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Mitglied im Pflegenetz
Autor: Dirk Höffken
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Phänomen Aggression


INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Definition

3 Theorien und Modelle

3.1 Triebtheoretische Ansätze
3.1.1 Freuds Erklärungen für Aggression
3.1.2 Lorenz Instinkttheorie
3.2 Frustrations – Aggressions –Theorie
3.3 Lerntheoretische Ansätze
3.4 Soziobiologische Ansätze

4 Lösungsansätze

4.1 Vermeiden der Auslöser
4.2 Bewertung der Auslöser ändern
4.3 Die Hemmung der Aggression fördern
4.4 Aggressionsvermeidung durch Hilfe
4.5 Lernen alternativer Handlungsweisen

5 Schlussbemerkung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Aggression ist in der heutigen Gesellschaft ein Thema, dem sich Niemand mehr Entziehen kann. Wir begegnen aggressivem Verhalten in den Nachrichten, der Familie, am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Insbesondere nach spektakulären Fällen der Gewalt (z.B. an Schulen, auf Polizeirevieren oder in Pflegeheimen), wird es zu einem wichtigen Thema der öffentlichen Diskussion sowie der Politik. Den oft unangemessen vereinfachten Phänomenen und Erklärungen aggressivem Verhaltens, vor allem in den Boulevardmedien, folgen dann Reflexartig unausgereifte oder sinn-lose Vorschläge zur Gewaltprävention.

Dabei sind sich alle Wissenschaftsdisziplinen die sich mit dem Thema beschäftigen (z.B. Psycho-logie, Soziologie, Soziobiologie) darüber Einig, das es keine eindeutige und monokausale Erklä-rung für das Zustandekommen von Aggressionen und Gewalt gibt respektive Gegenwärtig nicht gibt. Insofern kann auch (noch) kein einheitliches und eindeutiges Konzept zur Gewaltpräventi-on existieren. Es ist daher offensichtlich, dass die meisten Vorschläge zur Gewaltprävention eher populistischer Natur und dem jeweiligen Anlass geschuldet sind, als das sie einen ernsthaften Beitrag zur Verminderung von Aggression und Gewalt darstellen.

In dieser Arbeit werden daher erst einige theoretische Konzepte und Modelle aggressiven Verhal-tens erläutert und darauf Aufbauend einige Strategien zu ihrer Eindämmung beschrieben. Man muss sich hier aber immer wieder vor Augen führen, dass es sich, trotz intensiver Forschung, immer noch um unvollständige Erklärungen und Ansätze handelt. Ebenso sollte nie Vergessen werden, dass ein bestimmtes Maß an Aggressivität dem Individuum das Überleben sichert und somit ein unentbehrlicher Bestandteil jedes Lebewesens ist.

Zuletzt sei Angemerkt, dass eine Arbeit die einen ersten Einblick geben will nie Vollständig sein kann.

2 Definition

Den Ursprung des Wortes Aggression findet man im lateinischen „aggredior“, was soviel Bedeu-tet wie sich nähern oder angreifen. Von dieser Übersetzung aus ist man zu vielen und zum Teil sehr weitgefassten Definitionen gelangt. Drei in Wissenschaft und Literatur verwendete sollen hier Stellvertretend genannt sein:

» „Sie (die Aggression) umfasst jene Verhaltensweisen, mit denen die direkte oder indirekte Schädigung eines Individuums, meist eines Artgenossen, intendiert wird.“ (Merz 1965, S. 571)
» „Aggressives Verhalten ist Verhalten, das einen anderen verletzt, also Beleidigung, Be-drohung, Tätlichkeit.“ (Thierisch 1974, S. 106)
» „Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder ein Organismussurro-gat gerichtetes Austeilen schädigender Reize“ (Selg 1974, S. 15)

Hier soll Aggression im Sinne der Definition von Selg verstanden werden, da sie einige Vorteile besitzt. Insbesondere wird in ihr zum einen Hervorgehoben, dass das Ziel einer Aggression auch ein Ersatzobjekt sein kann. So hatte z.B. fast jeder schon mal Wut auf seinen Vorgesetzten, hat diese aber mit einem Tritt gegen die Tür abreagiert. Zum anderen Umfasst der Ausdruck „schä-digende Reize“ jedes Verhalten mit dem eine Person bewusst oder unbewusst Schädigen will. Also nicht nur Beleidigung, Drohung und Tätlichkeit, sondern z.B. auch Schweigen oder die Verweigerung von Hilfe. Zusätzlich schließt sie auch die Autoaggression mit ein, also Aggressio-nen die auf die eigene Person gerichtet sind.

Der Nachteil einer solch weitgefassten Definition liegt auf der Hand. Sie birgt die Gefahr in sich, das sie fast auf jedes Verhalten zutrifft. In diesem Falle wäre sie aber aus naheliegenden Gründen Wertlos.

3 Theorien und Modelle


3.1 Triebtheoretische Ansätze


3.1.1 Freuds Erklärungen für Aggression

Zuerst sah Freud Aggression nicht als eigenständigen Trieb an. Er ging davon aus, dass die Ag-gression als instrumentelle Begleiterscheinung zur Libido auftritt. Dabei diente sie der Überwin-dung von Hindernissen auf dem Weg zum Lustgewinn. Freud sah hier eine Art „Bemächtigungs-trieb“ des Sexualtriebes der im Falle des Sadismus an die „Hauptstelle“ gerückt ist. Beim Maso-chismus meinte er, ziele diese Komponente durch Fehlentwicklungen auf die eigene Person.

