NEUROLOGIE Seite 3
erregerbedingte Erkrankungen:
MENINGITIS:
Definition: Entzündung der Hirnhäute mit Beteiligung der Hirnrinde, z. T. der Hirnnerven und – wurzeln
Formen:
Eitrige M.:
a) primär (ohne Ursprungsherd) durch Kokken / Pseudomonas – Infektionen
b) sekundär (fortgeleitet): Pneumonie, Endokarditis …
Virus-M.: im Generalstudium einer Viruserkrankung
Tuberkulöse M.: vorwiegend der basalen Hirnhäute bei Organtuberkulose
Pilz-M.: bei Abwehrschwäche
Inhaltsverzeichnis
- 1 NEUROLOGIE Seite 3
- 1.1 erregerbedingte Erkrankungen:
- 1.2 Borrelia burgdorferi-M.: Übertragung durch ZeckenbissSymptome:
- 1.3 HIRNABSZESS:Definition: eitrige, abgekapselte lokale Entzündung, nach lokaler Enzephalitis
- 1.4 Pathogenese:
- 1.5 ENZEPHALITIS:
- 1.6 FSME:
- 1.7 Creutzfeldt-Jakob-Krankheit:
- 1.8 Tollwut:
- 1.9 Kopfschmerzen
- 1.10 MIGRÄNE:
- 1.11 Pathogenese:
- 1.12 CLUSTER KOPFSCHMERZEN:
- 1.13 SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN:
- 1.14 KS DURCH SEXUELLE AKTIVITÄT:
- 1.15 Hirntumore
- 1.16 SPEZIELLE TUMORARTEN:
- 1.17 Astrozytom:
- 1.18 Glioblastom:
- 1.19 Medulloblastom:
- 1.20 Meningeom:
- 1.21 Akustikusneurinom:
- 1.22 Hirnmetastasen:
- 1.23 Erkrankungen des peripheren Nervensystems
- 1.24 POLYNEUROPATHIEN (PNP):
- 1.25 Motorisch/sensible Ausfälle:
- 1.26 Vegetative Ausfälle:
- 1.27 selten Hirnnerven Beteiligung:
- 1.28 a) alkoholische PNP:
- 1.29 b) PNP bei Diabetes Mellitus:
- 1.30 c) Akutes Guillian-Barré-Syndrom:
- 1.31 d) Polyneuritits bei Borreliose:
- 1.32 MYASTHENIA GRAVIS
- 1.33 LUMBALER BANDSCHEIBENVORFALL
- 1.34 HERPES ZOSTER/ GÜRTELROSE
- 1.35 Hirnnervenbeteiligung:
- 1.36 POST ZOSTER NEURALGIE
- 1.37 AUGENMUSKELLÄHMUNGEN:
- 1.38 ABDUCENSPARESE:
- 1.39 OCULOMOTORISPARESE:
- 1.40 Inkomplette Lähmung:
- 1.41 TRIGEMINUSNEURALGIE:
- 1.42 Schlaf und Schlaferkrankungen:
- 1.43 SCHLAF-APNOE-SYNDROM (SAS):
- 1.44 RESTLESS-LEGS-SYNDROM (gehört zu den extrapyramidalen Bewegungsstörungen):
- 1.45 Diagnostik: Polysomnografie
- 1.46 Diagnostik: Polysomnografie
- 1.47 SOMNABULISMUS (SCHLAFWANDELN)
- 1.48 PSYCHOLOGISCHE INSOMNIE:
Borrelia burgdorferi-M.: Übertragung durch Zeckenbiss
Symptome:
- Fieber
- Nacken betonte Kopfschmerzen
- Meningismus (Nackensteifigkeit)
- Licht- und Lärm scheu
- Bewusstseinsstörungen (schlechte Prognose)
- Epilept. Anfälle
- Hirnnervenausfälle (N. trigeminus Austrittspunkte sollen schmerzhaft sein)
- HOPS (→ Parkinsonoid)
- Petechiale Blutungen
- Positive Dehnungszeichen:
1. Lasegue: Schmerz bei Anheben des gestreckten Beins des liegenden Patienten
2. Kernig: Beugen der Knie bei passivem Anheben des gestreckten Beins
3. Brudzinski: beim Beugen des Kopfes reflektorisches Beugen der Knie
Diagnostik:
- Liquordiagnostik (Zellzahl→, Eiweiß→, Zucker→, Spinnengewebsgerinnsel)
- Bei Bewusstlosigkeit erst CT (Hirndruck)
- Blutkultur
