Autor/in: Vincenzo Rätscher

Notfallsituationen in der Pflege

Man sollte mit dem alten Menschen, den Angehörigen od. Betreuer abklären, welche Wünsche od. Vorstellungen sie für eventuellen Notfall haben. Bei einem Notfall ist es wichtig, dass eine dem alten Menschen vertrauten Person beim ihm bleibt. Prüfung der Vitalfunktionen: für das Leben notwendige Körperfunktionen, Störung der Atmung u. des Herzkreislaufs.

Kreislaufstillstand: Pulslosigkeit an großen Arterien, ohne messbaren Blutdruck, mit blass gräulichen Hautverfärbungen

Atemstillstand: fehlende Atemtätigkeit, blau-rote (zyanotische) Hautverfärbungen

  • Nennen Sie die meisten vorkommenden Notfallsituationen in der Altenpflege (mit je 3- 4 möglichen Ursachen u. Maßnahmen).
  • Atemnot:

Urs= Herzinsuffizienz, schwere Bronchitis, Pneumonie, akuter Asthmaanfall, Lungenembolie, Aspiration, Pneumothorax u. Kopfverletzungen


Maßnahmen=

  • mit dem Bewohner/in sprechen u. beruhigen
  • Oberkörper hochlagern
  • Für frische Luft sorgen, Sauerstoff anhängen
  • Atemwegsbehinderung beseitigen
  • Notruf, nicht allein lassen, Vitalzeichen überwachen
  • Herzschmerzen, – rasen,- stolpern:

Urs= Herzinfarkt, AP- Anfall, Herzrhythmusstörungen, extrem hoher Blutdruck.

Maßnahmen =

  • Bewohner/in beruhigen
  • Medi.- Gabe (Nitro/ n. ärztlicher Delegation)
  • Lagerung liegend, Oberkörper erhöht (Herzbett)
  • Frische Raumluft, Notruf, VZK
  • Blasse u. feuchte Haut mit erniedrigen RR u. erhöhter Pulsfrequenz

Urs = Schock bei, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Überempfindlichkeit, Störungen, starke Blutungen, Exsikkose und Unterzucker (Diabetes)

Maßnahmen =

  • Bewohner/in beruhigen
  • flache Lagerung mit erhöhten Beine bei gleichzeitige bestehende Atemnot den Oberkörper erhöht lagern
  • VZK (Überprüfen+ Überwachen)
  • Notruf
  • Frischluft
  • Psychotische Erregungszustände

Ursache =
Hierbei kann der Betroffene sich selbst oder für seine Umwelt zur Gefahr werden (z. B., Schizophrenie, Manie, bipolar Störung)

Maßnahmen =

  • Notruf
  • Den Bewohner/in unbedingt bis zum Eintreffen der Hilfskräfte beruhigen. Beaufsichtigen, sodass er sich nicht selbst od. andere nicht gefährden kann. Bis zum Eintreffen des Notarztes.
  • Evtl. Wahn nicht ausreden, verstärkt die Symptomatik.
  • Plötzliche Bewusstseinsstörungen od. – Verlust (Synkopen)

Urs = Koma bei Stoffwechselentgleisungen (Diabetes), Exsikkose, Schlaganfall, Bewusstseinskränkungen nach Sturz u. Medikamentenüberdosierung

Maßnahmen =

  • VZK (RR, Puls u. BZ)
  • Notruf
  • Bew, beruhigen u. nicht allein lassen
  • Evtl. Atemwege frei machen
  • Blasse u. kalte Haut eines Körperteils mit heftigen Schmerzen, Gefühlsstörungen, Puls Verlust u. Bewegungsunfähigkeit

mögliche Ursachen akuter arterieller Gefäßverschluss durch ein
Blutgerinnsel wird ein bestimmter Teil des Körpers nicht mit Blut u. Sauerstoff versorgt, z. B. Beine, Arme. Halt dieser Zustand an, kommt es zur Nekrose kommen.