Später, in seiner dritten Triebtheorie, trennte sich Freud von dem Gedanken das Aggression grundsätzlich mit der Libido verbunden sei. Es wird Heute davon ausgegangen, das er sie noch unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges mit seinen Grausamkeiten entwickelte. In seinen bei-den Arbeiten „Jenseits des Lustprinzips“ (1920) und „Das Ich und das ES“ (1923) beschreibt Freud noch etwas unsicher die Struktur der Persönlichkeit. Letztendlich besteht für Freud die Persönlichkeit aus ES, Ich und Über – Ich. Wobei sich im ES zwei verschiedene Triebe befinden. Dies ist zum einen die Libido (Eros), welcher auf Lebenserhaltung und Fortpflanzung ausgerich-tet ist. Zum anderen Thanatos (Destrudo), der auf die Umwandlung des Lebendigen auf die an-organische Ruhe zielt, also auf Vernichtung. Diese beide Gegenspieler bestimmen in seinem Mo-dell das Leben jedes Menschen. Je nach gerade vorhandener Energiemenge sind Personen bereit, gegen Objekte ihrer Umwelt aggressiv Vorzugehen. Aggression ist somit naturgegeben und ein unvermeidbarer Bestandteil des Lebens, allerdings durch Erziehungsprozesse steuerbar.

3.1.2 Lorenz Instinkttheorie

Der Tierverhaltensforscher Konrad Lorenz argumentiert ähnlich wie die Psychoanalytiker, von denen er sich aber auch stets Abzusetzen versuchte. Er nimmt wie Freud an, dass der Trieb oder Instinkt angeboren ist. Anders als Freud betont er aber den von Auslösern abhängigen und arter-haltenden Charakter der Aggression. Lorenz versteht unter Aggression ...“zunächst einen auf Artgenossen gerichteten Kampftrieb von Tier und Mensch“ .... Der Begriff Aggression wird von ihm also ausschließlich für Auseinandersetzungen innerhalb einer Art verwendet und ist damit wesentlich spezifischer als die Definition von Freud. Seiner Meinung nach werden aggressive Energien vom Organismus aufgebaut, stauen sich auf und suchen einen Stimulus, der sie zum Ausbruch bringt. Wenn dieser Reiz ausbleibt, kann aggressives Verhalten auch spontan auftreten. Den biologischen Zweck dieser intraspezifischen Aggression sieh Lorenz in folgenden Punkten:
» Gegenseitige Abstoßung der Artgenossen; hierdurch verteilen sie sich in ihrem Lebens-raum, so das jeder sein notwendiges Auskommen hat
» Auswahl der Besten einer Art um die Fortpflanzung und damit den Fortbestand der Art zu sichern.
» Herausbildung eines Familienverteidigers
» Aggression dient innerhalb von Tiergruppen der Bildung einer Hierarchie
In seiner Theorie versuchte Lorenz das am Tier beobachtete Verhalten auf den Menschen zu übertragen. Aggressives Verhalten sieht er als Relikt aus der grauen Vorzeit, das Erworben wurde um das Überleben der Art zu sichern. Im Falle des Menschen sei dieses Verhalten aber durch den Bau von Waffen hypertrophiert. Denn beim Menschen wie auch beim Tier bestehe eine angebo-rene Hemmung zur Tötung der eigenen Art. So wende z.B. ein unterlegenes Tier dem Gegner eine besonders verwundbare Körperstelle zu, dieser beißt den Unterlegenen aber aufgrund der angeborenen Tötungshemmung nicht. Beim Menschen könne diese Tötungshemmung nicht mehr wirken, weil Waffen über große Entfernung eingesetzt werden können.
Lorenz Vorschläge zur Aggressionshemmung folgen der Logik seiner Theorie. Eine Maßnahme sei die Umlenkung der Aggression auf Ersatzobjekte, wie z.B. sportliche Wettkämpfe. Er vertritt somit auch die sogenannte Katharsis - Hypothese. Unter Katharsis versteht man in der Aggres-sionsforschung die verminderte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Aggressionen nach einer aggressiven Handlung. Dabei ist es erst mal ohne Bedeutung, ob es sich bei dieser Entla-dung um „echte“ Aggression, z.B. einen Wutausbruch, oder um „unechte“ Aggression, z.B. Sport, handelt. Obwohl die Katharsis – Hypothese plausibel und nachvollziehbar Klingt, ist sie sehr Umstritten und noch nicht Erwiesen. Insbesondere Lerntheoretiker meinen, dass durch das sozial gebilligte Ausleben der Aggression möglicherweise eine Einübung dieses Verhaltens er-folgt.

3.2 Frustrations – Aggressions – Hypothese

1939 veröffentlichten einer Forschergruppe (J. Dollard, Neal E. Miller, u.a.) der Yale – University eine Theorie unter dem Titel „Frustration and aggression“, die vereinfacht oft als Fustrations – Aggressions – Hypothese bezeichnet wurde. Da kaum eine weitere Theorie einen so großen Ein-fluss auf die experimentelle Aggressionsforschung ausgeübt hat ( u.a. weil sie gegenüber anderen Theorien experimentell Überprüfbar war) soll sie hier etwas ausführlicher Dargestellt werden.