- HNO-Untersuchung (Sinusitis, Mastoiditis-Ausschluss)
- Rö-Thorax als Pneumonie-Ausschluss
Therapie:
a) Eitrige/bakterielle M.:
nach LP → sofortige Antibiose, fiebersenkende Mittel, Reizabschirmung
d) Pilz-M.:
Amphotericin B + Antimyknicillin oder 3er-Kombination, Kortison
Meningokokken-M.: meldepflichtig, Isolation für 24 h
b) Tuberkulöse M.:
3 Monate mit 3 Kombi, danach weitere Monate 2er-Kombi
c) Virus-M.: Bettruhe, fotikum i.v. oder intrathekal
HIRNABSZESS:
Definition: eitrige, abgekapselte lokale Entzündung, nach lokaler Enzephalitis
Pathogenese:
- Fortgeleitet aus Infektionen in HNO-Bereich, Zahnentzündungen oder Furunkeln im Gesicht
- Hämatogen-metastatisch bei Bronchiektasen oder Endokarditis
- 20 % keine Ursache
- selten Parasiten
Symptome:
- Kopfschmerzen
- Selten Fieber
- Hirndruckzeichen (hauptsächlich Erbrechen)
- Epilept. Anfälle
- Hirneinklemmung → Bewusstseinseintrübung
Diagnostik:
- CT/MRT (ringförmige Aufnahme von KM)
- Liquor nur z. T. entzündlich verändert
- Punktion, Aspiration
- Nur 50 % hämatogene Entzündungszeichen
Therapie:
- OP
- Aspiration des Eiters
- Sanierung der Ursprungsherd
- Antibiose lokal/System.
Prognose:
20 % Letalität, bei multiplen Abszessen 60 %
Komplikationen: Hirnphlegmone + symptom. Epilepsie
ENZEPHALITIS:
Definition: erreger bedingte Entzündung des Hirngewebes, ausgelöst durch Viren
Pathogenese:
Viral: Herpes Simplex I-Virus, FSME-Virus, Varicella-Zoster-Virus, Masern-Virus und Röteln-Virus
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Prionen
Bakterielle E. fast nie
Allg. Symptome
- Kopfschmerzen
- Meningeale Reizung
- Bewusstseinsstörungen
- Psychoorgan. Auffälligkeiten
- Epilept. Anfälle
- Pyramidalen + extrapyramidalen Störungen
Spezielle Symptome
HSI-Virus
- Bewusstseinsstörungen
- Psych. Auffälligkeiten
- Neurolog. Herdzeichen
- Aphasie
- Epilept. Anfälle
- Ab 2. Tag Blutungen und Nekrosen im Temporallappen (MRT)
Therapie
- 70 % versterben ohne Behandlung
- 20 % mit
- Aciclovir
Spezielle Symptome
FSME:
- psycho organische Auffälligkeiten
- Bewusstseinsveränderungen
Masern: - Bewusstseinsstörungen
- Rückenmarktesssymptome
Therapie
- 2 % Letalität
20 % residual Symptome - → Impfung20% Letalität
gefährliche Spätkomplikationen
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit:
- rasche Demenz
- Myoklonien
- Epilept. Anfälle
- Neurolog. Herdzeichen
- EEG-Veränderungen
Keine Therapie
Tollwut:
- verstärkter Speichelfluss
- motor. Unruhe
- epilept. Anfälle
- Bewusstseinsstörungen
- Muskelverspannungen
- Hydrophobien
- Atemlähmung
Impfung!
Ggf. Postexpositionsprophylaxe nach Biss möglich
Kopfschmerzen
MIGRÄNE:
Definition: idiopathisches organisches Leiden
Symptome:
- Pulsierender Charakter
- Vegetative Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Bei körperl. Belastung verstärkt sich die Symptomatik.
