Autor/in: Chrstian Wieland

Katheter pflege und Stomaversorgung

1. Katheter pflege.

Für die Ableitung des Urins aus der Harnblase stehen der Harnröhrenblasenkatheter

(transurethraler Dauerkatheter – DK) und der Bauchdeckenblasenkatheter (suprapubische

Blasenkatheter – SBK) zur Verfügung.

Blasen Katheter

Abb 1.: Harnröhrenblasenkatheter (DK): Ballon auf geblockt; (hält DK in der Blase)

Wer benötigt eine Harnableitung?

Patienten mit einer akuten oder chronischen Blasenentleerungsstörung (z. B. Prostatavergrößerung, Unfall) sowie zur Erleichterung der postoperativen Pflege oder zur Überwachung der Urinproduktion schwer kranker Patienten.


Welche Komplikationen Möglichkeiten gibt es?

Beide Methoden haben Risiken und Komplikationen Möglichkeiten. Auch bei korrekter Katheter Anlagetechnik, Verwendung eines geschlossenen Harnableitungssystems und trotz sorgfältiger pflegerischer Maßnahmen lassen sich Harnwegsinfektionen sicher nicht vermeiden. Die Wahrscheinlichkeit des Neuauftretens von Bakterien im Urin steigt proportional mit der Liegedauer des Katheters. Sie liegt bei durch die Harnröhre katheterbasierten Patienten zwischen 3 und 10 % pro Liegetag des Katheters, nach 30 Tagen sind bei der Mehrheit der Patienten Bakterien im Urin nachzuweisen. Mit jedem Katheter wechsel sollte deshalb erneut der Grund zur Fortführung der Katheter Drainage überprüft werden.

In welchen Abständen sollte ein Blasenkatheter gewechselt werden?

Die Liegedauer eines BlasenverweilKatheters hängt, von den Materialeigenschaften des Katheters und anderen Faktoren wie Urinausscheidung, Infektion, Neigung zum Verkrusten und Verschmutzung ab. Es werden für den DK bis zu 3 Wochen (Silikon) und für den SBK  (Katheter stärke £ 12 Charri›re) 4 bis 8 Wochen angegeben. Dennoch sollten Blasenverweilkatheter heute nicht mehr routinemäßig in festen Zeitabständen gewechselt werden, sondern bei Bedarf nach individuellen Gesichtspunkten, da die Länge der Wechselintervalle patientenabhängigen Schwankungen unterliegt. Ein Katheter muss nicht gewechselt werden, solange ein freier Urinabfluss und klarer Urin gewährleistet sind, keine lokalen oder systemischen Infektionen vorliegen und Patienten beschwerdefrei ist.

Was muss der Patient bei der Katheter-Pflege beachten?

Im Rahmen der täglichen Hygiene sollte der äußere Katheter Anteil vorsichtig mit Wasser und Seife oder Wasserstoff-Superoxid (3 %) gereinigt werden, die Dammregion mit Wasser und Seife. Vor und nach jeder Manipulation am Katheter oder Drainagesystem sollte eine Händedesinfektion erfolgen. Geschlossene Harnableitungssysteme mit Ablassvorrichtung dienen der Minderung von aufsteigenden Infektionen. Eine Tropf-Kammer und ein Klappenventil verhindern dabei den Urin Rückfluss aus dem Auffangbeutel. Auch bei der Verwendung von solchen Systemen sollte der Urin Auffangbeutel immer unterhalb des Blasenniveaus befestigt werden, um den Harnabfluss zu sichern.

Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?

· TRÜBER, ÜBELRIECHENDER URIN

· FIEBER ODER GRIPPEÄHNLICHE SYMPTOME

· FLANKEN SCHMERZEN / UNTERBAUCHSCHMERZEN

· MANGELHAFTER ODER FEHLENDER Urinabfluss

Was kann getan werden beim Auftreten von Komplikationen respektive zu deren

Vermeidung?

Für jede Art der Katheter Drainage gilt, dass deren frühestmögliche Entfernung der Vermeidung von Komplikationen dient. Die Harnverdünnung (innere Spülung/spezifisches Gewicht £ 1,015g/cm 3) durch Steigerung der täglichen Trinkmenge auf 2 bis 3 Liter pro Tag kann beim Verweil Katheter durch den resultierenden Spüleffekt zu einer Verminderung der Keime und der Verkrustungen führen.

Regelmäßige Blasenspülungen von außen sollten nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Sie begünstigen die Entstehung von Harnwegsinfektionen, eine Keimreduktion bei vorhandener Infektion kann hierdurch keineswegs erzielt werden. Auch Verkrustungen lassen sich so nicht vermeiden. Lediglich bei Auftreten einer symptomatischen Pilzinfektion kann das Einbringen Pilz abtötender Substanzen in die Harnblase angezeigt sein. Das Ansäuern eines beim Harnwegsinfekt meist alkalischen Harns mit L-Methionin ( Acimethin) auf einen pH-Wert von 5,8 bis 6,2 schränkt das Auftreten von Katheter Verkrustungen ein.

Antibiotika sollen beim Dauerkatheter Patienten nur eingesetzt werden, wenn eine symptomatische Harnwegsinfektion vorliegt. In Ausnahmefällen, z. B. bevorstehende Operation, Herzklappenersatz oder bei Risikopatienten mit medikamentös oder durch Krankheit geschwächtem Immunsystem ist eine gezielte antibiotische Therapie gerechtfertigt.

