Autor/in: Markus Freiberger

Die Beginen

Die Geschichte der Pflege (LF 4.1)

Inhaltsverzeichnis

Die Beginen
1. Herkunft des Namens
2. Organisation der Beginen
3. Geschichte der Beginen
4. Ende der Beginen
Die Geschichte der Beginen – Eine chronologische Darstellung (Exzerpt)
Personen- und Gruppenregisterregister
Quellenverzeichnis

Die Beginen

Andere Schreibweisen des Namens sind Beguinen, Beginen oder Begutten, Beguinae, beziehungsweise Beghardi, Beguini, Beckarden, weitere Bezeichnungen Polternonnen, Seelschwestern, Matemans (= Genossen‘), Lollarden , Zellenbrüder oder Celliten.

1. Herkunft des Namens

Der Name leitet sich wohl aus dem mittelhochdeutschen Wort „beggan“ ab, was soviel heißt wie bitten, betteln oder beten.

Der Name Beginen wird erst im 15. Jahrhundert von den Insassen dieser Stifte selbst gebraucht, in der früheren Zeit ist es ein Schelt- und Sektenname, welcher von den „Brüdern“ und „Schwestern“ (denn so pflegten sie sich einfach zu nennen) zurückgewiesen wurde.

Der Name Begine stammt aus dem lateinischen Wort „benigna“, die Gütige. Dieses wurde auf einer der Tagung in Bensberg (Kath. Akademie) vom 3. bis 5. Dez. 1990 unter dem Titel „Zahlreich wie die Sterne am Himmel“ (Caesarius) über die Beginenbewegung im M.A. festgestellt. Diese Erkenntnis wurde aus den Tagebüchern der Beginen gewonnen, die bei dieser Tagung ausgewertet wurden.

Der Beginerorden war kein Bettelorden, im Gegenteil. Die starken wirtschaftlichen Aktivitäten des Beginerordens zielten auf ökonomische Unanhängigkeit ab. So lautete ein wesentlicher Grundsatz der Beginen:

„Eine Jede möge sich durch Ihrer eigenen Hände Arbeit ernähren können.“

2. Organisation der Beginen

Allein stehende Frauen und Witwen, die meist begütert waren, schlossen sich zu religiösen Gemeinschaften zusammen, ohne jedoch einer Ordensgemeinschaft anzugehören. Die Beginen legten nur ein Gelübde auf Zeit ab, das in der Regel jährlich erneuert wurde. Im Gegensatz zu den Ordensschwestern in den Klöstern war es den Beginen gestattet, wieder aus der Gemeinschaft auszuscheiden, ihr Vermögen mitzunehmen, zu heiraten und ein bürgerliches Leben zu führen.

Die Beginen lebten in so genannten Beginenhöfen . Jede Gemeinschaft war souverän und selbständig. Sie besaß eine Grande Dame oder Meisterin, die aus ihrer Mitte, meist für ein Jahr gewählt wurde. Die unterschiedlichen Beginenhöfe hatten unterschiedliche Zielsetzungen.

Auch wenn die meisten Beginen wohlhabend waren, sorgten sie doch auch durch Tätigkeiten für ihren Lebensunterhalt. Sie pflegten Kranke, betätigten sich als Leichenwäscherinnen oder übten das Textilhandwerk aus.

Beginen widmeten sich aber auch dem Gebet und der Kontemplation . Aus der Gemeinschaft der Beginen sind einige bekannte Mystikerinnen hervorgegangen, beispielsweise Juliana von Li»ge , auf deren Anregung das Fronleichnamsfest zurückgeht.

Beispiellos ist daraus hergehend ein umfassendes Archiv von Schriften der Selbstanalyse . Nach dem Vorbild der Beginen wurde die männliche Gemeinschaft der Begarden gebildet.

3. Geschichte der Beginen

Die Bewegung der Beginen entstand im 12. Jahrhundert in Belgien und Flandern .

Auf dem vierten Laterankonzil wurde die Gründung neuer Gemeinschaften verboten, ein Jahr später erhielten sie jedoch auf Ersuchen Jakob von Vitrys mündliche Bewilligungen vom Papst. Darauf folgte die Zeit der größten Ausbreitung des Beghinenwesens im das 13. und 14. Jahrhundert. Damals gab es Konvente in fast ganz Westeuropa, besonders in Oberitalien, Südfrankreich, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. In Köln gab es im Jahre 1240 etwa 2.000 Beginen. Ende des 13. Jahrhunderts dürfte die Gesamtzahl der Beginen in die Hunderttausende gegangen sein. Andere Quellen sprechen sogar von über einer Million.

