Hygiene – Infektionslehre – Umweltschutz
1. Hygiene, die Lehre von der Gesundheit
Definition: Wissenschaftliche Lehre von der Gesundheit und der
Verhütung von Krankheiten. Während sich die kurative
Medizin um die Wiederherstellung der Gesundheit bemüht,
ist das Ziel der Hygiene, Gesundheit zu erhalten und Krankheit
zu verhindern. Dies schließt ein, die Einflüsse der
Umwelt auf die Gesundheit des Menschen zu erfassen, um Maßnahmen
zu begründen, die sein Wohlergehen und seine Leistungsfähigkeit
fördern.
1.1 Hygienegerechtes Verhalten
1.1.1 Schutz des medizinischen Personals
- Gut informiert zu sein bietet den besten Schutz vor Infektionskrankheiten
• Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
• Schutzimpfungen
• Den Erfordernissen angepasste Schutzkleidung
- strapazierfähige Berufskleidung
- spezielle Schutzkleidung (schützt Berufskleidung vor Kontamination,
wird abgelegt sobald die Gefahr der Kontamination vorüber
ist)
- Flüssigkeitsdichte Handschuhe
- Schutzkittel oder Schutzschürzen( Gefahr von Durchnässen)
- Gesichts- und Kopfschutz (wenn mit Verspritzen von infektiösen
Stoffen zu rechnen ist)
- Flüssigkeitsdichte Schuhe (Durchnässen des normalen
Schuhwerks)
1.1.2 Schutz des Patienten
Händehygiene
Da eine Übertragung von Mikroorganismen am häufigsten über
die Hände erfolgt, ist die Händehygiene mit Abstand die
wichtigste prophylaktische Maßnahme der gesamten Krankenhaushygiene überhaupt.
Damit sie überhaupt möglich ist stehen in allen Bereichen
des Krankenhauses zur Verfügung:
- Handwaschbecken mit fließend warmen und kaltem Wasser
- Hautschonende Flüssigseife aus Seifenspendern
- Händedesinfektionsmittel
- Einmalhandtücher
- Hautpflegemittel
• Händewaschen
Das Händewaschen ist vorwiegend zur Beseitigung sichtbarer
Verschmutzungen ausreichend; es ist aber auch notwendig nach der
Toilettenbenutzung oder dem Naseputzen sowie vor dem Essen bzw.
vor dem Essen austeilen.
•
Hygienische Händedesinfektion
Für die Abtötung von Krankheitserregern ist eine hygienische
Händedesinfektion erforderlich. Erst nach der Händedesinfektion
dürfen die Hände gewaschen werden, wenn sie vorher verschmutzt
waren; ist die nicht der Fall, genügt die alleinige Desinfektion
!Vorsicht! Alkohol trocknet die Haut aus: Anschließend
die Hautpflege nicht vergessen!
1.1.3 Hygieneregeln
Punktionen, Injektionen und Infusionen
!Vorsicht! Alkohol tötet keine Sporen ab; gewisse Gefahr eines
Spritzenabszesses!
- Die Haut im Bereich der Einstichstelle desinfizieren
- Sowohl für die Desinfektion verwendete Tupfer wie auch Desinfektionsmittel
selbst müssen frei von Keimen sein und werden deshalb bis
zur Verwendung in geschlossenen Behältnissen aufbewahrt
- Sowohl die Verpackung steriler Instrumente als auch die Medikamente
erst kurz vor Gebrauch öffnen; die Entnahme erfolgt unter
aseptischen Bedingungen
- Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung und solche
mit Arzneizumischungen nicht länger als 12 Stunden laufen
lassen
- Infusionssysteme ohne Bakterienfilter mindestens alle 48 Stunden
wechseln
- Punktionsstellen täglich auf Anzeichen einer Infektion kontrollieren
Harnblasenkatheterisierung
- Nach Möglichkeit keinen transurethralen Verweilkatheter
legen: Einmalkatheterisierung oder suprapubische Harnableitung
bevorzugen
- Den Katheter unter aseptischen Bedingungen legen
- Für den Harnabfluß ein geschlossenes Harnableitungssystem
verwenden
- Urin zur Untersuchung nur an der vorgesehenen Punktionsstelle
entnehmen; diese vor der Entnahme desinfizieren
- Urinbeutel immer unterhalb des Blasenniveaus hängen
- Beim Entleeren des Urindrainagebeutels Schutzhandschuhe tragen
- Die Verbindungsstelle zwischen Katheter und Harnröhrenöffnung
ständig sauber halten
Wundverband und Verbandwechsel
- Patienten mit septischen Wunden getrennt von Patienten mit aseptischen
Wunden legen und beim Verbandswechsel zum Schluss verbinden
- Verbandwechsel bei Patienten mit infizierten Wunden nur mit Schutzkleidung
durchführen
- Zum aseptischen Arbeiten ggf. die Hilfe einer zweiten Person
in Anspruch nehmen
- Zur Materialablage eine ausreichend große Arbeitsfläche
schaffen; diese nach dem Verbandwechsel desinfizieren
- Für die Entsorgung benutzter Instrumente Behälter bereitstellen
- Abfälle in sofort verschließbaren Behältnissen
entsorgen
- Beim entfernen des alten Verbandes Handschuhe tragen
- Vor auflegen des neuen Verbandes Handschuhe wechseln
- Wunden nicht mit Händen berühren, dafür Instrumente
oder sterile Handschuhe verwenden
Umgang mit Arzneimitteln
Händedesinfektion und die Desinfektion der Arbeitsfläche
sind Grundvoraussetzungen für den Beginn jeder Zubereitung
von Arzneimitteln die parenteral verabreicht werden
- Arzneimittelmischungen erst unmittelbar vor Verwendung herstellen
- Vor dem anstechen von Behältnissen mit Gummistopfen diesen
desinfizieren
- Beim ersten Anbruch Datum und Uhrzeit auf dem Behälter vermerken
- Medikamente ohne Konservierungsmittel bis zur Wiederverwendung
gekühlt aufbewahren
- Aufbewahrungsdauer geöffneter Behältnisse je nach Vorschrift
des Herstellers
- Bei Wiederverwendung neu anstechen( keine Kanülen etc. stecken
lassen)
Umgang mit Pflegeartikeln
- Alle Pflegeartikel nach Gebrauch desinfizieren
- Bei der Aufbereitung Pflegeartikel soweit möglich zerlegen
- Bis zur Wiederverwendung trocken und staubfrei aufbewahren.
Patienten mit Ansteckenden Infektionskrankheiten benötigen ihre
Eigenen Pflegeartikel
1.2 Desinfektion und Sterilisation
1.2.1 Sterilisationsverfahren
Definition: Verfahren mit dem Ziel der absoluten Keimfreiheit;
alle Mikroorganismen in und an der Oberfläche eines zu sterilisierenden
Gegenstandes werden einschließlich ihrer Überlebensformen
(Sporen) abgetötet oder irreversibel geschädigt.
Physikalische Sterilisation

