Autor/in: Anonym

Gesundheits und Krankheitslehre Seite 13

3. Lageveränderungen der Gebärmutter

3.1. Retroflexio des Uterus (= Knickung der Gebärmutter nach hinten)

Ursachen:

– angeborene Haltungsanomalie
– Folge einer angeborenen Bänderschlaffheit
– erworben nach Geburten

Symptome:

– häufig ohne Symptome
– evtl. Kreuzschmerzen
– evtl. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
– evtl. Auftreten von Fehlgeburten
– Druckgefühl auf den Mastdarm
– bei Schwangerschaft evtl. Einklemmung des Uterus im kleinen Becken

Therapie:

– evtl. bei starken Beschwerden operative Bänderverkürzung zur Lagekorrektur
– wenn symptomlos, keine Maßnahmen

3.2. Descensus uteri (= Gebärmuttersenkung)

Ursache:

– Bindegewebsschwäche von Beckenboden und Aufhängeapparat

  1. angeboren
  2. erworben durch Geburten, Übergewicht

Begünstigende Faktoren:

– schwere körperliche Arbeit
– nicht versorgte Dammrisse

Symptome:

– Tiefertreten der Portio (= Scheidenteil des Gebärmutterhalses)
– beim Pressen evtl. Vorwölbung der vorderen Scheidenwand, weil die Blase beim Tiefertreten
mitgezogen wird
– evtl. Vorwölbung der hinteren Scheidenwand, weil das Rektum beim Tiefertreten mitgezogen
wird
– uncharakteristische Schmerzen in Unterbauch und Kreuz
– Druckgefühl nach unten
– vermehrter Harndrang

Komplikationen:

– Stressinkontinenz (beim Husten und Niesen häufig Abgang kleiner Urinmengen)
– Scheidenentzündung mit Ausfluss

Therapie:

– Beckenbodengymnastik (in leichten Fällen)
– operative Raffung des überdehnten und schlaffen Beckenbodens, oft auch gleichzeitige
Entfernung der Gebärmutter von der Scheide aus
– bei inoperablem Zustand Verwendung eines Pessar

3.3. Prolaps des Uterus (= Gebärmuttervorfall)

Ursache:

– wie bei der Gebärmuttersenkung

Symptome:

– Vorwölbung der Zervix aus dem Scheideneingang
– in ganz schwerer Fällen Totalprolaps, bei dem der ganze Uterus aus dem Scheideneingang austritt und die
Scheide umgestülpt wird
– Inkontinenz schwereren Grades (Harnabgang beim Gehen oder dauernd, auch nachts)
– Scheidenentzündung

Therapie:

– wie bei der Gebärmuttersenkung

4. Mammacarcinom

Der Brustkrebs ist eine an Häufigkeit zunehmende Krebserkrankung: mit 25% aller Tumoren bei Frauen der häufigste bösartige Tumor überhaupt und bei den 40-50-Jährigen die häufigste Todesursache.

Ursache:

– das Mammacarcinom entsteht aus einer Entartung des Brustdrüsengewebes, wobei die genaue
Ursache unbekannt ist, es werden jedoch Zusammenhänge mit dem Hormonhaushalt vermutet

Risikofaktoren: (in erster Linie)

– Mammacarcinom der anderen Brust
– Mammacarcinom bei engen Verwandten (1. Grades, z.B. bei der Mutter)
– Krebserkrankung der Ovarien, des Uterus oder des Darms
– Einsetzen der Menarche vor dem 12. Lebensjahr
– Einsetzen der Menopause nach dem 50. Lebensjahr
– Kinderlosigkeit (und Frauen, die nie gestillt haben)
– erste Schwangerschaft nach dem 35. Lebensjahr

Symptome:

