Gewalt in der Altenpflege
Gewalt, Aggressionen, in der Pflege, scheinen mir grundsätzlich
nicht sadistischer Natur zu sein, sondern eher eine kompensatorische
Funktion zu haben. Sie entsteht auf dem Boden von Überforderung,
Verunsicherung, mangelnder Anerkennung, dem Gefühl des allein
gelassen werdens... sowohl auf Seite der Pflegekräfte als auch
bei Angehörigen und zu Pflegenden...
Das Gewalt in der Pflege stattfindet, auftritt, ist keine Frage,
und dass diese in unterschiedlichen Formen auftritt auch nicht...
auch scheinen mir persönlich die verschiedenen Formen der
Gewalt hierbei nicht so sehr relevant...
Relevant erscheint es mir jedoch die Ursachen für das entstehen
der Gewalt heraus zu filtern und was von den einzelnen „Gruppen“ als
gewalttätig erfahren wird / erfahren werden könnte....
Gewalt aus Sicht des zu Pflegenden :
Beginnen wir einmal ganz von vorn
Die Heimunterbringung :
Es ist erfahrungsgemäß eher die Ausnahme, dass die Heimunterbringung
freien Willens geschieht, eher ist es so, dass diese Aufgrund von
Sachzwängen, dem „Zuspruch“ Angehöriger, Ärzte,
etc. erfolgt.
Was sind die Folgen dieser Unterbringung ?
Der Mensch verliert sein ihm vertrautes Umfeld, muss in der Regel
das meiste ihm vertraute zurück lassen (Möbel, soziale
Kontakte, Lebensgewohnheiten, Träume, ...)
Da Einzelzimmer eher in den meisten Häusern immer noch die
Ausnahme sind, und auch mit einer finanziellen Mehrbelastung verbunden
sind, verliert er seine Privatsphäre, seine Intimsphäre
durch die Unterbringung in einem Mehrbettzimmer.
Allein diese Tatsache ist dazu geeignet, sie als gewalttätig
zu definieren. bzw. als gewalttätig zu erfahren...
Grundsätzlich ist es doch so das der „alte Mensch“ sich
einer völlig neuen Lebenssituation gegenüber sieht, welcher
er sich stellen muss, er erlebt erst einmal einen Verlust ...
Verlust des vertrauten Lebensraumes (Wohnung, Haus, ...) Verlust
seines ihm vertrautes soziales Umfeld (Familie, Nachbarn, Freunde,
...)
Verlust seines ihm vertrauten Tagesablaufes, der mit seinen eigenen,
jahrzehntelang ausgelebten Ritualen verbunden war.
Der Tagesablauf im Heim :
Ü
blicherweise ist dieser in den meisten Häusern relativ straff
durchorganisiert, aufstehen von.. bis.., Frühstück von..
bis.. Mittagessen, Mittagsruhe, Abendbrot Nachtruhe ... Diese Tagesstruktur
ist nicht dazu gedacht, Gewalt gegenüber Menschen auszuüben,
jedoch kann diese von ihm, dem „Bewohner“, als solche
empfunden werden, da sein individueller, biographisch bedingter
Tagesablauf dabei normalerweise kaum berücksichtigt wird...
Der Tagesablauf, dessen gesamte straffe Organisation, wird zumeist
eher nach funktionellen Gesichtspunkten gestaltet als nach individuellen...
Die Frage ist nun: kann überhaupt der Individualität
des Individuums Rechnung getragen werden in einer Institution wie
der des Altenheimes....
Welche Möglichkeiten hat der zu Pflegende hierauf
zu reagieren ?
•
Er entflieht der Situation ( zunehmende Verwirrtheit – Demenz
?!, sozialer Rückzug? )
•
Aufbau von Aggressionen gegenüber Angehörigen, Pflegekräften,
Mitbewohnern
•
Annahme der Situation, das beste daraus machen...
