Phänomen Aggression
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung
2 Definition
3 Theorien und Modelle
3.1 Triebtheoretische Ansätze
3.1.1 Freuds Erklärungen für Aggression
3.1.2 Lorenz Instinkttheorie
3.2 Frustrations – Aggressions –Theorie
3.3 Lerntheoretische Ansätze
3.4 Soziobiologische Ansätze
4 Lösungsansätze
4.1 Vermeiden der Auslöser
4.2 Bewertung der Auslöser ändern
4.3 Die Hemmung der Aggression fördern
4.4 Aggressionsvermeidung durch Hilfe
4.5 Lernen alternativer Handlungsweisen
5 Schlussbemerkung
6 Literaturverzeichnis
1 Einleitung
Aggression ist in der heutigen Gesellschaft ein Thema, dem sich
Niemand mehr Entziehen kann. Wir begegnen aggressivem Verhalten
in den Nachrichten, der Familie, am Arbeitsplatz und in der Freizeit.
Insbesondere nach spektakulären Fällen der Gewalt (z.B.
an Schulen, auf Polizeirevieren oder in Pflegeheimen), wird es
zu einem wichtigen Thema der öffentlichen Diskussion sowie
der Politik. Den oft unangemessen vereinfachten Phänomenen
und Erklärungen aggressivem Verhaltens, vor allem in den Boulevardmedien,
folgen dann Reflexartig unausgereifte oder sinn-lose Vorschläge
zur Gewaltprävention.
Dabei sind sich alle Wissenschaftsdisziplinen die sich mit dem
Thema beschäftigen (z.B. Psycho-logie, Soziologie, Soziobiologie)
darüber Einig, das es keine eindeutige und monokausale Erklä-rung
für das Zustandekommen von Aggressionen und Gewalt gibt respektive
Gegenwärtig nicht gibt. Insofern kann auch (noch) kein einheitliches
und eindeutiges Konzept zur Gewaltpräventi-on existieren.
Es ist daher offensichtlich, dass die meisten Vorschläge zur
Gewaltprävention eher populistischer Natur und dem jeweiligen
Anlass geschuldet sind, als das sie einen ernsthaften Beitrag zur
Verminderung von Aggression und Gewalt darstellen.
In dieser Arbeit werden daher erst einige theoretische Konzepte
und Modelle aggressiven Verhal-tens erläutert und darauf Aufbauend
einige Strategien zu ihrer Eindämmung beschrieben. Man muss
sich hier aber immer wieder vor Augen führen, dass es sich,
trotz intensiver Forschung, immer noch um unvollständige Erklärungen
und Ansätze handelt. Ebenso sollte nie Vergessen werden, dass
ein bestimmtes Maß an Aggressivität dem Individuum das Überleben
sichert und somit ein unentbehrlicher Bestandteil jedes Lebewesens
ist.
Zuletzt sei Angemerkt, dass eine Arbeit die einen ersten Einblick
geben will nie Vollständig sein kann.
2 Definition
Den Ursprung des Wortes Aggression findet man im lateinischen „aggredior“,
was soviel Bedeu-tet wie sich nähern oder angreifen. Von dieser Übersetzung
aus ist man zu vielen und zum Teil sehr weitgefassten Definitionen
gelangt. Drei in Wissenschaft und Literatur verwendete sollen hier
Stellvertretend genannt sein:
» „Sie (die Aggression) umfasst jene Verhaltensweisen, mit
denen die direkte oder indirekte Schädigung eines Individuums,
meist eines Artgenossen, intendiert wird.“ (Merz 1965, S.
571)
» „Aggressives Verhalten ist Verhalten, das einen anderen
verletzt, also Beleidigung, Be-drohung, Tätlichkeit.“ (Thierisch
1974, S. 106)
» „Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus
oder ein Organismussurro-gat gerichtetes Austeilen schädigender
Reize“ (Selg 1974, S. 15)
Hier soll Aggression im Sinne der Definition von Selg verstanden
werden, da sie einige Vorteile besitzt. Insbesondere wird in ihr
zum einen Hervorgehoben, dass das Ziel einer Aggression auch ein
Ersatzobjekt sein kann. So hatte z.B. fast jeder schon mal Wut
auf seinen Vorgesetzten, hat diese aber mit einem Tritt gegen die
Tür abreagiert. Zum anderen Umfasst der Ausdruck „schä-digende
Reize“ jedes Verhalten mit dem eine Person bewusst oder unbewusst
Schädigen will. Also nicht nur Beleidigung, Drohung und Tätlichkeit,
sondern z.B. auch Schweigen oder die Verweigerung von Hilfe. Zusätzlich
schließt sie auch die Autoaggression mit ein, also Aggressio-nen
die auf die eigene Person gerichtet sind.
Der Nachteil einer solch weitgefassten Definition liegt auf der
Hand. Sie birgt die Gefahr in sich, das sie fast auf jedes Verhalten
zutrifft. In diesem Falle wäre sie aber aus naheliegenden
Gründen Wertlos.
3 Theorien und Modelle
3.1 Triebtheoretische Ansätze
3.1.1 Freuds Erklärungen für Aggression
Zuerst
sah Freud Aggression nicht als eigenständigen Trieb
an. Er ging davon aus, dass die Ag-gression als instrumentelle
Begleiterscheinung zur Libido auftritt. Dabei diente sie der Überwin-dung
von Hindernissen auf dem Weg zum Lustgewinn. Freud sah hier eine
Art „Bemächtigungs-trieb“ des Sexualtriebes der
im Falle des Sadismus an die „Hauptstelle“ gerückt
ist. Beim Maso-chismus meinte er, ziele diese Komponente durch
Fehlentwicklungen auf die eigene Person.
