Autor/in: Anonym

Gesundheits und Krankheitslehre Seite 14

Der Blutkreislauf

Dazu gehören:

  1. Blut
  2. Blutgefäße: – Arterien (eine Arterie = A., mehrere Arterien = Aa.)

– Kapillaren
– Venen (eine Vene = V., mehrere Venen = Vv.)

  1. Herz („rechtes“ und „linkes“ Herz ―› zwei Anteile, die durch eine Scheidewand voneinander getrennt sind)

Das Herz pumpt mit der rechten Hälfte das Blut aus dem Körperkreislauf in den Lungenkreislauf. Mit der linken Hälfte pumpt es das Blut aus dem Lungenkreislauf in den Körperkreislauf.
Arterien führen das Blut vom Herzen weg und verteilen es. Kapillaren sind feine Haargefäße, die den Stoffaustausch (z.B. Zucker) und den Gasaustausch (Sauerstoff = O2; Kohlenstoffdioxid = CO2) zwischen Blut und Gewebe erlauben. Die Venen sammeln das Blut der Kapillaren und bringen es zum Herzen zurück.

Der Körperkreislauf

Aufgabe:

– bringt Sauerstoff, Nährstoffe (z.B. Zucker), Wirkstoffe (z.B. Botenstoffe) und anderes zu den Zellen
der Gewebe
– transportiert Kohlendioxid und Schlackenstoffe ab

Weg des Körperkreislaufs:

Linke Herzkammer (= linker Ventrikel)
―› Hauptschlagader des Körpers (= Aorta)
―› Körperarterien
―› Körperarteriolen (= kleinste Arterien)
―› Körperkapillaren
―› Körpervenolen
―› Körpervenen
―› obere und untere Hohlvene (= Vena cava superior, Vena cava inferior)
―› Rechter Herzvorhof (= rechtes Atrium)
Aorta:
2 linke Arterien                                                                1 rechte Arterie
(1 für den linken Arm, 1 für Hals und Kopf)                                    (für Arm, Hals und Kopf)
Aortenbogen
Brustaorta
Bauchaorta
2 Beckenarterien
linke Beckenarterie                      rechte Beckenarterie
(unterhalb des Bauchnabels)

Der Lungenkreislauf

Aufgabe:

– Blut bringt Kohlenstoffdioxid zur Ausatmung zu den Lungenbläschen und nimmt von dort Sauerstoff auf

Weg des Lungenkreislaufs:

Rechte Herzkammer
―› Lungenarterienstamm (= dicke Arterie, die sich aufteilt)
―› Rechte und linke Lungenarterie (= rechte und linke Arteria pulmonalis)
―› Kleinere Lungenarterien
―› Lungenarteriolen
―› Lungenkapillaren
―› Lungenvenolen
―› Lungenvenen
―› Vier große Lungenvenen (= Vv. pulmonalis, je zwei aus rechter und linker Lungenhälfte)
―› Linker Herzvorhof

Das Pfortadersystem

Das Venenblut von Magen, Darm, Milz und Bauchspeicheldrüse fließt in die Pfortader (= V. portae) und von dort in das Kapillargebiet der Leber. Die Leberkapillaren bekommen auch Blut aus der Leberarterie. Das Kapillarblut aus der Leber fließt dann in die Lebervenen, die in die Vena cava inferior führen.

Die Blutgefäße

1. Arterien und Arteriolen (= Schlagadern)

Aufgabe:

– führen Blut vom Herzen weg zu den Kapillaren

Aufbau:

(Buch S. 141 Abb. 2.117)
– Intima aus Endothel (= dünnstes Epithelgewebe) und Bindegewebe
– Media aus glatter Muskulatur und elastischen Fasern
– Lumen = Lichtung

Merkmale:

