Autor/in: N. Meyer

Das Verdauungssystem und Erkrankungen

Das Verdauungssystem beginnt im Mund, hier übernehmen die drei großen Speicheldrüsen (Glandula mandibularis, Glandula sublinguales, Glandula Parotis) die Speichelbildung. Speichel besteht zu etwa 99,5 % aus Wasser und zu 0,5 % aus Schleimstoffen, Amylase und Lysozym (wirkt antibakteriell).

Die Aufgaben des Speichels sind v.a.:

  • Nahrung einspeicheln
  • Beginn der Kohlenhydrat-Verdauung durch das Enzym Amylase
  • Reinigung des Mundraums (Lysozym)

Speichel auf der Haut kann zur Andauung, zum Wundsein und zu Rhagaden führen.
Infolge eines verminderten Speichelflusses z. B. durch reduzierte Nahrungsaufnahme oder bei einem geschwächten Immunsystem kann es zur Entzündung der Glandula Parotis (Ohrspeicheldrüse) kommen.

Der Mundraum an sich besteht aus:

  • weicher Gaumen
  • vorderer Gaumenbogen
  • Zäpfchen
  • Hinterer Gaumenbogen
  • Gaumenmandel
  • Rachen
  • Zunge
  • Zungenbändchen
  • Mundhöhlenvorhof


Der Rachen verbindet die Mundhöhle mit dem Ösophagus (Speiseröhre, 25 cm langer Muskelschlauch mit drei natürlichen Engstellen, transportiert Speisen vom Rachen in den Magen)
Engstellen:

  • Ringknorpel enge
  • Hauptschlagaderenge
  • Zwerchfell enge

Am Beginn und am Ende des Ösophagus befindet sich jeweils ein oberer und ein unterer Speiseröhrenschließmuskel.
Der Schluckakt setzt sich aus folgenden Funktionen zusammen:

  • zurückschiebendes Bolus (Essen)
  • Verschluss des oberen Rachens Abschnitt
  • Verschluss des Kehlkopfeingangs
  • Transport der Nahrung durch den Ösophagus Mund
  • Wiederherstellung des Ausgangszustandes

Bei krankhaften Veränderungen des unteren Schließmuskels (Spinghter) am Übertritt vom Ösophagus zum Magen (Gasther) oder aber einer übermäßigen Produktion von Magensäure kann es zu folgenden Komplikationen kommen
Reflux› Rückfluss von Mageninhalt in den Ösophagus
Refluxösophagitis› bei chronischen Gastroösophagealen Reflux kann es zur Refluxösophagitis kommen, Magensäure reizt die Ösophagus Schleimhaut› es kommt zu Entzündungen, bis hin zum Karzinom.
Symptome:

  • Sodbrennen
  • Saures Aufstoßen
  • Heiserkeit
  • später Schmerzen und Brennen hinter dem Sternum sowie beim Schlucken

Maßnahmen:

  • kleine Mahlzeiten
  • kein Alkohol, kein Nicotin
  • Süßes, Saures, fettiges, scharf angebratene Nahrung meiden
  • Im Liegen-Oberkörper hochlagern
  • Übergewicht reduzieren
  • Körperliche Anstrengungen meiden ; statt Bücken in die Knie gehen
  • Keine einschnürende Kleidung

Medikamente:

  • Procinetika z. B.: MCP, Paspertin
  • Antazida z. B.: Maloxaan, Riopan
  • H2-Blocker, z. B.: Ranitidin
  • Protonenpumpenhemmer, z. B.: Omeprazol

Bei allen Medikamenten muss auf Obstipation, Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen geachtet werden.

Der Magen

  • Kardia (Magenmund, Übergang von der Speiseröhre zum Magen)
  • Fundus (Magengrund, kuppelförmige Erweiterung des Magens, unmittelbar unter dem Zwerchfell, höchste Abschnitt des Magens)
  • Korpus (Magenkörper, größter Teil des Magens, schließt sich an den Fundus an)
  • Der Korpus geht über in die Magenhöhle (Antrum, Vorraum des Pförtners)
  • Pylorus (Pförtner, stellt die Grenze zum Dünndarm dar)

Die Magenschleimhaut besteht aus einem Epithel, welches schlauchförmige Drüsen aufweist.
Der verdauende Magensaft wird jedoch nur im Fundus und im Korpus produziert.
Die Fundus und Korpus Drüsen enthalten drei unterschiedliche Zellarten:

  • Belegzellen› Herstellung von Salzsäure, Produktion des Intrinsic Faktors
  • Hauptzellen› Bildung von eiweißspaltenden Enzymen
  • Nebenzellen› bilden den Magenschleim, schützt die Oberfläche des Magens vor der Salzsäure

Bestandteile des Magensaftes:

  • Salzsäure
  • Pepsinogene und Pepsine (Pepsinogen wird zu Pepsin umgewandelt, diese zerlegen die Eiweiße in Polypeptide› 10–100 Aminosäuren)
  • Magenschleim
  • Intrinsic Faktor (wird benötigt, um das Vitamin B12 im Dünndarm aufzunehmen, Mangel an Vitamin B12› kann es zur perniziösen Anämie kommen)

Die Gallenblase

Lage: rechter Oberbauch hinter der Leber, Gallengang führt von der Leber zum Duodenum

Die Gallenflüssigkeit ist eine gelbbraune von der Leber produzierte Flüssigkeit, sie dient zusammen mit dem Pankreassaft der Verdauung des Speisebreis. Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase angesammelt und bei Bedarf über den Gallengang an das Duodenum abgegeben.
Inhaltsstoffe der Gallenflüssigkeit:

  • Wasser
  • Elektrolyte
  • Bilirubin
  • Phosphor Lipide
  • Gallensäure
  • Cholesterin

Die Inhaltsstoffe der Gallenflüssigkeit müssen in einem Lösungsgleichgewicht zueinander stehen, ansonsten bilden sich kleine Kristalle, die dann zu Gallensteinen heranwachsen.

Der Form des Ungleichgewichts entsprechend bilden sich:

  • Cholesterinsteine
  • Pigments Steine
  • Kalzium Bilirubin Steine

Risikofaktoren, die zu einer Krankheitsentstehung führen, sind:

  • Entzündungen
  • Beweglichkeitsstörungen u. Stauung der Gallenwege
  • Hämolytische Anämien
  • Diabetes mellitus
  • unausgewogene Ernährung
  • Adipositas
  • Schwangerschaft
  • Gen. Disposition

Gallensteine können innerhalb der Gallenblase oder aber im Gallengang liegen.

Bei der Gallenkolik liegt der Gallenstein im:

  • Ductus cysticus
  • Ductus choledochus
  • vor der Papille

an diesen Stellen verhindert er das Abfließen der Gallenflüssigkeit.

Weitere Komplikationen:
  • Leberabszess
  • Gallenstein Ileus
  • Peritonitis

Behandlung:

  • krampflösende, schmerzstillende Medikamente
  • ggf. nach Arztanordnung Nahrungskarenz
  • ggf. Entfernung durch Operation (Intervalloperation)

Akute Cholezystitis (Gallenblasenentzündung)

  • Schmerzen im rechten Oberbauch (evtl. Ausstrahlen in die Schulter)
  • Übelkeit, Erbrechen, Fieber über 38,5 °C
  • Schüttelfrost, evtl. Ikterus
  • Druckschmerz der Gallenblase

Pankreas (Bauchspeicheldrüse)

Lage:

  • Caput pankreatis (Pankreaskopf)› liegt in der inneren Krümmung des Duodenums
  • Corpus pankreatis (Pankreaskörper)› dorsal (hinter) des Magens
  • Cauda pankreatis (Pankreasschwanz)› endet am Milz Hilus

Die Pankreas ist einer der wichtigsten Drüsen des menschlichen Körpers, da sie zwei wichtige Hauptfunktionen hat:

Aufgaben:

  • Exokriner Anteil: bildet den Pankreassaft (Verdauungsenzyme), dieser wird über den Ductus Pankreaticus und dann über die Papilla duodeni Major ans Duodenum abgegeben und dient der endgültigen Aufschlüsselung der zum Teil im Mund und Magen vorverdauten Nahrung

› die Verdauungsenzyme des Bauchspeichels können bei der akuten Pankreatitis wegen fehlender Selbstschutzmechanismen die Drüse zerstören

  • endokriner Anteil (= Langerhansche Inseln)= Zellanhäufungen, die besonders im Schwanzteil, aber auch im Pankreaskörper, Hormone produzieren

› A-Zellen; produzieren das BZS-hebende Glukagon
› B-Zellen; produzieren BZS-senkende Insulin

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