstrengungsbereitschaft
  4. Konzentrationsfähigkeit
  5. Gesundheit, Fitness
  6. Lern und Merkstrategien

Ist ein Inhalt im Gedächtnis angelangt, so scheinen verschiedene Menschen diese Inhalte besser behalten und wieder abrufen zu können als andere. Die Wissenschaftler streiten  darüber, ob Menschen wirklich vergessen in dem Sinne, dass die Inhalte verloren gehen. Oder ob sie den Zugang verlieren.
Vergleichbar wäre dies damit, dass bei einem Computer Dateiinhalte zerstört oder aber der Pfad, um diese aufzufinden verloren geht. Zerstört werden Dateien beim Computer meistens dann, wenn die Festplatte kaputt geht. Ansonsten sind die Dateien auch noch nach dem sie gelöscht wurden vorhanden. Ob dies beim Gehirn genauso funktioniert, vermag ich nicht zu sagen .
Klar ist, dass mit einer Zerstörung der entsprechenden Gehirnareale auch die Gedächtnisinhalte verloren gehen. Zum Beispiel durch Verletzung, Drogen oder Erkrankungen.
Ebenso klar ist, dass Gedächtnisinhalte, die schon verloren schienen, wieder auftauchen  können. So erinnert man sich im Alter oft an sehr frühe Situationen. Kindheit und Jugend scheinen klarer aus einem Nebel anderer Erinnerungen wieder aufzutauchen.
Erinnerung umfaßt nicht allein Wissen. Sondern auch Emotionen und Verhaltenstendenzen. Man kann sich in einer Umgebung plötzlich traurig fühlen, in der man früher Trauer erlebt hatte. Oder man kann, wenn man im reifen Alter einen Ball sieht, versucht sein dagegen zu treten, wie man dies als Kind getan hat.
In ihrem Lehrbuch finden Sie eine Beschreibung des Gedächtnisses mit seinen verschiedenen Ebenen (S.117ff)

Die folgende Darstellung ist hieran orientiert

Grafik

Veränderungen im Alter:

  1. Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis lassen bei älteren Menschen nach.
  2. Ebenso wird der Übergang vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis schwieriger
  3. Es fällt schwerer, sich Neues zu merken.
  4. Dies hängt vom Training und Gesundheitszustand ab.
  5. Emotional bedeutsame Informationen werden besser gespeichert und können besser abgerufen werden. Dies gilt allgemein.
  6. Erinnerungen aus der Kindheit und der Vergangenheit tauchen wieder auf. Es kann sich um positive Erinnerungen handeln. Möglicherweise auch um ‚Unerledigtes‘.

Formen des Gedächtnisses
Beim Gedächtnis unterscheidet man zwischen:

  1. Faktenwissen /Semantischem Gedächtnis
  2. Episodisches Gedächtnis
  3. Prozedurales Gedächtnis
  4. Prospektives Gedächtnis

Möglicherweise auch noch zwischen

  1. Emotionalem Gedächtnis
  2. Verhaltensgedächtnis
  3. Situationalem Gedächtnis
  4. Moralischem Gedächtnis

Eine Besonderheit stellt das photographische Gedächtnis dar. Alles wird bildhaft eingeprägt. Quasi abfotografiert.
Merktechniken:

  1. Spruchreihen
  2. Alliterationen
  3. Verknüpfungen in Sätzen oder größeren Sinnzusammenhängen
  4. Verknüpfen von  Neuem mit Bekanntem

Und: Vergessen können, kann sehr sinnvoll sein.

Was Sie wissen sollten :
Die Stufen des Gedächtnisses, die Einflußfaktoren, die bewirken, dass etwas behalten wird. Die Veränderungen im Alter.

