Autor/in: Sebastian Schleinitz

Altersdepression

1. Einleitung

Die meistverbreitete Redewendung „Ich fühle mich heute irgendwie so depressiv“ gehört heute schon zur Alltagssprache. Gemeint ist aber, dass der Betroffene sich sehr traurig fühlt. Doch dies unterscheidet sich von dem Krankheitsbegriff „Depression“. Traurigkeit sollte nicht mit einer behandlungsbedürftigen Depression gleichgestellt werden. Im Gegenteil! Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder bedrückt sein sind ganz normale Gefühle und Reaktionen auf belastende Ereignisse oder Situationen. Das soll auch das Hauptthema in meinem Vortrag sein – Depressionen, speziell Altersdepressionen erkennen und unterscheiden können.
Ich möchte auch einen Ansatz dazu geben, wie man mit Depressiven umgeht, wie man ihnen helfen kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

1.1 Was ist eine Depression?

Eine Definition, wie sie medizinisch möglich ist, lässt sich in der Psychologie nur anhand von Symptomen zuordnen. Eine Depression ist eine affektive Störung, d. h. eine Störung der Gefühlswelt. Diese Störung tritt entweder in Form der Depression oder in Form der Manie auf. Depression ist keine Geisteskrankheit, sondern eine Erkrankung des Gemüts.


Depression (lat. Lustlosigkeit, Bedrücktheit) bedeutet Traurigkeit, Besorgnis, Lustlosigkeit, gedrückte Stimmung, Verlust an Interesse und Freude, Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdbarkeit, Einschränkung der Aktivitäten, häufig sozialem Rückzug, sowie Durchschlafstörungen mit Schlafverkürzung, Appetit- und Verdauungsstörungen u. a.

1.2 Depressionsarten

psychogene Depression, seelische Ursache. Reaktionen auf Schicksalsschläge(Todesfälle, Krisen, finanzielle Probleme, etc.) mangelhafte Verarbeitung frühkindlicher Erlebnisse, Dauerkonflikte.

Endogene Depression, keine klar erkennbare Ursache. Endogen = im Innern. z. B. Manisch-Depressive oder der depressive Wahn

Somatogene Depression körperliche Ursache. Krankheiten wie z. B. Aids, Migräne, Krebs, Diabetes, Alzheimer.

Besondere Lebenslagen, bestimmtes Alter oder ein bestimmtes Ereignis sind ausschlaggebend für eine Depression.

Altersdepression aufgrund von Isolation, hormonelle Veränderungen der Frau

Bei rund 80 % der Depressiven konnte nach einer Behandlung eine Heilung oder Besserung beobachtet werden. Rückfälle sind jedoch nie auszuschließen. 17 % aller Deutschen leiden im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal tatsächlich an einer Depression. Bei Frauen treten Depressionen doppelt so häufig auf, wie beim Mann.

1. 3 Auslöser einer Depression

psychologische Auslöser: krisenhafte Ereignisse, anhaltende Konflikte in Partnerschaft oder Beruf, Stress am Arbeitsplatz.
Biologische Auslöser: Veränderungen des Hormonhaushaltes, Überbelastung, Stress.

1.4 Ursachen einer Depression

genetische Faktoren: Neigung zu affektiven Störungen ist verderblich
psychologische Faktoren: Erfahrungen der Kindheit, negative Selbstbilder, emotionale Überbedürfnisse
biologische Faktoren: veränderter Neurotransmitterhaushalt, veränderter Hormonhaushalt

2. Altersdepression

Die Lebensumstände alter Menschen, z. B. der Verlust geliebter Menschen, die nachlassende körperliche Gesundheit, mangelnde Bewegungsfreiheit, Vereinsamung oder der Umzug in eine neue Wohnumgebung, machen depressive Verstimmungen nur allzu verständlich. Häufig wird daher eine niedergedrückte Stimmung und Zurückgezogenheit bei alten Menschen als „normal“ angesehen. Dauern diese Phasen länger an, werden sie von vielen Angehörigen, von Ärzten, und auch von den Betroffenen selbst als eine „von selbst vorübergehende Befindlichkeitsstörung“ eingestuft. Dabei ist eine Altersdepression immer eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die unbedingt fachgerecht behandelt werden muss.

Altersdepressionen sind die häufigste psychische Erkrankung im Alter. Bedenkt man, dass der Bevölkerungsanteil der älteren Menschen immer mehr zunimmt, so gewinnt die Medizin in diesem Bereich deutlich an Bedeutung. Das gilt auch für die psychische Gesundheit.
Bei ungefähr 10–15 % aller älteren Menschen werden heute depressive Symptome festgestellt. In Alters-
oder Pflegeheimen liegt der Anteil schon bei 30 %. Dennoch wird nur bei etwa 10–20 % dieser Betroffenen eine Altersdepression diagnostiziert. Noch weniger werden entsprechend behandelt. Das haben Untersuchungen belegt.

2.1 Allgemeine Symptome der Altersdepression

Eine Altersdepression zu erkennen, ist oft für einen Arzt nicht einfach. Vielfach gehen die Betroffenen nicht wegen ihrer Depression zum Arzt. Meistens suchen sie ihren Hausarzt auf wegen anderer Symptome, z. B. Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust.

