Autor/in: Vera B.

KHK= Koronare Herzerkrankung = Koronarinsuffizienz

Synkope = kurzzeitige Bewusstlosigkeit

KHK= Koronare Herzerkrankung = Koronarinsuffizienz

Durch Einengung oder Verschluss der Herzkranzgefäße, dadurch verminderte Durchblutung und Sauerstoffmangel der Herzmuskulatur. Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf des Herzmuskels.

Angina Pectoris „Brustenge“ = vorübergehender Sauerstoffmangel der Herzmuskelzellen, Angina Pectoris Anfälle treten in Folge körperlicher und psychischer Belastungen auf, also bei erhöhtem Sauerstoffbedarf des Herzens.
Herzinfarkt (Myokardinfarkt) = Herzmuskelnekrose (örtlicher Gewebstod) durch akuten Sauerstoffmangel der Herzmuskulatur meiste in Folge eines Koronararterienverschlusses. Schwere des Infarkts richtet sich nach der Größe des untergegangenen Muskelanteils. Wird der Herzinfarkt überlebt, bildet sich an der betroffenen Herzmuskelschicht eine Narbe, dadurch entsteht eine Leistungsminderung.



Ursachen:

Selten sind Koronarspasmen (Gefäßkrämpfe) die Ursache.
Häufig ist eine Koronarsklerose (Arteriosklerose der Koronararterien) die Ursache.
Da das Herz eine große Reservekapazität hat, ist die Krankheit weit fortgeschritten, bevor erste Symptome auftreten.(Spätstadium)
Besonderheiten der Koronarsklerose: Koronararterie sind funktionelle Endarterien, d. h. es gibt keine Verbindungsgefäße und keine Umgehungsgefäße.
Akuter Verschluss einer Koronararterie überwiegend tödlich, weil keine Umgehungsgefäße vorhanden sind.
Chronischer Verschluss einer Koronararterie, chronischer Sauerstoffmangel, dadurch Bildung neuer Umgehungsgefäße.

Ziel

Präventivmedizin = vorbeugende Maßnahmen vor Ausbruch der Krankheit (Prophylaxe)
Stillstand der Erkrankung nach dem Ausbruch der Krankheit
Risikofaktoren sind Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Hypertonie, Gicht, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, Bakterien (Chlamydien).
Anfalls respektive Herzinfarkt auslösend sind körperliche Anstrengung, seelische Belastung, Stress, reichhaltige Mahlzeiten und Kälte.
Symptome:
die Beschwerden eines Angina pectoris Anfalls und eines Herzinfarkts sind fast identisch.
Herzinfarkt ist höchster Schweregrad einer KHK
Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen als Folge einer KHK
Angina Pectoris Anfall nach Schweregrad
1.) bei Belastungssituationen
2.) im Ruhezustand
3.) nachts aus dem Schlaf.

Symptome eines Angina Pectoris Anfalls:

Typischer anfallsartiger Schmerz Sekunden bis Minuten anhaltend, oft nach schwerem Essen, Stress und in Kälte. Typischer Schmerzcharakter Brennen tief in der Brust, Enge in Brust, Beklemmungsgefühl, Druckgefühl, Vernichtungsschmerz. Typische Schmerzlokalisation Ausstrahlung in linke Schulter, Arm, Hand, Unterkiefer, Hals, Oberbauch, rechter Arm, rechte Brust. Todesangst und Vernichtungsgefühl! Schwere vegetative Symptome, kalter Schweißausbruch, grau, blasse Haut, Übelkeit bis zum Erbrechen, schneller Puls und Luftnot. Wichtig! AP Anfall dauert nur wenige Minuten, Rückbildung ohne Gewebstod (Nekrose).

Pflegerische Erstmaßnahmen:
Arzt rufen, Patient nicht allein lassen, Ruhe ausstrahlen, Patient hochlagern, absolute körperliche Entlastung. Puls, Blutdruck, Atmung und Bewusstsein beobachten, selbst Ruhe bewahren und Patient beruhigen, beengende Kleidung öffnen oder ausziehen. Für Frischluftzufuhr sorgen, Fenster öffnen, auf ärztliche Anordnung 2l Sauerstoff/min geben, bis zum Eintreffen des Arztes bei einem Blutdruck >= 120 mmHg ärztlich verordnete Angina pectoris Medikamente verabreichen z. B.: 1–2 Hübe Nitroglyzerin Spray unter die Zunge sprühen, Krankenhauseinweisung vorbereiten.