1. Arterien sind stabil gebaut. Sie haben eine dicke Gefäßwand, die für den Stoffaustausch mit
dem Gewebe undurchlässig ist.
2. Das Blut fließt in den Arterien mit relativ hohem Druck. Die elastischen Fasern fangen bei
jedem Herzschlag den Druck auf und geben ihn dann weiter. So entsteht die Pulswelle.
3. Der Blutfluss in den Arterien, d.h. die Durchblutung, wird durch die Weite der Arteriolen
reguliert, indem die Muskelschicht der Arteriolen auf bestimmte Reize reagiert. Diese Reize
kommen vom vegetativen Nervensystem, von Hormonen, der lokalen Blutzusammensetzung
und von gefäßaktiven Substanzen (z.B. Histamin). Die Reize führen zu Gefäßverengung (=
Vasokonstriktion) oder Gefäßerweiterung (= Vasodilatation). Die Arteriolenweite reguliert so
auch die Verteilung des Blutes auf verschiedene Organe.

2. Kapillaren (= Haargefäße)

Aufgabe:

– Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe

Aufbau:

– Durchmesser 5-25 Mikrometer (1 Millimeter = 1000 Mikrometer)

Merkmale:

1. Die dünne Wand ist halbdurchlässig (= semipermeabel) für Stoffe (Sauerstoff,
Kohlenstoffdioxid, Nährstoffe, Botenstoffe, Schlackenstoffe). Sie ist auch durchlässig für
Leukozyten.
2. In Kapillaren fließt das Blut langsam und mit geringem Druck. Der Blutdruck nimmt im
Laufe der Kapillare deutlich ab (von ca. 35 auf 15mmHg).
3. Am Anfang der Kapillaren tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus, am Ende der Kapillaren strömt
die Flüssigkeit zurück ins Blut (in die Kapillaren). Für den Rückstrom der Flüssigkeit aus
dem Gewebe in die Kapillaren ist besonders wichtig:

  1. der niedrige Blutdruck am Ende der Kapillare
  2. die wasserbindende Kraft der Plasmaeiweiße (z.B. Albumin)

3. Venen und Venolen (= Blutadern)

Aufgabe:

– sammeln das Blut der Kapillaren und führen es zum Herzen hin

Aufbau:

(Buch S. 141 Abb. 2.117 und S. 143 Abb. 2.119)

Merkmale:

1. Venen haben dünnere Wände als Arterien. Venenwände sind undurchlässig für den
Stoffaustausch. In Venen herrscht niedriger Blutdruck.
2. Der Blutrückfluss zum Herzen wird gewährleistet durch:

  1. Taschenklappen, die den Rückstau verhindern
  2. Muskeltätigkeit und Arterienpulse, die die Venen zusammendrücken (―› dadurch kann das Blut wegen der Taschenklappen nur Richtung Herz fließen)
  3. Sog der Herzvorhöfe
  4. Schwerkraft bei Hochlagerung des entsprechenden Körperteils

Das Herz

Das Herz ist als Druck-Saug-Pumpe der Motor des Blutkreislaufs.

Größe:

– etwa Faustgröße des Trägers

Gewicht:

– ca. 5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht

Lage:

– im Mediastinum (= mittlerer Bauchraum)
– vor Speiseröhre und Brustaorta
– auf dem Zwerchfell
– hinter dem Sternum
– ein Drittel liegt in der rechten und zwei Drittel liegen in der linken Thoraxhälfte
– Herzspitze zeigt nach links vorne (im 5. ICR links)


Aufbau:

– Hohlmuskel, durch das Septum (= Herzscheidewand) in rechtes und linkes Herz geteilt
– jede Hälfte besteht aus einem Atrium und einem Ventrikel
– in die Vorhöfe münden rechts die Hohlvenen und links die Lungenvenen
– aus den Herzkammern entspringt rechts der Lungenarterienstamm und links die Aorta
– im Herzen liegen vier Herzklappen:

  1. zwischen Atrium und Ventrikel je eine Segelklappe
  2. zwischen Ventrikel und austretenden Arterien je eine Taschenklappe
  3. die Klappen verhindern wie Ventile das Zurückfließen des Blutes
  4. die vier Klappen liegen in einer Ebene (= Ventilebene des Herzen)

―› rechte Segelklappe ―› rechte Taschenklappe ―› linke Taschenklappe ―› linke
Segelklappe

