Autor/in: Cordula

Venöses System

A) Varikosis /Varizen (Krampfadern, krankhafte Venenerweiterung)

Definition: krankhafte Venenerweiterung am Bein.

Ursachen:

  • Voraussetzung für eine Varikosis sind insuffiziente (= Schluss unfähige) Venenklappen.
  • Bei funktionslosem Klappenapparat strömt das Blut in den betroffenen Venen in falscher Richtung. d. h. in der V. saphena nach unten (der Schwerkraft folgend) statt nach oben und in den Perforatorvenen (Verbindungsvenen) (sie heißen so, weil sie die Faszie perforieren) fließt das Blut nach außen statt innen.

Folge ist ein Blutstau in der V. saphena magna (liegt oberflächlich), der zur sichtbaren Venenerweiterung führt.

  • Man unterscheidet 2 Formen der Varizen:
  • Primäre Varikosis. Ursache ist eine anlagebedingte Bindegewebsschwäche, wobei Adipositas, stehende und sitzende Tätigkeiten, familiäre Disposition,   Bewegungsmangel und Schwangerschaft begünstigende Faktoren sind.
  • Sekundäre oder post thrombotische Varikosis. Diese Form ist weitaus seltener. Hier ist eine tiefe Venenthrombose Ursache der Varizen. Das oberflächliche Venensystem fungiert als Umgehungskreislauf, was zu einer stärkeren Beanspruchung und Dilatation der V. saphena mit Klappeninsuffizienz führt.
  • Frauen sind anfälliger als Männer durch ihr schlechteres Bindegewebe.


Einteilung:

Die Bein Varikosis betrifft das oberflächliche Venensystem. Meist ist die V. saphena magna betroffen, die vom Innenknöchel an der medialen Seite des Beines zur Leiste zieht; seltener ist die V. saphena parva erweitert, die dorsal vom Außenknöchel zur Kniekehle verläuft.

Eine Varikosis kann in verschiedenen Ausprägungsgraden vorliegen:

  • Stamm Varikosis: Varikose Erweiterung der gesamten V. saphena magna nach HACH

Stadium 1: proximaler Oberschenkel

Stadium 2: bis oberhalb des Kniegelenkes

Stadium 3: bis unterhalb des Kniegelenkes

Stadium 4: bis zum Knöchel

  • Stamm Varikosis der V. saphena parva
  • Perforansvenen Varikosis
  • Seitenast Varikosis: Erweiterung größerer Klappen, insuffizienter Abzweigungen.
  • Besenreiservarizen: kleine, nur wenige Millimeter messende Venenerweiterung (haben lediglich kosmetische Bedeutung)

Symptome:

  • Sichtbare Krampfaderbildung (Stamm- u./o. Seitenast Varikosis)
  • Schweregefühl der Beine, v.a. bei Hitze und nach längerem Stehen oder Sitzen.
  • Evtl. nächtliche Wadenkrämpfe durch Elektrolytverschiebungen
  • Rezidivierende Thrombophlebitiden
  • Stauungsdermatosen (Ekzeme, Braunverfärbung der Haut, Pigmentstörung v.a. am Innenknöchel)
  • Varizen Blutungen

Schon weit fortgeschritten: Ulzera cruris, chronisch venöse Insuffizienz (CVI)

Komplikationen:

  • Blutstau und Druckbelastung in der V. saphena begünstigen verschiedene Folgeschäden, die man als chronisch-venöse Insuffizienz zusammenfasst.
  • Im Falle sekundärer Veränderungen nach tiefer Beinvenenthrombose spricht man auch vom post thrombotischen Syndrom:
  • Stauungsödem am Innenknöchel,
  • Thrombophlebitis,
  • Hautatrophie mit Pigmentstörung.
  • Als schwerste Komplikation der Varikosis ist das Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür) anzusehen, das sich größtenteils erst in höherem Alter manifestiert („offenes Bein“). Das venöse (=durch Varizen bedingte) Ulcus cruris ist unmittelbar oberhalb des Innenknöchels manifestiert, wo der hydrostatische Druck in der klappen insuffizienten V. saphena magna am größten ist.

Diagnostik:

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchungen (Inspektion, Palpation)
  • FKDS (= Farbduplexsonografie) (zeigt defekte Mündungsklappen durch Rückstrom bei VALSALVA-Pressmanöver)
  • Phlebografie (aszendierend)

Therapie:

  • Konservativ: Vermeidung von begünstigenden Faktoren (Adipositas, stehende Berufe), Kompressionsbehandlung (Kompressionsverband, Kompressionsstrümpfe oder – Strumpfhosen).
  • Operativ: Das gängigste Operationsverfahren ist die Barock-Operation: Der erkrankte Teil der V. saphena magna wird auf eine spezielle Plastik- oder Metallsonde aufgefädelt, wozu ein kleiner Schnitt in der Leistenfalte und ein weiterer am Unterschenkel erforderlich ist. Dann wird die Sonde mitsamt der Vene durch das Unterhautfettgewebe herausgezogen („gestrippt“).

