Autor/in: Cordula

Gynäkologie Seite 2

Geschlechtsphasen der Frau

Postnatale Phase

  • Gebärmutterschleimhaut es weiblichen Feten baut sich auf
  • durch intrauterine Versorgung mit Plazentahormonen
  • Nach der Geburt Hormonabfall (relativer Hormonmangel)
  • Gebärmutterschleimhaut kann abbluten
  • Brust kann durch Hormonwirkung angeschwollen sein, und u.U. Milch produzieren (sog. Hexenmilch)

Pubertät

  • Entwicklung des Mädchens zur geschlechtsreifen Frau unter dem Einfluss von
  • Östrogenen (aus den Ovarien)
  • männliche Geschlechtshormone (aus der Nebennierenrinde)
  • unterteilt in 3 Phasen
  • Thelarche = Knospung der Brust mit 9-10 Jahren
  • Pubarche = Wachstum der Schambehaarung mit 10-11 Jahren
  • Menarche =Auftreten der ersten Menstruationsblutungen mit 12-13 Jahren
  • setzt Pubertät vor dem 8. Lebensjahr ein, nennt sich das Pubertas praecox
  • meiste Ursache: hormonproduzierende Tumore
  • setzt Pubertät nach dem 16. Lebensjahr ein, nennt sich das Pubertas tarda
  • beruht auf hypophysären Störungen oder intensivem körperlichem Training z.B. Hochleistungssport

Klimakterium

  • physiologischer Altersprozess zwischen dem 40.-60. Lebensjahr
  • durch langsamen Funktionsverlust von Hypophyse und Ovarien Reduzierung der gebildeten Östrogene
  • verläuft in verschiedenen Stadien
  • Prämenopause = Zeitraum zwischen dem Ende der Fortpflanzungsfähigkeit und der letzten Menstruation
  • Menopause = letzte reguläre Menstruation
  • Postmenopause = Zeitraum nach der Menopause

Veränderungen:

  • durch veränderte Hormonlage Blutungsunregelmäßigkeiten, sowie vegetative, psychische und körperliche Veränderungen
  • Körperliche Veränderungen:
  • Rückbildung der Geschlechtsorgane
  • Uterus und Ovarien werden kleiner
  • Zunehmende Hautatrophie
  • Schwund der festen Knochenmasse
  • Vergrößerung des Markraumes der Knochen ( Osteoporose )
  • Zunahme der Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Arteriosklerose)
  • Vegetative Veränderungen:
  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Herzklopfen
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Leistungsverminderung
  • Psychische Veränderungen:
  • Antriebsarmut
  • Neigung zu Depressionen
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Empfindsamkeit

Therapie:

  • Bei ausgeprägten Beschwerden
  • Östrogen- oder Gestagenpräparate
  • Bei starken psychischen Beschwerden
  • stimmungsaufhellende Medikamente

Postmenopause und Senium

  • zwischen dem 60.-65. Lebensjahr endet Klimakterium und es beginnt das Senium (Greisenalter)
  • Durch Östrogenmangel ausgeprägte Schrumpfungserscheinungen im Genitalbereich
  • vegetative und psychische Beschwerden des Klimakteriums bestehen nur selten weiter
  • Jede Blutung im Senum (Postmenoblutung) ist karzinomverdächtig und muss abgeklärt werden

Gynäkologische Untersuchungsmethoden

  • Patientin wird vorher über den Ablauf der geplanten Untersuchung informiert
  • Patientin muss vorher Harnblase entleeren

•  aus rechtlichen Gründen immer eine weibliche Person bei gynäkologischen Untersuchung anwesend

Lagerung

auf dem gynäkologischen Stuhl = Steinschnittlagerung (früher wurden in dieser Position Blasensteinoperationen durchgeführt)

  • Lagerung auf dem Rücken
  • Hüfte und Knie stark angewinkelt
  • Oberschenkel leicht nach außen rotiert
  • Beseitigung der Lendenlordose (Physiologische Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne)
  • Verminderung der Abwehrspannung der Bauchdecken
  • optimale Palpation der Genitalorgane

Pflege

  • Patientin erst bei Anwesenheit des Arztes auf dem Stuhl korrekt lagern
  • besonders älteren Patientinnen behilflich sein
  • Bei längerer Wartezeit Genitalbereich mit Handtuch oder Einmaltuch abdecken

Inspektion

 

Inspektion und Palpation des Bauches sowie der Leistenregion

  • bedeutet Anschauen
  • Narben im bereich des Bauches = Hinweise auf Operationen, die Beschwerden verursachen können
  • Vorwölbungen können Zeichen eines Leistenbruches oder sehr großer Tumoren sein
  • bei der Palpation wird das Abdomen abgetastet
  • besondere Obacht auf Schmerzen, z.B. Druckschmerzen über den Ovarien (Hinweis auf entzündliche Erkrankungen) und auffällige Tastbefunde wie z.B. Resistenzen
  • anschließende Abtastung der Leistenregion auf vergrößerte Lymphknoten