14. Emotionen/Gefühle
Wieso sind Emotionen in der Altenpflege wichtig. Altenpflege ist ein Job wie jeder andere auch. Es geht darum, dass der alte Mensch die notwendige Pflege erhält. Er muss seine Medikamente haben, gefüttert, gewickelt werden. Sauber sein. Mit Emotionen hat dies nicht zu tun. Der Altenpfleger wird für seine Arbeit bezahlt und nicht für seine Gefühle. Er ist dafür verantwortlich, dass die Pflege gut läuft, für Gefühle ist er nicht zuständig.
Dies könnte eine mögliche Behauptung sein.
Angesichts der fehlenden Zeit in der Pflege ansieht, könnte man zu dem Schluß kommen, dass für Gefühle kein Raum ist. Diese Behauptung stimmen könnte.
Eine deprimierende Aussage. Denn Gefühle sind in Beziehungen das wichtigste überhaupt. Und Pflege vollzieht sich in Beziehungen zwischen Pfleger, zu Pflegendem und Angehörigen.

14.1. Beziehungsdreieck

Grafik

Im Zusammenspiel zwischen Pflegepersonen, Angehörigen und den zu pflegenden Menschen spielen Emotionen, Gefühle eine große Rolle.

  1. Besteht ein Vertrauensverhältnis?
  2. Herrscht Mißtrauen?
  3. Besteht Konkurrenz, Eifersucht?
  4. Welche Ängste, Aggressionen gibt es?

Zu den gegenseitigen Gefühlen im Beziehungsdreieck kommen die jeweilig eigenen Grundbefindlichkeiten:
wie

  1. Verzweiflung bei einem Todkranken
  2. Eigene Lebenskrisen der Pfleger
  3. Permanente Überforderung der Angehörigen

14.2. Zur Entwicklung von Emotionen.
In Ihrem Lehrbuch finden Sie auf S.58 unten eine Darstellung über die Entwicklung von Gefühlen.
Hierbei wird die Auffassung vertreten, dass die Emotionen bei Kleinkindern noch sehr undifferenziert sind. Diese unterscheiden zwischen angenehm und unangenehm; Erregung und Beruhigung. Dabei wird eine zu starke oder zu schwache Erregung als unangenehm empfunden. Ein Zustand der eines emotionalen Gleichgewichts wird angestrebt. Erst mit der Entwicklung differenzieren sich Gefühle weiter aus.
Neuere Forschungen aus der Säuglingsforschung gehen von einer stärkeren Differenziertheit aus.
Frage: Was passiert mit den Emotionen im Alter?
Verflachen diese, werden diese intensiver oder bleiben sie unverändert.
Welche Auffassung vertreten Sie?

14.3. Die verschiedenen Seiten der Emotionen

(vgl. auch Lehrbuch S.59/60)

Grafik

Zwischen Gefühlen, Verhalten, Denken und physiologischen Reaktionen bestehen vielfältige Wechselwirkungen. Dies wird am Beispiel einzelner Gefühle verdeutlicht werden.

Beispiele für Gefühle

  1. Angst,
  2. Furcht,
  3. Rache,
  4. Aggression,
  5. Wut,
  6. Zorn,
  7. Einsamkeit,
  8. Langeweile,
  9. Trauer,
  10. Hilflosigkeit,
  11. Scham,
  12. Schuldgefühle.
  13. Glück,
  14. Freude,
  15. Dankbarkeit,
  16. Zufriedenheit,
  17. Erfülltheit,
  18. Stolz …….

Jedes dieser Gefühle ist mit bestimmten Gedanken, Körperreaktionen und Verhaltenstendenzen gekoppelt. Diese beeinflussen sich gegenseitig.

Was Sie wissen sollten:
Sie sollten die verschiedenen Ebenen der Emotionen und ihr Zusammenwirken beschreiben können. Sie sollten wissen wie Emotionen im Beziehungsdreieck der Pflege wirken. Sie sollten einige Emotionen benennen können.