Gewalt aus Sicht des „Angehörigen“ :
Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass eine Heimunterbringung
nicht „leichtfertig“ getätigt wird. Dies mag in
Ausnahmefällen der Fall sein, ist jedoch grundsätzlich
,meines Erachtens, nicht die Regel. Die „Abschiebung“ in
ein Altersheim ist nicht mal so eben getan.. Dies mag in Ausnahmen
der Fall sein, zumeist geschieht es jedoch aus zwingender Notwendigkeit.
Meine Erfahrung aus der ambulanten Pflege heraus ist eher jene,
dass die Heimunterbringung, wenn überhaupt, als letzter Ausweg
gesehen wird.
All zu oft mischen sich in die Heimunterbringung Schuldgefühle...
das Gefühl des eigenen Versagens, des Abschiebens und das
Gefühl, den Angehörigen im Stich zu lassen mischen sich
mit der Empfindung des überfordert seins... die Heimunterbringung
wird häufig erst einmal als Niederlage empfunden... Häufig
empfindet der „Angehörige“ die Unterbringung seines
Angehörigen als Schmach....
Hinzu kommt, dass der „Angehörige“ nur wenig Einfluss
auf die Betreuung, Pflege - die er ja vorher größtenteils
selbst übernommen hatte – hat. Normalerweise ist er
in den Pflegeprozess kaum eingebunden, eher ist es so, dass er
nun, da sein Angehöriger im Heim untergebracht ist ,außen
vor steht... er wird quasi entthront, entmachtet..
Auch sind die wenigsten Heime dazu geeignet den sozialen, zwischenmenschlichen
Kontakt aufrecht zu erhalten ... Rückzugsmöglichkeiten
gibt es in den meisten Häusern keine, und die Bewohnerzimmer
laden wenig zum verweilen ein...
Eine Heimunterbringung erfolgt häufig gegen einen mehr oder
minder ausgeprägten Widerstand....
Welche Möglichkeiten hat der “Angehörige“ hierauf
zu reagieren ?
- Er zieht sich zurück, besucht seinen Angehörigen
nicht mehr
•
Aufbau von Aggressionen gegenüber seinem Angehörigen,
Mitarbeitern,...
• Annahme der Situation...
Gewalt aus Sicht der „Pflegekraft“ :
Allein die oben genannten Umstände sind dazu geeignet ,ein
Gewaltpotential hervorzubringen, die „Pflegekraft“ ist
im hohen Maße gefordert. Zunächst trifft sie erst einmal
auf einen zu Pflegenden. der eigentlich gar nicht da sein möchte...
sich in einer ihm völlig unbekannten Umgebung befindet, über
keinerlei soziale Kontakte innerhalb des Hauses verfügt, seine „alten“ sozialen
Kontakte hinter sich gelassen hat, seine eigenen individuellen
Bedürfnisse und Erwartungen hat....
Da ist einerseits der zu Pflegende der im Hause fremd ist, nicht
unbedingt positiv eingestellt ist auf sein neues Zuhause. Er will
/ muss integriert werden bedarf im hohen Maße der Zuwendung
durch die Pflegekraft ... Da der „Bewohner“ jedoch
häufig der Heimunterbringung nicht positiv gegenüber
eingestellt ist, ist er eher auf Abwehr, auf Negation seiner Lebensumstände, „programmiert“.
Er ist häufig noch in der „Verlustphase“ ,spricht
mit bedauern darüber, das er sein Zuhause aufgeben musste..
Was vermutlich bedeuten mag, er öffnet sich der Zuwendung
der Pflegekraft gegenüber nicht unbedingt , dass er sich eher
in einer Abwehrhaltung befindet.
Für den Bewohner ist es so, dass er quasi erst einmal sein
altes Leben hinter sich lassen muss... in einem übertragenen
Sinne stirbt er erst einmal ...
Die Pflegekraft nimmt ihn jedoch als „neuen Bewohner“ war...
für sie ist es eher eine“ Geburtsstunde“... Sie
gehen quasi von unterschiedlichen Aufgangspunkten aus, während
es für den einen das Ende ist, ist es für den anderen
ein Anfang...
