Autor/in: Anonym

Gesundheits und Krankheitslehre Seite 5

Die Rippen

Es gibt 12 Rippenpaare:
davon  1. bis  7. Rippen = „echte“ Rippen (= Costae verae)
8. bis 12. Rippen = „falsche“ Rippen (= Costae spuriae)
Die Rippen sind gelenkig mit der Wirbelsäule verbunden (wichtig für die Atembewegung). Vorn sind die Rippen 1 bis 7 direkt mit dem Sternum verbunden. Die Rippen 8 bis 10 sind über eine Knorpelspange mit der 7. Rippe verbunden. Die 11. und 12. Rippen enden frei in der Muskulatur.
Im Intercostalraum (= ICR) liegen die Zwischenrippenmuskeln, die den Thorax heben und senken können (äußere Schicht hebt den Thorax und die innere Schicht senkt ihn).

Die Atemmuskulatur

Einatmung:

= Vergrößerung des Thorax
1. äußere Zwischenrippenmuskeln, die die Rippen heben
2. Zwerchfell (= Diaphragma):

  1. trennt kuppelförmig Bauch- und Brustraum
  2. liegt zwischen dem Sternum, den unteren 6 Rippenpaaren und der Lendenwirbelsäule
  3. senkt sich beim Zusammenziehen und vergrößert dadurch den Brustraum

3. Hilfsmuskeln:

  1. vorderer Sägemuskel
  2. Halsmuskeln (besonders der Halswender)
  3. großer und kleiner Brustmuskel

―› heben den Thorax besonders bei aufgestützten Armen

Ausatmung:

= Verkleinerung des Thorax
1. innere Zwischenrippenmuskeln, die die Rippen senken
2. Hilfsmuskeln:

  1. Bauchmuskeln, die die Bauchorgane (als „Bauchpresse“)nach oben gegen das Zwerchfell drücken

Die Ausatmung verläuft überwiegend passiv durch Erschlaffung des Zwerchfells und die Elastizität der Lunge.

Die Bauchwandmuskeln

Vorn unten begrenzt das Leistenband die Bauchwandmuskeln. Es zieht vom vorderen oberen Darmbeinstachel zum Schambein (und Symphyse). Oberhalb des Leistenbandes zieht beim Mann der Samenstrang vom Hodensack zum Bauchraum durch den Leistenkanal. Der Leistenkanal ist eine röhrenförmige Verbindung, die schräg durch die Bauchwandmuskeln verläuft.

Aufgaben:

1. Schutz der Bauchorgane
2. Bewegen und stabilisieren den Rumpf
3. Helfen als Bauchpresse bei der Ausatmung, Husten, Niesen, der Geburt und beim Leeren von Blase, Darm
und Magen (Erbrechen)

Der Schultergürtel

Der Schultergürtel verbindet die Knochen der oberen Extremitäten mit dem Körperstamm. Er besteht aus zwei Knochen, dem Schlüsselbein und dem Schulterblatt.

Das Schlüsselbein

– relativ dünner, annähernd S-förmiger Knochen, der an beiden Enden Gelenkflächen besitzt
– liegt dem Brustkorb vorn oben auf und ist medial über das Sternoclaviculargelenk mit dem Sternum verbunden
– bildet zur Seite hin mit dem Schulterblatt das Akromioclaviculargelenk

Das Schulterblatt

– ein etwa dreieckiger, platter Knochen
– eine muldenförmige Vertiefung in der oberen äußeren Schulterblattecke bildet die Schultergelenkspfanne,
die mit dem Kopf des Oberarmknochens ein Kugelgelenk bildet
– über die Schultergelenkspfanne besteht die einzige Verbindung des Armes zum Rumpfskelett
– diese Verbindung kann nicht den ganzen Oberarmknochen aufnehmen, da sie relativ klein und flach ist
– damit das Schultergelenk trotzdem stabil wird, ist es von einer festen Kapsel aus Sehnen, Bändern und den
stabilisierenden Muskel des Oberarms umschlossen
– das Schultergelenk ist als Kugelgelenk und wegen der geringen Knochenführung sehr beweglich; es
ermöglicht sechs Bewegungsrichtungen des Armes:

  1. Anteversion = Vorwärtsheben
  2. Retroversion = Rückwärtsheben
  3. Abduktion ( bis zur Elevation)
  4. Adduktion
  5. Innen- und Außenrotation

Die obere Extremitäten (= Arme)

– umfasst ca. 30 Knochen
– lässt sich in drei Abschnitte einteilen:

  1. der Oberarm mit dem Oberarmknochen (= Humerus)
  2. der Unterarm mit Elle (= Ulna) und Speiche (= Radius)
  3. die Hand mit acht Handwurzel-, fünf Mittelhand- und 14 Fingerknochen

1. Der Oberarm:

– das obere Ende ist über das Schultergelenk mit dem Schulterblatt, das untere Ende über das
Ellenbogengelenk mit Elle und Speiche verbunden

2. Der Unterarm:

– erstreckt sich vom Ellenbogengelenk bis zur Handwurzel
– besteht aus zwei Knochen:

  1. Elle (= Ulna): – am oberen Ende weist sie einen tiefen, halbrunden Ausschnitt auf, der als Gelenkpfanne für das Ellenbogengelenk dient und den Oberarmknochen aufnimmt – unterhalb der Gelenkpfanne liegt eine zweite kleine Gelenkfläche, die mit dem Radiusköpfchen das obere Radioulnargelenk bildet
  2. Speiche (= Radius): – liegt auf der Seite des Daumen – am oberen Ende befindet sich das Radiusköpfchen, das etwa die Form einer dicken, eingedellten Scheibe hat; es bildet mit der Elle ein Zapfengelenk – das untere Ende ist verdickt und trägt dort die Gelenkflächen für die Handwurzelknochen ―› An ihren distalen Enden sind Speiche und Elle durch ein Radgelenk (= unteres Radioulnargelenk) miteinander verbunden.

3. Die Hand:

– die Handwurzel besteht aus acht Handwurzelknochen, die untereinander durch Bänder
verbunden sind und in zwei Reihen zu je vier Knochen angeordnet sind
– drei der Handwurzelknochen weisen auf der proximalen Seite jeweils eine Gelenkfläche auf,
die zusammen mit der Gelenkfläche der Speiche das proximale Handgelenk bilden
– an die vielkantigen Handwurzelknochen schließen sich die Röhrenknochen der Mittelhand an
– proximale (= Basis) und distale (= Köpfchen) Enden der Mittelhandknochen tragen die
Gelenkflächen zur Verbindung mit der Handwurzel bzw. mit den Fingerknochen
– der Mittelhandknochen des Daumens ist über ein Sattelgelenk ( ermöglicht das Greifen und
Festhalten) mit der Handwurzel verbunden
– die anderen Gelenke zwischen Handwurzel und Mittelhand sind durch straffe Bänder fixiert
und nur minimal beweglich
– auf die fünf Mittelhandknochen folgen die Finger, die beim Daumen aus zwei, sonst aus drei
Fingergliedern bestehen
– von der Mittelhand ausgehend nach distal werden sie Grund-, Mittel- und Endglied genannt
– Fingergrundgelenke sind mit Ausnahme des Daumengrundgelenks Kugelgelenke (―› drei
Bewegungsrichtungen)
– beim Daumengrundgelenk und den Fingermittel- und den Fingerendgelenken handelt es sich
um reine Scharniergelenke (Flexion, Extension)

Der Beckengürtel

Das Becken (= Pelvis) ist ein gürtelförmiger Zusammenschluss aus den beiden Hüftbeinen und dem Kreuzbein. Über das Becken sehen die unteren Extremitäten mit dem Rumpfskelett in Verbindung. Das Kreuzbein bildet die Rückwand des knöchernen Beckens. Es liegt zwischen den beiden Hüftbeinen, deren Ausläufer in einem Bogen nach vorne führen und dort über eine etwa einen Zentimeter breite knorpelige Verbindung, die Schambeinfuge (= Symphyse), zusammengefügt sind. Die beiden Sakroiliakralgelenke (= Kreuzbein-Darmbeingelenke) zwischen Kreuz- und Hüftbein sind durch einen festen Bandapparat gesichert und nahezu unbeweglich.
Jedes Hüftbein besteht aus drei miteinander verschmolzenen Knochen:

