Autor/in: Cordula

NEUROLOGIE Seite 3

erregerbedingte Erkrankungen:

MENINGITIS:
Definition: Entzündung der Hirnhäute mit Beteiligung der Hirnrinde, z. T. der Hirnnerven und – wurzeln

Formen:

Eitrige M.:
a) primär (ohne Ursprungsherd) durch Kokken / Pseudomonas – Infektionen
b) sekundär (fortgeleitet): Pneumonie, Endokarditis …

Virus-M.: im Generalstudium einer Viruserkrankung

Tuberkulöse M.: vorwiegend der basalen Hirnhäute bei Organtuberkulose

Pilz-M.: bei Abwehrschwäche

Inhaltsverzeichnis


Borrelia burgdorferi-M.: Übertragung durch Zeckenbiss
Symptome:

  • Fieber
  • Nacken betonte Kopfschmerzen
  • Meningismus (Nackensteifigkeit)
  • Licht- und Lärm scheu
  • Bewusstseinsstörungen (schlechte Prognose)
  • Epilept. Anfälle
  • Hirnnervenausfälle (N. trigeminus Austrittspunkte sollen schmerzhaft sein)
  • HOPS (→ Parkinsonoid)
  • Petechiale Blutungen
  • Positive Dehnungszeichen:

1. Lasegue: Schmerz bei Anheben des gestreckten Beins des liegenden Patienten
2. Kernig: Beugen der Knie bei passivem Anheben des gestreckten Beins
3. Brudzinski: beim Beugen des Kopfes reflektorisches Beugen der Knie

Diagnostik:

  • Liquordiagnostik (Zellzahl→, Eiweiß→, Zucker→, Spinnengewebsgerinnsel)
  • Bei Bewusstlosigkeit erst CT (Hirndruck)
  • Blutkultur
  • HNO-Untersuchung (Sinusitis, Mastoiditis-Ausschluss)
  • Rö-Thorax als Pneumonie-Ausschluss

Therapie:

a) Eitrige/bakterielle M.:
nach LP → sofortige Antibiose, fiebersenkende Mittel, Reizabschirmung
d) Pilz-M.:
Amphotericin B + Antimyknicillin oder 3er-Kombination, Kortison
Meningokokken-M.: meldepflichtig, Isolation für 24 h
b) Tuberkulöse M.:
3 Monate mit 3 Kombi, danach weitere Monate 2er-Kombi
c) Virus-M.: Bettruhe, fotikum i.v. oder intrathekal

HIRNABSZESS:
Definition: eitrige, abgekapselte lokale Entzündung, nach lokaler Enzephalitis

Pathogenese:

  • Fortgeleitet aus Infektionen in HNO-Bereich, Zahnentzündungen oder Furunkeln im Gesicht
  • Hämatogen-metastatisch bei Bronchiektasen oder Endokarditis
  • 20 % keine Ursache
  • selten Parasiten

Symptome:

  • Kopfschmerzen
  • Selten Fieber
  • Hirndruckzeichen (hauptsächlich Erbrechen)
  • Epilept. Anfälle
  • Hirneinklemmung → Bewusstseinseintrübung

Diagnostik:

  • CT/MRT (ringförmige Aufnahme von KM)
  • Liquor nur z. T. entzündlich verändert
  • Punktion, Aspiration
  • Nur 50 % hämatogene Entzündungszeichen

Therapie:

  • OP
  • Aspiration des Eiters
  • Sanierung der Ursprungsherd
  • Antibiose lokal/System.

