Autor/in: Elisabeth Czaplewski

Ganz Waschung im Bett

Zeitplanung:

Ca. 40 Minuten für die Pflegemaßnahme.

Krankheitsbild:

Unbekannter Schwindel, Synkopen (kleine Schläge im Gehirn), WS-Erkrankung, senile Demenz, kompensierte Herzinsuffizienz, Harn- und Stuhlinkontinenz, chronische Gastritis, nutritive-toxische Anämie, Depression und Angst

Biografie aus der Dokumentationsmappe:

Eine Biografie ist nicht vorhanden, es gibt auch keine Verwandten, die man befragen könnte. Frau V. ist am 09.08.1907 in Nonnzeiter geboren und lebt seit dem 28.01.2001 im Heim. Sie ist eingeschränkt durch Unvermögen des Verarbeitens, kann jedoch mit Ja und nein antworten. Sie erkennt einfache Kinderlieder aus ihrer Kindheit. Sie hat ansonsten keine Ressourcen. Sie ist sehr eingeschränkt durch Alterssichtigkeit und in allen Bereichen desorientiert. Dieses ist der Grund, warum sie nicht mehr allein leben kann und deshalb ins Heim kam.


Maßnahmen: Zuwendung und Zeit geben.

Begründung der Maßnahme:

Frau V. ist Dauer-bettlägerig. Sie kann durch ihre Krankheit nicht mehr selbst für die Körperpflege sorgen und somit ist das Ziel, die Bewohnerin von Schweiß und Ausscheidungen zu reinigen und ihr Wohlbefinden zu fördern, wie man als Pflegende nachher deutlich an der Bewohnerin bemerken und durch gezieltes Fragen auch hören kann.

Durchführung der Maßnahme:

Ich frage meine Kollegin E., ob sie mir bei der Pflege von Frau V. behilflich sein kann. Nachdem sie zugestimmt hat, desinfizieren und waschen wir uns die Hände gründlich. Für uns ist es im Dienst selbstverständlich, die Haare zusammengebunden, die Nägel kurz geschnitten und den Schmuck abgelegt zu haben.

Wir betreten das Zimmer, nachdem wir uns vorher durch Lichtzeichen bemerkbar gemacht haben. Ich schalte nun das Anwesenheitszeichen ein, trete ans Bett und wünsche Frau V. einen guten Morgen. Ich erkläre ihr, dass ich gekommen bin, um sie zu waschen und beobachte ihre Reaktion und ihren heutigen Gesamtzustand. (Hautfarbe, Atmung, Bewusstsein). Frau V. kann leider nicht äußern, ob sie einverstanden ist, sodass ich selbst beurteilen muss, ob ihr Befinden die Maßnahme zulässt. Ich finde, dass die Situation die Maßnahme zulässt und fahre in meinen Vorbereitungen fort.

Ich schließe das Fenster und ziehe die Vorhänge als Sichtschutz zu. Dann stelle ich die Heizung auf Stufe 3, um es für Frau V. gemütlich warm zu haben. Währenddessen stelle ich ein Töpfchen Kakaobutter und einen Becher Pfefferminztee mit Honig, den ich vorher schon in der Küche zubereitet habe, Tupfer, Nierenschale, Abwurfbehälter, Wasch- und Körperlotion, Bürste, drei Handtücher, zwei Wasch Läppchen und Einweghandschuhe auf dem Nachttisch bereit. Daneben stelle ich einen Stuhl als Ablage für Kissen und Bettdecke sowie einen Mülleimer und eine Wäschewanne.