– derber, unscharf begrenzter Knoten, evtl. mit Brusthaut oder Unterlage verwachsen (50-60%
der Mammacarcinome liegen im oberen äußeren Quadranten)
– anfangs nicht schmerzhaft
– evtl. Hauteinziehung über dem Knoten („Orangenhaut“)
– einseitige Einziehung der Brustwarze
– Unverschieblichkeit der Haut über der Verhärtung oder des Drüsengewebes auf dem
Brustmuskel
– neu auftretende Asymmetrien
– unterschiedliches Verhalten der Brüste beim Heben der Arme
– Sekret aus der Brustwarze
– Metastasen besonders in Achsellymphknoten, Knochen, Leber, Lunge, Eierstock und Gehirn

Therapie: (Buch S. 650-654)

– operative Entfernung des Carcinoms (evtl. Entfernung der ganzen Brust und der darunter liegenden
Brustmuskeln, anschließend Brustrekonstruktion) und Ausräumung der Achsellymphknoten
– Strahlen-, Chemotherapie
– Hormontherapie (zur Unterdrückung der Östrogenwirkung)

Früherkennung:

– Inspektion und Abtasten der Brüste und Achselhöhlen nach der Menstruation
– regelmäßige Kontrolle durch Gynäkologen
– Mammographie (= Röntgenaufnahme der Brust; darf wegen der Strahlenbelastung nicht zu oft
vorgenommen werden)

Das Harnsystem

Es besteht aus zwei Anteilen:
1. zwei Nieren (Niere = Ren oder Nephros)
2. ableitende Harnwege:

  1. Nierenkelche
  2. Nierenbecken (= Pyelon)
  3. Harnleiter (= Ureter)
  4. Harnblase
  5. Harnröhre (= Urethra)

Die Nieren

Die Nieren sind bohnenförmige Organe. Sie liegen rechts und links neben der Wirbelsäule (11. BWK bis 2. LWK), wobei die rechte Niere wegen der Ausdehnung der Leber etwas tiefer liegt. Die Nieren von Erwachsenen sind ca. 10-12cm lang, 5-6cm breit und wiegen ca. 160 Gramm.

Aufbau einer Niere:

(Buch S. 181 Abb. 2.158 + 2.159)
Im medialen Nierenrand liegt eine nischenförmige Vertiefung, der Nierenhilus. An dieser Stelle befindet sich das Nierenbecken, das den aus dem Nierengewebe kommenden Urin sammelt. Ferner treten hier Nierenarterie, Nierenvene, Nerven und Lymphgefäße ein bzw. aus.
Jede Niere ist von einer derben bindegewebigen Nierenkapsel überzogen. Um die Nierenkapsel herum liegt eine kräftige Schicht Fettgewebe, die von einer weiteren dünneren Bindegewebshülle umgeben ist. Durch Fett- und Bindegewebskapsel wird die Niere an der hinteren Bauchwand verankert und vor Stoßverletzungen geschützt.
Schneidet man eine Niere der Länge nach auf, so erkennt man drei Zonen: Im Inneren liegt das Nierenbecken (= Pyelon). Daran schließt sich das fein gestreifte Nierenmark an. Ganz außen liegt die Nierenrinde, welche heller wirkt als die Markschicht. Ausläufer der Rinde reichen hinunter bis zum Nierenbecken und unterteilen so die Markschicht in 8 bis 16 kegelförmige Markpyramiden, deren Spitzen zum Nierenhilus zeigen. Diese Spitzen der Markpyramiden werden Nierenpapillen genannt. Jede Nierenpapille besitzt viele kleine Öffnungen. Diese münden in einen Ausläufer des Nierenbeckens, den Nierenkelch. In den Nierenkelchen und dem Nierenbecken wird der fertige Urin aufgefangen.

