Autor/in: Torsten F.

Umgang mit MRSA / ORSA

MRSA / ORSA

Bei MRSA / ORSA handelt es sich um Multi-resistente Staphylococcus-Aureus oder Oxacillin-resistente Staphylococcus-Aureus Stämme. Diese Staphylococcus Aureus Stämme sind resistent gegenüber Antibiotika. Bei der Oxacillin Resistenz ist der Staphylococcus Aureus Stamm resistent gegenüber Antibiotika auf der Basis von Oxacillin. Bei der Multiresistenz ist der Stamm gegenüber mehreren Antibiotika resistent.
Staphylococcus Aureus kann lokale wie generalisierte Infektionen hervorrufen. Er ist ein gefürchteter Erreger von Nosokomial Infektionen.
Eine Nosokomial Infektion (griech.: Im Krankenhaus erworbene Infektion) führt in Deutschland zu ca. 20.000 Todesfällen. Knapp ein Drittel davon wäre vermeidbar – vorwiegend durch hygienegerechtes Verhalten des gesamten medizinischen Personals.
Lokalinfektionen durch Staphylococcus Aureus Stämme sind Wundinfektionen, Furunkel, und Karbunkel (abszedierende Haarbalg Entzündungen) sowie die Impetigo contagiosa (eitrige Hautentzündung bei Kindern). Sie neigen zur eitrigen Einschmelzung mit Abszessbildung. Bei einem Befall der Schleimhäute befallen, entsteht z. B. die eitrige Bindehautentzündung.
Lebensgefährliche Komplikationen mit Staphylokokken Infektionen ist die Einschwemmung von Staphylokokken in die Blutbahn mit nachfolgender Sepsis oder Endokarditis mit oft rascher Herzklappenzerstörung.
Zu unterscheiden ist grundsätzlich eine Kolonisation (Erregernachweis ohne Krankheitswert) und eine Infektion (Erregernachweis und/oder klinische Infektionszeichen).


MRSA Screening

Ziel:
Ziel des MRSA Screening ist es, MRSA Patienten frühzeitig zu erkennen und ein Verschleppen der Keime einzudämmen respektive zu verhindern.

Bei diesem Screening werden vor allem Personen aus den Risikogruppen getestet. Zu diesen Risikogruppen zählen:

  • Patienten mit einer MRSA-Besiedlung /-Infektion in der Vorgeschichte
  • Patienten mit chronischen Durchblutung-bedingten chirurgischen respektive diabetischen Ulzera respektive Tracheostoma
  • Patienten aus anderen Gesundheitseinrichtungen (Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser)

Material:

  • Formular: Untersuchungsauftrag ORSA (siehe Anlage1)
  • Tupfer mit Transportmedium

Probeentnahmestellen:

  • Nasenvorhöfe                     1 Tupfer
  • Rachen                                 1 Tupfer
  • Achseln                                 1 Tupfer
  • Perianalregion                     1 Tupfer
  • Wunde (n)                            jeweils 1 Tupfer
  • Punktionsstelle (n)              jeweils 1 Tupfer
  • Urin bei künstlicher Harnableitung

Maßnahmen bei positiven oder bekannten Patienten mit MRSA

Die Versorgung und der Umgang von Patienten mit MRSA richtet sich nach den internen Hygieneleitlinien vom 18. Juli 2005 der Projektgruppe „Hygiene“ der XXXXXXXXXXXXX.
Zuständig für die Einhaltung und Umsetzung dieser Hygiene Leitlinien ist jeder im Krankenhaus tätige Mitarbeiter und insbesondere das tätige Pflegepersonal.
Für die „XXXXXXXXXXXXX GmbH XXXXXXXXXXXXX“ sind primär Herr Dr.XXXXXXXXXXX als ärztlicher Direktor, Frau XXXXXXXXX als Hygienefachkraft und Herr XXXXXXXXX als Geschäftsführer verantwortlich für die Entwicklung, Verbreitung und Umsetzung dieser Hygiene Leitlinien. Diese Personen stellen sicher, dass auf den Stationen in den Krankenhäusern der XXXXXXXXXXXXX, das nötige Fachwissen, die Materialien und die Voraussetzungen für die Einhaltung der Hygienerichtlinien vorhanden ist.

Ziel:

  • Das Ziel ist es, dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderlichen Hygienemaßnahmen im Umgang mit MRSA, standardisiert umzusetzen.
  • Patienten, die mit MRSA infiziert sind rechtzeitig als solche zu identifizieren.
  • Keimübertragungen zu vermeiden.
  • Eine Dekontamination und adäquate Therapie zu erreichen.
  • Patienten und Angehörige zu informieren.