Pathogenese:
Freisetzung Gewebshormone
→ lokale Untererregbarkeit der Hirnrinde
→ Gefäßerweiterung
→ Senkung der Schmerzgrenze
Ursache:
- Östrogen Entzug
- Stresssituationen
- Medikamente
- Bestimmte Nahrungsmittel (Rotwein, Schoki, Käse)
Formen:
a) ohne Aura: wiederkehrende halbseitige KS mit vegetativen Begleitsymptomen
b) mit Aura: neurolog. Symptome gehen voraus:
- Flimmerskotom (Sehstörungen)
- Sensibilitätsstörungen
- Lähmungserscheinungen bis zur Hemiplegie
- Sprachstörungen
c) komplizierte Aura: Aurasymptome halten länger an (über Stunden bis Tage)
d) Status migraenuosus Migräne-Attacke länger als 72 h
Therapie:
- auslösende Faktoren meiden
- hoch dosiert Aspirin mit Antiemetika
- ggf. Triptane Nasenspray
- prophylaktische Therapie mit ß-Blockern oder Calciumantagonisten
CLUSTER KOPFSCHMERZEN:
Definition: streng einseitige, meist im Stirnbereich gelegene KS, über einige Wochen wiederkehrend auftretend aber Monate bis jahrelange Beschwerde freien Zeiträumen
Symptome:
- einseitiger KS
- hinter dem (gerötetem) Auge
- Horner Syndrom (Miosis, Lid hängt ab, Nasen laufen (Ptosis))
- Meist n8s und zu denselben Uhrzeiten
- durch Bewegung Symptom Verbesserung
Pathogenese:
- Gewebshormone (genaue Ursache ungeklärt)
- Alkohol
- Männer häufiger als Frauen, meist ab 30. LJ
Therapie:
- O2-Inhalation
- Triptane
- Zur Unterbrechung der Anfallsserie: Kortison
- Zur Prophylaxe: Lithium oder Calciumantagonisten
SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN:
Definition: chronische h oder d andauernde KS ohne Übelkeit und Erbrechen
Symptome:
- dumpfer KS
- über mehrere Tage
- ganzer Kopf betroffen
- erhöhte Schmerzempfindlichkeit oberflächlicher Muskeln im Schädelbereich, Belastungsfaktoren, Fehlhaltung
- Verspannungen
Therapie:
- Trizyklische Antidepressiva
- Keine klassischen Analgetika → Dauerkopfschmerz
KS DURCH SÜSSTANZEINWIRKUNG:
- Analgetika missbrauch
- Nitrate
- Natriumglutamat (China-Restaurant-Syndrom)
- Alkohol(-entzug)
- Koffein Entzug
KS DURCH SEXUELLE AKTIVITÄT:
Abgrenzung zur Subarachnoidalblutung
Subarachnoidalblutung
Definition: Einblutung in den Subarachnoidealraum
Pathogenese:
- arterielle Blutung im Liquorraum durch Aneurysma
- zu 15 – 20 % letal
Komplikationen:
- Rezidiv Blutungen
- Gefäßspasmen → Apoplex
- Hydrocephalus
Symptome:
- Sehstörungen oder Augenmuskellähmungen (Vorbote)
- Plötzl., heftigst einsetzende KS
- Erbrechen
- Schweißausbrüchen
- Flüchtige Bewusstseinsstörungen
- Meningismus (innerhalb weniger Minuten bis Stunden)
Diagnostik:
- CT
- Lumbalpunktion (nur bei klarem Bewusstsein, ansonsten Gefahr der Hirneinklemmung)
- DSA: nach Ausschluss einer Gerinnungsstörung kann die Blutungsquelle direkt nachgewiesen werden
- Stadieneinteilung nach Hunt und Hess I-IV
Therapie:
- Operativ: Angiografie → Aneurysmanachweis → Clip
- Hydrocephalus: externe Liquor Ableitung
- Medikamentös:
Gefäßspasmen (→ CA-Antagonisten)
RR-Einstellung auf 200 mmHg,
Infusion von Albumin, HAES und E´lytlösungen
Hirntumore
Unterscheidung in:
a) primäre (vom NS ausgehende)
b) sekundäre Tumore (Metastasen)
Kinder: meist lokalisiert im Kleinhirn/Hirnstamm → schnelle Symptomatik
Erwachsene: Zwischen- /Großhirn
WHO differenziert nach Wachstumsverhalten in:
I,II benigne bis semibenigne III,IV maligne
Symptome variieren je nach Wachstumsort:
– Hirndruckzeichen:
- Kopfschmerzen mit morgendlichem Maximum
- Nüchtern erbrechen im Schwall
- Häufiger Schluckauf
- Psychische Veränderungen (Gleichgültigkeit, Konzentrationsstörungen, Stauungs-papille der Augen)
- Primitive Reflexe (Greifreflex, Saugreflex)
- Bewusstseinsstörungen
- Hirneinklemmung
– Epileptische Anfälle
– Fokal neurologische Ausfälle.
