| Autor: Tünde Baumann / Elisabeth Czaplewski |
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Die besondere Verantwortung von Pflegekräften im
Umgang mit vollkommen abhängigen Menschen und die möglichen
Folgen von Ablehnung der Verantwortung und vorauseilendem Gehorsam
Der Altenpflegeberuf hat sich in den letzten Jahren zu einem unverzichtbaren
sozial-pflegerischem Beruf mit vielen verschiedenen Aufgabengebieten
entwickelt. Er ist für die Versorgung alter Menschen von Bedeutung,
da es die Großfamilie so nicht mehr gibt in der die alten
Menschen ihren Lebensabend mehr oder weniger versorgt verbringen
können. Für den Großteil der Bevölkerung entspricht
unser Beruf aber nicht dem Bild einer hochqualifizierten Leistung,
sondern eher "pflegen kann doch jeder".
Was ist der Altenpflegeberuf? Er ist Arbeit mit den Händen,
dem Herzen und dem Verstand. Er orientiert sich an den speziellen
Bedürfnissen und Problemen alter Menschen. Es ist aber wichtig
die Selbstständigkeit jedes einzelnen so lange wie möglich
zu erhalten. Man sagt "So viel Hilfe wie notwendig und nicht mehr
als nötig". Vergesst nicht wir dürfen nicht!!! das Gefühl
vermitteln ein alter Mensch muss uns dankbar sein, denn Altenpflege
ist auch eine Dienstleistung, eine bezahlte Arbeit und gehört
zu den Dienstleistungsberufen.
Dienstleistung beinhaltet den Begriff "dienen". Das heißt für
jemanden wirken, helfen, für ihn da sein. Eine Dienstleistung
erbringen wir für die Wünsche unserer Kun-den, sie muss
aber auch Qualität, Höflichkeit, Verständnis, Verlässlichkeit,
Ehrlichkeit und Sicherheit vermitteln. Wir werden ja schließlich
für eine ganzheitliche pflegerische Betreuung ausgebildet.
Diese beinhalten:
- Pflege und Mitwirkung bei der Behandlung und Rehabilitation
kranker, pflegebedürftiger und behinderter alter Menschen
- Hilfe zur Erhaltung und Aktivierung der eigenständigen
Lebensführung einschließlich der Förderung
sozialer Kontakte.
- Betreuung und Beratung alter Menschen in ihren persönlichen
und sozialen Angelegenheiten.
- Gesundheitspflege, Krankenpflege und Ausführung ärztlicher
Verordnungen.
- Erhaltung und Wiederherstellung individueller Fähigkeiten
im Rahmen geriatrischer und gerontopsychiatrischer
Rehabilitationskonzepte.
- Gesundheitsversorgung einschließlich Ernährungsberatung.
- Begleitung Schwerkranker und Sterbender.
- Anregung und Anleitung zu Hilfen durch Familie
und Nachbarschaft
Neben allen diesen Dingen ist es aber auch wichtig Beziehungen
aufzubauen. Niemand kann einen Menschen menschenwürdig
pflegen ohne ihm dieses Grundbedürfnis zu erfüllen.
Eine Pflegeperson muss von Berufs wegen in der Lage sein eine Beziehung
aufzubauen, um sich in die Lebenssituation, Erlebnis- und Bedürfnislage
des alten Menschen hinein zu versetzen, die mitunter durch Krankheit,
Behinderung und Verlustängsten geprägt sind. Sie muss
Verständnis für manches Verhalten entwickeln. Durch
gegenseitiges Vertrauen wird eine Wohlfühlatmosphäre
geschaffen, welches das Ziel einer pflegerischen Beziehung ist.
Nähe und Distanz, keine Abhängigkeit und keine Machtbefriedigung
seitens des Pflegepersonals, sind somit Kennzeichen einer professionellen
Pflege. Leider sieht dieses im Alltag ganz anders aus, wie ihr
gleich hören werdet.
Sehen wir uns doch einmal um...