Frustration wird von den Autoren in einer sehr engen und präzisen Definition als Störung einer zielgerichteten Aktivität definiert. Der Begriff wird jedoch auch für allgemeine aversive Bedin-gungen verwendet, wie z.B. von Schmerz und Stresssituationen. So soll er auch im folgenden Verstanden werden.

Die Kernaussagen dieser Theorie sind:

» Frustration führt stets zu einer Form von Aggression.
» Aggression ist stets die Folge von vorangegangenen Frustrationen.

Die Thesen der Forschergruppe wurden allerdings durch Experimente in Frage gestellt. Schon 1931 führte Tamara Dembo in Berlin eine Untersuchung durch, die sie unter dem Titel „Der Ärger als dynamisches Problem“ veröffentlichte. Hierbei musste sich eine Versuchsperson in ein 2,5m Quadrat stellen und sollte von da aus, ohne das Quadrat zu verlassen, eine Blume greifen, die sich außerhalb des Quadrates befand. Für die Erfüllung der Aufgabe gab es nur 2 Lösungen. Den Versuchpersonen wurde aber mitgeteilt, es existiere noch eine dritte Lösung. Sie wurden also vor ein unlösbares Problem gestellt, um ihre Reaktion auf das zu erwartende Frustrationser-lebnis zu Beobachten. Im Ergebnis zeigte sich, dass nicht alle Versuchsteilnehmer auf eine Bar-riere mit aggressivem Verhalten reagierten, sondern teilweise instruktionswidrige Ersatzlösungen, Rückzugstendenzen und Ärgerausbrüche zu beobachten waren.

Aufgrund von Untersuchungsergebnissen (z.B. dem von Dembo) und massiver Kritik musste die Forschergruppe um Dollard und Miller ihre These abändern. Nun rufen Frustrationen eine Reihe verschiedener Reaktionen hervor, eine davon ist die Tendenz zu irgendeiner Form von Aggressi-on (Miller u.a. 1941).

Es stellte sich aber jetzt die Frage, wann Frustrationen zu aggressivem Verhalten führt und wann nicht. Hier dürfte die Verarbeitung der Frustration eine wesentliche Rolle spielen. Leonard Ber-kowitz (1962 ) modifizierte die Frustrations – Aggressions – Hypothese, indem er Ärger in sie integrierte. Nun folgte auf eine Frustration Ärger und darauf Aggression. Dies Bedeutet jedoch nicht das jede Frustration zu Ärger und jeder Ärger zu aggressivem Verhalten führt. Doch nur dann wenn auf eine Frustration Ärger folgt ist mit Aggression zu rechnen.

Als Ärger bezeichnet man zuerst einmal einen Prozess, in welchem das Individuum ein Ereignis einer Interpretation und Bewertung unterzieht. Die Entstehung der Emotion beruht somit auf der Art und Weise, wie ein Individuum ein bestimmtes Ereignis auffasst und inwieweit es dieses auf sich selbst bezieht. Ärger ist also ein Erleben von Leid oder Ungemach in Verbindung mit Schuldzuschreibung. Entscheidend um Ärger entstehen zu lassen ist also der Schuldvorwurf an eine andere Person. Die Ausprägung der Emotion Ärger steigt an, je „Schuldiger“ eine Person an dem normwidrigen Verhalten ist. Hierbei lassen sich drei Steigerungsformen unterscheiden, wel-che auch als „Intentionsmodi“ nach Mees bezeichnet werden:

» Gedankenlosigkeit, Fahrlässigkeit: Die Leid- /Schadenszufügung wäre bei genügender Willensanstrengung zu vermeiden gewesen.
» Rücksichtslosigkeit: Leid- / Schadenszufügung ist zwar nicht unmittelbar gewollt, wird aber sehenden Auges in Kauf genommen.
» Böswilligkeit: Leid- / Schadenszufügung ist gewollt.

Der Ärger steigt mit der Reihenfolge der drei „Intensionsmodi“ an. Sieht eine Person also eine Entschuldigung für das normwidrige Verhalten, z.B. geistige Behinderung, so dämpft das auch den Anstieg des Ärgers und mindert folglich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Aggres-sion. Wie bereits festgestellt wurde ist Ärger eine wichtige, aber keine hinreichende, Bedingung für aggressives Verhalten. Der Zusammenhang zwischen Ärger und Aggression ist nicht so eng wie allgemein Vermutet wird. Eine verärgerte Person zeigt also verschiedene Verhaltensweisen. Dies soll an zwei Beispielen verdeutlicht werden:

» Krankenschwester X ist über das Verhalten ihrer Kollegin verärgert. Daraufhin verhält sie sich still und zieht sich zurück. Ihren Ärger wird sie bei einer Freundin los.
» Altenpfleger Y reagiert zu Hause , wenn er sich über seine Freundin aufregt, oft mit lauten Beschimpfungen. Bei Ärger über seine Chefin jedoch unterdrückt er seinen Ärger, bringt diesen nicht zum Ausdruck und bemüht sich sie durch seine Arbeitsleistung gnädig zu stimmen.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass Menschen unterschiedlich disponiert sind, d.h. sie besitzen individuelle Neigungen, Empfänglichkeiten, und Auffälligkeiten, welche die verschiede-nen Verhaltensweisen begründen. Auf der anderen Seite wird deutlich, dass ein und dieselbe Per-son sich je nach der Situation verschieden Verhalten kann. Somit kann hier festgestellt werden, dass es von personalen Dispositionen und von der Situation abhängt, ob Menschen ihren Ärger in aggressives Verhalten umsetzen.

