Autor/in: Heino Janßen

Die Darstellung des Lebensweltkonzeptes

Bei dieser Darstellung des Lebensweltkonzeptes, geht es um die Erklärung  und die Möglichkeiten der Ganzheitlichen Pflege. Bei diesem Konzept geht es mehr um die Bezugspflege als um die Personenpflege. Das Lebensweltkonzept besteht im Prinzip aus einem Kreislauf. Wenn man eine Stelle unterbricht, wirkt es sich auf das Ganzheitliche aus.
Dieser Kreislauf besteht aus sechs verschiedenen und sehr wichtigen Punkten.

Biografie

Die Biografiearbeit gehört zu jeder Pflege dazu. Ohne die Biografie, ist es gar nicht erst möglich, sich auf den Patienten einzulassen oder ihn überhaupt zu verstehen. Warum handelt der Patient so? Welche Hintergründe gibt es für sein Verhalten? Bei der Biografie ist eine validierende Haltung sehr wichtig. Man muss dem Patienten das Gefühl des Verständnisses geben. Die Emphatische Haltung ihm gegenüber ist ebenfalls sehr wichtig, d.h. ihn Wertschätzen, egal wie absurd seine Aussagen und Handlungen auch sind. Es ist seine Welt auf die man sich einlassen muss, nicht der Patient muss sich auf das Pflegepersonal einlassen.
Diese Haltung sollte jedoch vom ganzen Personal gleichwertig behandelt werden, da es sonst zu starken Konflikten kommen kann. Wenn von fünf Mitarbeitern z. B. nur drei diese Haltung und deren Handlungen unterstützen und die anderen zwei einfach nur ihre Pflege absolvieren, gibt es Konflikte zwischen dem Personal aber auch Konflikte im Bereich des Patienten. Einerseits wird er verstanden andererseits wird seine Art zu verstehen nicht akzeptiert. Die zwei, die diese Handlungen nicht unterstützen führen den Patienten auf eine harte Art und Weise zwanghaft in die Realität zurück. Zumindest versuchen sie es, wobei sie gnadenlos scheitern werden und dies fehlerhaft in der Pflegedokumentation beschreiben.
Diese zwei Personen unterbrechen somit das Konzept, indem sie ein Teilstück aus dem Kreislauf herausnehmen.

Individualität

Individuelle Pflege richtet sich nach dem Patienten und nicht nach dem Personal. Der Patient möchte z.B. einen Tee trinken, doch in der Dokumentation steht, dass er immer Kaffee bekommen hat. Warum fragt man den Patienten nicht einfach, was er trinken möchte anstatt ihn auf eine Schiene zu setzen und nicht von dieser Schiene abzuweichen? Individualität bedeutet, ganz auf seine Wünsche und Bedürfnisse einzugehen, auch wenn es mal eine ganz außerordentliche Funktion ist. Es ist aber das, was der Patient in diesem Moment möchte. Ziehen wir den Patienten von seinem Weg ab, ganz nach dem Motto: „ Das ist etwas total untypisches für diesen Patienten, das bringt ihn durcheinander“ so erreichen wir damit genau das Gegenteil von dem was der Patient nun mal möchte. Er ist dann vielleicht noch verwirrter oder zieht sich noch mehr zurück als vorher, da er nicht verstanden wird.

Beteiligung

Die Beteiligung des Personals sollte ganz konkret festgelegt werden. Es kann nicht funktionieren wenn einer oder mehrere sich gegen solch ein Konzept sträuben. Wenn Ignoranz, Toleranz und Kompetenz gegeneinander spielen, kann nichts wirklich vollendet werden. Ignoranz, d.h. wenn einer unbedingt meint, so wie er mit dem Bewohner umgeht ist es genau richtig und wie die Anderen es machen ist es völlig falsch. Doch die Anderen kommen, mit Ihrer Haltung dem Patienten gegenüber, besser an ihn heran, als der Ignorant, so ist die Kompetenz des einen in Frage zu stellen. Es sollte hieraufhin ein klärendes Gespräch geführt werden um ihn das Konzept und die Ziele noch einmal zu verdeutlichen.

Tagesstrukturierung

Jeder Patient hat eine bestimmte Strukturierung des Tagesablaufes. Dieser Ablauf sollte nicht einfach verändert werden, sondern hier ist ein beibehalten dieser Struktur selbstverständlich. Wenn der Patient gerne lange schläft, warum muss er plötzlich wie alle anderen auch um sieben Uhr aufstehen? Diese Ermöglichung seiner Gewohnheiten zu festigen und beizubehalten ist keine leichte Aufgabe, doch im Lebensweltkonzept ebenfalls ein wichtiger Punkt zum reibungslosen Ablauf einer Individuellen Pflege.

