Autor/in: K.Biesgen

Altersaufbau

Am 31.12.1999 hatte die BRD ca 82,2 Mio. Einwohner, mit einem Ausländeranteil von 7,3 Mio.
Der Bevölkerungsaufbau lässt sich anhand der Alterspyramide studieren.

Auffällig sind dabei folgende Aspekte:

  • der Frauenüberschuss bei den über 60. jährigen (durch die Gefallenen im 2. Weltkrieg und der längeren Lebensdauer der Frauen -7. Jahre)
  • der leichte Männerüberschuss bei den bis 50. jährigen
  • die Geburtenausfälle während des 1. und 2. Weltkrieges, sowie während der Wirtschaftskrise 1932
  • ein starker Geburtenrückgang

Bevölkerungsentwicklung

Für die Bevölkerungsentwicklung sind 2 Faktoren maßgebend:

  • zum einen das Verhältnis von Geburten- und Sterbeziffern,
  • zum anderen das Verhältnis von Zu- und Abwanderungen.

Der Unterschied zwischen Geburten- und Sterbeziffern bestimmt die interne Bewölkerungsentwicklung.

Der starke Geburtenrückgang hat mehrere Ursachen:

  1. geburtenschwache Jahrgänge, die sich seit der 60er Jahre in der Fruchtbarkeitsphase befinden)
  2. Veränderungen sozialer Leitvorstellungen (Wunschkind, Selbstverwirklichung)
  3. gestiegene Erwerbstätigkeit (insbesondere verheiratete Frauen im Westen)
  4. wirtschaftliche Zwänge und strukturelle Umbruchsituation (im Osten)

Aus dem Rückgang der Geburten bei gleichzeitiger Zunahme der Lebenserwartung resultiert eine zunehmende Verschiebung im Altersaufbau der Bevölkerung.

Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft führt zur Notwendigkeit einer verstärkten Bereitstellung gesundheitlicher Fürsorge,
stärkerer Anstrengung zur Absicherung der Renten und des Pflegerisikos.

Das Ausmaß der Zu- und Auswanderungen beeinflusst ebenfalls die Bevölkerungsstruktur.

Der Zuwachs der Bevölkerungszahl des früheren Bundesgebiets beruht zunächst auf dem Zuzug von Vertrieben aus den ehemaligen Ostgebieten
und den Flüchtlingen aus der früheren DDR.

Die Zahl der Ausländer stieg von 686000 (West 1960) auf 7,3 Mio. (Deutschland 1999).

Strukturwandel des Alters

Bezieht sich auf die Gruppe der älteren Menschen, die Zusammensetzung verändert sich.

  1. Die Menge der „Alten“ steigt und die Altersphase wird länger.

Gründe dafür sind vor allem die gestiegene Lebenserwartung und der gleichzeitige Geburtenrückgang.
Dazu kommt eine Ausweiterung der Altersphase durch die frühere Berufsaufgabe.

  1. Die nachelterliche Phase (d.h. die Phase, nachdem die Kinder aus dem Haus sind) hat sich verlängert.
  2. Durch die Arbeitsmarktsituation (mit 40- 45 zählt man auf dem Arbeitsmarkt zu den Alten)
  3. Singularisierung und Veränderung der Familienstruktur.

Die Vereinzelung im Alter ist oft Folge der Verwitwung (Frauen höhere Lebenserwartung) und der geringeren Möglichkeit, im Alter noch einen Lebenspartner zu finden. Das steigt vor allem für Frauen im höheren Lebensalter. Veränderte Familienstrukturen und immer diffuser werdende Familiensituationen (häufiger werdende Scheidung/ Trennung) tragen das Ihre dazu bei.

  1. Hochaltrigkeit! Steigende Lebenserwartung hat dazu geführt, dass der Anteil der Hochbetagten, vor allem Frauen, anwächst.
  2. Feminisierung des Alters. Frauen machen heute den größten Anteil der alten Menschen aus. Gründe sind die höhere Lebenserwartung von Frauen und Auswirkung der Folgen der beiden Weltkriege.
  3. Migranten/-innen bleiben in Deutschland. Gründe: medizinische Versorgung und Kinder, Enkelkinder wollen in Deutschland bleiben, weil sie hier geboren und aufgewachsen sind.