Prognose:

20 % Letalität, bei multiplen Abszessen 60 %
Komplikationen: Hirnphlegmone + symptom. Epilepsie

ENZEPHALITIS:

Definition: erreger bedingte Entzündung des Hirngewebes, ausgelöst durch Viren

Pathogenese:
Viral: Herpes Simplex I-Virus, FSME-Virus, Varicella-Zoster-Virus, Masern-Virus und Röteln-Virus
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Prionen
Bakterielle E. fast nie

Allg. Symptome

  • Kopfschmerzen
  • Meningeale Reizung
  • Bewusstseinsstörungen
  • Psychoorgan. Auffälligkeiten
  • Epilept. Anfälle
  • Pyramidalen + extrapyramidalen Störungen

Spezielle Symptome

HSI-Virus

  • Bewusstseinsstörungen
  • Psych. Auffälligkeiten
  • Neurolog. Herdzeichen
  • Aphasie
  • Epilept. Anfälle
  • Ab 2. Tag Blutungen und Nekrosen im Temporallappen (MRT)

Therapie

  • 70 % versterben ohne Behandlung
  • 20 % mit
  • Aciclovir

Spezielle Symptome

FSME:

  • psycho organische Auffälligkeiten
  • Bewusstseinsveränderungen
    Masern:
  • Bewusstseinsstörungen
  • Rückenmarktesssymptome

Therapie

  • 2 % Letalität
    20 % residual Symptome
  • → Impfung20% Letalität
    gefährliche Spätkomplikationen

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit:

  • rasche Demenz
  • Myoklonien
  • Epilept. Anfälle
  • Neurolog. Herdzeichen
  • EEG-Veränderungen

Keine Therapie

Tollwut:

  • verstärkter Speichelfluss
  • motor. Unruhe
  • epilept. Anfälle
  • Bewusstseinsstörungen
  • Muskelverspannungen
  • Hydrophobien
  • Atemlähmung

Impfung!
Ggf. Postexpositionsprophylaxe nach Biss möglich

Kopfschmerzen

MIGRÄNE:

Definition: idiopathisches organisches Leiden

Symptome:

  • Pulsierender Charakter
  • Vegetative Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Bei körperl. Belastung verstärkt sich die Symptomatik.

Pathogenese:

Freisetzung Gewebshormone
→ lokale Untererregbarkeit der Hirnrinde
→ Gefäßerweiterung
→ Senkung der Schmerzgrenze
Ursache:

  • Östrogen Entzug
  • Stresssituationen
  • Medikamente
  • Bestimmte Nahrungsmittel (Rotwein, Schoki, Käse)

Formen:

a) ohne Aura: wiederkehrende halbseitige KS mit vegetativen Begleitsymptomen
b) mit Aura: neurolog. Symptome gehen voraus:

  • Flimmerskotom (Sehstörungen)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Lähmungserscheinungen bis zur Hemiplegie
  • Sprachstörungen

c) komplizierte Aura: Aurasymptome halten länger an (über Stunden bis Tage)
d) Status migraenuosus Migräne-Attacke länger als 72 h

Therapie:

  • auslösende Faktoren meiden
  • hoch dosiert Aspirin mit Antiemetika
  • ggf. Triptane Nasenspray
  • prophylaktische Therapie mit ß-Blockern oder Calciumantagonisten

CLUSTER KOPFSCHMERZEN:

Definition: streng einseitige, meist im Stirnbereich gelegene KS, über einige Wochen wiederkehrend auftretend aber Monate bis jahrelange Beschwerde freien Zeiträumen

Symptome:

  • einseitiger KS
  • hinter dem (gerötetem) Auge
  • Horner Syndrom (Miosis, Lid hängt ab, Nasen laufen (Ptosis))
  • Meist n8s und zu denselben Uhrzeiten
  • durch Bewegung Symptom Verbesserung

Pathogenese:

  • Gewebshormone (genaue Ursache ungeklärt)
  • Alkohol
  • Männer häufiger als Frauen, meist ab 30. LJ

Therapie:

  • O2-Inhalation
  • Triptane
  • Zur Unterbrechung der Anfallsserie: Kortison
  • Zur Prophylaxe: Lithium oder Calciumantagonisten

SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN:

Definition: chronische h oder d andauernde KS ohne Übelkeit und Erbrechen

Symptome:

  • dumpfer KS
  • über mehrere Tage
  • ganzer Kopf betroffen
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit oberflächlicher Muskeln im Schädelbereich, Belastungsfaktoren, Fehlhaltung
  • Verspannungen

Therapie:

  • Trizyklische Antidepressiva
  • Keine klassischen Analgetika → Dauerkopfschmerz

KS DURCH SÜSSTANZEINWIRKUNG:

  • Analgetika missbrauch
  • Nitrate
  • Natriumglutamat (China-Restaurant-Syndrom)
  • Alkohol(-entzug)
  • Koffein Entzug

KS DURCH SEXUELLE AKTIVITÄT:

Abgrenzung zur Subarachnoidalblutung

Subarachnoidalblutung
Definition:
Einblutung in den Subarachnoidealraum

Pathogenese:

  • arterielle Blutung im Liquorraum durch Aneurysma
  • zu 15 – 20 % letal

Komplikationen:

  • Rezidiv Blutungen
  • Gefäßspasmen → Apoplex
  • Hydrocephalus

Symptome:

  • Sehstörungen oder Augenmuskellähmungen (Vorbote)
  • Plötzl., heftigst einsetzende KS
  • Erbrechen
  • Schweißausbrüchen
  • Flüchtige Bewusstseinsstörungen
  • Meningismus (innerhalb weniger Minuten bis Stunden)

Diagnostik:

  • CT
  • Lumbalpunktion (nur bei klarem Bewusstsein, ansonsten Gefahr der Hirneinklemmung)
  • DSA: nach Ausschluss einer Gerinnungsstörung kann die Blutungsquelle direkt nachgewiesen werden
  • Stadieneinteilung nach Hunt und Hess I-IV

Therapie:

  • Operativ: Angiografie → Aneurysmanachweis → Clip
  • Hydrocephalus: externe Liquor Ableitung
  • Medikamentös:
    Gefäßspasmen (→ CA-Antagonisten)
    RR-Einstellung auf 200 mmHg,
    Infusion von Albumin, HAES und E´lytlösungen

Hirntumore

Unterscheidung in:
a) primäre (vom NS ausgehende)
b) sekundäre Tumore (Metastasen)

Kinder: meist lokalisiert im Kleinhirn/Hirnstamm → schnelle Symptomatik
Erwachsene: Zwischen- /Großhirn

WHO differenziert nach Wachstumsverhalten in:

I,II benigne bis semibenigne III,IV maligne

Symptome variieren je nach Wachstumsort:

– Hirndruckzeichen:

  • Kopfschmerzen mit morgendlichem Maximum
  • Nüchtern erbrechen im Schwall
  • Häufiger Schluckauf
  • Psychische Veränderungen (Gleichgültigkeit, Konzentrationsstörungen, Stauungs-papille der Augen)
  • Primitive Reflexe (Greifreflex, Saugreflex)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Hirneinklemmung
    – Epileptische Anfälle
    – Fokal neurologische Ausfälle.

Diagnostik:

  • CT/MRT mit Kontrastmittel
  • Lumbalpunktion → Tumorzellen
  • Stereotaktische Biopsie

Therapie:

  • Kortikosteroide: Ödem Rückbildung
  • OP
  • Strahlentherapie (→ nach Jahren kann es zu Nekrosen im Nervengewebe kommen
  • Zytostatika Therapie

SPEZIELLE TUMORARTEN:

Astrozytom:

  • 20 aller primäre HT
  • 5 Jahres Überlebensrate bei 60 %
  • ab IV gilt es als Glioblastom
  • Frühsymptome: frühe psychische Veränderungen
  • Therapie: operative Entfernung, bei III/IV: Chemotherapie und Bestrahlung zur Verlängerung der Überlebenszeit

Glioblastom:

  • 30 % aller primäre HT
  • hoch maligner, mit gleichzeitigem Wachstum an mehreren Lokalisationen
  • Streuung über den Liquor
  • Männer doppelt so häufig wie Frauen
  • Frühsymptome: Kopfschmerzen, psych. Veränderungen, epilept. Anfälle
  • Therapie: OP nur bei günstiger Lage mit Hirndrucksteigerung
  • Prognose: Letal nach durchschnittlich 12 Monaten (auch mit Therapie)
  • 5-Jahres Überlebensrate: 0

Medulloblastom:

  • maligner Kleinhirntumor im Kindesalter mit Metastasierung über den Liquor (bei Shuntanlage wegen Hydrocephalus aus Metas in den Thorax)
  • 5. – 12 LJ, Jungen 2–3-mal häufiger als Mädchen
  • 5 Jahres Überlebensrate 50 %
  • Frühsymptome: Erbrechen, Kopfschmerzen, Rumpfataxie, Hydrocephalus
  • Therapie: OP, Bestrahlung von Gehirn und Rückenmark, ggf. Zytostatika

Meningeom:

  • 20 % aller primären Hirntumore
  • Frauen häufiger als Männer, meist zw. dem 40 – 60 LJ
  • Ausgehend von Hirnhäuten
  • Symptome: durch verdrängendes Wachstum, epilept. Anfall, Hirndruckzeichen erst spät
  • Verkalkung → sichtbar → gut operabel
  • Therapie: OP, nur selten Bestrahlung zusätzlich
  • Prognose: gut, bis zu 30 % nach 10 Jahren Rezidiv

Akustikusneurinom:

  • 6-7 % aller primären Hirntumore
  • benigne verdrängendes Wachstum
  • eher Grad I-II
  • Symptome: Taubheit, Fazialisparese, Schwindel, Nystagmus, ggf. Kopfschmerzen
  • Therapie: Frühzeitige OP
  • OP-Mortalität unter 5 %

Hirnmetastasen:

  • häufigste Primär tumore: Bronchial-CA, Mamma-CA, Nierenzellkarzinom, malignes Melanom, Schilddrüsenkarzinom und Karzinome des MDT
  • nach dem 45. LJ Metastasen als häufigste Raumforderung
  • Symptome: fokale Symptome, Hirndruckzeichen
  • Therapie: je nach Lage operative Entfernung oder Strahlenchirugie ansonsten Ganzhirnbestrahlung und Zytostatikagabe

Erkrankungen des peripheren Nervensystems

POLYNEUROPATHIEN (PNP):

Definition: Erkrankungen mehrer peripherer Nerven → motorischen, sensiblen und/oder vegetativen Ausfällen

Motorisch/sensible Ausfälle:

  • Parästhesien
  • Taubheitsgefühle (strumpfförmig)
  • Schlaffe Lähmung (Muskelspannung→)

Vegetative Ausfälle:

  • Trophische Störungen („Ernährung der Zellen“)
  • Schweißsekretion
  • MD-Störungen
  • Bein-Ulcera
  • Impotenz
  • Herzfrequenzstörungen
  • „stumme Herzinfarkte“ durch Untergang von Schmerznerven

selten Hirnnerven Beteiligung:

N. facialis
N. abducens
N. oculomotoris

3 Formen:

a) distal symmetrischer Manifestationstyp: beginnen an den Extremitäten mit vorwiegend sensiblen + motorischen Ausfällen
b) asymmetrischer Manifestationstyp: nur einzelnen Nervenbündel betroffen, z. T.: nur an einem Bein / Arm
c) autonome Neuropathie: meist vegetative Symptome

Diagnostik:

  • Anamnese (Diabetes, Alkohol …)
  • Klinische Untersuchung: Reflexe, Stimmgabel, Schmerz, Spitz-Stumpf-Unterscheidung
    Sensibilitätsmerkmale: Schmerz, Temperatur, Oberflächensensibilität, Lagesinn
  • Labor: Vitamin (Mangel→)
  • Liquor: Entzündungszeichen
  • Neurophysiologie: ENG/EMG
  • Muskel-Nerv-Biopsie (N. suralis)
POLYNEUROPATHIEN Typische Körperregionen