Beim Kryostripping wird die Vene durch lokale Vereisung an einer Metallsonde fixiert. Deshalb ist eine distale Inzision am Unterschenkel nicht erforderlich, was kosmetische Vorteile hat.

Die in der Leiste in die Saphena einmündenden Venenäste werden vor dem Stripping des Hauptstammes ligiert und durchgetrennt. Größere Seitenäste müssen durch zusätzliche Schnitte exstirpiert werden, insuffiziente Perforator Venen ebenfalls.

Eine Verödung kommt nur bei umschriebener Venenerweiterung infrage, wenn keine zusätzliche Stamm Varikosis besteht oder diese durch Babcock-Operation entfernt wurde.

Besenreiservarizen können aus kosmetischer Indikation durch Laser oder Verödung beseitigt werden.

B) Phlebothrombose (TVT= Tiefe Venen Thrombose)

Definition: Thrombotischer Verschluss der tiefen Venen mit der Gefahr einer Lungenembolie.

Ursachen:

Virchow`sche-Trias (1856)

  • Verstärkte Gerinnbarkeit des Blutes (= Hyperkoagulabilität) durch Ovulationshemmer (Pille) plus Nikotin, Protein S/C/AT 3-Mangel (Gerinnungsfaktoren im Blut) und Paraneoplastische (Krebserkrankung).
  • Verlangsamung des Blutflusses (= Stase) durch Immobilisierung, z. B. „Economy class-syndrom“ (10-14 h Flüge), Wochenbett, Adipositas, Schwangerschaft und Gipsfixierung.
  • Veränderung der Gefäßwand (= Endothel Verletzung) durch Viggo legen (traumatisch), Bakterien in Viggo (infektiös), falsche Medis (chemisch) und alte Viggo (degenerativ).

Symptome:

Die tiefe Venenthrombose betrifft fast ausschließlich die unteren Extremitäten (Becken-Bein-Venenthrombose).

  • Schwellung
  • Zyanose
  • Schmerz

Es müssen nicht alle Symptome auftreten

Komplikationen:

Lungenembolie. Bei Ablösung der Thromben aus den Bein- oder Beckenvenen kann das mit dem Blutstrom fortgeschwemmte Gerinnsel (= Embolus) über das rechte Herz in die Lungenarterien gelangen. Eine Lungenembolie kann auftreten, ohne dass Symptome einer tiefen Venenthrombose erkennbar sind. Oftmals als einziges Symptom der TVT!

Postthrombotisches Syndrom. Der dauerhafte Verschluss der tiefen Venen einer unteren Extremität führt zu einer chronischen venösen Abflussbehinderung mit schmerzhafter Schwellneigung des Beines.

Phlegmasia coerulea dolens   mit konsekutiver arterieller Kompression (heftigster Schmerz, blaurote Zyanose, prall hartes Ödem) dies ist ein Notfall, denn das Bein kann verloren werden.

Diagnostik:

  • Anamnese
  • Inspektion (gespannte, glatte, glänzende, zyanotische Haut)
  • Wadenumfang Differenz größer 2 cm
  • Klinische Zeichen (Payr-Zeichen= Fußsohlen Druckschmerz, Homan-Zeichen= Wadenschmerz bei Dorsalflexion des Fußes, nach oben drücken)
  • FKDS
  • Phlebografie (aszendierend)

Therapie:

  • Allgemeinmaßnahmen (Kompressionsbehandlung mit elastischen Wickeln oder Kompressionsstrümpfen, KG)
  • Spezielle Maßnahmen: Antikoagulation. Gewichtsadaptiertes Innohep oder Phenprocoumon (z. B. Marcumar)

C) Thrombophlebitis

Definition: Thrombotischer Verschluss oberflächlicher Venen im Unterhautfettgewebe mit lokaler Entzündung

Synonym: oberflächliche Venenthrombose, Venenentzündung.

Ursache:

  • Bakteriell, z. B. bei Viggos
  • Abakteriell, z. B. bei Varikosis (aszendierend, deszendierend)

Symptome:

  • Schmerzhaft (Dolor)
  • Rötung (Rubor)
  • Schwellung (Tumor)

des paravasalen Gewebes mit

  • derbem
  • druckempfindlichem Venenstrang
  • ggf. Subfebrile Temperaturen (Calor)
  • Funktionseinschränkung (Functio Laesa)

Diagnostik:

  • Inspektion
  • Palpation
  • FKDS zum Ausschluss einer Aszension

Therapie:

  • Lokale Salben Behandlung
  • NSAR (antiphlogistische, analgetische Wirkung)
  • Kompressionsverband am Bein
  • NMH (Innohep gewichtsadaptiert) um Aszension zu verhindern
  • Keine Immobilisation, keine Bettruhe

Sonderformen:

  • Abszedierende Thrombophlebitis
  • Thrombophlebitis migrans (saltans) (Springer, mal rechts mal links)
  • Aszendierende Thrombophlebitis im Verlauf der V. saphena magna oder parva (OP)
  • Therapie: Crossektomie und partielle Exhairese des entzündeten Abschnittes wegen Emboliegefahr (Problem beim Vorschieben der Sonde)

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