Autor/in: MRM

Ausscheidungen

– Urin
– Stuhl
– Menstruation
– Sputum
– Schweiß
– Erbrochenes

Urinausscheidung: Elektrolyt und Flüssigkeitsaufrechterhaltung im Körper
Stuhlausscheidung: Nahrungsrückstände (unverdaut) Flüssigkeit und Stoffwechsel Endprodukte

Beeinflussende Faktoren:

Bio physiologische Faktoren

  • Inwieweit können diese Faktoren Einfluss auf den Bewohner/in
  • Nehmen wie kann die Pflegeperson den Bewohner/in Unterstützen oder Begleiten
  • Inkontinenz -gestörtes Harnsystem Informationen über Ursache, Verständnis für Schamgefühl, Möglichkeiten im Umgang damit aufzeigen
  • Veränderte Flüssigkeitszufuhr / Ernährung, Ernährungsgewohnheiten berücksichtigen
  • Immobilität, eingeschränkte Selbstständigkeit, keine Abhängigkeit vermitteln, Selbstständigkeit fördern, Informationen über spezielle Bewegungen, Intimsphäre waren
  • Herabgesetzter Stoffwechsel, Verschiebung des Gleichgewichts (Parasympatikus / Sympathikus) Informationen, Gewohnheiten berücksichtigen


Seelisch – geistige – Faktoren

Angst / Stress in Bezug auf ungewohnte / fremde Umgebung Gespräch führen, auf Gefühle eingehen, gemeinsam Veränderungen suchen

Sozio – kulturelle – Faktoren

Schamgefühl akzeptieren, informieren, entsprechende Organisation der Pflege
Andere Kultur / Sprache, sich über Bräuche informieren, abhängig vom Bewohnern

Umweltfaktoren

Ungewohnte / fremde Umgebung, Hygienemaßnahmen berücksichtigen, Wünsche berücksichtigen (Intimsphäre), Zeit lassen, Hinweisschilder, Trennwände

Gesunde Ausscheidung: Ausreichende Menge von Urin und Stuhl durch Miktion und Defäkation
Normale Eigenschaften der Ausscheidung in Bezug auf Menge,
Farbe, Geruch, Beimengungen und pH-Wert
Kontrolle über Ausscheidung = Kontinenz

Beobachtungen von Urin

Urin besteht zu 100 % aus Wasser – 5 % aus Salz, Phosphat, Harnstoff, Kreatin, Harnsäure, Farbstoffe (Urobillinogen), wasserlösliche Vitamine, Hormone

Pathologische Bestandteile:

  • Blut (Hämaturie) z. B. Blasenentzündung, Blasenkatheter, Nierenstein, bösartige Erkrankungen
  • Eiweiß (Proteinurie) z. B. bei Nierenschädigung, Entzündungen
  • Zucker (Glukosurie) z. B. Diabetes mellitus
  • Bakterien (Bakterurie) z. B. Harnwegsinfekt, Blasenentzündung
  • Ketonkörper (Ketonurie) z. B. Diabetes mellitus

1.) Durchsichtigkeit des Urins

Normaler Urin: durchsichtig und klar; nach längerem Stehen wird er leicht trüb (durch chemische Umsetzung); bei Bewohner mit Exsikkose ist der Urin dunkel, konzentriert; durch Eiter und Schleim wird Urin wolkig und trüb

2.) Farbe

Normaler Urin: hell – mittel gelb bis Nuance dunkel
Physiologische Abweichung: durch Nahrungsmittel, Medikamente (Rote Bete rotbraun, Rhabarber gelbbraun, Vitamine / Abführmittel (Agarot) orangegelb)

Pathologische Abweichung: Trübung durch rote / weiße Blutkörper, Bakterien und Proteine; schlierig / fleckig durch intensive Entzündung (Eiweiß); rötlich, fleischfarben, trüb durch Blut, Tumore, Nierensteine; bierbraun – grünlich schwarz mit gelben Schüttel Schaum durch Erkrankungen der Leber z. B. Leberzirrhose, Bilirubin (gelber Farbstoff wird nicht mehr abgebaut)

3.) Geruch des Urins

Normaler Urin: nicht streng, fast geruchlos

Physiologische Veränderung: Nahrung (z. B. Spargel penetrant)

Pathologische Veränderung: obstartig bei D.M (Aceton); übel riechend bei Bakterien, Infekten, boullonartige Entzündung; faulig riechend bei bösartigen Tumoren (Endstadium)

4.) Dichte, spez. Gewicht

Gibt an, wie viel Gramm gelöste Stoffe in einem Liter Urin enthalten sind
Pathologische Veränderung bei Eiweißen und Glukose Urin wird konzentrierter
Mit einem Urometer kann man diese Veränderung messen; Normalwert liegt bei 1,010g/cm3 ; Röntgenkontrastmittel kann eine höhere Dichte verursachen.

