Autor/in: Angie

Nancy Ropers Elemente in der Krankenpflege

Hinweis: Teile des Textes stammen aus dem Buch: Marion Schüller:
Salutogenese für Pflegeberufe in Theorie und Praxis –
Ein Beitrag zur Krankenpflege“ (S. 62-68)

Nancy Ropers Theorie von den Elementen der Krankenpflege ist in den wenigen Jahren ihrer Verfügbarkeit im deutschsprachigen Raum erstaunlich gut angenommen worden. Das Modell ist relativ schnell auf die Arbeit vor Ort übertragbar, da es leicht zu erfassen ist. Durch die hohe Komplexität ist für den Pflegeberuf eine nachvollziehbare Erklärung geliefert und mittels fünf Elementen eingängig modellhaft dargestellt. Das Modell beschreibt die Pflege anhand von fünf Elementen, die gleichwertig nebeneinander gestellt und von einem pfeilförmigen Rahmen umgeben ist.

Die Lebensspanne
Das erste Element, die Lebensspanne, steht ganz oben im Modell, über allen anderen Elementen. Es beschreibt, wann die Pflege beim Menschen wirksam werden kann. Im Modell wird hierfür der Zeitraum von der Empfängnis über die Geburt bis hin zum Tod, der natürlich mit eingeschlossen wird, dargestellt. Daraus wird sehr deutlich, für wen sich die Pflege verantwortlich fühlt. Da wir es mit Menschen aller Altersstufen zu tun haben, ist es für uns immer wichtig, bestimmte Stadien zu beobachten oder aber Abweichungen derselben zu erkennen (z.B. altersgerechte Entwicklung).

Die Lebensaktivitäten
Im Zentrum des Modells sind als ein zweites Element die zwölf Lebensaktivitäten angeordnet. Nancy Roper bezeichnet damit alle Maßnahmen, die der Mensch zur Befriedigung seiner Bedürfnisse ergreift. Diese Lebensaktivitäten umfassen alle nur möglichen Lebensbereiche. Der Einfluss der Maslowschen Bedürfnispyramide ist hier deutlich erkennbar (Roper hat jedoch im Unterschied zu Maslow oder auch zu anderen Pflegetheoretikern, die Bedürfnisse nicht hierarchisch zugeordnet). Die Bedürfnisse stehen sichtbar gleichwertig beieinander. Roper macht damit deutlich, dass eine generelle Wertung von Bedürfnissen nicht möglich ist, sondern individuell von Mensch zu Mensch unterschieden werden muss.

Die Auflistung der Lebensaktivitäten bieten der Pflege eine differenzierte Beschreibung möglicher Verantwortungsbereiche, aus denen ein Leistungsangebot in quantitativer und qualitativer Hinsicht erarbeitet werden kann.
Im Rahmen einer Pflegeplanung wird die Informationssammlung zur Anamnese auf der Grundlage der Lebensaktivitäten erstellt. Deren Struktur leitet bereits zu der möglichen Pflegeinterventionen hin. Zur Maßnahmenplanung bietet die Auflistung ein Gestaltungshilfsmittel, das erlaubt, Pflegemaßnahmen auch vernetzt zu mehreren Problemen einzusetzen und in ihrer Wirkung überprüfbar zumachen.

Die zentrale Frage in allen Bereichen lautet hierbei: Wie viel Hilfe braucht der Patient und was ist ihm selbst zu überlassen? Diese Hilfe ist differenziert festzulegen, ggf. ist eine Teilhilfe bereits genug. Hier möchte ich, um eine genauere Vorstellung zu erreichen, die Lebensaktivitäten noch kurz vorstellen:

1. für eine sichere Umgebung sorgen
2. Kommunizieren
3. Atmen
4. Essen und Trinken
5. Ausscheiden
6. sich sauber halten und kleiden
7. Körpertemperatur regeln
8. sich bewegen
9. Arbeiten und spielen
10. sich als Mann und Frau fühlen
11. Schlafen
12. Sterben

Das Abhängigkeits-/Unabhängigkeitskontinuum
Die Ausprägung des Hilfsbedarfs wird im dritten Element, dem Abhängigkeits-/Unabhängigkeitskontinuum, dargestellt. Hier wird ganz entscheidend die Begrifflichkeit der Krankheit geprägt, welche sich im Grad der Abhängigkeit von fremder Hilfe ausdrückt. Nicht mehr einzelne Symptome sind für Roper maßgeblich, sondern der individuelle Bedarf eines Menschen an Hilfeleistung durch andere. Der Ausprägungsgrad der Abhängigkeit kann auch an einer Skala im Kontinuum festgestellt werden und kann sich natürlich auch bei gleichen Symptomen von Mensch zu Mensch unterscheiden.

