Bereiche
PfeilStartseite
PfeilAusarbeitungen
PfeilArzneimittel
PfeilAnatomie
PfeilBeschäftigung
PfeilErnährung
PfeilKlausuren
PfeilKrankheiten
PfeilPflege
PfeilPraktika
PfeilPsychologie
PfeilGedichte
PfeilRecht
PfeilSonstige
Pfeilf-j - k-o - p-t - u-z
PfeilAusbildung
PfeilAltenpflegeschulen
PfeilSchule vorstellen
PfeilArbeit Einsenden
abschluss_grafik
 Interaktiv
PfeilSchüler Forum
PfeilPflege Chat
PfeilBücher Tipps
PfeilLinks/Downloads
abschluss_grafik
 Service
PfeilStellen / Börse
PfeilKontakt
PfeilDas Team
PfeilImpressum
abschluss_grafik

Mitglied im Pflegenetz
Autor: Apopfleger
Diese Seite Ausdrucken




Anleitung von Auszubildenden in Pflegeberufen

Vorbemerkung, Lerntheorien und exemplarisches Beispiel einer Anleitungssequenz
Anläßlich der Mentoren-Fortbildung am
Zentralkrankenhaus Bremen-Nord 2003 Inhalt

1 Vorbemerkung
2 Lernformen- und typen
3 Warum Auszubildende so viel wieder vergessen oder Auswahl der Lehrmethoden
4 Aufbau einer Anleitung: Vorarbeit
5 Von der Handlung zum didaktischen Konzept
6 Exemplarische Erstellung eines didaktischen Konzepts
6.1 Handlungskette "Aufziehen eines Mischinsulins"
6.2 Didaktisches Konzept

Vorbemerkung

Die praktische Ausbildung in den verschiedenen Pflegeberufen ist zwar in den jeweiligen Gesetzen grob geregelt, folgt aber in vielen Einrichtungen bisher eher dem "Zufallsprinzip". In der Regel gibt es dort zwar benannte, aber keine besonders fortgebildeten "Praxisanleiter". Nach dem bisher gültigen Krankenpflegegesetz z.B. ist jede examinierte Pflegekraft verpflichtet und berechtigt, ihr(e)/sein(e) praktisches Wissen und Fertigkeiten an die jeweiligen Auszubildenden weiterzugeben. In jedem anderen Beruf wird hierfür eine besondere Ausbildungseignung verlangt (meist ein Meistertitel), in der Pflege wurde und wird diese Eignung vorausgesetzt, weil ja pädagogische und psychologische Themen auch Bestandteile der Ausbildung sind. Tatsächlich findet die praktische Ausbildung unter den bisher vorherrschenden Bedingungen aber eher zufällig statt. Durch die Benennung und gezielte Fortbildung von Mentoren läßt sich dieser Mangel beheben. Das vorliegende Script enthält einen groben, aber leider nicht vollständig wiederzugebenden Überblick, was ein Mentor unter anderem alles wissen und in seiner Tätigkeit berücksichtigen sollte. Das didaktische Konzept am Ende war Bestandteil meiner Prüfung.

Lernformen und -typen

Zum Einstieg in das Thema folgt hier ein grober Abriß, um in der Anleitung die Schülerseite darzustellen. Lernen findet grundsätzlich auf drei Ebenen gleichzeitig statt:

  1. kognitiv - die Verstandesebene: Wissen, Fakten, Zusammenhänge erkennen, Analyse, Planung
  2. affektiv - die Gefühlsebene: Erfahrungen, Wahrnehmung, Verantwortung, Pflichtgefühl
  3. psychomotorisch - pragmatische Ebene: Bewegung, Handlung, Koordination, Feinmotorik
Lerntypen bezeichnen den bevorzugten Zugang zum Lerngegenstand, d.h. welche Sinne angesprochen werden müssen, um den höchsten Lerneffekt zu erreichen. In der Pflegeausbildung sind die 3 wichtigsten Zugangswege:
  1. visuell - das Sehen betreffend, also dem Auszubildenden etwas zeigen
  2. auditiv - das Hören betreffend, also dem Auszubildenden etwas erklären
  3. kinästhetisch - die Bewegung betreffend, also den Auszubildenden selbst etwas machen lassen
In bestimmten Anleitungssituationen bietet sich noch an
  1. taktil/haptisch - den Tastsinn betreffend, also den Auszubildenden etwas anfassen lassen, z.B. bestimmtes Verbandsmaterial
Folgende Zugänge (der Vollständigkeit halber erwähnt) werden eher selten oder gar nicht in Frage kommen:
  1. gustatorisch - den Geschmack betreffend
  2. olfaktorisch - den Geruchssinn betreffend

