Autor/in: Anonym

Gesundheits und Krankheitslehre Seite 7

2. Peripheres Nervensystem

2.1 Hirnnerven

Es gibt 12 Paare, die im Gehirn entspringen und dieses durch kleine Öffnungen im knöchernden Schädel verlassen. Sie versorgen Kopf, Hals und einige innere Organe mit Nerven.

2.2 Rückenmarksnerven

Die Rückenmarksnerven entspringen im Rückenmark und verlassen das Rückenmark und die Wirbelsäule durch die Zwischenwirbellöcher (Wirbelkanal). Sie versorgen den Körper vom Hals abwärts mit Nerven.
Es gibt 31 Paare Rückenmarksnerven:
8 Halsnerven                C1 – C8
12 Brustnerven                       Th1 -Th12
5 Lendennerven           L1 – L5
5 Kreuznerven                         S1 – S5
1-2 Steißnerven
Die Rückenmarksnerven bilden zum Teil Nervengeflechte (= Plexus):

  1. Halsnervengeflecht                   C1 – C4

―› Nerven für Hals, Schulter, Zwerchfell

  1. Armnervengeflecht                   C5 –Th1

―› Nerven für Nacken, Schulter, Arme (Speichen-, Ellen-, Mittelnerv)

  1. Lendennervgeflecht                  L1 – L4

―› Nerven für untere Bauchwand, Oberschenkelstrecker

  1. Kreuzgeflecht (größtes Geflecht)          L4 – S3

―› Nerven für Gesäß und Beine, u.a. der Ischiasnerv (stärkster Nerv des Körpers)

  1. Schamgeflecht                         S3 –S5

―› Nerven für Beckeneingeweide, Damm, äußere Genitalien

Motorik

Was braucht man alles, dass die Motorik vollständig funktioniert?
1. motorisches Antriebsfeld in der Großhirnrinde
2. primär motorisches Rindenfeld
3. Pyramidenbahn
4. EPS = Extrpyramidal-motorisches System (z.B. Kerne im Mittel- und Kleinhirn)
5. Rückenmark
6. periphere Nerven
7. Muskeln
8. Gelenke (und Knochen)

3. Vegetatives Nervensystem

Merkmale:

1. Es passt den Körper an die jeweiligen Bedürfnisse an.
2. Es ist nicht dem Willen unterworfen (es arbeitet autonom = unabhängig).
3. Es wirkt an glatter Muskulatur, Herzmuskel und Drüsen.
4. Es steuert die Funktion der inneren Organe: Herz-Kreislauf, Atmung, Verdauung, Stoffwechsel,
Ausscheidung, Fortpflanzung.
5. Es wird durch psychische Vorgänge beeinflusst.
6. Es besteht aus zwei Teilsystemen als Antagonisten:
a) Sympathikus
– stellt den Körper ein auf körperliche Höchstleistung, Anspannung und Stress, „Flucht und Kampf“
– regt den Stoffwechsel an für schnelle Energiefreisetzung
b) Parasympathikus
– sorgt für Erholung und Aufbau des Körpers und für Entspannung
– regt Verdauung, Ausscheidung und Speicherung von Nährstoffen an

  1. bremst den Energiestoffwechsel

Organ: Herzmuskel
Sympathikuswirkung
: Zunahme der Pulsrate (schneller, stärker) und Kontraktionskraft
Parasympathikus: mäßige Abnahme von Pulsrate und Kontraktionskraft

Organ: Haut- und Schleimhautgefäße, Eingeweidegefäße
Sympathikuswirkung
: Verengung
Parasympathikus: keine Wirkung bekannt

Organ: Muskelgefäße
Sympathikuswirkung
: Erweiterung (auch Verengung)
Parasympathikus: keine Wirkung bekannt

Organ: Hirngefäße
Sympathikuswirkung
: (leichte Verengung)
Parasympathikus: keine Wirkung bekannt

Organ: Bronchien
Sympathikuswirkung
: Erweiterung
Parasympathikus: Verengung

Organ: Speicheldrüsen
Sympathikuswirkung
: Verminderung der Sekretion
Parasympathikus: Steigerung der Sekretion