Chemisch-physikalische
Sterilisationsverfahren

2. Infektionslehre
2.1 Infektion – Infektionskrankheit
Definition: Infektionskrankheit: Erkrankung durch Eindringen und
Vermehrung von Mikroorganismen (z.B. Bakterien, Vieren, Pilze oder
Protozoen) im menschlichen Körper. Viele aber längst
nicht alle Infektionskrankheiten werden von Mensch zu Mensch übertragen,
sind also anstechend (infektiös)
Definition: Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet Infektion:
- Die Übertragung
- Das haften bleiben
- Das Eindringen und
- Die Vermehrung
von Mikroorganismen im menschlichen Körper.
2.2. Lokale und generalisierte Infektionen
- Lokale Infektion = Die Infektion beschränkt sich
auf die Eintrittspforte des Erregers
(z.B. Wundinfektion)
- Generalisierte Infektion = Erreger dringen ins Gefäßsystem
vor und ziehen den gesamten Organismus in Mitleidenschaft. Generalisierte
Infektionen können zu einer Sepsis führen.
( z.B. Typhus)
2.3 Obligate und opportunistische Infektionen
- Obligat pathogene Keime: Erreger, sind bei fast jedem
nicht-immunen Individuum
Krankheitserregend
- Fakultativ Pathogene Keime: Die sind Erreger, die nur
bei allgemeiner oder
lokaler Abwehrschwäche zu sog. opportunistischen
Infektionen führen
2.4 Epidemie – Pandemie – Endemie
- Epidemie: Zeitlich und örtlich begrenzte Häufung
von Infektionskrankheiten
( z.B. Grippe- oder Cholera-Epidemie)
- Pandemie : Ausbreitung einer Epidemie über einen
ganzen Kontinent oder über die
ganze Welt (z.B. HIV-Pandemie)
- Endemie: Der Erreger ist in einer bestimmten Region weit
verbreitet und ständig
vorhanden
2.5 Infektionskette
Definition: Weg des Erregers einer Infektion:
- Infektionsquelle
- Übertragungsweg
- Empfänger, der wiederum Infektionsquelle sein kann.
2.5.1 Infektionsquelle
Infektionsquellen können Lebewesen oder Materialien sein,
von/auf denen Bakterien leben können. Häufig sind Problemkeime
die Ursache von im Krankenhaus erworbenen Infektionen, zu denen
vor allem viele gegen viele Antibiotika resistente Bakterien gehören.
Sie stammen aus zahlreichen Erregerrervoiren, und lauren dort auf
die Gelegenheit sich auszubreiten

2.5.2 Übertragungswege
Die Übertragung von der Infektionsquelle auf dem Empfänger
erfolgt auf Direktem oder indirektem Übertragungsweg.