Warum Auszubildende so viel wieder vergessen
oder
Auswahl der Lehrmethoden

Nach einem Tag ist durchschnittlich 40-70% von neu erworbenem Wissen wieder weg, deshalb ist wiederholtes Einüben wichtig. Im Lernprozeß ist dabei wichtig, möglichst mehrere Sinne anzusprechen, denn

  • 10% von dem, was man liest
  • 20% von dem, was man hört
  • 30% von dem, was man sieht
  • 50% von dem, was man hört und sieht
  • 70% von dem, was man selber sagt
  • 90% von dem, was man selber macht
bleibt im Gedächtnis haften. "Ich habs ihm/ihr 5mal auf alle erdenklichen Weisen beizubringen versucht!" ist ein typischer Stoßseufzer von examinierten Pflegekräften über vermeintlich begriffsstutzige Auszubildende, der sich relativiert, wenn man in der Anleitung zum einen die Lerntypen, zum anderen die Merkraten berücksichtigt. Wichtig ist auch, eine auf den Lerntyp abgestimmte Lehrmethode im wesentlichen konsequent beizubehalten, weil in der Wahrnehmung Inhalt und Methode untrennbar sind. Wird derselbe Inhalt mehrmals hintereinander auf unterschiedliche Weise vermittelt, ist das Gehirn hauptsächlich damit beschäftigt, die Methoden zu verarbeiten. Das bedeutet bezogen auf den Stoßseufzer, daß bei einer wilden Methodenmischung die Methode den Inhalt sogar überlagern und quasi auslöschen kann, so daß der Auszubildende nichts kapiert, obwohl die vierte angewandte Methode vielleicht sogar die richtige gewesen ist. Die wichtigste und in den meisten Fällen beste Methode ist das Lernen am Modell: Die examinierte Pflegekraft zeigt und erklärt etwas, der Auszubildende führt es anschließend selbst durch. Die zweitwichtigste Methode ist, in der Schule erworbene theoretische Grundlagen durch gezielte Fragen aufzuarbeiten. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, in einer Anleitung Inhalte zu vertiefen durch
  • Visualisierungen
  • Schautafeln
  • Grafiken
  • Literaturempfehlungen.

Dies sollte besonders gründlich auf den jeweiligen Lerntyp abgestimmt sein. Einem rein auditiven oder kinästhetischen Lerntyp wird ein Fachbuch zur Vertiefung wenig nützen.

Aufbau einer Anleitung: Vorarbeit

Eine praktische Anleitung muß immer mit überprüfbaren Lernzielen verbunden sein. Diese Ziele werden unterteilt in Richtziel, Grobziele und Feinziele. Das Richtziel gibt hierbei nur die Gesamtrichtung an, also beispielsweise "die Schülerin/der Schüler beherrscht Injektionstechniken". Es enthält keine zeitlichen Vorgaben und ist letztlich nur schwer überprüfbar, weil es zu weit gefaßt ist und in diesem Beispiel keine sichere zeitlich Planung möglich ist, weil i.m.-Injektionen im stationären Alltag nicht häufig vorkommen. Deshalb wird das Richtziel aufgeteilt in Grobziele. Jedes Grobziel stellt eine komplette Anleitungssequenz dar, z.B. Durchführung von s.c.-Injektionen, Aufziehen eines Medikaments, Durchführung von i.m.-Injektionen ventroglutäal, Duchführung von i.m.-Injektionen in den Oberschenkel. Darüber hinaus enthält das Grobziel Angaben über zeitliche Vorgaben (z.B. "nach 3maligem Üben" oder "nach 1 Woche") und die Bedingungen, die am Ziel erfüllt sein sollen (Durchführung selbständig oder unter Aufsicht). Das Erreichen des Grobziels ist also überprüfbar. Ob das Grobziel aber zu 100% oder zu 80% erreicht wurde, läßt sich überprüfen, wenn das Grobziel in weitere Feinziele aufgeschlüsselt wird. Hierzu wird in einer Tabelle die Handlung Schritt für Schritt beschrieben, außerdem das benötigte Material und mögliche Fehler aufgelistet. Die Feinziele werden aus den Handlungsschritten, Fehlern und Material abgeleitet. Die Ziele sollen erkennbare Verhaltensweisen benennen, also z.B. nicht "kennt das benötigte Material" sondern "kann das benötigte Material aufzählen und zusammenstellen".