Ursachen:

a) alkoholische PNP:

Symptome

  • distal-symmetrisch Bein betont
  • Zunächst sensible Symptome
  • Vorwiegend Axon Schädigung (Alkohol → Axon)

Therapie:

  • Alkoholentzug

b) PNP bei Diabetes Mellitus:

  • meist distal symmetrische, seltener autonom, fast nie asymmetrisch
  • vorwiegend Myelin Schädigung (Diabetes Mellitus → Myelin)
  • abhängig von der BZ-Einstellung

Therapie: BZ-Einstellung
– Bei Parästhesien: a-Liponsäure (Thioctacia)

c) Akutes Guillian-Barré-Syndrom:

– Autoimmunerkrankung → demyelisierende Neuropathie
– meist nach Atemwegsinfekt, MD-Infekt

Symptome:

  • aufsteigende Lähmungen (von distal) bis hin zur Laundry-Paralyse (Tetra Paralyse mit Atemlähmung)
  • Muskeleigenreflexe fallen aus
  • Hirnnervenlähmungen
  • Sensible + vegetative Störungen (→ HRST)

– Diagnostik: ENG, Liquor (Eiweiß → durch Myelin Schädigung)

– Therapie:

a) akute Form: i.v. Immunglobuline, Plasmapherese, Herzschrittmacher/Beatmung, später KG
b) chronische Form: Kortison akut, Immunsuppression

d) Polyneuritits bei Borreliose:

  • nach Zeckenbiss und Übertragung mit Borrelien-Virus
  • asymmetrische motorische Manifestation
  • typische Hautrötung geht neurologischen Symptomen vor
  • Symptome: Sensibilitätsstörungen, Schmerzen
  • Diagnostik: Liquor/Serum: Borreliose-Antikörper
  • Therapie: Antibiose

e) Vererbte Formen
f) Toxische Ursachen

MYASTHENIA GRAVIS

Definition: Autoimmunerkrankung → Körper bildet im Thymus Antikörper gegen postsynaptische Acetylcholin Rezeptoren und der Endplattenmembran am Muskel → Zerstörung

  • meist zwischen dem 20. – 40. LJ
  • vor 40. LJ mehr Frauen
  • belastungsunabhängig

Formen:

  • Okuläre M. (auf Augen beschränkt)
  • Generalisierte zu 60 % mild

Symptome:

  • zunehmende Muskelschwäche
  • Doppelbilder
  • Fasziale Schwäche (Gesichtsmuskeln)
  • Sprech-/Schluckstörungen (Schlund- und Kehlkopfmuskulatur)
  • Lähmung der proximalen Extremitäten Muskeln
  • Atemlähmung

Diagnose:

  • klinisch
  • Labor (Antikörper)
  • EMG
  • Tensilon-Test (Cholinesterase-Hemmer, Vorsicht kardiale Nebenwirkungen!)
  • CT/MRT des Thorax: Thymus Vergrößerung oder eines Thymoms

Therapie:

  • OP Thymektomie (auch bei unauffälligem Thymus in 50 % Besserung)
  • Cortison akut
  • Azathioprin kurze Zeit später → Immunsuppression
  • Mestinon (Cholesterinesterase Hemmer)

Komplikationen:

– myasthene Krise: Ateminsuffizienz, Pupillen weit, Tachykardie, Blässe
→ Cholinesterasehemmer (Mestinon)
– cholinerge Krise: Ateminsuffizienz, Pupillen eng, Bradykardie, warme Haut
→ Atropin

LUMBALER BANDSCHEIBENVORFALL

Definition: Komprimierung von Nervenwurzeln, lumbal durch Bandscheibenvorfall

Unterscheidung in:

a) Protrusion
b) Prolaps
c) Prolaps mit Sequenzer
Können nach lateral, mediolateral + medial hervortreten