Folgendes Modell habe ich den Phasen von Kübler Ross entnommen,
und meine Theorie an diese angelehnt...
Phase 1: Nicht-Wahr-haben-wollen und Isolierung
Der zu Pflegende kann sich nicht mit der Heimunterbringung abfinden,
diese noch nicht anerkennen... Fordert oder meint seine Unterbringung
sei nur vorübergehend.. er käme bald wieder nach Hause...
ist der Integration in den Heimablauf gegenüber eher verweigernd,
ablehnend eingestellt. Er entzieht soweit es möglich ist
allen Tatsachen die ihm bewusst machen, dass er in einem Heim
untergebracht ist, lehnt es ab, integriert zu werden, an Veranstaltungen
teilzunehmen, etc.....
Dies ablehnende Verhalten des zu Pflegenden kann von der Pflegekraft
durchaus als gewalttätig empfunden werden, da er sich in diesem
Verhalten nicht anerkannt nicht bestätigt fühlt. Er keine
Bestätigung, keine Wertschätzung erfährt...
Kann auch vor der eigentlichen Heimunterbringung liegen... in
dem Sinne das der „alte Mensch“ nicht die Notwendigkeit
einer Unterbringung einsieht, erkennt, akzeptiert....
Phase 2: Zorn
Kann der zu Pflegende die Heimunterbringung nicht mehr leugnen,
hat er diese als solche erkannt, kann er zornig und eifersüchtig
werden auf Pflegekräfte und/oder Angehörige... Da sind
jene, die seine Unterbringung veranlasst haben, schuld sind an
seiner Situation (meist Angehörige) und Pflegekräfte,
die ihm weiß machen wollen, dies sei jetzt sein Zuhause
(eine „Äußerung, die in Phase 1 und 2 ein Gewaltpotential
in sich birgt) und die ja auch gut reden haben sie müssen „hier“ nicht
leben, gehen nach Hause... Es kommt zu einer Flut negativ getönter
Emotionen...Dies äußert sich dann oft in „Kleinigkeiten” wie
Unzufriedenheit mit dem Essen, dem Zimmer, den Mitbewohnern,
dem Pflegeteam und den Ärzten, in Sonderwünschen, aber
auch in heftigen Streitigkeiten mit der Familie und aggressiven
Beschuldigungen.
Phase 3: Verhandeln
In dieser Phase versucht der zu Pflegende zu verhandeln... Er hat
erkannt das seine Heimunterbringung unabwendbar ist , er dies
nicht mehr rückgängig machen kann,
eventuell ist letzteres auch nicht gegeben. Dann versucht er einen
Ausweg zu finden im Sinne von: Wenn ich dieses oder jenes erreiche...
darf / kann ich dann wieder nach Hause?! Hat er sich jedoch mit
der Heimunterbringung abgefunden, versucht er in dieser Phase zu
verhandeln... In dieser Verhandlungsphase versucht er soviel wie
möglich aus seinem alten Leben in das neue hinüberzuretten...
(Einzelzimmer, aufstehen, Zubettgehen, Mahlzeiten, ... ) Sinn und
Zweck dieser Verhandlungsphase ist es, ein möglichst hohes
Maß an subjektiver individueller Lebensqualität zu erhalten,
beizubehalten.... In dieser Phase ist der Bewohner sehr verletzlich,
da er in einem Prozess der Neuorientierung ist...
Phase 4: Depression
In dieser Phase trauert der zu Pflegende um das verlorene, wird
er sich seiner Situation bewusst/er er blickt zurück und
erkennt, was er alles zurückgelassen hat. Dies betrifft
nicht nur materielles... ihm wird bewusst das ein Lebensabschnitt
seines Lebens zu Ende ist.... Wie intensiv , tief diese Depression
ist, ist unter anderem davon abhängig wie viel individuelles,
er erhalten konnte...
