Autor/in: Gerti Koop

Biographie

Nachname: xxxxxxx
Vorname: Lisa
Geburtsdatum: 03.08.1921
Geburtsort: XXXXXXXXXXX (jetzt XXXXXXXXX, Polen)
Sternzeichen: Löwe, 23.07.-23.08.

Lisa xxxxx wurde am 03. August 1921 als uneheliche Tochter von Magda Becker (*08.07.1896) in XXXXXXXXXXX geboren.

XXXXXXXXXXX , ehemals Kreisstadt des Netzkreises, an der Ostbahn zwischen Kreuz und Schneidemühl gelegen, gehörte bis 1920 zur Provinz Posen, dann zur Grenzmark Posen-Westpreußen, ab 1938 zu Pommern. Heute heißt die Stadt XXXXXXXXX und ist in die Wojewodschaft Großpolen eingegliedert. XXXXXXXXX ist ca. 150 km von der deutschen Grenze entfernt.

Lisa xxxxx wuchs bis zu ihrem 9. Lebensjahr ohne ihre Eltern, bei ihrem Großvater und der Tante auf. Die Mutter besuchte sie dort ab und zu, ihren Vater lernte sie nie kennen.

Als Lisa xxxxx 9 Jahre alt war, holte ihre Mutter sie in die 25 km nordöstlich gelegene Stadt xxxxx, jetzt xxxx. (1922-39 Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, 1939-45 Provinz Pommern, Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen).

Die Mutter hatte 1930 einen polnischen Landsmann geheiratet. Lisa xxxxx musste als Kind schon immer jeden Tag im großen Haus alles putzen und im Garten das Unkraut jäten. Sie erinnert sich noch an die große, weiße Küche, die sie 1x wöchentlich abseifen musste. Wenn ihre Freundinnen draußen riefen: „Lisa, komm doch zum Spielen!!“, durfte sie nur selten gehen.

Jeden Sonntag war der Kirchgang Pflicht, das hasste Lisa xxxxx sehr. Aber wenn sie nicht mit ihrer Mutter zur Kirche ging, musste sie zu Hause beim Stiefvater bleiben. Dieser wollte immer, dass sie zu ihm ins Bett kommt. Sie hatte Angst und schloss sich dann in ihrem Zimmer aein.

Wenn die Mutter mit dem Stiefvater in den Urlaub fuhr, wurde sie zur Tante gebracht. Sie durfte nie mitfahren. Zum Teil war sie sehr froh darüber, denn bei der Tante erging aes ihr viel besser.

Nach dem Abschluß der Hauptschule besuchte Lisa xxxxx ein Jahr lang eine Haushalts-schule. Im Anschluss daran schickte die Mutter die 14-jährige in das größte Hotel in xxxxxx, damit sie dort ihre Lehre macht. Sie bewohnte ein Dienstbotenzimmer und war dort „Mädchen für alles“. Lisa xxxxx musste putzen, waschen und in der Küche helfen. Der Koch verfolgte sie dauernd und wollte sich ihr unsittlich nähern. Sie konnte aber immer vor ihm flüchten und schloss sich in ihrem Zimmer ein. Als er sie eines Abends wieder verfolgte, mit den Worten: “Dich lege ich hier noch auf den Tisch – Dich krieg` ich noch!!!“, flüchtete Lisa xxxxx bei Nacht und Nebel zu ihrer Tante.

Die Mutter holte sie dort wütend wieder ab und brachte sie auf ein Rittergut. Dort ging es sehr streng zu. Lisa xxxxx musste ihre Arbeitgeber mit „Gnädiger Herr“ und „Gnädige Frau“ ansprechen. Sie musste ihre „Herrin“ an- und auskleiden, in der Küche arbeiten und putzen. Ihre Mutter kassierte das wenige Geld, das sie bekam. Fortlaufend wurde sie vom Knecht bedroht. Sie wollte einfach nur dort weg!

Lisa xxxxx studierte in der Zeitung die Stellenangebote und suchte sich, nach Absprache mit ihrer Tante und mit ihrem Vormund, eine Anstellung als Hausangestelllte in Wittenberg-Lutherstadt. Ihre neuen Arbeitgeber besaßen dort ein kleines Cafe.

Trotz eines monatlichen Lohnes von 25,- DM, was nicht sehr viel war, fühlte sie sich dort sehr wohl. Ihre Arbeitgeber gaben ihr das Gefühl, als wenn sie zur Familie gehörte. Von dem Geld sparte sie sich ihr erstes Kleid und ihre ersten Schuhe zusammen.