Eine neue Studie besagt: pflegebedürftige Menschen, und zwar
vor allen Dingen die, die in Heimen leben erhalten zu wenig Nahrung
und Flüssigkeit. Viele von ihnen werden häufig künstlich über
eine Magensonde ernährt. 2/3 von ihnen bekommen eine zu geringe
Kalorienmenge und 40% sind unterernährt.
Altenpflegerin |
"Aber die wollen doch
nicht essen und trinken. Was sollen wir denn nur machen?" |
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Kollegin |
"Liebe Kollegin, vielleicht
hast du den alten Menschen zu wenig Zeit zum Essen und Trinken
gelassen? Hast du hinter dem Stuhl gestanden und das
Essen lieblos mit einem Löffel in den Mund gestopft,
der gar nicht wusste wie ihm geschieht, weil schon das öffnen
der Lippen mit klapprigem Zahnersatz und das Schlucken schwerfällt?
War der Zeitpunkt des Essens schon wieder 1 ½ Stunden
nach dem Frühstück und war es hell und laut
im Speisesaal? Oder hast du den Teller so voll gepackt das
einem bei der Menge jeglicher Appetit vergeht? Das Getränk
nicht zu vergessen, so aus dem Kühlschrank purer Orangensaft...
wäre es nicht besser gewesen bei Raumtemperatur und
gemischt mit Mineralwasser für empfindliche Mägen
oder Mal ein Gläschen Bier? " |
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Altenpflegerin |
"Ja, aber Kollegin, ich
bin doch alleine mit acht dementen Bewohnern. Zum Beispiel
beim Abendessen. Die Küchenkraft muss schon um 15.00
Uhr die Brote schmieren und bis zum Abend sind die nun mal
schon etwas hart." |
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Kollegin |
"Hm, wie wäre es
denn wenn man alles in Frischhaltedosen packen würde
und die Bewohner nach Lust und Laune selbst die Brote richten?" |
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Altenpflegerin |
"Kollegin, wo denkst du
hin? Die schmeißen alles was nicht passt auf die Teller.
Wie schade um die Nahrungsmittel. Und ich kann ihnen
das nicht wiederholt anbieten und in die Hand drücken." |
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Kollegin |
"Und das Geschmackserlebnis?
Süß, sauer, salzig, dunkles Brot, Weißbrot
und dazu Salat. Wie herrlich muss das sein zu essen was einem
schmeckt. Und wahrscheinlich wirfst du später weniger
weg als all das ausgedörrte Zeug. Und dabei sein musst
du so oder so." |
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Altenpflegerin |
"Tja Kollegin, eigentlich
wollte ich ja schon einigen das Essen anreichen während
sie auf den Toilettenstühlen sitzen... weil,
du weißt ja, nachher muss ich mich mit den Dokumentationen
befassen. Da heißt es immer z. B. Teilpflege, Füße
waschen, Haare kämmen, beim Essen helfen, beim
Trinken helfen, Zahnprothese reinigen, Prophylaxen durchführen,
beim An- und Auskleiden helfen, Anleitung zum Toilettengang
etc. etc., denn das muss in den Dokus stimmen. Der Personalschlüssel
hängt davon ab, wo es doch immer heißt es sei
kein Geld in der Pflegekasse. Und Leistungen werden nur bezahlt,
wenn sie auch vermerkt sind. Auch mit der Nachtschwester
muss ich mich streiten, weil die hat wieder gemeckert, ich
soll doch mehr Psychopharmaka verordnen lassen. Dann
ist in der Nacht Ruhe. Aber was macht die Kollegin Else meinst
du? Sie gibt den alten Menschen ein paar Gläser
mehr zu trinken und das bedeutet die Menschen sind wacher.
Und die Nachtschwester hat in der Nacht mehr Toilettengänge.
Ich hab ihr doch schon das dickste saugfähigste Inko-Material
bestellt." |
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Kollegin |
"Frau Kollegin, eine Studie
zeigt das eine bekannte Firma für Pflegehilfsmittel
ein hoch leistungsfähiges und bedienungsfreundliches
System entwickelt hat. Die optimale Inkontinenzversorgung!