Phase 5: Zustimmung
In dieser Phase hat der zu Pflegende sich mit seiner Situation
nicht nur abgefunden, sondern diese auch akzeptiert. Unter Umständen
vermag er sogar Qualitäten in seiner Heimunterbringung zu
entdecken, entwickelt sogar neue Lebensgewohnheiten....
Nun könnte man natürlich fragen, was hat eine Heimunterbringung
mit dem Sterbeprozess, dem Tod zu tun? Ich meine sehr viel... Aufgrund
der Komplexität des Menschlichen ist es so, dass wir nicht
nur einen physischen „Tod“ erleiden können ...
Ich möchte nun versuchen dies an Maslows Bedürfnispyramide
zu belegen...
Maslows Bedürfnispyramide :
Wesentlich ist hierbei, dass die untere Ebene erfüllt sein
muss, damit die nächst höhere wahrgenommen werden kann.
Sie bauen also aufeinander auf, bedingen einander....
Maslow ist davon ausgegangen, dass der Mensch im Laufe seines Lebens
unterschiedliche Bedürfnisse entwickelt. Diese Bedürfnisse
weisen eine bestimmte Hierarchie auf, erst wenn die Bedürfnisse
der unteren Ebene erfüllt sind, werde die der nächst
höheren wahrgenommen respektive entwickelt.
In einem übertragenen Sinne entdeckt er quasi eine neue Welt,
nimmt er eine neue „Teilidentität“ an ... mit
in Besitznahme der entsprechenden „Bedürfnisidentität“ ist
er bestrebt diese zu erhalten....
Des weiteren ist die Pflegekraft
konfrontiert mit den Angehörigen
des zu Pflegenden. Sowohl Angehöriger als auch zu Pflegender
stellen Forderungen gegenüber der Pflegekraft, äußern
ihm/ihr gegenüber Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen,
etc. Hinzu kommen dann noch die pflegerischen Sachzwänge (z.B.
personelle Situation in der Pflege, Funktionalisierung, Überforderung
durch mangelnde Anleitung, bzw Fachwissen) welche eine wirkliche
individuelle Pflege fast unmöglich machen, allein durch den
immer noch üblichen fest vorgegebenen Tagesablauf.
Diese Konstellation führt zwangsläufig bei der Pflegekraft
zu einer Überforderung, welche sich durchaus häufig in
verbaler oder nonverbaler Gewalt äußert.
Welche Möglichkeiten hat die Pflegekraft hierauf
zu reagieren ?
- Sie zieht sich zurück, Aufgabe des Berufes
- Annahme der Situation „innere Kapitulation“ (humanoide
Pflegemaschinen)
- Aufbau von Aggressionen
- Burn-out, potentielle Suchtgefahren durch permanente körperliche
und geistige Überforderung
Zu klären wäre jedoch auch: was ist eigentlich
Gewalt ?
Ich verwende hierfür folgende Definition :
Gewalt ist all das was den Menschen in seiner Individualität
einschränkt ,
ihn zwingt, zwingen soll,
etwas gegen seinen Willen zu tun oder gegen seinen Willen zu unterlassen.
Um den Menschen in seiner Individualität einzuschränken,
ihn zwingen zu wollen etwas gegen seinen Willen zu tun, oder gegen
seinen Willen zu unterlassen, erscheint mir das „Mittel der
Wahl“ die Angst , sie ist mir die erste und ursprünglichste
Form der Gewalt.
Angst und Gewalt erscheinen mir wie zwei Seiten einer Medaille.
Von daher ist Gewalt auch für mich, alles was
Angst macht ... Angst machen soll ... Angst verursacht ... dies
meint Gewalt sowohl die offene als auch die versteckte als auch
die Androhung von Gewalt...
Gewalt und Angst ... Ursache und Wirkung ... Gewalt verursacht
Angst, doch verursacht Angst nicht auch Gewalt ?
ANGST ... GEWALT... ANGST...
