Autor/in: Cordula

Körperpflege Ganzkörperwaschung im Bett Seite 2

Basal stimulierende Körperwaschung

Bei der basal stimulierenden Körperwaschung steht nicht die Reinigung im Vordergrund: Das Ziel ist vielmehr, dem Patienten über eine alltägliche, ihm bekannte Tätigkeit eine unmittelbare Kommunikation zu ermöglichen und – vor allem beim Verlust sensorischer Reize – seine Körperwahrnehmung und -identität zu fördern. Dabei berücksichtigen die Pflegenden das Erleben und die Fähigkeiten des Patienten.

In der Praxis finden vor allem die belebende und die beruhigende Ganzkörperwaschung Anwendung. Beide orientieren sich an der Körperbehaarung. Jedes Haar ist an der Haarwurzel mit Nerven umgeben, die Berührungen registrieren und Empfindungen weiterleiten.

Das Waschen gegen den Haarwuchs ist intensiver und wird als belebend und anregend empfunden. Im Gegensatz dazu gibt das Waschen mit dem Haarstrich dem Patienten eine genaue Information über seine Körperform und wirkt beruhigend. Bei beiden Ganzkörperwaschungen kann der Intimbereich einbezogen werden, da er ein wichtiger Bestandteil der körperlichen Identität ist, und die Intimwäsche zum Wohlgefühl des Patienten beiträgt.

Um eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Patient ganz auf seine Körpererfahrung konzentrieren kann, wird die basal stimulierende Körperwaschung grundsätzlich nur von einer Pflegekraft durchgeführt. Die Berührung soll eindeutig, ruhig, mit flach aufgelegter Hand und konstantem Druck ausgeübt werden.

Bei Patienten, die ihr Umfeld nicht deutlich wahrnehmen können und durch wiederholte neue Berührungen schreckhaft reagieren, achten die Pflegenden auf einen ständigen Kontakt zum Patienten, z.B. durch kontinuierliche Berührung oder stete Geräusche bzw. Bewegungen im Blickfeld des Patienten.

In der Praxis hat es sich bewährt, dem Patienten vor allen basal stimulierenden Ganzkörperwaschungen einen Waschlappen in die Hand zu geben und sich selbst – ggf. mit Unterstützung – waschen zu lassen, um den Zusammenhang zwischen der Bewegung und dem Waschen erkennen zu können. An welcher Körperstelle mit dieser Waschung begonnen wird, hängt von den Gewohnheiten des Patienten ab. Scheint der Patient den Zusammenhang erkannt zu haben, übernimmt die Pflegekraft die weitere Körperwaschung.

Belebende Ganzkörperwaschung

Abb.: Belebende Ganzkörperwaschung. Entspricht die Waschrichtung vorübergehend der Haarwuchsrichtung, z.B. proximal der Kniekehle, stört es die harmonische Wirkung einer belebenden Ganzkörperwaschung nicht.

Die belebende Ganzkörperwaschung wird bei bewusstlosen, somnolenten und depressiven Patienten, Diabetikern und Patienten mit Gefäßleiden angewandt. Kontraindiziert ist sie bei desorientierten und unruhigen Patienten. Bei der ersten Waschung werden keine ätherischen Öle verwendet, da der Duft den Patienten von der Körperwahrnehmung ablenken würde (Reizüberflutung). Bei einer Wiederholung der Ganzkörperwaschung kann dem Wasser z.B. Rosmarin-Bademilch beigefügt werden, um die anregende Wirkung zu unterstützen. Dabei sollten jedoch nur Badezusätze verwendet werden, deren Duft vom Patienten als angenehm empfunden wird.

