Standard I / 13 b
Schluckstörungen
Problem:
Mobilitätsstörung der Zunge:
- Zungenbewegung nach links / rechts abweichend
- Zunge kann nicht nach oben oder unten bewegt werden
- Zunge kann nicht gerollt werden
- Essen bleibt auf der Zunge liegen - Essensreste verbleiben
in den Wangentaschen
- Zunge stößt Nahrung nach vorne
- Sensibilitätsstörungen
- Parästhesie subjektive Mißem-pfindung)
|
Ziel:
- Zungenbewegung ist kontrolliert
- Das Gefühl für aufgenommene Nahrung ist vorhanden
- Förderung der Kaubewegung
- Förderung der Empfindung
|
Maßnahme:
- Bessere Eigenkontrolle des Kunden mit Spiegel - Fehlfunktionen
zeigen
- Zur Empfindungsförderung kein lauwarmes Essen und
Trinken, sondern warm oder kalt!
- Zur Differenzierungsübung harte Speisen anbieten,
keine breiigen
- Wangentaschen reinigen lassen, ggf. Hilfestellung nach
Bedarf
- Zur Empfindungsförderung eiskalte Getränke anbieten
oder Eis lutschen lassen
- Flüssigkeiten nicht einflößen - aktiven
Schluckvorgang fördern
- Mit Strohhalm saugen lassen
Übungen:
Aktiv:
- Zunge nach hinten abrollen - nach links / rechts
bewegen, nach oben und unten
- Einen Löffelstiel wegdrücken lassen
- Zahnreihen fühlen lassen
Aktiv / Passiv:
- Zunge beim Zähneputzen oder bei der
Mundpflege abbürsten
|
Hinweis:
- Die Wahrnehmung des Schluckvorgangs
wird durch deutlich heiße (Achtung, nicht verbrennen!) und
deutlich kalte Speisen gefördert!
- Lauwarme Speisen werden im Mundraum nur schlecht lokalisiert
Problem:
Störungen der Wangenmuskulatur und des Kiefers
In den Wangentaschen verbleiben Essensreste
Verminderter Speichelfluss
Kiefermuskulatur ist angespannt, hat Funktionseinschränkung |
Ziel:
Entspannte Wangen- und Kiefernmuskulatur
Guter Speichelfluss
Förderung der Kaubewegung |
Maßnahme:
Beachtung ob Spastik oder Lähmung vorhanden ist
Speichelfluss mit Gerüchen anregen z.B. Zitrone
Bei Kauproblemen keine flüssige, weiche oder breiige
Nahrung
Keine scharfkantigen Nahrungsmittel (z.B. Bratkartoffeln)
Wangentaschen kontrollieren und säubern
Aktiv: Kunden dazu anhalten z.B. Wangentaschen mit
der Zunge auszufüllen, Wangen einsaugen lassen
Aktiv / Passiv: Lockerungsstreichungen vom Jochbein zum
Kinn, den Hals herab. Ggf. Lockerung der Nackenmuskulatur |
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können
Obstipation vermeiden oder minimieren und sichern damit Qualität.
Individuelle Einschätzung und Dokumentation im Pflegeplan
Einsatz der Pflegediagnose zur Erkennung des Prophylaxeneinsatzes
Standard I / 13 c
Schluckstörungen
Problem:
- Koordinationsstörungen
- z.B. von Kehldeckelschluss und Ösophagusöffnung:
- verzögerter oder zu früh ausgelöster
Schluckreflex, besonders bei flüssigen und dünn
breiigen Nahrungsmitteln? (Hustenreflex ist vorhanden)
- Aspirationsgefahr
|
Ziel:
- Förderung des Schluckreflexes
- Gut kontrollierbarer Bolus (Bissen)
|
Maßnahme:
- Lagerung: Hoch aufgesetzt, Kopfhaltung ggf. regulieren
- gerade
- Maßnahmen in Absprache ggf. mit Logopädin!
Ergotherapeutin
- Stimulation des Schluckreflexes durch Streichen vom Kinn
zum Kehlkopf
- In Absprache mit dem Arzt dick breiige Kost (z.B.
Kartoffelbrei)
- Ggf. zusätzliche Andickmittel verwenden. Sorgfältige
Mundpflege
- Keine Flüssigkeiten
- Keine dünn breiige Kost
- Keine festen Speisen
- Zusatzernährung ist notwendig
- Löffelweise stilles Wasser eingeben, wenn das Schlucken
einigermaßen beherrscht wird
|
Problem:
|
Ziel:
- Nahrung / Flüssigkeit kann aus der Luftröhre
hinausbefördert werden.
|
Maßnahme:
- Ruhe bewahren
- Beruhigend auf Kunden einwirken
- Kunden zum ruhigen, langsamen, tiefen Einatmen anhalten
- Kopf nach vorn halten
- Absauggerät bereithalten
- Sorgfältige Mundpflege.
|
Hinweis:
- Bei Verschlucken nicht auf den
Rücken klopfen - der Bolus kann noch tiefer abrutschen!
- Bei Beißreflex - Achtung mit metallischem Besteck - Verletzungsgefahr!
- Kunden beim Schlucktraining ausgesprochen gut beobachten, gut
dokumentieren!
- Salzige und säurehaltige Lebensmittel fördern den Speichelfluss,
süße Speisen und Milchprodukte regen die Schleimbildung
an und erschweren somit den Schluckvorgang!
- Kunden nach der Nahrungsaufnahme zur Aspirationsvermeidung ca.
1/2 Stunde aufrecht sitzen lassen!
Standard I / 13 d
Schlucktraining
Basal stimulierende Übungen und Schlucktraining
Hinweis:
- Wichtigste Voraussetzung ist
die Wiederherstellung des fehlenden Schluckreflexes, erst dann
darf mit dem Schlucktraining begonnen werden!
- Ein zu frühes Beginnen mit dem Schlucktraining, bei nicht
genügend intaktem Schluckreflex, führt durch vermehrte
Aspiration zur Gefährdung des Kunden
Schluckreflex stimulieren:
Mechanische Reizung des weichen Gaumens, nahe des Gaumenbogens:
- Hierzu mit einem festen aber stumpfen Gegenstand den Gaumen wiederholt
kurz berühren. Hierzu eignet sich das Ende eines abgerundeten
Löffelstiels, ein Holz oder Metallspatel oder ein Watteträger
- Eine zusätzliche thermische Reizung erlangt man durch das
Eintauchen des Watteträgers in Eiswasser dies verstärkt
die Stimulierung
- Die Stimulierung kann 4-6 Mal täglich durch ca. 8 bis 10-maliges
Betupfen rechts und links erfolgen
ACHTUNG :
- Die Umgebung des Zäpfchens darf nicht berührt
werden - Würgereflex!
- Eine Stimulation der Mund und Rachenmuskulatur sowie der dazugehörigen
nervalen Strukturen kann durch Vibration erreicht werden. Hierzu
den Mundboden ca. 5 Mal hintereinander für 2-3 Sekunden mithilfe
einer Elektrozahnbürste oder des Gehäuses eines Elektrorasierers
vibrieren lassen. Den Mundboden in Höhe des Unterkieferwinkels
rechts und links der Trachea vibrieren lassen.
Zungenmotorik trainieren:
Ziel ist es, alle physiologischen Bewegungen der Zunge bewusst
und wenn möglich übertrieben deutlich durchzuführen
Wichtig:
- Übungen von Pflegekraft vormachen
- Mehrmals am Tag wiederholen
- Durchführungskontrolle für Kunden mit Spiegel
Übungsmöglichkeiten:
- Zunge weit herausstrecken und wieder zurücknehmen
- Zunge weit herausstrecken und in Richtung Nase bewegen
- Zunge weit herausstrecken und in Richtung Kinn bewegen
- Zunge weit herausstrecken und nach rechts und links
bewegen
- Zunge herausstrecken und über die Lippen nach
oben und unten bewegen
- Zunge herausstrecken und über die Lippen kreisen
- Pflegekraft legt Finger auf verschiedene Stellen
der Wange - Kunden versucht mit der Zungenspitze von innen gegen
zu drücken
- Abtasten der Zahnreihen mit der Zunge im Ober- und
Unterkiefer
- Zunge von den Schneidezähnen am Gaumen entlang
so weit wie möglich Richtung Zäpfchen bewegen
- Zunge schnalzen
Funktion des Gaumensegels trainieren:
- Ziel dieses Trainings ist es, den Verschluss des Nasen-Rachen-Raumes
durch das Gaumensegel zu üben
- Fest Luft in beide Wangen blasen, dann die Luft durch schnelles Öffnen
des Mundes ausströmen lassen
- Eine Wange ausblasen und Luft in die andere Wange strömen
lassen
- Wattebausch wegpusten lassen
- Mit einem Strohhalm ein Stück Papier ansaugen und festhalten
- ACHTUNG: Bei Puste-Übungen Gefahr der Hyperventilation beachten
- auf ruhiges und tiefes Einatmen achten
Standard I / 13 e
Schlucktraining
Basal stimulierende Übungen und Schlucktraining:
Hinweis:
- Wichtigste Voraussetzung ist die Wiederherstellung
des fehlenden Schluckreflexes! Erst dann darf mit dem Schlucktraining
begonnen werden!