Diagnostik:
- CT/MRT mit Kontrastmittel
- Lumbalpunktion → Tumorzellen
- Stereotaktische Biopsie
Therapie:
- Kortikosteroide: Ödem Rückbildung
- OP
- Strahlentherapie (→ nach Jahren kann es zu Nekrosen im Nervengewebe kommen
- Zytostatika Therapie
SPEZIELLE TUMORARTEN:
Astrozytom:
- 20 aller primäre HT
- 5 Jahres Überlebensrate bei 60 %
- ab IV gilt es als Glioblastom
- Frühsymptome: frühe psychische Veränderungen
- Therapie: operative Entfernung, bei III/IV: Chemotherapie und Bestrahlung zur Verlängerung der Überlebenszeit
Glioblastom:
- 30 % aller primäre HT
- hoch maligner, mit gleichzeitigem Wachstum an mehreren Lokalisationen
- Streuung über den Liquor
- Männer doppelt so häufig wie Frauen
- Frühsymptome: Kopfschmerzen, psych. Veränderungen, epilept. Anfälle
- Therapie: OP nur bei günstiger Lage mit Hirndrucksteigerung
- Prognose: Letal nach durchschnittlich 12 Monaten (auch mit Therapie)
- 5-Jahres Überlebensrate: 0
Medulloblastom:
- maligner Kleinhirntumor im Kindesalter mit Metastasierung über den Liquor (bei Shuntanlage wegen Hydrocephalus aus Metas in den Thorax)
- 5. – 12 LJ, Jungen 2–3-mal häufiger als Mädchen
- 5 Jahres Überlebensrate 50 %
- Frühsymptome: Erbrechen, Kopfschmerzen, Rumpfataxie, Hydrocephalus
- Therapie: OP, Bestrahlung von Gehirn und Rückenmark, ggf. Zytostatika
Meningeom:
- 20 % aller primären Hirntumore
- Frauen häufiger als Männer, meist zw. dem 40 – 60 LJ
- Ausgehend von Hirnhäuten
- Symptome: durch verdrängendes Wachstum, epilept. Anfall, Hirndruckzeichen erst spät
- Verkalkung → sichtbar → gut operabel
- Therapie: OP, nur selten Bestrahlung zusätzlich
- Prognose: gut, bis zu 30 % nach 10 Jahren Rezidiv
Akustikusneurinom:
- 6-7 % aller primären Hirntumore
- benigne verdrängendes Wachstum
- eher Grad I-II
- Symptome: Taubheit, Fazialisparese, Schwindel, Nystagmus, ggf. Kopfschmerzen
- Therapie: Frühzeitige OP
- OP-Mortalität unter 5 %
Hirnmetastasen:
- häufigste Primär tumore: Bronchial-CA, Mamma-CA, Nierenzellkarzinom, malignes Melanom, Schilddrüsenkarzinom und Karzinome des MDT
- nach dem 45. LJ Metastasen als häufigste Raumforderung
- Symptome: fokale Symptome, Hirndruckzeichen
- Therapie: je nach Lage operative Entfernung oder Strahlenchirugie ansonsten Ganzhirnbestrahlung und Zytostatikagabe
Erkrankungen des peripheren Nervensystems
POLYNEUROPATHIEN (PNP):
Definition: Erkrankungen mehrer peripherer Nerven → motorischen, sensiblen und/oder vegetativen Ausfällen
Motorisch/sensible Ausfälle:
- Parästhesien
- Taubheitsgefühle (strumpfförmig)
- Schlaffe Lähmung (Muskelspannung→)
Vegetative Ausfälle:
- Trophische Störungen („Ernährung der Zellen“)
- Schweißsekretion
- MD-Störungen
- Bein-Ulcera
- Impotenz
- Herzfrequenzstörungen