Aufbau der Herzwand

Die Herzwand besteht aus drei Schichten (von innen nach außen):
a) Endokard (= Herzinnenhaut):
– besteht aus Endothel und Bindegewebe
– bildet die Herzklappen
b) Myokard (= Muskelschicht):
– besteht aus Herzmuskelgewebe
– wird ernährt durch die Herzkranzgefäße (= Koronargefäße)
c) Epikard (= Außenhaut) und Perikard (= Herzbeutel):
– zwei Häute mit etwas Gleitflüssigkeit dazwischen zur Reibungsminderung
– das Perikard ist nicht dehnbar und fest mit der Umgebung verwachsen

Der Weg des Blutes durch das Herz

Rechtes Herz

VenenHohlvenen
VorhöfeRechter Vorhof
SegelklappenTrikuspidalklappe
(= dreizipflige Segelklappe)
KammernRechter Ventrikel
TaschenklappenPulmonalklapppe (= Klappe des Lungenarterienstamms)
ArterienLungenarterienstamm
 

Linkes Herz

VenenLungenvenen
VorhöfeLinker Vorhof
SegelklappenMitralklappe (= zweizipflige Segelklappe)
KammernLinker Ventrikel
TaschenklappenAortenklappe
ArterienAorta

Das Blut fließt immer nur in eine Richtung.
(Buch S.134 Abb. 2.111)

Blutversorgung des Herzens

Das Herzgewebe wird durch die Koronararterien mit Sauerstoff und Nährstoffe versorgt. Die Koronararterien entspringen in der Aorta unmittelbar oberhalb der Aortenklappe. Das venöse Blut aus den Koronarvenen fließt durch die große Koronarvene in den rechten Vorhof.

Reizleitungssystem des Herzens

Das Reizleitungssystem steuert die Herztätigkeit und besteht aus spezialisierten Herzmuskelzellen. Es arbeitet selbstständig, kann aber von Elektrolyten (z.B. Kalium), Hormonen, Medikamenten und vom vegetativen Nervensystem beeinflusst werden.
Im Herz werden elektrische Reize im Sinusknoten, der in der Wand des rechten Atriums liegt, gebildet. Er ist der natürliche Schrittmacher des Herzens, d.h. er bestimmt die Herzfrequenz.
Die Reizleitung erfolgt vom Sinusknoten über die Vorhöfe zum AV-Knoten (zwischen Atrium und Ventrikel) und von da zum Kammermyokard. Dabei fließt ein elektrischer Strom, der sich bis auf die Körperoberfläche ausbreitet und dort gemessen werden kann. Die Stromflusskurve heißt EKG = Elektrokardiogramm.

Ablauf der Herztätigkeit

Systole: Kammermuskelkontraktion
Diastole: Kammermuskelerschlaffung
Systole und Diastole wechseln sich in einem gleichmäßigen Rhythmus ab.
Man unterscheidet vier Phasen:
Systole: 1. Anspannungsphase
―› angespanntes Kammermyokard, Kammerdruck steigt, Segelklappen schließen sich
2. Austreibungs- oder Auswurfphase
―› angespanntes Kammermyokard, Kammer zieht sich weiter zusammen,
Kammerdruck steigt weiter, Taschenklappen öffnen sich Blut wird aus den Kammern
in die Arterien gedrückt, Vorhofe werden gedehnt und saugen Blut aus den Venen an
Diastole: 3. Entspannungsphase
―› entspanntes Kammermyokard, Kammerdruck sinkt, Taschenklappen schließen
sich
4. Füllungsphase
―› Segelklappen öffnen sich, Blut strömt aus den Vorhöfen in die Kammern, dabei
ziehen sich auch die Vorhöfe zusammen

Der Blutdruck (=RR)

(höchster normaler RR-Wert: 135/85mmHg)
Der Blutdruck ist die Kraft, die das Blut auf die Gefäßwand ausübt.
Er ist abhängig von:

  1. der Herzleistung
  2. dem Blutvolumen
  3. dem peripheren Widerstand (= Strömungswiderstand besonders in den Arteriolen)

– erhöht bei Vasokonstriktion und zähflüssigem Blut
– verringert bei weiteren (im Sinne von größeren) Gefäßen

