Autor/in: Cordula

Dickdarm + Rektum Anatomie und Erkrankungen Seite 3

Pflege

Pflege bei konservativer Therapie

Zu den Aufgaben der Pflegenden gehört die Unterstützung des Patienten bei der Durchführung der konservativen Therapiemaßnahmen.

Pflege bei Hämorrhoidektomie

Präoperative Pflege. Präoperativ genügt die Entleerung des Rektums, z. B. durch ein Klysma. Eine vollständige Dickdarmentleerung ist nicht notwendig. Die Haare der Perianalregion werden entfernt.

Postoperative Pflege:

  • Bei der Krankenbeobachtung insbesondere auf Nachblutungen im Analbereich achten
  • Patienten vorzugsweise in Seiten- oder Bauchlage lagern
  • Am Abend des OP-Tages dem Patienten leichte Kost geben (Anästhesieprotokoll beachten)
  • Den Verband am ersten postoperativen Tag abnehmen, evtl. vorher anfeuchten, und die offene Wunde nach jedem Stuhlgang sowie morgens und abends mit lauwarmen Wassern abduschen (lassen). Danach Salben Tupfer auflegen, z. B. mit Bepanthen®-Salbe, oder trocken verbinden (Einmal Netzhose mit Vorlage). Sitzbäder nach Arztanordnung durchführen.
  • Obstipationsprophylaxe (z. B. mit Agiolax®) durchführen, um die Schmerzen bei der Stuhlentleerung zu reduzieren. Ggf. Schmerzmittelgabe vor dem Stuhlgang.
  • Auch nach der Entlassung sollte der Patient den Einsatz der Bauchpresse zur Stuhlentleerung vermeiden (Information über Obstipationsprophylaxe).


Patientenberatung

Was sollten Betroffene wissen/ können?

  • Ursachen und Komplikationen von Hämorrhoiden
  • Sorgfältige Analreinigung (Waschen nach jedem Stuhlgang, öfter Sitzbäder)
  • Umgang mit lokal wirkenden Arzneimitteln (Salbeneinlagen, Zäpfchen)
  • Allgemeine Verhaltensregeln:
    – Stuhl nicht unterdrücken, ballaststoffreiche Kost, viel trinken
    – Langes Sitzen ohne Unterbrechungen meiden.

Analatresie (G)

= angeborener Verschluss der Analöffnung

Diagnostik: kein sichtbarer After beim Neugeborenen

Therapie: sofortige OP› Meistens lässt sich der natürliche Ausgang eröffnen› sonst AP

Anal- und Rektumprolaps

Analprolaps: Vorfallen und äußerliches Sichtbarwerden der Analschleimhaut.

Ursache:

Hämorrhoiden

Der Sphinkterapparat ist meist intakt, der Sphinktertonus jedoch vermindert.

Hauptbeschwerden

  • wiederholte Blutungen
  • evtl. eine leichte Inkontinenz

Diagnose

  • Inspektion (Patienten pressen lassen)

Therapie

  • Beseitigung der Hämorrhoiden

Rektumprolaps = Vorfallen und äußerliches Sichtbarwerden des Rektums.

Ursache

  • Schwäche des Beckenbodens› ältere Frauen u. Frauen, die mehrere Geburten hatten, sind bevorzugt betroffen

Symptome:

  • Inkontinenz
  • Blut- und Schleimabgang
  • Nässen sowie ein Schleimhautödem und Druck, Ulzera sind möglich

Diagnose

  • Inspektion

Therapie: nach manueller Reposition ist eine operative Fixierung des Rektums an der Beckenwand mit Beckenbodenstraffung nötig

Analabszesse und Analfisteln

Analabszess (anorektaler Abszess, periproktitischer Abszess)

Analfistel

= Krankhafte, röhrenförmige Verbindung zwischen der äußeren Analregion (äußere Fistelöffnung) und dem Analkanal/ Rektum (innere Fistelöffnung).

Über den Fistelkanal entleert sich eitriges Sekret, evtl. mit Stuhl vermischt, nach außen. Gehäuftes Auftreten bei Morbus Crohn.