- Ein zu frühes Beginnen mit dem Schlucktraining, bei nicht
genügend intaktem Schluckreflex, führt durch vermehrte
Aspiration zur Gefährdung des Kunden
Übungen zum Schlucken von Speisen:
- Ziel ist es hierbei, die Speisen bewusst mit der Zunge nach hinten
zu schieben, um den reflektorisch ablaufenden Teil des Schluckvorgangs
am Gaumensegel auszulösen
- Kunden in aufrechte Sitzposition bringen - die Körperhaltung
eher vornübergebeugt, als aufrecht. Muss dem Kunden das Essen
und Trinken eingegeben werden, sollte die darreichende Pflegeperson
neben dem Kunden sitzen, damit der Kunden den Kopf nicht heben
muss, sondern die Nahrung / Flüssigkeit mit vornübergebeugtem
Kopf aufgenommen werden kann. Zahnprothesen ggf. einsetzen, Sitz überprüfen
- Weiche, formbare Speisen, die nicht zerfließen, wählen,
z.B. Kartoffelpüree, püriertes Gemüse, Grießpudding
- Eine Portion auf einen mittelgroßen Löffel geben und
auf der Zunge aufsetzen - Kunden mit der Zunge den Bissen abnehmen
lassen - sodass er ihn mit der Zunge nach hinten in Richtung Gaumensegel
befördern kann
- Nächste Portion erst aufsetzen, wenn Kunde den Mund geleert
hat
- ACHTUNG: Tritt ein Würgereflex oder Husten auf, muss das
Schlucktraining sofort unterbrochen werden!
Übungen zum Trinken:
- Hiermit darf erst begonnen werden, wenn der Kunden feste Nahrung
schlucken kann!
- Das Schlucken von Flüssigkeit ist schwerer zu erlernen!
- Zu Beginn dickflüssigere Getränke oder Suppen auswählen
- Flüssigkeit zunächst mit einem Löffel eingeben
- Hilfsmittel Strohhalm einsetzen
- Beim Trinken aus dem Becher - maximal zu zwei Dritteln füllen!
Ansatz des Bechers immer an der Unterlippe ohne die Zähne
zu berühren Beißreflex!
- Sitzposition wie beim Essen!
Allgemein:
- Ausreichend Zeit zum Essen und Trinken lassen, kein
Zeitdruck, Ruhe während der Mahlzeiten, Hilfestellung bei
Kunden mit eingeschränktem Schluckvermögen ausschließlich
durch Pflegefachkräfte! Konsistenz der Speisen individuell
dem Grad der Schluckstörung anpassen. Nach der Mahlzeit Mundpflege
durchführen, ggf. Essensreste entfernen!
Nach den Mahlzeiten aufrechte Sitzposition für mind. 20
- 30 Minuten beibehalten!
- Bei Kunden mit Aspirationsgefahr kommt bei der Lagerung nur die
aufrechte Sitzposition mit nach vorn gebeugtem Kopf- oder die Seitenlage
und die 135-°-Lagerung in Betracht
Kontraindiziert ist die Rückenlage!
- In der Sitzposition muss die Dekubitusgefährdung berücksichtigt
werden! In der Seiten- und Bauchlage muss der Kopf brustwärts
gebeugt sein!
- Liegt eine Bewusstseinseintrübung oder Bewusstlosigkeit
vor, muss der Kopf überstreckt
Pflegediagnose II / 1
Aspirationsgefahr
Definition:
- Aspiration = lateinisch aspirare = aushauchen,
aber auch einhauchen, einflößen, ansaugen
- Es bezeichnet das Eindringen flüssiger oder fester Stoffe
in die Atemwege während der Inspiration
- Meist folgende Stoffe: Speichel, Sputum, Mageninhalt, Blut, Fremdkörper,
Getränke, Schmutz, eingeschlagene oder abgebrochene Zähne
Kennzeichen:
Warnzeichen:
- Speisereste und Speichel fließen aus dem
Mund
- Speisereste hängen in den Wangentaschen
- Kunden verschluckt sich häufig, hustet, würgt
Von leichtem Abwehrreflex bis zur lebensbedrohlichen Atemnot können,
abhängig von der Größe des Gegenstands oder der
Menge der aspirierten Flüssigkeit folgende Kennzeichen auftreten:
- Räuspern
- Husten
- Krampfhaftes, ggf. hektisches Einatmen
- Atemgeräusche bei der Einatmung
- Krampfhaftes ringen nach Luft, Atemnot
- Angstzustände, Panik
- Ersticken
Als Spätreaktion einer Aspiration kann infolge der entzündlichen
Reaktion des Lungengewebes eine Aspirationspneumonie entstehen
Bei bewusstseinsgetrübten Kunden oder bei Vorliegen von Sensibilitätsstörungen
ist eine Aspiration auch ohne Abwehrreaktion möglich
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
Reduzierter Allgemeinzustand:
- Aufgrund der körperlichen Schwäche
gelingt es nicht den Schluckvorgang zu koordinieren, da dieser
zum einen Teil willentlich beeinflusst und zum anderen Teil einen
reflektorischen Ablauf hat. Aufgrund der Schwäche sind die
Abwehrmechanismen, wie Räuspern und Husten soweit reduziert,
dass das Aspirierte nicht wieder aus der Lunge hinausbefördert
werden kann
- Bewusstseinsstörungen wie Somnolenz bis Sopor (nur durch
starke Reize zu wecken)
Koma:
- Hierbei fallen auch die reflektorischen Steuerungsmechanismen
aus. Beeinträchtigungen der Zungenbeweglichkeit und Störungen
des Schluckvorgangs bei neurologischen Erkrankungen wie z.B.
Apoplex. Hierbei kommt es zu Lähmungserscheinungen der Zunge,
des Mundbodens, von Rachen und Kehlkopf. Koordiniertes Schlucken
ist dann nicht möglich
- Sensibilitätsstörungen im Mund und Rachenraum: Infolge
der oben genannten Lähmungen kommt es auch zu einem Ausfall
der Sensorik. Da der Schluckreflex erst durch die Berührung
der Gaumenbögen mit der Speise bzw. Flüssigkeit ausgelöst
wird, führt jede Sensibilitätsstörung zu Schluckstörungen
- Des Weiteren ist der bewusste Schluckvorgang auch vom Fühlen
der Speise bzw. Flüssigkeit mit der Zunge abhängig
- Die Hyperemesis (übermäßiges Erbrechen) birgt
die Gefahr, dass Erbrochenes aspiriert wird. Ein zusätzlicher
Risikofaktor bei bewusstseinsgestörten Kunden, sowie bei Kunden
mit stark eingeschränktem Allgemeinzustand
Risikogruppen:
- Ältere Menschen
- Kunden mit Bewusstseinseinschränkungen
- Kunden mit oben genannten Grund- und / oder Zusatzerkrankungen
- Kunden mit Lähmungen und Sensibilitätsstörungen
im Mund- und Rachenbereich
Evaluation erfolgt:
- Nach Bedarf! Bei jeder Veränderung
Standard II / 1
Prophylaxen
Aspirationsprophylaxe
Problem:
- Aspiration = lateinisch aspirare = aushauchen, aber auch
einhauchen, einflößen, ansaugen. Eindringen flüssiger
oder fester Stoffe in die Atemwege während der Inspiration
- Meist folgende Stoffe: Speichel, Sputum, Mageninhalt, Blut, Fremdkörper,
Getränke, Schmutz, ausgefallene oder abgebrochene Zähne
Ziel:
- Aspirationsgefährdung ist frühzeitig erkannt
- Lähmungen und Sensibilitätsstörungen
sind beseitigt oder gemindert
- Kunde ist über die Gefahren informiert und
motiviert, an der Vermeidung von Aspiration mitzuarbeiten
- Aspirationsvermeidung
- Vorbereitung / Material:
- Absauggerät bei Bedarf bereitstellen
- Material zu atemunterstützenden Maßnahmen
und Schlucktraining, wie Lagerungshilfsmittel, spezielles Essbesteck,
geeignete Nahrungsmittel individuell für den Kunden bereitstellen
Pflegerisch Maßnahme:
Schluckstörungen unter folgenden Aspekten rechtzeitig erkennen:
- Speichel und Speisereste fließen aus dem Mund
- Speisereste bleiben in den Wangentaschen hängen
- Kunden verschluckt sich, hustet, würgt, erbricht
- Atemgeräusche in Form von "brodeln"
Maßnahmen bei aspirierten Gegenständen oder Flüssigkeiten.
großen Nahrungsstücken:
Notfallmaßnahmen bei akuter Atemnot, Zyanose. Bewusstlosigkeit
Achtung:
- Bei Bewusstseinsgetrübten oder Sensibilitätsstörungen
ist eine Aspiration auch ohne Abwehrreaktion möglich!
- Sofortiges Entfernen der Substanz aus der Luftröhre!