Einsatz von Nitrospray: Vorsicht!
Absicherung beim Hausarzt, telefonische Rücksprache oder Besuch, ungefragt, falls für den Bedarf verordnet, nie bei Blutdruck Werten< 120/70 mmHg, nur am sitzenden oder besser liegenden Patienten, Patient über Nebenwirkungen (Kopfschmerz)aufklären, Wirkdauer ca. 15–20 min., Gabe unter die Zunge (Wangentasche).

Rezidivprophylaxe: zur Vermeidung erneuter Anfälle.
Medikamente:
Nitrate:

zur Senkung des Sauerstoffbedarfs des Herzens, Nitrolingualspray, schnelle Wirkung, Weitstellung der Lungengefäße und peripheren Arterien, Entlastung des Herzens. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Blutdrucksenkung, evtl. Kreislaufkollaps, Pulsanstieg, evtl. plötzliche Gesichtsröte (Flush).
Betablocker:
Tenormin, Beloc, Concor u. a.
Calciumantagonisten:
zur Erweiterung der Herzkranzgefäße, Isoptin, Dilzem, Adalat u. a.
ASS:
zur Verhinderung der Verklumpung der Thrombozyten. Aspirin, Cofarit u. a. Verbesserung des Blutflusses an den Engstellen.
Nebenwirkungen:
Allergie, Magen- und Darmgeschwüre, Blutungsrisiko bei Geschwüren, Zahnziehung und OP.
Evtl. Herzkatheteruntersuchung: Ballondilatation (PTCA): Erweiterung der verengten Herzkranzgefäße durch einen über eine Beinarterie eingeschobenen Katheter.
Koronaroperation (Bypass-Operation): verengtes Herzkranzgefäß wird durch ein ein-gesetztes Venenstück umgangen.

Langzeittherapie:
Änderung der Lebensweisen, Behandlung der Risikofaktoren, Über-denken beruflicher Ziele.

Pflege:

Zu Pflegenden über Krankheit, Risikofaktoren und Anfalls Dauer informieren, Fort-schreiten der Arteriosklerose vermeiden, über Möglichkeiten zur Änderung der Lebensweise beraten, aber nicht aufzwingen, Nahrungsumstellung anstreben, Übergewicht reduzieren, täglich 5 kleinere, fettarme Mahlzeiten, körperliche Bewegung, Spaziergänge, Gymnastik nach Arztabsprache, Entspannungstraining z. B.: autogenes Training, Verständnis für das Festhalten an alten Lebensweisen zeigen, behutsamen Änderungen an-streben, kleine, überschaubare Ziele, bei Bettlägerigkeit Übernahme der notwendigen ATL, behutsam mobilisieren nach Arztabsprache, Obstipationsprophylaxe.
Merke: auch wenn der Patient tagtäglich über dieselben Symptome klagt, ist er immer ernst zu nehmen, da die Beschwerden auf eine Verschlechterung hinweisen können. Jeder akute Herzschmerz ist zum Beweis des Gegenteils bedrohlich, bei nächtlicher Unruhe helfen Nit-romedikamente evtl. besser als Schlafmittel.
Herzinfarkt (HI): akute und schwerste Manifestation der KHK mit umschriebener Nekrose (Gewebsuntergang) des Herzmuskels in Folge Ischämie (Mangeldurchblutung).
Akute Letalität ist am höchsten in der 1. Stunde
Sehr hoch in den ersten zwei Tagen ca. 20 %
Im ersten Jahr 5 – 10 %
Danach 2 – 5 %

