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Mitglied im Pflegenetz
Autor: Kathy
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Stationäre Altenhilfe

Teil 1 / Teil 2

Fallstudie

 
Frau Anna Katharina Höffken

Diagnose: Senile Demenz
Pflegeschwerpunkt: ausgeprägte Weglauftendenz, Selbstversorgungsdefizit,
beeinträchtigtes Hörvermögen

Biografie

Fr. Anna Katharina Höffken, 72 Jahre alt, lebt seit einem Jahr im Altenheim „Haus Seeblick“. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Fr. Höffken mit ihrer Familie aus Krakau vertrieben. Hier in Deutschland lernte sie ihren Ehemann Kurt Höffken kennen, mit dem sie 40 Jahre verheiratet war.
Hr. Höffken verstarb im Alter von 72 Jahren an einem Dickdarmkarzinom.
Das Ehepaar Höffken hat zwei Töchter, Monika u. Elsbeth.
Beide Töchter wohnen heute in weit entfernten Städten.
Fr. Höffken lebte nach dem Tod ihres Mannes in ihrer Dreizimmerwohnung, bis es zu dem Umzug in das Altenheim kam.
Fr. Höffken hat bis zu ihrem 58. Lebensjahr in einer kunststoffverarbeitenden Fabrik in der Verpackung gearbeitet.
In ihrer Jugend konnte sie sehr gut singen. Sie beherrschte den ersten Sopran u. sang viele Jahre im katholischen Kirchenchor.
Außerdem engagierte sie sich im örtlichen Schwimmverein.
Sie und ihre Töchter gingen viele Jahre täglich zum Schwimmen ins Hallenbad.
Mit 68 Jahren bekam Fr. Höffken ein Hörgerät. Auf Drängen ihrer Töchter ging sie damals zum Hörgeräteakustiker. Ihre Töchter sprachen sie immer wieder darauf an, dass sie auf Fragen falsche Antworten gab, und dass sie auf das Klingeln von Haustür und Telefon gar nicht reagierte. Der Akustiker stellte eine Altersschwerhörigkeit fest und passte ihr für das linke Ohr ein Hinter-dem-Ohr-Gerät an. Fr. Höffken schämte sich für dieses Gerät und hat sich an dessen Gebrauch nie richtig gewöhnt.
Nach dem Tod ihres Ehemannes vor drei Jahren hat Fr. Höffken sich sehr stark von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ihren beiden Töchtern fiel bei gelegentlichen Anrufen oder Besuchen auf, dass ihre Mutter häufig depressiv verstimmt war. Sie weinte oft, äußerte, dass sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen würde, oder war gelegentlich auch extrem gereizt und ungerecht.
Zu dieser Stimmungslabilität kamen zunehmend eigenartige Bemerkungen von Frau Höffken, die vor allem die Nachbarin beunruhigte. Es kam vor, dass Fr. Höffken im Gespräch Fragen stellte, obwohl erst vor Minuten das gleiche Problem besprochen war. Sie vergaß über Tage, die Post aus dem Briefkasten zu holen. Sie ärgerte und beschimpfte den Hausmeister ständig, er habe die verschiedensten Reparaturen nicht ausgeführt, obwohl dazu gar kein Grund vorlag. Beim Einkauf hatte sie im Geschäft vergessen, warum sie dort war.
Einmal hatte sie anstelle ihrer Geldbörse ein Fotoalbum in ihre Einkaufstasche getan.
Bei Telefonaten mit ihren Töchtern kannte sie gelegentlich deren Namen nicht und konnte manchmal auch mit deren Personen nichts anfangen.
Als Fr. Höffken damals zusätzlich auch noch sehr unruhig wurde und häufiger im Haus bei anderen Mitbewohnern klingelte oder in der Straße nach etwas suchte, berieten sich ihre Töchter mit ihr, und sie entschlossen sich zu der Heimaufnahme.
Damals gab es deswegen zwischen der Mutter und den Töchtern einen großen Streit. Fr. Höffken schätzte sich selber gesund und fit ein, und sie betonte, dass sie nur deswegen ins Heim gehe, weil sie ihren Töchtern nicht zur Last fallen wollte.