Feinaufbau einer Niere/Aufbau eines Nephrons:

In einer Niere sind ca. 1.000.000 Nephronen. Ein Nephron ist eine Funktionseinheit der Niere. Das Nephron besteht aus Nierenkörperchen und Nierenkanälchen. Das Nierenkörperchen wiederum setzt sich aus der Bowman’schen Kapsel und dem Glomerulus zusammen.
(Buch S. 182 Abb. 2.161)

Aufgaben der Nieren:

1. Urin-/Harnbildung zur

  1. Ausscheidung von Schlackenstoffen
  2. Regulierung des Wasser- und Salz-Haushalts
  3. Regulierung des Säure-Basen-Haushalts

2. hormonelle Aufgaben:

  1. Bildung des Hormons Renin (―› erhöht den Blutdruck)
  2. Bildung des Hormons Erythropoetin (regt das rote Knochenmark an, Erythrozyten zu bilden)
  3. Aktivierung von Vitamin D (―› Vitamin D sorgt für den Calciumeinbau in den Knochen und für die Calciumresorption im Darm)

Ablauf der Harnbereitung:

In zwei Schritten:
1. In den Nierenkörperchen wird das Blut gefiltert und es entsteht Primärharn (= Blutplasma
ohne Eiweiß). ―› ca. 150-180 Liter/Tag ―› Für das Filtern des Bluts wird ein bestimmter
Blutdruck in den Kapillaren benötigt. Er darf weder zu hoch noch zu niedrig sein.
2. In den Nierenkanälchen wird der Primärharn konzentriert zum Endharn. Die
Nierenkanälchen sind von vielen Blutgefäßen umgeben, die alles, was der Körper aus dem
Primärharn noch braucht, wieder rückresorbieren ins Blut. Rückresorbiert werden
hauptsächlich: Wasser, Salze, Vitamine, Aminosäuren und Glukose (Glukose aber nur bis zu
einem Blutzucker von 160-180mg% im Urin, da Zucker Wasser bindet und zu vermehrter
Ausscheidung führt). Was ausgeschieden werden soll, bleibt im Harn oder wird noch
zusätzlich hinein gegeben (z.B. Harnstoff, Kreatinin, Harnsäure und andere
Stoffwechselprodukte). Die endgültige Wasserausscheidung wird reguliert durch ein Hormon
aus der Hirnanhangsdrüse:

  1. ADH = Antidiuretisches Hormon oder Adiuretin (= Anti-Durst-Hormon). ADH erhöht die Wasserrückresorption aus dem Primärharn ins Blut. In den Nierenkanälchen werden zusätzlich in den Harn gegeben: Harnstoff, Kreatinin, Harnsäure, Arzneimittel und andere Abfallstoffe.

Zusammensetzung des Endharns (= Urin):

– Abbaustoffe des Stoffwechsels

  1. Harnstoff (Eiweißstoffwechsel)
  2. Kreatinin (Muskelstoffwechsel)
  3. Harnsäure (Purinstoffwechsel)

– (Harn-) Farbstoff
– Vitamine, Hormone
―› kein Zucker, höchstens Spuren von Eiweiß (bis 150mg/24 Stunden)

Blutdrucksteigerung durch Renin:

Angiotensinogen (Eiweiß im Blut)
Renin ―›wandelt Angiotensinogen um in Angiotensin 1 (Vorstufe)
ACE ―›wandelt Angiotensin 1 um in Angiotensin 2 ―› Gefäßkonstriktion ―› RR steigt
Nebennieren bilden Aldosteron (Hormon) Wasser- und Salzausscheidung wird gebremst
Blutvolumen steigt
(ACE = Angiotensin Converting Enzym, Angiotensinumwandlungsenzym)
Renin wird vermehrt ausgeschüttet bei erniedrigtem Blutdruck in den Nierenarteriolen, d.h. bei Minderdurchblutung der Nieren.

Steigerung der Erythrozytenbildung durch Erythropoetin:

Erythropoetin stimuliert im roten Knochenmark die Bildung von rotem Blutfarbstoff (= Hämoglobin, „Hb“) und von Erythrozyten. Es wird vermehrt ausgeschüttet bei Sauerstoffmangel im Nierenblut (z.B. bei schweren Atemwegserkrankungen, Anämie; bei Aufenthalt in Höhenluft, da diese weniger Sauerstoff enthält).