Symptome: Bei 2/3 aller Patienten treten plötzlich heftige retrosternale Schmerzen auf, häufig mit starkem Engegefühl, Todesangst und Unruhe. Ca. 20 % der Patienten mit einem Herzinfarkt haben nur wenig oder gar keine Schmerzen (stummer Herzinfarkt), häufig bei Diabetikern oder älteren Menschen, anhaltender Brustschmerz ausstrahlend in Arme, Bauch, zwischen Schulterblätter oder Unterkiefer. Übelkeit, Erbrechen, Blässe, fahl-graue Gesichtsfarbe und kalter Schweiß im Gesicht, durch die Todesangst bis zur Fremdheit verzerrter Gesichtsausdruck, Dyspnoe, die zum Hinsetzen oder Hinlegen zwingt, plötzlicher Kreislaufzusammenbruch ggf. mit Bewusstlosigkeit und kardiogenem Schock. Schwerster, oft lang anhaltender AP-Anfall, stärkere Schmerzen als bei früheren AP-Anfällen, über 15 min. Dauer, rasch zunehmende Schmerzsymptomatik, keine Besserung bei Gabe von Nitromedikamenten, Todesangst!

› Merke
! Niemals Nitrospray ohne Blutdruckmessung vorher und im Verlauf!

Frühkomplikationen (erste zwei Tage):

Herzrhythmusstörungen z. B.: Kammerflimmern, Asystolie, AV-Block, Re-Infarkt oder Ausweitung des Infarkt-Gebiets, Herzmuskulatur Ruptur (Riss im Infarkt Gebiet), akute Linksherzinsuffizienz (Lungenödem), kardiogener Schock, evtl. Perikarditis (Herzbeutelentzündung).

Spätkomplikationen:
Herzinsuffizienz, Thromboembolien aus Bein- und Beckenvenen, arterielle Embolien aus dem Herz, aus Narbenbereichen des Infarkts, aus Herzwandaneurysma, Nachgeben der HI Narben Region, Aussackung der Herzwand.

Akuttherapie:
richtiges Erkennen, ggf. sofort reanimieren, Arzt benachrichtigen, Patienten nicht allein lassen, ihm das Gefühl von Ruhe und Geborgenheit vermitteln. Ist er ansprechbar, ihm alle Maßnahmen erklären, mit erhöhtem Oberkörper lagern, beengende Kleidung entfernen. Vitalzeichen kontrollieren, auf ärztliche Anordnung, Sauerstoff geben (2-4 l/min), bei systolischem Blutdruck > 120 mmHg 1–2 Hübe Nitro – Spray über Perfusor geben, Schmerzen bekämpfen, um den Vernichtungsschmerz auszuschalten, und den Sauerstoffverbrauch des Organismus zu senken. Mittel der Wahl ist Morphin jedoch nie i.m, Patienten sedieren Diazepam z. B. Valium, zur Senkung des Sauerstoffverbrauchs des Organismus, Heparin iv. Zur Vermeidung von weiteren Thrombosierungen in Herz-Kranz- und anderen Gefäßen, Patienten auf Intensivstation verlegen.

Therapie auf Intensivstation:
Bekämpfung des kompletten Gefäßverschlusses, Fibrinolyse – Therapie zur Auflösung der Koronar Thromben, Heparin – Therapie zur Verhinderung der Ausdehnung der Koronar Thromben, Sedation, Nitroperfusor,

Therapie auf Normalstation:
kontrollierte Mobilisation (KG), Echokardiografie, Ergometrie, Langzeit – EKG, Herzkatheteruntersuchung, Ballondilatation, Bypass – Operation, typische Dauermedikation, Betablocker, ASS (100 mg), weitere Medikamente nur bei entsprechender Indikation, Therapie der Risikofaktoren, Therapie evtl. bleibender Folge-Erkrankungen, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, evtl. später Aneurysma – Operation, Anschluss – Heil – Behandlung (AHB)

Wiedereingliederung ins Alltags- und Berufsleben:

Herzinsuffizienz:
(Herzmuskelschwäche, Pumpschwäche), Unvermögen des Herzens, das zur Versorgung des Körpers erforderliche Blutvolumen zu befördern.
Merke: Herzinsuffizienz ist fast immer Folge einer anderen Herzerkrankung, eine mögliche Therapie muss grundsätzlich, die Herzinsuffizienz und die Grunderkrankung berücksichtigen. Mit Ausnahme eines reinen Alterungsprozesses, dort nur Herzinsuffizienz behandeln, kompensierte Herzinsuffizienz = Herzschwäche nur bei Belastungssituationen, dekompensierte Herzinsuffizienz = Herzschwäche auch in Ruhe, akute Herzinsuffizienz, chronische Herzinsuffizienz.

