Autor/in: Daniela Packheiser/Martina Rodt

Kulturrückblick auf andere Völker, insbesondere auf die alten Indianer und auf das alte Ägypten

» Einleitung:

In einem Versuch die Welt zu verstehen, entwickelten die ersten Menschen Konzepte von Religionen. Verehrungsriten schlossen Feiern, heilige Objekte und Gebete ein. Ein wichtiger Schritt der Verehrung war die feierliche Bestattung, oft eine rituelle Vorbereitung des toten Körpers auf ein Leben nach dem Tod. Die Reste solcher zeremoniellen Grabstätten liefern uns noch heute Informationen über vergangene Kulturen.

Es gibt viele Rituale um die Toten zu ehren. Jedes Volk hatte seine eigenen Riten. Um ihren Toten die letzte Ehre zu erweisen, wurden keine Kosten und Mühen gescheut um ein möglichst prunkvolles Abschiedsfest zu geben. Leider konnten sich dieses nur die Reichen leisten, was auch heute noch der Fall ist. In den früheren Zeiten wurden auch noch die Gräber lange Zeit nach dem Tod des jeweiligen Menschen geehrt. Dieses hat sich im Laufe der Zeit geändert, da die nachfolgenden Generationen nicht mehr so das Interesse hatten, den Vorfahren zu gedenken oder aber auch nicht die Zeit und das Geld hatten. Sie konzentrieren sich nur noch auf die letzten Generationen an Toten (z. B. Eltern, Großeltern). Um einmal nahe zu bringen, wie aufwendig solch ein Bestattungsritual sein konnte, möchte ich auf geschichtliche Zeiten zurückblicken und solche Riten anhand der alten Ägypter (ca. 3000 bis 109 v. Chr). und der Indianer (bis heute) aufzeigen.

» Thema: Das alte Ägypten

Die alten Ägypter hatten die Vorstellung , dass der Tod nicht das Ende eines Menschen bedeutet, sondern jeder Mensch so etwas wie ein Doppelwesen verkörpert. Dort gab es 2 Seiten des Körpers.
a) den realen Körper der mit dem Tod sein Ende fand und anschließend verweste.
b) der geistige Körper = das Ka, welches unsterblich war und nur im menschlichen Körper wohnte.
Dieses Ka hatte mehr Bedeutung als die Seele „ach“ , das Ka galt als Schutzgeist und Lebensbringer.

Die Ägypter veranstalteten für ihre Toten einen wahren „Totenkult“. Die verstorbenen wurden mumifiziert , damit der Schutzgeist und Lebensbringer sich wieder in seinen realen Körper zurückfinden konnte. Denn jedes „Ka“ hatte nach Glauben der Ägypter , das Bedürfnis , auch nach dem Tod wieder in den ursprünglichen Körper zurückzukehren. Da die Bestattung sich auch nach den finanziellen Möglichkeiten der Angehörigen richtete, möchte ich auf die Bestattung eines Pharaos eingehen, die ja meistens finanziell abgesichert waren. Natürlich ging es bei solchen Persönlichkeiten viel aufwendiger zu als bei einer „normal bürgerlichen“ Bestattung.

Wenn ein Herrscher gestorben war, in diesem Fall ein Pharao, verbreitete sich die Nachricht davon wie ein Lauffeuer im ganzen Land. Das Volk verfiel in Trauer und Wehklagen. Die Mumifizierung eines Pharaos erfolgte nach strengen und aufwendigen Ritualen.
Beim Wickeln der Mumie wurden für die Binden bis zu 4800 Meter feinstes Leinen verwendet.
Das reich geschmückte Leinen bot dem Körper einen physischen- und der beigelegte Schmuck einen magisch – geistigen Schutz. Die Mumifizierung war sehr aufwendig, die inneren Organe wurden entfernt und in sogenannten Kanopenkrüge gelagert. Das Herz sollte im Körper bleiben, denn nach dem ägyptischen Glauben war dies der Sitz des Denkens und des Fühlens. In den „leeren“ Körper wurden Mixturen aus verschiedenen Zutaten gefüllt, um den Körperumriss erneut zu modellieren. Die Leiche wurde danach 70 Tage lang mit Natronsalz getrocknet. Nach dem Trocknen wurde sie noch einmal gereinigt und danach in Leinenbinden eingewickelt. Die Binden wurden mit einer gummiartigen Masse verfestigt, um dem ganzen den nötigen Halt zu geben. Der Pharao kam in eine Reihe von Särgen , welche mit Texten und Zeichnungen versehen waren, um den Toten die Reise ins Jenseits zu erleichtern. Am Tag der Bestattung bildeten die „Vornehmen“ des Reiches den Trauerzug. Unter Verwendung von Weihrauch wurde der Verstorbene zu seinem Grab gebracht.