Eine weitere, meiner Meinung nach, wichtige und wesentliche Unterscheidung
ist nochmals zu machen zwischen Aggression und Gewalt, da es hierbei
nicht um unterschiedliche Benennungen ein und desselben geht. Es
scheint mir, es geht erst einmal um eine Klärung von Gewalt
, Angst sowie der Unterscheidung der Gewalt zur Aggression. Ich
möchte mit der Angst beginnen, da es mir so vorkommt, als
spiele sie eine entscheidende, zentrale, ja überhaupt die
wesentliche Rolle.
Was ist Angst ? - Wofür ist die Angst ?
Das Wort Angst kommt von seinem Ursprung her von Angus was nichts
weiter bedeutet als Enge... sich eingeengt fühlen.
In seinem Ursprung ist Angst eine Reaktion unseres Körpers
auf Gefahr, auf lebensbedrohende Situationen, in denen er getötet,
vernichtet werden kann, könnte.... Unter dieser Reaktion kommt
es zu bestimmten körperlichen Reaktionen
Ausschüttung von Stresshormonen, verstärkte Durchblutung
der Muskulatur, Hirn und Verdauung liegen eher brach... letztendlich
ist der Körper auf fliehen oder kämpfen programmiert....
Von Natur aus sind wir also ursprünglich darauf „programmiert“ zu
kämpfen oder zu fliehen – diskutieren... ?
Da hätten wir dann die Gewalt.... man könnte also behaupten
das Gewalt immer dort entsteht wo Angst ihr den Boden bereitet...
grundsätzlich war die Angst dazu geschaffen unser Überleben
zu sichern,
Ursprünglich war dies ein Überlebensmechanismus ....
Alle Angst ist Todes- Vernichtungsangst ... ?! ...
Dann wurde es aber komplizierter, Irgendwas oder Irgendwer , wir
nennen das im allgemeinen Evolution, hat Bewusstsein ins „Spiel“ gebracht....
plötzlich wollten wir nicht nur Überleben (essen, trinken,
schlafen, fortpflanzen) sondern wir wollten des auch noch vorausschauend
sichern. Wir wollten das nicht nur für den Augenblick , das
jetzt, sondern auch für Morgen und für Übermorgen
und für .... Also fingen wir an zu denken... Sorge dafür
zu tragen, dass das alles auch noch morgen da ist... Uns war warm,
wir waren satt und na ja „sauber“ ist ja man relativ...
auf alle Fälle machten wir uns plötzlich einen Kopf darüber
ob das wohl immer so sein würde, was wir tun könnten,
damit das auch so bleibt und so weiter... Uns war nach Sicherheit
und damit fing das Desaster bereits an, und ein Ende war noch lange
nicht in Sicht.... plötzlich tauchten denn noch soziale Bedürfnisse
auf, wir wollten nicht mehr allein sein, wollten gemocht werden,
.... und so einige andere „Probleme“ ergaben sich ebenfalls,
im Laufe der Zeit... Maslow’s Bedürfnispyramide gibt
da einen ganz guten Einblick auf das Ausmaß dieses Dilemmas.
Bedürfnis – Sein-Dürfen beschränkte sich
nicht mehr auf Überleben, auf den Moment, das Jetzt sondern
es gab Zukunft... das Morgen trat in unser Bewusstsein.... Wir
wurde komplexer und damit leider auch komplizierter... jedoch scheint
mir das es „versäumt“ wurde unseren Überlebensmechanismus
adäquat anzupassen...
Diese körperliche Reaktion, auf lebensbedrohliche Situationen
ist immer noch gegeben... ein kleiner Hormonschub, und wieder entscheiden
wir fliehen oder verteidigen, kämpfen...
Wie bereits erwähnt soll die Angst uns davor bewahren vernichtet,
getötet, zu werden... Wenn also die Gefahr besteht das wir
vernichtet bzw. getötet werden könnten greift dieser
Mechanismus, und wir entziehen (fliehen) uns der Situation oder
kämpfen, wobei Kampf mit Gewalt gleich zu setzen ist...