Zu den personalen Faktoren für den Umgang mit Ärger zählen das Verhaltensrepertoire und die Ausprägung von Hemmungen. Unter Verhaltensrepertoire versteht man die Verhaltensweisen zu denen Menschen fähig sind und die, welche sich zur Gewohnheit ausgeprägt haben. Dabei zählen Flucht und Angriff zu den relativ primitiven Verhaltensweisen. Die konstruktiven Alternativen, wie z.B. sprachliches Argumentieren oder Konfliktregelung, sind dagegen anspruchsvoller und werden folglich nicht von jedem Individuum beherrscht. Auf der anderen Seite der personalen Dispositionen kann aggressives Verhalten durch Hemmungen verhindert werden: gegenüber Vorgesetzten hat man z.B. Hemmungen aus Angst vor Bestrafung oder gegenüber Schwächeren entwickelt sich oft Mitleid und das Bedürfnis diese Personen zu schützen, das letztgenannte Ver-halten bezeichnet man als moralische Hemmung.

Bei den situationsbezogenen Faktoren geht es primär um Modelle - Signalreize. Damit Emotio-nen sich in aggressives Verhalten umsetzen können, muss die Situation „ geeignet“ sein. Wenn ein Altenpflegeschüler eine Altenpflegerin sieht, wie diese einen Bewohner anschreit, erhöht dies bei ihm die Wahrscheinlichkeit auf andere Bewohner ebenfalls aggressiv zu reagieren. In so ei-nem Falle spricht man von einem Modell, das aggressives Verhalten sozusagen erleichtert. Dann gibt es noch aggressionsbahnende Situationsmerkmale: aggressive Hinweisreize. Das sind Situati-onsmerkmale, die mit Aggression oder mit der Frustrationsquelle assoziiert sind und signalisieren, dass aggressives Verhalten „ passt“, z.B. aggressives Spielzeug. Bestimmten Reizen werden zwar bestimmte Effekte zugeschrieben, manche Reize sind jedoch schwach oder werden unterschied-lich interpretiert. Die wichtigsten Signale bzw. Reize kommen von der Zielperson, gegen die sich das aggressive Verhalten richtet. Das ist die Frustrationsquelle, d.h.: der Provokateur bzw. der Schuldige. Eine „ geeignete“ Situation wäre also die Anwesenheit des Provokateurs. Die Situation kann aber auch positive Anreize für aggressives Verhalten enthalten, d.h.: man erwartet nicht Strafe, sondern Erfolge. Ein Beispiel wäre eine Krankenschwester die einen Patienten grob Be-handelt, da sie davon ausgeht, dass dieser sich dann nicht mehr meldet.

An dieser Stelle kann also festgehalten werden: Selbst wenn Frustration Emotionen wie Ärger hervorruft, wird diese nicht stets in aggressives Verhalten umgesetzt; hierfür müssen bestimmte personale und situative Bedingungen vorliegen. Jede Person bringt aggressive Verhaltensweisen und geringe Hemmungen mit. Falls eine Situation aggressive Modelle, Signalreize und Anreize bietet, kann sie keine Anreger für Hemmungen bieten.

1963 stellten Bandura & Walters die Frustrations- Antriebs- Hypothese auf. Diese besagt, dass Frustration zur Aktivierung des Organismus sowie zur Erhöhung von Erregung und Antrieb („ drive“) führt. Demnach kann sich Frustration in verschiedene Verhaltensweisen umsetzen. Emo-tionen haben neben einer Gefühlsseite zugleich eine Antriebsseite. Dennoch ist es möglich, dass Frustration mit Resignation, also mit einem Antriebsverlust, beantwortet wird und kein aggressi-ves Verhalten auslöst.

Nach der vorangegangen Darstellung der Frustrations-Theorie stellt sich nun die Frage: Ist die These der Yale-Gruppe, dass Aggression immer die Folge einer Frustration ist, folgerichtig? Und haben Frustrationen wirklich auch immer ein aggressives Verhalten zur Folge?

Die These, dass Aggression immer die Folge einer Frustration ist, ist schwierig zu beantworten, da es viele aggressive Handlungen gibt, bei denen keine Frustrationen sichtbar wird. Das Gegen-argument der Frustrationstheoretiker ist hier, dass entweder jede Situation etwas Frustrierendes enthalten kann, auch wenn es für Außenstehende nicht sichtbar ist, oder im Vorfeld eine Frustra-tion erlebt wurde, die resultierende Aggression jedoch erst später zum Ausbruch kommt.
Zwar kann man in jeder Situation eine Frustration finden, und vor allem immer eine vorausge-gangene Frustration entdecken, doch ist nicht immer überprüfbar, ob ein Zusammenhang mit der gerade aufgetretenen Aggression besteht. Somit wird dieses Faktum für die Wissenschaft und die Praxis unbrauchbar.