Später, in seiner dritten Triebtheorie, trennte sich Freud
von dem Gedanken das Aggression grundsätzlich mit der Libido
verbunden sei. Es wird Heute davon ausgegangen, das er sie noch
unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges mit seinen Grausamkeiten
entwickelte. In seinen bei-den Arbeiten „Jenseits des Lustprinzips“ (1920)
und „Das Ich und das ES“ (1923) beschreibt Freud noch
etwas unsicher die Struktur der Persönlichkeit. Letztendlich
besteht für Freud die Persönlichkeit aus ES, Ich und Über – Ich.
Wobei sich im ES zwei verschiedene Triebe befinden. Dies ist zum
einen die Libido (Eros), welcher auf Lebenserhaltung und Fortpflanzung
ausgerich-tet ist. Zum anderen Thanatos (Destrudo), der auf die
Umwandlung des Lebendigen auf die an-organische Ruhe zielt, also
auf Vernichtung. Diese beide Gegenspieler bestimmen in seinem Mo-dell
das Leben jedes Menschen. Je nach gerade vorhandener Energiemenge
sind Personen bereit, gegen Objekte ihrer Umwelt aggressiv Vorzugehen.
Aggression ist somit naturgegeben und ein unvermeidbarer Bestandteil
des Lebens, allerdings durch Erziehungsprozesse steuerbar.
3.1.2 Lorenz Instinkttheorie
Der Tierverhaltensforscher
Konrad Lorenz argumentiert ähnlich
wie die Psychoanalytiker, von denen er sich aber auch stets Abzusetzen
versuchte. Er nimmt wie Freud an, dass der Trieb oder Instinkt
angeboren ist. Anders als Freud betont er aber den von Auslösern
abhängigen und arter-haltenden Charakter der Aggression. Lorenz
versteht unter Aggression ...“zunächst einen auf Artgenossen
gerichteten Kampftrieb von Tier und Mensch“ .... Der Begriff
Aggression wird von ihm also ausschließlich für Auseinandersetzungen
innerhalb einer Art verwendet und ist damit wesentlich spezifischer
als die Definition von Freud. Seiner Meinung nach werden aggressive
Energien vom Organismus aufgebaut, stauen sich auf und suchen einen
Stimulus, der sie zum Ausbruch bringt. Wenn dieser Reiz ausbleibt,
kann aggressives Verhalten auch spontan auftreten. Den biologischen
Zweck dieser intraspezifischen Aggression sieh Lorenz in folgenden
Punkten:
» Gegenseitige Abstoßung der Artgenossen; hierdurch verteilen
sie sich in ihrem Lebens-raum, so das jeder sein notwendiges Auskommen
hat
» Auswahl der Besten einer Art um die Fortpflanzung und damit den
Fortbestand der Art zu sichern.
» Herausbildung eines Familienverteidigers
» Aggression dient innerhalb von Tiergruppen der Bildung einer
Hierarchie
In seiner Theorie versuchte Lorenz das am Tier beobachtete Verhalten
auf den Menschen zu übertragen. Aggressives Verhalten sieht
er als Relikt aus der grauen Vorzeit, das Erworben wurde um das Überleben
der Art zu sichern. Im Falle des Menschen sei dieses Verhalten
aber durch den Bau von Waffen hypertrophiert. Denn beim Menschen
wie auch beim Tier bestehe eine angebo-rene Hemmung zur Tötung
der eigenen Art. So wende z.B. ein unterlegenes Tier dem Gegner
eine besonders verwundbare Körperstelle zu, dieser beißt
den Unterlegenen aber aufgrund der angeborenen Tötungshemmung
nicht. Beim Menschen könne diese Tötungshemmung nicht
mehr wirken, weil Waffen über große Entfernung eingesetzt
werden können.
Lorenz Vorschläge zur Aggressionshemmung folgen der Logik
seiner Theorie. Eine Maßnahme sei die Umlenkung der Aggression
auf Ersatzobjekte, wie z.B. sportliche Wettkämpfe. Er vertritt
somit auch die sogenannte Katharsis - Hypothese. Unter Katharsis
versteht man in der Aggres-sionsforschung die verminderte Wahrscheinlichkeit
für das Auftreten von Aggressionen nach einer aggressiven
Handlung. Dabei ist es erst mal ohne Bedeutung, ob es sich bei
dieser Entla-dung um „echte“ Aggression, z.B. einen
Wutausbruch, oder um „unechte“ Aggression, z.B. Sport,
handelt. Obwohl die Katharsis – Hypothese plausibel und nachvollziehbar
Klingt, ist sie sehr Umstritten und noch nicht Erwiesen. Insbesondere
Lerntheoretiker meinen, dass durch das sozial gebilligte Ausleben
der Aggression möglicherweise eine Einübung dieses Verhaltens
er-folgt.
3.2 Frustrations – Aggressions – Hypothese
1939
veröffentlichten einer Forschergruppe (J. Dollard, Neal
E. Miller, u.a.) der Yale – University eine Theorie unter
dem Titel „Frustration and aggression“, die vereinfacht
oft als Fustrations – Aggressions – Hypothese bezeichnet
wurde. Da kaum eine weitere Theorie einen so großen Ein-fluss
auf die experimentelle Aggressionsforschung ausgeübt hat (
u.a. weil sie gegenüber anderen Theorien experimentell Überprüfbar
war) soll sie hier etwas ausführlicher Dargestellt werden.