Die Herzfrequenz (Puls)

= Anzahl der Herzschläge pro Minute
60 –80 physiologisch
> 100 Tachykardie
<  60 Bradykardie

Das Schlagvolumen

= Blutmenge, die bei einem Herzschlag weitergepumpt wird
Die Herzleistung wird gemessen als Herzminutenvolumen. Das ist die Menge Blut, die pro Minute vom Herzen weitergepumpt wird. Bei einer Herzfrequenz von ca. 70 S/min und einem Schlagvolumen von ca. 70 ml (in Ruhe) pumpt das Herz ca. 5 Liter Blut pro Minute weiter (= entspricht 8.000-10.000 Liter/Tag): 70×70=4900ml≈ 5 Liter. Wenn das Herz in Ruhe nur 50ml pro Minute transportiert, muss es 100 Mal schlagen pro Minute: 5.000ml:50ml=100 S/min.

Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße

Methoden zur Untersuchung von Herz und Kreislauf

– Anamnese
– körperliche Untersuchung inklusive RR- und Pulsmessung
– EKG = Messung der Herzströme (Ruhe-, Belastungs-, Langzeit-EKG)
– Blutuntersuchung (z.B. Herzenzyme)
– Echokardiographie (= Ultraschalluntersuchung des Herzen)
– Thorax-Röntgen („Rö“)
– Angiographie (= Darstellung der Gefäße mit Kontrastmittel)
– Gefäßdoppler (= Ultraschalluntersuchung der Gefäße, z.B. Blutfluss in den Arterien)
– Koronarangiographie (= Darstellung der Herzkranzgefäße mit Kontrastmittel)
―› Kontrastmittel:
– durch Aorta, Leisten- oder Beckenarterie über (Links-) Herzkatheter gespritzt
– wird im Blut zur Niere transportiert und über den Urin ausgeschieden

Arterielle Hypertonie

Der Blutdruck hängt ab von:
– dem Blutvolumen
– der Herzleistung
– dem peripheren Widerstand (= Widerstand, den die Gefäße dem Blut entgegen setzen)
Blutdruckwerte:
– Normalwerte                                        100/60 – 135/85 mmHg
– Grenzwerthypertonie                                       ab 140/90 mmHg
– manifeste (= offensichtliche) Hypertonie         ab 160/95 mmHg
Häufigkeit der Hypertonie:
15% der Bevölkerung ―› manifeste Hypertonie
10% der Bevölkerung ―› Grenzwerthypertonie
Blutdruckregulation erfolgt durch:
1. Kreislaufzentrum im verlängerten Mark
Druckrezeptoren in der Aorta und den Carotiden melden dem Kreislaufzentrum ständig die Blutdruck-
Höhe. Bei steigendem Blutdruck veranlasst das Kreislaufzentrum eine Vasodilatation, bei sinkendem
Blutdruck eine Vasokonstriktion. Dabei wird auch die Blutverteilung im gesamten Organismus geregelt.
2. Renin aus den Nieren
Renin aktiviert Angiotensin ―› führt zur Vasokonstriktion ―› RR steigt
―› aktiviert Aldosteron ―› erhöht das Blutvolumen ―› RR steigt

Formen der Hypertonie:

1. primäre (= essentielle) Hypertonie: (> 90%)
– genetisch bedingt
– wird begünstigt durch: Übergewicht, salz- und fettreiche Ernährung, Alkohol, Stress
– Ausbruch zwischen 30. – 50. Lebensjahr
2. sekundäre Hypertonie:
– entsteht als Folge anderer Krankheiten, z.B. Nierenerkrankungen, Cortisontherapie, Einnahme der Anti-
Baby-Pille

Symptome:

– erhöhter Blutdruck
– sonst zu Beginn meist keine Beschwerden
– evtl. Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, rotes Gesicht
– meist Symptome erst bei Komplikationen:
Komplikationen führen zur deutlich verminderten Lebenserwartung und werden verstärkt durch Rauchen, Übergewicht, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen.