Die zweite These ist dagegen einfach zu widerlegen. Der Grundgedanke der Frustrations-Theorie ist, dass die Tendenz zu aggressivem Verhalten von Menschen die Folge der Summe von „Un-terdrückungen, Entbehrungen, Misserfolgen im Kinder – und Jugendalter oder aus sozialen und wirtschaftlichen Notlagen“ ist. Die Yale-Gruppe führt als Beispiele u.a. Zwänge und Verbote im Erziehungsprozess (Sauberkeitserziehung, Stillsitzen in der Schule, sexuelle Tabus) und aus politi-schen und wirtschaftlichen Systemen, wie Faschismus, Kommunismus, Demokratie resultierende Frustrationen an. Unabhängig davon, das die Begriffe Frustration und Aggression heute zum Teil anders Definiert werden, sind Kritiker gegenwärtig skeptisch ob aggressive Reaktionen auf Hin-dernisfrustrationen, wie Armut und mangelnde mütterliche Liebe, bei denen ein Versuch der Bedürfnisbefriedigung stattfindet, ohne weiteres auf das Langzeitmodell übertragbar sind, dass sich also für einen langen Zeitraum, evt. sogar für den Rest des Lebens, aggressive Charakterzüge entwickeln. Außerdem können negative Faktoren durch korrektes Verhalten teilweise ausgegli-chen werden, wenn z.B. die Mutter einerseits emotionale Kälte zeigt, andererseits aber dem Kind gegenüber ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag legt und klare Regeln und Grenzen setzt. Auch eine wertschätzende Haltung des Vaters der Mutter gegenüber kann als ausgleichender Fak-tor fungieren. Insgesamt kommt es also auf die Gesamtkonstellation an. Positiv wirken sich auch sog. „Schutzfaktoren“ auf eine gesunde psychische Entwicklung aus, wie beispielsweise eine ver-trauensvolle Beziehung zu einem Freund, Erzieher oder Verwandtem. Auch sollte man den wich-tigen Aspekt betrachten, dass Frustrationen nicht immer Ursache der Aggressivität, sondern auch manchmal Folgen davon sein können, wenn nämlich durch Aggressionen aversive Erfahrungen gemacht werden. Dies können Bestrafungen sein, aber auch die Zurückweisung und Ablehnung durch andere Kinder und Erzieher. z.B. lässt sich bei aggressiven Kindern häufig ein Mangel an Selbstkontrolle und ein sehr impulsives Verhalten feststellen. Die Folge davon sind meist Versa-gen in der Schule und der Ausbildung. Ein weiterer Aspekt ist die sozioökonomische Lebenslage. Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnverhältnisse und geringes Einkommen bilden ein hohes Kon-fliktpotential und die eventuelle Basis für spezielle Aggressionsformen, wie z.B. Raubdelikte (= Armutskriminalität). Dies muss aber nicht zwangsweise der Fall sein. Alternativverhalten wären das stille Ertragen der Situation, Haushalten mit dem Minimum, äußerliches Verbergen der Ar-mut oder ein sichtbarer Rückzug aus der Gesellschaft, wie bei Nichtsesshaften. Ähnlich ist es bei kollektiver Aggression; viele Völker ertragen Hunger und Elend, ohne sich gewaltsam aufzuleh-nen. Dabei hängt es davon ab, wem die Schuld gegeben wird, ob Gewalt eingesetzt wird oder nicht. Somit kann man feststellen, dass die These äußerst fragwürdig, und leicht zu widerlegen ist.

3.3 Lerntheoretische Ansätze

Lerntheoretische Ansätze zur Erklärung der Entstehung von Aggression richten ihre
Aufmerksamkeit auf die Umweltbedingungen, die zur Aufrechterhaltung und
Verstärkung von aggressivem Verhalten führen können. Im Gegensatz zu einem
angeborenen Aggressionstrieb, der von psychoanalytischer oder ethologischer Seite (z.B. Freud & Lorenz) als Ursache von Aggression formuliert wird, betrachten Lerntheoretiker aggressives Ver-halten wie jedes andere Verhalten als erlernt und damit auch als veränderbar. Es
bestehen verschiedene lerntheoretische Prinzipien, die das Erlernen und Aufrechterhalten
aggressiven Verhaltens erklären.

Klassisches Konditionieren
Beim klassischen Konditionieren tritt ein neutraler Reiz zusammen mit einem erregenden Reiz auf. Die Wirkung des erregenden Reizes kann in Folge durch den neutralen Reiz allein ausgelöst werden. Das wohl bekannteste Experiment zur klassischen Konditionierung stammt von I. Pav-low, welches nach folgendem Schema ablief:

» Ein Hund bekam Futter in das Maul – Ergebnis war, dass als Reaktion ein Speichelfluss in Gang gesetzt wurde.
» Parallel zur Futtergabe wurde ein Glockenzeichen gegeben. Das Ergebnis war natürlich wieder Speichelfluss beim Hund.
» Jetzt wurde, nachdem der 2. Versuch mehrmals durchgeführt worden war, nur das Glo-ckenzeichen gegeben. Der Hund hatte wiederum Speichefluss, obwohl er früher bei dem Ton keine Speichelflussreaktion gezeigt hatte.

