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Autor: Dodger
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Mobbing

1. Mit Magenschmerzen in den Betrieb
2. Was ist Mobbing?
3. Mobbing: Zwischen Ohnmacht und Druck
4. Wer wird gemobbt?
5. Entwicklung eines inneren Frühwarnsystems
5.1 Vorbeugende Maßnahmen
6. Die „Spielarten“ des Mobbings
7. Mobbing: Täter und Beweggründe
7.1 Wer mobbt?
7.2 Weshalb wird gemobbt?
8. Die richtige Gegenwehr
8.1 Den Mobber direkt ansprechen
8.2 Die Isolierungsfalle

8.3 Raus aus allen Teufelskreisläufen
8.4 „Jedes Ihrer Worte kann gegen Sie verwendet werden!“
8.5 Selbstschutz hat Priorität
8.6 Entwicklung von Strategien
8.7.Standhalten oder Flüchten?
9. Wer bietet Unterstützung

9.1 Vorgesetzte/Geschäftsleitung
9.2 Betriebsrat
9.3 Professionelle Hilfe
10. Adressen

1. Mit Magenschmerzen in den Betrieb
Mobbing bedeutet, dass Mitarbeiter, Kollegen oder Vorgesetzte versuchen, „ausgesuchte Arbeitnehmer mit bösartigen und verletzenden Methoden so „fertig zu machen“, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren bzw. freiwillig „an den Nagel hängen“. Bei etwa 4 Millionen Arbeitslosen und dem permanenten Druck der Firmen, Kosten sparen zu müssen, wird Mobbing zur Volksseuche. Und bei immer mehr Mitarbeitern steigt die Bereitschaft, sich an diesen üblen Methoden zu beteiligen. Zunehmend häufig kämpfen Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz oder um den ihres Kollegen.
Die Ursachen für die zunehmende Gewaltbereitschaft am Arbeitsplatz liegen jedoch nicht nur an dem Kampf um die Arbeitsplätze. Es gibt eine Vielzahl an gesellschaftlichen Faktoren, die diese Bereitschaft zur Gewalt fördern. Im gleichen Ausmaß, wie wir die zunehmende Gewalt an den Schulen unserer Kinder beklagen, sind immer mehr von uns bereit, am Arbeitsplatz zu kämpfen.
Mitarbeiter, die von Mobbing getroffen sind, werden drangsaliert und gequält, weggegrault, gepeinigt und persönlich so verletzt, dass sie nicht mehr wissen, wo ihnen „der Kopf steht“. Dabei sind Mobbing-Opfer oft jene, die sich besonders für ihren Betrieb einsetzen, die sich besonders mit ihrem Betrieb identifizieren und die ihre Arbeit besonders gut machen. Oft sind es die Mitarbeiter, die sich andere Betriebe wünschen.
Vom Mobbing Betroffene wachen mitten in der Nacht schweißnass auf, viele können kaum schlafen, haben den Kopf immer voller Ängste, leiden an Übelkeit, Durchfall, Depressionen und erheblichen Selbstzweifeln. Die Psychologen nennen diese Auswirkungen "„posttraumatische Belastungssyndrome"“ Viele gehen jeden Morgen mit Magenschmerzen, anderen körperlichen Beschwerden und tiefem Widerwillen in ihren Betrieb. Nicht wenige bekommen Schweißausbrüche, wenn an ihrem Arbeitsplatz das Telefon klingelt. In fielen Fällen wirkt sich der Stress am Arbeitsplatz erheblich auf das Familienleben aus. Nur wenige Ehe- oder Lebenspartner können die Probleme von Mobbing-Opfern richtig verstehen und adäquat damit umgehen.

Das sind die häufigsten psychischen Beschwerden von Mobbing-Opfern

  • Innere Unruhe und permanente Unzufriedenheit
  • – Selbstzweifel und zunehmende Unsicherheit
  • – Konzentrationsprobleme und Angstzustände
  • – Abnahme des Interesses an der Arbeit und an privaten Aktivitäten
  • – Abnahme der Entscheidungsfähigkeit
  • – Gefühle der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
  • – Zunehmend gereizte und aggressive Stimmung
  • – Steigende Suchtgefahr durch Alkohol oder andere Drogen
  • – Überempfindlichkeit und Nervosität
  • – Zunehmend verzweifelnde Hektik und Rastlosigkeit
  • – Depressive Stimmungen, Depressionen und Weinkrämpfe
  • – Vermehr unrealistische Verfolgungsideen (paranoide Tendenzen)
  • – Neurotische und psychotische Störungen
  • – Selbsttötungsgedanken und Suizid

Bedingt durch die seelische Unruhe und Nervosität häufen sich bei vielen Mobbing-Opfern auch Verkehrsunfälle, Beinbrüche oder andere Sport- und Haushaltsunfälle.

2. Was ist Mobbing?
Mobbing ist erst dann gegeben, wenn Mitarbeiter gezielt und dauerhaft erniedrigt und demütigt werden. Dazu gehört ein bestimmter Grad an Feindseligkeit und vor allen das Ziel, den betreffenden Mitarbeiter so lange zu peinigen, bis er seinen Arbeitsplatz oder die Firma verlässt. Mobbing an Schulen wird von manchen Autoren als „Bullying“ bezeichnet.
Mobbing-Attacken erfolgen meist zwischen Mitarbeitern gleicher hierarchischer Ebene, aber natürlich auch von Vorgesetzten gegen ihre Mitarbeiter (Bossing), von Mitarbeitern gegen ihre Vorgesetzten und schließlich von höheren Vorgesetzen und Mitarbeitern gemeinsam gegen mittlere Vorgesetzte (Sandwich-Mobbing).

»
Beispiel:
Die Mitarbeiter Herr Purtsch und Herr Krüpper der Abteilung X sind im gleichen Sportverein wie der Bereichsleiter (Vorgesetzter des Abteilungsleiters). Beide Mitarbeiter gehören nicht zu den Schnellsten und Zuverlässigsten der Abteilung. Herr Purtsch spielt immer den Überlasteten und ist grundsätzlich nicht bereit, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Herr Krüpper kann jedes kleine Problem solange diskutieren, bis keiner mehr zuhören kann. Probleme werden dadurch jedoch nicht gelöst. Beide sind für die Abteilung eine Belastung, sie sind ein „eingespieltes Team“ und grenzen sich von den anderen Mitarbeitern deutlich ab. Der kürzliche Versuch des Abteilungsleiters, beiden eine Abmahnung zu schreiben, wurde vom Bereichsleiter, mit dem der Abteilungsleiter schon seit langem Probleme hat, mit dem Hinweis abgelehnt, dass ein guter Vorgesetzter seine Mitarbeiter auch ohne Abmahnungen „im Griff“ haben sollte.

