Autor/in: Teddy

Geronto Psychiatrie ein Überblick Seite 3

Antrieb

Eine vom Willen weitgehend unabhängig wirkende Kraft; sie ist verantwortlich für die Bewegung aller seelischen Leistungen hinsichtlich Tempo, Intensität und Ausdauer. Der Antrieb unterhält Lebendigkeit, Initiative, Aufmerksamkeit, Tatkraft. Vor allem am Ausdrucksverhalten und an der Psychomotorik zu erkennen.

Weitere Definitionen:

Trieb:

Vitale Lebensbedürfnisse wie Nahrungsantrieb, Sexualtrieb. Es kann nur indirekt aus Handlungen und Äußerungen erschlossen werden
(„Triebhandlung“ ist die auf Erreichen einem bestimmten Triebziel gerichtete Handlung).


Drang:

Unbestimmtes, ungerichtetes, nach Entladung drängendes Gefühl innerer Unruhe („blinde Dranghandlung“), Impulshandlung: oft gibt es planlos aus dem Drang entstehende Handlungen wie Poriomanie (Fugue, weglaufen), Pyromanie, Kleptomanie. Oft auch bei zerebral geschädigten (z. B. Anfalls kranken).

Antriebsstörungen:

Die wirkende Persönlichkeitskraft ist gesteigert, vermindert oder verändert. Vom Willen nicht zu steuern.

Formen:

Antriebsschwäche / – Mangel:

Es fehlt, der spontan antrieb. Der Betroffene ist träge, Leistung gemindert, er ist gleichgültig bis zur Stumpfheit.

Antriebshemmung:

Verringerung des vorbestehenden Antriebs; besonders bei Depressionen.

Antriebssteigerung:

Erhöhte Aktivität, starker Bewegungsdrang, unermüdliche Betriebsamkeit (z. B. bei Manie).

Beschäftigungsdrang:

Motorische Unruhe mit scheinbar gerichteten, oft aber sinnlosen Tätigkeiten, z. B. im“Beschäftigungsdelir“Geld sammeln, Flocken wegwischen.

Mutismus:

Nichtsprechen über längere Zeit, bei intakten Sprechorganen und Sprechfähigkeit.

Psychomotorische Störungen:

Störung der Bewegungen, die durch psychische Vorgänge gesteuert sind. Desintegration von psychischen und motorischen Funktionen. Es gibt Plus – und Minus formen.

Hyperkinese:

Bewegungsunruhe von impulsivem Charakter (oft bei Kindern mit Hirnschädigung, auch bei der Chorea). Steigerung der Motorik bei Psychosen.

Hypokinese:

Mangel an Bewegung / Bewegungslosigkeit (z. B. bei Depressionen, aber auch bei M. Parkinson).

Katalepsie:

Starres Verharren in einmal eingenommenen Körperhaltungen (bei Schizophrenie). (wird selten in der Praxis gesehen, da es meist mit Medikamenten unterdrückt wird).

Stupor (Starre / erstarren):

Relative Bewegungslosigkeit mit Einschränkung der Reizaufnahme und Reaktion.

Vorkommen: psychogen, bei Depressionen, bei körperlich bedingten psychischen Störungen.

Stereotypie:

Ständige Wiederholung der gleichen Bewegungen.

Manierismen (Manieriertheit):

Sonderbares, verschrobenes Ausdrucksverhalten in Gestik (z. B. ständiges Reiben an der Wange) und Mimik (z. B. Grimassieren).

Faxen (Syndrom):

Albern wirkendes Grimassenschneiden.

Raptus:

Untergeordneter Bewegungssturm; plötzliches Auftreten bei unterschiedlichen Störungen aus einem Zustand der Ruhe heraus (bei Katatoner Erregung).

Ich erleben:

Definition:

Erleben der personalen Identität (der Meinhaftigkeit) im Zeitverlauf und in der Abgrenzung zu den anderen Personen (Ich – Umwelt – Grenze).