Aktuelle Situation

Nach der Heimaufnahme kam es erstaunlicherweise zu einer Verbesserung ihrer Befindlichkeit. Sie bezog im Wohntrakt des Heimes ein Zimmer und wohnte dort zusammen mit Fr. Rubolski, die schon seit drei Jahren, recht zufrieden, Bewohnerin des Hauses war.
Fr. Höffken schien der Kontakt gut zu tun, und sein nahm auch an angeboten Aktivitäten des Altenheimes teil.
Nur gelegentlich konnte man sie dabei beobachten, dass sie unaufhaltsam in ihrem Zimmer nach etwas suchte. Dabei durchstöberte sie dann auch die persönlichen Gegenstände von Fr. Rubolski, was bis heute zu Konflikten führt.
In den letzten fünf Monaten verschlechterte sich der geistige Zustand von Fr. Höffken. Häufig sprach sie das Pflegepersonal mit fremden Namen an, sie führte ihre Körperpflege nicht mehr regelmäßig durch, konnte sich nicht mehr witterungsentsprechend kleiden – meistens war sie mit ihrem Bademantel bekleidet- und hatte auch kein Gefühl mehr für die regelmäßige Nahrungsaufnahme.
Auch schien ihr Hörvermögen weiter zurückgegangen zu sein.
Nach einem Besuch beim Akustiker bekam Fr. Höffken auch für das rechte Ohr eine Hörhilfe. Wenn man Fr. Höffken auf ihr seltsames Verhalten ansprach, reagierte sie anfangs mit Ausreden, zunehmend antwortete sie nur noch selten oder gar nicht.
Seit vier Wochen haben sich ihre Unruhezustände verstärkt.
Fr. Höffken will täglich mehrmals das Heim verlassen. Unter ihren Armen trägt sie zusammengeschnürt Gegenstände und sie äußert, dass sie nach Krakau will, in die Helmenstraße. Gelegentlich spricht sie dabei von ihren Eltern oder sie sagt, dass sie noch heute zu ihrem Mann muss. Dabei spiegeln ihre ziellosen Augen Angst aber auch Entschlossenheit.

Arbeitsaufträge/Fragen

1. Zur psychosozialen Situation

 

1.1 Beschreiben sie fünf wichtige Punkte zur Biografie von Frau Höffken.

Antworten:

  • Fr. Höffken lebte in Krakau. Aus dieser Stadt wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben.
  • Fr. Höffken war 40 Jahre mit ihrem Ehemann Kurt verheiratet. Ihr Ehemann Verstarb im Alter von 72 Jahren an einem Dickdarmkarzinom.
  • Das Ehepaar Höffken hat zwei Töchter.
  • Fr. Höffken hat bis zu ihrem 58sten Lebensjahr in einer kuststoffverarbeitenden Fabrik gearbeitet.
  • In ihrer Jugend sang sie den ersten Sopran im katholischen Kirchenchor.
  • Sie engagierte sich im Schwimmverein und ging mit ihren Töchtern täglich schwimmen.

Beschreiben Sie fünf wichtige Punkte zur aktuellen Lebenssituation von Fr. Höffken

Antworten:

  • Fr. Höffken ist heute 72 Jahre alt
  • Ihre beiden Töchter leben in weit entfernten Orten.
  • Fr. Höffken lebt seit einem Jahr im Altenheim
  • Dort lebt sie mit Fr. Rubolski in einem Zimmer
  • Fr. Höffken ist verwirrt und sucht häufiger nach Dingen im Zimmer
  • Dabei durchstöbert sie auch die persönlichen Dinge von Fr. Rubolski, was verständlicherweise zu Konflikten führt.
  • Sie nimmt selten an Aktivitäten, die durch das Altenheim angeboten werden, teil.

Treffen Sie fünf Aussagen zu den Angehörigen von Frau Höffken

 
Antwort:
  • Ihr Ehemann ist verstorben.
  • Sie war mit ihm 40 Jahre verheiratet.
  • Sie hat zwei Kinder geboren.
  • Ihre Kinder wohnen in weit entfernten Orten.
  • Aufgrund der Entfernung können sie sich nicht um die Mutter kümmern.
  • Fr. Höffken hat sich aufgrund ihrer Schwerhörigkeit stark von der Öffentlichkeit zurückgezogen.
  • Ihre Töchter machten sie darauf aufmerksam, dass sie bestimmte Dinge nicht mehr hörte und falsch wahrnimmt.