» Was sind die Botschaften dieses Beispiels?
1. Der Bereichsleiter kritisiert den Abteilungsleiter in unangemessener Form.
2. Er schützt die beiden „schwierigen“ Mitarbeiter in unangemessener Form.
3. Der Bereichsleiter hat zum Abteilungsleiter kein Vertrauen.
4. Er benutzt die beiden „schwierigen“ Mitarbeiter u. U., um über das Arbeits-
verhalten des Abteilungsleiters Informationen zu erhalten.
5. Er benutzt die beiden Mitarbeiter u. U., um über andere Mitarbeiter der Ab-
teilung Informationen zu erhalten.
6. Die beiden „schwierigen“ Mitarbeiter haben in der Abteilung einen Grad an
Freiheit, den kein anderer Mitarbeiter hat.
7. Die anderen Mitarbeiter sind mit dem Abteilungsleiter unzufrieden, weil sie
mehr leisten müssen als ihre beiden Kollegen.
8. Die anderen Mitarbeiter sind mit dem Abteilungsleiter unzufrieden, weil er die
beiden „schwierigen“ Kollegen nicht disziplinieren kann.
9. Dem Abteilungsleiter wird von „unten“ und „oben“ Führungsschwäche vorge-
halten.

Das Beispiel zeigt, wie einfach es ist, Vorgesetzte in Mobbing-Situationen zu bringen, aus denen man sich als Betroffener kaum noch befreien kann. Dabei bedarf es in der täglichen Praxis nicht eines Sportvereins, der die „gute Zusammenarbeit“ zwischen einem Mitarbeiter und dessen nächsthöheren Vorgesetzten ermöglicht.

3. Mobbing: Zwischen Ohnmacht und Druck
Opfer von Mobbing-Attacken erkennen oft viel zu spät, dass sie auf der „Abschussrampe“ stehen, so dass es dann schon viel zu spät ist, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Mobbing beginnt heimlich, lautlos und hinterhältig. Betroffene verstehen an dem Punkt, wo es offensichtlich wird, die Welt nicht mehr. Oft suchen sie zuerst die Schuld bei sich, wobei sie meistens nichts falsch gemacht haben. Und trotzdem werden sie gehetzt, gejagt und persönlich erniedrigt.
Die Opfer stehen oft zwischen Ohnmacht, Unverständnis, Angriffen und Druck. Wer Mobbing nicht am eigenen Leibe erlebt hat, kann es sich kaum vorstellen.
Knackpunkt: Für die Betroffenen von Mobbing-Attacken ist es häufig sehr schwer, angemessen zu reagieren. Es wird immer wieder geraten, sich beispielsweise bei sehr persönlichen oder sexuellen Zudringlichkeiten sofort heftig zur Wehr zu setzen. Wenn sich Mobbing-Opfer aber so verhalten, wird oft gesagt, sie hätten überzogen und nicht abgemessen reagiert. Viel zu oft müssen eher die Opfer als die Täter mit negativen Folgen rechnen. Wie soll man sich wehren? Und wo liegt das richtige Maß?

» Praxistipp:
Wer Opfer einer Mobbing-Attacke geworden ist, sollte sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Es ist wichtig, die eigene Umgebung und sich selbst zunächst zu beobachten und zu analysieren.

4. Wer wird gemobbt?
Es gibt grundsätzlich niemanden, der nicht Opfer von Schikanen werden kann. Und es sind keinesfalls nur die schwächeren Persönlichkeiten, die „Versager“ und die „Schwachen“, wie man es manchmal hören und lesen kann, die vom Mobbing betroffen sind. Das sind Gerüchte und Vorurteile. Es gibt jedoch Personen, die eher vom Mobbing betroffen sind. In jedem Betrieb gibt es je nach Anzahl der Mitarbeiter mindestens eine, meist mehre Gruppierungen von Mitarbeitern, die sich mögen, stärker zusammen halten und sich gegen andere Gruppierungen abgrenzen. Vom Mobbing eher betroffen sind Personen, die nicht ausgesprochen zu einer dieser Mitarbeitergruppen gehören. Das heißt, gemobbt wird häufiger jemand, der nicht von einer anerkannten Gruppe von Mitarbeitern geschützt wird.
Auch alle sozialen Außenseiter können leicht zu „Sündenböcken“ und „Nestbeschmutzern“ gemacht werden. Wer darüber hinaus noch „Angriffsfläche“ durch besondere Persönlichkeitsmerkmale bietet, ist besonders gefährdet. Dies können Verhaltensweisen oder persönliche Merkmale sein, die entweder leicht ausgenutzt werden können oder die Neid und Eifersucht bei anderen Mitarbeitern erzeugen.

» Folgende Personen sind grundsätzlich eher gefährdet:

  • Ältere Mitarbeiter
  • – Frauen
  • – Ausländische Mitarbeiter
  • – Zugezogene aus anderen Regionen Deutschlands
  • – „Außenseiter“
  • Alle, die nicht zum „festen Kern“ der Belegschaft gehören
  • – Neue Mitarbeiter
  • – Mitarbeiter, die innerhalb des Betriebs beruflich aufgestiegen sind.

Grundsätzlich eher gefährdet sich auch Personen mit auffälligen oder besonderen Persönlichkeitsmerkmalen. Dazu zählen

beispielsweise:

  • Mitarbeiter, die im persönlichen Umgang nicht so schlagkräftig kontern können
  • – Mitarbeiter, über die sich andere Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Gründen lustig machen
  • – Mitarbeiter, die auf ihr „modisches Äußeres“ etwas weniger Wert legen
  • – Mitarbeiter, die ihren „eigenen Kopf“ haben.