14.4. Angst
Angst gehört zum menschlichen Leben , ein angstfreies Leben scheint schwerlich vorstellbar. Dabei wird Angst in der Regel negativ gesehen.
‚Sei doch kein Angsthase‘ ‚Stell dich nicht so an‘.
Wenn aber Angst zu unserer Grundausstattung gehört, so muss sie einen Sinn haben. Aber welchen?
Angst ist ein wichtiges Alarmsignal:
‚Pass auf, es könnte gefährlich werden‘.
Angst mahnt uns zur Vorsicht. Und rein physiologisch bereitet sie unseren Körper auf Abwehr, Flucht oder Angriffsreaktionen vor (vgl. Streß).
Reaktionen, die stammesgeschichtlich wichtig waren, es heute aber nur noch teilweise sind. Angst zeigt eine mögliche Gefahr an. Dabei ist es weniger wichtig, ob diese Angst berechtigt oder unberechtigt sein mag, wichtig ist die persönliche Einschätzung oder, da sich nicht immer alles bewußt abspielt, auch die persönliche Verhaltensbereitschaft. Was den einen ängstigt, mag den anderen noch lange nicht bange machen.
Daneben scheint es auch Situationen zu geben, die generell Angst auslösend sind.
Angst hat verschiedene Ebenen:

Emotionen, Gefühle eben Angstgefühl, Panik
Gedanken ‚es wird etwas schlimmes passieren‘
Verhalten wie Weinen, weglaufen, sich verstecken
Körpergefühle wie Herzklopfen, schwitzen, schnelle Atmung..

Typische Erwachsenenängste sind:

  1. Zukunftsängste,
  2. Ängste vor Überforderung,
  3. Angst vor Neuem und Unbekannten,
  4. Ängste zu versagen, Ängste, sich zu blamieren,
  5. Verlustängste,
  6. Ängste vor kleineren und größeren Tieren,
  7. Ängste bei engen Räumen,
  8. Ängste über freie Plätze zu gehen
  9. oder auch diffuse Angstzustände, die sich nicht an bestimmte Auslöser koppeln lassen.

Ängste sind unterschiedlich stark ausgeprägt und schränken uns im Alltag mehr oder weniger stark ein.
Gering ausgeprägte Ängste (z.B. vor Versagen) mögen im Sinne eines leichten Streßfaktors hilfreich sein, etwas zu tun.
Andere Ängste, wie nachts allein im Dunkeln unterwegs zu sein, mögen uns vor heiklen Situationen schützen.
Ängste, wie die Angst in Fahrstühlen zu fahren, uns in unserem Handeln mäßig einschränken.
Soziale Ängste, wie sich zu blamieren, zum sozialen Rückzug führen
und extreme Ängste wie Angst vor freien Plätzen unsere Lebensqualität erheblich einschränken.

Angst entsteht in Situationen, denen wir uns nicht gewachsen fühlen, die uns überfordern, die fremd sind und die wir nicht einordnen können, wenn Unsicherheiten bestehen.

Dabei gilt: was der eine mit Angst und Sorge betrachten mag, kann für einen anderen durchaus Neugierde hervorrufen und als Herausforderung angesehen werden. Wir Menschen sind eben sehr unterschiedlich und dies macht die Sache ja auch spannend.
Angst ist wichtig
Angst kann ein wichtiger Hinweis sein. Da ist etwas komisch, nicht in Ordnung oder bedrohlich. Sie bereitet einem darauf vor vorsichtig zu sein, aufzupassen, wegzugehen (Flucht) oder zu handeln (Angriff). Hier sind auch die physiologischen Reaktionen von Angst wie Erhöhung des Herzschlags, Verlagerung des Blutflusses in die Muskulatur usw. einzuordnen, die auf eine Reaktion vorbereiten.
Altersängste
Wenn Ängste viel mit möglichen Überforderungen, Veränderungen, Verlusten zu tun hat, so ergeben sich zwangsläufig besondere Risiken für Angstentwicklungen im Alter
Typische Ängste wären:

  1. Angst vor Krankheiten
  2. Angst vor Abhängigkeiten
  3. Angst vor Überforderungen
  4. Angst vor dem Tod
  5. Angst vor Verlust von Partner, Tode, Wohnung, eigenen Fähigkeiten, Selbständigkeit
  6. Angst vor Schmerzen
  7. Angst vor Einsamkeit

Es hat keinen Sinn Menschen – auch älteren – ihre Ängste ausreden zu wollen. Man muss Ängste ernst nehmen. Sie brauchen ihren Raum, müssen ausgesprochen werden können. Nur wenn man über Ängste redet, kann man sie mildern. Dabei sollte man sich nicht in den Ängsten verlieren. Es ist wichtig, sie an der Realität zu messen, andere Perspektiven dagegen zu setzen, Zukunftsperspektiven entwickeln.
Auch kann man versuchen möglichst positive Rahmenbedingungen zu schaffen, um Ängsten entgegenzuwirken; Sicherheit zu bieten. Wer sich angenommen und sicher fühlt, der kann auch neue Schritte gehen.