Frustration wird von den Autoren in einer sehr engen und präzisen
Definition als Störung einer zielgerichteten Aktivität
definiert. Der Begriff wird jedoch auch für allgemeine aversive
Bedin-gungen verwendet, wie z.B. von Schmerz und Stresssituationen.
So soll er auch im folgenden Verstanden werden.
Die Kernaussagen dieser Theorie sind:
» Frustration führt stets zu einer Form von Aggression.
» Aggression ist stets die Folge von vorangegangenen Frustrationen.
Die Thesen der Forschergruppe wurden allerdings durch Experimente
in Frage gestellt. Schon 1931 führte Tamara Dembo in Berlin
eine Untersuchung durch, die sie unter dem Titel „Der Ärger
als dynamisches Problem“ veröffentlichte. Hierbei musste
sich eine Versuchsperson in ein 2,5m Quadrat stellen und sollte
von da aus, ohne das Quadrat zu verlassen, eine Blume greifen,
die sich außerhalb des Quadrates befand. Für die Erfüllung
der Aufgabe gab es nur 2 Lösungen. Den Versuchpersonen wurde
aber mitgeteilt, es existiere noch eine dritte Lösung. Sie
wurden also vor ein unlösbares Problem gestellt, um ihre Reaktion
auf das zu erwartende Frustrationser-lebnis zu Beobachten. Im Ergebnis
zeigte sich, dass nicht alle Versuchsteilnehmer auf eine Bar-riere
mit aggressivem Verhalten reagierten, sondern teilweise instruktionswidrige
Ersatzlösungen, Rückzugstendenzen und Ärgerausbrüche
zu beobachten waren.
Aufgrund von Untersuchungsergebnissen (z.B. dem von Dembo) und
massiver Kritik musste die Forschergruppe um Dollard und Miller
ihre These abändern. Nun rufen Frustrationen eine Reihe verschiedener
Reaktionen hervor, eine davon ist die Tendenz zu irgendeiner Form
von Aggressi-on (Miller u.a. 1941).
Es stellte sich aber jetzt die Frage, wann Frustrationen zu aggressivem
Verhalten führt und wann nicht. Hier dürfte die Verarbeitung
der Frustration eine wesentliche Rolle spielen. Leonard Ber-kowitz
(1962 ) modifizierte die Frustrations – Aggressions – Hypothese,
indem er Ärger in sie integrierte. Nun folgte auf eine Frustration Ärger
und darauf Aggression. Dies Bedeutet jedoch nicht das jede Frustration
zu Ärger und jeder Ärger zu aggressivem Verhalten führt.
Doch nur dann wenn auf eine Frustration Ärger folgt ist mit
Aggression zu rechnen.
Als Ärger bezeichnet man zuerst einmal einen Prozess, in
welchem das Individuum ein Ereignis einer Interpretation und Bewertung
unterzieht. Die Entstehung der Emotion beruht somit auf der Art
und Weise, wie ein Individuum ein bestimmtes Ereignis auffasst
und inwieweit es dieses auf sich selbst bezieht. Ärger ist
also ein Erleben von Leid oder Ungemach in Verbindung mit Schuldzuschreibung.
Entscheidend um Ärger entstehen zu lassen ist also der Schuldvorwurf
an eine andere Person. Die Ausprägung der Emotion Ärger
steigt an, je „Schuldiger“ eine Person an dem normwidrigen
Verhalten ist. Hierbei lassen sich drei Steigerungsformen unterscheiden,
wel-che auch als „Intentionsmodi“ nach Mees bezeichnet
werden:
» Gedankenlosigkeit, Fahrlässigkeit: Die Leid- /Schadenszufügung
wäre bei genügender Willensanstrengung zu vermeiden gewesen.
» Rücksichtslosigkeit: Leid- / Schadenszufügung ist zwar
nicht unmittelbar gewollt, wird aber sehenden Auges in Kauf genommen.
» Böswilligkeit: Leid- / Schadenszufügung ist gewollt.
Der Ärger steigt mit der Reihenfolge der drei „Intensionsmodi“ an.
Sieht eine Person also eine Entschuldigung für das normwidrige
Verhalten, z.B. geistige Behinderung, so dämpft das auch den
Anstieg des Ärgers und mindert folglich die Wahrscheinlichkeit
des Auftretens von Aggres-sion. Wie bereits festgestellt wurde
ist Ärger eine wichtige, aber keine hinreichende, Bedingung
für aggressives Verhalten. Der Zusammenhang zwischen Ärger
und Aggression ist nicht so eng wie allgemein Vermutet wird. Eine
verärgerte Person zeigt also verschiedene Verhaltensweisen.
Dies soll an zwei Beispielen verdeutlicht werden:
» Krankenschwester X ist über das Verhalten ihrer Kollegin
verärgert. Daraufhin verhält sie sich still und zieht
sich zurück. Ihren Ärger wird sie bei einer Freundin
los.
» Altenpfleger Y reagiert zu Hause , wenn er sich über seine
Freundin aufregt, oft mit lauten Beschimpfungen. Bei Ärger über
seine Chefin jedoch unterdrückt er seinen Ärger, bringt
diesen nicht zum Ausdruck und bemüht sich sie durch seine
Arbeitsleistung gnädig zu stimmen.
Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass Menschen unterschiedlich
disponiert sind, d.h. sie besitzen individuelle Neigungen, Empfänglichkeiten,
und Auffälligkeiten, welche die verschiede-nen Verhaltensweisen
begründen. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass ein und
dieselbe Per-son sich je nach der Situation verschieden Verhalten
kann. Somit kann hier festgestellt werden, dass es von personalen
Dispositionen und von der Situation abhängt, ob Menschen ihren Ärger
in aggressives Verhalten umsetzen.
Zu den personalen Faktoren für den Umgang mit Ärger
zählen das Verhaltensrepertoire und die Ausprägung von
Hemmungen. Unter Verhaltensrepertoire versteht man die Verhaltensweisen
zu denen Menschen fähig sind und die, welche sich zur Gewohnheit
ausgeprägt haben. Dabei zählen Flucht und Angriff zu
den relativ primitiven Verhaltensweisen. Die konstruktiven Alternativen,
wie z.B. sprachliches Argumentieren oder Konfliktregelung, sind
dagegen anspruchsvoller und werden folglich nicht von jedem Individuum
beherrscht. Auf der anderen Seite der personalen Dispositionen
kann aggressives Verhalten durch Hemmungen verhindert werden: gegenüber
Vorgesetzten hat man z.B. Hemmungen aus Angst vor Bestrafung oder
gegenüber Schwächeren entwickelt sich oft Mitleid und
das Bedürfnis diese Personen zu schützen, das letztgenannte
Ver-halten bezeichnet man als moralische Hemmung.
Bei den situationsbezogenen Faktoren geht es primär um Modelle
- Signalreize. Damit Emotio-nen sich in aggressives Verhalten umsetzen
können, muss die Situation „ geeignet“ sein. Wenn
ein Altenpflegeschüler eine Altenpflegerin sieht, wie diese
einen Bewohner anschreit, erhöht dies bei ihm die Wahrscheinlichkeit
auf andere Bewohner ebenfalls aggressiv zu reagieren. In so ei-nem
Falle spricht man von einem Modell, das aggressives Verhalten sozusagen
erleichtert. Dann gibt es noch aggressionsbahnende Situationsmerkmale:
aggressive Hinweisreize. Das sind Situati-onsmerkmale, die mit
Aggression oder mit der Frustrationsquelle assoziiert sind und
signalisieren, dass aggressives Verhalten „ passt“,
z.B. aggressives Spielzeug. Bestimmten Reizen werden zwar bestimmte
Effekte zugeschrieben, manche Reize sind jedoch schwach oder werden
unterschied-lich interpretiert. Die wichtigsten Signale bzw. Reize
kommen von der Zielperson, gegen die sich das aggressive Verhalten
richtet. Das ist die Frustrationsquelle, d.h.: der Provokateur
bzw. der Schuldige. Eine „ geeignete“ Situation wäre
also die Anwesenheit des Provokateurs. Die Situation kann aber
auch positive Anreize für aggressives Verhalten enthalten,
d.h.: man erwartet nicht Strafe, sondern Erfolge. Ein Beispiel
wäre eine Krankenschwester die einen Patienten grob Be-handelt,
da sie davon ausgeht, dass dieser sich dann nicht mehr meldet.
An dieser Stelle kann also festgehalten werden: Selbst wenn Frustration
Emotionen wie Ärger hervorruft, wird diese nicht stets in
aggressives Verhalten umgesetzt; hierfür müssen bestimmte
personale und situative Bedingungen vorliegen. Jede Person bringt
aggressive Verhaltensweisen und geringe Hemmungen mit. Falls eine
Situation aggressive Modelle, Signalreize und Anreize bietet, kann
sie keine Anreger für Hemmungen bieten.
1963 stellten Bandura & Walters die Frustrations- Antriebs-
Hypothese auf. Diese besagt, dass Frustration zur Aktivierung des
Organismus sowie zur Erhöhung von Erregung und Antrieb („ drive“)
führt. Demnach kann sich Frustration in verschiedene Verhaltensweisen
umsetzen. Emo-tionen haben neben einer Gefühlsseite zugleich
eine Antriebsseite. Dennoch ist es möglich, dass Frustration
mit Resignation, also mit einem Antriebsverlust, beantwortet wird
und kein aggressi-ves Verhalten auslöst.
Nach der vorangegangen Darstellung der Frustrations-Theorie stellt
sich nun die Frage: Ist die These der Yale-Gruppe, dass Aggression
immer die Folge einer Frustration ist, folgerichtig? Und haben
Frustrationen wirklich auch immer ein aggressives Verhalten zur
Folge?
Die These, dass Aggression immer die Folge einer Frustration ist,
ist schwierig zu beantworten, da es viele aggressive Handlungen
gibt, bei denen keine Frustrationen sichtbar wird. Das Gegen-argument
der Frustrationstheoretiker ist hier, dass entweder jede Situation
etwas Frustrierendes enthalten kann, auch wenn es für Außenstehende
nicht sichtbar ist, oder im Vorfeld eine Frustra-tion erlebt wurde,
die resultierende Aggression jedoch erst später zum Ausbruch
kommt.
Zwar kann man in jeder Situation eine Frustration finden, und vor
allem immer eine vorausge-gangene Frustration entdecken, doch ist
nicht immer überprüfbar, ob ein Zusammenhang mit der
gerade aufgetretenen Aggression besteht. Somit wird dieses Faktum
für die Wissenschaft und die Praxis unbrauchbar.