Dazu zählen vor allen auch:

  • Mitarbeiter, die besonders ehrgeizig sind
  • – Mitarbeiter, die sich besonders mit ihrer Arbeit identifizieren
  • – Mitarbeiter, die besser ausgebildet sind
  • – Mitarbeiter, die schneller und besser als andere sind.

» Beispiel:
Die neue Mitarbeiterin Frau Dipl. Ing. Schulz sitzt immer an ihrem Domputer, als die anderen Mitarbeiter schon den ersten Umtrunk hinter sich haben, zu dem der Betriebsleiter Herr Alfons zu seinem Geburtstag informell eingeladen hatte. Es ist eine ausgelassene Stimmung. Herr Beck spricht abfällig über die modernen Politikerinnen, von denen wohl „viele kein Geld mehr für den Friseur“ haben, dabei schaut er auffällig und anspielend auf die Bürotür der neuen Ingenieurin. Alle, die das hören, brechen in lautes Gelächter aus. Als Frau Schulz in den Raum kommt, wird sie sehr freundlich begrüßt.
Was ist passiert? Herr Beck hat sich nicht nur über die neue Mitarbeiterin lustig gemacht, er hat mit seinen Zuhörern „die Übereinkunft getroffen“, dass man sich über Frau Schulz lustig machen kann, ohne dass jemand widerspricht. Frau Schulz ist damit, ohne ihr Wissen schon zum möglichen Mobbing-Opfer „ausgewählt“.

» Praxistipp:
Als vorbeugende Maßnahme ist es wichtig, dass sich Mitarbeiter nicht selbst in die soziale Isolation schieben, sondern die sozialen Kontakte zu Kollegen und anderen Mitarbeitern des Betriebes ausreichend pflegen.

5. Entwicklung eines inneren Frühwarnsystems
Damit mögliche und potenzielle Mobber rechtzeitig erkannt werden können, empfiehlt es sich, nicht nur einen „Kopf für die Arbeit“ sondern auch für das soziale Umfeld im betrieb zu haben. Eine genaue Beobachtung und Analyse des sozialen Umfelds im Betrieb ist unerlässlich. So können wertvolle Aufschlüsse über das soziale Gefüge von Teams und Abteilungen gewonnen und ggf. geeignete persönliche Verhaltens- bzw. Interventionsstrategien entwickelt werden.


» Checkliste

  • Beobachten zum sozialen Umfeld im Betrieb
  • Welche Mitarbeiter verstehen sich besonders gut?
  • Welche Mitarbeiter verbringen die Pausen gemeinsam?
  • Welche Mitarbeiter haben auch private Kontakte?
  • Welche Bündnispartner (sich gegenseitig stützende Mitarbeiter) gibt es?
  • Welche Gruppen gibt es?
  • Wie tolerant gehen diese Gruppen miteinander um?
  • Wer sind die inoffiziellen Sprecher dieser Gruppen?
  • Welche Mitarbeiter werden von wem persönlich abgelehnt?
  • Welche Mitarbeiter werden von welcher Gruppe abgelehnt?
  • Wer hat sich betriebsintern für eine Stelle beworben, die er nicht bekommen hat?
  • Wer hätte gern eine höhere Stelle?
  • Wie ist das Betriebsklima?
  • Welche Gerüchte gibt es über wen?
  • Wo gibt es welchen offenen Streit?
  • Wo gibt es welche verdeckte und nicht ausgesprochene Konflikte?
  • Welche Mitarbeiter werden vom nächsthöheren Vorgesetzten protegiert?

5.1 Vorbeugende Maßnahmen
Da jeder von Mobbing betroffen sein kann, sollte sich jeder – natürlich ohne übertrieben ängstlich zu sein – darauf einstellen und mindestens die folgenden Regeln einhalten.

» Vorbeugung gegen Mobbing:
Vermeidung der eigenen sozialen Isolation
Pflege der sozialen Kontakte zu Mitarbeitern/Kollegen
Kein schlechtes oder bösartiges Gerede über Vorgesetzte und Kollegen
Kein schlechtes Gerede über den eigenen Betrieb
Keine Einmischung in die Aufgabengebiete anderer Mitarbeiter, solange es nicht ausdrücklich die eigene Aufgabe ist
Positives und konstruktives Denken und Handeln
Wachsamkeit, aber keine Ängstlichkeit

» Praxistipp:
Vorbeugen ist besser als Leiden:

6. Die „Spielarten“ des Mobbings
Die Palette der praktizierten Gemeinheiten und Bösartigkeiten bis hin zu Sabotagen im Betrieb ist unendlich. In den wenigsten Fällen findet ein Mitarbeiter, der nach seinem Urlaub sein Büro betritt, dort einen neuen Kollegen sitzen, der ihn freundlich begrüßt und sagt „tut mir leid, Anordnung der Geschäftsleitung“. Solche offensichtlichen Attacken ohne Vorankündigung kommen vor, sind aber seltener.

» Die bedeutungsvollen Kleinigkeiten:
In der Regel beginnen Mobbing-Attacken durch „Kleinigkeiten“, die jede für sich genommen kaum der Rede wert sind. Erst in der Summe – oder in der Konzentration des gleichen „Absenders“ – gewinnen diese Kleinigkeiten an Bedeutung. Nur wenige Beispiele seien genannt:

  • Man „vergisst“, über einen wichtigen Termin zu informieren
  • – Erbetene Unterlagen werden viel zu spät weitergeleitet
  • – Es gibt mehr „versehentliche“ Missverständnisse als üblich
  • – Bestimmte Mitarbeiter werden überdurchschnittlich häufig „versehentlich“ von Informationen ausgeschlossen.
  • – Es kursieren kleinere Gerüchte über bestimmte Mitarbeiter.