Was Sie wissen sollten:
Sie sollten die Grundfunktion von Angst benennen, die verschiedenen Ebenen von Angst und ihre Wechselwirkungen beschreiben können. Sie sollten wissen, welche Ängste im Alter in den Vordergrund treten.

14.5.. Aggressionen
Aggressionen gehören ebenfalls zur Grundausstattung des Menschen Das heißt es gibt eine genetische Grundlage (erbliche Ausstattung) für Aggression
Aggressionen werden meist negativ gesehen und wecken negative Assoziationen wie:

‚der ist so furchtbar aggressiv‘, unsozial‘, ‚unberechenbar‘, ‚gewalttätig‘.

Aggression:

Aggression in diesem Sinne ist:

  1. gegen andere gerichtet,
  2. gegen Sachen
  3. gegen die eigene Person
  4. Aggression setzt eine Absicht voraus.

Es handelt sich somit um ein Verhalten mit der Absicht anderen zu schaden. Dies kann sich gegen Sachen oder Personen richten

Wut und Aggression
Wut ist unspezifischer, dient der Spannungsabfuhr und ist nicht unbedingt zielgerichtet.
Positive Assoziationen zur Aggression sind:

  1. Durchsetzungsvermögen‘,
  2. ‚Stärke‘.

Aggressionen und andere Gefühle
Hinter Aggressionen können sich Ohnmacht, Unsicherheiten und Angst verbergen.
Aggressionen gehören zum Leben; zur Basisausstattung des Menschen. Ohne die Fähigkeit sich durchzusetzen hätte die Menschheit kaum überlebt. Die Aggression bedarf aber der Korrektur durch das soziale Miteinander.
Aggression und Lernen
Neben angeborenen Komponenten stellt Lernen eine Ursache von Aggression dar.
Aggressiv wird,
wer selbst Aggression erfahren hat. (Modelllernen)
wer gelernt hat, dass man sich mit Aggressionen durchsetzen kann (Lernen am Erfolg)
wer in einem aggressiven Klima lebt. (Modelllernen)
Der Umgang mit den eigenen Aggressionen wird gelernt. Eben so tragen Erziehung und Sozialisation zur Ausprägung aggressiven Verhaltens bei. (vgl. Kapitel Lernen). Ist aggressives Verhalten erfolgreich, so wird es verstärkt auftreten. (Lernen am Erfolg). Aggressive Modelle werden unter bestimmten Voraussetzungen übernommen (Lernen am Modell)

Die Frustrations-Aggressionshypothese:
Diese ergänzt die lern theoretischen Erklärungen und befaßt sich mit der emotionalen Seite der Aggressionen.
Aggressiv wird,
wer nicht bekommt, was er möchte
wer nicht kann, was er möchte
wer nicht darf, was er möchte
Diese drei Aspekte führen häufig zu aggressivem Verhalten – aber auch möglicherweise zu Rückzug und Resignation in Abhängigkeit von der eigenen Lerngeschichte.
Überträgt man dies auf alte Menschen, so wird deutlich, dass sich diese häufig in Situationen befinden, nicht zu bekommen, nicht zu können oder nicht zu dürfen, was sie möchten. Bedingt durch eigene Defizite oder durch Einflüsse, Bedingungen der Umwelt.
Aggressivität älterer Menschen ist somit eine mögliche Reaktion auf die eigene Hilflosigkeit. Eine andere Reaktion wäre Resignation und Rückzug.
Aggression in der Pflege
Mangelverwaltung in der Pflege kann zu (An)Spannungen bei Personal und alten Menschen führen. Aggressionen sind vorprogrammiert.
Überforderung der Angehörigen mündet in Hilflosigkeit und möglicherweise in Aggression. Zu Aggressionen kommt es dabei nicht aus bösem Willen, sondern häufig aus Überforderung.
Autoaggression
Unter Autoaggression versteht man gegen die eigene Person gerichtetes aggressives Verhalten wie:

  1. selbstverletzendes Verhalten (z.B. Ritzen)
  2. Suizid
  3. Suchtverhalten
  4. Riskante Lebensweisen

Was Sie wissen sollten:
Sie sollten Aggression definieren können
Die Ursachen für aggressives Verhalten beschreiben können
Wissen was man unter Autoaggression versteht.
Sie sollten positive und negative Aspekte der Aggression beschreiben können, ebenso die Bedingungen für Aggression in Alter und Pflege.

