Autor/in: Teddy

Körperausscheidung Urin

Kriterien der Urin Beobachtung:

Farbe:

Klar, durchsichtig, bernsteinfarben (unter anderem abhängig von der Flüssigkeitszufuhr)

Geruch:

Frisch gelassener Urin riecht unauffällig (bei längerem Stehen nach Ammoniak)

Menge:

Erwachsene zwischen 1000 und 2000 ml / 24 Std. Ist abhängig von:

  • Menge der aufgenommenen Flüssigkeit
  • Flüssigkeitsabgabe über Darm, Lunge, Haut
  • Blutdruck (bei stark erniedrigten Blutdruck ist die Nierenfunktion eingeschränkt, z. B. Schock)
  • Funktion der Nieren und Herz – Kreislaufsystem

Häufigkeit und Zeitpunkt der Miktion:

Erwachsene 4 – 6 Miktionen / 24 Std.,
je 300 – 400 ml
Miktion erfolgt willkürlich

Physiologische Reaktion und spezifisches Gewicht (Konzentration)

pH – Wert:

5 – 6
beeinflusst von der Nahrungsaufnahme
– rein pflanzliche Ernährung → Reaktion alkalisch pH – Wert bis 7,2
– eiweißreiche Ernährung → Reaktion sauer pH – Wert bis 4,8


spezifisches Gewicht:

Definition:

Die relative Dichte sagt aus, um wie viel schwerer oder leichter ein Stoff ist als das gleiche Volumen Wasser (= spezifisches Gewicht). Sie ist ein Maß für die Menge der gelösten Stoffe, gibt also Auskunft über die Konzentration des Harns, respektive Konzentrationsfähigkeit der Nieren.

– physiologischer Normalwert: 1015 – 1025

Das Eigengewicht von Wasser beträgt 1000, das heißt 1 ml Wasser = 1 g = 1000 mg

Hypostenurie:

verminderte Harnkonzentration < 1010

Hyperstenurie:

hohe Harnkonzentration > 1030

Isostenurie:

Harn starre (1010 – 1012)
→ gleichbleibende Harnkonzentration trotz unterschiedlicher Wasserangebote

Pathologische Reaktionen

Farbe:

rötlich bis fleischfarben, trüb:

Makrohämaturie (Blut im Urin)

z. B. durch Nierensteine, Tumore im Urogenitalsystem wie Harnblasenkarzinom oder Nierentumor, Mikroglobulinurie: Blutbeimengung kann nur im Labor ermittelt werden
rötlich bis schwärzlich, ohne Trübung:

Hämoglobinurie:

Roter Blutfarbstoff wird bei Transfusionszwischenfällen oder Hämolyse über den Urin ausgeschieden
Bierbraun bis grünlich schwarz mit gelben Schüttelschaum:

Bilirubinurie

Durch Beimengung von Bilirubin, z. B. bei Hepatitis und Leberzirrhose
Schlierig, flockige Trübung:

Pyurie (Eiterharn)

Beimengung von Granulozyten bei eitrigen – entzündlichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, z. B. Pyelonephritis

Trübung:

Mögliche Ursachen:

Rote und weiße Blutzellen, Bakterien, Salze, emulgierte Fette. Bei eiweißhaltigem Urin spricht man von Proteinurie; diese kann physiologisch bedingt sein (Fieber, körperliche Anstrengung, Orthostate). Die pathologische Proteinurie ist globulär verursacht bei vermehrtem Durchtritt von Eiweiß durch den glomerulären Filter (vorwiegend Albumine), tubulär bei fehlender Rückresorption oder als
Überlaufproteinurin (bei Auftreten pathologischer Proteine im Serum, z. B. als Bence – Jones – Protein).

Dunkelrot bis Schwarz:

bei Tumorerkrankungen

dunkelgelb bis Braun:

Flüssigkeitsverweigerung

grün bis Blau:

durch Medikamente

z. B.:
– grün – blau: Cuprex (gegen Läuse)
– braun – grün bis Schwarz: Kohletabletten
-gold – gelb / rötlich – orange: bei Vitaminpräparaten, besonders Vitamin B
– blau: Antidepressivum

Geruch:

faulig – riechend:
bösartige Tumore der Harnwege, Zerfall

erdig – leberartig:

Lebererkrankungen

  • Ammoniak
  • Azeton / obstartig:

Diabetes mellitus, langer Nahrungskarenz

Alkohol:

Exzessiven Alkoholgenuss, ab 2‰

Menge:

Oligurie:

<500 ml
Nierenerkrankung, Fieber, Herzinsuffizienz, Harnabflussbehinderung, Diarrhö

Anurie:

