Autor/in: Kathy

Stationäre Altenhilfe

Fallstudie

Frau Anna xxxxxxx xxxxxxxx

Diagnose: Senile Demenz
Pflegeschwerpunkt: ausgeprägte Weglauftendenz, Selbstversorgungsdefizit,
beeinträchtigtes Hörvermögen

Biografie

Fr. Anna xxxxxxx xxxxxxxx, 72 Jahre alt, lebt seit einem Jahr im Altenheim „Haus xxxxxxx“. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Fr. xxxxxxx mit ihrer Familie aus Krakau vertrieben. Hier in Deutschland lernte sie ihren Ehemann xxxxx xxxxxx kennen, mit dem sie 40 Jahre verheiratet war.
Hr. xxxxxxx verstarb im Alter von 72 Jahren an einem Dickdarmkarzinom.
Das Ehepaar xxxxxxx hat zwei Töchter, Monika u. Elsbeth.
Beide Töchter wohnen heute in weit entfernten Städten.
Fr. xxxxxxx lebte nach dem Tod ihres Mannes in ihrer Dreizimmerwohnung, bis es zu dem Umzug in das Altenheim kam.
Fr. xxxxxxx hat bis zu ihrem 58. Lebensjahr in einer kunststoffverarbeitenden Fabrik in der Verpackung gearbeitet.
In ihrer Jugend konnte sie sehr gut singen. Sie beherrschte den ersten Sopran u. sang viele Jahre im katholischen Kirchenchor.
Außerdem engagierte sie sich im örtlichen Schwimmverein.
Sie und ihre Töchter gingen viele Jahre täglich zum Schwimmen ins Hallenbad.
Mit 68 Jahren bekam Fr. xxxxxxx ein Hörgerät. Auf Drängen ihrer Töchter ging sie damals zum Hörgeräteakustiker. Ihre Töchter sprachen sie immer wieder darauf an, dass sie auf Fragen falsche Antworten gab, und dass sie auf das Klingeln von Haustür und Telefon gar nicht reagierte. Der Akustiker stellte eine Altersschwerhörigkeit fest und passte ihr für das linke Ohr ein Hinter-dem-Ohr-Gerät an. Fr. xxxxxxx schämte sich für dieses Gerät und hat sich an dessen Gebrauch nie richtig gewöhnt.
Nach dem Tod ihres Ehemannes vor drei Jahren hat Fr. xxxxxxx sich sehr stark von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ihren beiden Töchtern fiel bei gelegentlichen Anrufen oder Besuchen auf, dass ihre Mutter häufig depressiv verstimmt war. Sie weinte oft, äußerte, dass sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen würde, oder war gelegentlich auch extrem gereizt und ungerecht.
Zu dieser Stimmungslabilität kamen zunehmend eigenartige Bemerkungen von Frau xxxxxxx, die vor allem die Nachbarin beunruhigte. Es kam vor, dass Fr. xxxxxxx im Gespräch Fragen stellte, obwohl erst vor Minuten das gleiche Problem besprochen war. Sie vergaß über Tage, die Post aus dem Briefkasten zu holen. Sie ärgerte und beschimpfte den Hausmeister ständig, er habe die verschiedensten Reparaturen nicht ausgeführt, obwohl dazu gar kein Grund vorlag. Beim Einkauf hatte sie im Geschäft vergessen, warum sie dort war.
Einmal hatte sie anstelle ihrer Geldbörse ein Fotoalbum in ihre Einkaufstasche getan.
Bei Telefonaten mit ihren Töchtern kannte sie gelegentlich deren Namen nicht und konnte manchmal auch mit deren Personen nichts anfangen.
Als Fr. xxxxxxx damals zusätzlich auch noch sehr unruhig wurde und häufiger im Haus bei anderen Mitbewohnern klingelte oder in der Straße nach etwas suchte, berieten sich ihre Töchter mit ihr, und sie entschlossen sich zu der Heimaufnahme.
Damals gab es deswegen zwischen der Mutter und den Töchtern einen großen Streit. Fr. xxxxxxx schätzte sich selber gesund und fit ein, und sie betonte, dass sie nur deswegen ins Heim gehe, weil sie ihren Töchtern nicht zur Last fallen wollte.