Ursache

  • Es ist immer eine Entzündung der um den inneren Sphinkter herum gelegenen Proktodealdrüsen. Von hier aus breitet sich die Entzündung weiter aus ( Periproktitis)› Abszessbildung.
  • Abszesse können spontan perforieren› Fisteln
  • Das sich entleerende Sekret ruft weitere Entzündungen und einen narbigen Umbau hervor, wodurch sich bindegewebige, stabile Fistelgänge zwischen Analkanal und äußerer Analregion ausbilden (komplette Fisteln).
  • Mitunter verschließt sich die Fistelöffnung, sodass der Fistelkanal blind endet (inkomplette Fisteln).
  • Bei langjähriger Krankheitsdauer› evtl. Gangsystem aus Fistelgängen

Symptome und Diagnostik

  • sehr schmerzhaft
  • gehen, mit Schwellung, Rötung und evtl. Fieber› Abszess
  • Hat sich eine Fistel gebildet, verschwinden die Schmerzen
  • äußere Fistelöffnung macht sich durch entsprechend verschmutzte Unterwäsche bemerkbar und ist bei der Inspektion sichtbar› Sekretion
  • innere Fistelöffnung lässt sich bei der rektalen Untersuchung manchmal als kleines Knötchen mit dem Finger tasten

Therapie

  • Rectoskopie in Narkose
  • Inzision des Abszesses (=Durchtrennung körpereigenen Gewebes/Eröffnung eines path. Entstandenen Hohlraums)
  • Fistelspaltung

› unter Schonung des Sphinkterapparates (Beibehaltung der Stuhlkontinenz).

  • Die Wundtaschen werden bis zur vollständigen Abheilung offen gehalten

Pflege

  • tgl. Gespült und mit locker aufgeschüttelten (unsterilen) Kompressen aus tamponiert.
  • Mind. 1x tgl. Nimmt der Patient ein kurzes Sitzbad.
  • Duschen nach jeder Defäkation.

Analkarzinom

= Seltenes Karzinom im Analkanal /Analrand.

Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 50 %.

Symptome

Leitsymptome des Analkarzinoms sind:

  • Schmerzen
  • Fremdkörpergefühl
  • Juckreiz im Analbereich
  • Änderungen der Stuhlgewohnheiten
  • Blutlauflagerungen auf dem Stuhl
  • Kontinenzstörungen.

Diagnose

  • erfolgt, wie beim kolorektalen Karzinom.

Therapie

  • kombinierte Strahlen- und Chemotherapie
  • nach Abschluss der Behandlung noch ein Resttumor nachweisbar › Rektumamputation mit Anlage eines Enterostomas erforderlich.
  • Das Analrandkarzinom wird chirurgisch behandelt, wobei die Größe des Eingriffs v. d. Tumorausdehnung abhängt.

Analekzem

= Akute/chronisch, entzündliche Rötung der Haut um die Analregion mit quälendem Juckreiz und Brennen.

Krankheitsentstehung

Ursache

  • Schädigung des oberflächlichen Fettfilms u. des Säuremantels d. Haut zugrunde liegen
  • bei anhaltender Nässe, z. B. bei Fisteln o. bei Inkontinenz
  • entzündlichen Begleitreaktionen von Hämorrhoiden
  • mangelnder Analhygiene
  • chronische Diarrhö
  • wiederholtem Kratzen, z. B. bei Juckreiz in der Analregion, der Fall
  • Außerdem können Analekzeme bei Pilzinfektionen der Analregion, bei Diabetes mellitus o. seltener als allergische Reaktion wie auf Waschmittel auftreten.

Symptome, Befund und Diagnostik

  • Inspektion der Analregion
  • Im akuten Stadium ist die Haut stark gerötet u. ödematös geschwollen
  • Später sind oft kleine Hauteinrisse (Rhagaden) u. Kratzspuren sichtbar.
  • Kann die auslösende Ursache nicht eindeutig geklärt werden, erfolgt eine Testung auf Pilzbefall o. selten auch eine PE aus der perianalen Haut.