Der Mensch steht vor der Entscheidung, Flucht oder Kampf
Diese Vernichtungs- bzw. Todesangst erfahren wir jedoch nicht
nur auf der physischen Ebene, sondern auch auf allen anderen Ebenen.
Auch auf diesen Ebenen vermögen wir das Empfinden getötet,
vernichtet, zu werden wahrzunehmen.
Denn der Mensch ist nicht, nicht mehr, nur auf der physischen Ebene
präsent, lebend. Er existiert auf mehreren Ebenen gleichzeitig,
und auf jeder Ebene ist er bestrebt, sein überleben zu sichern...
für alle diese Ebenen verfügt er jedoch nur über
diesen einen Überlebensmechanismus...
Diese Ebenen lassen sich wie folgt definieren :
- Physische Ebene
- Emotionale Ebene
- Soziale Ebene
- Intellektuelle Ebene
- Spirituelle Ebene
Man könnte auch von mehreren Körpern sprechen, über
die wir verfügen.
Diese kann man grob unterteilen in :
- Physischen Körper
- Emotionaler Körper
- Mentaler Körper
Jede einzelne dieser Ebenen vermag nun Todesangst wahrzunehmen,
kann eine Situation erfahren in der sie sich in ihrer Existenz
bedroht fühlt. In solch einer Situation greift nun wieder
besagter Schutzmechanismus
Grundannahme und Voraussetzung ist hierbei natürlich das
wir, der Mensch, nicht nur einen physischen Tod erfahren können,
sondern eben auch das es einen Tod gibt vor dem Ende der physischen
Existenz.... Definieren wir Tod, als das Ende unseres Daseins,
so könnte man behaupten das es eben nicht nur um das physische,
körperliche, DA SEIN geht, sondern eben auch, um das emotionale,
soziale, intellektuelle, spirituelle DA SEIN ... und das jedes
Dasein, auch auf diesen Ebenen, endlich ist, als solches erfahrbar
ist... auch diese „Körper“ vernichtet, getötet
werden können... auch Sie bedürfen eines „Schutzes“ womit
wir wieder bei besagtem Schutzmechanismus sind, fliehen oder kämpfen,
denn dieser ist der Einzige welcher uns zur Verfügung steht....
Was macht uns nun Angst ? Wie bereits erwähnt letztendlich
alles was unser Überleben bedroht, zu bedrohen erscheint ....
Angst: hinter diesem „Wort“ verbirgt sich für
mich vieles. Letztendlich dient sie aber
immer der Einengung, Einschränkung, der Individualität
der Person.
Dieses mangelnde Bewusstsein, diese Unachtsamkeit ist jedoch nicht
aus der Pflege heraus allein zu klären, sondern „Symptom“ unserer
Zeit, so scheint es mir jedenfalls....
Denn betrachtet man was Gewalt ist :
Gewalt ist all das was den Menschen in seiner Individualität
einschränkt , ihn zwingt, zwingen soll, etwas gegen seinen
Willen zu tun oder gegen seinen Willen zu unterlassen.
So könnte man Fragen was ist Gewaltlosigkeit ?
Die Anerkennung der Individualität des Einzelnen ? Die Anerkennung
seines
So-Seins in der Gesamtheit seiner Persönlichkeit ?
Wo ist dieses „Sein dürfen“ gegeben ???
Jemand hat einmal gesagt es kommt eine Zeit, in der der Mensch
funktionalisiert wird, und Maschinen vermenschlicht werden, glaube
das war Marx, ups...
trotzdem ist es schon soweit ?
Da dieses Thema einfach zu komplex ist, belasse ich es jetzt erst
einmal bei meinen Ausführungen und füge nur noch „Beispiele“ der
Gewalt ein welche ich versucht habe der Maslow’schen Bedürfnispyramide
zuzuordnen
Mögliche Formen der erlebbaren Gewalt aus Sicht des
zu Pflegenden :
unter Beachtung der Maslow’schen Bedürfnispyramide
5.Ebene
Bedürfnis nach Selbstentfaltung Keine Rückzugsmöglichkeiten,
keine Wahl des freien Kommens und Gehens
4.Ebene
Bedürfnis nach Wertschätzung Ansprechen des Bewohners
mit Vornamen, Duzen, „Funktionalisierung“ der Kommunikation,
Tätigkeiten abnehmen die selbst ausgeführt werden könnten
weil sie der Pflegekraft nicht schnell genug gehen, abwertende Äußerungen
in Anwesenheit, ...