»Deutlicher werden mögliche Mobbing-Attacken in folgenden Beispielen:

  • Ein Mitarbeiter, der früher an bestimmten Besprechungen teilgenommen hat, wird plötzlich nicht mehr dazu eingeladen
  • – Ein Mitarbeiter wird von Kollegen kaum noch gegrüßt bzw. geschnitten.
  • – Ein Mitarbeiter erhält eine ungerechtfertigte Abmahnung.
  • – Es werden bösartige Gerüchte über das Privatleben eines Kollegen verbreitet.
  • – Ein Mitarbeiter soll schriftliche Stellungnahmen an Vorgängen vorlegen, die eigentlich längst erledigt sind.
  • – Ein Mitarbeiter bekommt Arbeitsaufträge, für deren Erledigung er nicht allenötigen Informationen erhält.
  • – Auf die Urlaubswünsche eines Kollegen wird schon im 2. Jahr keine Rücksicht genommen.
  • – Es wurde an den Arbeitsgeräten oder Computer eines Mitarbeiters manipuliert.
  • – Manche der ausgehenden Briefe verschwinden oder werden nicht versandt.
  • – Ein Mitarbeiter wird auf eine andere Stelle versetzt und/oder degradiert bzw.sein Verantwortungsbereich wird beschnitten.

Eindeutiges Mobbing liegt in folgenden Beispielen vor:

  • Ein Mitarbeiter hat mehr als eine ungerechtfertigte Abmahnung erhalten.
  • – Mitarbeiter legen Gesprächsprotokolle über geschäftliche und private Gespräche mit einem Kollegen an und legen sie der Geschäftsleitung vor.
  • – Die Geschäftsleitung beschuldigt einen Mitarbeiter konfrontativ und für Dinge, die er objektiv nicht zu verantworten hat.
  • – Ein Mitarbeiter wird ohne besonderen Grund um Stellungnahmen von Ent- scheidungen gebeten, die lange zurückliegen.
  • – Man betraut einen Kollegen mit völlig überflüssigen und nutzlosen Aufgaben.
  • – Ein Mitarbeiter wird ohne vernünftigen Grund versetzt.
  • – Es kursierten bösartige Gerüchte über das Privatleben oder den Ehepartner eines Mitarbeiters.
  • – Ein Kollege ist auffällig häufig von Sabotage und Belästigungen betroffen.

»Zum Beispiel:

  • Beschädigung des Autos
  • – Drohanrufe/Drohbriefe
  • – Diebstahl im Betrieb
  • – zerstörte Dateien im Computer
  • – verschwundene Materialien, Briefe, Berichte oder Ähnliches.

» Die „Profis“ des Mobbings:
Über diese Beispiele hinaus gibt es natürlich viele weitere Methoden, Mitarbeiter zu drangsalieren und persönlich zu verletzen. Die „Profis“ des Mobbings geben ihren Mitarbeitern oder Kollegen Aufgaben, die sie aus faktischen oder anderen Gründen nicht erfüllen können. So können Mitarbeiter sogar befördert werden, wenn der Mobber sich sicher ist, das der Gemobbte die neuen Aufgaben nicht zur Zufriedenheit erledigen kann und in jedem Fall gerechtfertigte Gründe zur Kündigung liefern wird. Die Gründe müssen dabei nicht in der Arbeitsqualität oder Qualifikation des Betroffenen liegen. Methoden des Mobbings können allen Varianten eines Kriminalromans oder Psychothrillers entsprechen.
Nach den praktischen Erfahrungen erfolgen die hinterhältigsten und gemeinsten Intrigen von intelligenten und gut ausgebildeten Personen.

7. Mobbing: Täter und Beweggründe
In jedem Betrieb gibt es Probleme, Streit, Auseinandersetzungen und nicht jedes Missverständnis oder Problem sind Zeichen für mögliche Ansichten des Mobbings. Auch ein über Jahre dauernder Streit und permanente Missverständnisse mit einem Kollegen müssen kein Mobbing sein. Wenn aber wirklich gemobbt wird, sollte zunächst herausgefunden werden, wer mobbt und wer die möglichen Bündnispartner sind.

7.1 Wer mobbt?
Auch hier gilt, dass grundsätzlich jeder Mitarbeiter und jeder Vorgesetzte zum Mobber oder zum Bündnispartner von Mobbern werden kann. Übertriebene Ängstlichkeit und Misstrauen gegenüber allen Mitarbeitern ist allerdings auch nicht die Lösung – denn darunter leidet das Betriebsklima. Ein gesundes Maß an Wachsamkeit ist der beste Weg!
Mitarbeiter und Vorgesetzte, die eine potenzielle Bedrohung darstellen, können sein:

  • die sich durch bessere Ideen und Leistungen anderer Mitarbeiter „an die Wand gedrückt“ oder persönlich angegriffen fühlen:
  • denen andere Mitarbeiter bzgl. Ihrer beruflichen Interessen „im Wege stehen“
  • – die unter erheblichem beruflichen Stress stehen
  • – die von ihrer Persönlichkeitsstruktur her persönliche Freude daran empfinden, andere zu verletzen und Gerüchte in die Welt zu setzen
  • – die die informellen Sprecher von Mitarbeitergruppen sind.

In vielen Fällen agieren Mobber nicht alleine, sondern werden von anderen Mitarbeitern unterstützt. Daher sollte auf die Mitspieler und Bündnispartner der Mobber geachtet werden. Welche weiteren Mitarbeiter beteiligen sich manchmal auch „nur“ durch Dulden oder durch die Weitergabe von Informationen? Bei bestimmten Mitarbeitern empfiehlt es sich, seine Worte „auf die Goldwaage“ zu legen.
Wer von einigen Mitarbeitern und dem Vorgesetzten gleichzeitig gemobbt wird, steht unter besonderem Druck.

7.2 Weshalb wird gemobbt?
Die möglichen Gründe für Mobbing sind vielfältig. Und oft gibt es nicht nur einen Grund, sondern unterschiedliche Kombinationen von Gründen. Einige häufige Gründe seien stellvertretend für viele andere Gründe genannt.

» Betriebliche Gründe von Vorgesetzten:

  • Die Abteilung soll geschlossen werden
  • – es sollen Geld und Personal eingespart werden,
  • es muss umstrukturiert werden und bestimmte Mitarbeiter stören oder werden weniger gebraucht.

»Persönliche Gründe von Vorgesetzten:

  • der Gemobbte ist eine stärkere Persönlichkeit
  • – der Gemobbte hat meist die besseren Ideen
  • – der Gemobbte ist besser ausgebildet
  • – der Vorgesetzte mag den betreffenden Mitarbeiter nicht,
  • der Vorgesetzte ist eifersüchtig und neidisch,
  • der Vorgesetzte empfindet den betreffenden Mitarbeiter als Besserwiesser,
  • der Vorgesetzte kann sich gegenüber dem Mitarbeiter nicht behaupten,
  • der Vorgesetzte will eine persönliche Beziehung zu einem Mitarbeiter,
  • ein Mitarbeiter untergräbt die Autorität des Vorgesetzten.