Die zweite These ist dagegen einfach zu widerlegen. Der Grundgedanke
der Frustrations-Theorie ist, dass die Tendenz zu aggressivem Verhalten
von Menschen die Folge der Summe von „Un-terdrückungen,
Entbehrungen, Misserfolgen im Kinder – und Jugendalter oder
aus sozialen und wirtschaftlichen Notlagen“ ist. Die Yale-Gruppe
führt als Beispiele u.a. Zwänge und Verbote im Erziehungsprozess
(Sauberkeitserziehung, Stillsitzen in der Schule, sexuelle Tabus)
und aus politi-schen und wirtschaftlichen Systemen, wie Faschismus,
Kommunismus, Demokratie resultierende Frustrationen an. Unabhängig
davon, das die Begriffe Frustration und Aggression heute zum Teil
anders Definiert werden, sind Kritiker gegenwärtig skeptisch
ob aggressive Reaktionen auf Hin-dernisfrustrationen, wie Armut
und mangelnde mütterliche Liebe, bei denen ein Versuch der
Bedürfnisbefriedigung stattfindet, ohne weiteres auf das Langzeitmodell übertragbar
sind, dass sich also für einen langen Zeitraum, evt. sogar
für den Rest des Lebens, aggressive Charakterzüge entwickeln.
Außerdem können negative Faktoren durch korrektes Verhalten
teilweise ausgegli-chen werden, wenn z.B. die Mutter einerseits
emotionale Kälte zeigt, andererseits aber dem Kind gegenüber
ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag legt und klare Regeln
und Grenzen setzt. Auch eine wertschätzende Haltung des Vaters
der Mutter gegenüber kann als ausgleichender Fak-tor fungieren.
Insgesamt kommt es also auf die Gesamtkonstellation an. Positiv
wirken sich auch sog. „Schutzfaktoren“ auf eine gesunde
psychische Entwicklung aus, wie beispielsweise eine ver-trauensvolle
Beziehung zu einem Freund, Erzieher oder Verwandtem. Auch sollte
man den wich-tigen Aspekt betrachten, dass Frustrationen nicht
immer Ursache der Aggressivität, sondern auch manchmal Folgen
davon sein können, wenn nämlich durch Aggressionen aversive
Erfahrungen gemacht werden. Dies können Bestrafungen sein,
aber auch die Zurückweisung und Ablehnung durch andere Kinder
und Erzieher. z.B. lässt sich bei aggressiven Kindern häufig
ein Mangel an Selbstkontrolle und ein sehr impulsives Verhalten
feststellen. Die Folge davon sind meist Versa-gen in der Schule
und der Ausbildung. Ein weiterer Aspekt ist die sozioökonomische
Lebenslage. Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnverhältnisse und
geringes Einkommen bilden ein hohes Kon-fliktpotential und die
eventuelle Basis für spezielle Aggressionsformen, wie z.B.
Raubdelikte (= Armutskriminalität). Dies muss aber nicht zwangsweise
der Fall sein. Alternativverhalten wären das stille Ertragen
der Situation, Haushalten mit dem Minimum, äußerliches
Verbergen der Ar-mut oder ein sichtbarer Rückzug aus der Gesellschaft,
wie bei Nichtsesshaften. Ähnlich ist es bei kollektiver Aggression;
viele Völker ertragen Hunger und Elend, ohne sich gewaltsam
aufzuleh-nen. Dabei hängt es davon ab, wem die Schuld gegeben
wird, ob Gewalt eingesetzt wird oder nicht. Somit kann man feststellen,
dass die These äußerst fragwürdig, und leicht zu
widerlegen ist.
3.3 Lerntheoretische Ansätze
Lerntheoretische Ansätze zur Erklärung der Entstehung
von Aggression richten ihre
Aufmerksamkeit auf die Umweltbedingungen, die zur Aufrechterhaltung
und
Verstärkung von aggressivem Verhalten führen können.
Im Gegensatz zu einem
angeborenen Aggressionstrieb, der von psychoanalytischer oder ethologischer
Seite (z.B. Freud & Lorenz) als Ursache von Aggression formuliert
wird, betrachten Lerntheoretiker aggressives Ver-halten wie jedes
andere Verhalten als erlernt und damit auch als veränderbar.
Es
bestehen verschiedene lerntheoretische Prinzipien, die das Erlernen
und Aufrechterhalten
aggressiven Verhaltens erklären.
Klassisches Konditionieren
Beim klassischen Konditionieren tritt ein neutraler Reiz zusammen
mit einem erregenden Reiz auf. Die Wirkung des erregenden Reizes
kann in Folge durch den neutralen Reiz allein ausgelöst
werden. Das wohl bekannteste Experiment zur klassischen Konditionierung
stammt von I. Pav-low, welches nach folgendem Schema ablief:
» Ein Hund bekam Futter in das Maul – Ergebnis war, dass
als Reaktion ein Speichelfluss in Gang gesetzt wurde.
» Parallel zur Futtergabe wurde ein Glockenzeichen gegeben. Das
Ergebnis war natürlich wieder Speichelfluss beim Hund.
» Jetzt wurde, nachdem der 2. Versuch mehrmals durchgeführt
worden war, nur das Glo-ckenzeichen gegeben. Der Hund hatte wiederum
Speichefluss, obwohl er früher bei dem Ton keine Speichelflussreaktion
gezeigt hatte.