Von der Handlung zum didaktischen Konzept

Ein (vollständiges) didaktisches Kozept besteht aus Bedingungsanalyse, didaktischer Analyse und der Planung des Vor- und Nachgesprächs. Es kann entweder allgemeingültig formuliert oder auf einen konkreten Schüler bezogen sein. Die Bedingungsanalyse besteht aus:

  • Schüleranalyse: hier werden u.a. Ausbildungsstand, Vorkenntnisse, Motivation und Lerntyp des anzuleitenden Schülers beschrieben.
  • Eigenanalyse: der Mentor beschreibt u.a. seine eigene Motivation, das Verhältnis zum Schüler und den eigenen Kenntnisstand des anzuleitenden Themas.
  • Umfeldanalyse: beschreibt u.a. räumliche und zeitliche Bedingungen, Aktzeptanz des Teams und Möglichkeiten, die Anleitung in den Stationsablauf zu integrieren.
  • Klientenanalyse: beschreibt u.a. das Krankheitsbild des Patienten, sein Verhältnis zu Mentor und Schüler sowie seine Kooperationsbereitschaft.

In der didaktischen Analyse werden die einzelnen bereits formulierten Feinziele mit Inhalten und Methoden hinterlegt. Inhalte sind die Informationen, die der Schüler braucht, um das jeweilige Lernziel zu erreichen. Methoden sind u.a. zeigen und erklären, visualisieren (mit Grafiken etc.), fragendes Erarbeiten, ausprobieren lassen. Die Methoden sollten auf den Lerntyp des Schülers abgestimmt sein. Im Vorgespräch zur Anleitung sollte die momentane Lernbereitschaft des Schülers erfragt werden. Der Mentor benennt Thema und Lernziel der Anleitung und erteilt eine Lernaufgabe (z.B. bis zum nächsten Tag, an dem die eigentliche Anleitung stattfindet, nochmal das entsprechende Kapitel im Lehrbuch nachzulesen; oder auch, erstmal nur aufmerksam zuzuschauen, wie der Mentor die Handlung durchführt, um sie danach nachzumachen). Außerdem enthält das Vorgespräch Angaben über die Dauer der Anleitung. Im Nachgespräch geben Mentor und Schüler sich gegenseitig ein Feedback. Erreichte und offene Lernziele sowie das weitere Vorgehen werden besprochen. In einem allgemeingültig formulierten Konzept entfallen Bedingungsanalyse und Vor- und Nachgesprächsplanung. In der didaktischen Analyse werden alle möglichen Methoden aufgezählt, für die Anleitung eines konkreten Schülers müssen die jeweils geeigneten Methoden ausgewählt werden. Es ist sicherlich möglich, aber nicht unbedingt sinnvoll, für eine vollständige Ausbildung didaktische Konzepte zu erarbeiten, weil dieser Katalog einige Tausend Seiten stark würde. Aber zum Üben oder für bestimmte Anleitungssequenzen sollte jeder Mentor ein paar didaktische Konzepte erstellen. Exemplarische Erstellung eines didaktischen Konzepts

Handlungskette "Aufziehen eines Mischinsulins"