  1. Darmbein (Os ilium)
  2. Sitzbein (Os ischii)
  3. Schambein (Os pubis)

Im Laufe der Wachstumsperiode wachsen diese drei Knochen zusammen, so dass ihre Begrenzungen im Erwachsenenalter nicht mehr sichtbar sind. Da das Darmbein rotes, also blutbildendes Knochenmark enthält, ist der Darmbeinkamm neben dem Sternum die zweite gut zugängliche Stelle für eine Knochenmarkpunktion.

Untere Extremitäten

Die unteren Extremitäten bestehen aus den drei Abschnitten Oberschenkel, Unterschenkel und Fuß.
– der Oberschenkelknochen (= Femur) ist der längste und schwerste Knochen des Körpers
– an seinem proximalen Ende bildet der Oberschenkelkopf mit der Hüftpfanne des Beckens das Hüftgelenk
– das distale Ende bildet mit dem Schienbein das Kniegelenk

Das Kniegelenk:

= größtes Gelenk des Körpers
– Bewegungsmöglichkeiten:

  1. Flexion und Extension
  2. Innen- und Außenrotation

Die Sprunggelenke:

Das obere Sprunggelenk besteht aus Fibula, Tibia und Sprungbein. Es ermöglicht das Heben und Senken des Fußes.
Das untere Sprunggelenk besteht aus Fersenbein, Sprungbein und Kahnbein und ermöglicht Pronation und Supination.

Krankheiten der Knochen

Osteoporose = Verminderung der Knochensubstanz

Eiweiß- und kalkhaltige Knochengrundsubstanz wird im Organismus ständig abgebaut und neu gebildet. Die Ursache der Osteoporose liegt im verminderten Aufbau bei gleich bleibendem Abbau. Dies führt insgesamt zu einer Verminderung der Knochengrundsubstanz. Die Rinde des Knochens wird schmaler, die Knochenbälkchen werden dünner und spärlicher. Dadurch wird der Knochen spröde und brüchig. Meist ist das ganze Skelett betroffen.

Ursachen:

– genetisch bedingt
– Alter: tritt nach dem 60. Lebensjahr als normaler Alterungsprozess auf
– fehlende Bewegung und Belastung
– hormonell bedingt:

  1. Fehlen weiblicher Hormone bei Frauen, entweder nach den Wechseljahren oder nach operativer Entfernung der Eierstöcke (bilden Östrogene)
  2. Behandlung mit Kortison
  3. Schilddrüsenüberfunktion

Symptome:

– uncharakteristische  „rheumatische“ Beschwerden in belasteten Knochenpartien, besonders in
der unteren Brust- oder Lendenwirbelsäule
– Wirbelkörper brechen ein (besonders im vorderen Teil) und werden dadurch niedriger:
―› Abnahme der Körpergröße
―› Kyphose (Rundrücken) und Skoliose („Buckel“)
– Spontanfrakturen oder Knochenbrüche durch geringe Gewalteinwirkung, z.B. Schenkelhalsbruch

Therapie:

– Verhütung von weiterem Knochenabbau durch Bewegungsübungen
– Hormonbehandlung (Östrogene)
– Fluor, Biosphonate, Kalzitonin
– eiweißreiche Nahrung
– symptomatisch: Analgetika

Osteomalazie und Rachitis = Knochenerweichung

Es liegt eine Reifungsstörung des Knochens vor, die Knochengrundsubstanz verkalkt nicht oder nur ungenügend. Der Knochen bleibt weich und verformt sich durch Belastung. Je nach dem Zeitpunkt, zu dem diese Reifungsstörung auftritt, spricht man von:

  1. Rachitis: bei Säuglingen und Kleinkindern während Skelettbildung und Wachstum
  2. Spätrachitis: bei Jungendlichen während des Wachstums
  3. Osteomalazie: bei Erwachsenen

Ursachen:

– Vitamin D-Mangel, als Folge von:

  1. ungenügender Zufuhr mit der Nahrung
  2. zu geringer Sonnenbestrahlung der Haut
  3. Störung der Fettresorption
  4. Niereninsuffizienz

– dadurch Mangel an Kalzium im Knochen

Symptome:

– bei Kindern Entwicklungsstörungen des Skeletts und Deformierungen (Verformungen) wie
Wirbelsäulenverkrümmungen, Trichterbrust und O-Beine
– bei Erwachsenen uncharakteristische Knochenschmerzen, sowie Deformierungen, z.B. Säbelbeine
und als Folge davon Watschelgang


Therapie:

– genügende Zufuhr von Kalzium
– Vitamin D in hoher Dosierung
– Behandlung der Grundkrankheit, wenn möglich

Prophylaxe:

– ausreichend Tageslicht (bei Säuglingen evtl. kleine Mengen Vitamin D)

Tumore des Knochens

Primäre Tumoren:

Gutartige oder bösartige Tumore, von Knochen, Knorpel oder Bindegewebe ausgehend. Die bösartigen Tumoren sind Sarkome.

Sekundäre Tumoren:

Absiedlung eines bösartigen Tumors, meist eines Karzinoms von Mamma (Brustdrüse), Prostata (Vorsteherdrüse), Bronchus oder Schilddrüse. Sie sind häufiger als primäre Tumore.

Symptome:

– Schmerzen
– evtl. Spontanfrakturen (pathologische Frakturen), besonders bei Metastasen

Therapie:

– bei primären Tumoren radikale operative Entfernung und dazu Röntgenbestrahlung bei
Bösartigkeit des Tumors
– bei Metastasen führen Röntgenstrahlen zu deren Verschwinden oder mindestens zur
Schmerzlinderung
– Hormontherapie bei Mamma- und Prostata-Karzinom
– Radiojodbehandlung (radioaktives Jod) bei Schilddrüsenkarzinom
– evtl. Zytostatika

Krankheiten der Gelenke

Arthrosen = Degenerative Erkrankung des Gelenkknorpels

Es handelt sich um Abnutzungserscheinungen am Gelenkknorpel, der aufgeraut und abgeschliffen wird. Der darunter liegende Knochen ist dann ungeschützt; er wird bei Bewegungen und Belastung gereizt. Dies führt zu Um- und Abbauvorgängen. Am Rande der Gelenkflächen bilden sich knöcherne Randwülste und –zacken. Vor allem die stark belasteten Gelenke an Knie, Hüfte und Wirbelsäule werden betroffen. Frauen erkranken häufiger als Männer.

Ursachen:

– altersbedingte Abnutzung
– falsche Belastung des Gelenks bei Fehlstellung und –haltung, nach Knochenbruch oder Entzündung
– Überbeanspruchung durch Überbelastung und Übergewicht
– genetisch bedingt
– Knorpelschaden durch Verletzung

Symptome:

– „Anlaufschmerz“ am Beginn von Bewegungen
– nach einer schmerzarmen Phase folgt der Ermüdungs- oder Belastungsschmerz
– Einschränkung der Beweglichkeit
– „Reiben“ im Gelenk tast- und hörbar
– nach starker Belastung können zusätzlich Zeichen einer Gelenkentzündung (= Arthritis)
auftreten, wie Schwellung, Schmerzen, Überwärmung, eingeschränkte Funktion und
Gelenkergüsse (= vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Gelenk)
– Gelenkfehlstellungen (durch Knochenumbau)

Therapie:

a.) konservativ:

– Schonung des Gelenks, Teilentlastung durch Stock
– Gewichtsabnahme wenn nötig
– Bewegungsübungen und andere physiotherapeutische Maßnahmen zur Kräftigung der Muskulatur
und Lockerung von schmerzhaften Muskelverspannungen (Schwimmen)
– evtl. entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente
– Ruhigstellung nur bei Gelenkentzündung!