Aktuelle Situation

Nach der Heimaufnahme kam es erstaunlicherweise zu einer Verbesserung ihrer Befindlichkeit. Sie bezog im Wohntrakt des Heimes ein Zimmer und wohnte dort zusammen mit Fr. xxxxxxx, die schon seit drei Jahren, recht zufrieden, Bewohnerin des Hauses war.
Fr. xxxxxxx schien der Kontakt gut zu tun, und sein nahm auch an angeboten Aktivitäten des Altenheimes teil.
Nur gelegentlich konnte man sie dabei beobachten, dass sie unaufhaltsam in ihrem Zimmer nach etwas suchte. Dabei durchstöberte sie dann auch die persönlichen Gegenstände von Fr. xxxxxxx, was bis heute zu Konflikten führt.
In den letzten fünf Monaten verschlechterte sich der geistige Zustand von Fr. xxxxxxx. Häufig sprach sie das Pflegepersonal mit fremden Namen an, sie führte ihre Körperpflege nicht mehr regelmäßig durch, konnte sich nicht mehr witterungsentsprechend kleiden – meistens war sie mit ihrem Bademantel bekleidet- und hatte auch kein Gefühl mehr für die regelmäßige Nahrungsaufnahme.
Auch schien ihr Hörvermögen weiter zurückgegangen zu sein.
Nach einem Besuch beim Akustiker bekam Fr. xxxxxxx auch für das rechte Ohr eine Hörhilfe. Wenn man Fr. xxxxxxx auf ihr seltsames Verhalten ansprach, reagierte sie anfangs mit Ausreden, zunehmend antwortete sie nur noch selten oder gar nicht.
Seit vier Wochen haben sich ihre Unruhezustände verstärkt.
Fr. xxxxxxx will täglich mehrmals das Heim verlassen. Unter ihren Armen trägt sie zusammengeschnürt Gegenstände und sie äußert, dass sie nach Krakau will, in die Helmenstraße. Gelegentlich spricht sie dabei von ihren Eltern oder sie sagt, dass sie noch heute zu ihrem Mann muss. Dabei spiegeln ihre ziellosen Augen Angst aber auch Entschlossenheit.

Arbeitsaufträge/Fragen

1. Zur psychosozialen Situation

1.1 Beschreiben sie fünf wichtige Punkte zur Biografie von Frau xxxxxxx.

Antworten:

  • Fr. xxxxxxx lebte in Krakau. Aus dieser Stadt wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben.
  • Fr. xxxxxxx war 40 Jahre mit ihrem Ehemann Kurt verheiratet. Ihr Ehemann Verstarb im Alter von 72 Jahren an einem Dickdarmkarzinom.
  • Das Ehepaar xxxxxxx hat zwei Töchter.
  • Fr. xxxxxxx hat bis zu ihrem 58sten Lebensjahr in einer kuststoffverarbeitenden Fabrik gearbeitet.
  • In ihrer Jugend sang sie den ersten Sopran im katholischen Kirchenchor.
  • Sie engagierte sich im Schwimmverein und ging mit ihren Töchtern täglich schwimmen.

Beschreiben Sie fünf wichtige Punkte zur aktuellen Lebenssituation von Fr. xxxxxxx

Antworten:

  • Fr. xxxxxxx ist heute 72 Jahre alt
  • Ihre beiden Töchter leben in weit entfernten Orten.
  • Fr. xxxxxxx lebt seit einem Jahr im Altenheim
  • Dort lebt sie mit Fr. xxxxxxx in einem Zimmer
  • Fr. xxxxxxx ist verwirrt und sucht häufiger nach Dingen im Zimmer
  • Dabei durchstöbert sie auch die persönlichen Dinge von Fr. xxxxxxx, was verständlicherweise zu Konflikten führt.
  • Sie nimmt selten an Aktivitäten, die durch das Altenheim angeboten werden, teil.