Die Beginengemeinschaften standen zu den katholischen Orden, von welchen sie sich prinzipiell unterschieden, in Opposition und wurden vom Klerus nicht gerne gesehen.

Neben den sesshaften Beginen entstanden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch wandernde Beginengemeinschaften, die vom Bettel lebten, oft extreme religiöse Vorstellungen vertraten und nicht nur von der Kirche, sondern auch von den Städten ungern gesehen wurden. Insbesondere die deutschen Bischöfe bekämpften die Bewegung und setzten 1311 auf dem Konzil von Vienne eine Verurteilung durch, von der der Papst nur die südlichen Niederlande ausnahm. Die deutschen Beginenhöfe wurden in der Folge aufgelöst.

Während noch die Inquisition von Toulouse vom Jahr 1307 ab zahlreiche Beginen und Begarden als Ketzer zur Einmauerung und Verbrennung verurteilt hatte, erließ Papst Johannes XXII. am 7. März 1319 eine Bulle , in welcher allen denjenigen Beginen und Begarden, welche die Regel der Franziskaner-Tertiarier annehmen wollten, Gnade zugesichert wurde. Viele Gemeinschaften stellten sich unter den Schutz des Franziskaner- oder Dominikanerordens. Die Bulle Papst Nikolaus V . vom 12. Februar 1453 nahm alle damals noch bestehenden Konvente in den Schoß der Kirche auf und verlieh ihnen die Rechte der Tertiarier .

Innerhalb des Reichsgebiets verschwanden sie mit dem 16. Jahrhundert . In Norddeutschland nahmen sie meist die Reformation an.

4. Das Ende der Beginen

Im Zuge der antiklerikalen Politik während der Französischen Revolution und wurden die Klöster 1795 aufgelöst. Die Beginenhöfe bestanden teilweise als karitativer Einrichtungen fort; das Eigentumsrecht wurde abgeschafft, die Beginen mussten ihre Kutten ablegen und durften keine Novizen mehr annehmen. Nach einem kurzen Wiederaufleben der Beginenkultur im 19. Jh. bezeichnete das 20. Jh. die Zeit des endgültigen Niedergangs der Höfe. Als Folge der Industrialisierung entstanden neue Arbeitsplätze für Frauen in der Industrie, mit denen sie ihren Lebensunterhalt ebenso bestreiten konnten wie innerhalb der Beginenhöfe. Damit ging deren Anziehungskraft langsam verloren. 1900 lebten noch 1500 Beginen in den flämischen Beginenhöfen, 1960 waren es noch 500, heute sind es nur noch fünf echte Beginen, die in Altenheimen leben

In Belgien, wo sie kirchlich organisiert wurden, existieren sie noch heute (20 Beghinenhäuser mit etwa 1.500 Insassen), beispielsweise in St. Amandsberg bei Gent . Die UNESCO hat am 23. Juni 1998 13 der 26 existierenden flandrischen Beghinenhöfe, in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen: Lier, Mechelen, Turnhout, Hoogstraten (Provinz Antwerpen); Sint- Truiden, Tongeren (Provinz Limburg); Dendermonde, Gent, Sint­Amandsberg (Provinz Ost-Flandern); Löwen, Diest (Provinz Flämisch Brabant) und Brügge, Kortrijk (Provinz West-Flandern)

Sie hatten große Ähnlichkeit mit den heutigen evangelischen Frauenstiften und Diakonissen-Häusern. Die Geistlichen der Brüdergemeinden waren auch ihre Patrone.

Die Geschichte der Beginen – Eine chronologische Darstellung (Exzerpt)

• gegründet durch den Priester Lambertus Bégue aus Lüttich, Belgien

• Zahl der Beginen in Köln wird auf ca. 2000 beziffert.

• Der franz. König Ludwig der IX. gründet eine neue Gemeinschaft der
Béguinen.