  1. Linksherzinsuffizienz (durch Überlastung des linken Herzens), später auch Rechtsherzinsuffizienz
  2. stark beschleunigte AVK (= Arterienverschlusskrankheit)
  1. KHK ―› Herzinfarkt
  2. Hirnarteriosklerose ―› Apoplex, Hirnleistungsminderung („HOPS“)
  3. Nierenarteriosklerose ―› Niereninsuffizienz
  4. Augenhintergrundveränderungen (arteriosklerotische Netzhautgefäße, Fundus hypertonicus) ―› Sehstörungen

Therapie:

1. Lebensstil ändern:

  1. Gewichtsreduktion
  2. kochsalz- und fettarme Ernährung
  3. weitgehender Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  4. Bewegungstraining (Ausdauersport)
  5. Stressabbau durch geregelte Lebensführung und Entspannungstechniken

2. Medikamente:

  1. ACE-Hemmer, Angiotensin2-Antagonisten (= Sartane)
  2. β-Blocker
  3. Calcium-Antagonisten
  4. Diuretika

– bei sekundärer Hypertonie Ursache behandeln

Hypotonie

= Blutdruck < 100/60 mmHg
Hypotonie kann zu Minderdurchblutung von Organen führen. Hauptsymptome sind Schwäche, Schwindel, Kältegefühl. Leicht erniedrigte Blutdruckwerte sind meist nicht krankhaft.

Formen:

1. essentielle Hypotonie, d.h. ohne erkennbare Ursache
2. sekundäre Hypotonie, d.h. Hypotonie als Symptom einer Grunderkrankung, z.B. schwere Herzinsuffizienz,
Volumenmangel (z.B. bei Exsikkose)

3. Orthostatische Hypotonie:

d.h. Blutdruckabfall im Stehen innerhalb von 3 Minuten um mindestens 20/10 mmHg
Mögliche Symptome:
– Schwindel
– Schwäche
– Beklemmungsgefühl (―› Panik)
– Synkopen (= Schwarzwerden vor Augen mit kurzer Ohnmacht)
Hauptursachen:
1. Nebenwirkungen von Medikamenten, z.B. Blutdrucksenker, Psychopharmaka (Neuroleptika wie Dipiperon,
Antidepressiva,…), Parkinsonmedikamente
2. Volumenmangel durch Dursten
3. Herzinsuffizienz
4. Störung der Gefäßregulation durch Bettlägerigkeit
5. Venenwandschwäche (z.B. bei Varizen)
seltener: neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson), Hypothyreose

Therapie:

– Ursache behandeln (vermehrte Flüssigkeitszufuhr, Medikamente überprüfen, Mobilisation,…)
– salzreiche Kost
– viele leichte, kleinere Mahlzeiten
– Gefäßtraining (Mobilisation, Bewegung, Wechselduschen,…)
– evtl. Medikamente (z.B. Effortil®)
– Aufstehen: an die Bettkante aufsetzen, Beine bewegen, aufstehen und sofort loslaufen

Herzinsuffizienz (= Herzfunktionsschwäche)

= Unvermögen des Herzen, ausreichend Blut weiterzupumpen.
Durch die verringerte Pumpleistung kommt es zu venösem Rückstau. Die Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Krankheit, sondern Folge bereits existierender Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei ist entweder die Auswurfleistung der linken Herzkammer (= Linksherzinsuffizienz), der rechten Herzkammer (= Rechtsherzinsuffizienz) oder des gesamten Herzen (= Globalinsuffizienz) herabgesetzt.
Die Symptome einer Herzinsuffizienz sind in erster Linie Stauungszeichen durch den Blutstau vor der geschwächten Herzkammer. Bei der Linksherzinsuffizienz staut sich das Blut in den Lungenkreislauf zurück. Flüssigkeiten aus den Blutgefäßen werden in das Lungenzwischengewebe und in die Alveolen gepresst. Bei der Rechtsherzinsuffizienz staut sich das Blut im Körperkreislauf. (Durch den Rückstau in den Magenvenen leiden die Erkrankten unter Appetitlosigkeit und Übelkeit. Evtl. lässt sich bei einer Gastroskopie eine Entzündung der Magenschleimhaut = Stauungsgastritis feststellen.)