Ich – Störungen

Störungen des Einheitserlebens des Ichs (der Meinhaftigkeit) im aktuellen Augenblick; Veränderung der Ich – Umwelt – Grenze: größere Durchlässigkeit bis hin zu Verlust. Gegenteil (mehrheitlich sekundär): Autismus (Abschottung).

Entfremdungserlebnisse:

Depersonalisation: abnorme Gefühle der Veränderung des Körpers oder einzelner Körperteile; Störung des Einheitserlebens oder des Vorhandenseins der Person im Augenblick oder der Identität im Zeitverlauf; die Gefühle werden als unlebendig, das Handeln als mechanisch oder automatenhaft erlebt.

Derealisation:

Erlebnis der abnorm veränderten Umwelt.

Beeinflussungserlebnisse:

Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Gedankeneingebung; Willensbeeinflussung, leibliche Beeinflussungserlebnisse (Gefühle, dass das Erleben von außen“gemacht“wird); Gefühle des Gelenkt – und Beeinflusstwerdens, von Hypnose und Bestrahlung.

Transitivismus:

Projektion (übertragen) eigenen Krankseins auf andere.

Autismus:

Isolierung des Ichs, sich – zurück – ziehen in eine eigene innere Welt.

Doppelte Persönlichkeit (doppeltes Bewusstsein):

Hintereinander auftretende Zustände unterschiedlichen Bewusstseins bei multipler Persönlichkeit, im Allgemeinen ohne Kenntnis der einen Form von der anderen (Literarisches Beispiel: „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ von R. L. Stevenson).

Intelligenz

Komplexe Funktion mit zahlreichen unterschiedlichen Einzelleistungen, um die Aufgaben und Anforderungen der Umwelt durch Sammlung von Erfahrungen und deren sinnvolle Anwendung zu bewältigen. Unterscheidung von praktischer Intelligenz, das heißt Fähigkeit zur Lösung von Aufgaben des täglichen Lebens und theoretischer Intelligenz mit Leistungen wie Begriffs – und Urteilsbildung. Messung der Intelligenz nach dem HAWIE (Hamburg – Wechsler – Intelligenztest für Erwachsene), Durchschnittswert 1000.

Störung dieser Elementarfunktion:

Oligophrenie: angeborene Intelligenzminderung. Unterschiedliche Schweregrade:

Intelligenzminderung: Grenzbereich
IQ: 70 – 84
Bezeichnung: Lernbehinderung

Intelligenzminderung: Leicht
IQ: 50 – 69
Bezeichnung: Oligophrenie

1. Grades (Debilität)

Intelligenzminderung: Mittelgradig
IQ: 33 – 49
Bezeichnung: Oligophrenie

2. Grades (Imbezillität)

Intelligenzminderung: Schwer
IQ: 20 – 34
Bezeichnung: Oligophrenie

2. Grades (Imbezillität)

Intelligenzminderung: Schwerst
IQ: 0 – 19
Bezeichnung: Oligophrenie

3. Grades (Idiotie)

Demenz:

Erworbene Intelligenzminderung. Verlust von früheren Leben erworbene intellektuellen Fähigkeiten durch organische Hirnerkrankungen.

Pseudodebilität:

Vortäuschung von Schwachsinn (um einen Vorteil zu erlangen).

Pseudodemenz:

Kommt bei Depressivität vor, hauptsächlich bei schweren Depressionen im Alter. Es gibt Möglichkeiten, die Pseudodemenz von der echten Demenz zu unterscheiden. Organisch psychische Störungen.

Bei ihrer Entstehung wirken viele Faktoren mit!

Primäre Faktoren

  • Strukturveränderung des Gehirns
  • Funktionsstörung (Hirn)
  • organische Psychosyndrome (H)OPS

Sekundäre Faktoren

(sonstige) körperlichen Erkrankungen

  • Verringerung von Mobilität und Aktivität
  • Verlust von sozialen Kontakten / Kommunikation
  • sensorische Deprivation

– subjektives Krankheitserleben
– emotionale Reaktionen – „Coping“
– Strategien (Bewältigung-Strategien)

Abwehr – Mechanismen.