Fehlerquelle

Handlung

Material

  Ärztliche Anordnung, Dokumentation Dokumentation
Fehlerhafte Flächendesinfektion Arbeitsplatz wischdesinfizieren Sagrosept-Tücher
Verwechslung U40-/U100-Insulin
Verwechslung U40-/U100-Spritze
Material richten Insulin, Insulin-Spritze, Sprüh-Desinfektion
Verfalldatum abgelaufen
Anbruchdatum fehlt
Anbruchdatum länger als 4 Wochen her
Kontrollieren: Verfalldatum, Anbruchdatum nicht älter als 4 Wochen  
Fehlerhafte Händedesinfektion Hygienische Händedesinfektion Händedesinfektionsmittel
Zuviel Desinfektionsmittel bildet einen "See", der nicht schnell genug trocknet. In die Ampulle eingebrachtes Desinfektionsmittel zersetzt die Eiweißmoleküle des Insulins. Gummi-Stopfen der Stechampulle desinfizieren  
NPH-Kristalle setzen sich nach längerem Stehen am Flaschenboden ab
Schütteln verusacht Blasenbildung
Durchmischen der Suspension duch Schwenken oder Rollen (ca.20mal)  
Weiße Kappe fehlt: Spritze ist unsteril Weiße Kappe von der Spritze entfernen und wegwerfen  
  Rote Kappe entfernen  
  Soviel Luft aufziehen, wie Insulin gespritzt werden soll  
Nadel in die Ampulle stechen
Ohne Druckausgleich entsteht ein Vakuum in der Ampulle Luft in die aufrecht stehende Stechampulle injizieren
Ampulle zwischen Zeige- und Mittelfinger über Kopf halten
Angeordnete Insulinmenge aufziehen
Eine Einheit zusätzlich aufziehen
Nadel verbiegt Vorsichtig Luftbläschen in der Spritze nach oben klopfen
Luftblase bleibt in der Spritze, Dosis ist geringer als angegeben Dosis wieder korrigieren, hierbei Luft aus der Spritze entfernen
Nadel aus der Ampulle entfernen
Rote Kappe aufrecht hinstellen
Verletzungsgefahr durch Re-Kapping mit beiden Händen Insulin-Spritze in die Kappe stecken
Beschriften: Name, Zimmernummer Filzstift oder Aufkleber und Kugelschreiber
Handlungskette ist modular erweiterbar:
  • freies Mischen verschiedener Insuline in einer Spritze
  • Besonderheiten beim Aufziehen aus U100-Pen-Patronen
  • Umgang mit Injektionshilfen
  • Aufziehen von Medikamenten aus Stechampullen allgemein

Lernziele "Aufziehen eines Mischinsulins"

  1. Der Schüler kann die Bedeutung der ärztlichen Anordnung und der Dokumentation nach der "5-R-Regel" erklären.
  2. Der Schüler kann hygienische Händedesinfektion durchführen.
  3. Der Schüler führt eine Flächendesinfektion durch.
  4. Der Schüler kann den Unterschied zwischen U40- und U100-Insulin erklären.
  5. Der Schüler kann die Merkmale von U40- und U100-Insulinspritzen erkennen und benennen.
  6. Der Schüler kann sagen, wie lange ein Insulin nach Anbruch benutzt werden darf, und weiß deshalb um die Wichtigkeit der Dokumentation des Anbruchdatums auf der Ampulle.
  7. Der Schüler benetzt den Gummi-Stopfen der Ampulle nur dünn mit Desinfektionsmittel und kann die Gefahren eines "Desinfektionsmittelsees" erklären.
  8. Der Schüler kann die Insulin-Suspension korrekt durchmischen.
  9. Der Schüler erkennt potentiell unsterile Insulinspritzen und verwirft diese.
  10. Der Schüler kann das Prinzip des Druckausgleichs erklären und anwenden.
  11. Der Schüler kann die richtige Insulinmenge aufziehen und Luftblasen aus der Spritze wieder entfernen.
  12. Der Schüler kann die aufgezogene Spritze sicher re-kappen.
  13. Der Schüler beschriftet die fertige Insulinspritze mit Namen und Zimmernummer.
Didaktisches Konzept "Aufziehen eines Mischinsulins aus einer Ampullenflasche"
  1. Bedingungsanalyse
  2. Planung Vor- und Nachgespräch
  3. Didaktische Analyse
Bedingungsanalyse Schüleranalyse
Die Schülerin
  • ist sehr motiviert, neues zu lernen;
  • hat eine rasche Auffassungsgabe;
  • ist ein audio-visueller Lerntyp;
  • hat alle notwendigen theoretischen Vorkenntnisse in Injektionstechniken;
  • führt nach bereits erfolgter Anleitung s.c.-Injektionen mit Fertigspritzen durch;
  • kennt bereits durch das Übertragen der Laborwerte die besondere Diabetes-Dokumentation der Station;
  • kennt die allgemeinen und hausinternen Hygienevorschriften und wendet diese an.