Organ: Magen-Darm-Trakt
Sympathikuswirkung
: Verminderung von Tonus und Bewegungen (weniger Peristaltik), Sphinkteren kontrahiert
Parasympathikus: Sphinkteren entspannt, Steigerung von Tonus und Bewegungen

Organ: Verdauungsdrüsen
Sympathikuswirkung
: Verminderung der Sekretion
Parasympathikus: Steigerung der Sekretion

Organ: Sexualorgane beim Mann
Sympathikuswirkung
: Auslösung der Ejakulation
Parasympathikus: Auslösung der Erektion

Organ: Tränendrüsen
Sympathikuswirkung
: Keine bekannte Wirkung
Parasympathikus: Steigerung der Sekretion

Organ: Pupille
Sympathikuswirkung
: Erweiterung
Parasympathikus: Verengung

Organ: Harnblase
Sympathikuswirkung
: Harnverhalt
Parasympathikus: Harnentleerung

7. Die Zentren des vegetativen Nervensystems liegen im Gehirn und Rückenmark. Von dort ziehen viele
vegetative Nerven zu den einzelnen Körperteilen.

Schutzhüllen des zentralen Nervensystems

Knochen (Schädel, Wirbelsäule)
Hirnhäute
Liquor

1. Hirnhäute (= Meningen)

Aufbau:

– drei Meningen, dazwischen zwei Spalträume
– von außen nach innen:
– Epiduralraum

1. Harte Hirnhaut (= Dura mater):

– sie liegt dem Schädelknochen und dem Wirbelkanal innen an, d.h. sie kleidet sie innen aus
– sie enthält Venen („venöse Blutleiter“)
– bildet Trennwände im Gehirn (= Sicheln), die die Hirnteile in Position halten
– Dura mater des Rückenmarks besteht aus zwei Blättern (Schichten), dazwischen liegt der Epiduralraum
> Subduralraum

2. Spinnwebenhaut (= Arachnoidea):

– bildet Ausstülpungen (= Arachnoidalzotten) in die Venen der Dura mater, so dass der Liquor ins Blut
abfließen kann
> Subarachnoidalraum – mit Liquor gefüllt

3. Zarte Hirnhaut (= Pia mater):

– liegt direkt auf dem Nervengewebe
– kleidet auch die Hirnkammern aus
– enthält viele Blutgefäße
– bildet in den Hirnkammern den Liquor

2. Liquor (= Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit)

ca. 150ml im Hirn und Rückenmark
Liquor ist eine klare, farblose Flüssigkeit, die die Hirnkammern und den Subarachnoidalraum ausfüllt. Er ist zusammengesetzt wie eiweißarmes Blutplasma. Er wird gebildet von der Pia mater in den Hirnkammern und fließt ab über die Arachnoidalzotten in die Venen der Dura mater.

Aufgaben:

– schützt Gehirn und Rückenmark wie ein Wasserkissen
– kontrolliert zum Teil den Stoffaustausch zwischen Blut und Nervengewebe = „Blut-Liquor-Schranke“
Es gibt vier Hirnkammern, die miteinander verbunden sind.

Blutversorgung des Gehirns

Sie erfolgt durch vier Arterien:

  1. zwei innere Halsschlagadern (rechte und linke A. carotis interna)
  2. zwei Wirbelschlagadern (rechte und linke A. vertebralis).

Diese vier Arterien sind um die Hypophyse herum zu einem Gefäßrind verbunden. Aus diesem Ring entspringen auf jeder Seite die vorderen, mittleren und hinteren Hirnarterien (je rechte und linke A. cerebri anterior, media, posterior).
(Buch S. 101 Abb. 2.71)
Der venöse Blutabfluss erfolgt durch die Venen der Dura mater in die inneren Drosselvenen (rechte und linke V. jugularis interna).