b.) operativ:

– Endoprothese = Einsetzen eines künstlichen Gelenks
– Arthrodese = Versteifung des Gelenks als letztes Mittel zur Beseitigung andauernder starker
Schmerzen
– arthroskopische Knorpelglättung (Arthroskopie = Gelenkspiegelung)

Beispiele häufig vorkommender Arthrosen:

1. Coxarthrose = Arthrose der Hüftgelenke

Sehr häufig. Die Beschwerden treten besonders beim Bergaufgehen und beim Heben schwerer Lasten auf. Die Coxarthrose ist bei Männern häufiger als bei Frauen.

2. Gonarthrose = Arthrose der Kniegelenke

Sie wird begünstigt durch Fehlstellungen wie Senk-, Spreiz- oder Knickfuß. Besonders das Bergabgehen verursacht Beschwerden.

3. Arthrose der Fingerendgelenke

Bei Frauen zehnmal so häufig wie bei Männern. Entstehung ist erblich bedingt. Außer den Gelenkveränderungen durch Arthrose bilden sich Knötchen an der Dorsalseite der Fingerendgelenke.

4. Spondylose und Spondylarthrose

Veränderungen infolge Abnutzung an den Bandscheiben, den Wirbelkörpern und den kleinen Wirbelgelenken. Die Bandscheiben werden dabei abgeflacht, an den Wirbelkörpern bilden sich Wülste und Randzacken.

Symptome:

  1. Rücken- und Nackenschmerzen
  2. Bewegungseinschränkungen
  3. Rückenmuskulatur verhärtet, druckempfindlich
  4. anfallsweise auftretende, heftige Schmerzen im Rücken (= Lumbago) oder im Nacken
  5. Schmerzen durch Druck auf periphere Nerven, am häufigsten ist der Ischiasnerv betroffen

Chronische Polyarthritis (CP) = „Rheuma“

(wurde bisher als primär-chronische Polyarthritis = PCP bezeichnet)
Chronisch-entzündliche Erkrankung des Bindegewebes der Gelenkkapsel, die auf Gelenkknorpel und angrenzenden Knochen übergreift. Meist sind die kleinen Gelenke an Händen und Füßen befallen. Es handelt sich um die häufigste Erkrankung des Bindegewebes überhaupt; bei Frauen kommt sie dreimal so oft vor wie bei Männern, dazu wird familiäre Häufung beobachtet. Beginn meist im Alter von 35 – 40 Jahren. Auftreten bei Jugendlichen ist möglich und kann zu rascher Invalidisierung führen = maligne chronische Polyarthritis.

Ursache:

– vermutlich Autoimmunreaktion, d.h. Leukozyten greifen die Gelenkkapsel an

Symptome:

a) allgemein:

– Mattigkeit, leichtes Fieber
– Anämie durch Hämoglobinverwertungsstörungen, beschleunigte Blutsenkung und sog. Rheumafaktoren im
Blut
– psychische Veränderungen (Depression)

b) an den Gelenken:

– Schwellung, Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Morgensteifheit
– Atrophie von Haut, Muskulatur und Knochen in der Umgebung eines erkrankten Gelenks
– zunehmende Zerstörung des Gelenks mit Fehlstellung und Versteifung; typisch ist die Abweichung der
Finger in den Grundgelenken zur Kleinfingerseite

Verlauf:

Wechselnd, meist schubweise über Jahre fortschreitend. Die Krankheit kann zu Invalidität und Pflegebedürftigkeit führen, sie kann auch nach einigen Schüben stehen bleiben. Der jeweilige Verlauf ist nicht voraus zu sagen.