Die ableitenden Harnwege

Nierenkelche und Nierenbecken fangen den fertigen Urin auf und sammeln ihn kurz.
Die Harnleiter leiten den Urin portionsweise durch Peristaltik in die Harnblase. Die Einmündungsstelle der Harnleiter in die Harnblase ist so gebaut, dass kein Urin aus der Harnblase zurückfließen kann.
Die Harnblase liegt im kleinen Becken hinter dem Schambeinen. Sie ist im oberen Teil von Peritoneum überzogen. Gefüllt überragt sie die Symphyse und die Schambeine. Die Blasenwandmuskulatur bildet um den Austritt der Harnröhre herum den unwillkürlichen inneren Blasenschließmuskel. Harndrang entsteht bei einer Blasenfüllung von ca. 150-350ml (maximales Blasenvolumen 700-1.000ml).
Die Harnröhre ist bei der Frau ca. 3-5cm und beim Mann ca. 20-25cm lang. Um die Harnröhre herum liegt der willkürliche äußere Schließmuskel, der Teil der Beckenbodenmuskulatur ist. Beim Mann liegt zwischen den beiden Schließmuskeln um die Harnröhre herum die Prostata (= Vorsteherdrüse).
(Buch S.181 Abb. 2.158)

Miktion:

= Vorgang des Wasserlassens
Dehnungsrezeptoren in der Blasenschleimhaut melden die Füllung der Blase an das Gehirn, es entsteht das Gefühl des Harndrangs. Wenn dann willkürlich der äußere Sphinkter erschlafft, zieht sich die Blasenwandmuskulatur reflexartig zusammen und der innere Sphinkter erschlafft. Dadurch entleert sich die Harnblase vollständig. Unterstützt werden kann die Entleerung durch die Bauchpresse.


Inkontinenz

= Unfähigkeit, Harn zurückzuhalten, um zu einem bestimmten Zeitpunkt willentlich zu entleeren
– 25% der Arbeitszeit in der Altenpflege zur Inkontinenzversorgung
– 40% der über 75-jährigen sind inkontinent
Formen:
– funktionell: anatomisch keine Störung, aber z.B. durch Demenz oder Behinderung verhinderte Miktion
– organisch:

  1. Stressinkontinenz: Beckenboden ist zu schwach und kann die Harnröhre nicht mehr verschließen; bei Husten, Lachen, Niesen; Beckenbodentraining ist sinnvoll
  2. Dranginkontinenz:
  1. Sensorisch: attackenartiger, nicht aufzuhaltender Harndrang
  2. Motorisch: vom Gehirn aus kann der Harndrang nicht mehr unterdrückt werden

―› Toilettentraining hilft!

  1. Überlaufinkontinenz: Sphinkter zu schwach, Rezeptoren geben keine Signale, bei maximaler Füllung Überlaufen der Harnblase (Urin läuft Harnleiter zurück ―› Druckanstieg ―› Nierengewebe geht kaputt ―› Eindringen von Keimen ―› Entzündung der Nieren ―› schwere Nierenschäden)

(Buch Seite 624/625 und AKP Brinkmann)

Erkrankungen der Nebennieren

Nebennierenrindenüberfunktion

– Morbus Cushing (vermehrte Bildung von Kortisol durch Adenome)
– iatrogenes Cushing-Syndrom (durch hochdosierte Dauertherapie mit Kortison)

Symptome:

– Stammfettsucht, Vollmondgesicht, Stiernacken (durch Gewichtszunahme und Fettumverteilung)
– Muskelschwäche (durch Eiweißabbau)
– Knochenschmerzen (durch Osteoporose)
– Hypertonie (Salze und Wasser bleiben vermehrt im Körper)
– erhöhter BZ (= „Steroiddiabetes“, chemisches Gerüst des Kortisons gleicht einem
Steroidgerüst)
– Magenulzera (häufig schmerzlos, Schleimhaut bildet mehr Säure)
– Infektneigung, Wundheilungsstörung
– Haut ist atrophisch (dünner)
– psychische Veränderungen (Stimmungsschwankungen, Labilität, Depression)
– sexuelle Störungen (Potenzminderung bei Männern, Libidoverlust bei Frauen)

Therapie:

– Morbus Cushing ―› Ursache suchen und behandeln
– Cushing-Syndrom ―› Kortison absetzen (schleichend!); ist dies nicht möglich, Behandlung aller Symptome

Kortison:

  1. Immunsuppression
  2. Antiallergikum
  3. Unterdrückung von Entzündungsvorgängen und Autoimmunerkrankungen

―› Einnahme morgens vor dem Frühstück

Erkrankungen der Niere und des Harnsystems

Nephrologie = Lehre von den Erkrankungen der Niere ( Internist zuständig)
Urologie = Lehre von den Erkrankungen des Harnsystems (Urologe, Chirurg zuständig)

Spezielle Diagnostik:

– Labor:

  1. Urinstatus (Streifentest auf Blut, Zucker, pH-Wert)
  2. Urikult (Nährboden wird mit Urin benetzt, kommt dann in den Brutschrank, um zu prüfen, ob sich

Bakterien vermehren)

  1. Blutuntersuchung, z.B. auf Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte, Entzündungsparameter

– Sonographie
– i.v.-Pyelogramm (Röntgen der ableitenden Harnwege mit Kontrastmittel)
– MRT, CT
– Zystoskopie (Blasenspiegelung)
– Blasendruck-, Harnstrahlmessung

1. Harnwegsinfekte (= HWI)

= durch Keime bedingte Entzündungen der ableitenden Harnwege
Zystitis           = Blasenentzündung
Pyelitis           = Nierenbeckenentzündung (selten, da schneller Übergang von Nierenbecken auf
Nierengewebe)
Pyelonephritis    = Nierenbeckenentzündung mit Beteiligung des Nierengewebes

a) Zystitis

Ursachen:

– Aufsteigen von Keimen aus dem Darm in die Blase
– besonders bei:

  1. Frauen (häufig bei Schwangeren)
  2. Abflusshindernis in der Harnröhre (Verengung)
  3. Blasensteine (reiben an der Blasenwand)
  4. Katheter
  5. Unterkühlung
  6. nach Geschlechtsverkehr

Symptome:

– Dysurie (Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen)
– Pollakisurie (häufiges Wasserlassen von kleinen Mengen)
– trüber und übel riechender Urin

Therapie:

– Antibiotika
– viel Flüssigkeit
– Wärme (Wärmflasche)

b) akute Pyelonephritis

Ursachen:

– Aufsteigen von Keimen aus der Blase
– besonders bei:

  1. Abflusshindernis ( Harnabflussstörung, häufig bei Schwangeren)
  2. Männern (Prostatatumor)
  3. Nierensteinen
  4. Harnleiterknickung (anlagebedingt)

Symptome:

– reduzierter Allgemeinzustand
– Fieber, meistens mit Schüttelfrost
– Schmerzen in der Nierengegend
– Gefahr der Urosepsis (Blutvergiftung mit Keimen, die durch die Harnwege hochgestiegen
sind)
– Gefahr einer chronischen Pyelonephritis

Therapie:

– hochdosiert Antibiotika mindestens 7 Tage (evtl. i.v.)
– viel Flüssigkeit
– Bettruhe
– Ursache suchen und behandeln

c) chronische Pyelonephritis

= nicht ausgeheilte akute Pyelonephritis

Symptome:

– reduzierter Allgemeinzustand
– gelegentlich Fieber
– Klopfschmerz in der Nierengegend
– schleichender Übergang in die chronische Niereninsuffizienz

Therapie:

– Antibiotika
– viel Flüssigkeit

2. Glomerulonephritis

= Entzündung des Nierenkörperchens

Ursachen:

– Reaktion auf einen Streptokokkeninfekt (Antikörperbildung ―› Antikörper setzen sich im Nierengewebe ab ―› Entzündung)
– autoimmun

Symptome:

– reduzierter Allgemeinzustand
– Lendenschmerzen
– Blut und Eiweiß im Urin
– Ödeme durch Oligurie (Harnausscheidung unter 400 ml/Tag)
– erhöhter RR (durch vermehrte Reninbildung)
– (evtl.) Komplikation: akutes Nierenversagen

Therapie:

– Bettruhe
– Flüssigkeitsbilanzierung
– evtl. Diuretika
– Penicillin (im Anfangsstadium gegen Streptokokken)
– Cortison (gegen Entzündungsvorgang)
– Ernährung: salzarm, wird zu viel Eiweiß ausgeschieden ―› eiweißreich

Prognose:

– bei zwei Drittel der Patienten ―› Heilung
– bei einem Drittel Übergang in die chronische Glumerulonephritis mit chronischem Nierenversagen

3. Chronische Niereninsuffizienz

= fortschreitender Verlust der Nierenfunktion durch unterschiedliche Erkrankungen, Schlackenstoffe
bleiben im Blut, Wasser wird anfangs noch genügend ausgeschieden

Ursachen:

– Diabetes mellitus
– arterielle Hypertonie (―› Überforderung der Niere)
– chronische Glomerulonephritis
– chronische Pyelonephritis
seltener:
– Analgetika-Missbrauch (frei verkäufliche)
―› Schmerzmittel werden in den Nierenkanälchen in den Harn gepumpt ―› Überforderung
der Nierenkanälchen ―› Schädigung ―› Insuffizienz
– Zystennieren (viele angeborene Zysten)
– Gicht

Symptome:

1. zunehmende Urämie (= Urin im Blut) = Harnvergiftung, d.h. Harnstoff und Kreatinin sind im
Blut erhöht und führen zu Symptomen:

  1. Übelkeit, Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit, im fortgeschrittenen Stadium auch Erbrechen
  2. Schwäche, Schläfrigkeit, Verwirrtheit, evtl. Koma, evtl. urämische Krämpfe (wie epileptische Krämpfe)
  3. Polyneuropathie (Harnstoff und Kreatinin sind nervenschädigende Gifte)

―› Missempfindungen, Lähmungen, Inkontinenz, Impotenz

  1. harnähnlicher Haut- und Mundgeruch (Harnstoff wird über Schweiß und Atmung ausgedünstet)

2. zunächst normale Urinmengen, später Oligurie, im Endstadium Anurie (Urin <100 ml/Tag) ―› Ödeme
3. Hypertonie durch vermehrte Reninbildung (Niere ist geschwächt und versucht RR zu
regulieren durch vermehrte Reninbildung ―› Nierenschäden)
4. Anämie (zu wenig Hämoglobin und Erythrozyten) wegen verminderter Erythropoetinbildung
5. Knochenschmerzen (= Osteopathie) ―› „Knochen entkalken“, weil Calcium fehlt, weil
Vitamin D nicht mehr
aktiviert wird
6. im Spätstadium zusätzlich:

  1. blasse, grau-braune Haut (Ablagerung von Urinfarbstoffen), Juckreiz
  2. Herzrhythmusstörungen durch Hyperkaliämie (= hohe Kaliumwerte im Blut), weil die Niere Kalium nicht mehr ausscheidet
  3. Azidose (Säuren werden nicht ausgeschieden)
  4. schwere Ödeme: Lungen-, Hirnödem

