Autor/in: Nebel Hexe

Der Paritätische Wohlfahrtsverband

Am 7. April 1924, also kurze Zeit nachdem das Reichsfürsorgegesetz in Kraft trat entstand die Vereinigung der freien privaten gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands, der Reichsverband der privaten gemeinnützigen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands. Durch den schwierigen Namen wurde der Verband bald in „Der 5te Wohlfahrtsverband“ umgetauft. Weil er hinter dem Verband der katholischen Kranken und Pflegeanstalten Deutschlands, dem Kaiserswerther Verband der Diakonissen, dem DRK und dem jüdischen Bund den 5. Platz einnahm. Im deutschen Reich wurden Subventionen nicht mehr direkt sondern nur über einen Verband gezahlt und so wurde der Verband als Zusammenschluss gegründet. Die Gründung 1924 entstand aus 23 Frankfurter Krankenanstalten, die freier Trägerschaft unterlagen und sich keinem, der bereits existierenden religiösen oder weltanschaulichen Verbänden anzuschließen vermochten. Diese lokale Vereinigung wurde bald zu einem Reichsverband, der landesweit arbeitete, um die gemeinsamen Interessen besser zu vertreten. Dieser Reichsverband weitete sein Spektrum auf Pflege-, Erziehungs- und Wirtschaftswohlfahrt aus. Wenn man sich die ganze Geschichte des DPW ansieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass die Anfänge des DPW, also die erste Gründung 1924 war, und im Jahr 2004 kann er sein 80 jähriges Bestehen feiern.

Zwischen 1924 + 1927 schlossen sich fast 800 kleine Einrichtungen dem Verband an.

1930 war zu erkennen, dass sich aus dem Krankenhausverband ein Wohlfahrtsverband gemausert hatte, da sich einige Einrichtungen anschlossen, die nicht direkt mit der Krankenpflege zu tun hatten.

Im Übergang von der Weimarer Republik in die Zeit des Nationalsozialismus also 1934 wurde der Verband aus politischen und weltanschaulichen Gründen aufgelöst und ging in die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege ein.

1949 erfolgte ein Zusammenschluss der zuvor auf Landesebene (Bundesländer) gegründeten Wohlfahrtsverbände zum DPW. Wobei sich, durch die politischen Nachkriegswirren, der PW in Berlin erst 1950 gründen konnte.

Die Grundsätze des Paritätischen sind und waren:

  • Konfessionelle, weltanschauliche und parteipolitische Unabhängigkeit
  • Humanitäre Verantwortung und Hilfsbereitschaft
  • Wahrung der Eigenständigkeit der Mitglieder
  • eine Stimme für jede Mitgliedsorganisation, unabhängig von deren Größe
  • Offenheit, Toleranz und Vielfalt.

Am 23. Mai 1950 wurde der Berliner Landesverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Hörsaal des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Kinderkrankenhauses wiedergegründet.
Somit ist der Berliner Paritätische Wohlfahrtsverband anno 2000, 50 Jahre alt geworden. Die Gründungsorganisationen waren das Oscar Helene Heim, der Agnes Karll Verband, das Advent Wohlfahrtswerk, das Paulinenhaus, die Liga für Altenhilfe, das Krankenhaus Waldfriede, der Staatsbürgerinnen-Verband und die Schutzhelfergemeinschaft für strafentlassene Jugendliche.

In der Nachkriegszeit wurden Gruppen und Vereine in den PW aufgenommen, die aber nach kurzer Zeit in Selbsthilfegruppen gewandelt wieder aus dem PW gelassen wurden, da sie keine allgemeine Fürsorgearbeit betrieben, sondern nur spezielle. Der Verband öffnete sich für Selbsthilfegruppen u.ä. erst Anfang 1970.

Der PW wurde und wird vom Senat subventioniert. Die Mitglieder zahlen seit 1953 auch Mitgliedbeiträge, wobei das Waldfriede-KH die erste Organisation war, die dieses tat. Mit diesen Geldern, den Spenden und dem Senatszuschuss setzte und setzt sich der PW für hilfsbedürftige Menschen ein. Teilweise in eigenen Einrichtungen oder aber auch über die Mitglieder.

Der PARITÄTISCHE hatte sich viele Aufgaben gestellt. Als erstes schaffte er Ausbildungsmöglichkeiten für Krankenschwester insbesondere für Kinderkrankenschwestern.
Die größte Aufgabe aber sieht der Verband darin für seine Mitglieder ein Dach zu schaffen, unter dem sie ihre sozialen Ansichten vertreten können. Der Gedanke der Gleichheit, also der Parität untereinander ist es, was den Verband auszeichnet. Der Paritätische versteht sich als Gemeinschaft solidarisch unterschiedlicher und eigenständiger Initiativen, Organisationen und Einrichtungen, die ein breites Spektrum sozialer Arbeiten repräsentieren. Alle angeschlossenen Organisationen erhalten die gleichen Chancen sich zu entfalten und ihre Vorstellungen von sozialer Arbeit umzusetzen, wenn sie den Grundsätzen des Verbandes nicht entgegenlaufen.

Es wird im Verband auch auf das mitbürgerliche Engagement großer Wert gelegt, auf die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter und die Hilfe zur Selbsthilfe. Dieses ist sehr charakteristisch in der freien Wohlfahrtspflege. Der Verband deckt soziale Missstände auf und will durch scharfes Handeln auf eine Sozial- und Gesellschaftspolitik hinwirken, welche die Grundlagen der Benachteiligung beseitigt. Sprich er will Ursachenbekämpfung betreiben. Als Markenzeichen gelten vor allem seine Armutsberichte und sozialpolitischen Konzepte.