Linksherzinsuffizienz

Häufige Ursachen:

  • Überforderung durch Hypertonie,
  • Klappenfehler (v.a. des linken Herzen),
  • Ischämie – KHK,
  • Herzinfarkt,
  • Herzrhythmusstörungen

Symptome:

  • Belastungs- und Ruhedyspnoe (Luftnot),
  • Orthopnoe (genug Luft nur bei aufrechter
    Körperhaltung und aufgestützten Armen)
  • Rasselgeräusche über Lunge (Brodeln, durch
    zu viel Flüssigkeit in der Lunge),
  • Husten
  • Lungenödem
  • Zyanose
  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur

Rechtsherzinsuffizienz

Häufige Ursachen:

  • Linksherzinsuffizienz,
  • Herzklappenfehler (v.a. des rechten Herzen),
  • Mehrbelastung des Herzen durch chronische Lungenerkrankungen

Symptome:

  • gestaute, erweiterte Halsvenen
  • Ödeme (Bauch, Unterschenkel, Füße v.a.
    Knöchel)
  • Gewichtszunahme (Wassereinlagerungen)
  • Leber- und Milzvergrößerung durch Pfortaderstau
  • Aszites (Bauchwassersucht ―› Flüssigkeit
    durch Pfortaderstau)
  • „Magenbeschwerden“ (Völlegefühl)

Gemeinsame Symptome:

  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit,
  • Schwäche und Ermüdbarkeit
  • Nykturie (= nächtliches Wasserlassen)
  • Tachykardie bei Belastung, Herzrhythmusstörungen
  • Herzvergrößerung,
  • Pleura- und Perikarderguss
    (= Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel)
  • im Spätstadium Hypotonie

Therapie:

  • möglichst Ursache behandeln
  • angepasste Lebensweise (Schonung, Oberkörperhochlagerung,
    Trinkmenge anpassen)
  • Medikamente:
  • Digitalispräparate steigern die Herzleistung
  • Diuretika schwemmen die Ödeme aus und entlasten so durch Senkung der Vor- und Nachlast das geschwächte Herz
  • Nitrate erleichtern die Herzarbeit durch gefäßerweiternde Wirkung
  • Kalziumantagonisten erweitern die Arterien (―› senken erhöhten Blutdruck)
  • ACE-Hemmer wirken gefäßerweiternd (oft zusammen mit Diuretika

Die Nachtruhe des Erkrankten ist sowohl bei der Rechts- als auch bei der Linksherzinsuffizienz durch Nykturie gestört, d.h., dass er nachts mehrfach aufstehen muss, um Wasser zu lassen. Nachts ist das geschwächte Herz durch die Bettruhe entlastet, und die meist in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkten Nieren werden besser durchblutet, so dass Ödeme leichter ausgeschwemmt werden können.

Das Lungenödem

(= Wasseransammlung in der Lunge)
Bei der Linksherzinsuffizienz kommt es durch Stau vor dem linken Vorhof zur Ansammlung von Flüssigkeit im Lungengewebe und später auch in den Lungenbläschen. Das führt zu einer lebensbedrohlichen Atemstörung.

Symptome:

– schwere Dyspnoe (= „Asthma cardiale“ = Luftnot durch Herzerkrankung)
– brodelnde Atmung
– blutig-schaumiger Auswurf
– Zyanose
– Tachykardie
– Todesangst

Koronare Herzkrankheit (= KHK)

Durch Einengung (= Stenose) der Koronararterien kommt es zur Mangeldurchblutung des Herzmuskels, d.h. zur Myokardischämie. Die KHK äußert sich vor allem als Angina pectoris und Herzinfarkt, kann aber auch zu Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen führen. Ursachen der KHK sind alle Risikofaktoren der Arteriosklerose und Stress.