2. Urostomaversorgung (Urin-Ableitung auf der Haut)

Zwei Methoden der Harnableitung sind die Ureter-Haut-Fistel und das Conduit. Sie besitzen eine Gemeinsamkeit: der Urin wird über die Harnleiter direkt oder über ein zwischengeschaltetes Darmsegment an die Körperoberfläche geleitet und dort in einem Beutel aufgefangen. Die Stelle, an welcher der Urin aus der Bauchdecke ausgeleitet wird, nennt man.

Stoma. Diese Verfahren werden als Blasenersatz mit Kontinenzverlust bezeichnet, d. h. der Urin-Abgang kann nicht mehr willkürlich kontrolliert werden.

Prinzip und Pflege der Ureter-Haut-Fistel

Bei der Anlage einer Ureter-Haut-Fistel (Uretero-Cutaneostomie) werden die Harnleiter von der Blase abgetrennt und im Unterbauch in einer Harnleiter-Haut-Mündung (Stoma) ausgeführt. Damit die äußere Haut diese kleinen Stomaöffnungen nicht verschließt, ist eine dauerhafte Schienung des Harnleiters mit einer Hohlschiene unvermeidlich. Dieser Schlauch fixiert sich selbst im Nierenbecken mit seinem aufgerollten Ende (Pigtail), er muss allerdings alle 6–8 Wochen durch den Urologen gewechselt werden. Probleme dieser Methode der Harnableitung sind: Krankheitserreger können von der äußeren Haut an der Schiene entlang zum Nierenbecken aufsteigen. Wiederkehrende Infekte können die Nierenfunktion beeinträchtigen. In der Regel fördert die Schiene einen Teil des Urins, die Restmenge fließt neben dem Schlauch im Harnleiter nach unten und tritt an dessen Mündungsstelle aus. Hier muss – zum Schutz der Haut um das Stoma herum – eine Urostomieversorgung getragen werden. Bei jedem Versorgungswechsel ist der Konus der Schiene durch die Öffnung der Hautschutzplatte zu ziehen. Beim Entfernen der Platte besteht die Gefahr einer Verschiebung.

Stoma Lage im Körperder Schiene.

Prinzip und Pflege des Conduits

Das Conduit besteht aus einem 12–15 cm langen Darmsegment. Es wird aus dem Darmverlauf ausgeschaltet und mit einem Ende im Unterbauch als Stoma ausgeleitet. Hierfür geeignet ist das Ileum – der letzte Dünndarmabschnitt vor Beginn des Dickdarmes im rechten Unterbauch ( Ileum-Conduit) – und der Dickdarm ( Kolon-Conduit). Das Conduit ist ausschließlich für den Harnabfluss angelegt (Abb. 2). Der relativ große Durchmesser des Darmes und die hohe Proliferationsrate der Darmschleimhaut verhindern, dass die Haut über das Stoma wächst und es verschließt. Das Einlegen von Harnleiterschienen ist nicht nötig.

Ein wichtiger Aspekt bei der Versorgung eines Conduits ist der Schutz der Urostomie vor Besiedlung mit Krankheitserreger; Probleme verursachen vorwiegend fäkal keime, die der Patient aus der eigenen Analregion per Schmierinfektion überträgt. Die gründliche Reinigung der Hände vor den Versorgungswechseln sowie die Beachtung einiger Regeln hinsichtlich der Behandlung der um das Stoma herum befindlichen Haut sind in diesem Zusammenhang unverzichtbar. Die Durchführung des Versorgungswechsels ist vor der ersten Flüssigkeitsaufnahme am Morgen sinnvoll, weil dann ein etwas geringerer Harnfluss erwartet werden kann.

Pflegeschema:

Bei Verwendung eines zweiteiligen Systems

– z. B. jeweils Mo-Mi-Fr / Sa. Wechsel der Klebeplatte

– täglicher Wechsel des Beutels

– z. B. jeweils montags Wechsel des Nachtbeutels

– z. B. jeweils montags gegebenenfalls Rasur

der Haut um das Stoma herum bei Männern

Bei Verwendung eines einteiligen Systems

– täglicher Wechsel des Versorgungssystems

Der Hautbezirk um das Stoma wird nach dem Entfernen der alten Versorgung nur mit Wasser und Kompressen gereinigt, danach das neue System aufgebracht. Die Verwendung einer gewölbten Versorgung mit Hautschutzpaste und das Tragen eines Gürtels schaffen ein höheres Maß an Abdichtung. Häufig wird die Frage diskutiert, wie lange eine Hautschutzplatte die Haut unmittelbar um das Stoma herum ausreichend gegen den Kontakt mit Urin abdeckt. Hier sollten 2–3 Tage als Maximum angenommen werden. Entzündungen der Haut mit nachfolgender Vernarbung können zur Stoma-Verengung führen. In schweren Fällen kann eine Neuanlage des Stoma notwendig werden. Über Nacht sorgt die Verbindung mit einem Nachtbeutel dafür, dass der Urostomiebeutel in horizontaler Körperhaltung leer bleibt. Baden sollte der Stomaträger zur Vermeidung von Keimverschleppungen über das Badewasser nur mit kompletter Versorgung – diese wird anschließend gewechselt.

Duschen ist ohne Einschränkung möglich.

Internet-Tipp: www.urologenportal.de

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