Eigenanalyse
Hochmotiviert
Langjährige Berufserfahrung
Fachlich 100% sicher für diese Anleitung Umfeldanalyse
Das Team akzeptiert die Notwendigkeit von Anleitungssequenzen und schafft die hierfür notwendigen zeitlichen Freiräume.
Die Anleitung findet im Arztzimmer statt, weil zum Zeitpunkt der Anleitung im Dienstzimmer, wo die Anleitung normalerweise stattfinden würde, keine ausreichende Ruhe sichergestellt wäre.
Die Einübungsphase läßt sich hervorragend in den Stationsablauf integrieren, später soll die Schülerin den Aufgabenbereich "Insuline" unter Aufsicht weitgehend selbständig übernehmen können. Planung Vor- und Nachgespräch Vorgespräch Begrüßung der Schülerin und Frage nach dem Befinden.
Kurze lobende Erwähnung der Vorkenntnisse und bisher erreichten Lernziele.
Benennung des Anleitungsthemas und -ziels.
Beschreibung des Ablaufs der Anleitung:
  1. Erklärung und Demonstration der Handlung, hierbei werden zwischendurch kleine Pausen (im Sekundenbereich) und Nachfragen eingeschoben.
  2. Die Schülerin führt die Handlung selbst durch.
Die Anleitung dauert ca. 15-20 Minuten.
Methode: Lernen am Modell
Die Schülerin wird ermutigt, während der gesamten Anleitung bei Unklarheiten Fragen zu stellen. Nachgespräch Gegenseitiges Feedback:
  • Wie fand die Schülerin die Anleitung, hatte sie das Gefühl, ausreichend auf die folgende Einübungsphase vorbereitet worden zu sein?
  • Welchen Eindruck hatte ich von der Auffassung der Schülerin?

Ankündigung:
In den nächsten 2 Tagen soll die Schülerin die Handlung unter Aufsicht üben, dann erfolgt eine Vertiefung des Themas durch Hinzunahme des Themas "Besonderheiten beim Aufziehen von Insulin aus einer Pen-Patrone".

Didaktische Analyse

Grobziel
Der Schüler/die Schülerin soll nach 2-3maligem Üben selbständig ein Mischinsulin aus einer Ampullenflasche aufziehen können.