Therapie:
– genügend Flüssigkeit (im Anfangsstadium 2 l/Tag), Flüssigkeitsbilanzierung, bei Ödemen
evtl. Diuretika
– salzarme, häufig auch eiweißarme Ernährung
– zur RR-Senkung ACE-Hemmer (hemmen Reninbildung) und Diuretika
– bei Anämie: Erythropoetin (s.c.-Injektion), zusätzlich Transfusion
– bei Knochenschmerzen: Vitamin D- und Kalzium-Zufuhr
– Dialyse (= „künstliche Niere“)
– Nierentransplantation
Dialyse (= Blutwäsche):
Die Dialyse ist die Reinigung des Blutes durch maschinelles Filtern (in der Regel 3-mal wöchentlich für ca. 4 Stunden). Dialyseflüssigkeit nimmt aus dem Blut Schlackenstoffe, Wasser und Salze auf. Zur Erleichterung der Venenpunktion wird ein Shunt (= „Kurzschluß“) zwischen einer Armvene und einer Armarterie angelegt. Der Patient bekommt zusätzlich Heparin, damit das Blut im Gerät nicht gerinnt.
Zwischen Blut und Reinigungsflüssigkeit ist eine Membran, die Harnstoff, Wasser, Salze und Kreatinin vom Blut in die Reinigungsflüssigkeit durchlässt (Prinzip: In der Reinigungsflüssigkeit ist weniger Harnstoff und Kreatinin als im Blut. Chemische Teilchen wollen sich verbinden, um ein Ungleichgewicht auszugleichen.). Der Reinigungsflüssigkeit kann man Dinge, die im Blut fehlen, zufügen, z.B. Vitamine, Mineralstoffe, Medikamente. Diese „wandern“ dann ins Blut (wie oben beschrieben).
Shunt: Querverbindung ―› Vene wird durchtrennt und mit einer Arterie verbunden ―› Vene wird dicker und Venenwand kräftiger (da Blutdruck in Arterien höher ist als in Venen)

4. Akutes Nierenversagen

= plötzliches völliges Versagen der Nierenfunktion

Ursachen:

1. Durchblutungsminderung durch RR-Abfall (z.B. bei Unfällen, OPs, Durchbruch eines Magengeschwürs,
Herzinfarkt)
2. Vergiftungen z.B. durch Medikamente (Antibiotika, Zytostatika) und Kontrastmittel
3. akute massive Glomerulonephritis

Symptome:

– Oligurie, Anurie ―› Ödeme
– Herzrhythmusstörungen durch Hyperkaliämie, da Kalium nicht ausgeschieden wird
– durch Urämie: Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen (Verwirrtheit, Koma)

Therapie:

– Intensivmedizin (z.B. Akut-Dialyse)
– Ursache behandeln

5. Nierensteine

= Steinbildung durch Auskristallisieren von Salzen im Urin, meist sind es Kalzium- oder Harnsäuresteine

Ursachen:

– meist genetisch veranlagt
– Steinentstehung wird begünstigt durch:

  1. Gicht
  2. HWI´s
  3. Harnstau, z.B bei Prostataadenom

Symptome:

– bei glatten Steinen ohne Symptome, soweit der Urinfluss nicht behindert wird
– Nierenkoliken durch Einklemmen eines Steins (= krampfartige, starke Schmerzen in der
Nierengegend mit Ausstrahlung in Rücken, Leiste, Hoden, Schamlippen)
– Übelkeit und Erbrechen durch starke Schmerzen
– Harnstau, Pyelonephritis

Therapie:

– viel Flüssigkeit
– Bewegung
– krampflösende Medikamente
– Analgetika
– Entfernung eingeklemmter Steine:

  1. endoskopische Entfernung mit einer „Zange“
  2. Stoßwellenzertrümmerung (= ESWL)
  3. OP mit Freilegung der Niere („Flankenschnitt“)

Prophylaxen:

– viel Flüssigkeit
– Diät nach Steinzusammensetzung (kalzium-, purinarm)

Weiter lesen Seite 14…


Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

Diesen Beitrag teilen auf...

Twitter Facebook Google+