»Persönliche Gründe von Mitarbeitern:

  • Eifersucht und Neid,
  • – Kampflust gegen Schwächere,
  • – ein Mitarbeiter fühlt sich bei seinen Karriereabsichten gestört,
  • – ein Mitarbeiter möchte die Stelle des Vorgesetzten,
  • ein Mitarbeiter will eine persönliche Beziehung zu seinem Vorgesetzten

» Soziologische Gründe, in Bezug auf eine Mitarbeitergruppe:
- Eine Gruppe sucht nach einem Sündenbock oder „Blitzableiter“.
– Eine Gruppe sucht sich zur Abgrenzung, zur Festigung der eigenen Identität
und zum inneren Zusammenhalt ein „geeignetes“ Opfer.
In vielen Fällen sind die Gründe für Mobbing nicht immer offensichtlich und rational nachvollziehbar. Es ist für Führungskräfte und Mitarbeiter unerlässlich, einen „7. Sinn“ für die psychologischen (einzelne Mitarbeiter untereinander) und soziologischen (Gruppenverhalten) Prozesse im Betrieb zu entwickeln.

8. Die richtige Gegenwehr
In der Praxis merken Betroffene oft viel zu spät, dass sie schon über einen längeren Zeitraum Mobbing-Opfer sind. Ihre Chancen, sich effektiv zu wehren, ohne dabei das Gesicht und den Arbeitsplatz zu verlieren, sind um so größer, je früher sie sich darauf persönlich und strategisch einstellen. Je mehr sich Vorgehensweisen gegen Betroffene eingespielt und entwickelt haben und Mitarbeiter daran beteiligt sind, desto schwieriger wird es für die Betroffenen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Der Versuch, möglichst frühzeitig zu reagieren, damit eingeleitete Entwicklungen möglichst rechtzeitig gebremst werden und nicht eskalieren können, ist daher enorm wichtig.
Grundsätzlich sollte alles vermieden werden, was zu einer Eskalation gegen berufliche und persönliche Fähigkeiten des Betroffenen führen könnte. Mobbing besteht zu einem großen Teil aus subtilen Intrigen, Anspielungen und Gemeinheiten. Praxisrelevante Kündigungsgründe liefern Mobbing-Opfer oft erst durch unüberlegte und emotionale Reaktionen auf Angriffe.

» Praxistipp:
Bei drohendem eigenen Schaden sollten sich Gemobbte stets um eine Deeskalation bemühen.

8.1 Den Mobber direkt ansprechen
Es ist wichtig, den Mitarbeiter, der andere demütigt, sofort anzusprechen. Je offensichtlicher seine Attacken sind, desto deutlicher kann die Ansprache erfolgen. Es sollen jedoch keine Verdächtigungen und Vermutungen geäußert werden, die dem Mobber als bösartige Unterstellungen sehr willkommen wären. Das Gleiche gilt für unsachliche oder angreifende Äußerungen, da jeder falsche Ton sofort gegen den Betroffenen ausgelegt wird.
Hat der Betroffene keine klaren Fakten in der Hand, bieten sich Äußerungen wie „ich habe den Eindruck, dass Sie mich nicht leiden können“ oder „ich habe den Eindruck, dass unsere Kommunikation irgendwie gestört ist“ an. Wenn z. B. manche ausgehenden Briefe verschwinden, kann man auch fragen „haben Sie einen Ra für mich? Ich habe den Eindruck, dass manche meiner Briefe verschwinden und nicht abgesendet werden“.
Diese „vorsichtige Konfrontation“ hat den Vorteil, dass der Gemobbte keine zusätzliche Angriffsfläche bietet, dem Mobber aber zeigt, dass er die Situation erkannt hat und sich nicht persönlich verletzt in sein „Schneckenhaus zurückzieht“, sondern geschickt und intelligent Paroli bietet. Die Reaktion zeigt auch, dass man sich nicht provozieren und zu Äußerungen verleiten lässt, die später gegen einen verwendet werden könnten.
Ähnliche Fragen sollten auch den Mitarbeitern gestellt werden, die den Mobber direkt oder indirekt bei seinen Angriffen unterstützen.
Hat man einen Beweis dafür, dass ein Mobber Briefe aus dem Postausgangskorb genommen hat, dann sollte er selbstverständlich nicht nur direkt damit konfrontiert werden, sondern auch eine Information an den Vorgesetzten und den Betriebsrat erfolgen. In der Praxis sind solche eindeutigen Beweise subtile Mogging-Attacken jedoch eher die Ausnahme.

8.2 Die Isolierungsfalle

Viele Menschen, die über einen längeren Zeitraum Opfer von Mobbing geworden sind, ziehen sich ratlos und verzweifelt zurück und leiden für sich alleine, „fressen alle Probleme in sich hinein“. Viele kündigen innerlich und machen nur noch Dienst nach Vorschrift und/oder ziehen sich von sozialen Kontakten zu anderen Mitarbeitern völlig zurück.
Jede Form der sozialen Isolation und des beruflichen Rückzugs erleichtert jedoch das Vorhaben von Mobbern. Wer sich in die typische Opferhaltung hinein drängen lässt, macht es seinem Mobber besonders leicht und in den meisten Fällen ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis man seine Stelle verliert.
Es ist auch die Entscheidung jedes einzelnen Mitarbeiters, ob er es zulässt, dass ihn andere schikanieren.
Wer gedemütigt, verletzt und tief getroffen ist, darf sich selbst nicht fallen lassen, sondern sollte den Kopf hoch halten. Für das Selbstwertgefühl ist es wichtig, so zu reagieren, dass man weiterhin jeden Morgen aufrecht in den Spiegel schauen kann. Auch wenn die Auseinandersetzung ungewohnte Kräfte und sicherlich auch neue Fähigkeiten verlangt, so ist der Versuch doch wichtig, aktiv und klug aus der Situation herauszukommen: dazu gehört, sich zu wehren, das Entwickeln von Strategien und das Treffen von angemessenen Entscheidungen.