2.5.3 Eintrittspforten
Der Erreger muss nicht nur zum Menschen kommen, sondern auch in
ihn hinein. Die wichtigsten Entrittspforten der Keime sind:
- Kleinste Wunden der Haut oder der Schleimhaut, etwa Nagelfalzverletzungen
der Finger oder winzige Schleimhautverletzungen beim Geschlechtsverkehr
( HIV-Infektion)
- Insektenstiche (Malaria)
- Eindringen durch die intakte Schleimhaut (Salmonellen)
- Aktives Eindringen der Erreger durch die intakte Haut (Bilharziose)
- Vor der Geburt diaplazentar, d.h. mit dem Blut über die Plazenta
(angeborener Lues, Listeriose)
2.6 Nosokominale Infektion
Definition: (Nosokominalinfektion, im Krankenhaus erworbene Infektion,
kurz Krankenhausinfektion): Jede durch Mikroorganismen hervorgerufene
Infektion, die im ursächlichen Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt
steht, unabhängig davon, ob Krankheitserscheinungen vorliegen
oder nicht (amtliche Definition)
- Eine im Krankenhaus erworbene Infektion bedeutet für den Patienten
immer eine Verschlechterung seines Zustandes. Da nosokominale Infektionen
insbesondere schwerkranke Patienten treffen, sind sie nicht selten
sogar lebensbedrohlich
- Das Personal empfindet die im Krankenhaus erworbene Infektion fast
immer als Niederlage: Sie kann alle mit großem Einsatz erbrachten
Leistungen zunichte machen
- Für das Gesundheitswesen bedeuten nosokominale Infektionen
hohe Kosten: Bei den in Deutschland geschätzten 500000 Fällen
pro Jahr und einer damit verbundenen Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes
um 10 – 14 Tage ja Fall ergeben sich Kosten von mindestens § Milliarden
DM jährlich
2.6.1 Häufige nosokominale Infektionen
- Harnwegsinfektion
- Postoperative Wundinfektion
- Atemwegsinfektionen
- Bakteriämien und Sepsis
2.6.2 Erreger nosokominaler Infektionen
Nosokominale Infektionen werden überwiegend durch Bakterien
verursacht. Die wichtigsten sind dabei:
• Staphylokokkus aureus
- Lokalinfektionen durch Staphylokokken sind Wundinfektionen, Furunkel
und Karbunkel(abszedierende Haarbalgentzündungen), sowie
Impetigo contagiosa (eitrige Hautentzündung bei Kindern).
Sie neigen zur eitrigen Einschmelzung mit Abszesbildung. Sind
die Schleimhäute befallen, entstehen z.B. die eitrige Bindehautentzündung
oder der eitrige Schnupfen
- Beispiele für systemische Erkrankungen durch Staphylokokken
sind die Brustdrüsenentzündung der stillenden Mutter(Mastitis
puerperalis) und die auf dem Blutweg entstandene Knochenmarkentzündung
(Osteomyelitis)
Alle genannten Krankheitsbilder können zur Einschwemmung
von Staphylokokken in die Blutbahn und damit zu einer Sepsis oder
Endokarditis mit oft rascher Herzklappenzerstörung führen
•
Escherichia coli
- Enteritis (Darmentzündung)
- Harn- und Gallenwegsinfektion
- Wundinfektion
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
2.7 Infektionsverhütende Maßnahmen
2.7.1 Asepsis und Antisepsis
• Asepsis = (Keimfreiheit): Maßnahmen, die eine Kontamination
mit Mikroorganismen von vornherein ausschließen, z.B. durch
Verwendung steriler Instrumente.
• Antisepsis = (Keimreduktion): Maßnahmen zur Bekämpfung
bereits bekannter oder zu erwartender Infektionserreger, z.B. durch
den gezielten Einsatz von Desinfektionsmitteln
2.7.2 Isolierung
Die Unterbrechung der Infektionskette möglichst schon an
der Infektionsquelle gelingt bei infektiösen Patienten am
wirkungsvollsten durch deren Isolierung. Welche Maßnahmen
angewandt werden, hängt ab von:
- Der Ansteckungskraft des Erregers
- Dem Übertragungsweg
- Der Gefahr für den Patienten
- Der Gefahr, die vom Patienten ausgeht
Folgende Isolationsformen werden angewandt:
- Standartisolioerung
- Strikte Isolierung
- Schutzisolierung
2.7.3 Immunisierung
Neben der Unterbrechung der Infektionskette an der Infektionsquelle
kann die Infektionskette auch an ihrem Ende, am Empfänger,
unterbrochen werden.
• Passive Immunisierung
Ü
bertragung von spezifischen Antikörpern gegen bestimmte Erreger
oder Toxine, die von einem anderen Organismus gebildet worden sind
• Aktive Immunisierung
Verabreichung von:
- Lebendimpfstoffen (abgeschwächten Krankheitserregen)
- Totimpfstoffen (Antigen toter Krankheitserreger)
- Toxoidimpfstoffen („entschärften“ Giftstoffen)
Sie sollen im Körper des Geimpften gewissermaßen einen „kontrollierten Übungskampf“ erzeugen
und so zu Immunität führen.
3. Umweltschutz


|