Therapie:

a) während eines Schubes:
– Bettruhe mit möglichst wenig Bewegung
– Lagerung der Gelenke
– Schmerzlinderung durch Wärme, oft wirkt Kälte besser
– Medikamente: Antirheumatika Cortison (allgemein oder als Injektion ins Gelenk)

b) zwischen den Schüben:

– Bewegungsübungen
– orthopädische Maßnahmen, z.B. Schienen
– Medikamente wie während eines Schubes, dazu evtl. Goldbehandlung (i.m.) oder
Malariamittel (Immunsuppressiva beeinflussen Autoimmunvorgang positiv)
– Operation in geeigneten Fällen:
―› Entfernung der Gelenkinnenhaut
―› Gelenkversteifung, -ersatz

Morbus Bechterew

Chronisch- entzündliche Erkrankung der Gelenke an der Wirbelsäule. Sie tritt zu 90% bei jungen Männern auf, familiär gehäuft. Beginn zwischen 2. und 4. Jahrzehnt. Anfangs sind die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke betroffen, später die Zwischenwirbelgelenke und Wirbel-Rippen-Gelenke. Es können auch Hüft- und Schultergelenke sowie die kleinen Gelenke befallen werden.

Ursache:

– evtl. Autoimmunkrankheit

Symptome:

– anfangs Schmerzen und Steifigkeit im Rücken mit Ausstrahlung zum Gesäß, zunächst nur nachts oder gegen
Morgen
– später ist die Wirbelsäule auch tagsüber druck- und klopfschmerzhaft, Rücken- und
Halsmuskulatur sind verspannt
– Schmerzen beim Atmen, Husten und Nieren
– beschleunigte Blutsenkung und erhöhte Rheumafaktoren im Blut

Verlauf:

– zunehmende Bewegungseinschränkung und schließlich völlige Versteifung der Wirbelsäule
mit Kyphose der Brust- und Lendenwirbelsäule und Lordose der Halswirbelsäule
– oft starke psychische Veränderungen
– Versteifung des Thorax führt zu Atemstörungen und wiederholter Bronchitis; später
Rechtsherzüberlastung als Todesursache

Therapie:

– täglich Bewegungsübungen, sog. Bechterew-Gymnastik
– orthopädische Maßnahmen, z.B. Stützkorsett
– evtl. Antirheumatika
– evtl. Röntgenbestrahlung zur Schmerzlinderung

Gicht (= Arthritis urica)

Gicht ist eine erbliche Störung im Purinstoffwechsel oder der renalen Ausscheidung (Harnsäureausscheidung über die Nieren). Dadurch kommt es zur Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut (= Hyperurikämie) und Harnsäureablagerung, v.a. in Gelenken und Nieren. Der Krankheitsausbruch wird gefördert durch purinreiche Ernährung (Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte; Bier) und Übergewicht. Harnsäure entsteht auch vermehrt bei Zytostatikagabe und strengem Fasten. Gichtpatienten haben gleichzeitig häufig Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas.

Symptome:

Entstehen durch Harnsäureablagerungen:

  1. akuter Gichtanfall mit plötzlicher Gelenkentzündung, häufig im Großzehengrundgelenk, und evtl. Fieber
  2. chronische Gelenkentzündung mit Gelenkverformungen
  3. Gichtknoten in der Haut (= „Gichttrophie“)
  4. chronische Nierenschädigung (Nierengewebeschädigung, weil Harnsäure sich im Gewebe ablagert, Entstehung von Nierensteinen)

Therapie im akuten Anfall:

– Ruhigstellung des Gelenks
– kühle Umschläge (mit Rivanol, Alkohol)
– Antiphlogistika (Diclofenac, Ibuprofen, Cortison)
– Colchizin (gewonnen von Herbstzeitlosen)

Dauertherapie:

– purinarme Ernährung
– wenig Alkohol, v.a. kein Bier
– viel Flüssigkeit, dass die Nieren die Möglichkeit haben, Harnsäure auszuscheiden
– Medikamente:

  1. zur Hemmung der Harnsäurebildung (Purine werden zu etwas anderem als Harnsäure umgebaut)

z.B. Zyloric® (AS: Allopurinol)

  1. zur Verstärkung der Harnsäureausscheidung

z.B. Uricovac®

  1. Kombinationspräparate

Diskushernie = Bandscheibenvorfall

Die durch Abnutzung veränderte Bandscheibe wird zwischen zwei Wirbelkörpern (meist im Bereich der Lendenwirbelsäule) herausgedrückt. Entweder wird die ganze Bandscheibe verlagert oder der Gallertkern quillt aus dem Faserknorpelring heraus. Dabei kann Druck auf die Wurzeln der Spinalnerven
(= Rückenmarksnerven aus Zwischenwirbellöchern) und evtl. auf das Rückenmark ausgeübt werden.