Erkrankungen des Nervensystems

Neurologische Untersuchungsmethoden

1. körperliche (spezielle neurologische) Untersuchungen:
Prüfung von:

  1. Bewusstseinslage (Orientierung, Ansprechbarkeit)
  2. Beweglichkeit und Kraft
  3. Koordination (Finger-Nase, Hacke-Knie, Armhalte-Test)
  4. Mimik (N. facialis)
  5. Sprache
  6. Sensibilität
  7. Reflexe (BSR, ASR, PSR, Schluck-, Lidschluss-, Pupillenreflex)
  8. Augenhintergrund (Netzhaut, gelber und blinder Fleck)

2. apparative Untersuchungen:

  1. EEG
  2. Lumbalpunktion
  3. Gefäßdoppler
  4. Nervenleitungsgeschwindigkeit
  5. CT
  6. MRT
  7. Angiographie (= Darstellung der Gefäße mit Kontrastmittel)

Häufige Symptome

– Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
– Kopfschmerzen
– Gefühlsstörungen/Sensibilitätsstörungen
z.B. Missempfindungen (= Paraesthesien)
Sprachstörungen:
z.B. zentrale Sprachstörung: Aphasie
– motorische Aphasie
―› Sprache kann nicht oder nur schwer gebildet werden, das Sprachverständnis bleibt erhalten
– sensorische Aphasie
―› gestörtes Sprachverständnis, aber sprechen noch möglich (wobei der Sprechende selbst nicht
versteht, was er sagt)
– globale Aphasie
―› Sprachverständnis und –bildung gestört
Es gibt zwei Zentren für Sprache im Gehirn:

  1. Broca-Zentrum für die Sprachbildung
  2. Wernicke-Zentrum für das Sprachverständnis.

motorische Störungen:
a) Lähmungen:

  1. Plegie (= Paralyse) = vollständige Lähmung
  2. Parese = unvollständige Lähmung, Restbewegungen in der Muskulatur sind in der Regel noch möglich

Man unterscheidet:
Monoparese/-plegie                     (eine Extremität gelähmt)
Hemiparese/-plegie                       (Halbseitenlähmung; Arm, Bein, Gesicht)
Paraparese/- plegie                       (Querschnittslähmung; Unterkörper und beide Beine gelähmt)
Tetraparese/-plegie                       (Lähmung vom Hals abwärts)
Lähmungen können zentral oder peripher sein, d.h. die Ursache liegt im zentralen (spastische Lähmung)
oder peripheren (schlaffe Lähmungen) Nervensystem, oder durch Muskeldystrophie entstehen.
b) Veränderungen der Muskelspannung:

  1. schlaff oder spastisch
  2. Rigor (= Muskelsteife), Bewegung gegen Widerstand

―› „Zahnradphänomen“ = ruckartige Bewegungen
c) Ataxie:
= gestörter Bewegungsablauf durch mangelnde Koordination (Zusammenspiel der Muskeln fehlt)
– Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
Bewusstseinsstörungen:
a) Benommenheit:
―› voll orientiert, aber langsamere Reaktion
b) Somnolenz
―› Schläfrigkeit, für kurze Zeit weckbar – dann orientiert
c) Sopor:
―› tiefe Schläfrigkeit, nur durch starke Reize kurz weckbar
d) Präkoma:
―› leichte Bewusstlosigkeit, nicht weckbar, aber Reaktion auf starke Schmerzreize
e) Koma:
―› tiefe Bewusstlosigkeit, keine Reaktion mehr, auch nicht auf starke Schmerzreize

Apoplex = Schlaganfall

Definition:

– akute Durchblutungsstörung des Gehirns mit Absterben von Hirngewebe

Ursachen:

1. (in 85%) Verschluss einer Hirnarterie (= Hirninfarkt, am häufigsten A. cerebri media betroffen)
durch: a) Thrombose einer arteriosklerotischen Hirnarterie
b) Embolie, ausgelöst durch Thromben aus:
– einer arteriosklerotischen Halsschlagader
– dem linken Herzen, z.B. bei Klappenfehlern (Aorten-, Mitralklappe)
Herzrhythmusstörungen (Virchow-Trias)
Narben nach Herzinfarkt (raue Fläche ―› Thrombus)
2. (in 15%) Platzen einer Hirnarterie ―› Hirnblutung
durch: Hypertonie
(seltener durch Aneurysma)

Risikofaktoren:

– Arteriosklerose-Risikofaktoren: Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Pille, Diabetes mellitus, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen
– Herzklappenfehler
– Herzrhythmusstörungen

Symptome: („Kann-Symptome“)