5.) pH-Wert

Gibt die Ionenkonzentration an

Physiologische Abweichung: bei einer stark pflanzliche Kost z. B. Vegetarier alkalisch; bei starker eiweißreicher Kost eher saurer Urin; Normalwerte: 5 – 6 schwach sauer,

Pathol. Veränderung: pH-Wert > 7 alkalisch bei Infektionen (Niere, Harnwege) es bilden sich keine Harnsteine; pH-Wert < 5 sauer z. B. bei Fieber, starkem Durchfall, D.M. Vorteil weniger Harnwegsinfektionen

6.) Ausscheidung
Normal 1000 – 2000 ml in 24 Std. verteilt auf 4 – 5 Miktionen

Faktoren: Flüssigkeitsaufnahme durch Trinken; Außentemperatur – Flüssigkeitsverluste durch Schwitzen und Atmen; Respirator insensibilis unbemerkbare Flüssigkeitsverluste (ca. 500 – 1000 ml / 24 Std. 0.5 * Kg * 24); Perspirato sensibilis spürbarer Flüssigkeitsverlust (ca. 500 ml / 24 Std.); Flüssigkeitsaufnahme bei fester Nahrung ca. 1000 ml / 24 Std.

Störungen der Urinproduktion

Polyurie: vermehrte Urinausscheidung > 3l / 24 Std. bis 10 – 20l / 24 Std.

Physiologische Ursache: Flüssigkeitsaufnahme

Pathologische Ursache: Behandlung mit aus schwemmenden Mitteln (Diuretika); D.M.;

Hormonstörungen; Nierenerkrankungen
Oligurie: wenig Urin, Verminderung auf 100 – 500 ml / 24 Std.

Physiologische Ursache: verminderte Flüssigkeitsaufnahme; starkes Schwitzen
Pathologische Ursache: Fieber; Ödeme (Herz-Kreislauf-Erkrankungen); Erkrankungen der

Niere; starkes Erbrechen / Durchfälle; starke Blutverluste

Anurie: kein Urin (kaum) < 100 ml / 24 Std. (immer Notfallsituation)

Physiologische Ursache: Schock; Nieren – Becken – Entzündung (renale Ursache); Blasensteine, Prostata Tumore

Miktionsstörungen

1.) Harnverhalten (Harnretention)
Unfähigkeit, die gefüllte Blase zu entleeren

Ursache: Erschlaffung der Blasen-Muskulatur (Atonische Blase) Schädigung des

Rückenmarks; mechanische Störung (Harnröhrenverengung), Prostatavergrößerung,
Blasenstörungen, Blasentumore, Schwellung der Schleimhäute (Katheter); psychische
Beeinträchtigung bei Angst, Schamgefühl, ungewohnte Umgebung.

2.) Überlaufinkontinenz (Harnträufeln) Sonderform des Harnverhaltens
Unvermögen Harn unwillkürlich zurückzuhalten unwillkürlicher Abgang (geringe Urinmenge) bei prall gefüllter Blase

Ursache: mechanische Störungen (Harnwegsstriktur)

3.) Dysurie: erschwertes Wasserlassen, meist verbunden mit Schmerzen und Brennen
(Algurie = nur schmerzhaftes Wasserlassen)

Ursache: Harnwegsinfekt, Harnwegsstriktur

4.) Pollakisurie:
häufiger Harndrang mit jeweils nur geringen Urinmengen (Tropfen), Urinmenge ist über
24 Std. normal

Ursache: Blasenentzündung, Harnwegsinfekt; Prostatavergrößerung; Tumor an der Blase;
Aufregung, Stress, Schwangerschaft, Kältereiz

Störung des Miktionszeitpunktes

Nykturie: vermehrtes nächtliches Wasserlassen, nachts mehr als 2x
Ursache: Herzinsuffizienz (Leitsymptom)