Inspektion des äußeren Genitales

  • Beurteilung des Behaarungstyps
  • Überschuss männlicher Geschlechtshormone = männliches Behaarungsmuster (Hirsutismus)
  • Achtung auf Rötungen, Schwellungen, Kratzspuren (können erste Hinweise auf Entzündungen, Verletzungen oder Lausbefall sein)

Spekulumuntersuchung

  • Spekula (lat. Spekulum = Spiegel)
  • metallene röhrenförmige Instrumente zum Aufdehnen der Scheide und zur Darstellung des Portio (Muttermund)
  • entweder Entenschnabelspekulum oder ein zweigeteiltes Spekulum

beide Arten in verschiedenen Größen

  • Entenschnabelspekulum

kann nach dem Einführen in die Scheide fixiert werden, Arzt hat dann beide Hände frei

  • zweigeteiltes Spekulum
  • Assistenz z.B. bei einem Abstrich erforderlich
  • Untersucher führt zuerst das hintere, rinnenförmige Spekulum ein
  • Scheideneingang wird geöffnet
  • dann wird das vordere, plattenförmige Spekulum eingeführt
  • Scheide und Muttermund können jetzt betrachtet und Abstriche entnommen werden
  • Spekula vor der Untersuchung anwärmen und nach Gebrauch in Desinfektionslösung legen

Kolposkopie

  • Zur genauen Beurteilung der Schleimhaut der Portio und Scheide wird während einer Spekulumuntersuchung ein sog. Kolposkop (Mikroskop) eingeführt.
  • Durch die 6-40fache Vergrößerung kann das Epithel besser beurteilt werden.
  • Die Oberfläche der Portio wird dabei zuerst nativ, d.h. im natürlichen Zustand (unbehandelt), betrachtet.
  • Durch Aufbringen bestimmter Lösungen können Zellen differenzierter betrachtet werden.:

Essigsäureprobe :

  • Die Portio wird mit Essigsäure betupft.
  • Verändertes Plattenepithel färbt sich dabei weiß

SCHILLER`schen Jodprobe:

  • Die Zellen werden mit Jod betupft, wobei sich normales Plattenepithel braun, Zylinderepithel und Karzinomzellen jedoch nicht anfärben.

Abstriche

Bakteriologische Abstriche:

  • Bei Verdacht auf Infektionen wird mit einem sterilen Tupfer Sekret aus der Scheide entnommen und in ein dafür vorgesehenes Röhrchen mit Nährboden gegeben.
  • Die weitere Untersuchung erfolgt dann im Labor.
  • Einige Erreger lassen sich auch sofort im Nativpräparat oder mit dem Amintest nachweisen.

Nativpräparat:

  • nicht gefärbtes oder fixiertes mikroskopisches Präparat.
  • Dazu wird Sekret auf einem Objektträger ausgestrichen, z.B. vom aus der Scheide entfernten Spekulum, ein Tropfen 0,9%ige Kochsalzlöung hinzugegeben und das Präparat mit einem Deckgläschen abgedeckt.
  • Bakterien, Hefepilze und Trichomonaden sind jetzt unter dem Mikroskop sichtbar.

Amintest:

  • Man beträufelt das ausgestrichene Sekret mit 10%iger Kalilauge.
  • Bei Infektionen mit Haemophilus vaginalis entsteht ein typischer Fischgeruch.

Zytologische Abstriche:

  • Zytologische Abstriche vom Gebährmutterhals gehören zur routinemäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchung.
  • Mit einem Wattetupfer werden Abstriche von der Portio und aus dem Zervixkanal entnommen.
  • Das entnommene Material wird auf getrennte Objektträger ausgestrichen und sofort mit 96%igem Äther-Alkohol oder einem Spray behandelt, um die Zellen zu fixieren und sie vor Austrocknung zu schützen.
  • Im Labor werden die Abstriche nach dem von Papanicolaou entwickelten Verfahren (kurz Pap) gefärbt und klassifiziert.