- Ruhe bewahren Kunden beruhigen zum langsamen, ruhigen
und tiefen Einatmen anhalten (die Menge der Luft in der Lunge ist
ausschlaggebend für den Luftdruck beim Husten)
- Kopf nach vorn halten
- Bei gefährdeten Kunden Absauggerät bereitstellen
Basal stimulierende Übungen und Schlucktraining
Nur bei intaktem Schluckreflex! Siehe Standard II / 3 Schlucktraining
- Kunden gut informieren und zu unterstützenden
Maßnahmen motivieren
Zur Prophylaxe:
- Aspirationsfördernde Umstände ausschalten
bzw. vermindern (z.B. red. Allgemeinzustand, Bewusstseinsstörungen,
Beeinträchtigung der Zungenbeweglichkeit, Schluckstörungen,
Sensibilitätsstörungen im Mund- und Rachenraum, Hyperemesis)
- Kenntnisse aktualisieren - Pflegediagnose sichern
und überprüfen
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Aspiration
verhindern, Notfallsituationen vermeiden, Komplikationen und Gefahren
mindern
- Vergleich von Fort und Rückschritten mit dem
Pflegeplan (Soll-, Ist- Zustand)
- Einsatz der Pflegediagnosen zur Erkennung von Gefährdung
und Veränderung
Standard II / 2
Prophylaxen
Pneumonie
Problem:
- Flache Atmung und / oder Bradypnoe (verlangsamte
Atmung, 4-8 Atemzüge pro Minute)
Ziel:
- Verhütung einer Lungenentzündung
- Frühzeitiges Erkennen einer Pneumoniegefahr
und / oder Ateminsuffizienz
- Vermeidung der Flachatmung, Ermöglichung der
Nasenatmung
- Atemstimulierende Maßnahmen fördern;
dauerhafte Optimierung d. Lungenbelüftung
- Aspiration verhindern, Risikofaktoren sind ausgeschaltet
oder minimiert
- Sauerstoffgabe und Absaugen von Sekret reduzieren
Vorbereitung / Material:
- Lagerungshilfsmittel, nach Bedarf; zu atemunterstützenden
Lagerungsmaßnahmen
- Giebelrohr
- Öl oder Lotion für Einreibungen
- Strohhalm, Wattebausch, Latexhandschuh oder Luftballon
Pflegerische Maßnahme:
- Durch aktive Bewegung Mobilität erhalten
- Spezielle Atemgymnastik, z.B. mit Giebelrohr
- Tägliche Mund- und Nasenpflege tragen zur störungsfreien
Atmung bei
- Atemstimulierende Einreibung: Durchführung
in liegender oder sitzender Position. Ein W / O Präparat wird
durch die Pflegekraft auf dem Rücken verteilt. Mit kreisenden
Bewegungen erfolgt das Einmassieren vom Nacken zum Rückenende
hin. Dies erfolgt mit leichtem Druck durch Daumen und Zeigefinger.
Die Wirbelkörper werden ausgelassen. Rhythmus: 16-20 Atemzüge
/ Min
- Gute Belüftung aller Lungenabschnitte durch
pflegetherapeutisch korrekte Lagerung (siehe Standard)
- Kunden gegen Widerstand anatmen lassen: z. B. Aufpusten
eines Luftballons, Wegpusten von Wattetupfern
- Durch einen Strohhalm in eine mit Wasser gefüllte
Flasche ausatmen
Hinweis:
- Schmerzhaft bedingte Schonatmung führt
zu mangelndem Abhusten und damit zur Pneumoniegefahr
•
Besondere Gefährdung entsteht durch:
- Exsikkose
- Erkrankungen im HNO-Bereich, sowie
- Mund-, Zahn-, Kieferbereich
- Akute, sowie chronische obstruktive Atemwegserkrankungen
- z.B. Asthma bronchiale
- Unterkühlungen
- Bewusstseinsgestörte Kunden
- Kunden mit Schluckstörungen =
- Aspirationspneumonie
- Flache, beschleunigte Atmung
- Atemnot, beschleunigter Puls, Fieber, trockene Haut,
belegte, borkige Zunge, leichte Lippenzyanhose, evtl. eitriges
Sputum
Siehe Pflegediagnose II / 2 Pneumonie
Zur Prophylaxe:
- Mobilitätserhaltung in höchstmöglichem Maß;
vitamin- und eiweißreiche Ernährung, Frischobst; ausreichende
Flüssigkeitsaufnahme; angemessene Raumtemperatur schaffen öfter
lüften;
- Atmungsunterstützende Lagerung und Maßnahmen; Befeuchtung
der Atemluft durch Ultraschall-Vernebler
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Pneumonie
verhindern und sichern damit Qualität
- Vergleich von Fort und Rückschritten mit dem
Pflegeplan (Soll-, Ist- Zustand)
- Einsatz der Pflegediagnosen zur Erkennung von Veränderungen
Pflegediagnose II / 2
Pneumonie
Definition:
- Pneumonie = griechisch - Pneu-, Pneumo- oder
Pneumonat = Luft, Atem oder auch Lunge
- = Akute oder chronische Entzündung des Lungenparenchyms,
meist infektiöser (durch Bakterien, Viren oderPilze), selten allergischer, chemischer oder physikalischer Genese In den industrialisierten Ländern zählt sie zu den häufigsten
Todesursachen
Kennzeichen:
- Eingeschränktes Lungenvolumen, bei
Schmerz, Angst, Immobilität, Zwerchfellhochstand
- Obstruktion der Atemwege, bei Asthma, chronische
Bronchitis
- Infizierung durch Bakterien, Pilze oder Viren
- Verkleinerung des Atemvolumens, Kurzatmigkeit, Atembeschwerden
- Ruhe- Belastungsdyspnoe
- Atemveränderung in Bezug auf Atemfrequenz und
-tiefe
- Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
- Hyperkapnie (sog. Kohlendioxidnarkose)
- Unruhe, hohes Fieber
- Hypoxie (Herabsetzung des Sauerstoffgehalts im Gesamtorganismus)
- Angstgefühle des Kunden
- Atmen mit Lippenbremse
- Zyanose, Husten
- Nasenflügelatmung
- Fremitus (Brustwandvibrationen)
- Einnehmen der "Kutscherstellung"
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
- Allgemeine Abwehrschwäche: durch infektiöse Vorerkrankungen,
durch Mangelernährung, durch auszehrende Erkrankungen z.B.
Karzinom, durch Immunsystemerkrankungen, durch Operationsbelastungen
- Sekretstau im Bronchialsystem: durch chronische Lungenerkrankungen,
z.B. Bronchitis, Asthma bronchiale, durch Linksherzinsuffizienz,
durch Schwächung des Hustenreflexes, z.B. bei Bewusstlosigkeit,
Schmerzen
- Aspiration: durch Bewusstseinsstörungen, durch Schlucklähmungen,
z.B. bei Apoplex
- Verminderte Lungenbelüftung: durch Schonatmung, z.B.
bei Schmerzen, durch Bettlägerigkeit, durch Lähmungen,
z.B. Hemiplegie, durch Bewusstseinsstörungen, durch
Lungenerkrankungen
- Absteigende Infektionen aus Mund-, Nasen und Rachenraum: durch
schlechte Mundpflege, durch Austrocknung der Schleimhäute,
durch Störung der Mundflora, durch Infektionen der Schleimhäute,
z.B. Soor
Risikogruppen:
- Bettlägerige Kunden
- Kunden mit mangelhaftem Ernährungszustand,
Kachexie, Adipositas
- Bewusstseinsgetrübte, bewusstlose Kunden
- Kunden mit Infektionen
- Kunden mit Obstruktionen der Atemwege oder chronischen
Lungenerkrankungen
- Verletzte, traumatisierte Kunden
- Desorientierte, wahrnehmungsgetrübte Kunden
Evaluation erfolgt:
Individuelle Besonderheiten:
.................................................................................................................................................
Standard II / 3
Prophylaxen
Kontrakturen
Problem:
- Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern,
Schrumpfung der Gelenkkapsel, Verwachsungen an Gelenkflächen,
verursacht durch Funktions- und Bewegungseinschränkung von
Gelenken
- Eingeschränkte Mobilität bestimmter Körperteile
/ Gelenke
- Generelle Immobilität oder Inaktivität
Ziel:
- Kontrakturgefahr rechtzeitig erkennen
- Bewegungsradius der Gelenke erhalten
- Elastizität von Sehnen und Bändern erhalten
- Förderung der täglichen Mobilisierung,
so lange wie möglich
Vorbereitung / Material:
- Lagerungshilfsmittel, wie Kissen, Handtuchrolle
etc
- Ggf. Analgetika
- Gehhilfen, orthopädische Schuhe
- Esshilfen
Pflegerische Maßnahme:
- Durch aktive Bewegung Mobilität erhalten. Mobilisierung
so lange wie möglich
- Gefährdete Gelenke werden bei jedem Lagerungswechsel sowie
bei der direkten Pflege bewegt
- Bei der Lagerung ist auf die physiologische Mittelstellung der
Gelenke zu achten
- Grundsätzlich mit beiden Händen arbeiten, die Gelenke
dürfen nicht frei hängen, da dies zu einer Schädigung
der Gelenkkapseln führen könnte
- Übungen wie Fußkreisen und Zehengreifen dienen gleichzeitig
der Thromboseprophylaxe
Grundsatz:
- Nach Absprache mit dem Arzt sollte immer alles
aktiv bewegt werden, was bewegt werden darf. Beim Durchbewegen
der Gelenke, beim immobilen Kunden beginnend an den großen
Gelenken alle Gelenke von proximal (rumpfwärts) nach distal
(rumpfentfernt) durchbewegen
Hinweis:
- Bei Ruhigstellung von Gelenken nimmt
die Muskelkraft um ca. 15 % pro Woche ab!