– sind unterschiedlich je nach Ort und Ausmaß der Schädigung
1. akute Bewusstseinsstörung, meist nur von kurzer Dauer
2. Hemiplegie/-parese:
– anfangs schlaff, später spastisch
– gesteigerte Reflexe auf der betroffenen Seite, zum Teil zusätzlich krankhafte Reflexe,
z.B. Babinski-Reflex – Fußsohlenaußenrand wird gereizt ―› Großzehe hebt sich
– bei Schädigung in der rechten Hirnhälfte sind die Ausfälle auf der linken Körperhälfte
und umgekehrt (Pyramidenbahn)
3. Aphasie
4. Sensibilitätsstörungen auf der betroffenen Körperhälfte
5. Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
6. Schluckstörungen
7. Störungen der Blasen- und Darmentleerung
8. Sehstörungen und Neglect-Phänomen („Vernachlässigung“)
gelähmte Körperseite wird vom Gehirn nicht wahrgenommen, obwohl das Auge gesund ist  (Verarbeitung des Sehens wird im Gehirn vernachlässigt ―› Gehirn nimmt nur gesunde Seite wahr)
9. Apraxie = Unfähigkeit zu sinnvollem, zweckgerichtetem Handeln trotz erhaltener Wahrnehmung und
Beweglichkeit
10. psychische Veränderungen:
a) Antriebsarmut und Depression
b) Affektlabilität = Gefühlsäußerungen sind nicht mehr unter Kontrolle, z.B. spontanes
Lachen oder Weinen
c) Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Denkstörungen

Therapie:

– Sicherung der Vitalfunktionen:

  1. Beobachtung von Blutdruck, Puls, Atmung

―› evtl. medikamentöse Behandlung, stabile Seitenlage

  1. Beobachtung der Körpertemperatur (häufig erhöht)
  2. Beobachtung des Blutzuckers (häufig Entgleisungen)

– Sichern mit CT, ob Infarkt oder Blutung als Auslöser:

  1. bei Infarkt evtl. Lysetherapie (in Stroke-Unit = spezielle Schlaganfall-Station)
  2. bei Blutung keine Lysetherapie, da diese eine Massenblutung fördern würde

– Thromboseprophylaxe: Low-dose-Heparin
– optimale Pflege zur Verhütung von Komplikationen:

  1. Pneumonie (durch flache Atmung)
  2. Harnwegsinfekte
  3. Dekubitus
  4. Thrombosen
  5. Spastik und Kontrakturen

– frühzeitige intensive Aktivierung zur Überwindung der neurologischen Ausfälle:

  1. Prinzipien: aktivierende Pflege

Krankengymnastik nach Bobath
Ergotherapie
Logopädie
– Behandlung der Grundkrankheiten (z.B. Hypertonie, Diabetes mellitus) und Verminderung
der Risikofaktoren

Mögliche Vorboten:

1. TIA = transitorisch-ischämische Attacke
―› plötzliche, kurze Durchblutungsstörung im Gehirn mit leichten vorübergehenden neurologischen
Symptomen wie beim Apoplex, die sich nach Minuten bis höchstens 24 Stunden völlig zurückgebildet
Haben
2. PRIND = prolongiertes (verlängertes TIA) reversibles ischämisches neurologisches Defizit
―› wie TIA, Rückbildung der Symptome kann aber bis zu 7 Tage dauern

Morbus Parkinson

Entstehung:

– in den Kernen des Mittelhirns (= Stammganglien) fehlt Dopamin und Acetylcholin überwiegt

Ursachen:

1. idiopatisch (= unbekannt)
2. Nebenwirkungen von Medikamenten, besonders von Neuroleptika (z.B. Haldol®)
3. Arteriosklerotische Veränderungen der Hirngefäße (Mittelhirn)

Verlauf:

– chronisch fortschreitend

Symptome:

1. Tremor (= Zittern):
– Ruhezittern (beginnt meist einseitig)
– verstärkt bei Aufregung und psychischem Druck
– bei entspannter Konzentration wird das Zittern weniger
– besonders betroffen: Hände (in Form von „Geldzählen“), Füße, Kopf („Ja-Nein-Tremor“)
2. Rigor (= Muskelsteife):
– Bewegungen wie gegen Widerstand
– ruckartige Bewegungen („Zahnradphänomen“)
―› gebeugte Haltung
3. Akinese:
– verminderte Beweglichkeit bis zur Erstarrung
―› Trippelgang (kleinschrittig ohne Mitschwingen der Arme)
―› Maskengesicht ―› starre Mimik
―› Stimme wird leise und monoton, Sprache wird verwaschen
―› erschwertes Kauen ―› Schluckstörungen
Bewegungen können schlecht begonnen, schlecht beendet und schlecht geändert
werden.
4. vegetative Störungen:
– vermehrte Schweiß- und Talgproduktion („Salbengesicht“)
– vermehrte Speichelproduktion
– Blutdruckschwankungen (häufiger Hypotonie)
– Potenz-, Blasen- und Darmstörungen (Blase – Inkontinenz, Darm – Obstipation)
5. psychische Störungen:
– Patienten sind reizbar, pedantisch (übergenau), eigensinnig und leicht aggressiv
– Depression
– geistige Verlangsamung (langsameres Denken)
―› führt selten zu Demenz

Therapie:

1. Medikamente:

  1. Ersatz von Dopamin, z.B. Madopar®

Nebenwirkungen:
– Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
– nach längerer Einnahme:
―› „ON-OFF-Phänomen“ im Tagesablauf (Patient hat Phasen, wo er sich gut
bewegen kann und Phasen, wo er sich schlecht bewegen kann)
―› Hyperkinesien (zu viele, überflüssige Bewegungen)
―› Dyskinesien (unkontrollierbare Fehlbewegungen)

  1. Dopaminähnliche Stoffe, z.B. Movergan®, Parcotil®

Nebenwirkungen:
– wie Dopamin, aber späteres Eintreten des „ON-OFF-Phänomens“

  1. Anticholinergika (unterdrücken Acetylcholin), z.B. Akineton®, Tremarit®

Nebenwirkungen:
– fördern die Demenzentwicklung besonders bei älteren Patienten
2. aktivierende Pflege, Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie
3. evtl. OP, bei der versucht wird, die gestörten Kerne im Mittelhirn auszuschalten (kleine
Regionen werden „verlötet“) ― › positive Wirkung bei Tremor (bei Rigor und Akinese
nicht)

Epilepsie

Definition:

– Anfallskrankheit bei erhöhter Erregbarkeit des Gehirns (ca. 200.000 Patienten in Deutschland)

Ursachen:

1. idiopatisch
2. vielfältig: – Verletzungen des Gehirns (= Narben = Störzentrum)
– Erkrankungen des Gehirns
– Hirntumoren
– Vererbung
3. evtl. Anfallsauslöser sind Lichtblitze, Schlafentzug, Drogen (Medikamente, Alkohol,…)

Symptome:

Zahlreiche Anfallsformen, zum Teil abhängig vom Alter oder der Lokalisation der Schädigung im Gehirn:

Kleine Anfälle (Petit mal):

Es treten Absenzen auf. Der Patient ist während einer gewissen Zeit geistig abwesend und hat für diese Zeit eine Gedächtnislücke.

Große Anfälle (Grand mal):

Es treten generalisierte Krampfanfälle auf:
– evtl. oft stundenlanges Unwohlsein oder Verstimmung vor dem Anfall (Prodromi =
Symptome, die den eigentlichen Krankheitszeichen vorangehen)
– evtl. kurzdauernde Missempfindung oder abnorme Wahrnehmung von Geschmack, Geruch,
usw. (Aura)
– plötzlich einsetzende Bewusstlosigkeit mit Sturz und Krampfanfall; oft mit Verletzungen,
Zungenbiss
– Zyanose des Gesichts bei kurzdauerndem Atemstillstand durch verkrampfte Atemmuskulatur
– nach kurzer Zeit löst sich die Verkrampfung und es treten rhythmische Zuckungen auf; vor
dem Mund bildet sich weißlicher Schaum
– während des Anfalls sind die Pupillen weit und reaktionslos
– unwillkürlicher Abgang von Stuhl und Urin
– nach dem Anfall kann der Patient noch längere Zeit bewusstlos bleiben oder schlafen
– Bewegungsautomatismen (unbewusste automatische Bewegungen) bei eingeengtem oder
aufgehobenem Bewusstsein
– der Patient ist nach dem Anfall erschöpft (wie nach großer Anstrengung) und kann sich nicht
an den Anfall erinnern

Diagnose:

– Sicherung durch EEG

Komplikationen:

– Status epilepticus = Übergang in einer längerandauernden epileptischen Zustand. Ein Status
epilepticus ist eine lebensbedrohliche Situation, bei der große Anfälle auftreten, ohne dass der
Patient dazwischen das Bewusstsein wieder erlangt. Der Zustand verlangt schnellstmöglichste
ärztliche Behandlung.
– Nach längerdauernder Epilepsie können psychische Veränderungen auftreten, wie erminderte
geistige Beweglichkeit, Beharren auf gleichem Thema.
– Patient darf nicht Fahrrad- oder Autofahren und nicht an Maschinen arbeiten.