Symptome:

  • Lumbago
  • Ischialgie
  • Reithosen-Anästhesie → Blasen-Darm-Inkontinenz bei medialem Bandscheibenvorfall
    → OP Indikation innerhalb von 24 Stunden

Diagnostik:

  • Röntgen in 2 Ebenen
  • Danach CT/MRT
  • ENG/EMG zur Objektivierung der klinischen Ausfälle

Therapie:

  • operativ: absolute Indikation bei Blasen-Darm-Funktionsstörungen; relative Indikation bei persistierenden Schmerzen trotz ausreichenden konservativen Therapie
    – konservativ: adäquate Lagerung, KG, Wärmeanwendung, medikamentöse Muskelrelaxantion, Analgesie, ggf. kurzzeitig Kortison

HERPES ZOSTER/ GÜRTELROSE

Definition: Re-Infektion mit Varizella Zoster Virus (Erstinfektion macht Windpocken)

Symptome:

segmentale Ausbreitung entlang der betroffenen Nervenwurzel
→ Exanthem
→ Brennende Schmerzen
→ Ggf. schlaffe Lähmungserscheinungen

Hirnnervenbeteiligung:

  • Zoster opticus (Hörnerv)
  • Zoster ophtalmicus (erster Ast der N. trigeminus)

Komplikationen:

Gesichtslähmung, Erblindung (durch Narben auch der Hornhaut)

Therapie:

  • desinfizierende Umschläge
  • Aciclovir
  • Analgetika
Verlauf einer Windpocken Infektion

POST ZOSTER NEURALGIE

Definition: Attacken artig auftretende, Sekunden andauernde Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nerven
Grafik

Komplikationen:

  • Anaethesian dolorsa
  • „zentraler Schmerz“
    → erhöhte Suizidrate

PERIPHERE FACIALISPARESE:

Ursachen

  • 90 – 95 % idiopathisch
  • Verkühlung im Gesichtsbereich
    → Schwellung → Enge im Knochenkanal → Druckschädigung der Nerven
  • selten Guillian-Barré- Syndrom
  • Zoster oticus
  • Borreliose
  • Tumor

Symptome:

  • Lähmung der mimischen Muskulatur
  • Lidschluss ist inkomplett
  • Bellsches Phänomen (beim Versuch des Augenschlusses zeigt sich eine Aufwärtsbewegung des Augapfels)
  • Signe des Cils (Wimpern sichtbar trotz zusammengepresster Augenlider)
  • Stirn kann nicht in Falten gelegt werden
  • Schiefer Mund
  • Ggf. Hyperakustikus, Verminderung der Tränensekretion, Störungen der Geschmacksempfindung auf dem vorderen Drittel der Zunge

Diagnostik:

  • klinisches Bild
  • Ohrenspiegelung
  • Blut- und Liquor Untersuchung
  • Röntgen und CT der Schädelbasis
  • ENG/EMG wichtig für Prognose
  • HNO und Augenärztliche Untersuchungen

Therapie:

  • Cortison (i. V.)
  • Augensalbe/- tropfen
  • Uhrglasverband nachts
  • Logopädie
  • Ggf. antibiotisch, antiviral

Prognose:

  • Gut (75% Vollremission)
  • bei Nervenunterbrechung nach Heilungsprozess Fehl einsprossung
  • Spasmus hemifacialis: einschießende Bewegungen der betroffenen Gesichtshälfte
  • OP bei inkompletten Lidschluss

AUGENMUSKELLÄHMUNGEN:

ABDUCENSPARESE:

→ Einwärtsschielen, da M. rectus lateralis gelähmt ist (dieser bewegt das Auge nach außen)
→ Doppelbilder beim Blick zur kranken Seite

Ursache:

  • Gefäßkrankheiten
  • Tumor
  • Aneurysmen
  • Multiple Sklerose

OCULOMOTORISPARESE:

→ versorgt 4 der 6 Augenmuskeln, den Lidheber sowie parasympathisch die Pupille

komplette Lähmung:

Lid hängt vollständig herunter → keine Doppelbilder
Pupillenweitstellung + Lichtstarrheit
Ursache: durch Druck von außen → Trauma, Tumor, Aneurysma

Inkomplette Lähmung:

Nur die Augenbewegung betroffen, Pupille ungestört
Ursachen: Diabetes mellitus, Gefäßveränderungen

TRIGEMINUSNEURALGIE:

Definition: sekunden dauernde, einschießende stärkste Schmerzen im Versorgungsgebiet des N. trigeminus

  • Schmerzen sind auslösbar (triggerbar) beim Sprechen, Kauen
  • Befinden sich meist im Ober-/Unterkiefer
  • Meist mehrfach täglich für mehrere Monate
  • „Tic doloreux“ schmerzhafter Tic

2 Formen:

idiopath. Form: nur Schmerzattacken, kein weiteres Defizit
symptomath. Form: weitere Symptome wie Gefühlsstörungen

Diagnostik:

  • Liquor Untersuchungen
  • Radiologische Bildgebung

Therapie:

  • Carbamazepin (Antiepileptikum)
  • Gabapentin
  • Operativ: Thermokoagulation des Ganglion, führt aber häufig zum Dauerschmerz
  • Janetta-OP (besser) Kontakt zw. N. trigeminus und Gefäßen des Hirnstamms wird durch Zwischenlagerung von Muskelgewebe unterbunden

Schlaf und Schlaferkrankungen:

Physiologie:

Schlaf:

  • phasenhafter, aktiver, durch das Schlafzentrum des Hirns kontrollierter Erholungsvorgang des Gehirnstoffwechsels
  • beruhend auf den Hirn eigenen Tag-Nacht-Rhythmus

Unterscheidung:

Kurzschläfer: 5–6 h Nachtschlaf (größte Schlaftiefe nach dem Einschlafen)
Langschläfer 8–9 h Nachtschlaf (größte Schlaftiefe gegen morgen)

Alte Menschen haben z. T.: nur ein Schlafbedürfnis von 3 bis 4 Stunden.

Schlafstadien:

  • 1. – 4.: Non – REM-Phasen, zunehmende Schlaftiefe
  • 5. Stadium: REM (Rapid Eye Movement) Schlaf oder Traumschlafstudium
    periodische rasche Augenbewegungen, Muskelentspannung, deutlich verminderte Weckbarkeit
  • nach Erreichen der REM-Phase beginnt der Zyklus erneut
  • zum Morgen werden die REM-Phasen immer länger, Stadium 1- 4 wird kürzer
  • ein Schlafzyklus dauert ca. 90 Minuten

Diagnostik:
Polygraphie Diagnostik

PATHOLOGIE:

SCHLAF-APNOE-SYNDROM (SAS):

Definition: gehäuft (mehr als 10 pro Stunde) auftretende Atemstillstände mit Abfall der O2-Sättigung und Kohlendioxidzunahme im Blut während des Schlafes
→ Weck Reaktion ausgelöst durch Atemzentrum, mit einigen vertieften Atemzügen

2 Formen:

a) obstruktive SAS: Verlegung der Atemwege durch Kollaps der Rachen wände aufgrund von Verfettung und Muskelerschlaffung
b) zentrales SAS: Atemwege frei, jedoch ist der zentrale Atemantrieb ist gestört

Symptome:

  • nächtl. Lautes Schnarchen.
  • Gehäuft auftretende Apnoephasen
  • extreme Tagesmüdigkeit, Leistungsminderung
  • Kopfschmerzen
  • Impotenz, Libidoverlust
  • Häufiger Sekundenschlaf tagsüber