8.3 Raus aus allen Teufelskreisläufen
Opfer von Mobbing geraten schnell in sich negativ verstärkende Verhaltenskreisläufe, die in jedem Fall so frühzeitig wie möglich durchbrochen werden sollten. Der Betroffene sollte sich selbst beobachten und entscheiden, ob er aus eigener Kraft in der Lage ist, diese Kreisläufe zu verhindern. Wenn der Grad der Verzweiflung so groß ist, dass er immer mehr in den Sog dieser negativen Kreisläufe hineingezogen wird, dann sollte er sich so schnell wie möglich von vertrauten Freunden, Kollegen oder anderen Stellen beraten und unterstützen lassen.

8.4 „Jedes Ihrer Worte kann gegen Sie verwendet werden!“
Mobbing-Opfer befinden sich unter einem Aspekt in der gleichen Situation wie jemand, der verhaftet wurde: „Von jetzt ab kann alles was Sie sagen, gegen Sie verwendet werden“. Personen, die gemobbt werden, müssen davon ausgehen, dass sie von ihrem Mobber und seinen Verbündeten genau beobachtet werden. Sie sollten daher wirklich jedes Wort, das sie sagen „auf die Goldwaage“ legen und überlegen, wem sie was erzählen. Nicht selten werden von Kollegen – auch über private Gespräche – Gesprächsnotizen angefertigt und an die Geschäftsleitung weitergeleitet. Unüberlegte negative Äußerungen über den Betrieb können schnell zu einer Kündigung führen. In der Praxis ergeben sich daraus folgende Probleme:
- Jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen, bremst die Vitalität und den
normalen und unkomplizierten Umgang miteinander
– Nicht zu wissen, wer den Mobber noch unterstützt und wem man überhaupt
noch vertrauen kann, führt zu einer erheblichen Verunsicherung, zu einem
generellen Misstrauen gegenüber allen Vorgesetzten und Kollegen und zwingt
zu eher formalen, steifen und distanzierten Umgangsformen
– Wut, Ärger und Aggressionen über den Mobber verleiten Gemobbte oft zu
unüberlegten und vorschnellen Äußerungen. Gemobbte müssen im Umgang mit
Vorgesetzten und Kollegen sehr diszipliniert sein und dürfen sich nicht provozie-
ren lassen.
– Nicht alle befreundeten Kollegen können schweigen. Manche von ihnen geben
anvertraute Informationen wieder „vertraulich“ weiter. Schweigen können ist
eine Kunst, die heute nur wenige beherrschen. Gemobbte müssen daher zu
befreundeten Kollegen, die nicht schweigen können, auf Distanz gehen.

8.5 Selbstschutz hat Priorität
Wer gemobbt wird, sollte sich gezielt überlegen, was er für sich persönlich tun kann, um seelisch und körperlich gesund zu bleiben.
Gesundheit und Wohlbefinden sind Voraussetzungen dafür, Stress auszuhalten, damit umzugehen und vernünftig und klug auf Angriffe reagieren zu können.

Die persönliche Sichtweise zu den Vorfällen macht den Unterschied! Genötigt und drangsaliert zu werden, verursacht erheblichen Stress. Und trotzdem entscheidet der Gemobbte selbst, welchen persönlichen Angriff und vor allem auch von welcher Person er ernst und „sich zu Herzen nimmt“. Alle Bösartigkeiten, Gemeinheiten und Attacken durch Mobber sind – isoliert betrachtet – zunächst einmal „neutrale Fakten“. Erst die Summe der eigenen persönlichen Sichtweisen und Einstellungen, ethischen Werte und Normen entscheiden darüber, was vom Gemobbten als krankmachende Belastung empfunden bzw. zugelassen wird.
Objektiv gleiche Belastungen können für den einen eine motivierende Herausforderung sein, den anderen dagegen zur Verzweiflung bringen. Es kommt also auch immer auf die innere Einstellung an, und die kann man – in Grenzen – auch korrigieren. Vielleicht hilft es, sich an einen Liedertext von Reinhard Mey zu erinnern, in dem es heißt: „Was schert sich ein Baum darum, wenn sich ein Schwein an ihm kratzt“.
Es ist wichtig, alles Erlebte – so weit möglich – nicht als persönlichen Druck und als persönliche Belastung zu empfinden. Man darf niemanden das Recht gegen, die eigene Persönlichkeit zu verletzen. Selbstschutz und der Versuch, die Dinge auch mit Humor zu sehen, bringen einen häufig schon weiter.

Wer sich fallen lässt, hat verloren! Und wer „Dienst nach Vorschrift“ macht, versucht, den anstehenden Problemen und Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Wer sich zurückzieht, der fällt zurück. Mit der Entscheidung, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen, entscheidet man sich auch, den Arbeitstag ohne Freude und Begeisterung „herumbringen“ zu wollen. Und dafür, jeden Morgen widerwillig und ohne Energie in den Betrieb zu fahren. Diese Lustlosigkeit wird sich auch auf das Privatleben auswirken. Wer sich fallen lässt, der stirbt ein Stück und beraubt sich der eigenen Lebensfreude.

Es ist wichtig, sich einen Ausgleich zu suchen! Hier wird die Entwicklung und Pflege von Interessen außerhalb des Berufes wie Sport, Hobbys, Familie u. ä. zu nennen. Die Vorteile: Der Betroffene kann so die Probleme im Betrieb einmal vergessen, was ihm neue Energien und Kraft gibt, und zum anderen fällt er nicht in das Unendliche, wenn er das Einzige, was er hat, wirklich verlieren sollte – seinen Beruf. Darüber hinaus schafft er sich zusätzliche Gelegenheiten, sein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu stärken.
In der heutigen Zeit muss jeder – gerade dann, wenn er gut ist – damit rechnen, seine Arbeit verlieren zu können. Stellungen auf Lebenszeit werden immer seltener. Was zählt sind die Arbeitsbereitschaft und die Einsatzfähigkeit!