Die Wassertemperatur sollte anregend kühl sein. In der Regel liegt sie bis zu 10 °C unterhalb der Körpertemperatur. Das kühlere Wasser weckt die Aufmerksamkeit des Patienten, und er kann seine Körpergrenzen besser erspüren. Der Waschlappen ist sehr nass, er tropft noch und ist nicht zu weich. Die Dauer der Waschung richtet sich danach, wie lange der Patient sich aufmerksam auf die Waschung konzentrieren kann, sollte aber nicht mehr als 20 Minuten betragen. Ein begründeter Abbruch oder eine Teilwaschung sind zulässig und oft auch sinnvoll, um den Patienten nicht zu überfordern. Prinzip der belebenden Ganzkörperwäsche ist es, gegen die Haarwuchsrichtung zu waschen. Alles andere orientiert sich am Patienten, und zwar vor allem an seinem Erleben und seinen Fähigkeiten – auch die Reihenfolge der Waschung. Wird die belebende Ganzkörperwaschung zum ersten Mal durchgeführt, richtet sich die Pflegekraft nach der beim Waschen üblichen Vorgehensweise:

Arme, Gesicht, Brustkorb, Bauch, Beine. Reagiert der Patient darauf nicht wie erwartet, ändert sie die Reihenfolge. Nimmt ein Patient zum Beispiel bevorzugt seinen Rumpf und weniger seine Hände und Füße wahr, hat es sich bewährt, seine Aufmerksamkeit vom Rumpf weg in Richtung Peripherie zu lenken, indem die erste Waschbewegung am Körperstamm ansetzt und in Richtung Extremitäten ausgeführt wird, auch wenn es sich dabei um eine beruhigende Waschrichtung handelt. Hat der Patient auf diese Weise ein Gefühl für seine Peripherie bekommen, kann die eigentliche belebende Ganzkörperwaschung beginnen.

Nach dem Waschen trocknet die Pflegekraft den Patienten mit einem rauen Handtuch gegen die Haarwuchsrichtung ab.

Bei der basal stimulierenden Ganzkörperwaschung gibt es keinen Standard, der bei allen Patienten angewandt werden kann. Die Pflegenden verstehen jede Handbewegung als ein Angebot an den Patienten, das dieser annehmen oder ablehnen kann und das bei Bedarf zu modifizieren ist. Fühlt sich eine Pflegekraft wohl und harmonisch, überträgt sich das in vielen Fällen auf den Patienten.


Vorsicht

Die belebende Ganzkörperwaschung kann den systolischen Blutdruck um mindestens 10 -20 mmHg erhöhen. Bei Patienten mit Hypertonie oder Druckerhöhungen im Gehirn ist diese Waschung daher kontraindiziert.

Beruhigende Ganzkörperwaschung

Abb.: Beruhigende Ganzkörperwaschung. Entspricht die Waschrichtung vorübergehend nicht der Haarwuchsrichtung, stört es die harmonische Wirkung weniger als ein ständiges Wechseln der Waschrichtung.

Die beruhigende Ganzkörperwaschung wird z.B. bei verwirrten Patienten, bei Hyperaktivität, Unruhe, Einschlafproblemen und bei Patienten mit Schmerzen angewendet.

Bei der Durchführung ist das Zimmer angenehm warm. Störungen sind zu vermeiden. Die Pflegekraft redet während des Waschens möglichst wenig mit dem Patienten, damit sich die beruhigende Wirkung voll entfalten kann, es sei denn, der Patient kann Sprache und Berührung gleichzeitig verarbeiten. Die Wassertemperatur sollte angenehm warm sein, in der Regel 10 °C über der Körpertemperatur. Die erste Waschung erfolgt ohne Zusätze, bei einer Wiederholung der Ganzkörperwaschung eignet sich z.B. ätherisches Lavendelöl – sofern der Patient diesen Duft als angenehm empfindet -, da Lavendel beruhigend wirkt.

Die Pflegekraft wäscht mit einem weichen Waschlappen, den sie gut ausgewrungen hat, in Haarwuchsrichtung des Patienten. Beim Waschen des Armes beginnt sie also am Sternum. Nach Beendigung einer Waschbewegung führt sie die Hand nicht am Körper des Patienten zurück, sondern setzt immer wieder von neuem an. Ein warmes Fußbad zum Abschluss und das Abtrocknen und Eincremen der Haut in Haarwuchsrichtung unterstreicht die Wirkung der beruhigenden Ganzkörperwaschung.