Generationenkonflikt:

In  Kombination mit verschiedenen anderen gesellschaftlichen Prozessen, wie z.B. der Lage auf dem Arbeitsmarkt, der Entwicklung der Familienstruktur und den Systemen der sozialen Sicherung, kann die demographische Entwicklung zu gesellschaftlichen Konflikten zwischen den Generationen führen. Dabei geht es nicht nur um den Streit über Werte, Normen und Lebensstile zwischen Großeltern, Kindern und Enkelkindern, sondern um Verteilungskämpfe zwischen Alten und Jungen. Immer weniger junge Menschen müssen für den Lebensabend von immer mehr Alten sorgen. Per Generationsvertrag trifft dies vor allem die Rentenversicherung. Aber auch in vielen anderen Bereichen ist die Gesellschaft auf die Solidarität der Generation aufgebaut:

  • Die Krankenversicherung: wenn immer mehr Menschen ein immer höheres Alter erwarten können, beanspruchen sie auch die Krankenversicherung stärker, als in jungen Jahren. Aber wenige junge Menschen bezahlen auch weniger Beiträge. Dazu kommt die steigende Arbeitslosigkeit, die die Kassen der KV leer bleiben lässt.
  • Die umgekehrte Alterspyramide führt zu einer Schieflage in der Pflege und der Versorgung alter Menschen. Immer mehr pflegebedürftigen Alten stehen immer mehr weniger pflegefähige Menschen im jungen oder mittleren Alter gegenüber
  • Auch bei stagnierenden Alterseinkommen ist die heutige Rentnergeneration bisher gut situiert wie nie zu vor. Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sinken dagegen die Zukunftschancen. Steigende Erwerbslosigkeit, niedrige Löhne und immer drastischere Abbauten von sozialen Leistungen führen zu einer  hochgradigen Verunsicherung der jungen Generation.

Konsequenzen des steigenden Anteil älterer Migranten und – innen auf die Altenhilfesysteme

Zu den Altenhilfensystemen gehören:

  • Offene-, Ambulante-, Teilstationäre- und stationäre Pflege.
  • Pflegesätze müssen transkulturel ausgearbeitet sein. Wichtig sind Information und Schulung der Mitarbeiter.
  • Unterstützung und Aufklärung der Familien bei der Pflege pflegebedürftiger Menschen
  • Information für Migranten (zwei- bzw. mehrsprachig) Beratende und vermittelnde Stellen für Migranten
  • Sprachbarrieren überwinden z.B. erlernen der Sprache, einsetzen von Pflegepersonal die die Sprache der Migranten spricht
  • Information und Schulung der Mitarbeiter über Ernährungsweisen und Religion der Migranten
  • Berührungsängste abbauen
  • Wohnverhältnisse müssen so sein, das eine Pflege zu Hause möglich ist

Altenhilfe als gesellschaftliche Notwendigkeit

– gestiegene Lebenserwartung; z.B. durch

  • bessere Medizinische Versorgung,
  • gesunde und ausreichende Ernährung,
  • wenig körperliche Arbeit

– veränderte Arbeits- und Lebensbedingungen; z.B.

  • Arbeitszeiten
  • Tarifverträge
  • Jugendschutzgesetz
  • adäquaten Wohnraum

früher wurden die Alten in Wohngemeinschaften o.ä. versorgt und gepflegt, es gab keine finanzielle Absicherung i.d.R. bekam man ein Gnadenbrot

– es hat ein Normen- und Wertewandel stattgefunden; z.B.

  • Einstellung und Leben zum und nach dem religiösen Glauben, wie die 10 Gebote

Gesellschaftliche Notwendigkeit:

  • Ende des 1900 entstand die öffentliche Altenhilfe,

Standards für die Altenpflege entstanden in den 60ziger Jahren,
sie orientierten sich am Krankenhaus (Menschen mit viel Geld hatten zu keiner Zeit Probleme für die Pflege im Alter zu sorgen)

  • Prinzipen der Sozialversicherung:
    • ist das Sozialprinzip, d.h. das der eine für den anderen sorgt
    • Pflichtversicherung für AN bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze
    • Beitragszahlungen werden je zur hälfte von AN & AG geleistet
    • Sozialpolitik ist die gesetzliche Grundlage der Altenhilfe und zwar Artikel 20 des Grundgesetzes. Die Sozialversicherung hat sie Pflegeversicherung ins Leben gerufen
    • Im Bundessozialhilfegesetz sind ausdrücklich die Hilfen für alte, Kranke Menschen festgeschrieben
    • Das Heimgesetz beinhaltet Rechte und Pflichten der Heimbewohner,Bauverordnungen und Mindestpersonalanforderunge
    • Betreuungsrecht dient dazu Hilfe für pflegebedürftige Menschen zu geben, wie z.B. in der Gesundheitsfürsorge, bei finanziellen Angelegenheiten, Wohnraum.

Pflege ist in der Regel Frauensache, häufig Ehefrau, Tochter, Schwiegertochter!

Belastungen für die Frauen sind oft:
  • eigene Erwerbstätigkeit
  • eigene Familie
  • eigene Interessen müssen hinten an gestellt werden
  • Spannung zwischen Pflegenden und zu Pflegende Person
  • Psychische Belastung
  • Hemmschwelle (man kann es nicht)

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