Die Erfassung von Inkontinenzslips in sieben deutschen
Pflegeheimen zeigt, von 5000 benutzten Produkten hatten 55,3%
weniger als 200 g beladen. Mehr als die Hälfte aller
Bewohner wird damit zu teuer versorgt. Dauerkatheter
werden oft gegen den Willen der Pflegebedürftigen
eingesetzt obwohl in den meisten Fällen keine medizinische
Notwendigkeit vorliegt." |
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Altenpflegerin |
"So, so. Aber ich bin
schon froh, wenn unsere Hausärzte nicht dauernd
von Gewichtskontrolle und Flüssigkeitsbilanz reden und
mir erklären, Kachexie und Exikose führen
zu schlechteren kognitiven Leistungen und Untergewicht erhöhe
das Sturz- und Frakturrisiko. Oft erzählen sie mir noch,
pflegebedürftige Menschen erkranken sehr viel öfter
an Druckgeschwüren, weil die vorbeugende Therapie sehr
im argen liege. Die Behandlung eines Dekubituspatienten aber
koste 25.000 - 45.000 €. Und ist das einmal geschehen,
muss ich froh sein, nicht die billigste Wundversorgung verordnet
zu bekommen. Aber zum Glück hab ich zu einigen Hausärzten
einen guten Draht." |
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Kollegin |
"Aber Schwester, alte
Menschen mit Dekubitus weisen häufig auf schlampiges
Arbeiten hin. Jede gute Altenpflegerin bemüht sich Druckgeschwüre
bei ihren Bewohnern zu vermeiden. Wer gewissenhaft arbeitet
schafft das auch." |
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Altenpflegerin |
"Na, und wie soll ich
bei der vielen Arbeit noch die Freizeitgestaltung der alten
Leute übernehmen? Die Verwandten kommen nur her und
meckern. Sie haben oft Angst mit ihrer demenzkranken Mutter
alleine zu sein und zu reden nur mit dem Pflegepersonal,
anstatt die Mutter zu streicheln, ihr vorzulesen, spazieren
zu gehen oder ihr Essen und Trinken zu reichen." |
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Kollegin |
"Freilich, da hast du
Recht. Zuwendung kann man nicht kaufen. Viele Alte Menschen
leiden unter Einsamkeit. Es fehlt ihnen der Sinn des Lebens
und darum lassen sie sich ganz fallen. Ach, Kollegin, es
ist schon eine Schande..." |
In allen stationären Einrichtungen der Alten- und Krankenbetreuung
ist die Anwesenheit einer Pflegeperson rund um die Uhr selbstverständlich.
Für den ärztlichen Dienst gilt dies nur sehr begrenzt.
Während der Arzt zur Visite kommt und aufgrund seines Wissens
Rat, Information und bestenfalls Heilung versprechen kann, übernehmen
die Pflegenden jene Aufgabe die fast alle Menschen die meiste Zeit
ihres Lebens selbstständig durchführen. Pflegerische
Tätigkeiten sind also meist regelmäßiger, zeitintensiver
und körpernäher als diagnostische und therapeutische
Maßnahmen und die Verrichtungen und auch die damit verbundene
Sprache ist dem Bewohner vertrauter. Entsprechende Unterschiede
ergeben sich aus dem Gesprächsverhalten der Betroffenen und
sie fragen, weil sie bei der Visite gar nichts verstanden haben,
die Pflegekraft. Mit großer körperlicher Nähe entsteht
auch eine verstärkte emotionale Nähe. Das ist nicht
unproblematisch, weil der Grat zwischen respektvoller Zugewandtheit
und gedankenlosen Übergriffen oft schmal ist. Der Umgang mit
Nähe und Distanz wird in der Pflege als schwieriger Balanceakt
erlebt. Während sich Ärzte im Zweifelsfall emotional
hinter ihrer Autorität als Experte verstecken können
und dies vom Patienten eher akzeptiert wird, wird ähnliches
Verhalten vom Pflegenden viel schneller als verletzend empfunden.