Häufig erkennen Allgemeinmediziner nicht, dass dies Alarmzeichen einer Altersdepression sein können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Allgemeinmediziner selten eine ausreichende Fachausbildung auf dem Gebiet der Geriatrie haben. Insbesondere beim Auftreten von Schlafstörungen, die regelmäßig in Verbindung mit einer Depression auftreten, sollte an eine Altersdepression gedacht werden.

2.2.1 Alarmzeichen einer Altersdepression

Gefühle von Wertlosigkeit. Häufiges Nachdenken über den Tod. Selbstmordgedanken

2.2 Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung ältere Menschen mit einer Depression ist sehr viel komplizierter als die Behandlung jüngerer Patienten. Das hat verschiedene Ursachen. Viele alte Menschen leiden an verschiedenen anderen Erkrankungen und nehmen gegen diese bereits Medikamente ein. Weil bei älteren Menschen aber die Organe nicht mehr so leistungsfähig sind, wie das bei jüngeren Menschen der Fall ist, wirken sich Medikamente anders aus. Bei den oft sehr verschieden Wirkstoffen kommt es nicht selten zu unerwünschten Wechselwirkungen. Die Verabreichung der Medikamente im Körper und die Ausscheidung der Abfallprodukte ist deutlich verändert.
Das führt dazu, dass der Schaden, den die Medikamente bei älteren Menschen anrichten können, und der Nutzen, den sie bringen, genau gegeneinander abgewogen werden müssen. Insbesondere bei den klassischen synthetisch hergestellten Medikamenten, die bei der Behandlung von Depressionen vorwiegend eingesetzt werden, ist darauf besonders Augenmerk zu richten.

Häufig mit einer niedrigen Dosierung von Medikamenten begonnen, die dann nach und nach entsprechend den Anforderungen gesteigert wird. Eine wirkliche Alternative in diesem Bereich sind pflanzliche Psychopharmaka. In langjährigen wissenschaftlichen Studien wurde für Johanniskraut der eindeutige Beweis der Wirksamkeit erbracht. Pflanzenheilmittel, oder *Phytopharmaka, haben eine hohe Verträglichkeit und sind besonders wirksam bei leichten bis mittelschweren Depressionen.
* aus Pflanzen gewonnene Arzneimittel
Neben der medikamentösen Therapie ist auch die Psychotherapie bei Altersdepression erfolgreich einsetzbar.

2.2.1 Umgangsmöglichkeiten mit Depressiven

Depressive ziehen sich meist zurück von Aktivitäten und sozialen Kontakten. Da ist es leicht verständlich, dass sie für Hilfsangebote nur schwer zu erreichen sind.
Es ist also wichtig, dass ein konstantes Angebot aufrecht gehalten wird. Die Kunst besteht darin, einen Kontakt mit ihnen herzustellen und ihn aufrechtzuerhalten, ohne sich in seine Depressivität hineinziehen zu lassen oder ihn mit aller Kraft aus seiner Depressivität heraus ziehen zu wollen. Es gilt also, ihn und seine subjektive Sicht zu verstehen und diese zu akzeptieren. Dabei ist die Belastung für jeden Helfer enorm.

Der Pfleger muss innere und äußere Grenzen ziehen, damit er von der Hilfsbedürftigkeit nicht überschwemmt wird. Das können z. B. zeitliche Grenzen im Kontakt sein, aber auch innere Distanzierung durch Gespräche mit Teamkollegen. Den Vorteil, dass Depressive nicht immer gleich depressiv sind, kann man nutzen. Je näher man den Betroffenen kennenlernt, umso mehr kann man feststellen, dass seine Stimmung an bestimmten Tageszeiten aufhellt.
In solchen Momenten kann man als Pfleger verschiedene Dinge durchführen, die den Betroffen angenehm sind und wo man einen Wohlfühleffekt erzielen kann. So z. B. Bäder, Spiele, Lieder singen u. ä.

Die Aufgabe besteht darin diese kleinen Unterschiede zu suchen und vorsichtig entsprechende Angebote zu machen, da jede Aktivität ein Schritt heraus ist aus dem Zustand des Bedrückt seins. Das Ziel kann und muss nicht immer die Beseitigung der Depression sein. Es geht in erster Linie um die Einbindung in einen stabilen, sozialen Zusammenhang, das Knüpfen neuer Kontakte und die Wiederaufnahme verloren gegangener Interessen und Bindungen.
In diesem Sinne können Hilfsangebote zu Ressourcen werden, die entscheidend sind für die Bewältigung der Depressivität.

3. Schlussfolgerung

Die Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Sie wird aber meistens noch als vorübergehende Phase angesehen. Tatsache ist aber, dass die Betroffenen darunter leiden. Ich glaube, der wichtigste Ansatz ist aber Depressionen zu erkennen, zu verstehen und vor allem zu akzeptieren. Depressionen sind behandelbar und führen dann wieder zu mehr Lebensqualität der Betroffenen zurück.

4. Quellen
wwwmedicus.de
Tre.bert „Psychiatrische Altenpflege“

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