Stadieneinteilung (nach NYHA):
(New York Hart Assoziation) I. keine Symptome bei normaler Belastung, meist zufällige Feststellung bei Herzuntersuchungen, II. Symptome bei starken, größtenteils körperlichen Belastungen, III. Symptome bei alltäglichen Belastungen, IV. Symptome schon in Ruhe.

Ursachen:
unmittelbare Schädigung der Herzmuskelzellen, Sauerstoff- oder Nährstoff-mangel, Elektrolytstörungen, → KHK, Herzinfarkt → Nekrosen mit Narbenbildung, → Herzmuskelentzündungen, toxische Herzmuskelschädigung durch Drogen, Viren, Bakterien, Gifte,

Chronische Überlastung des Herzmuskels:
Vergrößerung des linken und später des rechten Herzens, aufgrund mechanisch bedingter Ursachen, → arterielle Hypertonie, → Herzklappenfehler, →Herzrhythmusstörungen, Perikarderkrankungen

Chronische Überbelastung vorwiegend des rechten Herzens akut
→ Lungenembolie, chronisch → Lungenemphysem, →chronische Bronchitis, → Asthma bronchiale, Fibrosen, Staublunge

Typen der Herzinsuffizienz:
Rechtsherzinsuffizienz = „Rückwärtsversagen“, Blut staut sich rückwärts in den Körperkreislauf, Linksherzinsuffizienz = „Vorwärtsversagen“, fehlende Auswurfleistung des Herzens, Globalherzinsuffizienz = Rechts- und Linksherzinsuffizienz, akute Herzinsuffizienz: rechts = bei akuter Lungenembolie, links = als Lungenödem, chronische Herzinsuffizienz: sich langsam entwickelnde Symptomatik (siehe Stadieneinteilung)

Symptome:
Blut staut sich immer vor dem versagenden Herzteil. Linksherzinsuffizienz: Blutstau in den Lungenkreislauf, Lungenstauung mit Atemnot bei Belastung und Ruhe, durch Flüssigkeitsaustritt ins Lungengewebe, Stauungsbronchitis mit Dyspnoe und Husten, Herzasthma mit nächtlichen Hustenanfällen. Lungenödem mit Orthopnoe (Form der stärksten Atemnot), Zyanose, brodelnde, rasselnde Atmung.

Rechtsherzinsuffizienz: Blut-Rückstau in den Körperkreislauf, Halsvenenstauung, Stauung in inneren Organen, besonders Leber, Milz und Magen (Vergrößerung). Übelkeit, Erbrechen, Appetitmangel, schlechte Medikamenten Resorption, Ödeme, in der Bauchhöhle (Aszitis), in der Haut (Anasarka), bei Bettlägerigkeit im Kreuzbeinbereich, in den Beinen, Unterschenkel- und Knöchelödeme anfänglich vorwiegend abends, Pleuraergüsse.

Globalinsuffizienz (gemeinsame Symptome):
Leistungsminderung, Herzvergrößerung, Dyspnoe = Luftnot mit zunehmender Atemfrequenz, Zyanose (als Folge von Dyspnoe), Tachykardie (Pulsanstieg>100/min., wegen zu geringer Auswurfleistung evtl. Herzrhythmusstörungen), Ödeme, Nykturie (nächtliches Wasserlassen, da Blase besser durch-blutet).