- „stumme Herzinfarkte“ durch Untergang von Schmerznerven
selten Hirnnerven Beteiligung:
N. facialis
N. abducens
N. oculomotoris
3 Formen:
a) distal symmetrischer Manifestationstyp: beginnen an den Extremitäten mit vorwiegend sensiblen + motorischen Ausfällen
b) asymmetrischer Manifestationstyp: nur einzelnen Nervenbündel betroffen, z. T.: nur an einem Bein / Arm
c) autonome Neuropathie: meist vegetative Symptome
Diagnostik:
- Anamnese (Diabetes, Alkohol …)
- Klinische Untersuchung: Reflexe, Stimmgabel, Schmerz, Spitz-Stumpf-Unterscheidung
Sensibilitätsmerkmale: Schmerz, Temperatur, Oberflächensensibilität, Lagesinn - Labor: Vitamin (Mangel→)
- Liquor: Entzündungszeichen
- Neurophysiologie: ENG/EMG
- Muskel-Nerv-Biopsie (N. suralis)

Ursachen:
a) alkoholische PNP:
Symptome
- distal-symmetrisch Bein betont
- Zunächst sensible Symptome
- Vorwiegend Axon Schädigung (Alkohol → Axon)
Therapie:
- Alkoholentzug
b) PNP bei Diabetes Mellitus:
- meist distal symmetrische, seltener autonom, fast nie asymmetrisch
- vorwiegend Myelin Schädigung (Diabetes Mellitus → Myelin)
- abhängig von der BZ-Einstellung
Therapie: BZ-Einstellung
– Bei Parästhesien: a-Liponsäure (Thioctacia)
c) Akutes Guillian-Barré-Syndrom:
– Autoimmunerkrankung → demyelisierende Neuropathie
– meist nach Atemwegsinfekt, MD-Infekt
Symptome:
- aufsteigende Lähmungen (von distal) bis hin zur Laundry-Paralyse (Tetra Paralyse mit Atemlähmung)
- Muskeleigenreflexe fallen aus
- Hirnnervenlähmungen
- Sensible + vegetative Störungen (→ HRST)
– Diagnostik: ENG, Liquor (Eiweiß → durch Myelin Schädigung)
– Therapie:
a) akute Form: i.v. Immunglobuline, Plasmapherese, Herzschrittmacher/Beatmung, später KG
b) chronische Form: Kortison akut, Immunsuppression
d) Polyneuritits bei Borreliose:
- nach Zeckenbiss und Übertragung mit Borrelien-Virus
- asymmetrische motorische Manifestation
- typische Hautrötung geht neurologischen Symptomen vor
- Symptome: Sensibilitätsstörungen, Schmerzen
- Diagnostik: Liquor/Serum: Borreliose-Antikörper
- Therapie: Antibiose
e) Vererbte Formen
f) Toxische Ursachen
MYASTHENIA GRAVIS
Definition: Autoimmunerkrankung → Körper bildet im Thymus Antikörper gegen postsynaptische Acetylcholin Rezeptoren und der Endplattenmembran am Muskel → Zerstörung
- meist zwischen dem 20. – 40. LJ
- vor 40. LJ mehr Frauen
- belastungsunabhängig
Formen:
- Okuläre M. (auf Augen beschränkt)
- Generalisierte zu 60 % mild
Symptome:
- zunehmende Muskelschwäche
- Doppelbilder
- Fasziale Schwäche (Gesichtsmuskeln)
- Sprech-/Schluckstörungen (Schlund- und Kehlkopfmuskulatur)
- Lähmung der proximalen Extremitäten Muskeln
- Atemlähmung
Diagnose:
- klinisch
- Labor (Antikörper)
- EMG
- Tensilon-Test (Cholinesterase-Hemmer, Vorsicht kardiale Nebenwirkungen!)