• Bei Spastik und Hemiplegie nicht anwenden:
Kein Griff unter die Achsel des Kunden der "Achselgriff" fördert
die "schmerzhafte Schulter" Schmerzgrenze des Kunden
bei jeder Übung akzeptieren, ggf. die Übungen beenden
- Ruckartige Bewegungen vermeiden
- Nachts: Füße entspannt lagern. Anspannung
der Wadenmuskulatur verhindert den entspannten Schlaf
- Schulter beim Lagern immer nach vorne ziehen
- Zeitersparnis durch das Einbauen von Bewegungsübungen
in die Arbeitsabläufe, wie z.B. Toilettengang, Lagerung
zum Essen, Trinken etc
Zur Prophylaxe:
- Bewegungsübungen täglich, nach individuellen
Möglichkeiten
- Aktivierung und Förderung der körpereigenen
Ressourcen
- Spezielle Lagerungsformen einsetzen
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Kontrakturen
verhindern und sichern damit Qualität. Vergleich von Fort
und Rückschritten im Pflegeplan (Soll-, Ist- Zustand)
- Einsatz der Pflegediagnosen zur Erkennung von Veränderung
und von Kontrakturen begünstigenden Erkrankungen
Pflegediagnose II / 3
Kontrakturen
Definition: Kontraktur = Funktions- und Bewegungseinschränkung
von Gelenken, verursacht durch Muskelverkürzungen, Sehnen
und Bänderverkürzung. Schrumpfung der Gelenkkapsel, sowie
Verwachsungen an Gelenkflächen
Kennzeichen:
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Das Gelenk lässt sich nur unter Schmerzen bewegen
- Das Gelenk lässt sich nicht mehr vollständig
bewegen, strecken, ab- oder adduzieren
- Zwangshaltung: Fixierung des Gelenks in einer Position
- Spastik
- Eingeschränkte Beweglichkeit durch Gips oder
Schienenversorgung
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
•
Erkrankungen am Gelenk:
- Gelenkentzündungen, z.B. Gicht, rheumatische Erkrankungen
- Gelenkverschleiß, z. B. langjährige Adipositas, chronische Überlastung
durch einseitige Arbeitsbelastung oder Sport
- Gelenkverletzungen, z. B. Distorsion, Luxation, Frakturen
•
Erkrankungen des Weichteilapparats:
- Muskelkrankheiten, z. B. Muskelrheuma, Kinderlähmung
- Bänder-, Sehnen-, Kapsel- und Muskelverletzungen, z.B.
Riss, Überdehnung
- Bänder-, Sehnen-, Kapsel- und Muskelatrophie, z.B.
Gefäßsklerose, Diabetes mellitus
- Arterielle Verschlusskrankheiten
•
Erkrankungen des Nervensystems:
- Apoplex
- Multiple Sklerose
- Morbus Parkinson
- Lähmungen
- Bewusstlosigkeit
•
Erkrankungen der Psyche:
- Depression
- Autismus (Kontaktstörung mit Rückzug auf die eigene
Vorstellungs- und Gedankenwelt), (vorkommend bei Schizophrenie,
Neurose oder Psychopathie)
- Katatonie (psych. Störung, bei der Störungen der Willkürmotorik
im Vordergrund stehen)
- Antriebsminderung, z. B. bei hirnorganischem Psychosyndrom, Demenz
- Schonhaltung bei Schmerzen
- Therapeutische Ruhigstellung, z. B. Gips. Schienen
- Sedierung
- Fixierung
- Exsikkose
- Weichlagerung. z. B. zur Dekubitusprophylaxe
Risikogruppen:
- Bettlägerige Kunden
- Kunden mit oben genannten Grunderkrankungen
- Kunden mit fehlender willentlicher Kontrolle über
die Körperhaltung
- Ältere Kunden
- Kunden mit reduziertem, schlechtem Allgemeinzustand
- Inaktive, unkooperative Kunden
Evaluation erfolgt
- Täglich
- Individuelle Besonderheiten:
.................................................................................................................................................
Standard II / 4
Prophylaxen
Dekubitus
Problem:
- Von außen einwirkender Druck komprimiert,
bzw. verschließt arterielle und venöse Blutgefäße
- Lagerungsänderung wird vom Kunden nicht selbstständig
vorgenommen
- Scherkräfte, durch Reibung
- Aufgeweichte, Reizung und Mazeration der Haut. Mangelnde Ernährung
der Haut, Austrocknung
Ziel:
- Regelmäßige Druckentlastung der gefährdeten
Stellen
- Gleichmäßige Druckverteilung
- Intakte Haut, mit guter Hautdurchblutung
- Sicherung des Hautstoffwechsels
Entscheidend :
- Druckverweildauer: Zeit, während ein bestimmter
Auflagedruck auf einen Hautbezirk einwirkt;
Auflagedruck:
- Ausmaß des Drucks von außen (Bettlagen,
Rollstuhlsitz ...), von innen (Knochen, die direkt unter der Haut
liegen)
- Vorbereitung /Material: Lagerungshilfsmittel, wie Kissen, Handtuchrolle,
Hebematten ... Lagerungsprotokoll, Norton Skala, Fersenschoner,
Watteverbände
Pflegerische Maßnahme:
Einer Dekubitusprophylaxe bedürfen alle Kunden die
selbstständig und aus eigener Kraft nicht in der Lage sind
ihre druckgefährdeten Stellen durch Lageveränderungen
zu entlasten. Die beste Dekubitusprophylaxe ist die Mobilisation!
- Zur Bestimmung der Gefährdung - Anlegen der Nortonskala
- Pflegeplanerstellung und tägliche Evaluation
- Pflegediagnosenerstellung, siehe Standard II / 3
- Mobilität erhalten, nach Möglichkeit verbessern
- Grundsätzliche Beachtung der physiologischen Körperhaltung
bei der betreffenden Lagerungsmethode Intervall des Lagerungswechsels
hängt vom jeweiligen Hautzustand ab und muss kontinuierlich überprüft
werden
Hinweis:
- Scherkräfte beim
Lagern in jedem Fall verhindern, z. B. Nutzung von Gleitbrettern
oder Ähnlichem
- Keine Weichlagerung - sie schränkt die Beweglichkeit
zusätzlich ein und führt zur Minderung des Körpergefühls
- Optische und palpatorische Inspizierung der Haut
mindestens 1 x pro Schicht
- Sorgfältige Dokumentation, bei Gefährdung
täglich, ist unumgänglich
- Hautpflege nach Pflegeplan
- Ernährungs- und Flüssigkeitskontrollen
bei gefährdeten Kunden
- Bei beginnenden Druckzeichen muss der betroffene
Bezirk bis zum Abklingen druckfrei gelagert werden
- Fotodokumentation bei Hautveränderungen
Häufige Druckentlastung ist die beste
Dekubitus Prophylaxe
Zur Prophylaxe:
- Bewegungsübungen täglich, nach individuellen
Möglichkeiten
- Lagerungswechsel alle zwei Stunden
- Aktivierung und Förderung der körpereigenen
Ressourcen
- Spezielle Lagerungsformen einsetzen, Bobath, Kinästhetik
- Mehrmals täglich Inspektion der Haut
- Vorgehen lt. Pflegeplan, Evaluation täglich
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Dekubitalgeschwüre
verhindern und sichern damit Qualität
- Vergleich von Fort und Rückschritten im Pflegeplan (Soll-,
Ist- Zustand)
- Einsatz der Pflegediagnosen zur Erkennung von Veränderungen
und von Dekubitus
- begünstigenden Situationen und Erkrankungen
Pflegediagnose II / 4
Dekubitus
Definition:
- Dekubitus = Durch äußere Druckeinwirkung mit
Kompression von Gefäßen und lokaler Ischämie hervorgerufene
trophische Störung von Geweben mit Nekrosen, Mazerationen,
evtl. Infektionen
Kennzeichen:
- Stadium 1: Rötung, die auch bei Druckentlastung nicht
zurückgeht; intakte Haut; Schädigung tiefer liegender
Gewebeschichten;
- Stadium II: Rötung, kleine Hautulzerationen, die oberflächig
wie Abschürfungen, Blasen oder einfache Kratzer erscheinen
- Stadium III: Tiefe Ulzeration mit Sezernierung nach außen,
ohne Nekrosebildung. Hautschädigung bis an die Faszie, evtl.