In den Pflegeberufen besitzt dieses Modell durchaus praktische Bedeutung. Denn manche Pfle-gekraft reagiert auf den Ton der Rufanlage, bei dem es sich im Prinzip um einen neutralen Reiz handelt, mit Aggression. Es ist wohl mehr als eine Vermutung, dass die oft sinnlose Betätigung der Rufanlage durch den Patienten (Bewohner) die Pflegekräfte „klassisch Konditioniert“ hat und sie in der Folge häufig mit Aggression auf diesen Reiz reagieren, obwohl ihnen das Anliegen des Patienten (Bewohner) noch nicht Bekannt ist.

Operantes Konditionieren
Beim operanten Konditionieren wird der Lerneffekt oder besser die Verhaltensverstärkung da-durch erreicht , dass ein zufällig auftretendes Verhalten belohnt und dadurch in seiner Auftre-tenshäufigkeit gesteigert wird.

Auch hier ist ein Bezug zur Pflege herstellbar. Behandelt man einen Bewohner (Patienten) Un-freundlich und zeigt diesem gegenüber Abneigung, wird er in der Zukunft weniger von der betreffenden Pflegekraft verlangen. Das negative Verhalten wird somit Belohnt.
Lernen am Modell (Imitationslernen)
Nach Bandura (1973) kann aggressives Verhalten durch Beobachtung eines Modells
gelernt werden. In einer bekannten Untersuchung zum Modelllernen konnte
nachgewiesen werden, dass Kinder weniger aggressives Verhalten zeigen, wenn sie
in einem Film ein Modell gesehen hatten, dass für sein aggressives Verhalten bestraft
wurde (Bandura, Ross & Ross, 1963). Für diesen Prozess des Modelllernens sind
einige kognitive Prozesse erforderlich (Bandura, 1973). Zum einen ist es notwendig,
dass der Beobachter aufmerksam ist. Die Aufmerksamkeit ist hoch, wenn sich das
Modell ansprechend verhält oder aber einen hohen Status hat. Darüber hinaus muss
das Modell im Gedächtnis behalten werden. Um das Verhalten motorisch
reproduzieren zu können, müssen die motorischen Fertigkeiten zur Ausübung des
Verhaltens (zumindest teilweise) vorhanden sein. Neben den kognitiven Prozessen ist
der motivationale Prozess entscheidend, der zur eigenen Ausführung oder
Unterlassung des Verhaltens führt. Die Handlungsmotivation wird vom funktionalen
Wert des Verhaltens, also dem positiven Anreiz der Handlung, beeinflusst.

Die praktische Relevanz dieses Modells ist Offensichtlich. Zeigt z. B. eine Pflegekraft in der Ge-genwart einer Schülerin gegenüber einem Bewohner (Patienten) aggressives Verhalten und wird dieses Belohnt, z.B. dadurch das der Bewohner (Patient) sich in Zukunft dem Willen der Pflege-kraft unterordnet und damit einfacher zu „Handhaben“ ist, wird sich die Schülerin dieses Verhal-ten auch Aneignen.

3.4 Soziobiologische Ansätze

Soziobiologische Ansätze zur Erklärung der Genese aggressiven Verhaltens erfreuen sich zu-nehmender Beliebtheit. Dies reflektiert sich darin, dass neben soziobiologischen Erklärungen in jüngster Zeit vermehrt evolutionspsychologische Erklärungen menschlichen Verhaltens Auf-merksamkeit finden. Hinter diesen Ansätzen steht wie bei den frühen psychoanalytischen Erklä-rungsansätzen die Idee eines angeborenen Aggressionstriebs (bzw. Gens), die interessanterweise in der psychoanalytischen Tradition aufgegeben wurde.

4 Lösungsansätze


4.1 Vermeiden der Auslöser

Die erste Schlussfolgerung aus der Frustrations – Aggressions – Hypothese war der Vorschlag, dass man Frustrationen (besser: aversive Ereignisse) vermeiden oder zumindest reduzieren soll. Auch wenn diese Hypothese nach ihrer Veröffentlichung relativiert wurde, ist dieser Lösungsan-satz mit Sicherheit noch Gültig.

So wäre es in der Pflege z.B. sicher möglich, eine Pflegkraft und einen Patienten (Bewohner) die ständig miteinander Streiten durch geeignete Maßnahmen zu trennen. Auch sollte man bei einem einzelnen Schüler, der auf hilfesuchende Patienten (Bewohner) oft mit aggressivem Verhalten reagiert eventuell darüber Nachdenken ob dieser Beruf für ihn geeignet ist.

4.2 Bewertung der Auslöser ändern

Das Verhalten einer Person hängt grundsätzlich nicht von der objektiven Situation ab, sondern wie die Situation subjektiv Bewertet wird (s. oben). Die Bemerkung eines Bewohners (Patienten) „Das Bett ist seit Tagen nicht Frisch bezogen worden“ wird die Pflegekraft nur dann als Angriff auffassen, wenn sie den Satz auf die eigene Person bezieht. Interpretiert es sie aber als Zeichen des schlechten Zustandes des Patienten (Bewohners) wird sie Gelassen darauf reagieren können.
Kognitive Prozesse schwächen also die Auslöser für aggressives Verhalten. Der Grundgedanke dieser Theorie liegt in der Neuinterpretationen und Neubewertungen. Generell geht es nicht um Bagatellisieren, Abschwächen oder Verharmlosen durch andere, sondern darum, dass der Verär-gerte von allein zu einer Nebenbewertung der Situation gelangt. Einige Therapien basieren auf der Grundidee, dass Gefühle durch ständige und gewohnheitsmäßige irrationale Überzeugungen entstehen, die dann eine überschießende, nicht situationsadäquate Aktion zur Folge haben. Ein inneres Selbstgespräch könnte dabei helfen diese gewohnheitsmäßigen und irrationalen Ansich-ten abzubauen. Aber allein die gezielte Selbstbeobachtung und -beeinflussung kann beachtliche Erfolge bringen, da sie zu einem gelassenen Umgang mit Ärgersituationen führt.