Ich fahre das Bett auf rückenschonende Arbeitshöhe und das Kopfteil so hoch, dass Frau V. einen Überblick über das Geschehen hat. Frau V. hat keine eigenen Zähne und verträgt wegen Aspirationsgefahr keine Prothese (wurde mir erklärt). Ich lege ein Handtuch auf die Brust von Frau V. und lasse sie einen Schluck Tee nehmen. Der Tee schmeckt ihr sichtlich und sie schluckt ihn, anstatt ihn in die Schale zu spucken. ? Ich tauche einen Tupfer in den Tee, und Frau V. beginnt daran zu saugen. Dies gibt mir die Gelegenheit durch sanften Druck die Zunge, die Wangeninnenseiten und den Kiefer von Belägen zu befreien. Ich werfe den Tupfer ab und wiederhole den Vorgang mit einem zweiten Tupfer. Da Frau V. durch Anreichen essen und trinken kann, sehe ich nun eine rosige Zunge und begnüge mich deshalb mit zwei Anwendungen. Ich trockne den Mund ab und creme mit etwas Kakaobutter die Lippen ein.

Ich hole eine Waschschüssel mit warmem Wasser aus dem Bad, tauche einen Zipfel des Waschlappens ein und lasse Frau V. fühlen, ob die Wassertemperatur für sie angenehm ist. Ich lege die Bettdecke bis zu den Oberschenkeln von Frau V. zurück, wir ziehen ihr zu zweit das Nachthemd aus und ich bedecke damit ihren Oberkörper. Damit sie nicht erschrickt, informiere ich Frau V., dass ich ihr jetzt das Gesicht waschen werde. Ich beginne mit der Augenpartie – von außen nach innen – danach die Ohren, die Nase und den Hals mit dem dafür vorgesehenen Waschlappen zu waschen. Mit einem bereitliegenden Handtuch trockne ich gründlich ab. Ich nehme die Lagerungskissen aus dem Bett und lege sie auf den bereitgestellten Stuhl und senke das Kopfteil ab. Ich gebe Waschlotion ins Wasser, lege ein Handtuch unter den von mir entfernten Arm von Frau V. und wasche diesen, wobei ich ihre Hand in die Waschschüssel tauche. Ich trockne wieder gründlich ab und verfahre mit dem anderen Arm genau so. Ich nehme das Nachthemd weg und werfe es in der Wäschewanne ab. Ich wasche nun den Oberkörper, die Achselhöhlen, den Bauch und den Nabel. Dieses mache ich nach Art der belebenden Wäsche mit deutlichem Druck, immer zum Herzen hin, um den Kreislauf anzuregen und die Wahrnehmung zu fördern. Nachher trockne ich alles gründlich ab, besonders die Achselhöhlen und unter der Brust. Ich informiere Frau V. und meine Kollegin, die Bewohnerin in Seitenlage zu legen. Wir drehen sie mit dem Gesicht zu meiner Kollegin, sodass ich den Rücken von Frau V. waschen kann. Nach dem Waschen trockne ich den Rücken ab und creme ihn mit Hautlotion ein. Jetzt drehen wir Frau V. wieder zurück und ich creme Gesicht, Hals, Oberkörper, Arme und Hände (wobei ich gleich die Länge der Fingernägel überprüfe) ein. Jetzt ziehen wir der Bewohnerin das bereitgelegte, frische Nachthemd an. Ich nehme die Bettdecke ganz vom Bett und lege sie zu den Lagerungskissen auf den Stuhl. Ich lege ein Handtuch unter das von mir entfernte Bein und wasche das Bein und den Fuß Herzwerts, wobei ich den Zehenzwischenräumen beim Abtrocknen besondere Aufmerksamkeit widme, um Fußpilz zu vermeiden. Mit dem zweiten Bein verfahre ich ebenso, wobei ich, so wie bei den Armen, die Extremitäten als Kontrakturen Prophylaxe durch bewege. Dieses lässt sich beim Waschen, Abtrocknen sowie besonders beim Eincremen gut bewerkstelligen. Ich creme die Beine und besonders gut die Knöchel und Fersen ein (Dekubitusprophylaxe). Da Frau V. immer kalte Füße hat, ziehe ich ihr Socken an, um ihr Wohlgefühl steigern.