Treffen Sie fünf Aussagen zur Gesundheitssituation von Frau Höffken

  • Frau Höffken bekam mit ihrem 68sten Lebensjahr ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät.
  • Ihre Töchter machten sie darauf aufmerksam, dass sie das Telefon und die Haustürklingel nicht mehr hören konnte. Auf Fragen gab sie auch oft falsche Antworten.
  • Sie schämte sich aufgrund dieses Gerätes und konnte sich an dessen Gebrauch nie gewöhnen.
  • Nach dem Tod ihres Ehemannes war sie häufig depressiv verstimmt.
  • Ihre Verwirrung nahm ständig zu.
  • Sie wurde zunehmend aggressiver. Sie beschimpfte z. B. den Hausmeister, dass er die verschiedensten Reparaturen nicht ausgeführt habe.
  • Sie wurde zunehmend unruhiger. Sie klingelte häufig bei den Nachbarn oder suchte etwas in der Straße.
  • Aufgrund der geplanten Heimaufnahme entwickelte sich zwischen Frau Höffken und ihren Töchtern ein großer Streit.
  • In den letzten fünf Monaten verschlechterte sich ihr Zustand. Die Verwirrung nahm zu, und sie konnte nicht mehr für sich selbst sorgen.
  • Es entwickelten sich bei ihr aufgrund ihrer Verwirrtheit und Desorientiertheit Weglauftendenzen.

II. Zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit

 

5. Schätzen Sie die Pflegebedürftigkeit von Frau Höffken anhand folgender Tabelle ein.
Kreuzen Sie in der Tabelle den Grad der Pflegebedürftigkeit an, und begründen Sie ihre Einschätzung

Name: Höffken Vorname: Anna Katharina Alter: 72 Jahre

Aktivitäten des täglichen Lebens

1
2
3
Begründung

Wach sein und schlafen

X

Desorientiertheit, Verwirrung

Sich bewegen

X

Weglauftendenz

Sich waschen und kleiden

X

Desorientierung, keine regelmäßige Körperpflege, keine witterungsangepasste Kleidung

Essen und trinken

X

Versorgung durch Altenheim, kein Gefühl für die regelmäßige Nahrungsaufnahme

ausscheiden

X

Desorientierung

Körpertemperatur regulieren

X

Keine witterungsangepasste Kleidung

atmen

X

Sich sicher fühlen und verhalten

X

Orientierungsverlust, Weglauftendenzen

Raum und Zeit gestalten- arbeiten und spielen

X

Durch Verwirrung ausschließlich mit sich selbst beschäftigt

kommunizieren

X

Schwerhörigkeit, Hörgerät, Desorientierung

Kind, Frau Mann sein

X

Töchter wohnen weit entfernt

Sinn finden im Werden, Sein, Vergehen

X

Verwirrung, desorientiert, will nach Krakau in die Helmenstraße, in ihren Augen spiegelt sich Angst aber auch Entschlossenheit

III. Zum Pflegeprozess/ zur Pflegeplanung

 

6. Nennen Sie zu folgenden ATL/AEDL je ein Pflegeproblem:

  • Wach sein und schlafen
  • Essen und trinken
  • Kommunizieren

7. Ordnen Sie jeder ATL/AEDL je eine Ressource zu

 

8. Formulieren Sie zu den drei genannten Pflegeproblem je ein Pflegeziel

 

9. Planen Sie zu jedem Pflegeproblem zwei Maßnahmen

III. Zum Pflegeprozess/zur Pflegeplanung

Zu den Fragen 6 – 9

Pflegeprobleme

Pflegeziele

Pflegemaßnahmen

Frau Höffken hat Unruhezustände und ist verwirrt aufgund einer senilen Demenz

Sie fühlt sich ruhig und kann sich orientieren

  • Viele Pflegemaßnahmen werden im Zimmer verrichtet, damit Frau Höffken das Pflegepersonal sieht
  • Beruhigend auf sie einwirken
  • Anforderung und Vorhaben in einfach strukturieren Sätzen formulieren
  • Nicht mehr als eine Anforderung abwarten
  • Ihre Stimmung wird beobachtet sie wird gezielt nach ihrer momentanen Stimmungslage befragt
  • Vermeidung von Zeitdruck
  • Ablenkende Reize und Störungen vermeiden
  • Tätigkeiten sehr übersichtlich, einzeln und in kleinen Schritten durchführen
  • Alle Bemühungen loben
  • Frau Höffken mit dem Nachnamen ansprechen
  • Auf Blickkontakt achten
  • Orientierungshilfen regelmäßig geben (Jahreszeiten, Wachstum der Bäume u. Pflanzen, Temperatur bei geöffnetem Fenster, Blick aus dem Fenster ect.)
  • Aufmerksamkeits- u. Gedächtnistraining (3mal täglich)
  • Auf gezielten Körperkontakt achten
  • Viel Geduld u. Verständnis aufbringen
  • Zimmer und Flur werden wohnlich gestaltet
  • Feste Gewohnheiten einhalten
  • Ursachenforschung/Diagnostik durch den medizinischen dienst verlassen