4.3 Die Hemmung der Aggression fördern

In der Praxis ist der Aufbau von Hemmungen ein notwendiger und sinnvoller Beitrag zur Ag-gressionsbewältigung. Aggressionshemmung meint, die Situationen in denen eine Aggressions-tendenz vorliegt, die Handlung jedoch nicht ausgeführt wird. Ob Hemmungen überhaupt auftre-ten, hängt einerseits von der Situation ab, andererseits auch von den jeweiligen personalen Merkmalen. Hemmungen aus Angst vor Bestrafung sind wohl am häufigsten anzutreffen.
Beispiel: Krankenpfleger x wird gegen den an Demenz erkrankten Patienten Y eher aggressives Verhalten zeigen, als gegen den orientierten Patienten Z. Das Risiko der „Bestrafung“ ist bei Y eben wesentlich Geringer.
Diese Form der Aggressionsvermeidung ist im allgemeinen nicht zu Empfehlen. Sie sollte aus-schließlich zur akuten Gewaltprävention eingesetzt werden. Wenn Personen ihre Aggressionen nur aus Angst vor Bestrafung unterdrücken stauen sich Frustration und Ärger auf, was vielfältige Folgen nach sich ziehen kann (s.o.) Leider wird die Hemmung durch Angst vor Bestrafung auch Heute noch von vielen Führungskräften als Mittel der Wahl auf lange Sicht angewendet.

4.4 Aggressionsvermeidung durch Hilfe

Die neueren soziologischen und erziehungswissenschaftliche Ansätze bieten ebenfalls Ansätze zur Aggressionsvermeidung. Ein kaum zu realisierender, aber wichtiger Vorschlag soll hier kurz Vorgestellt werden.
Die Ursache von Frustration, Ärger und der eventuell darauf folgenden Aggression kann, muss aber nicht zwangläufig im direkten Arbeitsumfeld zu finden sein. Die Individualisierungstheorie geht u.a. davon aus, dass in solchen Fällen das Beraten und helfen bei Problemen zur Aggressi-onsverminderung beitragen kann.
Beispiel: Die 18 – jährige Krankenpflegeschülerin J stammt aus einem zerrütteten Elternhaus und besitzt auch sonst keinen sozialen Rückhalt. Sie musste zu Beginn der Ausbildung ihren Wohnort wechseln, hat aber bisher keine vernünftige Unterkunft gefunden. Zusätzlich ist sie Verschuldet. J reagiert auf Patienten (Bewohner) oft Aggressiv und macht viele Fehler. Hinzu kommt, dass sie den im Unterricht behandelten Soff nur unzureichend beherrscht.
Der Vorschlag in solchen und ähnlichen Fällen Hilfe anzubieten und gegebenenfalls auch zu Leisten, wird bei einigen Lesern vermutlich auf eine gewisse Reserviertheit stoßen. Dem ist sicher Zustimmen. Zumal eine berufliche Grundausbildung der Vermittlung fachlichen Wissens und nicht der Vermittlung sogenannter Kernkompetenzen und schon gar nicht der Lebenshilfe dient. Allerdings bleibt zu Beachten, dass Aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in Zukunft die Anzahl der „Problemfälle“ in der Ausbildung, aber auch im Kollegenkreis zunehmen wird. Es dürfte daher schwierig sein gegen Aggression und Gewalt vorzugehen, ohne dem „Ge-walttäter“ eine adäquate Lösung aufzuzeigen sich den ständigen Frustrationserlebnissen zu ent-ziehen.