Ich hole aus dem Bad frisches Wasser mit Waschlotion, nehme ein neues Wasch Läppchen, ziehe mir Einmalhandschuhe an und entferne die Tena von vorne nach hinten zum Laken hin. Da Frau V. nicht eingekotet ist, benötige ich kein Toilettenpapier und keinen Pflegeschaum, um den Intimbereich vor bereitend zu säubern. Ich informiere die Bewohnerin, winkle das mir nahe liegende Bein ab und meine Kollegin ist beim anderen Bein behilflich. Ich wasche zuerst die äußeren Schamlippen von vorne nach hinten Richtung Anus und danach das Innere der Scheide ebenso, um das Eindringen von Bakterien zu vermeiden, die bei umgekehrter Richtung in die Scheide gelangen könnten. Ich trockne mit dem frischen Handtuch gut ab und bitte meine Kollegin um Hilfe. Ich erkläre Frau V., dass sie noch einmal gedreht werde, und wir drehen sie an Schulter und Hüfte, sodass ich ihr Gesäß waschen kann. Ich entferne die nasse Tena, werfe sie in den Müllsack ab, und lege ein Handtuch unter das Gesäß. Ich wasche es von vorne nach hinten, trockne alles gut ab und lege die neue Tena unter das Gesäß. Ich creme, die Anus falte und das Steißbein zur Vorbeugung gegen Dekubitus und Intertrigo mit Mirfulansalbe ein. Ich richte die Tena faltenfrei und wir drehen, nachdem ich mich überzeugt habe, dass Bett- und Stecklaken sauber sind, keine Falten werfen und sich keine Krümel im Bett befinden, die Bewohnerin wieder auf den Rücken. Ich richte die Tena im Schambereich und wir heben die Bewohnerin bei 1, 2 und 3 ein Stück Richtung Kopfteil, um ihr bequemes Sitzen zu ermöglichen. Ich werfe die Handschuhe in den Mülleimer ab, überzeuge mich, dass das Nachthemd faltenfrei unter Rücken und Gesäß von Frau V. liegt und wir richten die Lagerungskissen nach Lagerungsplan, der sich immer im Zimmer befindet, das heißt ein kleines Kissen unter die Füße (wobei die Fersen frei liegen müssen), eines zwischen die Knie (Dekubitusprophylaxe) und zwei große links und rechts des Körpers, da Frau V. in Rückenlage verbleibt, um das Frühstück einzunehmen. Ich fahre das Kopfteil hoch, bürste Frau V. die Haare und richte das Kopfkissen und die Bettdecke. Das Bett bleibt in Arbeitshöhe, da meine Kollegin Frau V. noch das Frühstück anreichen möchte. Ich frage die Bewohnerin, ob sie gut liegt und sich wohlfühlt. Leider bekomme ich heute keine Antwort, aber es gibt Tage an denen Frau V. durchaus ja oder nein sagt, oder man an ihrer Mimik und Gestik das Befinden erkennen kann.

Ich räume die Pflegeutensilien weg, schütte das Wasser in die Toilette und säubere die Waschschüssel, die immer im Badezimmer von Frau V. verbleibt und nur von ihr benutzt wird. Ich bringe den Müllsack und die Schmutzwäsche in die dafür vorgesehenen Säcke und trage die Behälter ins Zimmer zurück. Ich stelle die Heizung wieder zurück. Dann öffne ich die Vorhänge und kippe das Fenster zum Lüften. (Mir ist es auch überaus warm geworden) während meine Kollegin der Bewohnerin das Frühstück anreicht trage ich die Lagerung in den Lagerungsplan ein. Ich verabschiede mich von Frau V. und meiner Kollegin. Ich gehe ins Dienstzimmer, wasche mir die Hände und trage meine Tätigkeit in die Dokumentation ein. Danach bespreche ich mit meiner Praxisanleiterin, wie es mir ergangen ist und worauf ich noch achten könnte.

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