Zervixzytologie nach Pap

Pap

Befund

Empfehlung

1unverdächtiges Zellbildjährliche Kontrolle
2unverdächtig, aber leicht entzündliche ZellveränderungenKontrolle nach 3-6Monaten, ggf. Einleiten einer Kolpitistherapie
2 Dstarke entzündliche Veränderung, Wiederholung anzuratenKontrolle nach Kolpitistherapie
3zweifelhaft, schwere entzündliche oder degenerative VeränderungenKontrolle nach Östrogen- oder Kolpitistherapie
3 DV.a. leichte bis mittelgradige DysplasieKontrolle 3 Monate nach Kolpitistherapie, bei Persistenz länger als 1 Jahr feingewebliche Untersuchung
4 aV.a. schwere DysplasieKonisation
4 b

5

Carcinoma in situ, invasives Karzinom nicht auszuschließen

V.a. invasives Karzinom

Konisation

sofortige Gewebeprobe

Kolpitistherapie: Die Infektion wird mit Antibiotika therapiert.

Untersuchung

Bimanuelle Untersuchung:

  • Bei der bimanuellen (bi = zwei, Manus = Hand) Untersuchung werden Größe, Lage, Form, Konsistenz, Beweglichkeit und Druckschmerzhaftgkeit der inneren Geschlechtsorgane beurteilt.
  • Nach vorsichtigem Spreizen der Schamlippen wird zuerst ein Finger, wenn möglich danach noch ein zweiter Finger in die Scheide eingeführt (innere Hand).
  • Die andere Hand nimmt durch die Bauchdecken Kontakt mit der inneren Hand und beurteilt so die Organe.

Rektale Untersuchung:

  • Mit der rektalen Untersuchung können die Hinterfläche des Uterus, der Douglas-Raum und rektale Tumoren beurteilt werden.
  • Dazu zieht der Arzt über den Handschuh noch einen Fingerling, den er in ein Gleitmittel taucht.
  • Vorsichtig führt er den Finger unter Mitpressen der Patientin, wodurch die Spannung des Schließmuskels gelöst wird, rektal ein.

Ultraschalluntersuchung:

  • Dient der Beurteilung der inneren Geschlechtsorgane.
  • Dabei können Lage, Größe, Struktur des Uterus und die Höhe des Endometriums beurteilt oder auch eine bestehende Schwangerschaft erkannt werden.
  • Bei den Ovarien achtet man auf Größe, Seitendifferenzen und Strukturauffälligkeiten, z.B. Zysten und Follikel.
  • Die Tuben können nur bei Verdickungen dargestellt werden.
  • Jeder auffällige Befund muss in drei Ebenen ausgemessen und auf seine Abgrenzung zur Umgebung und Binnenstruktur genau untersucht werden.

A) abdomineller Ultraschall:

  • Der Schallkopf wird auf dem Bauch gesetzt.
  • Die volle Harnblase gilt hierbei als „Schallfenster“ für die Beurteilung der inneren Geschlechtsorgane.
  • Diese Methode wird bei Jungfrauen (Virgines) sowie bei älteren Frauen mit sehr enger Scheide angewandt.
  • Vorteil dieser Methode ist die bessere Übersicht, da man große Befunde in ihrer Ausdehnung nach oben verfolgen kann.
  • Nachteil ist das etwas schlechtere Bild, da die Harnblase nicht immer optimal voll ist oder der Harn nicht gehalten werden kann.

Vaginaler Ultraschall:

  • Der Schallkopf wird bei möglichst leerer Blase in die Scheide eingeführt.
  • Die inneren Geschlechtsorgane können in ihrer natürlichen Lage betrachtet werden.
  • Von Vorteil ist die bessere Auflösung, verbunden mit einem besseren Bild, von Nachteil die eingeschränkte Übersicht.

Krebsfrüherkennungsuntersuchung:

  • Jede Frau ab dem 20. Lebensjahr sollte jährlich die von der Krankenkasse empfohlene Krebsfrüherkennungsuntersuchung wahrnehmen.
  • Gerade beim Mammakarzinom und beim Zervixkarzinom ist das frühzeitige Erkennen entscheidend für die erfolgreiche Therapie und damit für die Prognose.
  • Sie beinhaltet eine Untersuchung der Brust, die jede Frau auch regelmäßig selbst durchführen sollte, sowie eine Untersuchung des Abdomens und der Leistenregion.
  • Eine zusätzliche rektale Untersuchung wird zumindest für Frauen ab dem 4. Lebensjahrzehnt empfohlen.

Labordiagnostik:

Hämatologische Untersuchungen:

  • Hämoglobin und Hämatokrit bei V.a. Anämie
  • Leukos und BSG bei V.a. Entzündungen oder bösartige Tumore

klinisch chemisch:

  • Tumormarker zur Diagnose und Verlaufskontrolle
  • E`lyte
  • Leberwerte
  • Nierenwerte
  • Blutgerinnungsparameter

serologisch:

  • Schwangerschaftshormon (Betta-HCG)
  • andere Hormonbestimmungen (z.B. Östrogene, Progesteron)


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