14.6. Emotionale Intelligenz
Ist ein Begriff, der von Daniel Goleman als Buchtitel verwendet wird. Er meint, dass Gefühle manchmal ein wirkungsvollerer und direkterer Ratgeber sein können als unser Verstand.

Gefühle, Emotionen als wichtiger Ratgeber

Sie sind wesentlich älter als das im menschlichen Großhirn angesiedelte logische Denken.
Die ursprünglichen emotionalen Zentren waren und sind im Zwischenhirn angesiedelt. Bei Streßsituationen reagieren wir spontan auf dieser Ebene. Das Großhirn, das normalerweise mit die Kontrolle über emotionale Reaktionen ausübt, wird nicht gefragt, da dies zu lange dauern würde.
Geschätzt den Fall, ich laufe über eine Straße und sehe im linken Augenwinkel einen sich schnell bewegenden Schatten näher kommen, werde ich mich möglicherweise schnell auf die Seite werfen, da der Schatten das Gefühl der Bedrohung auslöst. War der Schatten z.B. ein Bus, so war dies sinnvoll. Es musste schnell gehen und es war keine Zeit, die Situation genauer zu analysieren.
War der Schatten kein Bus, sondern ein Vogel, so war die Reaktion vielleicht peinlich, aber nicht weiter schlimm.
Übersetzt in die Sprache der Emotionen würde bedeutet dies, dass eine Wahrnehmung Angst erzeugt. Und hierauf eine unmittelbare Reaktion erfolgt, ohne lange mit dem Verstand zu prüfen, ob die Angst berechtigt ist oder nicht.
Es kann hierbei zu Fehlreaktionen kommen:
Befinde ich mich in einem fremden Land und eine Gruppe junger Leute unterhält sich lautstark – in meinen Ohren aggressiv – so könnte ich Angst bekommen und weglaufen, ohne mir klar zu machen, dass die Lautstärke der Sprache etwas mit südlichem Temperament und die Tatsache, dass die jungen Leute herumhängen mit der verlängerten Mittagspause in südlichen Ländern zu tun hat.
Der Begriff der sozialen Intelligenz meint jedoch mehr als das Umgehen des Verstandes.
Goleman umschreibt hiermit Eigenschaften, wie wir sie auch bei Rogers bei seiner Beschreibung der nondirektiven Therapie finden:

  1. Erkennen eigener Gefühle/Selbstwahrnehmung
  2. Umgang mit den eigenen Gefühlen, diese wahrnehmen, ohne sich überfluten zu lassen
  3. Emotionen in die Tat umsetzen. Handlungsfähig bleiben
  4. Empathie als Fähigkeit, sich in andere einfühlen zu können, ohne sich selbst zu verlieren.

Beispiel: Sie müssen bei einem Kranken erstmals eine Kanüle legen und sind natürlich etwas unsicher. Mögliche Gedanken wären. Hoffentlich klappt alles, hoffentlich mache ich nichts verkehrt. (Gefühle der Angst und Unsicherheit) Nach Goleman ist es wichtig, die Gefühle wahrzunehmen, ohne sich darin verlieren.
Letzteres würde bedeuten, sich immer mehr in die eigene Unsicherheit hineinzusteigern und letztendlich nicht in der Lage zu sein, die Spritze zu setzen. Nehme ich das eigene Gefühl nicht wahr, kann ich umgekehrt zu schnell und forsch handeln und ebenfalls einen Fehler machen. Ebenso, wenn ich mich zu sehr in den alten Menschen hineinfühle; der muss jetzt


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