Therapeutische Allgemeinmaßnahmen:
Körperliche Schonung (anfangs Bettruhe, Oberkörper hochlagern vorwiegend nachts, Frischluftzufuhr, Sauerstoffgabe nach ärztl. Anordnung, Anpassung der Alltagsbelastung an mögliches Sauerstoffangebot). Thromboseprophylaxe (Bettruhe u. Entwässerung), Pneumonieprophylaxe, Dekubitusprophylaxe besonders an den ödematösen Stelen. Obstipationsprophylaxe, Kleie u. Lactulose, psychische Betreuung, Diät (Nahrung soll Natriumarm, Kaliumreich, Flüssigkeit beschränkt, mit vielen Ballaststoffen und wenig Hülsenfrüchten sein, keine blähenden und schwer verdaulichen Speisen, wenig Kaffee, mehr kleine Mahlzeiten)

Spezielle Therapie der Herzinsuffizienz:
Digitalis (Steigerung der Kontraktionskraft, lange Wirkdauer), Diuretika (Verminderung des Blutvolumens und Entlastung des Herzens, Entwässerung), ACE-Hemmer (Verringerung des Gefäßwiderstandes und Erleichterung der Herzarbeit).

Spezielle Therapie der Grundkrankheit:
besonders im 1 und 2 Stadium. Nitrate (Weitstellung der Gefäße bei KHK, Lungenentlastung), Calciumantagonisten (Nifedipin zur Therapie der arteriellen Hypertonie).

Krankenbeobachtung bei chronischer Herzinsuffizienz:
Vitalzeichen, ZVD, Flüssigkeitsbilanz, Körpergewicht, Sputum. Merke: Atemnot bei Belastungen, schnellen Herz-schlag, Halsvenenstauung, Beinödeme (Schuhe zu eng), nächtliches Wasserlassen

Therapie der Komplikationen:
Herzrhythmusstörungen (können Ursache oder Folge der Herzinsuffizienz sein, Herzrhythmusmedikamente, Herzschrittmacher, Einpflanzung

Arteriosklerose:
Arteriosklerose ist die wichtigste und häufigste Erkrankung der Arterien, die meist über Jahrzehnte zur Verhärtung und Elastizitätsverlust durch ab und Einlagerung führt. Sie ist der zentrale ursächliche Faktor bei der Entstehung der häufigsten und wichtigsten Zivilisationskrankheiten z. B.: Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, arterielle Durchblutungsstörungen. Definition: Veränderung der Arteriengefäßwand durch Einlagerung von Blutfetten und Mineralsalzen (Kalk) mit Verdickung und Verhärtung (Sklerose) der Gefäßwand, wodurch es zu einem Elastizitätsverlust der Arterien kommt. Ursache: die eigentliche Ursache ist unbekannt, man vermutet einen genetisch verankerten Altersprozess. Folge: Einengung des Innendurchmessers (Lumen der Gefäße). Verengte Gefäßabschnitte neigen zu Spasmen (Gefäßkrämpfe), Fissuren (Risse), Ulcera (Geschwüre), Thrombosebildung (Blutgerinnsel im Gefäß), Strömungshindernis (Stenose). Endzustand: Kompletter Verschluss des Gefäßabschnittes (Infarkt), Ischämie (Sauerstoffmangel)- Nekrose (Gewebstod). Arteriosklerose ist für ca. 50 % aller Todes-fälle verantwortlich!

Organkomplikationen:
Herz = Koronarsklerose (Angina Pectoris, Herzinfarkt), Gehirn = Zerebralsklerose (Hirninfarkt, Hirnblutung), Beine = Arteriosklerose (AVK, Raucherbein) Nieren = Arteriosklerose (Nierenhochdruck).

Risikofaktoren:
positive Familienanamnese, Alter, arterielle Hypertonie, Stoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Gicht, Adipositas), Geschlecht (Östrogene als Schutzfaktor), Nikotin, psychosozialer Stress, Bewegungsmangel, genetische Faktoren
Symptome:
oft stumm, lange Zeit keine Beschwerden, meist aufgedeckt durch Organ-Komplikationen.

Klinische Befunde:
Hoher Blutdruck, Seitendifferenz im Blutdruck (>20mmHg) und Puls, verhärtetes Gefäß tastbar, Gefäßgeräusche mit Stethoskop hörbar, Verkalkung sichtbar im Röntgenbild.