- CT/MRT des Thorax: Thymus Vergrößerung oder eines Thymoms
Therapie:
- OP Thymektomie (auch bei unauffälligem Thymus in 50 % Besserung)
- Cortison akut
- Azathioprin kurze Zeit später → Immunsuppression
- Mestinon (Cholesterinesterase Hemmer)
Komplikationen:
– myasthene Krise: Ateminsuffizienz, Pupillen weit, Tachykardie, Blässe
→ Cholinesterasehemmer (Mestinon)
– cholinerge Krise: Ateminsuffizienz, Pupillen eng, Bradykardie, warme Haut
→ Atropin
LUMBALER BANDSCHEIBENVORFALL
Definition: Komprimierung von Nervenwurzeln, lumbal durch Bandscheibenvorfall
Unterscheidung in:
a) Protrusion
b) Prolaps
c) Prolaps mit Sequenzer
Können nach lateral, mediolateral + medial hervortreten
Symptome:
- Lumbago
- Ischialgie
- Reithosen-Anästhesie → Blasen-Darm-Inkontinenz bei medialem Bandscheibenvorfall
→ OP Indikation innerhalb von 24 Stunden
Diagnostik:
- Röntgen in 2 Ebenen
- Danach CT/MRT
- ENG/EMG zur Objektivierung der klinischen Ausfälle
Therapie:
- operativ: absolute Indikation bei Blasen-Darm-Funktionsstörungen; relative Indikation bei persistierenden Schmerzen trotz ausreichenden konservativen Therapie
– konservativ: adäquate Lagerung, KG, Wärmeanwendung, medikamentöse Muskelrelaxantion, Analgesie, ggf. kurzzeitig Kortison
HERPES ZOSTER/ GÜRTELROSE
Definition: Re-Infektion mit Varizella Zoster Virus (Erstinfektion macht Windpocken)
Symptome:
segmentale Ausbreitung entlang der betroffenen Nervenwurzel
→ Exanthem
→ Brennende Schmerzen
→ Ggf. schlaffe Lähmungserscheinungen
Hirnnervenbeteiligung:
- Zoster opticus (Hörnerv)
- Zoster ophtalmicus (erster Ast der N. trigeminus)
Komplikationen:
Gesichtslähmung, Erblindung (durch Narben auch der Hornhaut)
Therapie:
- desinfizierende Umschläge
- Aciclovir
- Analgetika

POST ZOSTER NEURALGIE
Definition: Attacken artig auftretende, Sekunden andauernde Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nerven
Komplikationen:
- Anaethesian dolorsa
- „zentraler Schmerz“
→ erhöhte Suizidrate
PERIPHERE FACIALISPARESE:
Ursachen
- 90 – 95 % idiopathisch
- Verkühlung im Gesichtsbereich
→ Schwellung → Enge im Knochenkanal → Druckschädigung der Nerven - selten Guillian-Barré- Syndrom
- Zoster oticus
- Borreliose
- Tumor
Symptome:
- Lähmung der mimischen Muskulatur
- Lidschluss ist inkomplett
- Bellsches Phänomen (beim Versuch des Augenschlusses zeigt sich eine Aufwärtsbewegung des Augapfels)
- Signe des Cils (Wimpern sichtbar trotz zusammengepresster Augenlider)
- Stirn kann nicht in Falten gelegt werden
- Schiefer Mund
- Ggf. Hyperakustikus, Verminderung der Tränensekretion, Störungen der Geschmacksempfindung auf dem vorderen Drittel der Zunge
Diagnostik:
- klinisches Bild
- Ohrenspiegelung
- Blut- und Liquor Untersuchung
- Röntgen und CT der Schädelbasis
- ENG/EMG wichtig für Prognose
- HNO und Augenärztliche Untersuchungen
Therapie:
- Cortison (i. V.)