3.Ebene
Soziale Bedürfnisse Mehrbettzimmer, „Funktionalisierung“ der
Kommunikation, keine Rückzugsmöglichkeiten, ...
2.Ebene
Sicherheitsbedürfnisse Mehrbettzimmer, nicht abschließbare
Zimmer, nicht anklopfen, keine Rückzugsmöglichkeiten
...
1.Ebene
Physiologische Bedürfnisse Verweigerung von Nahrung, trinken,
...
Mögliche Formen der erlebbaren Gewalt aus Sicht der
Pflegekraft :
unter Beachtung der Maslow’schen Bedürfnispyramide
5.Ebene
Bedürfnis nach Selbstentfaltung ??? Selbstverwirklichung ,
Sinnfindung ???
seitens Vorgesetzter, Kollegen, Angehöriger , „Bewohner“
Gesellschaftliche Anerkennung des Berufszweiges
Inwieweit ist eine Verwirklichung der eigenen Person in der Altenpflege
möglich , kann die Pflegekraft ihre Person in die Arbeit mit
einbringen ? (z. B. funktionalisierende Pflege kontra funktionelle
Pflege - verwahren anstatt versorgen - warm, satt, sauber = Pflege
?
4.Ebene
Bedürfnis nach Wertschätzung ??? Bewunderung, Anerkennung,
Selbstvertrauen, Kompetenz ???
seitens Vorgesetzter, Kollegen, Angehöriger , „Bewohner“
Gesellschaftliche Anerkennung des Berufszweiges
Inwieweit erfährt die Altenpflege eine gesellschaftliche Wertschätzung
?
„Arschabwischer“ der Nation ? Kompetenzempfinden der Pflegekraft
(z.B. gegenüber Ärzten) ?
3.Ebene
Soziale Bedürfnisse ??? Anerkennung ,Vertrauen, Zuwendung ???
seitens Vorgesetzter, Kollegen, Angehöriger , „Bewohner“
Gesellschaftliche Anerkennung des Berufszweiges
2.Ebene
Sicherheitsbedürfnisse - - -
??? Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes ???
1.Ebene
Physiologische Bedürfnisse - - -
Mögliche Formen der erlebbaren Gewalt aus Sicht des Angehörigen
:
unter Beachtung der Maslow’schen Bedürfnispyramide
5.Ebene
Bedürfnis nach Selbstentfaltung ---
4.Ebene
Bedürfnis nach Wertschätzung ??? Bewunderung, Anerkennung,
Selbstvertrauen, Kompetenz ???
seitens Angehöriger und Pflegekräfte
Gesellschaftliche Anerkennung
Inwieweit erfährt der Angehörige eine Anerkennung seiner
Leistungen, wird seine Kompetenz in die Pflege mit einbezogen....
In der Regel erfährt der Angehörige die Heimunterbringung
seines Angehörigen als Niederlage, als Versagen seiner Person,
was mit einer Herabsetzung seines Selbstvertrauens verbunden ist.
3.Ebene
Soziale Bedürfnisse ??? Anerkennung ,Vertrauen, Zuwendung
???
seitens Angehöriger und Pflegekräfte
Gesellschaftliche Anerkennung
Inwieweit erfährt der Angehörige eine Anerkennung seiner
Leistungen, wird seine Kompetenz in die Pflege mit einbezogen....
erfährt er eine Zuwendung seitens der Pflege ?
2.Ebene
Sicherheitsbedürfnisse - - -
1.Ebene
Physiologische Bedürfnisse - - -
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