Deutlich erhöhtes Risiko für KHK und HRST, Autounfälle und Herztod

Diagnostik:

  • Vorher EEG, Testpsychologie (Dauerkonzentration gestört), PST (Pupillografischer Schläfrigkeitstest)
  • Polysomnografie: misst Atemstillstände, mit nachfolgender O2-Sättigung und Weck Reaktionen

Therapie:

  • Gewichtsreduktion
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol
  • CPAP-Beatmungsmaske (continous positive airway pressure) Gesichtsmaske, die Nase dicht abschließt → durch einen Schlauch wird ein kontinuierlicher Überdruck in den Atemwegen aufrecht gehalten
  • HNO-OP: bei obstruktiver Form; Zäpfchen und Mandelentfernung
    → Stimme wird verändert, geringer Erfolg

SCHNARCHEN:

→ an sich kein Krankheitswert
→ kommt es jedoch zu Weck Reaktionen des Schläfers, besteht eine Behandlungsbedürftigkeit
→ HNO-OP: Zäpfchen und Mandelentfernung
Stimme wird verändert, geringer Erfolg

RESTLESS-LEGS-SYNDROM (gehört zu den extrapyramidalen Bewegungsstörungen):

  • Bewegungsunruhe
  • Schmerzen in den Beinen (werden bei Bewegung besser)
  • Starke Tagesmüdigkeit

Diagnostik: Polysomnografie

  • nächtl. Periodische Beinbewegungen
  • respirator. Parameter sind unauffällig
  • PNP muss Differential diagnostisch ausgeschlossen werden

Therapie:

  • nur L-Dopa (Restex ®) zugelassen
  • Dopaminagonisten helfen jedoch besser (sind aber nicht zugelassen)
  • Bezodiazpinen und Opioide

NARKOLEPSIE:
Definition: Störung der Schlaf-Wach-Regulation im ZNS

  • Schlafanfälle (plötzliches, unbezwingbares Einschlafen tagsüber für Minuten bis Stunden)
  • Hypovigilanzzustände (Schläfrigkeit)
  • Kataplexie (affektiver Tonusverlust, Sturz durch Muskelerschlaffung bei erhaltenem Bewusstsein)
  • Wachanfälle (Pat ist während des Einschlafens oder Erwachens bewegungsunfähig, ängstlich, Ansprache/Berührung durch Dritte beendet diesen Zustand)
  • Hypnagoge Halluzinationen (unangenehme visuelle Halluzinationen während des Einschlafens, Pat beginnt den Schlaf mit Träumen)

Diagnostik: Polysomnografie

  • früh auftretende REM-Phasen
  • MSLT (Multipler Schlaflatenz Test) Beobachtung nach welcher Zeitdauer der Pat einschläft
  • BB: HLA –Typisierung (Charakteristische Oberflächenmarker auf den Leukozyten)
  • MWT (Multipler Wach Test)

Therapie:

  • Kataplexie + Schlaflähmung → Antidepressiva (Imipramin oder Clomipramin)
  • Schlafanfälle → Psychostimulatoren (Methylphenidat, Amphetamin)
  • Keine Führung von KFZ-Fahrzeugen

SOMNABULISMUS (SCHLAFWANDELN)

Motorische oder psychische Verhaltensstörungen, die während des REM Schlafes auftreten
Therapie: REM-Phasen werden unterdrückt → Antidepressiva (Imipramin oder Clomipramin)

PSYCHOLOGISCHE INSOMNIE:

  • „Erlernte Schlaflosigkeit.“
  • Mittagsschlaf → Pat können nachts nicht schlafen → Teufelskreis

Therapie:

  • Kurzzeitig ein schlaffördernde Sedativa
  • Einüben von Schlafritualen (Schlafhygiene)
Weitere Quellen zur Neurologie
Die Neurologie Zusammenfassung von Anatomie und Krankheiten

Was ist Neurologie?
Was ist Neurologie 2?

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