Durchführung:

Der Patient wird isoliert. Mehrere Patienten mit derselben Diagnose können zusammen untergebracht werden.
Der Patient darf eigenständig das Zimmer respektive die Station nicht verlassen. Besucher und Personal legen vor dem Betreten des Zimmers (außerhalb des Zimmers) einen einmal Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz, Haube und Einmalhandschuhe an. Es werden mehrfach Kittel benutzt, so werden diese im Zimmer gelagert. Im Eingangsbereich des Zimmers befindet sich eine Fußmatte getränkt mit Desinfektionslösung, die man bei Betreten des Zimmers betritt und bei Verlassen des Zimmers betritt. Vor dem Verlassen des Zimmers innerhalb des Zimmers werden einmal Kittel, Haube, Mund-Nasen-Schutz, Einmalhandschuhe in einem speziellen Abwurfbehälter entsorgt. Dieser Abwurfbehälter verbleibt im Zimmer.

Entkleiden

Das Zimmer wird mit einem Schild „Besondere Hygienemaßnahmen-Besucher bitte beim Stationspersonal melden.“ versehen. Krankenhauswäsche (Nachthemd, Kopfkissen etc.) werden innerhalb des Zimmers in einen speziellen Wäschesack (Aufschrift: kontaminierte Wäsche) innerhalb des Zimmers entsorgt. Müll wird in einem verschlossenen Sack entsorgt. Krankenakte außerhalb des Zimmers belassen. Materialien wie z. B. RR Gerät verbleiben im Zimmer. Bei Verlassen des Zimmers hygienische Händedesinfektion durchführen (auch Angehörige darin unterweisen). Im Zimmer befindet sich ein eigener Pflegewagen. Dieser verbleibt im Zimmer. Materialien, die man von außen in das Zimmer bringt, verbleiben im Zimmer.

Schutz vor Kontamination

Hygienische Händedesinfektion

(siehe Arbeitsauftrag hygienische Händedesinfektion)

  • Vor und nach pflegerischen, therapeutischen oder diagnostischen Maßnahmen am Patienten
  • Nach direktem Kontakt mit kontaminierten oder möglichen kontaminierten Oberflächen, Materialien und Instrumenten
  • Nach dem Ablegen von Einmalhandschuhen, Mund-Nasen-Schutz, Schutzkleidung

Schutzkittel /-Kleidung

  • Langärmelige Schutzkleidung mit Bündchen, bei Bedarf zusätzlich Flüssigkeit-durchlässige Schürze
  • Zu tragen bei Betreten des Isolierzimmers sowie bei Kontakt mit Patient.
  • Bei Kontakt mit kontaminierten oder möglicherweise kontaminierten Oberflächen, Materialien und Instrumenten
  • Schutzkleidung verbleibt im Isolierzimmers, sie wird personenbezogen aufgehängt, mit der Außenseite nach außen.
  • Einmal-Kittel werden im Zimmer entsorgt.

Einmalhandschuhe

  • Bei direktem Patientenkontakt
  • Bei Kontakt mit kontaminierten oder möglicherweise kontaminierten Oberflächen, Materialien und Instrumenten
  • Handschuhe vor Verlassen des Zimmers entsorgen

Mund- und Nasenschutz

  • Vor Betreten des Zimmers anlegen
  • Vor Verlassen des Zimmers entsorgen

Haarschutz Haube

  • Vor Betreten des Zimmers anlegen
  • Vor Verlassen des Zimmers entsorgen

Bei geplanten Aufenthalten im Zimmer ohne direkten Patientenkontakt oder kontaminierten Flächen wie z. B. …beim Essen verteilen oder Kommunikation können die o.g. Maßnahmen, bis auf die hygienische Händedesinfektion eingeschränkt werden.

Untersuchungen respektive Verlegung innerhalb des Krankenhauses

1. Allgemein

Untersuchungen etc. werden so weit wie es geht im Patientenzimmer durchgeführt. Transporte außerhalb der Station werden vermieden.
Sind Transporte nicht zu umgehen, werden diese so weit wie möglich im Rollstuhl durchgeführt. Wenn der Transport im Bett erfolgen muss, so wird das Bett frisch bezogen.