- Augensalbe/- tropfen
- Uhrglasverband nachts
- Logopädie
- Ggf. antibiotisch, antiviral
Prognose:
- Gut (75% Vollremission)
- bei Nervenunterbrechung nach Heilungsprozess Fehl einsprossung
- Spasmus hemifacialis: einschießende Bewegungen der betroffenen Gesichtshälfte
- OP bei inkompletten Lidschluss
AUGENMUSKELLÄHMUNGEN:
ABDUCENSPARESE:
→ Einwärtsschielen, da M. rectus lateralis gelähmt ist (dieser bewegt das Auge nach außen)
→ Doppelbilder beim Blick zur kranken Seite
Ursache:
- Gefäßkrankheiten
- Tumor
- Aneurysmen
- Multiple Sklerose
OCULOMOTORISPARESE:
→ versorgt 4 der 6 Augenmuskeln, den Lidheber sowie parasympathisch die Pupille
komplette Lähmung:
Lid hängt vollständig herunter → keine Doppelbilder
Pupillenweitstellung + Lichtstarrheit
Ursache: durch Druck von außen → Trauma, Tumor, Aneurysma
Inkomplette Lähmung:
Nur die Augenbewegung betroffen, Pupille ungestört
Ursachen: Diabetes mellitus, Gefäßveränderungen
TRIGEMINUSNEURALGIE:
Definition: sekunden dauernde, einschießende stärkste Schmerzen im Versorgungsgebiet des N. trigeminus
- Schmerzen sind auslösbar (triggerbar) beim Sprechen, Kauen
- Befinden sich meist im Ober-/Unterkiefer
- Meist mehrfach täglich für mehrere Monate
- „Tic doloreux“ schmerzhafter Tic
2 Formen:
idiopath. Form: nur Schmerzattacken, kein weiteres Defizit
symptomath. Form: weitere Symptome wie Gefühlsstörungen
Diagnostik:
- Liquor Untersuchungen
- Radiologische Bildgebung
Therapie:
- Carbamazepin (Antiepileptikum)
- Gabapentin
- Operativ: Thermokoagulation des Ganglion, führt aber häufig zum Dauerschmerz
- Janetta-OP (besser) Kontakt zw. N. trigeminus und Gefäßen des Hirnstamms wird durch Zwischenlagerung von Muskelgewebe unterbunden
Schlaf und Schlaferkrankungen:
Physiologie:
Schlaf:
- phasenhafter, aktiver, durch das Schlafzentrum des Hirns kontrollierter Erholungsvorgang des Gehirnstoffwechsels
- beruhend auf den Hirn eigenen Tag-Nacht-Rhythmus
Unterscheidung:
Kurzschläfer: 5–6 h Nachtschlaf (größte Schlaftiefe nach dem Einschlafen)
Langschläfer 8–9 h Nachtschlaf (größte Schlaftiefe gegen morgen)
Alte Menschen haben z. T.: nur ein Schlafbedürfnis von 3 bis 4 Stunden.
Schlafstadien:
- 1. – 4.: Non – REM-Phasen, zunehmende Schlaftiefe
- 5. Stadium: REM (Rapid Eye Movement) Schlaf oder Traumschlafstudium
periodische rasche Augenbewegungen, Muskelentspannung, deutlich verminderte Weckbarkeit - nach Erreichen der REM-Phase beginnt der Zyklus erneut
- zum Morgen werden die REM-Phasen immer länger, Stadium 1- 4 wird kürzer
- ein Schlafzyklus dauert ca. 90 Minuten
Diagnostik:

PATHOLOGIE:
SCHLAF-APNOE-SYNDROM (SAS):
Definition: gehäuft (mehr als 10 pro Stunde) auftretende Atemstillstände mit Abfall der O2-Sättigung und Kohlendioxidzunahme im Blut während des Schlafes
→ Weck Reaktion ausgelöst durch Atemzentrum, mit einigen vertieften Atemzügen
2 Formen:
a) obstruktive SAS: Verlegung der Atemwege durch Kollaps der Rachen wände aufgrund von Verfettung und Muskelerschlaffung
b) zentrales SAS: Atemwege frei, jedoch ist der zentrale Atemantrieb ist gestört
Symptome:
- nächtl. Lautes Schnarchen.