Der Verband ist bemüht, ein weites Spektrum sozialer Dienste und Einrichtungen zu erhalten. Er bereichert nicht nur alteingesessene Bereiche in der Sozialarbeit sondern auch fortschreitende Bewegungen, die sich mit Neuerungen befassen und die gesellschaftliche Veränderungen herbeibringen möchten.

Ein wesentliches Merkmal des PARITÄTISCHEN ist seine Funktion als Dienstleistungsverband. Das bedeutet für seine Mitglieder: Sie erhalten unter anderem Rat in fachlichen, rechtlichen und organisatorischen Fragen. Aber auch Hilfe bei der Finanzierung von Projekten. Zudem bietet der Verband eine große Auswahl an Fort- und Weiterbildungskursen an, sowie Lehrgänge und Seminare sowohl für Haupt- wie auch für ehrenamtliche Mitarbeiter/innen.

Der PARITÄTISCHE setzt sich für Kinder-, Jugend-, Altenhilfe, in sozialer und psychischer Versorgung, in der Behindertenhilfe, aber auch in der Migrantenhilfe der Aids- und Drogen- aber auch Suchthilfe, sowie in der Gesundheitsförderung und –versorgung ein. Dieses ist aber nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtspektrum des PARITÄTISCHEN.

Ein kleiner Auszug aus dem Hilfeprogramm des PARITÄTISCHEN und seiner Mitglieder in der ALTENHILFE folgt:

Unter dem Dach des Paritätischen gibt es:

42 ambulante Pflegedienste, die sich oft auf bestimmte Bedürfnisse von den Menschen spezialisiert haben.
5 ambulante Hospizdienste
1 stationäres Hospiz
Von den vorgenannten Diensten werden ca. 30.000 Hilfsbedürftige versorgt und gepflegt.

Weiterhin gibt es 40 Pflegeheime für 6000 pflegebedürftige vor allem alte Menschen.

Der PARITÄTISCHE ist ein Dach für 500 gemeinnützige Organisationen und 2.500 gemeinnützige Dienste.

Unter dem Dach des Verbandes können auch alte Leute aus vielen Bereichen profitieren.

Es existiert eine Schwulenberatung für Senioren. Diese wird vom „Mobilen Salon“ geboten.

Eine Koordinierungsstelle rund ums Alter bietet der „Albatros e.V.“.

Der „Albatros e.V.“ bietet zudem noch ein Beratungstelefon für Senioren an.

Ein Zentrum für Demenzkranke, aber auch für Demenzkranke Migrantinnen und Migranten leitet der „Sozialverband VdK“.

Neue Broschüren für schwule und lesbische Senioren liegen im PARITÄTISCHEN aus.

Ein neuer Verein wurde grade unter die Fittiche des PARITÄTISCHEN genommen. Der „GGV-Lichtenberg“ ein Geriatrisch-gerontopsychiatrischer Verein.

Es gibt ein „Theater der Erfahrung“. In diesem spielen Senioren für alle, die kommen mögen.

Das „Haus des älteren Bürgers“ in Neukölln bietet neben netten Nachmittagen und Computerkursen für alte Menschen auch eine gesundheitliche Präsenz.

Der VdK und die AWO haben zusammen eine Schulung für ältere Migrantinnen abgehalten, in der Vorraussetzung war, dass die Ladys ihr Wissen an andere weitergeben müssen.

Der „Humanistische Verband“ hat ein Sorgentelefon für Senioren bereitgestellt.

Es gibt die Hospizgruppe in Schöneberg und das Ricam-Hospiz.

Das Unionhilfswerk mit all seinen Abteilungen steht auch unter dem Dach des PARITÄTISCHEN.

Dieses war nur ein sehr begrenzter Auszug aus den Ressourcen des Paritätischen.

Es könnten noch Dutzende andere genannt werden, aber das würde den Rahmen der Zeit sprengen, die mir hier zur Verfügung steht.

Selbstverständlich wird auch jedem Menschen weitergeholfen, der an die Tür des Paritätischen klopft. Ein Team von Spezialisten steht in der Brandenburgischen Straße bereit jedem Menschen Hilfe in jeder Lebenslage zu gewähren. Man muss nur den Mut finden.

Es können etwa 40.000 hauptamtliche und 18.000 ehrenamtliche Menschen sagen:
Ich arbeite beim Paritätischen. Und sie sagen es gern.

Ab 1.10.2003 zieht die Hauptstelle des Bundes, also Der Bundesverband der paritätischen Wohlfahrtsverbände auch nach Berlin und zwar in die Oranienburger Straße in Mitte.

Der Paritätische ist eine große Stütze im gesamtsozialen Gefüge der BRD. Sollte so ein Verband wegfallen und nicht mehr arbeiten und kämpfen, dann wäre es nicht weit her in diesem unserem Lande mit der sozialen Stabilität. Die Auswirkungen kann sich jeder vorstellen, die brauchen hier nicht aufgeführt werden.

Quellen: Das Buch „50 Jahre Parität“ neben Infos aus dem Netz, und die Mitarbeiterin Tina Deutschmann, die sicher noch hätte Stunden über ihren Arbeitsplatz weiterreden können. Es war ein sehr informativer Nachmittag.

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