Mensch mit seinem Symptom

  • biologisch – konstitutionelle Einflüsse
  • primäre Intelligenz
  • Persönlichkeit vor der Krankheit
  • Zwischenmenschliche Kontaktmöglichkeiten
  • Soziale und ökonomische Faktoren

= Vulnerabilitätsfaktoren „Verletzlichkeit“

Einteilung nach klinischen Erfahrungen

Syndrome 1. Ranges

  • Delir
  • Demenz
  • amnestisches Syndrom
  • aphasische, apraktische, agnostische Symptom komplexe (das sind isolierte Störungen, meist eine spezielle Schädigung, Lokalisation)

Das besondere sind:

  • Störungen des Bewusstseins
  • höhere Leistungen wie Gedächtnis
  • Ursache: (fast) immer Strukturveränderungen des Gehirns
  • Symptome passen gut zu entsprechenden Hirnregionen

Syndrome 2. Ranges

  • uncharakterische organische Syndrome

Das besondere sind:

  • Störungen der Wahrnehmung
  • Störungen der Denkinhalte
  • Störungen der Emotionalität
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Bewusstseinsstörungen nur gering ausgeprägt
  • höhere kognitive Leistungen nur wenig betroffen

Ätiologie (Ursache) organischer Psychosyndrome

  • multifunktional
  • zum Teil unbekannt
  • bei etlichen kann man die pathologischen Veränderungen im Gehirn genau beschreiben

KONKRET

Störungen / Ursachen

Störungen im Wasser und Salzhaushalt

  • Exsikkose
  • Störungen des Säure – /

Basen Gleichgewichts

  • Azidose (Übersäuerung)
  • Alkalose (Untersäuerung)
  • beim Nierenversagen

Intoxikation

  • durch Organversagen
  • Nieren
  • Leber
  • exogen:
  • Alkohol
  • Medikamente
  • Lösungsmittel

Mangel von Vitaminen / Elektrolyten

  • Vitamin-B-Mangel
  • B 12, Folsäure
  • Fe – Mangel
  • Kalium – Mangel
  • Kalzium – Mangel

Sauerstoffmangel im Gehirn

  • Hirndurchblutungsstörungen
  • Herz – / Kreislauf – Erkrankungen
  • Rhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz
  • RR wechselhaft
  • Arteriosklerose
  • Erkrankungen des Atmungssystems
  • Pneumonie
  • Silikose
  • Asthma
  • Anämie

Regulationsstörungen

  • RR
  • Temperatur
  • Störungen der Entleerung
  • Schmerzen

Hormonelle – / Stoffwechselstörungen

  • Schilddrüse (z. B. Thyreotoxikose)
  • Insulin
  • Nebenschilddrüse

Hirnschäden

  • Apoplex
  • Hirndruckerhöhung
  • Vaskulitis
  • Schädelhirntrauma

Nach OP› Psychosoziale Ursachen

Arzneimittel

  • L – Dopa
  • Biperiden
  • Bromocriptin
  • Digitalis
  • Lithium
  • Diuretika
  • Barbiturate
  • Neuroleptika
  • RR – Senker
  • Antidepressiva
  • Kortikoide

Wahrnehmungsstörungen durch Insuffizienz der Sinnesorgane

  • Augen
  • Ohren
  • Tastsinn

Bestimmte Entzündungen

  • Harnweginfekte
  • Sepsis
  • Meningitis
  • Enzephalitis

Mögliche Symptome

  • Austrocknung / Fieber
  • schwitzen
  • große, flache Atmung
  • Ödeme
  • Urämie
  • Juckreiz, Ikterus, Leberkoma
  • Koordinations-Störungen
  • Halluzinationen (L – Dope)
  • Nervenschmerzen, Blässe
  • Herzrhythmusstörungen
  • Müdigkeit
  • Durchgangssyndrom
  • Verwirrtheit
Weitere Quellen zur Gerontopsychiatrie
Gerontopsychiatrie
Gerontopsychiatrie
Herausforderungen der Gerontopsychiatrischen Pflege

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