Nekrose des subkutanen Gewebes
- Mit oder ohne Unterhöhlung des umliegenden Gewebes
- Stadium IV: Tiefe Ulzeration, Nekrosen, Schädigung der Muskulatur,
der Knochen und der umliegenden Strukturen, der Sehnen oder Gelenkkapseln
- Zusätzliche Unterhöhlungen des umliegenden Gewebes
mit Fistel und Taschenbildung
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
- Langanhaltende Druckeinwirkung
- Scherkraftverletzungen
- Reibung
- lmmobilität
- Inkontinenz
- Ernährungsstörungen, Protein, Vitamin
C-Mangel
- Sensor-motorische Einschränkungen
- Starkes Schwitzen
- Dehydratation, Exsikkose, durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr
- Lähmungen, Hemiparesen
- Psychische Einschränkungen, wie Depression,
Bewusstseinstrübung
- Fehlende Sensibilität der Haut, Altershaut
Druckgefährdete Körperregionen:
In Rückenlage:
- Kopf, Ohren, Ellenbogen, Schulterblatt, Dornfortsätze,
Steißbein, Sitzbeinhöcker, Kreuzbein und Fersen;
- 90° Seitenlage: Besonders hohes Risiko! Ohren und Jochbeinknochen,
seitliche Rippenanteile vorderer Beckenkamm, Kniegelenk innen und
außen, Wadenbein, Trochantermajor, äußerer Fußknöchel
In Bauchlage:
- Stirn und Beckenknochen, Rippenbögen,
Schultergelenk, Kniescheibe, Schienbein, Zehen;
Im Sitzen:
- Sitzbeinhöcker
- 30° Lagerung: Ohr, Schulter, Ellenbogen, seitliche Rippenanteile,
Kniegelenk
Risikogruppen:
- Immobile Kunden
- Ältere Kunden
- Abwehrgeschwächte Kunden
- Adipöse, kachektische Kunden
- Fiebrige Kunden
Evaluation erfolgt:
- Täglich
- Individuelle Besonderheiten:
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Standard II / 5
Prophylaxen
Thrombose
Problem:
- Behinderter oder verlangsamter Blutrückfluss
im Bereich der unteren Extremitäten = Thrombosegefährdung.
Thrombose = Blutgerinnung mit Blutpfropfbildung. Häufig Oberschenkel
und Beckenvenen; Immobilität oder eingeschränkte Mobilität
Veränderungen in der Fließeigenschaft des Blutes,
wie z.B. Dehydratation bei starkem Schwitzen, Fieber oder
eingeschränkter Flüssigkeitszufuhr
Ziel:
- Steigerung der Fließgeschwindigkeit im venösen
Rückfluss, Vermeidung eines Rückstaus
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Muskelpumpeneinsatz durch Mobilisation
Vorbereitung / Material:
- Antithrombosestrümpfe, wenn keine Kontraindikation
besteht
- Zur Hautpflege ätherische Emulsion
- Nach ärztlicher Anordnung Antikoagulantien
- Lagerungsmaterial
Pflegerische Maßnahme:
- So oft wie möglich Kunden mobilisieren, Gehübungen,
Liegen und Gehen dem Sitzen und Stehen vorziehen!
- Beine leicht erhöht (20-30°C) lagern. Kein Überkreuzen
der Beine!
- Antithrombosestrümpfe, angepasst in der Größe
und nach ärztlicher Anordnung
- Beine wickeln. Auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten!
Gymnastische Übungen wie:
- Zehengymnastik Beugen und Strecken
- Fußgymnastik - Fußkreisen, Druck auf
die Fußsohlen (gegen etwas treten lassen)
- Beingymnastik - "Radfahren", "Brücke bauen"
- Venenpflege durch kalte Güsse; Sohlendruck durch Bettkiste
oder Fußstütze erzeugen;
- ( ACHTUNG: Nicht bei Kunden mit Apoplex oder spastischen
Lähmungen, hier Fuß und Unterschenkel mit weichen Kissen
90 stabilisieren)
- Im Sitzen, vor allem auch im Rollstuhl auf gute Auflage beider
Beine am Boden achten, Beine nicht baumeln lassen
- Atemübungen - Förderung des venösen
Rückflusses
Hinweis
- : - Vor dem Anziehen der Antithrombosestrümpfe
Beine mind. 30 Min. erhöht lagern
•
Kontraindikationen:
- Kompression bei massiven Beinödemen,
bei arteriellen Durchblutungsstörungen, schwerer Herzinsuffizienz.
Fußsohlendruck (gegen Widerstand) bei Thrombose oder Verdacht
auf Thrombose
• Förderung des Rückstroms des Blutes durch
die Anspannung, vor allem der Wadenmuskulatur. -Muskel-Venenpumpe
• Positive Auswirkung haben Nikotinverzicht und Einhaltung
des Normalgewichts
• Tiefe Atmung wirkt kreislaufanregend und nimmt dadurch
Einfluss auf die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Einatmung
führt zur Vergrößerung der Lunge, bei gleichzeitiger
Verschiebung des Zwerchfells nach unten, dadurch entsteht eine
Sogwirkung auf die Bauchraumvenen
• Hydrotherapien (z.B. Kneippsche Güsse)
erhöhen den Tonus
• Achtung: Angepasste Stützstrümpfe sind
zum Stehen und Laufen konzipiert. In Ruhe ist die Kompression zu
hoch. Achtung bei Rollstuhlfahrern, bzw. Kunden, die viel sitzen
• Bei sehr dicken Beinen, besser wickeln
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Thrombose verhindern
- Individuelle Einschätzung des Risikos und daraus resultierende,
geeignete Maßnahmen, nach Absprache mit Kunden
- Einsatz der Pflegediagnose zur Risikominimierung
Pflegediagnose II / 5
Thrombose
Definition:
- Es handelt sich um eine lokalisierte Blutgerinnselbildung
durch intravitale Blutgerinnung in Venen oder Arterien. Die größte
Gefahr ist die daraus entstehende Lungenembolie
Kennzeichen:
- Anschwellung von Oberschenkel oder
Wade
- Schmerzempfinden, je nach Lokalisation:
- Oberschenkelinnenseite
- Überstreckungsschmerz Kniekehle
- Druckschmerz der Fußsohle
- Druckschmerz hinter den Fußknöcheln
- Druckschmerz entlang der Vena Saphena
- Schweregefühl in den Beinen
- Spannungsgefühl der Haut
- Rötung im Verlauf der betreffenden Vene
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
Ursachen nach Rudolf Virchow (1821-1902): = Virchow-Tiras
- Verlangsamung der Blutströmung
- Schäden der Gefäßinnenwand
- Erhöhte Gerinnungsneigung
- Immobilität
- Ausmaß der physischen Aktivität
- Ernährungszustand
- Flüssigkeitszufuhr
- Gefäßveränderungen
- Alter
- Ruhigstellung der Extremität, z.B. Gipsschienenbehandlung,
Lähmungen, Schonhaltung
- Orale Antikonzeption
- Nikotingenuss
- Dehydratation durch z.B. Fieber, Schwitzen etc
- Herzinsuffizienz
- Varikosis
- Verletzungen, Operationen, Skleroserungen, Venenentzündungen
Risikogruppen:
- Immobile Kunden
- Ältere Kunden
- Adipöse, kachektische Kunden
- Fiebrige Kunden
- Kunden mit bereits abgelaufenen Thrombosen
- Kunden mit Stoffwechselerkrankungen
Evaluation erfolgt:
- Täglich
- Individuelle Besonderheiten:
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Standard II / 6
Prophylaxen
Dehydratation
Problem:
- Gefahr der Entstehung eines Defizits im Wasser und Elektrolythaushalt.
Dies hat die Austrocknung des Körpers zur Folge
- Neben Sturzverletzungen zählt die Exsikkose zu den häufigsten
Gründen für eine Krankenhauseinweisung
Ziel:
- Flüssigkeitsaufnahme steht im Gleichgewicht
mit Ausscheidung
- Kunden nimmt ausreichend Flüssigkeit zu sich
- Komplikationen vermeiden durch den rechtzeitigen
Einsatz prophylaktischer Maßnahmen
Vorbereitung / Material:
- Trinkhilfen, Strohhalm, Trinkhilfen mit Ventil
- Trinkhilfen mit Griffvorrichtung
- Individuelle Trinkgefäße (Lieblingstasse
etc.)