Feinziel

Lerninhalt

Methode

Schülerin kann die Bedeutung der ärztlichen Anordnung und der Dokumentation nach der "5-R-Regel" erklären. Medikamente müssen stets vom Arzt verordnet sein.So ist sichergestellt, daß
der richtige Patient
das richtige Medikament
in der richtigen Dosierung
und richtigen Applikationsform
zum richtigen Zeitpunkt
erhält
Fragend erarbeiten, ggf. ergänzen
Schülerin kann die Indikation für die Verabreichung von Insulin und das dazugehörige Krankheitsbild benennen Insulinpflichtiger Diabetes mellitus Fragend erarbeiten, ggf. ergänzen
Schülerin kann den Arbeitsplatz hygienisch vorbereiten Wischdesinfektion der Arbeitsfläche Zeigen, danach selbst durchführen lassen
Schülerin führt vor dem Aufziehen des Insulins eine Händedesinfektion durch und beachtet die Einwirkzeit Händedesinfektion mit z.B. Sterilium
30 Sekunden Einwirkzeit
Zeigen, danach selbst durchführen lassen
Schülerin kann das für das Aufziehen von Insulin benötigte Material benennen und zusammenstellen Insulinampulle
Insulinspritze
Sprühdesinfektionsmittel
Zeigen, danach selbst erklären und durchführen lassen
Schülerin kann den Unterschied zwischen U40- und U100-Insulin erklären U40 = 40 IE/ml, enthalten in Ampullenflaschen
U100 = 100 IE/ml, enthalten in Pen-Patronen
Erklären, Schülerin wiederholt, wenn sie die Handlung selbst durchführt
Schülerin kann die Merkmale von U40- und U100-Insulinspritzen erkennen und benennen Beide Spritzen sehen fast gleich aus
U40 = rote Kappe, Skalierung bis 40, Aufdruck "U40"
U100 = orange Kappe, Skalierung bis 100, Aufdruck "U100"
Zeigen und erklären, Wiederholen lassen
Schülerin kann sagen, wie lange ein Insulin nach Anbruch benutzt werden darf, und weiß deshalb um die Wichtigkeit der Dokumentation des Anbruchdatums auf der Ampulle Insulin kann nach Anbruch max. 4 Wochen ungekühlt bei Zimmertemperatur aufbewahrt und weiterbenutzt werden. Anbruchdatum muß daher auf der Flasche vermerkt werden. Erklären, wiederholen lassen
Schülerin benetzt den Gummi-Stopfen der Ampulle nur dünn mit Desinfektionsmittel und kann die Gefahren eines "Desinfektionsmittelsees" erklären Aus hygienischen Gründen wird der Gummi-Stopfen der Ampulle vor der Entnahme des Insulins kurz und aus einigem Abstand mit Sprühdesinfektionsmittel eingesprüht, 30 Sekunden Einwirkzeit bis zum Trocknen des Desinfektionsmittels.
Zuviel Desinfektionmittel trocknet nicht schnell genug ein und bildet einen "See" auf dem Stopfen. Beim Einstechen der Kanüle kann daher Desinfektionsmittel in die Flasche gelangen und die Eiweißmoleküle des Insulins zersetzen.
Zeigen und erklären, wiederholen lassen
Zu Demonstrationszwecken eine weitere Ampulle "satt" einsprühen.
Schülerin kann die Insulin-Suspension korrekt durchmischen Misch- und Verzögerungsinsuline sind für den Verzögerungseffekt mit NPH (Neutrales Protamin Hagedorn) versetzt, das sich nach längerem Stehen einer Ampulle am Boden absetzt (weiße Schicht, darüber klare Flüssigkeit). Durch 20maliges Schwenken oder Rollen der Ampulle wird eine korrekte Durchmischung erreicht. Erklären und zeigen, wiederholen lassen
Schülerin erkennt potentiell unsterile Insulinspritzen und verwirft diese Insulinspritzen sind nicht steril eingeschweißt. Die Sterilität der entscheidenden Teile (Nadel und "Innenleben") wird durch fest sitzende Kappen an beiden Enden sichergestellt.
Gelegentlich sitzt die Kappe über dem Kolben nicht fest genug und ist abgefallen (Poduktionsfehler?). Solche Spritzen müssen verworfen werden, weil die Sterilität nicht mehr gewährleistet ist.
Erklären und zeigen
Schülerin kann das Prinzip des Druckausgleichs erklären und anwenden Vor dem Aufziehen des Medikaments (das Prinzip gilt für jede Ampullenflasche mit Gummistopfen) muß die gleiche Menge, die entnommen werden soll, als Luft in die Flasche injiziert werden. Anderenfalls entstünde ein Unterdruck, der die (weitere) Entnahme erschweren und gerade bei Insulin ein exaktes Aufziehen verhindern würde. Schülerin soll versuchen, das Prinzip selbst zu erklären.
Schülerin kann die richtige Insulinmenge aufziehen und Luftblasen aus der Spritze wieder entfernen Nach der Injektion der Luft in die AFL wird die Flasche mit der Spritze zwischen Zeige- und Mittelfinger gehalten und über Kopf gedreht. Die angeordnete Menge Insulin wird aufgezogen, dabei muß am Schluß die Oberkante des Kolbens genau über der Markierung stehen.
Seitlich neben der Nadel bildet sich in der Spritze i.d.R eine Luftblase, weiter unten entstehen oft kleinere Luftbläschen, die vom Volumen insgesamt bis zu einer I.E. Insulin ausmachen können und daher fehlen würden.
Daher müssen die Bläschen vorsichtig nach oben und in die Mitte geklopft werden. Hierbei die Flasche weiter zwischen Zeige- und Mittelfinger halten, die Spritze zwischen Daumen und Ringfinger. Wenn die Luftblase in der Mitte unter der Nadel liegt, Kolben vorsichtig reindrücken, um die Luft zu entfernen.
Anschließend die Dosis wieder korrigieren. Alternativ kann auch gleich etwas mehr Insulin aufgezogen werden.
Zeigen und erklären, nachmachen lassen.
Schülerin kann die aufgezogene Spritze sicher re-kappen Re-Kapping von Injektionsnadeln ist eigentlich grundsätzlich verboten (Verletzungsgefahr). Aufgrund der besonderen Bauart von Insulin-Spritzen (eingeschweißte Nadel, zylindrische Kappe mit breitem Boden) hier aber nicht nur ausnahmsweise erlaubt, sondern notwendig, weil i.d.R. mehrere Insulin-Spritzen aufgezogen und an verschiedene Pat. verabreicht werden müssen.
Hierzu wird die Kappe auf einen Tisch gestellt und die Insulin-Spritze senkrecht von oben wieder hineingedrückt.
Erklären und zeigen, nachmachen lassen.
Schülerin beschriftet die fertige Insulinspritze mit Namen und Zimmernummer. Vor den Hauptmahlzeiten erhalten mehrere Pat. Insulin. Aus zeitökonomischen Gründen werden alle Insuline nacheinander aufgezogen und in einem Gang verabreicht. Um Verwechslungen unbedingt zu vermeiden, werden die Spritzen mit Namen und Zimmernummer beschriftet (für mehr Angaben reicht der Platz nicht).
Benötigtes Material:
Wasserfester dünner Filzstift oder kleiner Aufkleber und Kugelschreiber
Wichtigkeit erklären, Schülerin soll versuchen, benötigtes Material zu benennen.

Autor: Apopfleger
Diese Seite Ausdrucken