4.5 Lernen alternativer Handlungsweisen

Lerntheoretiker betrachten aggressives Verhalten wie jedes andere Verhalten als erlernt und damit auch als veränderbar. Die verschiedenen lerntheoretische Prinzipien, die das Erlernen und Auf-rechterhalten aggressiven Verhaltens erklären wurden bereits Erläutert (s.o.). Von den vielfältigen Möglichkeiten zur Aggressionsverneidung die sich hieraus Ergeben sollen zwei kurz Vorgestellt werden.
Klassische Verhaltensmodifikation
Die klassische Verhaltensmodifikation beruht im Falle der Aggressionsminderung primär auf dem Lernen am Erfolg.
Vorgehen:
» Positives Verhalten Belohnen
» Negatives Verhalten Ignorieren respektive leicht Bestrafen
» Vormachen des erwünschten Verhaltens
Diese Methode der Verhaltensmodifikation ist auch im Bereich der Pflege einsetzbar. Insbeson-dere im Bereich der Praxisanleitung kann diese Methode effektiv und sinnvoll angewendet wer-den. Möglich wäre hier unter anderem die „Belohnung“ und „Bestrafung“ über die abschließende Beurteilung des Schülers. Entscheidend ist allerdings, dass die Bewertung für den Schüler nach-vollziehbar und verständlich ist. Auch sollte die Beurteilung des Verhaltens keinen Einfluss auf die fachliche Bewertung besitzen. Werden diese Punkte, wie heute allgemein Üblich, vermischt, wird ein „aggressiver Schüler“ erneut Frustriert und seine ohnehin schon vorhandene Aggressivi-tät wird verstärkt.
Aufzeigen adäquater Strategien
Aggression ist eine mögliche Form des Konfliktverhaltens. Da es sich um eine relativ primitive Art der Konfliktlösung handelt, ist sie auch allen Menschen zugänglich. Viele Personen die häufig zu Aggression neigen, besitzen keine anderen (komplexeren) Handlungsalternativen in Konflikt-situationen. Ihnen bleibt also nur „Angriff“ oder „Flucht“. Folglich ist das bewusste aufzeigen und einüben von Handlungsalternativen ein unentbehrlicher Schritt zur Aggressionsminderung. Die Forschung bietet hier vielfältige Methoden zum Konfliktmanagement und zur Konflikt-handhabung. Dabei ist zu Bedenken, dass Konflikte nicht grundsätzlich Schlecht und zu Vermei-den sind. Sie werden immer dort auftreten, wo Menschen zusammenleben und gemeinsam Ziele erreichen wollen bzw. müssen. Konflikte bieten also auch Chancen! Beispielsweise zur konstruk-tiven Weiterentwicklung einer Beziehung oder beim gemeinsamen Finden einer optimalen Lö-sung.

5 Schlussbemerkung

Aggression und Gewalt sind in der professionellen Pflege schon seit einiger Zeit kein Tabuthema mehr. Das Erkennen des Problems ist sicher ein wichtiger Schritt zur Prävention. Eine Erkennt-nis ist aber nur dann von Nutzen, wenn ihr sinnvolle Taten folgen. Die Möglichkeiten zur Ag-gressionsvermeidung sind Vielfältig. Einige davon könnten ohne größere Probleme und vor allem ohne zusätzliche Kosten praktisch Umgesetzt werden. Mit Gewinn für alle Seiten.
Leider muss aber bei genauerem Betrachten festgestellt werden, dass der Erkenntnis keine Taten gefolgt sind. Die Sanktionierung aggressivem Verhaltens, als meist schlechteste Lösung, gegen-über Patienten (Bewohnern) und Kollegen wird nur Unzureichend betrieben. Noch viel weniger Initiative zeigen die Verantwortlichen bei komplexen Strategien, ihre Maßnahmen Erschöpfen sich meist auf eintägige Fortbildungen. Auch in der Aus- und Weiterbildung wird die Thematik nur Unzureichend behandelt. Im Bereich des unteren Managements (Stationsleitung, Wohnbe-reichsleitung) sucht man nach Kenntnissen zum Thema Aggression oft Vergebens. Aber auch Praxisanleiter (Mentoren) haben hier oft nur wenig zu Bieten. Letzteres ist umso bedauerlicher, da gerade der pflegerische Nachwuchs mit neuen Erkenntnissen zur Aggressions- und Gewalt-prävention im eigenen Berufsstand einen enormen Beitrag leisten könnte. Das in der Schule zum Thema erlernte kann sich aber nur dann Festigen, wenn es praktisch Geübt wird, was nur allzu selten der Fall sein dürfte. Die mit der praktischen Schüleranleitung beauftragten Personen ent-ziehen sich damit nicht nur einem Teil ihrer Verantwortung, sondern berauben sich auch selbst wichtiger pädagogischer Erfahrungen, die ihnen mit Sicherheit noch Nützlich sein könnten. An dieser Stelle muss ich mir allerdings auch mal an die „eigene Nase“ fassen, den auch wenn mir die Thematik theoretisch Vertraut ist, wende ich mich ihr in der praktischen Ausbildung kaum zu.
Zum Schluss sei noch mal Angemerkt , dass in dieser Arbeit nur ein kleiner Teil der Aggressions-forschung dargestellt werden konnte. So existieren z.B. noch weitere Theorien zur Aggressions-entstehung, sowie viele Modelle zur Aggressionsvermeidung. Zu Bedenken ist auch, dass viele andere Aspekte (Motivation, Kommunikation, Konfliktgenese und –bewältigung, etc.) eine Rolle spielen. Es liegt an jedem Einzelnen sich näher mit der Thematik zu Beschäftigen. Das Nachfol-gende Literaturverzeichnis bietet dazu einige Hinweise.

6 Literaturverzeichnis

Davitz, J. R. (1969). The Language of emotion. New York: Academic Press.
Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears; Frustration und Aggression, Deutsche Bearbeitung von Wolfgang Dammschneider, Weinheim 1972, Verlag Julius Beltz, 4.Auflage, Titel des Originals: „Frustration and Aggression“, 14. Auflage 1967
Nolting, Hans-Peter; “Lernfall Aggression”, Hamburg 2000, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 19. Auflage
Schulte - Markwort, M. J.: Gewalt ist Geil, Georg Thieme Verlag, 1994
Hinweis: Teile dieser Arbeit sind zwei fremden Seminararbeiten entnommen und wurden für die zu behandelnde Thematik (an manchen Stellen) modifiziert. Auf die (korrekte) Quellenangabe wurde aus Zeitgründen verzichtet.

Autor: Dirk Höffken
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