- Spezielle Trinkvorrichtungen (z. B. für querschnittsgelähmte
Kunden)
- Einmaispritze, Pipetten
Pflegerische Maßnahme:
- Kunden immer wieder zum Trinken auffordern
- Vorlieben, bei angebotenen Getränken berücksichtigen
- Getränke in Reichweite des Kunden stellen
- Trinken nach Möglichkeit in bequemer, sitzender
Position
- Pro Schicht Kontrolle der aufgenommenen / zugeführten
Flüssigkeit
- Schriftliche Ein- und Ausfuhr Kontrolle
Hinweis:
- Zu beachten sind Wasser und
Elektrolytverlust bei Erbrechen, Diarrhö, Fieber
- Verbrennungen Verbrühungen, Diuretikagabe,
Laxantiengabe / Abusus, Diabetes insipidus (Hypophysentumor)
- Lähmungen wie Hemiplegie oder FaziaIislähmung,
Schluckstörungen, Sehbehinderungen erfordern spezielle Unterstützung
vom Pflegepersonal
- Zu beachten sind Ödembildungen - bei mobilen
Kunden zuerst an den Füßen, da dort der Venendruck am
höchsten ist
- Schnabelbecher nur einsetzen, wenn diese Möglichkeit
von Kunden akzeptiert wird
- Auf Aspirationsgefahr bei Schluckstörungen
achten
- Bei Getränkereichung auf gleiche Sitzhöhe
von Kunden und Pflegeperson achten
- Inhalte der verschiedenen Flüssigkeitsbehälter
müssen exakt bekannt sein z. B
- Tasse: 150 ml, Kaffeetopf: 200 ml, Glas: 200 ml,
Schnabelbecher: 200 ml
- Suppentasse:180-200ml, Kännchen: 250 ml
- Invasive Interventionen als letzte Möglichkeit,
nach Beratung im Pflegeteam, mit dem Hausarzt, dem Kunden und Angehörigen
z.B. intravenöse Gabe (Infusion) oder das Legen einer PEG-Sonde
Nachsorge:
- Nach der Getränkereichung, evtl. Mundspülung
vornehmen
- Frisches Getränk in Reichweite bereitstellen
- Bequeme Lagerung des Kunden überprüfen,
Rufanlage in Reichweite anbringen
- Dokumentation der aufgenommenen Flüssigkeitsmenge
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Dehydrierung
verhindern und sichern damit Qualität
- Individuelle Einschätzung des Risikos und daraus
resultierende, geeignete Maßnahmen, nach Absprache mit Kunden.
Einsatz der Pflegediagnose zur Risikominimierung
Pflegediagnose II / 6
Dehydrierung
Definition:
- Defizit im Wasser und Elektrolythaushalt, mit
der Folge der Austrocknung des Körpers
Kennzeichen:
- Stehende Hautfalten, Pergamenthaut
- Trockene, belegte Zunge
- Allgemeines Unwohlsein
- Eintrübung des Bewusstseins
- Verwirrtheit
- Antriebsarmut, Konzentrationsschwäche
- Appetitlosigkeit
- Obstipation
- Allgemeine Abwehrschwäche
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
- Flüssigkeitsmenge
- Ernährungszustand
Zusatzerkrankungen wie:
- Erbrechen, Diarrhö
- Fiebrige Infekte
- Verbrennungen, Verbrühungen
- Diabetes insipitus (Hypophysentumor)
- Laxantienabusus
- Diuretikagabe
Einschränkung der Selbstständigkeit durch:
- Hemiplegie oder Fazialislähmung
- Bewusstseinstrübung
- Schluckstörungen
- Sehbehinderung
- Apraxie (Aufforderung kann nicht umgesetzt werden)
- Lebensgewohnheiten (vor allem Frauen trinken allgemein zu wenig)
- Ethische Einstellung
Risikogruppen:
- Immobile oder in ihrer Mobilität eingeschränkte
Kunden
- Ältere Kunden
- Kunden mit oben genannten Grunderkrankungen
- Fiebrige Kunden
Evaluation erfolgt:
- Nach Bedarf, spätestens nach 4 Wochen. Dokumentation auf
gesonderten Ein- und Ausfuhrplänen
- Individuelle Besonderheiten:
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Standard II / 7
Prophylaxen
Infektionen
Problem:
- Infektionen werden durch Bakterien, Viren oder Pilze
hervorgerufen
- Das Nichteinhalten von Hygienemaßnahmen kann lebensbedrohliche
Auswirkungen haben
- Bei älteren Kunden ist die Haut für Infektionen anfälliger
Ziel:
- Aseptisches Arbeiten ist Infektionsprophylaxe
- Infektionskrankheiten verhindern, Schutzvorkehrungen treffen.
Kontaminationen verhindern
- Einhaltung rechtlicher Vorschriften, Hygieneplanerstellung, Verwendung
von Einmalartikel und Schutzkleidung
- Die fachgerechte Desinfektion soll krankheitserregende Keime
abtöten und Infektionsketten durchbrechen
Vorbereitung / Material:
- Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion
- Instrumentendesinfektion
- Flächendesinfektion
- Hautdesinfektion
- Hygienepläne
- Material individuell abhängig von der jeweiligen Maßnahme
Pflegerische Maßnahme:
- Gezielte Schutzmaßnahmen sollen endogene und
exogene Infektionen verhindern
- Schutzmaßnahmen vor allem bei abwehrgeschwächten
und älteren Kunden
- Erster Übertragungsweg sind die Hände!
Händewaschen und Händedesinfizieren haben für das
Pflegepersonal sowie für den Kunden große Wichtigkeit
- Kunden müssen vom Pflegepersonal auf mögliche
Gefahren aufmerksam gemacht werden
- Die Berufskleidung / Schutzkleidung schützt
vor Kontamination
- Einmalschürzen müssen unmittelbar nach
Gebrauch entsorgt werden
- Zusätzliche Infektionsquellen gehen von langen
Fingernägeln, Nagellack und Fingerschmuck aus
- Einwirkzeiten müssen lt. Hygieneplänen
und Anwenderhinweisen unbedingt beachtet und eingehalten werden
Hinweis:
- Bei PEG-Verbänden
und / oder suprapubischen Kathetern ist die Verwendung von Set-Systemen
und die No-Touch-Technik zu bevorzugen
- Bei der Entleerung von Urinbeuteln Schutzhandschuhe
tragen
- Unterscheidung zwischen laufender und Schlussdesinfektion
- Unterweisungen des Personals über Dosierung,
Handhabung von Desinfektionsmitteln und Hygienemaßnahmen
müssen fortlaufend erfolgen
- Infektionsschutzgesetz und Infektionsprävention
müssen beachtet werden
- Vergiftungsgefahr! Desinfektionsmittel sicher aufbewahren
- Erst Versorgung aseptischer Wunden, vor septischen
Wunden
- Desinfektionsmittel nicht mit Reinigungsmitteln
vermischen, dies könnte ihre Wirksamkeit beeinflussen
Nachsorge:
- Je nach durchgeführter Tätigkeit
- Richtlinienbeachtung bei kontaminierten Materialien
- Hygiene- und Desinfektionspläne beachten und
einhalten
- Dokumentation
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Infektionen
vermeiden und minimieren und sichern damit Qualität. Die Festlegung,
Umsetzung, Einhaltung und kontinuierliche Kontrolle der Hygienemaßnahmen
ist Voraussetzung
- Individuelle Einschätzung des Risikos und daraus
resultierende, geeignete Maßnahmen
- Einsatz der Pflegediagnose zur Risikominimierung
Pflegediagnose II / 7
Infektionen
Definition:
Endogene Infektionen:
- Verschleppung körpereigener Keime von einer Körperregion
in die andere
Exogene Infektionen:
- Keimübertragung vom Pflegepersonal auf Kunden, entstanden
durch unsachgemäß oder mangelhaft durch geführte
Hygienemaßnahmen. Dies hat für examinierte Pflegekräfte
bei nachgewiesenen Pflegefehlern nicht nur zivilrechtliche, sondern
auch strafrechtliche Verfolgung zur Folge
Kennzeichen:
Infektionen
Risikofaktoren:
- Gewebezerstörungen, durch chirurgische Eingriffe,
Bissverletzungen, Verbrennungen etc., die das Eindringen von Erregern
erleichtern
- Hautschädigungen (Dekubitus)
- Stase (stehen) von Körperflüssigkeiten
oder Sekreten (Lungenödem, Nebenhöhleneiterung etc.)
- Immunsuppression (z.B. Chemotherapie, Steroidetherapie,
Stress)
- Mangelernährung
- Erhöhte Exposition
- Leukopenie (nach Bestrahlung, Chemotherapie)
- Kachexie
- Chronische Krankheiten, mit geschwächtem Allgemeinzustand
- Veränderung der normalen Körperflora durch
Antibiotika, Antimykotika, Virostatika
- Immunitätsdefekte
- Hautfalten (feuchte, dunkle, warme Kammern)
- Verminderte Bewegung der Flimmerhärchen (chronische
Bronchitiden)
- Veränderter pH-Wert im Sekret
- Unterdrückte Entzündungszeichen / -reaktionen
- Hyperglykämie
- Verminderter Hämoglobin- und Sauerstofftransport
- Ungenügende Hygienepläne, -maßnahmen
- Ungenügendes Risikomanagement
- Ungenügendes Wissen um die Ausbreitung pathogener
Erreger
Risikogruppen:
- Prinzipiell alle Kunden, die pflegerische Leistungen
erhalten
- Abwehrgeschwächte Kunden im Besonderen
- Kunden mit oben genannten Grund- und / oder Zusatzerkrankungen
Evaluation erfolgt:
Bei jeder Veränderung
Individuelle Besonderheiten:
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Standard II / 8
Prophylaxen
Sturzprophylaxe
Problem:
Komplexe Risikofaktoren!