Mit Hilfe des Kontinuums kann also der Pflegebedarf exakt festgelegt werden. Es kann also genau festgelegt werden, in welchem Umfang der Patient Unterstützung braucht und genau diese wird geleistet. Dem Patienten wird dadurch ein Teil seiner Unabhängigkeit erhalten, weitere Fähigkeiten kann er dazu gewinnen, da ihm Tätigkeiten, die er selber machen kann, nicht mehr abgenommen werden.
Die Pflege wird eine verstärkte Sensibilität entwickeln, bis zu welchem Punkt Hilfestellung zu gewährleisten ist. Nicht zu vergessen, welche enorme Steigerung der Lebensqualität solch eine aktivierende Pflege mit sich bringen kann.

Die Einflussfaktoren
Ein viertes Element beschreibt die fünf Einflussfaktoren auf die Lebensaktivitäten und das Kontinuum. Mit diesem Element wird die individuelle Ausrichtung der Pflege nochmals besonders deutlich unterstrichen. Roper zeigt damit auf, dass Pflege nicht standardisiert angeboten werden kann, sondern gezielt auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnitten werden muss. Roper macht deutlich, dass der Abhängigkeitsgrad unterschiedlicher Menschen bei Lebensaktivitäten von Faktoren beeinflusst wird, die außerhalb dieser Aktivitäten liegen.

Diese Einflussfaktoren können die Bedeutung einzelner Lebensaktivitäten erheblich beeinflussen, weswegen ihnen seitens der Pflege besonderes Augenmerk gewidmet werden muss. Sich diese Einflussfaktoren bewusst zu machen, ist wichtig, da eine Beschränkung auf die Lebensaktivitäten, z.B. bei der Anamneseerhebung, in der Auswertung und folgenden Maßnahmenplanung sehr stark den persönlichen Blickwinkel des Pflegenden widerspiegeln würde. Tatsächlich macht der Rückgriff auf die Einfluss Faktoren die Beurteilung der Lebensaktivitäten tatsächlich zu einer individualisierten Angelegenheit. Sowohl die Persönlichkeit des Patienten als auch der Pflegenden erfahren durch das Bewusst werden der Existenz dieser Einfluss Faktoren optimale Berücksichtigung.

Die Einflussfaktoren lt. Nancy Roper
1. Körperliche
2. Psychische
3. Soziokulturelle
4. Umgebungsabhängige
5. Politisch-Ökonomische

Die Individualität im Leben
Das fünfte Element, das bezeichnenderweise in der Spitze des Modells liegt, zeigt, wohin die Pflege führen soll, nämlich zur Individualität im Leben. Diese Aussage ist als der Kernsatz der Roperschen Theorie zu verstehen, wird Pflegepersonen doch hierbei die eindeutige Verpflichtung zur Orientierung am einzelnen Patienten und dessen Bedürfnissen, auferlegt. Das Prinzip der Pflege ist aus der Sicht der Theoretikerin ein minimalistisches, das verlangt, soviel Hilfe wie nötig, aber so wenig wie möglich anzubieten. Das Modell der Pflege ist gleichzeitig auch ein Modell des Lebens, die Elemente der Pflege stellen ebenso die Elemente des Lebens dar. Mit dieser Gleichsetzung von Pflege und Leben hat Roper einen weiteren zentralen Punkt im modernen Pflegeverständnis aufgezeigt, die strikte Orientierung am täglichen Leben des Patienten. Alle Maßnahmen, die diesem Leben entsprechen, sind dem Verantwortungsbereich der Pflege zuzuordnen.

Zusammenfassung
Das Modell von Nancy Roper basiert also auf dem Prinzip eines Lebensmodells, was mir gerade im Bezug auf die psychiatrische Pflege optimal erscheint, denn gerade hier spricht viel für eine Verbindung zwischen Pflege und Leben. Die verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen führen zu ganz spezifischen Lebensumständen, viele Patienten leben mit ihren Einschränkungen oft jahrelang und müssen damit auch in der Alltagssituation zurechtkommen. Das gesamte Leben als Modell darzustellen, ist natürlich nicht möglich. Aber Roper hat den erfolgreichen Versuch gemacht, die Hauptmerkmale zu einer verständlichen und übersichtlichen Darstellung zu ordnen.

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