< 100 ml
Fehlender Harn → Notfallsituation!
Nierenerkrankung, Nierenversagen im Schock, Herzinsuffizienz, urämisches Koma, Verlegung der Harnröhre z. B. Steine, Tumor, …

Polyurie:

>2000 ml (bis zu 10 – 20 L/ 24 Std.)
Diuretika, Diabetes mellitus, Diabetes insipidus

Häufigkeit und Zeitpunkt:

Pollakisurie:

Häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen. In 24 Std. wird aber die normale Urinmenge ausgeschieden.
Aufregung, Nervosität, Blasenentzündung, Prostatavergrößerung, erste Monate der Schwangerschaft, Verlegung der Harnleiter z. B. Steine, Tumor, …

Nykturie:

Häufiges nächtliches Wasserlassen Nierenerkrankung

Harnretention:

Harnverhalten trotz voller Blase
OPs, neurologische Störungen, psychische Störungen, Verlegung der Harnleiter z. B. Steine, Tumor, Prostatavergrößerung …

Strangurie:

Schmerzhafter Harndrang
Neurologische Störungen, die zur Verspannung führen, muskuläre Störungen, Blasenentzündung

Dysurie:

Alle Störungen, die die Miktion erschweren
Vermehrtes Wasserlassen, Schmerzen
Infekte, Entfernung des Blasenkatheters, Tumor in der Blase oder Harnröhre

Restharn:

Harn der bei der Miktion in der Blase zurückbleibt, bis 20 ml normal, alles, was darüber hinaus ist, ist eine Restharnproblematik
Vermehrte Infektionsgefahr, aufsteigende Infektionen, Rückfluss des Urins, Nierenentzündung, Beckenentzündung
Störung der Muskulatur durch Überdehnung der Blase, Inkontinenz, Verlegung der Harnleiter z. B. Steine, Tumor, Prostatavergrößerung …

Inkontinenz

Was ist Inkontinenz?
Inkontinenz ist der willkürliche Verlust von Urin und Stuhl zu ungelegener Zeit und an einem ungeeigneten Ort.

Inkontinent ist,
wer Urin und Stuhl nicht willentlich zurückhalten kann.

Häufige, nicht organische Ursachen der Inkontinenz:

Obstipation:

z. B. durch Überdehnung des Beckenbodens → Stressinkontinenz

Reizblase der Frau:

Ständiger Harndrang bis zur Inkontinenz. Häufig psychosomatisch.

Medikamente:

Schlafmittel (Barbiturate) oder bestimmte Schmerzmittel führen zu einer Erschlaffung des Bauchmuskels. Diuretika

Psychische Faktoren:

Heimeinzug, Angst vor Zimmergenossen, …

Schweregrade der Harninkontinenz
Bei Stressinkontinenz

Grad 1 Leichte Inkontinenz Harn tröpfeln
Gelegentlicher Harnverlust
Grad 2 Mittelschwere Inkontinenz
= belastende Inkontinenz
Vermehrte Inkontinenz beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen
Grad 3 Schwere Inkontinenz
= vollständige Inkontinenz
Ständiger Harnverlust, auch im Liegen

Streifenschnelltests zur Urinuntersuchung:

Fingerlange Teststreifen, die mit dem Urin reagieren und sich je nach Urinbefund verfärben (ein oder mehrere Felder = Kombinationsstreifen)

z. B. auf Leukozyten, Eiweiß, Blut, Nitrit, Glukose, Ketone, Urobillinogen, pH – Wert

Die Teststreifen der verschiedenen Anbieter können sich in Handhabung, Farbgebung und Farbreaktion unterscheiden

  • Packungsbeilage beachten! Und Verfalldatum.
  • Aufbewahrung: trocken und dunkel, nicht länger als 10 Minuten offen lassen.
Handhabung:
  • Teststreifen kurz in den Urin tauchen, sodass alle Testfelder benetzt sind
  • überschüssigen Urin am Gefäßrand abstreifen
  • nach der vorgegebenen Wartezeit die Testfelder mit der Farbskala auf dem Behälter vergleichen. Zu lange Wartezeiten können das Ergebnis verfälschen.
  • Wenn ein oder mehrere Testfelder positiv sind, muss eine genauere mikrobiologische oder bakteriologische Untersuchung veranlasst werden

Behandlungsstrategien bei Harninkontinenz

Kontinenztraining:

Alle Maßnahmen, die die Kontinenz wiederherstellen

  1. Allgemeine Kontinenzförderung
  2. Beckenbodengymnastik
  3. Blasentraining (Fassungsvermögen der Blase erhöhen)
  4. Toilettentraining (Miktionsrhythmus finden → Miktionsprotokoll)

