Autor/in: Fibula

Erörterung der Konsequenzen der demographischen Entwicklung

Themenvorgabe:
„Die Rede ist vom Alter und von den mit Sicherheit erfolgenden demographischen Entwicklungen. Sie lassen bedeutende gesellschaftliche Veränderungen erwarten. Wenn bald jeder vierte und bis zum Jahr 2030 sogar jeder dritte Bürger über 60 Jahre alt sein wird, wenn die Zahl der Älteren erstmals in unserer Geschichte die Zahl der Jüngeren übertreffen wird, führt das zu einer neuen Gesellschaftsstruktur, die Konsequenzen auf vielen Gebieten erfordert.“
(Hans Mohl in: Rund ums Alter. Alles Wissenswerte von A bis Z, München 2000)

Aufgabenstellung:

Erörtern Sie die Konsequenzen dieser zu erwartenden demographischen Entwicklung

Deutschland wird grau, das ist Fakt. Da hilft auch die Förderung von Vereinbarkeit und Karriere nicht, die demographische Entwicklung aufzuhalten.
Wir müssen es als gegeben ansehen und uns darauf einstellen.
Die TV Werbung hat schon darauf reagiert. Zunehmend sieht man betagte Protagonisten in den Werbespots, die nicht nur für Nivea mimen, sondern auch Fischstäbchen von Iglo anpreisen.
Ältere müssen nämlich mehr miteinbezogen werden. Vor wenigen Jahren wurden auf Sat1 noch Sendungen wie „Der Bergdoktor“ gestrichen, weil sie nicht die gleiche Zielgruppe ansprachen wie die Werbung dazwischen. Den feschen Fiat Twingo kauft wohl kaum ein 70jähriger Bergdoktor-Zuschauer, der allenfalls seinen Zivi bittet heute doch mal einen Streusel statt des üblichen Zwiebacks mitzubringen. Dachte man.
Doch jetzt wird umgedacht! Senioren stellen plötzlich eine Werbezielgruppe dar, nicht nur für Haftcreme. Zugleich wird die junge Generation für das Altern sensibilisiert. Die Jungen von heute sind schließlich die Alten von morgen. In der Werbung äußert sich das so, dass der Greis sich mittels Zeitmaschine in die Vergangenheit begibt und dort seinem jugendlichen Selbst einen Tritt gegen das Schienbein verpasst, um sich für die mickrige Rente zu bedanken. Oder die betagte Dame, die minutenlang am Geldautomaten steht, um sich von eben diesem die Kohle in das Handtäschchen spucken zu lassen. „Die hat’s richtig gemacht.“ sagt der junge Mann aus der Schlange hinter ihr zu seiner Freundin.
Wer es richtig macht, muss sich finanziell für das Alter absichern. Auf die Rente vom Staat kann man nicht mehr zählen. Wer soll die auch zahlen, wenn kaum noch Nachwuchs da ist, der für all die Betagten in die Rentenversicherung einzahlt? Da nutzt auch der Generationenvertrag nichts. Wer nicht bis zum Umfallen malochen will, der tut gut daran, Bausparverträge, Lebens- und Rentenzusatzversicherungen abzuschließen.
Hat man sich finanziell abgesichert, kann man sich im Fall von Pflegebedürftigkeit einen ambulanten Pflegedienst, Essen auf Rädern oder gar einen Heimplatz leisten.
Jedoch gibt es vielerlei Hilfsmittel, die einen Heimeinzug hinauszögern können, da sie altersbedingte Defizite ausgleichen und Selbstständigkeit erhalten können. Das fängt beim Rollator für sicheres Gehen an, geht über das seniorengerechte Handy mit übergroßen Tasten, über Strumpfanzieher und Zuknöpfhilfen bis hin zum Hausnotruf, der per Knopfdruck auf das Armband im Notfall getätigt werden kann. Eine gute Einnahmequelle für Rettungsdienste. Sanitätshäuser scheffeln Kohle mit Inkontinenzhilfsmitteln, Rollstühlen und Geh-Hilfen. Berater bieten ihre Dienste an, die Wohnung altengerecht und sturzsicher einzurichten. Inzwischen gibt es sogar Verkaufsläden, die sich eigens auf solche Hilfsmittel spezialisiert haben. „Senio“ nennt sich dieses Franchise-Unternehmen, mit Hauptsitz in Heidelberg.
Ärzte bekommen in der Geriatrie eine gute Ausbildung, denn am multimorbiden Patienten lernt man viel über die unterschiedlichsten Krankheiten, wie Diabetes, Herzinsuffizienz, Apoplex, Frakturen, Demenz etc. Dies kommt dann auch jüngeren Patienten zugute.