Zu Transporten außerhalb der Station trägt der Patient einen Nasen-Mund-Schutz. Die Pflegeperson trägt außerdem den Kittel, die Haube, Nasen-Mund-Schutz sowie die Einmalhandschuhe. Der Transport erfolgt rasch und auf direkten Weg. Der Patient wird gebeten, unterwegs nichts anzufassen. Untersuchungen etc. werden am Ende des Tagesprogramms durchgeführt. Das Personal in den Funktionsbereichen wird vorher telefonisch informiert. Wartezeiten z. B. beim Röntgen werden auf das absolut notwendige Minimum reduziert.
Wird ein Patient innerhalb des Krankenhauses verlegt, so gelten die oben genannten Maßnahmen. Zusätzlich werden die persönlichen Gegenstände in einem luftdichten Plastiksack transportiert.

Pflege von MRSA betroffene Menschen (Dekontamination)

Alle Dekontamination-Maßnahmen sind auf Anordnung des Arztes zu treffen. Beim Einsatz der genannten Produkte sind die Herstellerangaben zu beachten und einzuhalten. Zu beachten ist, dass die Pflege unter Einhaltung der Isolierung Vorschriften erfolgen muss.

Ziel:
Behandlung von Haut und Schleimhaut zur Reduktion oder Beseitigung resistenter Flora.

Durchführung:

Kolonisation der Nasenvorhöfe

  • Mupirocin-Nasensalbe (z. B. Turixin-Nasensalbe) 3X täglich über 5 Tage in beide Nasenvorhöfe.

Kolonisation der Haut

  • Ganzkörperwaschung mit antiseptischer Waschlotion 1X täglich über 5 Tage inkl. Haarwäsche mit dieser Waschlotion.
    – bei intakter Haut Stellisept scrub
    – Bei Hautdefekten, Octenisept.

Kolonisation des Mund- und Rachenraumes

  • Mund und Rachen Spülung mit Chlorhexitidin Lösung  3X täglich über 5 Tage

Kolonisierte respektive infizierte Wunden oder Organe

  • Für die Therapie ist die Rücksprache mit dem Krankenhaushygieniker erforderlich.
  • Sonst geht man wie bei der Ganzkörperwäsche vor (siehe Arbeitsauftrag Körperpflege).

Verhinderung von einer neuen Kolonisierung

Bettwäsche, Bekleidung, Handtücher und Waschlappen:

  • Mindestens 1X täglicher Wechsel insbesondere nach der Ganzkörperwäsche

Pflegeutensilien:

  • Verbleiben im Patientenzimmer
  • 1X tägliche Desinfektion

Persönliche Gegenstände des Patienten:

  • 1X tägliche Desinfektion

Rasur und Zahnpflege:

  • Immer 1X Rasierer verwenden
  • Immer 1X Zahnbürsten verwenden.

Patientennahe Bereiche

  • 1X wöchentl. Wisch Desinfektion.

Dokumentation und Meldepflicht

  • Die Körperpflege wird mit dem Formular „Dekontamination-Schema für Patienten mit positiven MRSA dokumentiert und wird in der Kardex des Patienten hinterlegt.  (siehe Anlage 2)
  • Der Bereich (ärztlicher Dienst) meldet den Keimnachweis an den Hygienebeauftragten Arzt.
  • Der Hygienebeauftragte Arzt informiert die Pflegefachkraft.
  • Alle Maßnahmen wie Art der Isolierung, Abstrich-Untersuchungen, Dekontamination-Maßnahmen sind vom ärztlichen Dienst anzuordnen. Eine durchgehende Dokumentation in der Patientenakte ist durchzuführen.
  • Bei mehr als 2 Patienten mit MRSA und einem anzunehmenden epidemiologischen Zusammenhang ist eine Meldung durch den behandelnden Arzt an das Gesundheitsamt erforderlich.

Aufhebung respektive Lockerung der Isolierung

Die Maßnahmen zur Isolierung können frühestens 72 Std. nach Abschluss der Behandlung an 3 aufeinander folgenden Tagen mit negativen MRSA Abstrich befunden aufgehoben werden. Bei einem positiven MRSA Abstrich ist dem Dekontamination-Schema wieder von vorne zu folgen. Erforderlich ist immer eine Absprache mit dem behandelnden Arzt und der Mitglieder der Fachgruppe Hygiene der XXXXXX.

Rechtliche Aspekte

Da eine Isolierung von Patienten in einem Zimmer einer Freiheitsberaubung nachkommen, da sich der Patient nicht frei bewegen kann, ist der Patient über die Sinnhaftigkeit der Maßnahme zu informieren. Der Patient muss seine Einwilligung zu dieser Maßnahme geben. Ist der Patient nicht bereit, diese Maßnahmen zu unterstützen und hält sich nicht an die Maßnahmen, insbesondere der Isolierung, so verstößt der Patient gegen den Behandlungsvertrag der XXXXXX, entsprechende Maßnahmen sind zu ergreifen.

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