• Der Franziskaner-Mönch Simon von Tournai schreibt: „Aber am Ende fügen

wir noch eine Besonderheit hinzu, die sich zu einer größeren Gefahr ausweiten kann. Es gibt bei uns Frauen, die sich Beginen nennen, und einige von ihnen beherrschen Spitzfindigkeiten und freuen sich über Neuerungen. Sie haben die Geheimnisse der Schriften, die selbst für Leute, die in der heiligen Schrift bewandert sind, kaum zu ergründen sind, in der französischen Volkssprache interpretiert. Sie lesen dies gemeinsam unehrerbietig, frech, in Zusammenkünften in verborgenen Winkeln und öffentlichen Plätzen.“

1311 Mitglieder der Béginen sind Frauen, die zwar in keine Kirche gehen, aber ein
religiöses Leben führen möchten. Sie arbeiten als Weberinnen, Spinnerinnen, Näherinnen, Wäscherinnen oder aber auch als Krankenschwestern. Daher erfolgten seit 1311 durch Papst Klemens V. Unterdrückungsmaßnahmen. Infolge der äußeren Verfolgungen und des Rückganges des Waldensertums sahen sich die Collegia Beguinarum meist genötigt, die FranziskanerOrdensregel anzunehmen, und von da ab wurden sie von den Päpsten wieder in Schutz genommen.

• Papst Johannes XXII. Erlässt eine Bulle, in welcher allen denjenigen Beginen

und Begarden, welche die Regel der Franziskaner-Tertiarier annehmen wollten, Gnade zugesichert wurde. Viele Gemeinschaften stellten sich unter den Schutz des Franziskaner- oder Dominikanerordens.

• Die Béguinen haben sich an folgende Regeln zu halten: Sie müssen dem Pastor gehorchen und mindestens dreimal jährlich beichten. Die Hospitäler

werden von einer Obersten (Superiorin) geleitet. Sie muß gefragt werden, wenn eine der Frauen ausgehen möchte. Aber ohne Aufsicht darf keine Béguine durch die Straßen schlendern und dabei womöglich unanständige Lieder singen. Bis zur Abendglocke müssen alle Béguinen wieder in ihren Häusern sein. Dort dürfen keine fremden Frauen leben. Zur Bestrafung einer unfolgsamen Béguine müssen alle Schwestern erscheinen. Hinterher ist es der Bestraften verboten, sich außerhalb der Einrichtung zu beklagen. Ihre Hauptaufgaben sind die Krankenpflege , Waisenhilfe, Unterricht und Versorgung Toter.

Sebastian Brant bezeichnet die Beginen in Straßburg als überflüssiges Schmarotzer-Volk. Sie würden nur noch den Zweck haben, gegen Bezahlung bei der Beerdigung z u beten und zu weinen. In einem Vers wünscht er sie nach Portugal, dorthin wo der Pfeffer wächst. Er würde ihnen das Reisegeldgeben, nur damit sie ja dort bleiben und nicht mehr zurückkommen.

Die Geschichte der Beginen – Eine chronologische Darstellung (Exzerpt)

-Fortsetzung-

1515 Die Landesordnung Würtemberg bestimmt, dass die Zahl der Schwestern und Béguinen in ihren jeweiligen Häusern vorgeschrieben werden soll. Um Streitigkeiten mit den Zünften zu vermeiden, wird in dieser Ordnung vorgeschrieben, dass jeweils vier der Frauen ein Webstuhl haben dürfen, um für ihren Unterhalt zu sorgen.

• Papst Johannes XXII. Erlässt eine Bulle, in welcher allen denjenigen Beginen und Begarden, welche die Regel der Franziskaner-Tertiarier annehmen wollten, Gnade zugesichert wurde. Viele Gemeinschaften stellten sich unter den Schutz des Franziskaner- oder Dominikanerordens.1453 Die Bulle Papst Nikolaus V . vom 12. Februar 1453 nahm alle damals noch bestehenden Konvente in den Schoß der Kirche auf und verlieh ihnen die Rechte der Tertiarier Heute In Belgien, wo die Gemeinschaft der Béguinen kirchlich organisiert wurde, existieren heute noch 20 Beginenhäuser mit ca. 1500 Insassen. Die UNESCO hat 23 der 26 existierenden flandrischen Beginenhäuser, darunter den in Brügge, in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Personen- und Gruppenregisterregister

Waldenser :

Waldenser ist die Bezeichnung für eine vorreformatorische kirchliche Laienbewegung, die sich von dem Lyoner Kaufmann Petrus Valdes herleitet. Als die „Armen von Lyon“ wenden sie sich predigend und wohltätig den Armen der Gesellschaft zu. Sie verstehen sich als bewusste Glieder der katholischen Kirche, deren Missstände sie offen anprangern.