In den Pflegeberufen besitzt dieses Modell durchaus praktische
Bedeutung. Denn manche Pfle-gekraft reagiert auf den Ton der Rufanlage,
bei dem es sich im Prinzip um einen neutralen Reiz handelt, mit
Aggression. Es ist wohl mehr als eine Vermutung, dass die oft sinnlose
Betätigung der Rufanlage durch den Patienten (Bewohner) die
Pflegekräfte „klassisch Konditioniert“ hat und
sie in der Folge häufig mit Aggression auf diesen Reiz reagieren,
obwohl ihnen das Anliegen des Patienten (Bewohner) noch nicht Bekannt
ist.
Operantes Konditionieren
Beim operanten Konditionieren wird der Lerneffekt oder besser die
Verhaltensverstärkung da-durch erreicht , dass ein zufällig
auftretendes Verhalten belohnt und dadurch in seiner Auftre-tenshäufigkeit
gesteigert wird.
Auch hier ist ein Bezug zur Pflege herstellbar. Behandelt man
einen Bewohner (Patienten) Un-freundlich und zeigt diesem gegenüber
Abneigung, wird er in der Zukunft weniger von der betreffenden
Pflegekraft verlangen. Das negative Verhalten wird somit Belohnt.
Lernen am Modell (Imitationslernen)
Nach Bandura (1973) kann aggressives Verhalten durch Beobachtung
eines Modells
gelernt werden. In einer bekannten Untersuchung zum Modelllernen
konnte
nachgewiesen werden, dass Kinder weniger aggressives Verhalten
zeigen, wenn sie
in einem Film ein Modell gesehen hatten, dass für sein aggressives
Verhalten bestraft
wurde (Bandura, Ross & Ross, 1963). Für diesen Prozess
des Modelllernens sind
einige kognitive Prozesse erforderlich (Bandura, 1973). Zum einen
ist es notwendig,
dass der Beobachter aufmerksam ist. Die Aufmerksamkeit ist hoch,
wenn sich das
Modell ansprechend verhält oder aber einen hohen Status hat.
Darüber hinaus muss
das Modell im Gedächtnis behalten werden. Um das Verhalten
motorisch
reproduzieren zu können, müssen die motorischen Fertigkeiten
zur Ausübung des
Verhaltens (zumindest teilweise) vorhanden sein. Neben den kognitiven
Prozessen ist
der motivationale Prozess entscheidend, der zur eigenen Ausführung
oder
Unterlassung des Verhaltens führt. Die Handlungsmotivation
wird vom funktionalen
Wert des Verhaltens, also dem positiven Anreiz der Handlung, beeinflusst.
Die praktische Relevanz dieses Modells ist Offensichtlich. Zeigt
z. B. eine Pflegekraft in der Ge-genwart einer Schülerin gegenüber
einem Bewohner (Patienten) aggressives Verhalten und wird dieses
Belohnt, z.B. dadurch das der Bewohner (Patient) sich in Zukunft
dem Willen der Pflege-kraft unterordnet und damit einfacher zu „Handhaben“ ist,
wird sich die Schülerin dieses Verhal-ten auch Aneignen.
3.4 Soziobiologische Ansätze
Soziobiologische Ansätze zur Erklärung der Genese aggressiven
Verhaltens erfreuen sich zu-nehmender Beliebtheit. Dies reflektiert
sich darin, dass neben soziobiologischen Erklärungen in jüngster
Zeit vermehrt evolutionspsychologische Erklärungen menschlichen
Verhaltens Auf-merksamkeit finden. Hinter diesen Ansätzen
steht wie bei den frühen psychoanalytischen Erklä-rungsansätzen
die Idee eines angeborenen Aggressionstriebs (bzw. Gens), die interessanterweise
in der psychoanalytischen Tradition aufgegeben wurde.
4 Lösungsansätze
4.1 Vermeiden der Auslöser
Die erste Schlussfolgerung aus der Frustrations – Aggressions – Hypothese
war der Vorschlag, dass man Frustrationen (besser: aversive Ereignisse)
vermeiden oder zumindest reduzieren soll. Auch wenn diese Hypothese
nach ihrer Veröffentlichung relativiert wurde, ist dieser
Lösungsan-satz mit Sicherheit noch Gültig.
So wäre es in der Pflege z.B. sicher möglich, eine Pflegkraft
und einen Patienten (Bewohner) die ständig miteinander Streiten
durch geeignete Maßnahmen zu trennen. Auch sollte man bei
einem einzelnen Schüler, der auf hilfesuchende Patienten (Bewohner)
oft mit aggressivem Verhalten reagiert eventuell darüber Nachdenken
ob dieser Beruf für ihn geeignet ist.
4.2 Bewertung
der Auslöser ändern
Das Verhalten einer Person hängt grundsätzlich nicht
von der objektiven Situation ab, sondern wie die Situation subjektiv
Bewertet wird (s. oben). Die Bemerkung eines Bewohners (Patienten) „Das
Bett ist seit Tagen nicht Frisch bezogen worden“ wird die
Pflegekraft nur dann als Angriff auffassen, wenn sie den Satz auf
die eigene Person bezieht. Interpretiert es sie aber als Zeichen
des schlechten Zustandes des Patienten (Bewohners) wird sie Gelassen
darauf reagieren können.