Maßnahmen =

  • Notruf
  • Betroffenes Körperteil nach unten hängen lassen, nicht erwärmen, keine harte Unterlage
  • Enge Kleidungen entfernen
  • Schmerzen u. Schwellungen im Bereich einer Extremität

Urs = Knochenbrüche (Schenkelhals, Oberarmfraktur usw.), Thrombosen

Maßnahmen =

  • entsprechende Extremität ruhig stellen, keine unnötige Manipulation durchführen
  • Notruf > evtl. vor Wärmeverlust schützen
  • Verbrennungen/ Verbrühungen

durch Seh-, Gefühls- u. Bewegungsbeeinträchtigung u. Vergesslichkeit ist ein alter Mensch für solche Unfälle besonders gefährdet. (Herd usw.)

es gibt fünf Verbrennungsgrade:

Grad I: Schmerzhafte Rötung, Spannungsgefühl, Hautberührungsempfindlichkeit, Heilung ohne Narben, einige Tagen
Grad IIa: Blasenbildung. Lokale Rötung, nasser u. gut durchbluteter Wundgrund, starke Schmerzen, Blutungsneigung, Heilung ohne Narben, wenige Tagen
Grad IIb Prall gefüllte u. geplatzte Blasen, feuchter u. schlecht durchbluteter Wundgrund, mäßige Schmerzen, Ausheilung mit Narben
Grad III: alle Hautschichten betroffen, weiß-bräunliche trockene Oberfläche, Kapillaren tiefblau, keine Schmerzempfindung, Abheilung mit Narben
Grad IV: Verkohlung, alle Hautstrukturen u. Gewebe wie Muskeln u. Sehnen sind betroffen, bis Knochen, keine Schmerzempfindung.

Maßnahmen =

  • Kleidungsstücke aus dem Bereich entfernen
  • Verletzte Stelle ca. 15 min. unter fließendes, kaltes Leitungswasser halten
  • Blasen nicht öffnen
  • Bewohner/in beruhigen
  • Notruf
  • Blutungen

Urs = Schnittverletzungen, Platzwunden usw.

Maßnahmen =

  • Notruf
  • Bei oberflächlichen Wunden genügt die Abdeckung mit sterilem Wundverband
  • Blutet es durch den Verband, entsprechendes Körperteil hoch legen und Druckverband
  • Blutungen, Blutzufuhr an der versorgenden Schlagader abdrücken
  • Was steht im § 323c des Strafgesetzbuches?

Jeder Mensch ist zur Hilfeleistung bei Unglücks- u. Notfällen verpflichtet (bis der Notarzt eintrifft, Rettungssanitäter)

  • Nach Erkennen der Notfallsituation folgt als nächster Schritt, der telefonischer Notruf. Wie gehen sie vor?

Die 6 W-Regel beachten:

  • Wer? Meldet
  • Wo? Genaue Angabe des Notfallortes.
  • Was? Kurze Darstellung.
  • Welche? Krankheitszeichen, Art der Verletzung
  • Wie viel? Anzahl der Verletzten/Erkrankten.
  • Warten? Nicht auflegen, um weitere Rückfragen zu beantworten, zu können.
  • Worauf ist besonders zu achten, beim Lagern eines Bewohner/in nach einer Notfallsituation?

Hör- u. Sehbeeinträchtigung u. Beweglichkeitseinschränkungen müssen beim alten Menschen besonders beachtet werden. Auch sollte der Bewohner/in nicht zur Lagerung gezwungen werden, er sollte sich wohlfühlen.

  • Die Lagerung nach einer Notfallsituation dient auch meist zu ersten Kontaktaufnahme mit dem Bewohner/in. Was bedeutet dies für den Bewohner/in?

Durch den seelischen Beistand einer vertrauten Person können die Ängste des Bewohner/in aufgefangen werden

  • In welcher Lagerung sollte ein bewusstloser Bewohner/in gebracht werden? u. was soll durch diese Lagerung vermieden werden?
  • Stabile Seitenlagerung nach Rautek
  • Dass der Bewohner/in durch Erbrechen nicht, aspiriert. Die Atemwege werden durch diese Lagerung freigehalten.
  • Wie sollte man einen Bewohner/in mit Atemnot u. Kopfverletzungen lagern?