Je höher der kurative und damit ärztliche Aufwand in
der Patientenbetreuung ist, desto höher ist meist auch der
weisungsgebundene Anteil der Pflegearbeit (Medikamentengabe, Überwachungs-,
Kontroll- und Maschinenarbeit) und desto geringer ist in Relation
dazu der autonome Anteil im Sinne direkter Pflege. Sind dagegen
die kurativen Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft,
wird ein chronischer Krankheitsverlauf absehbar oder liegt
ein Mensch im Sterben, reduziert sich das ärztliche Handeln
in vielen Fällen auf wenige kurze Besuche, wohingegen die
autonome Pflege zunimmt. Bei Menschen, die zum Pflegefall
werden, oder bei Sterbenden liegt die Patientenbetreuung praktisch
allein in pflegerischer Hand.
Manche Pflegekräfte sind aber schon so ausgepowert das sie
betriebsblind alles mit machen was das übrige Team gedankenlos
mit den alten Menschen anstellt. Auch die letzten hochmotivierten
Altenpflegerinnen resignieren allmählich, wenn sie immer nur
hören in deutschen Altenheimen fehlen 20.000 Pflegekräfte.
Bei den Beschäftigten haben sich mittlerweile 9.000.000 Überstunden
angehäuft. Allein dieses wären 5.000 Vollzeit-Pflegestellen.
So gelesen im sogenannten Pflegethermometer 2003. Diese Studie
stützt sich auf Daten aus mehr als 600 Einrichtungen der stationären
Altenpflege. In vom MDK geprüften Häusern stellten sich
z. B. bei 30 Heimen gravierende Abweichungen zwischen dem
gemeldeten und dem tatsächlich vorhandenen Personal heraus.
Spitzenreiter war ein Haus, das gegenüber den Kassen 16 Vollzeitkräfte
angab aber nur sechs beschäftigte. Prüfungen des Bundesgesundheitsministeriums
ergaben, das die Abweichungen zwischen drei und mehr als zehn Vollzeitkräften
lag die bezahlt aber nicht eingestellt wurden. Nachweise über
die Verwendung des Geldes werden in der Regel nicht verlangt. Es
gibt keine ausreichenden Kontrollen, denn die dafür vorgesehenen
Instanzen sind nicht selten auf der politischen Ebene abhängig
von den Betreibern die sie kontrollieren sollen. Bundes- und Landtagsabgeordnete,
Kommunalpolitiker und Minister/innen besetzen vielfach Vorstandsposten
in Wohlfahrtsverbänden und vertreten damit oft auch deren
gewinnorientierte Interessen. Die Heimaufsichten unterstehen
ihnen bundesweit, was eindeutig zu Interessenkollisionen führt.
Oder machen wir es bald wie in Japan? Dort hat der Finanzminister
Shiokawa gerade den Vorschlag gemacht die Rentner in Billigländer
zu exportieren und die Alten protestieren nicht einmal dagegen.
Es wird vermutet, das die Alten sich an andere historische Lösungen
erinnern. Der japanischen Erzählung "Narayama bushiko" zufolge
schleppten verarmte Dörfler nutzlos gewordene Senioren einst
auf unwegsame hohe Berge. Auf diesen so genannten "Ubasute Yama" -
zu deutsch etwa: "Alten-Wegwerf-Berge" mussten die Greise
ihres Hungertodes harren. (Quelle: http://www.spegel.de/politik/ausland/0,1518,261072,00.html ).
Wir wissen alle, das es in Deutschland niemals so weit kommen
wird.
Man kann vieles finanziell lösen, aber nicht alles lässt
sich mit Geld regeln. Alte Menschen, die ihre Bedürfnisse
nicht mehr selbst verbalisieren können, bedürfen der
Hilfe durch qualifiziertes Pflegepersonal. Es gibt sie sicher,
die zufriedenen Heimbewohner, und auch viel menschliches und
motiviertes Personal.
Wir denken es liegt nun an uns die Weichen für die Pflegeberufe
so zu stellen, das alle Mitarbeiter/innen ihrer Verantwortung mit
gutem Gewissen gerecht werden können.
| Autor: Tünde Baumann / Elisabeth Czaplewski |
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