Ursachen:

Zur vorbestehenden Abnutzung der Bandscheibe kommt ein auslösendes Ereignis:
– Überbeanspruchung der Wirbelsäule durch schweres oder falsches Heben von Lasten
– ruckartiges Verdrehen des Rumpfes
– Haltungsfehler

Symptome:

– plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Rücken oder „Hexenschuss“, evtl. auch im
Oberschenkel (= Ischialgie)
– Schmerzen beim Husten oder Niesen
– Lähmungen und/oder Gefühlsstörungen am Bein der betroffenen Seite

Therapie:

– Stufenbettlagerung
– Physiotherapie
– schmerzstillende und muskelentspannende Medikamente, z.B. Diclofenac und Diazepam
(Beruhigungsmittel)
– evtl. Operation

Diabetes mellitus (= D.m.)

(wörtlich: Ausscheidung großer Mengen süßen Urins)

Definition:

D.m. ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, die auf Insulinmangel oder mangelnder Insulinwirkung beruht und unter anderem zu einem hohen BZ führt. Insulin ist ein Hormon aus den B-Zellen der Langerhans’schen Inseln des Pankreas, das bei hohem BZ ausgeschüttet wird. Insulin senkt den BZ, weil es die Aufnahme von Glukose in die Zellen fördert. Es ist auch wichtig für den Aufbaustoffwechsel der Zellen („Zucker sinnvoll verwerten“).
Bei verminderter Insulinwirkung passiert folgendes:

  1. Zellen nehmen schlecht Glukose auf

―› BZ steigt

  1. verminderte Aufbauleistung der Zelle

―› schlechte Zellfunktion

  1. zur Energiegewinnung Abbau von Eiweiß und Fett

―› verstärkt schlechte Zellfunktion
―› saure Abfallstoffe entstehen im Überfluss
―› Gefahr einer Azidose (= Übersäuerung)
(säuerlicher Mundgeruch)

Formen des D.m.

1. D.m. Typ 1

= insulinabhängiger D.m. (= jugendlicher D.m.)
– 10% der D.m.-Erkrankten
Durch einen Autoimmunvorgang werden die Langerhans’schen Inseln zerstört und es wird kein Insulin mehr gebildet. D.m. Typ 1 entwickelt sich schnell – meist innerhalb weniger Wochen und Monate.

2. D.m. Typ 2

= insulinunabhängiger D.m. (= Altersdiabetes)
– 90% der D.m.-Erkrankten
Bei genetischer Veranlagung verliert das Insulin an Wirksamkeit, d.h. es entwickelt sich eine Insulinresistenz. Diese Entwicklung wird meist ausgelöst durch Übergewicht bzw. Überernährung. Es kommt zur vermehrten Insulinbildung bis zur Erschöpfung der Langerhans’schen Inseln. Dann kann der D.m. Typ 2 insulinpflichtig werden. Bei D.m. typ2 besteht oft gleichzeitig Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen (hohe Blutfettwerte). Die Entwicklung des D.m. Typ 2 verläuft über Jahre und Jahrzehnte.

D.m. Typ 2

D.m. Typ 2aD.m. Typ 2b
– normalgewichtig– übergewichtig
– ca. 10% der D.m. Typ 2-Erkrankten– ca. 90% der D.m. Typ 2- Erkrankten

3. Sekundärer D.m.

Der sekundäre D.m. tritt sehr selten auf und entsteht als Folge anderer Krankheiten (z.B. schwere Pankreatitis) oder durch langjährige Medikamenteneinnahme (z.B. Cortison).

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