Treffen Sie fünf Aussagen zu den Angehörigen von Frau xxxxxxx

Antwort:
  • Ihr Ehemann ist verstorben.
  • Sie war mit ihm 40 Jahre verheiratet.
  • Sie hat zwei Kinder geboren.
  • Ihre Kinder wohnen in weit entfernten Orten.
  • Aufgrund der Entfernung können sie sich nicht um die Mutter kümmern.
  • Fr. xxxxxxx hat sich aufgrund ihrer Schwerhörigkeit stark von der Öffentlichkeit zurückgezogen.
  • Ihre Töchter machten sie darauf aufmerksam, dass sie bestimmte Dinge nicht mehr hörte und falsch wahrnimmt.

Treffen Sie fünf Aussagen zur Gesundheitssituation von Frau xxxxxxx

  • Frau xxxxxxx bekam mit ihrem 68sten Lebensjahr ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät.
  • Ihre Töchter machten sie darauf aufmerksam, dass sie das Telefon und die Haustürklingel nicht mehr hören konnte. Auf Fragen gab sie auch oft falsche Antworten.
  • Sie schämte sich aufgrund dieses Gerätes und konnte sich an dessen Gebrauch nie gewöhnen.
  • Nach dem Tod ihres Ehemannes war sie häufig depressiv verstimmt.
  • Ihre Verwirrung nahm ständig zu.
  • Sie wurde zunehmend aggressiver. Sie beschimpfte z. B. den Hausmeister, dass er die verschiedensten Reparaturen nicht ausgeführt habe.
  • Sie wurde zunehmend unruhiger. Sie klingelte häufig bei den Nachbarn oder suchte etwas in der Straße.
  • Aufgrund der geplanten Heimaufnahme entwickelte sich zwischen Frau xxxxxxx und ihren Töchtern ein großer Streit.
  • In den letzten fünf Monaten verschlechterte sich ihr Zustand. Die Verwirrung nahm zu, und sie konnte nicht mehr für sich selbst sorgen.
  • Es entwickelten sich bei ihr aufgrund ihrer Verwirrtheit und Desorientiertheit Weglauftendenzen.

II. Zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit

5. Schätzen Sie die Pflegebedürftigkeit von Frau xxxxxxx anhand folgender Tabelle ein.
Kreuzen Sie in der Tabelle den Grad der Pflegebedürftigkeit an, und begründen Sie ihre Einschätzung

Name: xxxxxxx Vorname: Anna Katharina Alter: 72 Jahre

aktivitäten des täglichen Lebens

III. Zum Pflegeprozess/ zur Pflegeplanung

6. Nennen Sie zu folgenden ATL/AEDL je ein Pflegeproblem:

  • Wach sein und schlafen
  • Essen und trinken
  • Kommunizieren

7. Ordnen Sie jeder ATL/AEDL je eine Ressource zu

8. Formulieren Sie zu den drei genannten Pflegeproblem je ein Pflegeziel

9. Planen Sie zu jedem Pflegeproblem zwei Maßnahmen

III. Zum Pflegeprozess/zur Pflegeplanung

Zu den Fragen 6 – 9

Pflegeprobleme: Frau xxxxxxx hat Unruhezustände und ist verwirrt aufgund einer senilen Demenz
Pflegeziele: Sie fühlt sich ruhig und kann sich orientieren
Pflegemaßnahmen: Viele Pflegemaßnahmen werden im Zimmer verrichtet, damit Frau xxxxxxx das Pflegepersonal sieht

Beruhigend auf sie einwirken

Anforderung und Vorhaben in einfach strukturieren Sätzen formulieren

Nicht mehr als eine Anforderung abwarten

Ihre Stimmung wird beobachtet sie wird gezielt nach ihrer momentanen Stimmungslage befragt

Vermeidung von Zeitdruck

Ablenkende Reize und Störungen vermeiden

Tätigkeiten sehr übersichtlich, einzeln und in kleinen Schritten durchführen

Alle Bemühungen loben

Frau xxxxxxx mit dem Nachnamen ansprechen

Auf Blickkontakt achten

Orientierungshilfen regelmäßig geben (Jahreszeiten, Wachstum der Bäume u. Pflanzen, Temperatur bei geöffnetem Fenster, Blick aus dem Fenster ect.)