Sturzgefahr wird beeinflusst durch endogene und exogene Faktoren
und Ursachen
Endogen:
- Osteoporose, Diabetes mellitus Typ I und II, Blutdruckabfall,
Durchblutungsstörungen, Dehydratation, 02-Mangel, Morbus Parkinson
(stoppender, kleinschrittiger Gang), Bandscheibenverschleiß,
alkoholische Neuropathien, Depressionen etc., Bettruhe über
mehrere Tage
Exogen:
- schlechte Lichtverhältnisse, nasse, spiegelnde
Böden, Bodenerhebungen oder -unebenheiten, rutschige Beläge
vor allem im Nasszellenbereich, hohe Betten, lange oder ein- und
beengende Bekleidung, Bettgitter, Fixierungsmaßnahmen, bestimmte
Medikamententherapien
Typische Verletzung nach Stürzen:
- Oberschenkelhalsfrakturen
- Kopfverletzungen
- Schlüsselbeinfrakturen
- Oberarm- und Schulterfrakturen
- Rippenbrüche
Nach Stürzen eingetretene Unsicherheit und Angst tragen förderlich
zu Immobilität und erneut auftretenden Stürzen bei
Ziel:
- Stürzen vorbeugen
- Wo nötig, Kunden erforderliche Hilfestellung und Hilfsmittel
geben, um Sicherheit bei der Bewegung zu erreichen. Durch Anleitung
und Einübung Risikominimierung
- Erhaltung und Wiedergewinnung der sicheren Mobilität
- Durch Erreichen der Selbstständigkeit und Bewegungsunabhängigkeit
Steigerung der Lebensqualität und somit Sicherheit
Vorbereitung / Material:
- Hilfsmittel, nach individuellem Bedarf
- Halte- und Sitzmöglichkeiten da schaffen, wo
sie vom Kunden benötigt werden
- Hilfsmittel, Pflegebetten etc. auf die erforderliche
Höhe einstellen
Pflegerische Maßnahme:
- Orientierungshilfen, Hilfsmittel etc. nach Bedarf bereitstellen
- Kunden müssen genauestens über die Gebrauchstechnik
und Anwendung der Hilfsmittel unterrichtet werden
- Bewegungsfreiheit möglichst uneingeschränkt gewährleisten
(Kleidung, Räumlichkeiten)
- Unter Anleitung und in regelmäßigen Abständen
durchgeführte Geh- und Bewegungsübungen
- Erstellung eines genauen Pflegeplans über den Verlauf der
geplanten Mobilisation, pro Schicht
- Mitarbeit von Krankengymnasten und Ergotherapeuten
Hinweis:
- Copingstrategien (Bewältigungsverhalten)
in die Pflegeplanung aufnehmen
- Genaue Ressourcenermittlung
Wichtig:
- ausreichende Beleuchtungs- und Lichtverhältnisse,
für Kunden leicht zugänglich machen
- Stolperfallen beseitigen und ausschließen
- Bei unsicherem Gehen für Halte- und Sitzmöglichkeiten
beim Gehen sorgen
- Sehvermögen kontrollieren und Sehhilfen veranlassen
- Intakte Hilfsmittel! (Defekte, nur teileinsetzbare Hilfsmittel
schaden mehr als sie nutzen. Hierzu gehört auch eine "verschmutzte
Brille")
- Schmerzzustände und Demenzerkrankungen können einen
sicheren Gang sehr stark beeinträchtigen
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Stürze vermeiden
oder minimieren und sichern damit Qualität
- Individuelle Einschätzung des Risikos und daraus resultierende,
geeignete Maßnahmen. Einsatz der Pflegediagnose zur Risikominimierung
Standard II / 9
Prophylaxen
Soor und Parotitis
Problem:
- Bakterienbildung in der Mundhöhle durch mangelnde
Kautätigkeit und ungenügende Speichelbildung
- Durch verminderte Abwehrkraft entsteht Mundsoor
- Grundsätzlich hohe Gefahr einer Parotitisentzündung
und Soorbildung besteht bei oraler Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz,
beim Liegen von Magen- oder PEG-Sonden und bei der Verabreichung
passierter Kost
Ziel:
- Erhaltung einer intakten Mundflora, auch bei oraler Karenz
- Erhaltung einer intakten Funktion von Mundschleimhaut,
Zahnfleisch, Zähnen / Ektoprothesen, Zunge und Lippen, auch
bei oraler Karenz
- Vermeidung von Sekundärinfektionen
Vorbereitung / Material:
Siehe Standard I / 3 / 4 Mundpflege
Pflegerische Maßnahme:
- Tägliche Inspektion der Mundhöhle: Normaler Befund:
- Lippen: geschmeidig, feucht, rosa intakt
- Zunge: geschmeidig, feucht, rosa, normal belegt, intakt
- Mukosa: geschmeidig, feucht; rosa, intakt
- Gingiva: straff, feucht; rosa, intakt
- Zähne: glänzend, fester Sitz, intakt
- Zahnprothese: vollständig sitzt fest
- Speichel: dünnflüssig, ausreichender Fluss
Pathologisch:
- Lippen: trocken, spröde, aufgesprungen, Rhagaden,
blass, blau, stark gerötet, geschwollen, Bläschenbildung
- Zunge: trocken, geschwollen, stark gerötet, Beläge:
leicht, dick, weißlich, gelb, braun, Aphthen, Borken, Furchen
- Mukosa: trocken, geschwollen, Beläge: dick, leicht; weißlich,
gelb, braun, Aphthen, Ulzerationen, stark gerötet
- Gingiva: trocken, geschwollen, blass, schmerzhaft, stark gerötet,
Blutung, Ulzerationen, Zahnfleischschwund
- Zähne: Karies, stumpf: locker sitzend spitze / scharfe Kanten
- Zahnprothese: locker, schief sitzend, Druckstellen, abgebrochene
Teile
- Speichel: zähflüssig, viskös, vermehrter oder reduzierter
Speichelfluss, kein Speichel vorhanden
- Bei intakter Mundschleimhaut kann die Mundhöhle, mit einer
vom Kunden tolerierten Flüssigkeit (z.B. Kamille, Fenchel)
ausgewischt werden
Speichelfluss anregende Maßnahmen:
- Lieblingsgericht beschreiben lassen
- Lieblingsbonbons lutschen lassen
- Nach Möglichkeit Kauen von: Brotrinde, Zwieback,
Keksen, Salzstangen, Trockenobst, Nüssen
- Tee mit Zitrone, mehrmals täglich Mundspülung
- Erhöhte Trinkmenge 2-3 lt., keine schleimenden
Nahrungsmittel, wie z.B. Milch
- Massage, durch kreisende Bewegungen auf der Wange,
in Höhe des Kiefergelenks
- Lippenpflege nach Bedarf
Hinweis: Regelmäßige Zahnarztkontrollen
mit Dokumentation
Bei Kunden nach Apoplex nach jeder Mahlzeit Backentaschen Inspektion
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Soor und Parotitis
vermeiden oder minimieren und sichern damit Qualität. Individuelle
Risikoeinschätzung und Dokumentation im Pflegeplan. Ein satz
der Pflegediagnose zur Risikominimierung
Pflegediagnose II / 9
Soor und Parotitis
Definition:
- Soor = Sammelbezeichnung für Infektionen durch Sprosspilze
der Gattung Candida
- Parotitis = eitrige Entzündung der Ohrspeicheldrüse,
Erreger: Streptococcus Gruppe A, Staphylo-coccus
Kennzeichen:
Parotitis:
- Schwellung und Rötung im Bereich der Ohrspeicheldrüse
- Eiterbildung, manchmal in Abszessform
- Eiterentleerung aus dem Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse
- Stark verminderte oder eingestellte Speichelbildung
- Schmerzen, evtl. Fieber
- Erschwertes Kauen, erschwertes Öffnen des Mundes bis zur
Kiefersperre
- Leicht abstehendes Ohrläppchen
- Die Glandula Parotis befindet sich vor der Ohrmuschel und dem äußeren
Gehörgang. Sie mündet in Höhe des zweiten oberen
Backenzahnes in den Mundvorhof. Die Drüsen produzieren bei
normaler Kautätigkeit bis zu 1500 ml Speichel pro Tag
Soor:
- weißliche, stippchen- bis flächenförmige
Beläge
- Ausbreitung auf Speise und Luftröhre möglich
- Schmerzen
- Candida-Mykosen können auch innere Organe befallen!