Therapie:
Allgemeinmaßnahmen zur Ausschaltung der Risikofaktoren (vorbeugend), besonders genaue Behandlung von arteriellem Hochdruck und Stoffwechselstörungen (Fettstoffwechsel, Diabetes mellitus), Therapie der Organkomplikationen (Wettlauf mit der Zeit), falls möglich ASS Dauertherapie (senkt das Thromboserisiko in den verengten Gefäßen, Blutungszeit wird verlängert).
Arterielle Hypertonie die Hypertonie ist ein wichtiger Risikofaktor für alle im Rahmen einer allgemeinen Arteriosklerose auftretenden Krankheiten, z. B. KHK, Schlaganfall und für die Sterblichkeit bei alten Menschen. Im Gegensatz zur Hypotonie ist die Hypertonie eine gefährliche Krankheit, weil sie fast keine Symptome verursacht. Ca. 15 % aller Menschen in Europa und USA leiden an Hypertonie. Krankhafte Steigerung des Gefäßinnendrucks, dauernd erhöhte Blutdruckwerte > 160 / 95 mmHg, altersabhängige Werte des Blutdrucks, bis 40 Jahre = bis 140 / 90 mmHg, 40 – 60 Jahre = 150 / 90 mmHg, ab 60 Jahre = 160 / 90 mmHg, nach den neuen Richtlinien sind Werte über 130 / 85 mmHg hoch normal, evtl. Abfall der Blutdruckwerte ab 80 Jahre, Idealwert 130 / 70 mmHg, Grenzwert – Hypertonie: 140 – 160 / 90 – 95 mmHg, labile Hypertonie: in Belastungssituationen (physisch und psychisch) erhöhte RR – Werte, maligne Hypertonie: diastolische RR – Werte ständig > 120 mmHg, rasch fortschreitende Organveränderungen besonders an der Niere, miserable Prognose! (wie Bronchialkarzinom!)

Einteilung der Hochdruckkrankheit nach WHO:
Stadium I (milde) 95 – 104 mmHg keine Organkomplikationen,
Stadium II (mittel) 105 – 115 mmHg, Herzmuskelverdickung, leichte Nieren- und Netzhautveränderungen,
Stadium III (schwer) > 115 mmHg, Lungenödem, Netzhautblutungen, Stadium IV (maligne) > 120 mmHg, Hirninfarkt, Niereninsuffizienz
Die Lebenserwartung sinkt in dem Maß, wie der diastolische Blutdruck steigt!

Risikofaktoren:
Arteriosklerose, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Gicht, Adipositas, genetische Disposition, Medikamente („Pille“!), Alkohol, Nikotin, psychosozialer Stress

Primäre = essenzielle arterielle Hypertonie (80 – 85 %):
genetische Faktoren und Umweltfaktoren, Ausschluss aller Formen sekundärer Hypertonie, „Ausschlussdiagnose“

Sekundäre
= symptomatische arterielle Hypertonie (15 – 20 %): chronische Nierenerkrankungen: chronische Entzündung, Zysten, Medikamente, Steinleiden, Nierenarterienstenose: arteriosklerotische, entzündliche oder fibromuskuläre Gefäßeinengungen, meist bei jüngeren Leuten, Hormonerkrankungen: Hormon aktive Nebennieren – Tumore, Hyperthyreose, Ovulationshemmerhypertonie: häufigste, hormonell bedingte Hypertonie, Herz- und

› Aortenerkrankungen:
Altershochdruck! Einige Herzfehler, Alkoholkrankheit: besonders bei Entzugssymptomatik!

Symptome:
lange Zeit keine Beschwerden! „Patienten leben gut, aber kurz!“, Hinweise auf mögliche Organbeteiligung: Schwindel, Ohrensausen, Gedächtnisstörungen, Sehstörungen, Kopfdruck oder Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Nasenbluten, Herz-druck, Angina pectoris.

Diagnose:
wird wegen fehlender Symptome häufig nicht gestellt. Anamnese, klinische Untersuchung, Blutdruckmessung, Urinuntersuchung, Blutuntersuchung, EKG, Belastungs-EKG und 24 Std. Blutdruckmessung.