1. Angina pectoris (= Brustenge)

= anfallsweise Engegefühl und Schmerzen für Sekunden bis Minuten in der Herzgegend, evtl. mit Ausstrahlung in den linken Arm, Hals und Oberbauch, verbunden mit Angst, Luftnot, Blässe und Schweißausbruch
– wird meist ausgelöst durch körperliche und seelische Belastung, reichliche Mahlzeiten und
Kälte (―› bei Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen ―› Belastung fürs Herz)
– bessert sich durch Ruhe und spezielle Medikamente (= Nitropräparate)

Therapie im Anfall:

– Ruhe (Herz arbeitet langsamer, kann sich dadurch erholen ―› Schmerz lässt nach)
– Nitropräparate als Spray oder Zerbeißkapsel (nur bei systolischem Blutdruck über 100mmHg,
weil diese Medikamente den Blutdruck senken ―› bei starkem Blutdruckabfall drohen
Kreislaufkomplikationen)
– evtl. Schmerzmittel, Sauerstoff (auf ärztliche Anordnung)

Dauertherapie:

– Risikofaktoren beheben
– Ausdauersport zur Anregung von Kollateralenbildung
– Medikamente, die die Herzarbeit verringern, so dass der Herzmuskel weniger Sauerstoff verbraucht:
Nitrate oder Betablocker
– ASS 100 zur Verhinderung von Thrombenbildung
– Ballondilatation
– Bypass-OP

2. Herzinfarkt (= Myokardinfarkt)

= Nekrose von Myokard durch vollständigen Verschluss eines Koronargefäßes

Risikofaktoren:

1. Hypertonie
2. Stoffwechselkrankheiten
3. Nikotin
4. Übergewicht
5. Bewegungsmangel
6. Pille
7. hohe Blutfettwerte
8. Stress

Symptome:

– in 20% stummer Infarkt ohne Schmerzen, besonders bei Älteren und Diabetikern
– sonst: plötzlich auftretender Vernichtungsschmerz retrosternal mit Todesangst, Unruhe und
starkem Engegefühl
– der Schmerz lässt in Ruhe nicht nach, strahlt wie Angina pectoris evtl. aus (linker Arm, Hals,
Oberbauch)
– evtl. Übelkeit, Luftnot, Blässe, Schweißausbruch

Komplikationen:

– Herzrhythmusstörungen, evtl. Kammerflimmern, das auch bei sofortiger Reanimation häufig
zum Tod, (häufigste Todesursache bis zum Eintreffen des Betroffenen auf der Intensivstation)
– Linksherzinsuffizienz (Körperkreislauf wird schlechter durchblutet) bis zum kardiogenen
Schock (= „Herzversagen“ durch krankes Herz)
– Herzwandaneurysma und Myokardruptur

Diagnostik:

– EKG
– Labor (Blutuntersuchung, z.B. Herzenzyme CK, CKMB und Troponin T erhöht)

Akuttherapie:

– Schmerz- (Morphium) und Beruhigungsmittel (Valium)
– Sauerstoff
– Heparin (damit der Thrombus nicht größer wird)
– Intensivpflege
– Lysetherapie = medikamentöse Gerinnselauflösung (nur auf Intensivstation)
– nur in den ersten 4 Stunden möglich
– Hauptkomplikationen: Blutungen, Embolie, u.a.
– Therapie der Komplikationen

Dauertherapie:

―› wie bei Angina pectoris

Verlauf:

Das nekrotische Herzmuskelgewebe wird durch eine Narbe ersetzt (innerhalb von ca. 6 Wochen). Die Vernarbung kann zu Thrombenbildung am Endokard führen mit Emboliegefahr (häufig Hirnembolie).
– erhöhte Gefahr, einen Apoplex zu erleiden

Prognose:

– hängt von der Größe der Nekrose, den Komplikationen und dem sonstigen Gefäßbefund ab
Ca. 15% der Menschen, die einen Infarkt erlitten haben, versterben vor dem Eintreffen im Krankenhaus, ca. 10% sterben im Krankenhaus und weitere 10% in den nächsten 12 Monaten.
Der Herzinfarkt unterscheidet sich von der Symptomatik her von einem Angina pectoris-Anfall durch die Dauer des Schmerzes. Nach 10 Minuten Notarzt rufen („Verdacht auf Herzinfarkt“).

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