Als ihre Mutter davon hörte, kam sie mit einem Mann vom Jugendamt und wollte sie dort wegholen. Lisa xxxxx wollte aber nicht zurück zu ihrer Mutter. Sie sagte zu ihr: „Lieber springe ich in die Elbe!!!“ Die Eheleute, Besitzer des Cafes, hielten zu ihr und setzten durch, dass sie weiter bei ihnen bleiben konnte.

Jedes zweite Wochenende hatte Lisa xxxxx frei. Dann ging sie immer zum Tanzen – sie tanzte für ihr Leben gern. Für die Tanzpausen nahm sie sich immer belegte Brote mit. In einer Pause (zwischenzeitlich war sie 18 Jahre alt) setze sich ein Mann zu ihr, mit dem sie ins Gespräch kam – sie bot ihm von ihrem Brot an. Von diesem Zeitpunkt an holte er sie immer wieder zum Tanzen. Jedes zweite Wochenende trafen sie sich. Er war zu dem Zeitpunkt noch verheiratet, trennte sich aber ihretwegen von seiner Frau.

Lisa xxxxx wurde sehr schnell schwanger und sie heirateten am 03.März 1940.
Am 08.April 1940 wurde ihre erste Tochter geboren. Am 29. Mai 1941 kam ihr Sohn zur Welt, danach folgte eine Fehlgeburt. Während eines Fliegeralarms, am 13. April 1945, kam ihre Tochter Brigitte zur Welt, leider verstarb diese im Alter von 3 Monaten.

Da die Polen kamen, musste ihre Mutter 1940 aus ihrem Haus und ist in den Westen gegangen. Mit dem ersten Mann von Lisa xxxxx verstand sich die Mutter überhaupt nicht (wie Katz und Hund), sie hatten kaum Kontakt. Die Mutter starb am 18. Mai xxxx im Alter von 79 Jahren.

Die Kriegsjahre gingen auch an der Familie Becker nicht ohne Folgen vorbei. Der Ehemann von Lisa xxxxx wurde schwer verwundet und verlor dabei seinen rechten Arm und sein linkes Bein.

Am 29. Mai xxxx wurde die Tochter Renate geboren, auch sie wurde nur 3 Monate alt. Sohn Wilfried erblickte am 03.04.xxxx das Licht der Welt.

Ihr Mann starb am 21. Oktober xxxx – Lisa xxxxx war mit 45 Jahren Witwe. Sie sorgte nun allein für ihren Lebensunterhalt, hat viel selbst genäht und alles allein gemacht. Da Witten eine Industriestadt war, bot es sich an, dass sie in einer großen Fabrik in der Essensausgabe am Kaltbüfett arbeitete. Sie verkaufte Würstchen, belegte Brötchen und Kuchen.

Nachdem Lisa xxxxx sechs Jahre allein mit ihren Kindern lebte, setze sie eine Kontaktanzeige in die Zeitung, worauf sie 7-8 Zuschriften bekam. Auf diese Weise trat ihr zweiter Ehemann Otto Stolze in ihr Leben.

Otto Stolze besaß in xxxxxxxxx-xxxxxxxxxxx ein Haus. Dieses war ohne WC, im Garten war lediglich ein Plumps-Klo. Auch er war verwitwet. Ungefähr ein Jahr behielt sie ihre kleine Wohnung, die sie zwischenzeitlich hatte, dann zog sie auf sein Drängen in sein Haus und heiratete ihn. Plötzlich wurde ihr Mann sehr krank und starb nach nur 1½ -jähriger Ehe an Prostatakrebs.

Lisa xxxxx wohnte dann allein in diesem Haus und hatte die Tochter aus der ersten Ehe ihres Mannes ausgezahlt. Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes gab sie wieder eine Kontakt-anzeige auf. Sie lernte ihren dritten Mann kennen. Er war Witwer, war 6 Jahre älter als sie, hatte einen Sohn und eine Tochter, und wohnte in Meuro, ca. 20 km von xxxxxxxxx-xxxxxxxxxxx entfernt. Nach ewiger Hin-und Herfahrerei verkaufte sie ihr Haus und zog zu ihm. Er wollte sofort heiraten, sie aber sagte erst nach 2 Jahren ja. Nach 15 Jahren Ehe, im Jahre 1991, ist der dritte Ehemann von Lisa xxxxx gestorben. Die Wende, im Oktober 1990, hatte er noch miterlebt.