Unterstützung bei der Körperpflege am Waschbecken

Unterstützung bei der Körperpflege am Waschbecken (Teilwäsche): Hilfe bei der Körperpflege für Patienten, die teilweise selbständig sind und das Bett verlassen können. Mobilisation und Körperpflege werden sinnvoll verknüpft.

Abb.: Seitlich neben Toilette und Waschbecken sind stabile Haltegriffe angebracht, damit der Patient sich aufrichten und festhalten kann. [K183]

Hilfe bei der Körperpflege am Waschbecken ist häufig bei älteren Patienten und in der postoperativen Phase notwendig. Diese Form der Körperpflege signalisiert den Patienten, die bisher im Bett gewaschen wurden, dass es wieder „bergauf“ geht. Daher unterstützen die Pflegenden sie dabei, sich so früh wie möglich am Waschbecken zu waschen.

Viele Patienten benötigen beim Gang zum Waschbecken Hilfe oder werden mit dem Rollstuhl dahin gefahren. Die Sitzgelegenheit dort deckt die Pflegekraft mit einem Stecklaken ab, ehe sich der Patient hinsetzt. Danach vergewissert sie sich, dass der Patient an alle benötigten Utensilien herankommt, und zieht den Vorhang am Waschplatz zu bzw. stellt eine spanische Wand davor.

Damit auf der Haut keine Seifenrückstände verbleiben, wäscht sich der Patient mit fließendem Wasser. Er wäscht sich, so weit er kann selbst, und nur die von ihm nicht erreichbaren Körperpartien übernimmt die Pflegekraft. Sollte sie den Patienten vorübergehend allein lassen, platziert sie die Klingel vorher in Reichweite des Kranken.

Duschen

Duschen empfinden die meisten Patienten angenehmer als Waschen, weil ihr Körper dabei nicht nur befeuchtet, sondern richtig nass wird.

Vorteil des Duschens ist, dass der „Schmutz“ gleich weggespült wird und der Wasserverbrauch nur ein Drittel des beim Baden benötigten Wassers beträgt. Außerdem regt Duschen den Kreislauf an, vor allem, wenn sich der Patient abschließend kurz mit kaltem Wasser abduscht. Ein Hocker ermöglicht den Patienten, sich in der Dusche auch im Sitzen zu waschen.

Beim Duschen beachten:

  • Rutschfeste Unterlage in die Dusche legen
  • Für Patienten, die nicht sicher stehen können, rutschfesten Stuhl oder Hocker in die Duschwanne stellen
  • Klingel erreichbar deponieren
  • Selbständige Patienten alleine duschen lassen
  • Auf Haltegriffe hinweisen.

Ganzkörperdusche im Bett

Abb.: Bettduschsystem mit einem fahrbaren Dusch- und Abwasserwagen.[V108]

Bettduschsysteme ermöglichen schwer kranken, bewegungseingeschränkten Patienten eine Ganzkörperdusche im Bett. Das Bettduschsystem besteht aus einem fahrbaren Dusch- und Abwasserwagen, bei dem ein Thermostat die Wassertemperatur im Frischwasserbehälter reguliert. Eine wasserdichte Matratzenauflage mit integriertem Abfluss wird am oberen und unteren Bettende eingehängt und zur Wanne umgeformt.

Abb.: Einer Matratzenauflage, die zur Wanne umgeformt werden kann.[T161]

Für die Dusche im Bett ist das Umbetten des Patienten nicht notwendig, weil die wasserdichte Matratzenauflage wie ein Bettlaken unter ihn gelegt wird. Durch eine integrierte Abflusseinrichtung fließt das Duschwasser in den Abwasserschlauch und von dort aus in den Schmutzwasserbehälter. Dieser wird nach Gebrauch in die Toilette entleert.


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