Kognitive Prozesse schwächen also die Auslöser für
aggressives Verhalten. Der Grundgedanke dieser Theorie liegt in
der Neuinterpretationen und Neubewertungen. Generell geht es nicht
um Bagatellisieren, Abschwächen oder Verharmlosen durch andere,
sondern darum, dass der Verär-gerte von allein zu einer Nebenbewertung
der Situation gelangt. Einige Therapien basieren auf der Grundidee,
dass Gefühle durch ständige und gewohnheitsmäßige
irrationale Überzeugungen entstehen, die dann eine überschießende,
nicht situationsadäquate Aktion zur Folge haben. Ein inneres
Selbstgespräch könnte dabei helfen diese gewohnheitsmäßigen
und irrationalen Ansich-ten abzubauen. Aber allein die gezielte
Selbstbeobachtung und -beeinflussung kann beachtliche Erfolge bringen,
da sie zu einem gelassenen Umgang mit Ärgersituationen führt.
4.3 Die Hemmung der Aggression fördern
In der Praxis ist der
Aufbau von Hemmungen ein notwendiger und sinnvoller Beitrag zur
Ag-gressionsbewältigung. Aggressionshemmung
meint, die Situationen in denen eine Aggressions-tendenz vorliegt,
die Handlung jedoch nicht ausgeführt wird. Ob Hemmungen überhaupt
auftre-ten, hängt einerseits von der Situation ab, andererseits
auch von den jeweiligen personalen Merkmalen. Hemmungen aus Angst
vor Bestrafung sind wohl am häufigsten anzutreffen.
Beispiel: Krankenpfleger x wird gegen den an Demenz erkrankten
Patienten Y eher aggressives Verhalten zeigen, als gegen den orientierten
Patienten Z. Das Risiko der „Bestrafung“ ist bei Y
eben wesentlich Geringer.
Diese Form der Aggressionsvermeidung ist im allgemeinen nicht zu
Empfehlen. Sie sollte aus-schließlich zur akuten Gewaltprävention
eingesetzt werden. Wenn Personen ihre Aggressionen nur aus Angst
vor Bestrafung unterdrücken stauen sich Frustration und Ärger
auf, was vielfältige Folgen nach sich ziehen kann (s.o.) Leider
wird die Hemmung durch Angst vor Bestrafung auch Heute noch von
vielen Führungskräften als Mittel der Wahl auf lange
Sicht angewendet.
4.4 Aggressionsvermeidung durch Hilfe
Die neueren
soziologischen und erziehungswissenschaftliche Ansätze
bieten ebenfalls Ansätze zur Aggressionsvermeidung. Ein kaum
zu realisierender, aber wichtiger Vorschlag soll hier kurz Vorgestellt
werden.
Die Ursache von Frustration, Ärger und der eventuell darauf
folgenden Aggression kann, muss aber nicht zwangläufig im
direkten Arbeitsumfeld zu finden sein. Die Individualisierungstheorie
geht u.a. davon aus, dass in solchen Fällen das Beraten und
helfen bei Problemen zur Aggressi-onsverminderung beitragen kann.
Beispiel: Die 18 – jährige Krankenpflegeschülerin
J stammt aus einem zerrütteten Elternhaus und besitzt auch
sonst keinen sozialen Rückhalt. Sie musste zu Beginn der Ausbildung
ihren Wohnort wechseln, hat aber bisher keine vernünftige
Unterkunft gefunden. Zusätzlich ist sie Verschuldet. J reagiert
auf Patienten (Bewohner) oft Aggressiv und macht viele Fehler.
Hinzu kommt, dass sie den im Unterricht behandelten Soff nur unzureichend
beherrscht.
Der Vorschlag in solchen und ähnlichen Fällen Hilfe anzubieten
und gegebenenfalls auch zu Leisten, wird bei einigen Lesern vermutlich
auf eine gewisse Reserviertheit stoßen. Dem ist sicher Zustimmen.
Zumal eine berufliche Grundausbildung der Vermittlung fachlichen
Wissens und nicht der Vermittlung sogenannter Kernkompetenzen und
schon gar nicht der Lebenshilfe dient. Allerdings bleibt zu Beachten,
dass Aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen
in Zukunft die Anzahl der „Problemfälle“ in der
Ausbildung, aber auch im Kollegenkreis zunehmen wird. Es dürfte
daher schwierig sein gegen Aggression und Gewalt vorzugehen, ohne
dem „Ge-walttäter“ eine adäquate Lösung
aufzuzeigen sich den ständigen Frustrationserlebnissen zu
ent-ziehen.
4.5 Lernen alternativer Handlungsweisen
Lerntheoretiker betrachten aggressives Verhalten wie jedes andere
Verhalten als erlernt und damit auch als veränderbar. Die
verschiedenen lerntheoretische Prinzipien, die das Erlernen und
Auf-rechterhalten aggressiven Verhaltens erklären wurden bereits
Erläutert (s.o.). Von den vielfältigen Möglichkeiten
zur Aggressionsverneidung die sich hieraus Ergeben sollen zwei
kurz Vorgestellt werden.
Klassische Verhaltensmodifikation
Die klassische Verhaltensmodifikation beruht im Falle der Aggressionsminderung
primär auf dem Lernen am Erfolg.
Vorgehen:
» Positives Verhalten Belohnen
» Negatives Verhalten Ignorieren respektive leicht Bestrafen
» Vormachen des erwünschten Verhaltens
Diese Methode der Verhaltensmodifikation ist auch im Bereich der
Pflege einsetzbar. Insbeson-dere im Bereich der Praxisanleitung
kann diese Methode effektiv und sinnvoll angewendet wer-den. Möglich
wäre hier unter anderem die „Belohnung“ und „Bestrafung“ über
die abschließende Beurteilung des Schülers. Entscheidend
ist allerdings, dass die Bewertung für den Schüler nach-vollziehbar
und verständlich ist. Auch sollte die Beurteilung des Verhaltens
keinen Einfluss auf die fachliche Bewertung besitzen. Werden diese
Punkte, wie heute allgemein Üblich, vermischt, wird ein „aggressiver
Schüler“ erneut Frustriert und seine ohnehin schon vorhandene
Aggressivi-tät wird verstärkt.