Die Suche nach der inneren Ruhe! Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Aber es ist unstreitig, dass Konzentrationsstörungen, Wut und Aggression, Ausdauer verzehren, die dringend benötige werden, um durchzuhalten und sich zu wehren.
Wer spürt, dass er seine innere Ruhe verloren hat, sollte – je nachdem, was ihm persönlich liegt – täglich Konzentrations- und/oder Entspannungsübungen, Meditation, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung praktizieren. Viele Menschen können sich auch durch Spaziergänge, Sport oder ablenkende Hobbys beruhigen.

Gemobbte brauchen Unterstützung! Der Betroffene muss selbst aktiv werden und sich in seinem Umfeld umschauen, wer ihm in seiner besonderen Situation helfen kann. Niemand kann alle Probleme alleine bewältigen. Geeignet sind Vorgesetzte, der Betriebsrat, befreundete Kollegen, Freunde, Bekannte oder externe Fachleute. Es ist wichtig, die Scheu, Hilfe anzunehmen, abzuschütteln, dabei aber auf die richtige Wahl der Berater zu achten. Das müssen nicht unbedingt die besten Freunde sein!.

» Praxistipp:
Persönliche Verzweiflung ist verständlich, aber in Stresssituationen nicht hilfreich. Mit geeigneten „Beratern“ findet man meist eine intelligente Lösung“

8.6 Entwicklung von Strategien
Da das Umsetzen von Strategien gegen Mobbing auch zusätzliche Arbeitszeit in Anspruch nimmt, muss der Gemobbte seine normale Arbeit jetzt noch effizienter gestalten, zeitsparender organisieren oder sich darauf einstellen, dass er täglich noch mehr Zeit investieren muss. Wenn das Anfertigen von „privaten Notizen und Protokollen“ im Betrieb nicht möglich ist, sollten die Vorkommnisse und Gespräche zunächst im Betrieb auf Zetteln notiert und zu Hause ausformuliert werden. Gemobbte müssen sich innerlich darauf einstellen, dass sie insgesamt mehr und disziplinierter arbeiten müssen.

» Grundsätze für Strategien gegen Mobbing:

  • Die innere Erwartungshaltung einnehmen, dass man angegriffen und mit unfairen Methoden attackiert werden kann. Dabei darf man sich nicht in der Form angreifen lassen, dass ein Leidensdruck entsteht, der es einem nicht mehr erlaubt, angemessen klug reagieren zu können. Das betrifft nicht nur das Ausmaß der Attacken, sondern vor allem die persönliche Einstellung zu den Angriffen.
  • – Nicht zu unüberlegt aggressiven oder geschäftsschädigenden Äußerungen oder Handlungen verleiten lassen! Der Mobber wartet nur darauf!
  • – Übertriebene Ängstlichkeit oder Vorsicht hindert den Betroffenen daran, seine normalen aufgaben selbstbewusst und mit Standfestigkeit zu verrichten.
  • – Ein gesundes Mittelmaß zwischen notwendiger Vorsicht und Distanz sowie „gewohnt normalen“ Arbeitsformen finden.
  • – Alle Entscheidungen besser abzustimmen, zu koordinieren oder „von oben“ absegnen lassen. Je mehr Konsens über Entscheidungen besteht, desto weniger können diese später angezweifelt oder kritisiert werden.
    – Sammeln aller Informationen, die zu einem späteren Zeitpunkt als Beweise oder fundierte Begründungen benötigt werden könnten.
  • – Anfertigung von in diesem Zusammenhang wichtigen Gesprächsprotokollen.
  • – Offensive ist die beste Verteidigung, z. B. das Angebot an den Mobber – dort wo sich eine Gelegenheit bietet -, konstruktiv zusammen zu arbeiten.
  • – Direkte Ansprache kursierender Gerüchte bei passender Gelegenheit.
  • – Destruktive Gestik und Mimik direkt und offen ansprechen.

» Die Ziele der Strategien sind:

  • sich selbst emotional unter Kontrolle haben,
  • dem Mobber keine unbedachten Reaktionen zeigen, die gegen einen selbst verwendet werden können,
  • dem Mobber und anderen selbstbewusst zu verstehen geben, dass er sich an seinem ausgewählten Opfer „die Zähne ausbeißt“,
  • Beweise oder eindeutige Hinweise sammeln, die Vorgesetzten oder den Betriebsrat überzeugen,
  • alle Entscheidungen und wichtigen betrieblichen Handlungen abzusichern, damit man fachlich nicht kritisiert werden kann,
  • Mobbing zu beenden und den Mobber zur Rechenschaft ziehen. Je selbstbewusster und offensiver der Gemobbte vorgeht, desto mehr nimmt er seinem Widersacher „den Wind aus den Segeln“.

8.7.Standhalten oder Flüchten?

In der Abwägung zwischen standhalten und flüchten müssen Gemobbte natürlich Standhalten und zwar mit aller Energie reagieren, agieren und kämpfen.
Es ist jedoch aussichtslos, gegen Windmühlen zu kämpfen. Aussichtsloses Durchhalten und Kämpfen können darüber hinaus der Gesundheit erheblich schaden und den Betroffenen beim Start in einem neuen Betrieb sehr behindern.
Vielleicht gibt es auch Lösungen dazwischen? Vielleicht gibt es gegenseitig einvernehmliche Lösungen der innerbetrieblichen Versetzung? Oder es gibt andere Lösungen, mit denen alle Beteiligte gegenseitig einverstanden sind. Es kann sich daher keiner leisten, im Fall von Mobbing eine halbwegs akzeptable Lösung außer Betracht zu lassen. Notfalls – aber wirklich nur notfalls – sollten auch Lösungen, bei denen der Betroffene bei gleicher Arbeit weniger Geld bekommt, der Arbeitslosigkeit vorgezogen werden. Ein geringfügiger Imageverlust ist manchmal etwas leichter zu verkraften, als die Familie nicht mehr normal unterhalten und seine Miete nicht mehr bezahlen zu können. Wer sich entscheidet, den Arbeitsplatz zu wechseln, sollte bedenken, dass er „seinen eigenen Kopf mitnimmt“. Das heißt, er sollte sich auch überlegen, ob und welche seiner Eigenschaften dazu beigetragen haben könnten, dass er gemobbt wurde. Der Versuch, aus den eigenen Fehlern zu lernen, ist wichtig, um das Risiko wieder gemobbt zu werden, für die Zukunft zu reduzieren.