Beziehung

Beziehung ist ein Begriff, mit dem man viele Äußerungen benennen kann. Beziehung zwischen Patienten untereinander, oder zwischen Personal und Patienten sind nur zwei Möglichkeiten. Die Beziehungen zwischen Patienten untereinander sollte gestärkt und vertieft werden. Es gibt dem Patienten Halt und gibt ihn Mut für die Zukunft. Es gibt einen weiteren Sinn im Leben des Patienten oder ersetzt vielleicht einen verlorenen Freund bzw. eine Freundin.
Die Beziehung zwischen Patient und Personal ist für das gemeinsame zusammenarbeiten und die Emphatie ein wichtiger Halt im Leben beider. Der Patient findet im Personal Verständnis und Vertrauen, das Personal hat es bedeutend leichter sich mit dem Patienten zu verständigen und dementsprechend mit ihm zu arbeiten.

Mitarbeiter

Ein wichtiger und letzter Punkt sind die Mitarbeiter selber. Wie schon in Punkt 1 beschrieben, ist es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter sich untereinander keine Steine in den Weg legen. Es ist ein gemeinsames Handeln erforderlich. Alleingänge eines Mitarbeiters können die ganze Arbeit zerstören, indem es Konflikte im Team gibt und die Patienten durch unterschiedliche Pflege aus ihrer Bahn geworfen werden.

Was bedeuten nun also diese sechs Punkte für das Lebensweltkonzept?

Wird auch nur ein Punkt im Kreislauf herausgenommen, bricht der Kreis zusammen und eine Individuelle Pflege kann in diesem Sinne nicht mehr stattfinden. Integrations- und Bewältigungsleistungen müssen stark unterstützt werden.
Das heißt dem Bewohner zu ermöglichen, den Heimeintritt und Aufenthalt als neue und schwierige Entwicklungsaufgabe zu erleichtern, indem man ihm die Fortsetzung und Gestaltung seines vorhergehenden Lebens weiter unterstützt. Grundprinzip ist es, dem Patienten den Sinn des Lebens nicht zu nehmen und ihm sein Selbstkonzept- und Bewusstsein zu stärken. Er muss wählen können und dabei sich selbst nicht verändern.
Dieses Konzept hat ein Pflegeheim in Holle für viele Bewohner ermöglicht. Es ist nicht leicht, alle Bewohner wirklich so zufrieden zu stellen, wie sie es in ihrer eigenen Welt kennen. Doch durch starken Ehrgeiz und sehr gute Zusammenarbeit, aber auch die Mithilfe der Angehörigen, hat es dazu beigetragen dieses Konzept erfolgreich durchzuführen. Das Heim arbeitet strikt nach dem Kreislaufmodell, Punkt 1 bis 6, wobei keiner einen Alleingang unternimmt oder die individuelle Tagesstruktur verändert. Jeder hat ein eigenes Wesen, welches nicht im Vorfeld festgelegt ist, sondern im Laufe der Zeit durch einen selbst gestaltet wird. Dieses Wesen darf nicht einfach zum Wohle des Heimes verändert werden, sondern muss noch zusätzlich gestärkt werden. Jeder hat aber auch seine Bewältigungsstrategien und diese sollten vom Personal unterstützt und nicht erzwungen werden. Das Lebensweltkonzept ist eine Erlebensorientierte Pflege, d.h. das Personal kann auf der gefühlsmäßigen Ebene Kontakt zu Demente aufbauen und auch halten. Es entsteht ein stressfreier und zufriedener Umgang miteinander. Um das Konzept durchzuführen, gehören  noch andere wichtige Dinge wie z. B. Bauliche Anforderungen und die Anforderungen an die Einrichtung und Ausstattung dazu.
Kurzum:  Professionelle Pflege älterer Menschen orientiert sich an der Biografie und der Lebenswelt der Betroffenen mit den Zielen, die Selbstbestimmung und die Selbstständigkeit des Einzelnen so weit wie möglich zu fördern, zu erhalten und der pflegerisch aufmerksamen Begleitung eines individuellen Lebensabschlusses bis zum Tod.“

Das Fazit dürfte also sein: So viel Selbstständigkeit wie möglich, aber auch so viel Hilfe wie nötig.

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