Der Oberkörper erhöht gelagert werden

  • Was sollte bei Erkrankung u. Verletzung des Bauchraumes gleichzeitig zum Lagern, zur Entspannung der Bauchdecke dienen?

Angewinkelte Beine

  • Wie sieht die Lagerung bei Herz- u. Kreislaufstillstandes aus?

Beim Herz Kreislauf Stillstand sollte der Bewohner flach auf dem Rücken gelagert werden

  • wie lagert man, beim Schock? Und was soll diese Lagerung bezwecken?
  • Rückenlagerung mit hoch gelagerten Beine
  • Der venöse Rückfluss wird gefordert
  • Wie sieht die 1 Helfer u. die 2 Helfer Methode aus?

Beim 1 Helfer = 15-mal Herzmassage-2-mal Beatmung
Beim 2 Helfer = 5- mal Herzmassage- 1- mal Beatmung

  • Wenn ein Fremdkörper in die Luftröhre eines Bewohner/in gelangt ist und dieser durch den normalen Hustenreflex nicht mehr aus den Atemwegen heraus befördert wird, dann sollte ein Hustenstoß auslösen. Wie wird dieser ausgelöst u. nennen Sie noch eine andere Methode?
  • Erwachsene mit dem Rippenbogen über das aufgestellte legen und mit kräftigen Schlägen zw. Die Schulterblätter Hustenstöße auslösen
  • Wenn Husten u. Rücken klopfen nicht hilft, versuchen Sie, mit Zeige- u. Mittelfinger die Mundhöhle auszuräumen u. den Fremdkörper zu entfernen

Wichtig: Arzt sofort informieren, wenn sich der Fremdkörper entfernen lässt

  • Was muss bei einem älteren Menschen unbedingt abgeklärt werden, damit Sie wissen, wie sie richtig handeln bei einem akuten Notfall?

Ob der Bewohner/in eine Lebensverlängernde Maßnahme ablehnt. In diesen Fall muss der Hausarzt sofort informiert werden, dieser entscheidet über weitere Vorgehensweise.

15. Nennen sie vier Schockformen und dessen Ursachen u. die Therapiemöglichkeiten?

  • Volumenmangelschock:

Ursache: Blut- oder Flüssigkeitsverlust (z. B. Blutung, starkes Erbrechen)
Therapie: intravenöse Volumengabe

  • kardiogener Schock:

Ursache: Pumpversagen des Herzens, z. B. bei Herzinfarkt
Therapie: Herz fördernde Medikamente (z. B. Dopamin, Dobutamin)

  • anaphylaktischer Schock:

Ursache: Kreislaufversagen durch Weitstellung der Gefäße aufgrund einer massiven allergischen Reaktion
Therapie: hoch dosierte Kortison i.v.

  • Septischer Schock:

Ursache: Kreislaufversagen durch Bakterientoxine(Giftstoffe)
Therapie: intravenöse Antibiose, 16. Welche Medikamente kommen bei Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand, zum Einsatz (Wirkstoff, Wirkung u. Indikation)?

Wirkstoff/Präparat Beispiel: Adrenalin (Suprarenin)
Wirkung: Starke Stimulation der Herztätigkeit (wichtigstes Medikament bei Reanimation)
Indikation: Asystolie, Kammerflimmern

Wirkstoff/Präparat Beispiel: Lidocain (Xylocain)
Wirkung: Regulation des Herzrhythmus
Indikation: Kammerflimmern

Wirkstoff/Präparat Beispiel: Atropin (Atropin)
Wirkung: Beschleunigung des Herzrhythmus
Indikation: Extreme Bradykardie

17. Was ist zu beachten (Maßnahmen), bei verschieden Notfallsituationen?

Akuter Herzinsuffizienz (Lungenödem)