› Flüssigkeitsbilanz

Gegenüberstellung von Flüssigkeitsaufnahme und Abgabe, meist innerhalb von 24 Std.
Einfuhr: Trinkmenge, Flüssigkeitsgehalt fester Speise (80 % vom Gewicht bei Obst, Joghurt,
Gemüse ist Wasser), Sondenkost, Infusion, Oxidation-Wasser (pauschal 300 ml / 24
Std. entsteht bei der Verbrennung von Kohlenhydraten)
Ausfuhr: Urin, Stuhl (bei normaler Defäkation ca. 100 ml Wasser), erbrochenes,
Magensekret, Blutungen, Wundsekret, Perspirato sensibilis / insensibilis

› Arten der Bilanz

Registrierbare Bilanz, tatsächliche, messbare Flüssigkeitsmenge (Trinkmenge, Urin, Infusion, Sondennahrung)
Effektive Bilanz außer dem messbaren werden auch schätzbare Flüssigkeitsmenge hinzugezogen z. B. Oxidationswasser, Perspirator insensibilis

Beispiel
Registrierbar Einfuhr Ausfuhr
Trinken 1700 ml Urin 1500 ml
Infusion 500 ml Stuhl 100 ml
2200 ml 1600 ml
Differenz + 600 ml
Effektive Oxyd. 300 ml P. ins. 960 (bei 80 Kg)
2500 ml 2560 ml
Differenz +/- 0

Einteilung der Differenz

1.) Positive Bilanz (+ Bilanz): Einfuhr > Ausfuhr z. B. bei Ödembildung
2.) Ausgeglichene Bilanz: Einfuhr = Ausfuhr (+/- 100 ml)
3.) Negative Bilanz (- Bilanz): Einfuhr < Ausfuhr z. B. Fieber, Durchfall, dauerhaftes Erbrechen, Diuretika Gabe
Ergänzung zur täglichen Bilanzierung ist die Gewichtsmessung (Kontrolle). Bei Gewichtsänderung kann diese Rückschlüsse auf Flüssigkeitsverlust oder Ansammlung geben. Gewichtskontrolle sollte immer zum gleichen Zeitpunkt und zu gleichen Bedingungen durchgeführt werden.

  • Selbstständige sollten die Eintragung selbst durchführen
  • Restmengen sollten aufgeführt werden
  • Fassungsvermögen der Gefäße als Legende aufführen
  • Errechnung der Bilanz zum festgelegten Zeitpunkt

Inkontinenz

Unwillkürlicher Abgang von Urin und Stuhl. Urin / Stuhl kann nicht willentlich zurückgehalten werden. Man unterscheidet Urin~ respektive Stuhlinkontinenz. Es sind ca. 4. Millionen in Deutschland betroffen.
Beeinflussende Faktoren:
– Alter (häufigste Beschwerden im Alter und nimmt im mit zunehmendem Alter zu)
5 – 64 Jahre 3 %
65 – 79 Jahre 11 %
> 80 Jahre 30%
– Geschlecht
75 % Frauen, 25 % Männer, jede 4. Frau (Beckenbodenmuskulatur ist häufig geschwächt)
– Institutionelle Unterbringung (Altenheim)
80 % der Bewohner sind inkontinent.

› Formen der Inkontinenz

1.) Stress und Belastungsinkontinenz

Passiver unwillkürlicher Urin-Verlust ohne Harndrang beim Versagen des Harnröhren-Verschlussmechanismus, durch erhöhten intraabdominellen Druck (Husten, Niesen, Lachen), in Form von Träufeln bis Abgang im Strahl

Ursache: Schädigung des Beckenbodens, Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur

2.) Drang oder Urge Inkontinenz

Unwillkürlicher Harnverlust bei gesteigertem Harndrang und unkontrollierter Blasenmuskelaktivität bei intaktem Harnröhrenverschluss (äußerer)

motorische:

Erkrankung des ZNS, z. B. Apoplex, MS, Parkinson, Demenz Hyperaktivität des Blasenmuskels ausgelöst durch den Reiz der Füllung z. B. bei Angst
Urs: instabile Blase, Prostatavergrößerung, motorisch ungehemmte Blase.

Sensorische: äußerer Sphyncter öffnet sich reflektorisch ohne Blasenkonzentration durch starken Drang

Urs: Reizung der Blasenwand durch chronische Entzündung (Steine), Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol, Östrogenmangel (führt zur Atrophie der Blase respektive des Harnleiter)

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