ROT – Realitätsorientierungstraining
(geeignet für das 1. Stadium der Demenz)
Definition:
ROT ist die Aktivierung geistiger Leistungsfähigkeit zur Bewältigung und Strukturierung des Alltags. Der Schwerpunkt von ROT liegt in der Gegenwart.
ROT wird präventiv, begleitend und rehabilitativ eingesetzt.
24h – Programm
- Tagesablaufstrukturierung
- Einzeltraining
- Gruppentraining
Möglichkeiten des ROT (erklärt die Methode insgesamt)
- der gesamte Wohnbereich und der Tagesablauf werden unter dem Gesichtspunkt der Neuorientierung alter Menschen gestaltetet
- die Strukturierung der Umgebung kann erfolgen mit großen Kalendern und Uhren, Farbsystemen, der ROT – Tafel, Namensschildern, Bildern aus der Vergangenheit
- das Lesen und Verstehen der Orientierungshilfen muss regelmäßig und behutsam geübt werden
- Regelmäßigkeiten und Gewohnheiten geben dem Betroffenen Sicherheit, deshalb ständig wiederkehrende Ereignisse im Heimalltag (Aufstehen, Morgentoilette, Essen stets in gleicher Weise ablaufen lassen, fester Zeitplan)
- den Verwirrten nicht aus seiner Welt holen
- den Verwirrten nicht überfordern
- allgemeine Grundsätze im Umgang mit Verwirrten beachten
Ziele von ROT
- Aktivierung kognitiver Leistungsfähigkeit
- Erhaltung der Alltagskompetenz
- Förderung und Erhaltung des sozialen und gesundheitlichen Status
- Steigerungen von Konzentration und Orientierung
- Reduktion von Angst und Stress
- Vermeidung von Verletzungen
- verbesserte Merkfähigkeit durch Einsatz von Merkhilfen
Beurteilung kognitiver Einschränkungen
- AEDL’s genau beobachten
- Merkfähigkeit und Vergesslichkeit
- Selbstpflegefähigkeit
- Haushaltsführung
- Mobilität
- Umgang mit Finanzen
- soziale Kompetenz
- Bedarf an Orientierungshilfen
- Defizite im Orientierungsvermögen (zeitlich, örtlich, situativ, persönlich)
Bei ausgeprägter Verwirrtheit, erhöht sich auch das Verletzungsrisiko, es gibt Kontinenzprobleme, Fehl- oder Mangelernährung.
Der geeignete Personenkreis für ROT
Menschen …
- Mit Einschränkung des Kurzzeitgedächtnisses
- die Vergesslichkeit als ärgerlich oder bedrohlich empfinden
- mit Einschränkung der Alltagskompetenz
- denen das Zuordnen von Personen schwerfällt
- mit Mangel an Selbstpflege
- Präventiv für „jüngere“ Menschen
ROT in der Praxis
- Eindeutige, sinnvoll strukturierte Anweisungen für jeweils einen Arbeitsschritt
- Kurze und eindeutige Sätze verwenden
- klare Stimmlage
- Stresssituationen vermeiden
- nicht ungeduldig oder hektisch
- mangelhafte Vorbereitung oder Maßnahmen meiden
- Bezugspflege umsetzen
- bei jeder Gelegenheit Informationen geben (z. B. „Guten Morgen Frau Mayer, heute ist Dienstag.“)
- direktes Ansprechen steigert die Aufmerksamkeit, Blickkontakt
- den Betroffenen nicht korrigieren (fördert sonst Rückzug)
- Aktivitäten möglich allein ausführen lassen
ROT im 24-Stunden-Programm
- Strukturierung des Tagesablaufes
- gut ausgearbeiteter Wochenplan erleichtert die Strukturierung der Arbeitszeit, die Personaleinteilung und Planung besonderer Aktivitäten
- Wochenplan in Gemeinschaftsräumen für jeden gut zugänglich anbringen
- individuelle Wünsche und Bedürfnisse des Klienten berücksichtigen
- Ressourcen der Pflegekräfte berücksichtigen
ROT als Einzeltraining
- Steigerung der Selbstständigkeit
- Fördern der Selbstachtung
- Verhindern von Exsikkose, Fehl- und Mangelernährung
Beispiele
- beim Waschen und Kleiden, Handlungsabläufe gemäß der individuellen Pflegeplanung umsetzen
- Merkhilfen verwenden
- Toilettengänge berücksichtigen
- Umgang mit Inkontinenzartikeln trainieren und/oder erlernen
- Mahlzeiten gemeinsam zubereiten
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr (feste Zeiten, was gern getrunken wird)
- geeignete Zwischenmahlzeiten einhalten
- Mahlzeiten in ruhiger Atmosphäre einnehmen lassen (nicht mehr als 6 Personen pro Tisch)
ROT in der Gruppe
- Gruppe mit 4–8 Personen
- 30-60 Minuten Dauer
Inhalte
- Gedächtnisübungen (Informationsaufnahme, Merkfähigkeit)
Benutzung der ROT – Tafel
- im Eingangsbereich, als Wandtafel oder direkt für eine Beschäftigung
- Pflegeheimname: …………………………….. Name
- Heute ist: ………………………………………… Wochentag
- Datum: ……………………………………………
- Jahr: ……………………………………………….
- Das Wetter ist: …………………………………. kalt, neblig, klar etc.
Ablauf des ROT in der Gruppe
- alle Personen stellen einander vor
- gemeinsames Lesen der ROT-Tafel
- Thema zur Diskussion stellen oder anbieten
- Unterbrechung der Sitzung durch Erfrischungspause
- Abschluss mit gemeinsamem Musikhören oder Singen
Methodische Hinweise
- Schulatmosphäre vermeiden
- Spielerische Gestaltung
- Anschauungsmaterial zur Gestaltung der Unterhaltung nutzen
- Verbindungen zum Lebensalltag spüren lassen
Weitere Quellen zum ROT Realitätsorientierungstraining
Realitätsorientierungstraining – Wikipedia
Standard „24-Stunden ROT / Gruppen-ROT“ (stationäre Pflege)
Standardpflegeplan „schwere Demenz“