Pflege

  • Aufklärung des Patienten über die sorgfältige Analhygiene
  • Dabei sollten die Patienten auf die Benutzung von Toilettenpapier verzichten u. stattdessen die Analregion mit klarem, lauwarmem Wasser (ohne Seife) reinigen und sich hinterher sorgfältig abtrocknen.
  • Wechselbäder fördern die Durchblutung der Haut und können so den Heilungsprozess beschleunigen.
  • Evtl. kann die Haut mit zinkhaltiger (z. B. Multilind) oder bei chronischem Ekzem auch mit teerhaltiger Salbe abgedeckt werden.

Analfissur

= Schleimhauteinriss im   Analkanal

  • in Steinschnittlage meist bei 6 Uhr

Ursache

  • wesentlich mitbedingt durch einen erhöhten Sphinktertonus.

Symptome

Man unterscheidet:

  • Die frische/akute Fissur mit glatten und gut durchbluteten Wundrändern
  • Die chronische Fissur mit verdickten, wallartigen Rändern.
  • Die Patienten haben bei der Defäkation und auch noch 1/2 – 1 Stunde danach stechende Schmerzen
  • Mitunter finden sich Blutauflagerungen auf dem Stuhl

Diagnose

  • Inspektion
  • Proktoskopie
  • Immer muss ein Analkarzinom ausgeschlossen werden.

Therapie

  • akuten Fissur:
  • Subkutanes Einspritzen eines Lokalanästhetikums, durch anästhesierende Salben und entzündungshemmende Zäpfchen.
  • Der Stuhlgang wird medikamentös
  • entsprechende Ernährung weich gehalten.

Bei Erfolglosigkeit dieser Maßnahmen und bei

  • chronischer Fissur:
  • Sphinktermyotomie =wird unter Narkose der innere Sphinktermuskel bei 9 Uhr eingekerbt.

Auf diese Weise wird der Schließmuskeltonus herabgesetzt, die Durchblutung der Analschleimhaut verbessert und so die Fissur zum Abheilen gebracht.

Die konservative Sphinkterdehnung ist wegen der Gefahr eines Sphinkterrisses mit nachfolgender Inkontinenz weitgehend verlassen worden.

Perianalthrombose

=thrombosiert eine perianale Vene beim Benutzen der Bauchpresse auf der Toilette akut. Es bildet sich ein extrem schmerzhafter, bläulicher, harter Knoten. Rasche Linderung bringt die chirurgische Stichinzision, nach der der Thrombus ausgedrückt werden kann. Anschließende Sitzbäder beschleunigen die Heilung. Gelingt die Stichinzision nicht, kann das thrombosierte Gefäß auch unterbunden und reseziert werden. Unbehandelt hinterlässt die Perianalthrombose eine Mariske, d. h. eine schlaffe Hautfalte im Analbereich, die ohne Krankheitswert ist und nur bei Juckreiz oder Ekzem entfernt wird.

Pilonidalsinus/steißbeinfistel

=Entzündliche Schwellung mit kleinen Fistelöffnungen über dem Kreuz-respektive Steißbein

  • Hauptsächlich bei Männern im 20. – 30. Lebensjahr
  • akuten Entzündung: Schmerzen, u. in d. Steißbeinregion sind entzündliche Rötung u. Schwellung
  • Evtl. Abszess
  • Chronisch: Juckreiz u. Fistelsekretion.
  • In der Regel ist eine Blickdiagnose möglich.

Bei einem akuten Geschehen wird der Abszess zuerst inzidiert und erst nach 3 -7 Tagen radikal exzidiert. Bei reizlosem Pilonidalsinus kann sofort die radikale Exzision bis auf die Steißbein Faszie durchgeführt werden. Lässt der Chirurg die Wunde offen, entspricht die weitere Pflege derjenigen bei Hämorrhoidektomie, verschließt er die Wunde, wechseln Arzt und Pflegende den Wundverband nach den üblichen Richtlinien. (offene Wundbehandlung)

Weitere Quellen zu Dickdarm, Rektum, Erkrankungen und Anatomie
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Dickdarm
Der Darm – Aufbau, Funktion und häufige Erkrankungen

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