Risikofaktoren:
- Abwehrschwäche
- Diabetes mellitus
- Aids
- Antibiotika-, Kortikoid- und Zytostatikagabe
- Bestrahlungstherapien
- Orale Nahrungs- und / oder Flüssigkeitskarenz
- Ungenügende Zahnpflege, vor allem bei liegendem Magen oder
PEG-Sonden
- Passierte Kost (Kautätigkeit wird komplett eingestellt)
- Mangelnde Kautätigkeit
- Verwendung von reizendem Mundwasser
Risikogruppen:
- Ältere Menschen
- Kunden mit Apraxie
- Kunden mit oben genannten Grund- und / oder Zusatzerkrankungen
Evaluation erfolgt:
- Bei jeder Veränderung
- Individuelle Besonderheiten:
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Standard II / 10
Prophylaxen
Obstipation
Problem:
- Harte, unregelmäßige Stuhlentleerung (=Defäkation),
Stuhlverstopfung (=Obstipation)
Ursachen:
- Psychisch: Funktionell:
- Veränderung der gewohnten Umgebung Missbrauch von Laxantien
- Veränderung der Essgewohnheiten Dehydratation durch
mangelndes Durstgefühl
- Tagesrhythmusveränderungen Bewegungsmangel, Bettlägerigkeit
- Schamgefühl, keine genügende Intimsphäre Eingeschränktes
Kauen, z.B. durch schlecht
- Eingeschränkte Trinkmenge aufgrund der Angst sitzende Zahnprothesen
- des Kunden, zu oft zur Toilette zu müssen Reduzierung der
Verdauungssaftproduktion im
- Unterdrückung des Entleerungsreizes Magen
- Bei Morbus Parkinson, Demenz, Wachkoma, Diabetes, Depression
- Chronische Psychose
- Einnahme bestimmter Medikamente:
- Antihypertonika, Schlafmittel, Schmerzmittel
- Diuretika, Psychopharmaka
Ziel:
- Regelmäßiger, weicher Stuhlgang, keine
künstliche Provokation der Stuhlentleerung
- Schmerzfreier Stuhlgang. Abgang von Darmgasen
- Opstipationsgefährdung wird frühzeitig erkannt, Entstehungsursachen
sind beseitigt oder minimiert
Vorbereitung / Material:
- Toilette (b. Bed. temperiert)
- Toilettenstuhl, Toilettenschüssel
- Stethoskop
- Nach ärztlicher Anordnung rektale oder orale Laxantien
- Materialien für Einlauf nach ärztlicher Anordnung
Pflegerische Maßnahme:
- Täglich Bewegungsübungen durchführen
- Ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, großes Flüssigkeitsangebot,
vor dem Frühstück nüchtern 1 Glas Mineralwasser,
Sauerkrautsaft, Buttermilch oder Ähnliches anbieten
- Trockenobst, Leinsamen, Weizenkleie in Jogurt etc. anbieten
- Blähende Speisen meiden
- Ein / Ausfuhrkontrolle
- Intimsphäre wahren und ermöglichen
- Feucht-warme Wickel bei Schmerzen
- Laxantiengabe nur auf ärztliche Anordnung
- Ggf. warme Bäder
- Feste Zeiten für die Stuhlentleerung vorsehen
Hinweis :
- Grundsätzlich
Stuhlgang eher von "unten" (Klysma, Zäpfchen) fördern
als von "oben" (Tabletten)
- Obstipation begünstigt Harninkontinenzprobleme
- Jedes Medikament und jeder Einlauf müssen vom Arzt verordnet
werden
- Mangelnde / fehlende Darmmotorik bei Nervenschädigungen
und Querschnittslähmung
- Bei Rauchern kann eine Tasse Kaffee und / oder 1 Zigarette unterstützend
wirken
- Info: In Deutschland wurden 1994 260 Mio. DM für Laxantien
ausgegeben
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Obstipation vermeiden
oder minimieren und sichern damit Qualität
- Individuelle Einschätzung und Dokumentation im Pflegeplan
- Einsatz der Pflegediagnose zur Erkennung des Prophylaxeeinsatzes
Pflegediagnose II / 10
Obstipation
Definition:
- Ein regelmäßig auftretender, nicht
pathologisch bedingter Zustand, der mit harten, trockenen oder
fehlenden Stuhlausscheidungen einher geht
- Obstipation ist keine eigenständige Erkrankung, sondern
ein Symptom, welches bei verschiedensten Erkrankungen und Situationen
auftreten kann
Kennzeichen:
- Harte, trockene Stuhlentleerung, ausbleibende
Defäkation über Tage
- Schmerzhafte Defäkation
- Äußerung über Völlegefühl, abdominal
oder rektal
- Abdominelles Druckgefühl bis Druckschmerz
- Gebrauch von Laxantien
- Kopfschmerzen
- Abdominelle Krämpfe
- Palpierbare Masse
- Übelkeit
- Rückenschmerzen
- Mangelnde Bauchpresse
- Blähungen
- Störungen der Darmpassage:
- a) mechanisches Hindernis = mechanischer Ileus
- b) Darmlähmung = paralytischer Ileus
Ätiologische oder beeinflussbare Faktoren:
- Ballaststoffarme Kost
- Geringe Flüssigkeitsaufnahme
- Körperliche Bewegungseinschränkung, Immobilität
- Fehlende Regelmäßigkeit bezüglich des Defäkationszeitpunktes
- Regelmäßige Anwendung von Einläufen, Laxantien,
Abusus
- Bestimmte medikamentöse Therapien (Opiate, Antidepressiva,
Beruhigungsmittel, Antazida, Eisenpräparate, Atropin)
- Nervenschädigung (Querschnitt)
- Schleimhautschädigungen durch regelmäßige Einnahme
von pharmazeutischen, sowie natürlichen Abführmitteln
Abführtees und Laxantia können
bei regelmäßiger Einnahme zu Elektrolytverlusten.
Herzrhythmusstörungen und zur Exsikkose fuhren!
Risikogruppen:
- Ältere Menschen
- Kunden mit Mobilitätseinschränkungen
- Kunden mit oben genannten Grund- und / oder Zusatzerkrankungen
Evaluation erfolgt:
- Bei jeder Veränderung
- Individuelle Besonderheiten:
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Standard II / 11
Prophylaxen
Intertrigo
Problem:
Intertrigo
- Wundsein bzw. Wundreiben
- Es handelt sich um rote, juckende und nässende Hautdefekte
in Hautfalten. Gefährdung dort, wo Haut auf Haut liegt, z.B.
unter den Brüsten, in Bauchfalten, in der Leiste, an den Innenseiten
der Oberschenkel, in der Analfalte, in der Dammregion
- Es besteht die Gefahr der zusätzlichen Bakterien- und Soorinfektion
Ziel:
- Die Intertrigogefahr wird frühzeitig erkannt
- Risikofaktoren sind ausgeschaltet oder minimiert
- Kunde kennt die Entstehungsursachen und ist informiert und
motiviert aktiv an der Vermeidung mitzuwirken
- Mobilität erhalten und fördern
Vorbereitung / Material:
- Hautschonende Reinigungsmittel und Hautpflegemittel
- Leinen- oder Baumwollstreifen
- Gute Kunden Information über beeinflussende Faktoren
Pflegerische Maßnahme:
- Auswahl der richtigen Hautpflege und -reinigungsmittel Verträglichkeit überprüfen
- Hautatmung unterstützen:
Bekleidung:
- atmungsaktiv, z.B. Unterwäsche, BH und
Nachtbekleidung aus Baumwollgewebe bevorzugen
- Keine Bekleidung aus Synthetikgewebe
- Unterwäsche täglich wechseln, bei starkem Schwitzen öfter
- Bei Inkontinenz: Einlagen ohne Plastikfolie, häufiger
Wechsel der Einlagen, Toilettentraining intensivieren
- Hautfalten trocken halten - es darf nicht Haut auf Haut liegen!
- In Hautfalten, Bauchfalten saugfähige Baumwoll- oder Leinenstreifen
legen
ACHTUNG:
- Mulltupfer oder -kompressen,
-streifen sind für empfindliche Haut zu rau!
- Optimierung der Hautpflege durch
- kühle Abwaschung zur Reduzierung des Körperschweißes
und Anregung der Hautdurchblutung
- Seife oder andere Reinigungsprodukte nur bei grober Verunreinigung
benutzen, ggf. PH-neutrale, alkalifreie Seife benutzen
- nach Möglichkeit nur mit Wasser waschen
- sorgfältig abtrocknen - nicht reiben - tupfen - weiches
Handtuch benutzen
- Hautschutz durch Wasser in Öl Emulsionen zur Rückfettung
bei trockener Haut
- kein Deodorant oder Parfum benutzen
Beim Lagewechsel:
- Gefährdete Regionen der Luft aussetzen! In Seitenlage Kissen
zwischen Oberschenkel und Knie legen. In Rückenlage Beine
gespreizt lagern
Zur Prophylaxe:
- Mobilitätserhaltung in höchstmöglichem Maß
- Gute Hautatmung
- Aktualisierung der Kenntnisse bei Pflegepersonen und Kunden
Qualitätssicherung:
- Prophylaktische Maßnahmen können Intertrigo verhindern
und sichern damit Qualität
- Vergleich von Fort und Rückschritten mit dem Pflegeplan (Soll-,
Ist- Zustand)
- Einsatz der Pflegediagnosen zur Erkennung von Veränderungen
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