Die Altenpflege- aus-, -fort-, und –weiterbildung boomt. Wer Altenpfleger wird, hat gute Aussichten auf einen gesicherten Arbeitsplatz und ein immer reichhaltigeres Angebot an Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Neben Stations-, Pflegedienst- und Heimleitung gibt es auch Altentherapeuten, Hygienebeauftragte für Pflegeeinrichtungen, Wundmanager, Pflegegutachter, Fachkräfte für Gerontopsychiatrie und vieles mehr.
Interessant ist auch der Bachelor-Studiengang Gerontologie an der Hochschule Vechta in Niedersachsen. Diese Hochschule mit Universitätsstatus bietet als einzige das Gerontologiestudium direkt im Anschluss an das Abitur bzw. die Fachhochschulreife an. Zwar kann man die Alternswissenschaften (so die deutsche Übersetzung) auch in anderen Städten, wie beispielsweise Heidelberg oder Kassel, studieren, jedoch nur als Aufbaustudiengang, dem ein abgeschlossenes Studium in Verhaltenswissenschaften (Soziologie, Psychologie, Pädagogik) vorausgesetzt wird.
Angehende Gerontologen in Vechta werden von vornherein interdisziplinär ausgebildet, denn der Mensch altert schließlich nicht nur biologisch, sondern auch geistig und gesellschaftlich.
Gerontologen können in Altenheimen, in der Altenpflegeausbildung, in der Werbung oder als Reiseveranstalter seniorengerechter Reisen arbeiten. Sie arbeiten auch eng mit Architekten zusammen, um Altenwohnstätten ideal an die Gebrechen des Alters anzupassen.
Deutschland altert, und das Geschäft mit dem Alter ist ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor.
Auch ein gesellschaftlicher Wandel steht bevor:
Die Jugend wird in Zukunft mehr Respekt vor dem Alter zeigen müssen. Gleichzeitig können die Jungen vom Erfahrungsschatz der Alen profitieren. Nicht jeder, der alt ist, ist auch „unbrauchbar“.
Schließlich gibt es bereits Projekte, in welchen Jung und Alt zusammengeführt werden, beispielsweise Kindertagesstätten in Altenheimen.
Und auch der Beruf des Altenpflegers wird hoffentlich bald nicht mehr mit Titulierungen wie „Arschabwischer“ zu kämpfen haben, sondern die gesellschaftliche Anerkennung bekommen, die er verdient.

Diese Erörterung wurde am 28.11.2005 als Klassenarbeit im Fach Deutsch in der Oberstufe geschrieben.
Die Lehrkraft bewertete diese Arbeit mit der Note 1,5, da sie sprachlich überzeugt. Jedoch wären ein komplexerer Schlussteil, und eventuell auch noch ein Ausblick auf „politische“ Konsequenzen, wünschenswert gewesen.

Der Aufmerksame Leser wird Ähnlichkeiten zu einem Beitrag aus „Kalkofe’s letzte Worte“ in der TV – Spielfilm 17/98 bemerken, an welchem sich die Autorin orientierte. Oliver Kalkofe’s Werk lag während der Klassenarbeit nicht vor. Der ungefähre Inhalt wurde aus dem Gedächtnis reproduziert.

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