- Gehäuft auftretende Apnoephasen
- extreme Tagesmüdigkeit, Leistungsminderung
- Kopfschmerzen
- Impotenz, Libidoverlust
- Häufiger Sekundenschlaf tagsüber
Deutlich erhöhtes Risiko für KHK und HRST, Autounfälle und Herztod
Diagnostik:
- Vorher EEG, Testpsychologie (Dauerkonzentration gestört), PST (Pupillografischer Schläfrigkeitstest)
- Polysomnografie: misst Atemstillstände, mit nachfolgender O2-Sättigung und Weck Reaktionen
Therapie:
- Gewichtsreduktion
- Verzicht auf Nikotin und Alkohol
- CPAP-Beatmungsmaske (continous positive airway pressure) Gesichtsmaske, die Nase dicht abschließt → durch einen Schlauch wird ein kontinuierlicher Überdruck in den Atemwegen aufrecht gehalten
- HNO-OP: bei obstruktiver Form; Zäpfchen und Mandelentfernung
→ Stimme wird verändert, geringer Erfolg
SCHNARCHEN:
→ an sich kein Krankheitswert
→ kommt es jedoch zu Weck Reaktionen des Schläfers, besteht eine Behandlungsbedürftigkeit
→ HNO-OP: Zäpfchen und Mandelentfernung
Stimme wird verändert, geringer Erfolg
RESTLESS-LEGS-SYNDROM (gehört zu den extrapyramidalen Bewegungsstörungen):
- Bewegungsunruhe
- Schmerzen in den Beinen (werden bei Bewegung besser)
- Starke Tagesmüdigkeit
Diagnostik: Polysomnografie
- nächtl. Periodische Beinbewegungen
- respirator. Parameter sind unauffällig
- PNP muss Differential diagnostisch ausgeschlossen werden
Therapie:
- nur L-Dopa (Restex ®) zugelassen
- Dopaminagonisten helfen jedoch besser (sind aber nicht zugelassen)
- Bezodiazpinen und Opioide
NARKOLEPSIE:
Definition: Störung der Schlaf-Wach-Regulation im ZNS
- Schlafanfälle (plötzliches, unbezwingbares Einschlafen tagsüber für Minuten bis Stunden)
- Hypovigilanzzustände (Schläfrigkeit)
- Kataplexie (affektiver Tonusverlust, Sturz durch Muskelerschlaffung bei erhaltenem Bewusstsein)
- Wachanfälle (Pat ist während des Einschlafens oder Erwachens bewegungsunfähig, ängstlich, Ansprache/Berührung durch Dritte beendet diesen Zustand)
- Hypnagoge Halluzinationen (unangenehme visuelle Halluzinationen während des Einschlafens, Pat beginnt den Schlaf mit Träumen)
Diagnostik: Polysomnografie
- früh auftretende REM-Phasen
- MSLT (Multipler Schlaflatenz Test) Beobachtung nach welcher Zeitdauer der Pat einschläft
- BB: HLA –Typisierung (Charakteristische Oberflächenmarker auf den Leukozyten)
- MWT (Multipler Wach Test)
Therapie:
- Kataplexie + Schlaflähmung → Antidepressiva (Imipramin oder Clomipramin)
- Schlafanfälle → Psychostimulatoren (Methylphenidat, Amphetamin)
- Keine Führung von KFZ-Fahrzeugen
SOMNABULISMUS (SCHLAFWANDELN)
Motorische oder psychische Verhaltensstörungen, die während des REM Schlafes auftreten
Therapie: REM-Phasen werden unterdrückt → Antidepressiva (Imipramin oder Clomipramin)
PSYCHOLOGISCHE INSOMNIE:
- „Erlernte Schlaflosigkeit.“
- Mittagsschlaf → Pat können nachts nicht schlafen → Teufelskreis
Therapie:
- Kurzzeitig ein schlaffördernde Sedativa
- Einüben von Schlafritualen (Schlafhygiene)