Aufzeigen adäquater Strategien
Aggression ist eine mögliche Form des Konfliktverhaltens.
Da es sich um eine relativ primitive Art der Konfliktlösung
handelt, ist sie auch allen Menschen zugänglich. Viele Personen
die häufig zu Aggression neigen, besitzen keine anderen (komplexeren)
Handlungsalternativen in Konflikt-situationen. Ihnen bleibt also
nur „Angriff“ oder „Flucht“. Folglich ist
das bewusste aufzeigen und einüben von Handlungsalternativen
ein unentbehrlicher Schritt zur Aggressionsminderung. Die Forschung
bietet hier vielfältige Methoden zum Konfliktmanagement und
zur Konflikt-handhabung. Dabei ist zu Bedenken, dass Konflikte
nicht grundsätzlich Schlecht und zu Vermei-den sind. Sie werden
immer dort auftreten, wo Menschen zusammenleben und gemeinsam Ziele
erreichen wollen bzw. müssen. Konflikte bieten also auch Chancen!
Beispielsweise zur konstruk-tiven Weiterentwicklung einer Beziehung
oder beim gemeinsamen Finden einer optimalen Lö-sung.
5 Schlussbemerkung
Aggression und Gewalt sind
in der professionellen Pflege schon seit einiger Zeit kein Tabuthema
mehr. Das Erkennen des Problems
ist sicher ein wichtiger Schritt zur Prävention. Eine Erkennt-nis
ist aber nur dann von Nutzen, wenn ihr sinnvolle Taten folgen.
Die Möglichkeiten zur Ag-gressionsvermeidung sind Vielfältig.
Einige davon könnten ohne größere Probleme und
vor allem ohne zusätzliche Kosten praktisch Umgesetzt werden.
Mit Gewinn für alle Seiten.
Leider muss aber bei genauerem Betrachten festgestellt werden,
dass der Erkenntnis keine Taten gefolgt sind. Die Sanktionierung
aggressivem Verhaltens, als meist schlechteste Lösung, gegen-über
Patienten (Bewohnern) und Kollegen wird nur Unzureichend betrieben.
Noch viel weniger Initiative zeigen die Verantwortlichen bei komplexen
Strategien, ihre Maßnahmen Erschöpfen sich meist auf
eintägige Fortbildungen. Auch in der Aus- und Weiterbildung
wird die Thematik nur Unzureichend behandelt. Im Bereich des unteren
Managements (Stationsleitung, Wohnbe-reichsleitung) sucht man nach
Kenntnissen zum Thema Aggression oft Vergebens. Aber auch Praxisanleiter
(Mentoren) haben hier oft nur wenig zu Bieten. Letzteres ist umso
bedauerlicher, da gerade der pflegerische Nachwuchs mit neuen Erkenntnissen
zur Aggressions- und Gewalt-prävention im eigenen Berufsstand
einen enormen Beitrag leisten könnte. Das in der Schule zum
Thema erlernte kann sich aber nur dann Festigen, wenn es praktisch
Geübt wird, was nur allzu selten der Fall sein dürfte.
Die mit der praktischen Schüleranleitung beauftragten Personen
ent-ziehen sich damit nicht nur einem Teil ihrer Verantwortung,
sondern berauben sich auch selbst wichtiger pädagogischer
Erfahrungen, die ihnen mit Sicherheit noch Nützlich sein könnten.
An dieser Stelle muss ich mir allerdings auch mal an die „eigene
Nase“ fassen, den auch wenn mir die Thematik theoretisch
Vertraut ist, wende ich mich ihr in der praktischen Ausbildung
kaum zu.
Zum Schluss sei noch mal Angemerkt , dass in dieser Arbeit nur
ein kleiner Teil der Aggressions-forschung dargestellt werden konnte.
So existieren z.B. noch weitere Theorien zur Aggressions-entstehung,
sowie viele Modelle zur Aggressionsvermeidung. Zu Bedenken ist
auch, dass viele andere Aspekte (Motivation, Kommunikation, Konfliktgenese
und –bewältigung, etc.) eine Rolle spielen. Es liegt
an jedem Einzelnen sich näher mit der Thematik zu Beschäftigen.
Das Nachfol-gende Literaturverzeichnis bietet dazu einige Hinweise.
6 Literaturverzeichnis
Davitz, J. R. (1969). The Language of emotion. New York: Academic
Press.
Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears; Frustration und Aggression,
Deutsche Bearbeitung von Wolfgang Dammschneider, Weinheim 1972,
Verlag Julius Beltz, 4.Auflage, Titel des Originals: „Frustration
and Aggression“, 14. Auflage 1967
Nolting, Hans-Peter; “Lernfall Aggression”, Hamburg
2000, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 19. Auflage
Schulte - Markwort, M. J.: Gewalt ist Geil, Georg Thieme Verlag,
1994
Hinweis: Teile dieser Arbeit sind zwei fremden Seminararbeiten
entnommen und wurden für die zu behandelnde Thematik (an manchen
Stellen) modifiziert. Auf die (korrekte) Quellenangabe wurde aus
Zeitgründen verzichtet.
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