9. Wer bietet Unterstützung
Mobbing-Opfer können ihre Konflikte meist nicht alleine bewältigen. Gute betriebliche, private und/oder professionelle Beratung ist in der Regel notwendig, damit die Konflikte ohne längerfristiges Leiden überstanden und gelöst werden können.
Geeignete Berater sind Menschen, von denen man weiß, dass sie einen klaren Blick für Probleme haben, vernünftige Entscheidungen treffen und vor allem auch schweigen können.

9.1 Vorgesetzte/Geschäftsleitung
Opfer von Mobbing-Attacken sollten grundsätzlich alle denkbaren Unterstützungen von ihrem Betrieb erwarten dürfen. Die Praxis sieht allerdings oft anders aus. Vorgesetzte sind manchmal entweder an Mobbing-Attacken beteiligt oder sie sind mit der Unterstützung von Mobbing-Opfern persönlich völlig überfordert. Oft wird die Existenz von Konflikten durch Vorgesetzte und/oder der Geschäftsleitung negiert. Viele Betriebe sehen die Lösung des Problems oft darin, sich von dem Opfer zu trennen, statt dem Mobber zur Rechenschaft zu ziehen.
Nicht selten reagieren Vorgesetzte mit den Worten wie „nun haben Sie sich mal nicht so, Frau Müller“, oder „Herr Weidmann, seien Sie doch nicht immer so empfindlich“, oder „Stellen Sie sich nicht so an Herr Schulze, dort wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Solche Sprüche sind jedoch wenig hilfreich. Sie sind aber deutliches Zeichen dafür, dass sich der Vorgesetzte durch das Problem psychologisch „in die Enge getrieben“ fühlt und das Problem eher – weil er damit nicht umgehen kann – als eine Bedrohung für sich selbst empfindet.
Wenn Vorgesetzte so reagieren, sollten Gemobbte sie mit ihrem Problem nicht
Weiter „belästigen“, es sei denn, sie haben klare Beweise. Überforderte Vorgesetzte sind keine Hilfe und würden sich – unter Druck gesetzt – aus Angst und Hilflosigkeit wahrscheinlich eher gegen den Gemobbten entscheiden.
Wenn der Vorgesetzte Courage hat, wird er sich das Problem in Ruhe anhören, bei der Suche nach Lösungen helfen und den Mobber zur Rede stellen.
Der Geschädigte kann unmittelbar an den Arbeitgeber herantreten, der aufgrund seiner Fürsorgepflicht gehalten ist, den Arbeitnehmer vor dem Mobbing der Kollegen/Vorgesetzten zu schützen. Die je nach den Umständen des Einzelfalls einzusetzenden Mittel des Arbeitgebers gegenüber diesem Arbeitnehmer sind neben Rüge oder Ermahnung die Abmahnung, die Versetzung bis hin zur Kündigung.
Außerdem kann der Arbeitnehmer seine Kolegen, von denen das Mobbing ausgeht, persönlich vor dem Arbeitsgericht auf Unterlassung und Schadenersatz in Anspruch nehmen.

9.2 Betriebsrat
Mitglieder des Betriebsrates wollen helfen, sind aber auch oft mit den komplexen psychologischen Problemen von Mobbing-Konflikten zu wenig vertraut und können den Opfer nicht immer die Unterstützung geben, die Mobbing-Opfer erwarten und benötigen.
Betriebsvereinbarungen gegen Mobbing, wie beispielsweise beim Volkswagenwerk in Wolfsburg, sind leider noch immer die große Ausnahme. Das gleiche gilt für Frauenbeauftragte für spezifische Probleme von Frauen, bei sexuellen Belästigungen oder Diskriminierung gegen Ältere, Behinderte oder Ausländer.
Trotzdem: Ein Gespräch mit den Mitgliedern des Betriebsrates, von denen man den Eindruck hat, dass sie helfen können (und wollen), ist ratsam. Außerdem ist es enorm wichtig, dass Betriebsräte eine klare Vorstellung des Ausmaßes von Mobbing im eigenen Betrieb haben – nur so wächst beim Betriebsrat und der Geschäftsführung das Problembewußtsein und damit die Motivation, angemessene Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Die Reaktionsmöglichkeiten der am betrieblichen Geschehen Beteiligten entsprechen allgemein dem Arbeitsrecht. Der betroffene Arbeitnehmer kann sich im Wege der Beschwerde an den Betriebsrat wenden.
§ 75 BetrVG konkretisiert die Verpflichtung des Arbeitgebers, auf eine positive Gestaltung der Arbeitsbedingungen zur freien Persönlichkeitsentfaltung
hinzuwirken. Jeder Arbeitnehmer ist aufgrund dieser Regelung nach den „Grundsätzen von Recht und Billigkeit“ zu behandeln. Aufgrund von § 75 BetrVG ist der Betriebsrat verpflichtet, auch ohne eine Beschwerde des Betroffenen gegen Mobbing vorzugehen. Im äußersten Fall kann er von seinem Recht Gebrauch machen, die Versetzung oder Entlassung des mobbenden Arbeitnehmers zu verlangen (§ 104 BetrVG

9.3 Professionelle Hilfe
Auch wenn heute alle von Mobbing sprechen, wissen nur wenige, dass es für Mobbing-Opfer auch spezielle Beratungsstellen gibt.
Es ist grundsätzlich zu empfehlen, den Kontakt zu einer professionellen Beratungsstellen zu suchen. Die dortigen Berater haben sich auf Mobbing-Probleme spezialisiert und wissen am besten, wie konkrete Hilfestellung aussehen kann. Sehr empfelendswert ist es auch, an Seminaren über Stressbewältigung und Mobbing teilzunehmen. Beratungsstellen verfügen über aktuelle Informationen

10. Adressen
AOK Mobbing Telefon Hamburg Tel.:040/20230209
Sprechzeiten montags 10- 14 Uhr dienstags 14 – 18 Uhr und donnerstags 17 – 20
Uhr.

Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V.
Am Burgacker 70
65207 Wiesbaden
Tel.: 0611-541737 / 9570381 / 5329861
Fax: 0611-5329862
im Internet unter http://www.vpsm.de


Autor: Dodger
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