„Andauernde Therapie bei chronischer Erkrankung:

Sekundäre arterielle Hypertonie (Behandlung der Grundkrankheit), primäre arterielle Hypertonie (symptomatische Blutdrucksenkung).

Therapie der Altershypertonie:
Indikation wird individuell gestellt, in Abhängigkeit vom biologischen Alter (junge 80er) und von den Begleitumständen(Vorliegen zusätzlicher Krankheiten oder Risikofaktoren, die durch die Hypertonie verschlimmert werden können).

Lebensführung:
möglichst geregelte Arbeitszeiten, keine Nachtschicht, ausreichend Schlaf, Entspannungsübungen erlernen, Bewältigung von Konflikten, körperliche Bewegung mit Ausdauersportarten z. B.: Laufen, Schwimmen, Rad fahren, Skilanglauf. Verboten: Skiabfahrtslauf, Hochgebirgsurlaub, Sauna, Kopfsprung ins kalte Wasser.

Diät:
kochsalzarme Kost, kein Nachsalzen, Gewichtsnormalisierung, kein Nikotin, wenig Tee, Kaffee und Alkohol, Fettzufuhr unter 80g am Tag, wenig tierische Fette, evtl. Behandlung manifester Stoffwechselkrankheiten.

Medikamente:
je nach Alter des Patienten, Schweregrad des Hochdrucks, zusätzlichen Stoffwechselerkrankungen, zusätzlichen Organkomplikationen.

Typische Medikamentengruppen:
ACE Hemmer: Pres, Xanef für die Nierenhormone und das Gefäßsystem. Betablocker: Beloc, Visken für das Herz und das Gefäßsystem. Calciumantagonisten: Adalat, Isoptin. Diuretika: Lasix.

Komplikationen:
Herz (KHK, Herzinfarkt, Lungenödem, Linksherzhypertrophie), Gehirn (Hirnleistungsstörungen, Hirninfarkt, Hirnblutung), Niere (Schrumpfniere, Niereninsuffizienz), Auge (Netzhautblutungen, Papillenödem).

Sofortmaßnahmen:
Ruhe, 1 Kapsel Adalat Sublingual vom Patienten zerkauen lassen und bei Bedarf nach 30 Minuten wiederholen, RR/Pulskontrolle.

Periphere Arterienerkrankung:
funktionelle oder organische Erkrankung der peripheren Arterien, akute oder chronische Ischämie (örtliche Blutleere), Leitsymptom ischämischer Schmerz.

Funktionelle Durchblutungsstörungen, z. B.:
Raynaud-Symdrom: keine organische Arterienveränderung, krankhafter Gefäßspasmus(maximale Engstellung der Gefäße), wahrscheinlich durch Nervenfehlstellung.

Symptome:
Leichenfinger bei Kälte, anfallsartig, Finger u. Zehen werden weiß, kalt, starke Schmerzen, Kribbeln,
Beweglichkeitseinschränkung, Dauer ca. 10 min., Frauen 6x häufiger betroffen.

Therapie:
Anfall vergeht von selbst, evtl. Nitrosalben zur Gefäßerweiterung, warme Alkoholgetränke, prophylaktisch Handschuhe.

Organische Erkrankungen der peripheren Arterien:
organische Veränderungen der Blutströmung oder der Blutgerinnung, Männer 5x häufiger betroffen.

Akute arterielle Embolie:
Pfropf (Blutgerinnsel, arteriosklerotische Gewebestücke) im Herz oder Aorta abgerissen gelangen in den Blutstrom und verstopft Arterie in Extremitäten, Nieren, Gehirn, Darm, Milz

Akute arterielle Thrombose:
Bildung einer Thrombose (Blutgerinnsel im Gefäß) an einer Engstelle des vorgeschädigten Gefäßes durch Behinderung der Blutströmung, untere Extremitäten, Koronararterien → Herzinfarkt, Hirnarterien → Hirninfarkt

Klinische Symptomatik des akuten arteriellen Verschlusses der Extremitäten:
akuter heftiger Schmerz („Peitschenhieb“), Blässe, Kältegefühl, Gefühlsstörung, Bewegungsunfähigkeit, Pulslosigkeit, schwere Allgemeinsymptome bis hin zum Schock!