Ressourcen/n: Frau Höffken kennt sich seit einem Jahr im Altenheim aus

ATL/ AEDL

Pflegeprobleme

Pflegeziele

Pflegemaßnahmen

Essen und trinken

Frau Höffken hat kein Gefühl mehr für die regelmäßige Nahrungsaufnahme aufgrund des Selbstversorgungsdefizites

Sie ernährt sich regelmäßig und ausreichend

  • Regelmäßige Mahlzeiten anbieten und in Gesellschaft servieren und gemeinsame Essen organisieren
  • Auf gleiche Sitzordnung achten
  • Darauf achten, dass das Essen nicht zu heiß ist
  • Zum essen genügend Zeit lassen
  • Wunschkost erfragen
  • Im Zimmer von Fr. Höffken nachts oder zu ruhigen Zeiten immer einen Imbiss bereitstellen
  • Auf abwechslungsreiche Nahungsmittel anbieten
  • Ausreichende Getränke bereitstellen(1,5-2 Liter) und sie zum Trinken auffordern
  • Kleine appetitliche zwischen- mahlzeiten bereitstellen
  • Wöchentliche Körpergewicht-Kontrollen
  • Sie bei der Zubereitung der Mahlzeiten in der Küche täglich beteiligen,
  • Kleine Aufgaben übertragen und sie für ihre Tätigkeiten loben

Ressourcen/n: Frau Höffken kann selbstständig essen und möglicherweise bei der
Zubereitung der Speisen helfen

ATL/AEDL

Pflegeprobleme

Pflegeziele

Pflegemaßnahmen

Kommuni-
zieren

Fr. Höffken hat ein stark eingeschränktes Hörvermögen beidseits

  • Fr. Höffken hat Konflikte mit ihrer Zimmernach-barin

Fr. Höffken antwortet zunehmend weniger

Sie kann hören

  • Konfliktfreies, -armes Zusammen-leben

Sie äußert sich

  • Nachdem Frau Höffken morgens aufgestanden ist, ihr beide Hörgeräte anlegen
  • Vorher die Geräte auf Funktion überprüfen
  • In der Unterhaltung feststellen, ob fr. Höffken hören kann
  • Mit der Zimmernachbarin Gespräche führen und ihr das Verhalten von Fr. Höffken erklären
  • Fr. Rubolki hat eine Möglichkeit, ihre Wertgegenstände sicher aufbewahren zu können
  • Fr. Höffkens Verhalten wird beobachtet
  • Rege Kommunikation mit Fr. Höffken anstreben
  • Ihr signalisieren, dass man sie in ihrem Verhalten ernst nimmt
  • Fr. Höffken aus der Klinik in die Stadt führen bzw. einen Besuch bei ihren Töchtern ermöglichen
  • Ihr Selbstwertgefühl durch lob stärken; Tadel nach Möglichkeit vermeiden

Ressource/n: Frau Höffken kann kommunizieren. Frau Höffken besitzt zwei funktionsfähige Hörgeräte

IV. Zum Pflegewissen: Offene Fragen

Zu Frage 10
Nennen Sie fünf pflegerische Verhaltensregeln, die im Umgang mit Frau Höffken und Demenzkranken allgemein zu beachten sind.

  • Bei allen Konversationskontakten Realitätsinformationen geben, wie Zeit, Datum, Ort, Name
  • Möglichst viele Erinnerungshilfen anbieten
  • Statt der Gegenwart die Erinnerung zur Gegenwart benutzen.
  • Als Pflegeperson eine verständnisvolle Haltung aufrechtbehalten.
  • Richtiges Reagieren des Demenzkranken durch Lächeln, Loben und berühren belohnen, statt zu kritisieren.
  • Jegliche Überforderung vermeiden.
  • Auf ausreichende Trinkmenge und Ernährung achten.
  • Feste und einfache Gewohnheiten beibehalten und einfache Regeln vorgeben.
Autor: Kathy
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