Therapie:

– Im Anfall Patient nach Möglichkeit vor Verletzungen schützen. Bei einem kurzdauernden
Anfall sind keine weiteren Maßnahmen nötig.
– Vorbeugen der Anfälle mit Medikamenten (Antiepileptika), welche die Erregbarkeit des
Gehirns vermindern. ―› Diese Medikamente müssen dauernd zuverlässig eingenommen und
deren Wirkung regelmäßig mit EEG kontrolliert werden.

Multiple Sklerose

Im zentralen Nervensystem entstehen Narbenherde, die wahllos verstreut in Gehirn und Rückenmark auftreten können und zu Ausfällen von Bahnen und Zentren führen. Relativ häufig sind Frauen von der Krankheit befallen.

Ursache:

1. idiopatisch
2. autoimmun (Gliazellen werden zerstört ―› Narbenherde entstehen ―› Nervenzellen gehen
zugrunde)

Symptome:

– Lähmungen und Empfindungsstörungen, Ausfälle von Hirnnerven mit Sehstörungen
(Doppelbilder), Sprachstörungen (Aphasie)
– Störung des Bewegungsablaufs und der Koordination
– Blasenentleerungsstörungen (Inkontinenz, Harnverhalt)
– psychische Veränderungen: die Patienten sind oft unbekümmert, euphorisch, selten treten
Erregungs- oder Depressionszustände auf
– bei Befall des Atemzentrums Atemstörungen oder Atemlähmung möglich

Verlauf:

– In Schüben, die Symptome können sich wieder zurückbilden. Beginn der Krankheit meistens
zwischen 20- 40 Jahren. Die Krankheit führt über Monate bis Jahre zur Invalidität.
– Zuerst oft nur kurzdauernde Störungen wie Schwäche in einem Bein oder Sehstörungen, die
wieder verschwinden können. Nach Monaten oder Jahren führt der nächste Schub zu
bleibenden Ausfällen, Gangunsicherheit usw.
– Nach mehreren Schüben muss der Patient oft im Rollstuhl bleiben und kann später ganz
bettlägerig werden.

Komplikationen:

– Schluckstörungen können zu Aspirationspneumonie führen
– Pneumonie als Folge von Bettlägerigkeit oder Atemstörung
– Dekubitus, Harnwegsinfekte, Kontrakturen

Therapie:

– keine Behandlung der Ursache möglich
– während eines Schubes körperliche Schonung; Versuch, mit Cortison den Schub zu verkürzen
– (s.c.) Beta-Interferon kann Schubhäufigkeit vermindern
– Physiotherapie, Bewegungstherapie (Reittherapie, Schwimmen), Ergotherapie

Gehirntumore

Kommen als gut- oder bösartige Primärtumoren vor, sowie (häufiger) als Metastasen von anderen Geschwülsten wie Bronchialkarzinom oder Mammakarzinom der Frau.

Symptome: (abhängig von der Lage des Tumors)

– Hirndrucksymptome: (Tumor breitet sich aus und drückt Hirnanteile an Schädelknochen)

  1. Kopfschmerzen
  2. Erbrechen, Übelkeit
  3. Bradykardie (Druck auf Kreislaufregulationszentrum)
  4. Veränderungen am Augenhintergrund (Druck auf Sehnerv)
  5. Hirnnerven-Ausfälle
  6. Krämpfe (veränderte Reizschwelle ―› Epilepsie)

– Psychische Veränderungen:

  1. Reizbarkeit
  2. Veränderung der Persönlichkeit
  3. Verlangsamung (geistig, Reaktionsfähigkeit)

– Lähmungen und andere neurologische Symptome

Therapie:

– Operation und/oder Bestrahlung
– Zytostatika

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