Inkontinenzversorgung:

  1. aufsaugende Materialien
  2. ableitende Inkontinenz Systeme
  3. instrumentelle Harnableitung mittels Katheter

Kontinenztraining:

  1. Allgemeine Kontinenzförderung:
  2. Anamnese, um welche Inkontinenz Form es sich handelt (häufig auch Mischform), um die Maßnahmen anzupassen
  3. Gewohnheiten des Bewohner/in beachten und nicht den Ablauf der Institution
  4. Förderung der Orientierungsfähigkeit (zeitliche und örtliche Orientierung)

Durch räumliche Gestaltung und geeigneten Orientierungshilfen

  1. Saubere, appetitliche Toilette, mit Haltegriff oder Sitzerhöhung, verschließbar
  2. Wahrung der Intimsphäre während der Ausscheidung (auch bei Mitbewohnern)
  3. Mobilisation, aktivierende Pflege
  4. Hilfsmittel einsetzen, die die Selbstständigkeit fördern
  5. Geeignete Kleidung
  6. Keine Vorwürfe: „Sie lassen mit Absicht zu früh Wasser“
  7. Ernährung: Obstipation vermeiden
  8. Aufklärung des Betroffenen über Sinn und Zweck, besonders beim Beckenbodentraining ist Ausdauer gefragt

Beckenbodenmuskulatur:

Ziel:
Festigung der Beckenbodenmuskulatur und Sphinkter externus (äußerer Schließmuskel)

Vorgehen:

„Kneif Übungen“ bewusst werden über die Lage der Muskulatur
Übung: „Fahrstuhl fahren“ Muskulatur fest anspannen und dabei von 1 bis 3, später 1 – 5, später 1 – 10 zählen, langsam lockern / entspannen

  1. Urinstrahl wird während der Miktion mehrfach unterbrochen. Längere Unterbrechungen erhöhen den Trainingseffekt.
  2. Anpassung an die Ausatmungsphase, da Zwerchfell sich hebt = Druckentlastung im Bauchraum. Alle Anstrengungen wie Heben, Tragen müssen mit der Ausatmungsphase verbunden werden.
  3. Anleitung zu speziellen Übungen durch Krankengymnasten
  4. Ausdauerndes Training = entscheidend für den Erfolg
  5. Es genügt eine bestimmte Übung, die regelmäßig und richtig durchgeführt wird
  6. Blasentraining bei Inkontinenz:

Ziel:
Das Fassungsvermögen der Blase zu erhöhen.
Gefühl für Spannungszustand der Blase zu bekommen.

Blasenentleerung so weit wie möglich hinauszögern, angemessene Auswahl der Inkontinenzversorgung

  • so klein wie möglich, oft wechseln, damit die Haut so wenig Kontakt mit Urin hat
  • Inkontinenzversorgung darf nicht so sicher sein, dass die Motivation Harndrang zu unterdrücken nachlässt

Individuelles Miktion Schema erstellen

z. B. alle 2 Stunden je nach Flüssigkeitsaufnahme ca. 2,5 – 3 L / tgl.
Nachts 2 x → Schlafbedürfnis
Intervalle alle 4 Tage um ¼ Std. verlängern
WICHTIG: Jeder Mitarbeiter hält sich konsequent den Plan ein.

Blasentraining bei liegendem Dauerkatheter:
Voraussetzung:
Urinuntersuchung
– Keimbesiedlung mit Entzündungszeichen = Kontraindikation.

Vorgehen:

  1. Katheter wird abgeklemmt → nicht abgestöpselt! Geschlossenes System darf nicht unterbrochen werden.
  2. Bewohner/in / Patient meldet sich, wenn Füllung der Blase gespürt wird
  3. Klemme öffnen → Ablaufende Menge dokumentieren
  4. Langsam zu größeren Intervallen übergehen
  5. Eine Blasenkapazität von 250 ml soll erreicht werden
  6. Blasentraining möglichst nachts nicht unterbrechen, bedeutet Rückschritt und verzögert den Erfolg

Toilettentraining

Ziel:

Individueller, willkürlicher Miktion Rhythmus

Voraussetzung:

Blasentraining! Und die Diurese anregen = Trinkmenge 2, 5 L / tgl.

Vorgehen:

  1. Protokoll über Ausscheidungsgewohnheiten anlegen
  2. Toilettengang vor dem Einnässen durchführen

→ Erfolglos? Nach 30 Minuten wiederholen
→ Intervalle vergrößern Vorsicht! Überforderung durch zu große Zeitabstände
– Letzter Toilettengang um 22 Uhr
Nachtruhe wahren
Hilfsmittel: Wecker
Eigenverantwortlichkeit stärken!

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