Aufmerksamkeits- u. Gedächtnistraining (3mal täglich)

Auf gezielten Körperkontakt achten

Viel Geduld u. Verständnis aufbringen

Zimmer und Flur werden wohnlich gestaltet

Feste Gewohnheiten einhalten

Ursachenforschung/Diagnostik durch den medizinischen dienst verlassen

ATL/ AEDL: Essen und trinken
Pflegeprobleme
: Frau xxxxxxx hat kein Gefühl mehr für die regelmäßige Nahrungsaufnahme aufgrund des Selbstversorgungsdefizites
Pflegeziele: Sie ernährt sich regelmäßig und ausreichend
Pflegemaßnahmen: Regelmäßige Mahlzeiten anbieten und in Gesellschaft servieren und gemeinsame Essen organisieren

Auf gleiche Sitzordnung achten

Darauf achten, dass das Essen nicht zu heiß ist

Zum essen genügend Zeit lassen

Wunschkost erfragen

Im Zimmer von Fr. xxxxxxx nachts oder zu ruhigen Zeiten immer einen Imbiss bereitstellen

Auf abwechslungsreiche Nahungsmittel anbieten

Ausreichende Getränke bereitstellen(1,5-2 Liter) und sie zum Trinken auffordern

Kleine appetitliche zwischen- mahlzeiten bereitstellen

Wöchentliche Körpergewicht-Kontrollen

Sie bei der Zubereitung der Mahlzeiten in der Küche täglich beteiligen,

Kleine Aufgaben übertragen und sie für ihre Tätigkeiten loben

Ressourcen/n: Frau xxxxxxx kennt sich seit einem Jahr im Altenheim aus

Ressourcen/n: Frau xxxxxxx kann selbstständig essen und möglicherweise bei der
Zubereitung der Speisen helfen

ATL/ AEDL Kommuni- zieren
Pflegeprobleme: Fr. xxxxxxx hat ein stark eingeschränktes Hörvermögen beidseits

Fr. xxxxxxx hat Konflikte mit ihrer Zimmernach-barin

Fr. xxxxxxx antwortet zunehmend weniger
Pflegeziele: Sie kann hören

Konfliktfreies, -armes Zusammen-leben

Sie äußert sich
Pflegemaßnahmen: Nachdem Frau xxxxxxx morgens aufgestanden ist, ihr beide Hörgeräte anlegen

Vorher die Geräte auf Funktion überprüfen

In der Unterhaltung feststellen, ob fr. xxxxxxx hören kann

Mit der Zimmernachbarin Gespräche führen und ihr das Verhalten von Fr. xxxxxxx erklären

Fr. Rubolki hat eine Möglichkeit, ihre Wertgegenstände sicher aufbewahren zu können

Fr. xxxxxxxs Verhalten wird beobachtet

Rege Kommunikation mit Fr. xxxxxxx anstreben

Ihr signalisieren, dass man sie in ihrem Verhalten ernst nimmt

Fr. xxxxxxx aus der Klinik in die Stadt führen bzw. einen Besuch bei ihren Töchtern ermöglichen

Ihr Selbstwertgefühl durch lob stärken; Tadel nach Möglichkeit vermeiden

Ressource/n: Frau xxxxxxx kann kommunizieren. Frau xxxxxxx besitzt zwei funktionsfähige Hörgeräte

IV. Zum Pflegewissen: Offene Fragen

Zu Frage 10
Nennen Sie fünf pflegerische Verhaltensregeln, die im Umgang mit Frau xxxxxxx und Demenzkranken allgemein zu beachten sind.

  • Bei allen Konversationskontakten Realitätsinformationen geben, wie Zeit, Datum, Ort, Name
  • Möglichst viele Erinnerungshilfen anbieten
  • Statt der Gegenwart die Erinnerung zur Gegenwart benutzen.
  • Als Pflegeperson eine verständnisvolle Haltung aufrechtbehalten.
  • Richtiges Reagieren des Demenzkranken durch Lächeln, Loben und berühren belohnen, statt zu kritisieren.
  • Jegliche Überforderung vermeiden.
  • Auf ausreichende Trinkmenge und Ernährung achten.
  • Feste und einfache Gewohnheiten beibehalten und einfache Regeln vorgeben.

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