» Mitgeführt wurden auch : die Kanopengefäße , Speisen und Getränke, Schmuck und Kultgeräte. Hinter dem Zug gingen die Familie, der Hofstaat , die Priester und die Großen des Reiches. Ans Grab selbst durften nur die engsten Freunde und die Familie treten. Dort wurden noch einmal ca. 75 rituelle Handlungen vollzogen. Diese Riten dienten der Wiederbelebung des Toten und sicherten die Unsterblichkeit. Die wichtigste dieser Handlungen war die Mundöffnung. Sie wurde durch eine ausgewählte Person , meistens der älteste Sohn, vollzogen.

Mit einem „Gerät“ , welches in den Mund des Toten eingeführt wurde , wurden im folgende Worte zugesprochen: “ Horus öffnet dir den Mund! Er gibt dir Augen zum Sehen, Ohren zum Hören , Füße zum Gehen und Hände zum tun!“ Nach diesem Ritual war der Tote nicht mehr Tot. Die Ehefrau des Pharaos jammerte noch einmal vor der Mumie , und schlug mit den Händen auf den Sarkopharg. Die Grabbeigaben wurden darin verteilt und das Grab danach geschlossen. Der traditionelle Totenschmaus beendete die Feierlichkeiten.

Diese Art der Mumifizierung war sehr teuer. Da sich aber nicht alle diese teuren Begräbnisse leisten konnten, mussten sich die Leute des „einfachen“ Volkes anders behelfen. Sie brachten ihre Toten in einem Gemeinschaftsgrab unter. Das billigste Verfahren der Mumifizierung war, dass das Körperinnere mit Salzlösungen gespült und die Leichen danach durch einsalzen 70
Tage getrocknet wurden. Die nicht sorgfältig mumifizierten Leichen wurden nur in grobes, billiges Leinen gepackt und in einem Raum (Katakombe, als Gemeinschaftsgrab) bis zur Decke aufeinandergestapelt. Sobald der Raum „voll“ war, wurde ein neuer Raum angelegt.

Dies zeigt, wie viel Geld schon damals ausgegeben werden musste, um ein „anständiges“ Begräbnis zu haben. Es wurde damals in Klassen unterschieden, was auch heute noch der Fall ist. Teure Beerdigungen waren den Reichen vorbehalten (Oberschicht). Dann folgte die mittlere Preisklasse, derer die sich wenigstens eine bessere Mumifizierung und ein einigermaßen „gutes“ Grab leisten konnten (Mittelschicht). Und dann gab es da noch die untere Preisklasse, welche sich gerade noch die billigste Mumifizierung leisten konnte und eine Grabstätte in einer Katakombe.

Aber es gab auch Menschen die sich auch nicht die billigste Variante leisten konnten. Sie brachten ihre Verstorbenen wie zu „uralten“ Zeiten in die Wüste und vergruben sie dort…

Quellenangabe:

  • Alltag im alten Ägypten“ von Manfred Reitz
  • Ägypten und der Vordere Orient im Altertum“ von Emil Nack
  • Kunst und Kultur alter Völker Ägypten“ von A. R. David

» Worterklärungen:
1. Ka = Schutzgeist und Lebensbringer
2. ach= die Seele
3. Kanopen= besondere Gefäße zum lagern der entnommenen Organe
4. Katakombe= Gemeinschaftsgrabraum

» Thema: Die Indianer:

Der indianische Totenkult war von Stamm zu Stamm unterschiedlich. In der Regel wurde der Tote in einer feierlichen Zeremonie in der Erde bestattet, bei einigen Stämmen auch verbrannt oder auf Gerüsten zur letzten Ruhe gebettet. Dem Toten wurde besonders gute Kleidung angezogen und sie bekamen eine sorgfältige Bemalung. Die Beine wurden zusammen-gebunden und die Hände über die Brust gefaltet. Als Grabbeigaben gab es die gefüllte Friedenspfeife, Speisen und Getränke. Wenn der Tote ein Pferd besaß wurde dieses meistens am Grabe seines Besitzers getötet, damit dieser in das „Seelenland“ reiten konnte.
Starb ein berühmter oder ein geachteter Häuptling wurden alle persönlichen Dinge die er besaß mit ins Grab gegeben. Starb die Person in seinem Tepee , so wurde er seitwärts aus dem Zelt gezogen . Im Glauben der alten Indianer durfte der Tote keinesfalls sein Zelt durch den Eingang verlassen. Der Verstorbene wurde zum Grabplatz gebracht und nach einer Trauerzeremonie bestattet. Die Angehörigen brachten sich Verletzungen bei um ihre Trauer auszudrücken. Auch bei den Indianern gab es den traditionellen Totenschmaus. Der Besitz des Verstorbenen wurde verschenkt. Das Tepee entweder verlassen oder gegen ein anderes getauscht. Bei sesshaften Stämmen wurde der Sterbende oft in eine gesonderte Hütte gebracht, die nach seinem Tod zerstört wurde.

Bei den weiter entwickelten Indianerkulturen Mittel- und Südamerikas wurden ähnlich wie im alten Ägypten die Toten mumifiziert und als heilige Objekte angesehen. Die Gräber wurden mit Respekt behandelt, da man annahm, dass die Toten die Lebenden schützen. Die Familie des Toten brachten dem Grab regelmäßig Gaben. Man glaubte sich sonst den Zorn des Toten einzuhandeln.
Die Schreine der Toten wurden von Alten gepflegt, welche selber zu alt waren hart zu arbeiten.

Quellenangaben:
„Das neue Indianerlexikon“ von Kuno Mauer
„Die Indianer“ von Royal B. Hassrick
„Die Indianer“ von Wolfgang Lindig und Mark Münzel

Worterklärungen:
1.
Tepee = Zelt, welches in der Vergangenheit mit Fellen, Matten, Rinden bedeckt war

Resümee

Rituale wurden meistens nur dann angewandt wenn die Person schon gestorben war. Die Toten wurden geehrt und fast schon vergöttert. In beiden Kulturen wurden die Toten wahrlich vorbereitet auf die lange Reise, die sie anzutreten hatten. Natürlich hatte jedes Volk, jede Kultur ihre eigenen Sitten und Regeln. Daran hat sich bis heute nicht viel verändert, obwohl in den meisten Ländern auch der Zeitwandel stattgefunden hatte. Es gibt auch heute noch Menschen vom „Alten Schlag“ welche gerne die alten Traditionen ihrer Familien fortführen möchten, dennoch denke ich dass sich mit der Zeit vieles geändert hat. Sei es im Bezug auf Rituale am Toten oder die Pflege des Grabes danach.

Bei beiden Kulturen glaubten sie fest an die Wiedergeburt, was sicherlich auch heute noch der Fall ist. Ich denke, dass die Menschen schon damals wussten wann ihre „Stunde“ gekommen war und sie es heute immer noch tun. Aus eigenen Erlebnissen im Seniorenheim aber auch durch Erzählungen von Kollegen und Angehörigen erfuhr ich, dass oft ältere Menschen, die meinten bald zu sterben, es auch tatsächlich dann taten. Anscheinend ist in jedem Menschen „verankert“ zu „spüren“ wann es Zeit ist, zu gehen.

Natürlich gibt es auch Situationen wo ein Mensch Angst vorm Sterben hat. Ich denke es gibt keinen, der nicht wenigstens ein bisschen Angst vorm Sterben hat. Auch wenn sich dieses vielleicht nicht äußerlich bemerkbar macht.
Der Tod ist immer noch nicht gesellschaftsfähig, eben ein Tabuthema für die meisten Menschen. Meiner Meinung nach gehört der Tod ebenso zum Leben dazu wie alles andere auch. Wir kommen auf diese Welt, um zu Leben und gehen von dieser Welt um Platz zu machen für neues Leben. Unser Leben besteht aus : „WERDEN, SEIN ,VERGEHEN…“
Für viele andere Kulturen ist der Tod das natürlichste von der Welt und sie sehen in ihm nicht das Ende, sondern den neuen Anfang des Lebens.

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