Die Kinder ihres verstorbenen Mannes waren sehr gemein zu ihr. Sie musste im eigenen Haus Miete zahlen. Ihr eigener Sohn, der sofort nach der Wende in den Westen ging, hatte sie 1992, ein Jahr nachdem ihr Mann gestorben war, in den Westen geholt und ihr eine kleine Wohnung besorgt. Daraufhin fuhr ihr Schwiegersohn (Mann ihrer Stieftochter) zum Kreisamt nach xxx xxxxxxxxx und wollte über das Amt ihre Rückkehr erzwingen. Er hatte es nur auf ihr Geld abgesehen und wollte weiter Miete kassieren. Mit Hilfe eines Rechtsanwalts hat Lisa xxxxx von ihrem „Schwiegersohn“ die Auszahlung bekommen, die ihr zustand.

Mittlerweile hat Lisa xxxxx von ihren zwei Söhnen fünf Enkel und fünf Urenkel und hat zu allen einen sehr guten Kontakt, außer zu ihrem ältesten Sohn, der in xxxxxxxx lebt.

Sie lebte in ihrer schönen kleinen Wohnung in xxxxxx-xxxxxxx, in einem Mehrfamilien-haus. Ihr ehemaliger Nachbar der eine Schwester in der Schweiz hat, fuhr im Winter immer für ca. 8 Wochen dort hin.Lisa xxxxx hatte in dieser Zeit immer den Wohnungsschlüssel, um nach dem Rechten zu sehen. Sie hat mit ihrem Nachbarn des öfteren zusammen Kaffee getrunken, er hat sie auch mehrmals nach Hamburg ins Musical oder ins Theater eingeladen – eine engere Bindung wollte sie aber nicht mehr eingehen. Das war so, bis sie im Dezember 2004 ins Seniorenwohnheim „xxxx xx xxxxxx“ in xxxxx-xxxxx kam. Nach einer Knie-Operation war eigentlich nur eine Kurzzeitpflege geplant. Der Sohn spielte schon mit dem Gedanken, einen Fahrstuhl in sein Haus einbauen zu lassen, doch es gefiel ihr so gut in diesem Heim, dass sie beschloss, dort zu bleiben.

Lisa xxxxx bewohnt dort ein schönes Zimmer und teilt sich mit ihrer Zimmernachbarin das Bad. Sie hat zum Teil ihr Mobiliar und einen Teil der Dekoration aus ihrer Wohnung mitgenommen. Die Schwiegertochter hat das Zimmer sehr gemütlich eingerichtet, wie früher bei ihr zu Hause. Ihr Sohn und ihre Schwiegertochter, die in diesem Heim in einem anderen Wohnbereich tätig ist, danken ihr mehr als genug dafür, was sie früher für die beiden getan hat. Sie verwöhnen sie, wo sie nur können – ob mit einer neuen Bluse, mit Blumen oder irgendwelchen Leckereien, sie bringen immer etwas Schönes mit. Im Anfang war Lisa xxxxx etwas zurückhaltender und hat sich viel in ihr Zimmer zurückgezogen, doch nach nur kurzer Zeit hat sie sich integriert. Mittlerweile ist sie sogar Heimratsvorsitzende. Sie kümmert sich viel um andere Bewohner, ist immer hilfsbereit und auf das Wohl Ihrer Mitbewohner bedacht.

Der Nachbar aus xxxxxx-xxxxxxx ist mittlerweile schon 91 Jahre alt und verehrt Lisa xxxxx immer noch sehr. Zu ihrem 84. Geburtstag, den sie am 03. August 2005 feierte, besuchte er sie sogar im Seniorenwohnheim „xxxx xx xxxxxx“.

Lisa xxxxx beteiligt sich rege an allen gebotenen Aktivitäten im Seniorenwohnheim, ob am Gedächtnistraining, bei Spielen oder bei der Gymnastik. Auch freut sie sich auf das Kochen in der Therapieküche, das donnerstags im gruppenweisen Wechsel stattfindet. Vor allen Dingen, wenn es dann eines ihrer Leibgerichte gibt – Eintopf mit grünen Bohnen, Möhren und Erbsen oder Hühnerfrikassee. Ihr Lieblingskuchen ist Obstboden: Biskuitboden mit Vanillepudding und darauf Erdbeeren oder Mandarinen.

Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, antwortete Lisa xxxxx mit einem schelmischen Grinsen: „Pffä, ich bin jetzt 84 Jahre alt, was denke ich über die Zukunft nach!!!
Ich mache mir hier meinen schönen Lebensabend. Hier bin ich nie allein, hier habe ich immer Gesellschaft, hier ist immer jemand für mich da!!“

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