Papst Klemens V. :

Klemens V. (bürgerlicher Name: Bertrand de Got (* um 1264 in Villandraud, + 20. April 1314 in Roquemaure) war unter dem Namen Klemens V. Papst vom 5. Juni 1305 bis zum 20. April 1314.

Papst Johannes XXII. :

Johannes XII. (bürgerlicher Name: Jacques Du»se) war Papst von 1316 bis 1334. Er war der zweite Papst, der in Avignon residierte.

Papst Nikolaus V. :

Nikolaus V.

(* 15. November 1397, 24. März 1455) war Papst vom 6. März 1447 bis zum 24. März 1455. Er gilt als erster humanistisch gebildeter Papst und war Gründer der Vatikanischen Bibliothek. 1452 krönte er Kaiser Friedrich III., was die letzte Kaiserkrönung in Rom war.

Sebastian Brant :

Sebastian Brant (* 1457 in Straßburg, + 10. Mai 1521 in Straßburg), deutscher Humanist, Verfassers des Narrenschiffs, eines der populärsten Bücher im 16. Jahrhundert.

Juliana von Liége :

Juliana von Lüttich (* um 1192; 5. April 1258) war eine Nonne und Mystikerin.

Drittes Laterankonzil :

Das 3. Laterankonzil fand im März 1179 als das 11. ökumenische Konzil unter Vorsitz Papst Alexander III. mit 302 Bischöfen statt. Das Konzil entfernte die letzten Anhänger des Gegenpapstes, stellte die Waldenser unter Beobachtung und die Katharer als Häretiker in

den Bann und drängte auf die Wiederherstellung der kirchlichen Disziplin. Die weltlichen Herren rief es unter Zusicherung von Ablass zum bewaffneten Vorgehen gegen Häretiker auf. Drei Sitzungen wurden gehalten, am 5., 14. und 19. März

Jakob von Vitrys : bzw. Jacques de Vitry (* in Reims ; †1254 in Rom ) war ein mittelalterlicher Kardinal . Seine historischen Abhandlungen sind eine der wesentlichen Quellen für die Geschichte des heiligen Landes sowie für den fünften Kreuzzug . Sein einflussreicher hagiographischer Bericht, De Vita beatae Mariae Oigniacensis über die Begine Maria von Oignies blieb für lange Zeit ein Nachahmungsmodell in der weiblichen Hagiographie des späten Mittelalters.

Quellenverzeichnis

1. Fach-Chronik für Senioren und Pflegende
Von Delphi bis Delphi oder: von 60.000 v. Chr. Bis 2020 n. Chr.

Erschienen im Verlag Tebbert KG

ISBN 3-929207-14-1

Autor: Jutta U. Rosenbach

Autorin: Gertrud Hofmann
Die Beginen“ Geschichte
und Gegenwart 2004 Verlag Butzon & Bercker,
Kevelaer ISBN 3-7867-8530-9)

2. www.socialchronik.de (ONLINE-Version – von Delphi bis Delphi)

3. www.wikipedia.de – Die freie Enzyklopädie

4. www.eckhart.de/haresie.htm (Eine kurze Geschichte der Häresie)

5. www.wissen.de

Kontemplation:

1. Mystik: Versenkung in das Wort und Werk Gottes, betrachtendes Erkennen;

2. allg.: reine Anschauung, beschauliche Betrachtung, Beschaulichkeit

Konvent: Zusammenschluss Gleichgesinnter, beratende Zusammenkunft.

3 Konzil: eine kirchliche Versammlung (im Allgemeinen Bischofsversammlung), die über Fragen der Lehre und des Lebens berät

Antiklerikal: kirchenfeindlich

UNESCO: Abkürzung für englisch United Nations Educational , Scientific and Cultural Organization , Sonderorganisation der Vereinten Nationen zur Förderung von Wissenschaft, Erziehung, Kultur und internationaler Zusammenarbeit auf diesen Gebieten. Die UNESCO begann ihre Tätigkeit am 4. 11. 1946. Hauptorgane sind: Generalkonferenz (der Delegierten der Mitgliedstaaten), Exekutivrat und das Sekretariat in Paris. Verbindungsorgane zu den Mitgliedstaaten sind die Landeskommissionen. 2003 gehörten der UNESCO 190 Staaten an.

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