Akuttherapie:
NOTFALL! Maximal 10 Stunden Zeit! Sofortmaßnahmen: sofort Arzt informieren, Krankenhauseinweisung, Patienten beruhigen, richtige Lagerung der Extremitäten (Fußtieflage, Polsterung!), Schmerzbekämpfung (starke Mittel erst nach Diagnosestellung)

Ärztliche Therapie:
operative Entfernung des Blutpfropfs, Medikamente: Heparin, Fibrinolyse, Marcumar

Arterielle Verschlusskrankheit

Ursachen:
degenerativ (Arteriosklerose, Gefäßschäden bei Diabetes mellitus), entzündlich (M.Buerger, Männer 2x häufiger betroffen, Arteriitis bei rheumatischen Erkrankungen, Frauen häufiger).

Risikofaktoren:
allgemeine Gefäßrisikofaktoren, genetische Faktoren, Arteriosklerose, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Gicht, arterielle Hypertonie, Nikotin, Übergewicht, Bewegungsmangel.

Symptome:
I.: keine Beschwerden! Durchblutung der Gefäße unterhalb des Verschlusses der Arterie durch Umgehungsgefäße (Kollateralen), II.: „Schaufensterkrankheit“, Stehenbleiben wegen Ischämie schmerzen bei Belastung, III.: Ruheschmerzen, besonders nachts, keine sichtbaren Hautveränderungen, IV.: starke Ruheschmerzen und Gewebsuntergang, „Raucherbein“, Nekrosen (örtlich begrenzter Gewebstod), Gangrän, „Brand“, fressendes Geschwür, abgestorbenes Gewebe, trocken (Mumifikation) und feucht (Fäulnisbrand)

› Therapie:

Basismaßnahmen: Bekämpfung der Risikofaktoren, optimale Herz- und Kreislaufbehandlung, Vermeidung von Gewebeschäden und Infektionen, sachgerechte Hautpflege, geeignetes Schuhwerk, keine lokale Wärmeanwendung! Spezialmaßnahmen: konservativ: Geh- und Muskeltraining zur Kollateralbildung, Schmerzbekämpfung und Ruhigstellung, Medikamente Thrombozyten Aggretationshemmer (ASS), Durchblutungsmittel (Trental, Dusodril, Prostavasin – Infusionen), Gerinnungshemmer (Fibrinolyse, Marcumar), operativ: Ausschälung oder Ausfräsung, Ballondilatation (Dehnung), Bypass – Operation (Umleitungsoperation), notfalls Amputation, Lokalmaßnahmen: Wärmeschutz (Watteschuhe, Wollstrümpfe), sachgerechte Lagerung, Fußtieflage, Kissen, Wattepolster, „Bahnhof“, Hautpflege, Behandlung der Gangrän und Nekrosen.

Pflegerische Maßnahmen bei peripherer Verschlusskrankheit

Ziel:
Durchblutung verbessern:
Beine tief lagern, Extremitäten warmhalten z. B.: wollene Socken anziehen, auch nachts, Extremität vor Druck und Blutdrosselung schützen, bequeme Schuhe, durchblutungsfördernde Übungen, Fuß strecken und anziehen, Gefäßtraining, mehrmals täglich rasch gehen bis zur Schmerzgrenze, täglich längere Spaziergänge.

Ziel:
Extremitäten vor Verletzungen schützen:
sorgfältige Hautpflege durchführen, Verletzungen z. B.: beim Nagel schneiden vermeiden, Fußpflege durch Fachkraft, Hitze- und Kälteeinwirkungen z. B.: durch Wärmflasche vermeiden, da das Empfindungsvermögen herabgesetzt sein kann, Wunden immer Arzt zeigen, aseptische Wundbehandelung.
Beobachtung: Extremität auf Durchblutung (Beinpuls), Wärme, Sensibilität, Verletzungen, Schmerzen und Blutdruck prüfen.

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