  • Alarm auslösen, weiteren Helfer rufen, Arzt benachrichtigen
  • Oberkörper hochlagern, Beine tief, (spezielles Herzbett: Becken tief lagern)
  • Beengende Kleidung entfernen, Fenster öffnen
  • Kranken beruhigen, keine Anstrengung, Sauerstoff 2–4 l/min

Kardiopulmonale Reanimation

Versagen von Herz, Kreislauf u. Atmung
Überprüfen: Bewusstlosigkeit, Pulslosigkeit, Atemstillstand, weite, licht starre Pupillen

  • A= Atemwege freimachen: Kopf nach hinten überstrecken, Überprüfung der Mundhöhle auf Erbrochenes, Fremdkörper oder Zahnprothese
  • B= Beatmen: Mund-zu-Mund, Mund-zu-Nase-Beatmung oder mittels Beatmungsbeutel
  • C= Herzdruckmassage: harte Unterlage u. flach lagern
  • D= Drugs, Medikamente: intravenöse Gabe (Arzt)
  • E= Elektrotherapie: Defibrillation (Arzt)

Akutem Arterienverschluss

  • Arzt verständigen
  • Absolute Bettruhe
  • Gliedmaße in Watte packen u. tief lagern
  • Keine lokale Wärme oder gar Kälte
  • Nicht massieren oder zu sehr bewegen
  • Keine i.m. Spritzen

Lungenembolie

  • Alarm auslösen, weiteren Helfer rufen (Arzt verständigen)
  • Bewohner lassen, wo er ist, Oberkörper vorsichtig hochlagern
  • Fenster öffnen, O2-Gabe, Vitalzeichen überprüfen

Kollaps

  • Beine hoch, Kopf tief (wenn möglich)
  • Blutdruck- u. Puls Kontrolle
  • Keine Besserung – Arzt rufen
  • Bei Diabetiker BZ-Kontrolle

Hypertensive Krise

  • Bettruhe, Gabe rasch wirkender Antihypertonika (Nitrospray)
  • Engmaschige Blutdruckkontrolle, keine Blutdrucksenkung – Arzt rufen

Kreislauf-Schock

  • Notarzt verständigen
  • Patient in Schocklagerung
  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlagerung
  • Engmaschige Blutdruck- u. Puls Kontrollen
  • Gegebenenfalls spezielle Maßnahmen wie z. B. Druckverband bei Blutungen.

Nach Kontakt mit HIV-infiziertem Blut

Stich- oder Schnittverletzung

  • Ca. 1 Minute Blutfluss durch Druck auf Gewebe fördern
  • Desinfektion (steriler Verband)
  • Arzt benachrichtigen
  • Unfalldokumentation und Meldung an Berufsgenossenschaft
  • HIV-Antikörpertest und Hepatitis Serologie (3 u. 6 Monate)

Kontamination von geschädigter Haut/Schleimhaut

  • Sofort intensive Spülung mit Wasser u. Seife, Desinfektion

Bei diabetischem Koma, Prophylaxe Hypoglykämie

BZ-Kontrolle, nie Insulin, Glukose Gabe,
Prophylaxe: Patient über Symptome einer Hypoglykämie informieren, Traubenzucker mitführen,

V.a. Hirninfarkt oder Hirnblutungen

Notfall! Schnell Handeln! 1. PP beim Patient u. beruhigt, 2. PP ruft Notarzt u. schildert Symptome

  • Atemwege freihalten, Zahnprothese entfernen
  • Bewusstlose in stabile Seitenlage, Wache Oberkörper 30° lagern
  • Atmung, Puls, Blutdruck kontrollieren

Epileptischem Anfall

Während: Schutz des Krampfenden vor Verletzungen (Gegenstände entfernen, Kopf vor Aufprall schützen, Betroffenen nicht festhalten), Notarzt rufen (>Dauer 5 Min, nicht erweckbar);
Nach: Ohne Bewusstsein, in stabile Seitenlage, Bewusstsein, Atmung, Puls, Blutdruck kontrollieren, Zeitpunkt dokumentieren, bei Patient bleiben, auf Verletzungen achten,

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